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Full text of "Die deutschen Familien-namen, geschichtlich, geographisch, sprachlich"

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C 



I ( 



Die 



Deutschen Familien-Namen 



geschichtlich, geographisch, sprachlich. 



Yon 



Albert Helntze, 

Oberlehrer an dem Gymnasium zu Stolp. 



\" 



Halle a. S., 

Verlag der Buchhandlung des Waisenhauses. 

188 2. 



\ 






Harvard Goiieffe Librar#i 
22 May, 1890. 
From the Library of 
PROF, B,W. QÜRNBri 



/ 



Vorwort. 



Nachdem in den letzten Jahrzehnten eine ganze Litteratur über die 
deutschen Eigen -Namen erblüht ist, habe ich den Versuch gemacht, die 
wesentlichsten Ergebnisse der bisherigen Forschungen, soweit sie die Familien - 
Namen betreffen, einem grössern Kreise, dem der Gebildeten überhaupt, in 
möglichst übersichtlicher und handlicher Form darzulegen. Denigemäss 
schildert der erste Theil dieses Buches zusammenhängend die Seutschen 
Familien -Namen nach ihrer Entwickeluug und ihren Klassen, während der 
zweite Theil eine lexikalische Zusammenstellung der wichtigsten Bildungs- 
elemente und Namen enthält. 

Die Grundlage dieser Darstellung bilden zunächst die einschlagenden 
Werke von Förstemann, Pott, Abel, Stark, Andresen, denen 
sich für die Namen der zweiten und dritten Schicht der freilich oft unkri- 
tische Vilmar anreiht. Wenig Ausbeute lieferten im Allgemeinen die 
Namenbücher, welche den Adresskalender irgend einer Hauptstadt, meist 
in ziemlich oberflächlicher Art, behandeln. Als entschieden werth völler 
erwiesen sich dagegen einige Arbeiten in Schulprogrammen, vorzüglich von 
Euprecht, Becker, Pauli (ein Verzeichnis dieser weniger zugäng- 
lichen Schriften s. hinter dem Vorwort). 

Besondere Aufinerksamkeit habe ich auf ein bisher weniger berück- 
sichtigtes Gebiet, nämlich auf die geographische Vertheilung der Familien - 
Namen verwendet. Das bezügliche Material lieferten hauptsächlich, während 
der letzten Kriege (von 1866, 1870 — 71), die Verlustlisten der preussischen 
und deutschen Heere, aus welchen ich viele tausende von Namen zu diesem 
Behufe mit Vorsicht ausgezogen und geordnet habe. 

Auf einem so schwierigen Gebiete, wie die Behandlung und Erklärung 
der Eigen -Namen ist, kann nur durch vereinte Kräfte Vieler grössere 
Sicherheit gewonnen werden. Daher gestatte ich mir an Alle, welche sich 
für diesen Zweig unserer Sprache und Kultur interessiren, die Bitte, mich 



IV * Vorwort. 



brieflich durch Beiträge, insbesondere durch Berichtigung etwaiger Fehler, 
die sich in meiner Arbeit finden, freundlichst zu unterstützen. 

Und so möge denn dieses Buch, auf welches ich im Laufe der Jahre 
so manche Stunde verwendet habe, zum bessern Verständnis unserer Fami- 
lien-Namen und damit auch zur Belebung echt deutschen Sinnes an seinem 
bescheidenen Theile beitragen! 



Verzeiclmis 

der benutzten Abhandlungen aus Schulprogrammen. 



Förstemann, über die BilduDg der Familiennamen in Nordhausen im 13. und 14. Jahr- 
hundert. Progr. des Gymnasiums zu Nordhausen. 1851. 

Lübben, die Thiernamen im Reineke Vos. Progr. des Gymnasiums zu Oldenburg. 1863. 

Ruprecht, die deutschen Patronymika, nachgewiesen an der ostfriesischen Mundart. Progi*. 
des Gymnasiums zu Hildesheim. 1864. 

Becker, die deutschen G^schlechtsnamen, ihre Entstehung und Bildung. Progr. der Gewerbe- 
schule zu Basel. 1864. 

Reich el, die deutschen Geschlechtsnamen unter Berücksichtigung der Marburger Namen. 
Progr. des Gymnasiums zu Marburg (Steiermark). 1867. 

Pauli, über Familiennamen, insbesondere die von Münden. Progr. der hohem Büigerschule 
zu Münden 1. IL 1870—71. 

Fick, die Göttinger Familiennamen. Progr. des Gymnasiums zu Göttingen. 1875. 

Tschiersch, Formwandlungen der deutschen Geschlechtsnamen. Progr. des Gymnasiums 
zu Luckau. 1875. 

Koch, Familiennamen und Familien von Saalfeld im 16. und 17. Jahrhundert. Progr. der 
Realschule zu Saalfeld. 1877. 



Inhalt. 



I. Abhandlung. Seite 

Einleitung 3 

1. Die Elemente der deutschen Familien -Namen (dreifache Schicht) 9 

2. Die Person -Namen überhaupt — ein Spiegel des Volksgeistes. Namen der Griechen, 

Kömer, Israeliten 9 

3. Der germanische Volksgeist. Das Eigenthümliche der altgermanischen Namengebung 

im Allgemeinen (Wuotan) 12 

4. Die altgermanische Namenwelt 14 

5. Übereinstimmung der deutschen Namengebung mit der griechischen 19 

6. Weiterentwickelung der altdeutschen Person -Namen. Ihre Lebenskraft 20 

7. Fremdsprachige (kirchliche) Namen 24 

8. Das Festwerden der Namen: Bildung der Familien -Namen 26 

9. Altdeutsche Person -Namen als Familien-Namen 30 

10. Sprossformen der altdeutschen Person -Namen als Familien -Namen: 

a) Kürzungen und Verkleinerungen 32 

b) Genetivische Namen 34 

11. Kirchliche Person-Namen als Familien -Namen 36 

12. Familien -Namen der dritten Schicht: 

a) Stand und Gewerbe 39 

Werkzeuge und Kleidungsstücke 44 

Speisen 46 

13. Familien -Namen der dritten Schicht: 

b) Eigenschaften (Attributiva) 47 

Körpertheile 49 

Satznamen 50 

14. Familien -Namen der dritten Schicht: 

c) Herkunft und Wohnstätte 52 

Adelsnamen 57 

Häusemamen . 58 

15. Würdigung der deutschen Familien -Namen nach Gehalt und Form 61 

16. Latinisirungen 62 

17. Jüdische Namen 65 

18. Französirungen , Polonisirungen und andere Metamorphosirungen der Neuzeit ... 66 



vni Inhalt. 

Seite 

19. Geographische Verhreitung der deutschen Familien -Namen 69 

20. Genauere Angabe der Vertheilung der Familien -Namen in Niederdeutschland ... 72 

21. Stillstand oder Bewegung in der Namenwelt? 77 

Beilage 1. Godeberaht 79 

„ 2. Entwickelung einer Namenreihe während der Neuzeit 80 

„ 3. Fremdsprachige Namen in Deutschland: 

a) Slavische 82 

b) littauische 84 

c) Eomanische 85 

IL 

Namen-Lexikon 87 



I. 



Abhandlung. 



Hointze, Deutsche Familien - Namen. 



Einleitung. 



Unsere Geschlechts- oder Famüien- Namen erscheinen uns, wenn wir 
genauer nach ihrem eigentlichen Sinne fragen, in der weitaus grössten 
Zahl räthselhaft und unverständlich. Denn was bedeuten Namen wie z. B.: 
Hildebrand, Gundlach, Odebrecht, Rüdiger, Amelung? Ist das nicht, wie 
wenn eine Keihe von Kittem vor uns aufinarschirte, aber alle mit geschlos- 
senem Visier? Oder kürzere Namen wie: Reniif, Wen^, Benz, Bopp, Dapp, 
Rapp, Rupp, Dromtra, Krumtum, Zumtrum! Wird uns da nicht zu 
Muth, als ob wir einen Chor wunderlicher Kobolde sähen, die uns neckend 
umhüpfen ? 

Nun, wir wollen es einmal versuchen, ob wir den Kittem ihr Visier 
nicht öffiien, ob wir die neckischen Kobolde nicht zwingen können, dass 
sie uns Stand halten und Namen und Abkunft sagen. 

Denn ein merkwürdig und wunderlich Ding ist es im Grunde doch , dass 
der Mensch in seinem Namen so einen Begleiter durch das Leben erhält , der 
ihm stets mit geschlossenem Visier zur Seite geht, einen Gefährten , der ihn 
von der Wiege bis zur Bahre geleitet, siebenzig, achtzig Jahre lang, und 
dennoch in seinem Wesen nicht erkannt wird, stets nur sein Äusseres, nie 
sein Inneres aufweist — dessen wahrer Gehalt also verborgen bleibt. Und 
doch bewahren wir den unerkannten Begleiter so sorgsam , wir dulden es nicht, 
dass er in irgend etwas verkürzt werde, dass ihm ein Buchstab, soUte er 
auch für die Aussprache nichts verschlagen, genommen oder zugesetzt werde, 
wir bewahren den Namen mit allen unorthographischen ck und t0 und dt. 

So wachen wir sorglich über der äusseren Gestalt und Hülle, und 
um den Innern Gehalt und Kern soUten wir uns nicht bekünunern, nie 
danach fragen? 

Etwas Bedeutungsloses ist ein solcher Name jedenfalls nicht, so sinn- 
los und bedeutungsleer er auch vielfach scheinen mag. Es ist kein leerer 
Schall, welcher rein der WiUkür und der Laune des Zufalls sein Dasein zu 
verdanken hätte. Etwas — das kann hier im Voraus versichert werden — 
etwas bedeutet von Hause aus ein jeder Name, und dieser Satz behält seine 
Wahrheit auch gegenüber den tausenden unserer Familien -Namen, die uns 
so dunkel und unverständlich klingen. 

Aber wie hat denn Sinn und Bedeutung der Namen uns so 
sehr entschwinden können? — Das hat mehr als einen Grund. Vor 
allen Dingen liegt es am Alter der Familien -Namen. Dieselben sind fest 

1* 



Einleitung. 



geworden in der zweiten Hälfte des Mittelalters, also vor mindestens 
500 — 600 Jahren. Damals sind sie fest geworden, d. h. während bisher 
der Name vom Vater auf den Sohn wechselte, wie noch jetzt bei uns die 
Vornamen, so befestigte sich nunmehr allmählich in der Famüie ein Name, 
der vom Vater auf den Sohn überging und an dem ganzen Geschlechte 
haften blieb. Diese Entwickelung trat allerdings erst vor etwa einem halben 
Jahiiausend ein; die Namen aber, die sich damals als Familien -Namen 
festsetzten, sind nicht erst damals auch entstanden, sondern gehen, als 
Personen -Namen, meist weit höher hinauf, bis in die Zeiten der Völker- 
wanderung — es braucht hier nur an die hervorragendsten Gestalten des 
Nibelungen -Liedes erinnert zu werden, an Siegfried, Hagen, Günther, 
Dietrich, Rüdiger, Namen, die wir sämtlich, wenn auch vielleicht ein 
wenig verändert, in der Gegenwart als Familien -Namen, zimi Theil auch 
als Vornamen häufig finden. Einzelne reichen noch höher hinauf, bis zu 
den Anfängen der germanischen Geschichte, wie sie uns in freilich lücken- 
hafter Kunde Griechen und Kömer überliefert haben, ja über Armin und 
Marbod hinauf in Zeiten, da wohl noch kein Germane Fuss und Speer aut 
den Boden des nachmaligen Deutschland gesetzt hatte. 

Nun haben aber die Eigen -Namen mit der stetigen Weiterentwickelung 
der Sprache nicht gleichen Schritt gehalten, sie sind je länger je weniger 
mitgegangen, zumal seit sie als Familien -Namen festgeworden. Die Ver- 
änderungen, welche die Sprache zu erleiden gehabt, haben* sie als das 
geheiligte Eigenthum des Einzelnen nicht gleichmässig mitgemacht, sie sind 
stehen geblieben; die Stürme der Zeiten, welche die alten Sitten und Weisen 
hinweggefegt, haben sie nur wenig berührt. So stehen die Namen da gleich 
den Kuinen der Kitterburgen , als Zeugen einer vergangenen Zeit. Die alten 
Wortformen sind untergegangen in dem sonstigen Gebrauch der Sprache, 
manche Stämme und Wurzelwörter ganz abhanden gekommen, wie Zweige 
eines Baumes welken und verdorren; doch in den Namen sind sie noch da, 
wenn auch dem Verständnis entrückt. So verstehen wir von dem Namen 
Hüdehrand die letzte Silbe wohl noch, was heisst aber hüde? Hier giebt uns 
unser Neuhochdeutsch nicht mehr Aufschluss, wir müssen weiter hinaufsteigen, 
zum Altdeutschen, um den Schlüssel für diesen noch jetzt gar nicht 
seltenen Namen zu holen. Hild heisst Kampf, Schlacht, also Hüdebrand: 
Kampfesbrand, Schlachtenbrand — gewiss ein trefflicher Name für einen 
Helden, der wie verzehrendes Feuer um sich her wüthet in der Schlacht! 
Ähnlich ist es mit der Silbe mar^ berühmt, in Waldemar (berühmt im 
Walten), Germar (speerberühmt), sowie mit rud, welches gleichfalls berühmt 
bedeutet, in Rudolf, Rüdiger, So könnten der verschollenen Wurzeln noch 
gar manche aufgeführt werden; andere haben wenigstens ihre Bedeutung 
geändert, wie schalk (ursprünglich „Knecht"), und vnv als geborene Deutsche 
müssen bei den Gelehrten Kath suchen, um uns diese urdeutschen Namen 
wie fremde erklären zu lassen. Es ist Moos darum gewachsen, Rost hat 



Einleitung. 



sich auf das Metall gelegt und will mit behutsamer Hand entfernt sein, ehe 
uns wieder der edle, reine Metallglanz entgegenstrahlt. 

Warum aber liess man diese Namen, sobald ihr Verständnis ent- 
schwunden war, nicht fallen, warum liess man die alten Wörter, die im 
Verkehr der lebendigen Eede erstorben waren, noch in den Eigen - Namen 
ein langes Traum- und Schlummerleben durch die Jahrhunderte weiter 
führen? Das hat seinen ersten und einfachsten Grund darin, dass es ja 
bei den Namen weniger darauf ankam, diesen oder jenen Gedanken 
durch sie mitzutheilen , als ein Zeichen zu haben, um unter einer Anzahl 
Personen eine bestimmte unterscheiden und bezeichnen zu können. Die 
eigentliche Bedeutung der Namen und die Ursache, warum sie ursprüng- 
lich gewählt worden, trat allmählich in den Hintergrund und wurde viel- 
fach ganz vergessen. 

So nehmen denn die Eigen -Namen eine besondere, eine Ausnahme- 
stellung in der Sprache vor allen anderen Wörterklassen ein; sie gehen 
nicht mit der Zeit mit, sie kümmern sich nicht darum, ob man sie versteht, 
sie haben ihre eigenen Formen, die nicht angetastet werden dürfen, ja ihre 
eigene Orthographie. 

Aber es ist nicht allein das hohe Alter der Namen und ihre von 
daher grossentheUs bewahrte Form, wodurch sie so dunkel und räthselhaft, 
fast hieroglyphengleich geworden sind — auch die mannigfachen Mund- 
arten, in welche sich das Deutsche spaltet, tragen dazu bei, die Bedeu- 
tung der Familien - Namen zu verhüllen. Als diese sich bildeten , waren die 
verschiedenen Mundarten Deutschlands noch in voller Blüte, eine allgemein 
herrschende Schriftsprache war noch nicht vorhanden. So setzten sich denn 
auch die Familien - Namen für jede Landschaft zunächst in der dort verbrei- 
teten Mundart fest. Sieht man sich z. B. die lange Eeihe pommerischer 
Namen aus der Zeit Herzog Bogislavs X. an, wie sie Klempin in seinen 
„Diplomatischen Beiträgen zur Geschichte Pommerns" aufstellt , so wird man 
alles, was darin an Namen deutsch ist, eben als niederdeutsch erfinden: 
Apenborch, Benekendorp, van deme Berghe, Bilrebeke, Blome u. s. w. Als 
nun nach Luther das Hochdeutsche (urspr. Obersächsische) auch im Norden 
allmählich als Schriftsprache durchdrang, wurden diese „plattdeutschen" 
Namen allerdings zum grössten Theile dem neuen Lautsystem angepasst, 
aber doch nicht ausnahmslos: viel Niederdeutsches blieb und bleibt stehen. 
So schimmert die ursprüngliche Grundlage des Niederdeutschen für ganz 
Norddeutschland in den Familien -Namen noch überall durch in Formen wie: 
Schulte, Möller y Flashaar, Niehuhr (neben Neubauer), Voss, Utermöhlen 
(„aus der Mühle"), Cassehaum (halbniederd. = Kirschbaum) u. s. w. Dahin 
gehört besonders auch die grosse Zahl der Verkleinerungsformen auf Jce, 
die meist von einheimischen oder auch ausländischen Vornamen herrühren, 
z. B. Gerike aus Gerhard, Jahnke aus Johannes. Ln Oberdeutschen finden 
wir statt dessen die Endung el, auch z, z.B. Dietd, Biete für Dietrich. 



6 Emleitung. 



Diese und viele andere Verkleinerungswörter , oder wenn man will „Schmei- 
chelformen", die sich vorzugsweise als Familien -Namen festgesetzt haben, 
erfordern zu ihrer Entzifferung, wenn dieselbe mehr als ein blosses Eathen 
sein soll, Kenntnis der Dialekte und ihrer oft höchst eigenthümlichen Formen. 
Wer möchte z. B. durch blosses Vermuthen darauf kommen, dass Hiesel 
aus Matthias, Gilles aus Aegidius, Grolms aus Hieronymus entstanden ist! 
Nicht minder macht sich dies geltend bei der zahlreichen Klasse der von 
Beschäftigungen, von Amt und Gewerbe entlehnten Familien -Namen, da 
die Bezeichnungen gerade auf diesem Gebiete landschaftlich oft sehr ver- 
schieden sind. 

Nicht genug, dass die Mundarten ihre Einflüsse geltend gemacht haben 
— alles das ist immer doch noch deutsch — aber auch von ausserhalb der 
Grenzen unserer Sprache sind bedeutende Einströmungen erfolgt. So wenig 
das jetzige deutsche Volk ein ganz ungemischtes ist, so wenig sind die 
Familien - Namen durchweg deutsch. Vor allem ist die Beimischung der 
Slaven hervorzuheben. Diese erfüllten bekanntlich, von den Zeiten der 
Völkerwanderung her, den ganzen Osten Deutschlands bis zur Elbe und 
Saale. Als sie endlich wieder zurückgedrängt wurden, blieben doch viele 
in ihrer seit so langer Zeit eingenommenen westlichen Heimat sitzen und 
wurden erst allmählich und nicht überall germanisirt. Diese Grundlage des 
Slavischen auch in längst wieder deutsch gewordenen Strichen tritt wie in 
den Orts -Namen, so auch in den Familien -Namen hervor, ein bedeutender 
Bruchtheil ist slavisch: wendisch, polnisch — selbst Tschechen dringen aus 
Böhmen herauf. Vor aUen kenntlich sind die polnischen Namen auf shi, 
wie LichnowsJci, Kosinsky; nicht minder aber sind slavisch, meist eben von 
den entsprechenden Orts -Namen entlehnt, die Namen auf ow: Passow; die 
auf i^j8?; Miltitz, vergröbert itsch: Delitzsch; die auf in: Schwerin — nicht 
zu vergessen die mit slav (Kuhm) selbst zusammengesetzten Personen -Namen: 
Bogislav, Bugslaff, zuletzt Butzlaff (mit lang zu sprechendem m, Gottesruhm). 

Dann ist ein, wenn auch lange nicht so starker, doch immerhin in 
Anschlag zu bringender Bruchtheil romanischen Blutes aufgenommen 
worden, hauptsächlich aus Frankreich, in den Auswanderern, welche unter 
Ludwig XIV. ihres protestantischen Glaubens wegen ihr Vaterland als 
„Refugi6's" verlassen mussten und in Deutschland liebevolle Aufnahme und 
eine neue Heimat fanden. Daher nun französische Familien -Namen wie 
Palmier, du Mesnil, de Convenant 

Zum Schluss verdient noch Erwähnung, dass selbst das Littauische, 
so entlegen es dem Völkerverkehr ist,, sein Fähnlein gestellt hat, z. B. 
KaprolatiSf Ädomeit. In Berlin sind littauische Namen nicht selten, und 
in Königsberg gar wimmelt es von ihnen. 

So sind denn slavische Elemente von Ost und Südost, littauische von 
Nordost, romanische von West und Südwest eingednmgen und zwar in 
bedeutendem Masse. Man mache die Probe an irgend einer Namenreihe — 



Einleitung. 



eines Kegierungs-Collegiums, eines Stadtverordneten- oder Lehrer- CoUegiums 
— in dem östlichen Deutschland, und man wird selten die Namen rein- 
deutsch finden. 

Wir haben es also in der Welt der Familien -Namen, wie sie gegen- 
wärtig in Deutschland ist, mit einem Gemisch nicht bloss aus verschiedenen 
Zeitaltern und Mundarten , sondern sogar aus ganz verschiedenen Sprachen zu 
thun. Dadurch wird begreiflicher Weise die Erforschung der Namen ausser- 
ordentlich erschwert. Denn wer vollkommen gerüstet ans Werk gehen woUte, 
um die in Deutschlaxid jetzt vorkommenden Familien - Namen zu erklären, 
müsste eine sehr imifassende Sprachkenntnis besitzen , nicht allein des Deut- 
schen nach seinen Verzweigungen und des Eomanischen, sondern vor allen 
Dingen auch des Slavischen, und zwar in seinen verschiedenen Mundarten. 

Aber selbst wer diese umfassende Sprachkenntnis besässe , würde doch 
noch genug Hindemisse zu überwinden haben und oft muthlos das kritische 
Messer sinken lassen. Ja, wenn die Namen in reiner, unverfälschter und 
unentstellter Form vorlägen! Aber wieviel Entstellungen, Verstümmelungen 
und besonders Umdeutungen haben sie sich müssen gefallen lassen trotz 
aller beanspruchten XJnantastbarkeit, die fremden zumal, die man nicht ver- 
stand! Butzlaff statt Bogislav (Bugslaff) ist noch nicht arg; wenn aber 
Wamehing (Verkleinerungsform von Werner) sich in Warnhönig, wenn 
Christian sich in Kirschstein, Bernhard (= Bärenstark) oder vielmehr 
dessen Verkürzung Berend in Bierente wandeln konnte, so sieht man aller- 
dings, dass hier Dinge möglich und häufig sind, die auf dem sonstigen Gebiete 
der Schriftsprache glücklicherweise zu den grössten Seltenheiten gehören. 

Das alles sind unabsichtliche Entstellungen; es kommt aber auch vor, 
dass der Träger eines Namens in bewusster Weise diesen Namen, weU er 
ihm nicht zusagt, umändert und entstellt, z. B. ein Fassbinder nennt sich 
Vashender, ein Knieriem schreibt sich wenigstens Cnyrim. Das ist ein 
harmloses Vergnügen; ganz anders ist es, wenn jemand seinen ehrlichen 
deutschen Namen verachtet, weil er eben nur deutsch ist, und ihn in ein 
fremdartiges Gewand hüllt, damit er vornehmer klinge. In der Art ver- 
sündigten sich besonders die Gelehrten im 16. und 17. Jahrhundert, indem 
sie ihre untadeligen deutschen Namen latinisirten, ihnen eine zuweilen recht 
schlotterige Toga umwarfen. Weil man dabei ziemlich willkürlich und gewalt- 
sam verfuhr, so ist die Eückübersetzung häufig schwierig. Olearius z. B. kann 
die Übersetzung von drei Namen sein: Öhlmann, ÖMer, Öhlenschläger, 
Andere sind gar nicht mehr nach ihrer Bedeutung zu entziffern. 

So haben denn gar mannigfache Einflüsse verschleiernd und ver- 
dunkelnd auf die Familien -Namen eingewirkt. Dieselben sind, um es noch- 
mals zusammenzufassen: 1) das Alter der Namen, das nach Jahr- 
hunderten, zum TheU nach Jahrtausenden zu berechnen ist, und in Ver- 
bindung damit die verschiedenen Entwickelungsstufen der Sprache; 
2) der trübende Einfluss der Mundarten; 3) die Mischung mit fremden 



8 Einleitung. 



Sprachelementen; 4) Missverständnisse und willkürliche Ent- 
stellungen. Daher ist es denn auch kein Wunder, wenn die grosse Mehrheit 
der Familien - Bezeichnungen uns so unverständlich ist, wenn die tausende 
und aber tausende von Namen, die unter diesen Einflüssen zusammengekonunen 
sind, das Bild eines dichtverschlungenen Urwaldes darbieten, in welchem 
man fast bei jedem Schritt auf Schwierigkeiten und Hindernisse stösst. 

Aber diese Schwierigkeiten, so gross sie zum Theil sind, dürfen von 
der Betrachtung der Familien - Namen und ihrer Erforschung nicht zurück- 
schrecken. Das verbietet — abgesehen von dem Interesse, welches es doch für 
den Einzelnen haben muss , die Bedeutung seines Namens zu Avissen — die 
"Wichtigkeit des Gegenstandes überhaupt. Die Eigen -Namen (Person- und 
Ortsnamen) bilden einen Theil der Sprache, und zwar in den altdeutschen 
Namen den ältesten, den unsere Sprache überhaupt als erhalten aufzuweisen 
hat. Wenn man nun die übrigen Wörterklassen betrachtet, ihre Bildungs- 
gesetze erforscht und darstellt, so sind die Eigen -Namen dabei nicht zu 
übergehen, ihnen gebührt dieselbe Aufmerksamkeit. Auch in ihnen webt 
und Avirkt der Geist der Sprache. Wollte man sie bei Seite lassen, so würde 
die Kenntnis der Sprache an einer bedeutenden Lücke leiden, ein grosses 
Gebiet wäre unerhellt. 

Das ist die Bedeutung, welche die Namenkunde nach der sprachlichen 
Seite hat. Aber in der Sprache spiegelt sich der Geist des Volkes, und in 
ganz besonderem Masse gerade in den Namen. Ihren Stolz und ihre Sehn- 
sucht , ihren Glauben und ihren Aberglauben , ihre ganze Lebensanschauung 
haben ursprüngliche Völker, wie das germanische, in ihre Namen gelegt. 
Und weiter, auch die späteren Entwickelungen im Leben des Volkes, in 
Sitten und Einrichtungen, Zuständen und Anschauungen lassen hier ihren 
Niederschlag zurück, so dass wir ein gutes Stück unserer Culturgeschichte 
an den Familien - Namen herabbuchstabiren können. Dieselben gleichen den 
Versteinerungen der Urzeit: aus den Umwälzungen früherer Perioden sind 
sie übrig geblieben als Zeugen von dem, was einstmals war. Freilich ist 
es schwer und oft gar nicht mehr möglich, die Bedeutung mancher Namen 
zu ergründen; aber wo es möglich ist, da erschliessen sich uns ganz neue, 
unverfälschte Quellen für die Erkenntnis der Denk- und Sinnesart unseres 
Volkes in längst vergangener Zeit. So ist es denn keine undankbare Mühe, 
es ist eine schöne und nach mehr als einer Seite hin lohnende und frucht- 
bringende Beschäftigung, in diese reiche Welt der Namen zu gehen, das 
nur schlummernde Leben in den scheinbar kalten und todten Zeichen wieder 
zu erwecken, der stillen Sprache zu lauschen, die sie, die unsere Vorfahren 
durch sie zu uns reden. 



„Vergangenheit entsteigt dem dunklen Grab 
Und giebt uns manche wundersame Kunde." 



1. 

Die Elemente der deutschen Familien -Namen (dreifaclie Scliiclit). 

Die deutschen Familien- oder Geschlechts -Namen sind als solche, wie 
schon in der Einleitung hervorgehoben ist, verhältnismässig jung; erst im 
Ausgange des Mittelalters , im 13. — 14. Jahrhundert , haben diese vom Vater 
auf den Sohn vererbenden Beziehungen sich allmählich festgesetzt. Die 
Elemente jedoch, aus welchen sich damals die Familien -Namen gebildet, 
gehen meist viel weiter zurück; es lassen sich darin drei Schichten unter- 
scheiden, die sich wie Geschiebe eines Gebirges auf und in einander gelagert 
haben. Diese sind: 

1. alteinheimische, ursprünglich heidnische Person-Namen, 
d. h. nicht forterbende Benennungen einzelner Personen (z. B. Alhrecht und 
Arnold)'^ 

2. später dazugekommene fremde Person-Namen aus christlicher 
Zeit (z. B. Peter und Paul), 

Beide Klassen haben das gemein, dass sie ursprünglich Person- oder 
Einzel -Namen gewesen sind und auch nach ihrem Festwerden (als F.-N.) 
grossentheils noch daneben als Person - Namen , d. h. nunmehr Vornamen, 
verwendet werden. Zu ihnen gesellt sich nun aber 

3. eine dritte Klasse von Bezeichnungen, die sogleich als 
Familien-N. verwendet werden: Namen jüngster Periode (z.B. Weber 
und Wittenberg), 

Betrachten wir zunächst die beiden ersten Schichten genauer, um ein 
möglichst anschauliches Bild von den Grundlagen zu gewinnen, auf denen 
die Bildung unserer Familien -Namen beruht. 

2. 

Die Person -Namen ttberliaupt — ein Spiegel des Yolksgeistes. 

Namen der Grieclien, KOmer, Israeliten. 

Dass in den Eigennamen eines Volkes sich der Geist dieses Volkes, 
der Charakter desselben in seiner Eigen thümlichkeit abspiegele, nicht minder 
als in seinen Sitten und Thaten , dieser Satz gilt in besonderem Masse von 
den ältesten Namen , welche sich bildeten , da das Volk noch unberührt von 
fremden Einflüssen, in voller Selbständigkeit sich entwickelte. So redet 



10 2. Die Person -Namen überhaupt — ein Spiegel des Volksgeistes. 

eben durch die Namen die uralte Vergangenheit zu der Gegenwart, die 
Vorfahren reden durch sie zu den nachkommenden Geschlechtern und ent- 
hüllen ihnen ihren Geist und Sinn. 

Werfen wir zum Beweise einen vergleichenden BKck auf die drei 
Völker, welche für uns die Hauptvölker des Alterthums sind, die Griechen, 
die Eömer und die IsraeKten, so treten uns hier die allerbezeichnendsten 
Verschiedenheiten entgegen. 

Das edle, hochbegabte Volk der Griechen zeigt auch in seinen 
Person -Namen eine reiche Phantasie , einen idealen Schwung. Die Namen 
gehen überwiegend auf das Geistige, auf edle Eigenschaften und Beschäf- 
tigungen. Das beweist die Fülle der Namen , die auf hles (Kuhm) endigen : 
Perikles (sehr berühmt), Sophokles (durch Weisheit berühmt), ThemistoMes 
(durch Gerechtigkeit berühmt), Kallikles (durch Schönheit berühmt) — 
oder die mit der SUbe hie anfangen: Kleophanes (ruhmstrahlend). Viele 
beziehen sich auf das Vorangehen und Erster sein, gleichsam Bezeich- 
nungen für Männer, die jenen homerischen Wahlspruch: „Stets der Beste 
zu sein und vorzustreben den Andern" in sich zur Verkörperung gebracht 
haben. So die mannigfachen Bildungen von Aristos (der Beste), femer 
Namen wie Poliarchos (Stadtherrscher), Ägesilaos (Volksführer), Eurysthenes 
(weit gewaltig) — auch Thrasyhulos (kühn im Kath), Megistophron (das 
Grösste denkend). Auf Kampf und Sieg gehen Nausimachos (zu Schiffe 
kämpfend), Nikophanes (siegprangend). Wie jedoch jene homerischen Helden 
das Wort ebenso trefflich zu handhaben wissen als das Schwert, so stellt 
sich neben die kriegerischen Namen eine fast ebenso lange Keihe von Namen, 
welche die Beredsamkeit feiern, z. B. Äglaophon (herrlich redend), Änaxa- 
goras, Protagoras — letztere zum Beweise , wie hoch der Grieche seine Agora, 
die Volksversammlung, hielt. Aber in der Keihe dieser edlen und ruhm- 
würdigen Eigenschaften ist auch die Götterfurcht unvergessen; den Beweis 
geben die vielen voii Theos (Gott) zusammengesetzten Namen, wie Theodotos 
(gottgegeben), Theophilos (Gott lieb), dazu mannigfache Ableitungen von 
den Namen einzelner Gottheiten, von Dionysos (Bacchus): Dionysios, von 
Hera (Juno): Herodotos, von Apollo: Apollonios. Im Einklänge damit 
stechen unter den Thieren in der Namengebung hervor der Löwe, das könig- 
liche Thier, in vorgeschichtKcher Zeit in Griechenland einheimisch: Leon, 
Titnoleon, das edle Boss, dem Poseidon heilig, in besonders zahlreichen 
Namen: Hippias und Hipparchos, Hippohrates , Philippos, Aristippos. 

Während so die griechischen Person -Namen ein ideales, poetisches 
Gepräge haben, indem edle, meistens geistige Eigenschaften in ihnen 
anklingen, bilden dazu den allerschroffsten Gegensatz die Kömer. Hier ist 
von Poesie und Idealität wenig zu finden; die römischen Namen haben ein 
durchaus prosaisches Gepräge und bewegen sich meist in einer sehr 
niederen Kegion. Zunächst halten sie sich an die erste und hauptsächlichste 
Beschäftigung der alten Kömer, den Ackerbau: Agricola (Landbauer), 



2. Die Person -Namen überhaupt — ein Spiegel des Volksgeistes. 11 

Fabitis, LenMus, Cicero, Ptso (Bohnen-, Linsen-, Erbsen-, Wickenmann),* 
und in Zusammenhang damit an die Viehzucht: Porcius (Schweinezüchter), 
Asintus (Eselzüchter). Schon bei diesen Namen kann es befremden, dass 
die grossen Kömerhelden keine edleren Namen führten als Bohnenmann, 
Erbsenmann, Schweinemann: Doch mögen wir diese Namen trotz ihres 
Erdgeruches noch gelten lassen , da der Ackerbau die Grundlage des römischen 
und überhaupt jedes italischen Gemeinwesens war imd derselbe aUewege 
eine hochehrenwerthe Beschäftigung ist. Es ist freilich etwas Hausbackenes 
und Massives,^ aber doch immer etwas sehr Praktisches und Solides in den 
Namen dieses Schlages. Aber was soll man zu der langen Keihe der Namen 
sagen, die von äusserlichen Zufälligkeiten und Gebrechen her- 
genommen sind, wie Niger, Rufus, Flavius, Livius (der Schwarze, der 
Kothe, der Gelbliche, der Bläuliche), Longus, Patdlus, Crassus, Macer 
(der Lange, der Kleine, der Dicke, der Magere), Calvus (der Kahlkopf), 
Capito (der Dickkopf), Naso (der Nasenkönig), Paetus (der Schieler), Caecus 
(der Blinde), Bdlhus (der Stammler), Claudius (der Lahme), Plautus (der 
Plattfnss), /Scawrw5 (der Klimipfass) — die Keihe ist fast endlos, ich breche 
ab , um nicht durch fernere Aufzählung zu ermüden. Ist es doch , als käme 
man in ein Lazaret oder eine orthopädische Anstalt! Das Äusserste jedoch 
in nüchterner Prosa und Armut an Erfindungsgabe leisten die Zahlriamen: 
Secundus, Tertius, Quintus, Sextus (mit mehrfachen Ableitungen wie Sextius, 
Octavianus) , die bloss herzählen , dass jemand der zweite , dritte u. s. w. 
Sohn seines Vaters sei. Welche geistige Armut, wenn ein Vater seinem 
Kinde nichts weiter im Namen mitzugeben weiss, als dass es Nr. 2, 
Nr. 3 ist! 

Diese Namen, welche eben die römische Namengebung beherrschen, 
verrathen einen grossen Mangel des römischen Geistes, eine starke Ein- 



1) Ut quisque aliqmd optumum genus sereret, Plin. hist. not. XVIII, 3. 

2) Diesen Charakter des Derb -Massiven hat man auch sonst in der lateinischen Sprache, 
zumal in der Dichtersprache, gefimden. Vergl. Frommann in seiner fesselnd geschriebenen 
Stadie über die „Verschiedenheit des Geschmackes im poetischen Ausdruck bei lateinischen ' 
mad deutschen Klassikern" 1866, woraus ich einige Beispiele hersetze. So wird das dem 
Thierreich entlehnte Bild des Beissens von Horaz und seinen Zeitgenossen mit einer gewissen 
Voriiebe gebraucht: der Fluss beisst (mordet) die ihn begrenzenden Gefilde, die ölpflanzungen 
werden von der Hitze gebissen. Unserer Anschauungsweise nach sitzt die Liebe mit dem 
fibiigen Grefühlsvermögen im Herzen ; die römischen Dichter lassen sie , vielleicht der grösseren 
Danerhaftigkeit wegen, in den Knochen wohnen (totis perceperat ossibus aestum Ovid). 
DaMn gehören femer Wendungen wie amorem inciitere (LiLcret.)^ Liebe gleichsam ein- 
bleaen; frangere vom Löwen gesagt statt zerreissen: „der gätiüische Leu wird dich zer- 
brechen'' Horat. (man hört ordentlich die Kippen krachen); exlundere artes (Virg.)^ an die 
Alt und Weise erinnernd, wie Peter der Grosse seinen Küssen Bildung beibrachte. Wir 
sehmücken bei festlichen Gelegenheiten unsere Stirn mit Kränzen; der Römer belastet, 
drückt, fesselt oder gürtet sich damit {impediref premere, mncire, cingcre Horat.). 
So tritt überall eine allerdings plastische, aber dabei derbe und knochige Körperlichkeit hcr- 

, die nicht selten selbst in ästhetische Roheit übergeht. 



12 3. Der germanische Volksgeist. Das Eigenthümliche der altgermanischen Namengebung. 

seitigkeit der Anschauungs- und Auffassungsweise. Fürwahr, man braucht 
nur diese Namenliste anzusehen, um kühnlich zu prophezeien, dass ein 
solches Volk auch auf geistigem Gebiete , namentlich in der Dichtung , wenig 
leisten werde. Auf solchem Boden können die goldnen Hesperidenäpfel 
der Poesie schwerlich gedeihen. Dagegen bekunden derlei Namen eine her- 
vorstechende Neigung und Anlage zur Auffassung menschlicher Schwächen, 
d. h. zur Satire. In der That ist auch die Satire der einzige Zweig der 
poetischen litteratui-, worin die Kömer etwas Bedeutendes, Ureigenes 
geschaffen haben. 

Ein Element, welches schon in der griechischen Namengebung, doch 
nur in zweiter Keihe hei-vortrat, der fromme Sinn, die Alles auf die Gott- 
heit beziehende Lebensanschauung, kommt zur vollen Entfaltung bei den 
Orientalen , namentlich dem Yolke der Israeliten. Dies wird durch das Vor- 
wiegen der Namen bezeugt, die mit der Silbe ja (jo, je) — Abkürzungen 
von Jehova (Jahve) — oder mit el anfangen oder auch schliessen. Beides 
bedeutet „Gott," also^ Josxm (dessen Hülfe Jehova ist), Johannes (den 
Jehova geschenkt hat), mit ähnlichem Sinne Jonathan (den Jehova gegeben), 
Josaphat (dem Jehova Eecht schafft); — Obadja (Knecht Gottes, vergl. 
arabisch Abdallah), Sacharja, Zacharias (dessen Jehova gedenkt); — Elinielech 
(dem (3 Ott König ist), EUeser (dem Gott Hülfe ist), in derselben Bedeutung 
Eleasar (Lazarus); — Nathanael (den Gott gegeben), Joel (die beiden Gottes- 
namen verbunden : dem Jehova Gott ist). Hieran reihen sich noch mehrere, 
bei welchen diese Beziehung nicht ausdrücklich ausgesprochen, aber doch leicht 
zu ergänzen ist, z.B. Nathan^ abgekürzt aus Jonathan, SawZ (der Erbetene, 
nämlich von Gott). 

3. 

Der germanische Yolksgeist. 
Das Eigenthttmliche der altgermanischen Namengebung 

Im Allgemeinen (Wuotan). 

Wenden wir uns , nachdem wir dies vorausgeschickt , zu unserm Volke 
in seiner ungetrübten Ursprünglichkeit und fragen: was ist das Eigenthüm- 
liche der altgermanischen Namengebung? 

Der Geist und Sinn, die ganze Anschauungsweise eines ursprüng- 
lichen Volkes spricht sich bezeichnend aus in den Vorstellungen, die es sich 
vom Übersinnlichen, von der Gottheit macht. Wie Gott die Menschen schuf 
nach seinem Ebenbilde , so denkt sich umgekehrt der Naturmensch die Gott- 
heit gern nach seinem menschlichen Bilde. Was ihm als das Höchste 
erscheint , das überträgt er auf jene und stellt sonüt einen Spiegel auf seines 



1) Die nachfolgenden Namen sind hier in der uns geläufigen Form der deutschen Bibel 
gegeben, von welcher die ursprüngliche hebräische allerdings mitunter stark abweicht z. B. 
Jochänän (Johannes), Scha-ül (Saul). 



3. Der germanische Volksgeist. Bas Eigenthümliche der altgermanisclien Namengebung. 13 

eigenen Selbst. Wie hat nun der Germane sich die Gottheit gedacht? Hören 
wir darüber den beredten Mund eines neueren Forschers,^ der sich in der 
Hauptsache folgendermassen ausspricht: „Während andere Völker die stille, 
starre Ordnung der Hinunelskörper, der Gestirne, über alles Andere gefeiert 
und das Leben der Menschen zu einem Abbilde dieser stillen, starren Ord- 
nung zu machen gesucht haben; während wieder andere das in den 
Entwickelungen der Dinge bemerkbare Ebenmass und die Schönheit des 
lebendigen, organischen Masses, die Harmonie, gefeiert haben — hat die 
germanische Glaubenslehre an die Spitze aller Götterfiguren eine Personifi- 
cation gestellt des ungebrochenen, rastlos jagenden, todverachtenden Helden- 
geistes, den Wuotan.^ Damit ist der ungebrochene, gottbewegte, persön- 
liche Heldensinn über alles Andere gesetzt und zum höchsten Gegenstande 
der Verehrung und des sittlichen Strebens gemacht." 

Diesen stürmenden Heldengeist zeigt unser Volk von seinem ersten 
Auftreten in der Geschichte an. Heftig und ungestüm war die Kampfesart 
der Germanen, zumal ihre ersten Angriffe zu Beginn der Schlacht, und nur 
der überlegenen Kriegskunst der Kömer gelang es , die furchtbare Kraft der- 
selben zu brechen.^ So in dem Kriege der Cimbem und Teutonen, welche 
fünf Jahre hindurch aUe gegen sie ausgesandten Heere der Kömer schlugen 
und vernichteten, bis es endlich dem grossen Feldherrn Marius gelang den 
Sturm zu beschwören und das drohende Verderben von Kom abzuwenden; 
so in dem Kampfe Cäsars mit Ariovist, so in allen nachfolgenden Kämpfen, 
bis zu dem gewaltigen Gewittersturme der Völkerwanderung. 

Bekannt sind die Zeugnisse des Tacitus für die Tapferkeit der Germanen 
(nullus mortcHium armis aut fide ante Oermanos). Krieg und gefahrvolle 
Unternehmungen waren ihre Lust — daher jene nie gesättigte Begier nach 
Abenteuern, die Gier, Gefahrvolles aufzusuchen und mit dem Furchtbaren 
zu kämpfen; daher auch im Frieden die Lust, auf ungemessenen, ungebahn- 
ten Pfaden das Wild zu 'jagen. „Wer hat mehr Muth," ruft der Kömer 
Seneca, „als die Germanen?" Wer stürmt mit grösserer Gewalt? Wer 
liebt leidenschaftlicher die Waffen, mit denen sie gleichsam geboren, in 
denen sie aufgezogen werden? Die allein sind ihre Sorge, alles Andere 



1) H. Leo, Vorlesungen I, 109 ff. 

2) Wuotan, niederdeutsch Wodan , nordisch Odin, der Alles durchdringende Geist, der 
Gott des überallhin dringenden Sonnenlichtes und des in den Wolken jagenden Sturmwindes, 
welchem daher das windesgleich dabinbrausende Boss heihg ist. Er ist der Kriegs- und 
Schlachtengott , der die gefallenen Helden um sich sammelt in Walhalla. Auf ihn als Eriegs- 
gott bezieht sich noch jetzt der Auszug des wüthenden Heeres, das sturmesgleich hoch durch 
die Lüfte dahinzieht („wilder Jäger"). 

3) Ein solcher Angriff wird z. B. geschildert im Nibelungen -Liede Str. 2210 f.: 

„Don Schild liickte Wolf hart, ein schneller Degen gut; 
Gleich einem wilden Leuen lief er auf ihn an, 
Die Schaar seiner Freunde ihm jäh zu folgen begann. 
Mit weiten Sprüngen setzt' er bis vor des Saales Wand." 



14 4. Die altgermanische Namenwelt. 

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kümmert sie wenig.* Im Einklang damit lässt der jüdische Schriftsteller 
Josephus den König Agrippa zu den Juden sagen: „Ihr habt ohne Zweifel 
von den Germanen gehört. Ihr habt ihre Stärke gesehen und die Grösse 
ihrer Gestalt. Sie haben aber einen Geist, der grösser ist als ihre Leiber, 
eine Seele, die den Tod verachtet, und einen grimmigem Zorn als die 
wilden Thiere." 

Dieser wüde Kriegsmuth ist der y^furor Teutonicus ,"^ der im Alter- 
thume wie zum Sprichwort geworden noch von viel späteren Schriftstellern 
oftmals erwähnt wird. 

So war der Geist unserer Ahnen, und diese todesverachtende Kühn- 
heit, dieser wuotanische Heldensinn spiegelt sich ab auch in der Namen- 
gebung jener Zeit, des Heroen -Alters unseres Volkes. 

4. 
Die altgermanisehe Namenwelt. 

Ein heldenhaftes, kriegerisches Gepräge ist vor AUem den Personen - 
Namen unseres germanischen Alterthums eigen. Und wenn uns keine 
Geschichte und keine Sage Kunde gäbe , so würden diese zahlreichen männ- 
lichen und auch weiblichen Namen vernehmlich genug sprechen, die da 
wiederkUngen von Waffen und Krieg imd Kampf und Sieg. 

Hild, Gund, Had, Bad und Wig sind lauter Ausdrücke für Kampf, 
Schlacht, Krieg, Wortstämme, die, sonst in unserer Sprache längst erstor- 
ben, nur noch in den Namen und zwar hier lun so häufiger fortleben. Es 
ist hier nicht der Eaimi, alle die Ableitungen und Zusammensetzungen auf- 
zuzählen, von denen die Sprache damals eine staunenswerthe Menge und 
Mannigfaltigkeit besass. Nur zur Probe wollen wir, um an einem Worte 
diesen Eeichthum zu zeigen, die von dem Stamme hild gebildeten Namen 
vollständiger hersetzen:* 

Hildihald, Hildibern, Hildibert, Hildibodo, Hildibrand — Hüdidag 

— Hildifrid, Hildifuns — Hildigang, Hildigar, HiUigast, Hildegaud, 
Hüdigern, Hildigis, Hildigrim — Hildehoc — Hildelaic, Hiltilant, Hilti- 
leip, Hiltilouc — Hildeman, Hüdimar, Hildemod, HiUimund — Hilti- 
nand — Hildirad, Hütirantj HildiriCy Hiltiroch — Hiltiscalh, Hiltistain 

— Hüdulf — Hildowald, HiUiwar, Hüdiward, Hildiwerc, HiUiwic, 
Hüdiunn, 

Dabei sind die weiblichen Namen, wie Hildigunda, Hildiburg (von 
denen späterhin!) noch gar nicht berücksichtigt. 



1) 8en. de ira 1, 11. 

2) In der ganzen nachfolgenden Übersicht sind die einzelnen Namen in der, soweit 
erreichbar, ältesten und ursprünglichsten Form aufgeführt, ohne weitere Scheidung der Mund- 
arten , worauf es hier nicht ankommt. Vergl. Abel, die deutschen Personen -Namen. — Förste- 
mann, Altdeutsches Namenbuch J.Band: Personennamen. 



4. Die altgermanische Namenwelt. 15 

Yon dem Stamme Ound kommen, um nur wenige Namen herauszu- 
greifen , Gundadiar (Kriegskämpfer) , Gundohert (kampfprangend) , Gundemar 
(kämpf berühmt) ; 

von Wig : Wigand (Kämpfer) , Wiglef (Kampfessohn) , Chlodowich 
(Euhmeskampf), der Frankenkönig des 5. Jahrhunderts. 

Zu Kampf imd Schlacht gehören Waffen. Auch diese sind zahlreich 
vertreten. Haben sich doch ganze Völkerschaften danach genannt, wie 
z. B. die Sachsen nach ihren langen Kriegsmessem, althochdeutsch sahs, 
angelsächsisch seax, nach welchen selbst ein Gott, der Kriegsgott der 
Geimanen, Saxnot (Schwertgenoss) benannt ist.^ 

Die deutsche National -Waffe, die Frame (bei Tacitus), ein Spiess mit 
schmalem, kurzem Eisen, geschickt für den Nahkampf wie für den Fem- 
kampf, begegnet in Framhard (speerkräftig) — das althochdeutsche ger, 
Wurfspeer, in Garibaid (gerkühn), Garibert (gerprangend). Ansigar, 
altsächsisch Osgar (Asenspeer d. i. Götterspeer); — das Schwert, ecka 
(Schwertecke = Schneide, Stamm ag) in Agdbert (schwertglänzend), Ägihardy 
Ekhihart (schwertstark). 

Die SchutzwafiTen treten zurück; waren doch die alten Germanen 
damit kärglich ausgerüstet: fast mit nacktem Leibe, nur mit einem langen, 
schmalen Schilde aus Holz und Leder traten sie furchtlos dem wohlaus- 
gerüsteten römischen Legionaren entgegen. 

Der Schild heisst Eand, daher Rantowic (Schildkämpfer), Bertrand 
(leuchtender Schild). 

Panzer besassen die Germanen auch zu Armins Zeiten noch nicht, 
selbst nicht einmal eigentliche Helme. Statt dessen setzten sie die Kopf- 
haut von erlegten Thieren auf, deren FeU zugleich als Mantel die Schultern 
bedeckte. Daher die Namen Bernhelm, Eharhelm, Wolflialm. Doch später, 
als sie in der Kunst des Sclmiiedens sich vervollkommnet, traten eherne 
Helme an die Stelle, und somit gewannen Namen wie Hdmperht (helm- 
glänzend) eine Berechtigung.^ 

Die kriegerische Eigenschaft der Kraft und Stärke klingt an in 
magan, megin: Maginhard (machtstark), Meginhodo (mächtig gebietend); 
in ellan, got. aljam: Ellanperht (kraftglänzend), Äljanmot (kraftmuthig) — 
die Kühnheit in besonders vielen Namen; dahin gehören vor Allem die 
zahlreichen Bildungen mit bald: Baldawin (kühner Freund), Liufbald und 
Theudobald (sehr kühn), Hunibald (riesenkühn); femer die Zusammen- 
setzungen mit nand : Nandulf (kühner Wolf) , Siginand (siegeskühn). 

Die Gesamtheit der freien, waffenfähigen Männer bildete bei den 
Germanen das Heer, althochd. hari, heri, altfränkisch chari. Hierher gehört, 

1) Nimith eure saxas! ruft bei Nennius bist. Brit. cap. 46. Hengist den Seinen zu. 
^Von den mezzerin also wahsin Wurden sie geheizen Sahsin' (Aunolied). 

2) Zusammensetzungen mit bmnja (Bninne d. b. Panzer) und heim treten erst spät 
auf, im 6. Jb. , meist erst seit dem 8. Jb. 



16 4. Die altgermanische Namenwelt. 

um den ältesten überlieferten Namen voranzustellen, wahrscheinlich das im 
römischen Munde wohl etwas entstellte Ariovist, sicher aber Hariman 
(Heeresmann). ^ Hariberaht (heerglänzend), Cariovalda (der heerwaltende), 
Bataverfürst des 1. Jahrh. Tac. Ann. II, 11.; dann besonders die vielen 
Namen, deren zweiter Theü aus diesem Worte besteht, wie Ragnachar, 
Werinheri, 

Aber die Tapferkeit der Germanen, so stürmisch sie war, war doch 
kein blosses Dreinschlagen, das des klugen Käthes entbehrt hätte. "Wuotan 
ist nicht allein der Gott des Sturmwindes, sondern auch der der Weisheit, 
und neben den stürmenden, AUes vor sich niederwerfenden Wate des 
Gudrunliedes stellt sich der kluge Frute. Welchen Werth die Germanen 
auf einsichtsvollen Kath gelegt haben, lehren nun auch lange Keihen von 
Namen. Da sind die mit rat: Äddlrat, Chuonrat ; da ist ragan (Eath): 
Eaganwald, Raginmund; madal (Versammlungs-, Berathungs- und Gerichts- 
ort des Volkes): Madalwin; hugu (denkender Geist): Hugubert. 

Solchem mit Kraft und klugem Eathe zugleich geführten Kampfe kann 
der Sieg nicht fehlen: Stgifrid, Sigiperahty Sigmund und mit erweitertem 
Stamme Sigismund (Siegschutz, durch Sieg schützend). 

So hören wir Alles von Schwertergeklirr und Waffenklang wieder- 
hallen, wir hören die Tapferkeit der Germanen heraus, ihren Schlachten- 
muth, ihre Siegesfreude; wir begreifen, dass Leute, die Krieg und Jagd für 
die einzigen eines freien Mannes recht würdigen Beschäftigungen hielten, 
die sich am liebsten nach ihren Waffen, nach Schwert und Lanze nannten, 
dass diese wohl ihren Nachbarn furchtbar sein mussten, ja den bis dahin 
unbezwingUchen Eömem ein „bis hierher und nicht weiter!" zurufen 
konnten. 

Das mächtige Walten nach Kampf und Sieg liegt in Waldomar (im 
Walten berühmt), Sigiwalt, Berahtold; — ferner in rieh (mächtig): Ricohard, 
FrithuriCj Ermanarich (der Gotenkönig aus dem 4. Jahrhundert, der sich 
im Schmerz über die Zurückdrängung seines Volkes durch die Hunnen im 
110. Lebensjahre selbst den Tod gab). 

Der mit solchem Siegen und Walten verbundene Euhm wird, abge- 
sehen von dem überaus häufigen beraht, bert, besonders durch die Stämme 
hlod, hrod und hrom dargestellt: Chlodoald (ruhmwaltend) ; Hrodegang 
(Kuhmesgänger), Romoald (ruhmwaltend); femer durch mar, schon seit 
dem 1. Jh. in Namen wie Catumer, Ingomar (Armin 's Oheim, Tacit. 
Ann. I, 60). 

Im voUen Einklang hiermit werden auch in den aus der T hierweit 
entlehnten Benennungen starke, kampflustige, herrschende Thiere entschieden 



1) liange verwechselt mit Ärminius, welches abzuleiten von dem Halbgott Irmino, 
dem kriegerisch dargestellten Wuotan, vergl. Irmingard und Armengardis, Irminfrid und 
Armenfred u. A. 



4. t)ie aitgermanische I^amenwelt. 17 

bevorzugt, solche, deren Schönheit, Kraft, Schnelligkeit der Germane 
bewunderte, wenn er auch mit ihnen als Jäger oder Hirte in Fehde lag. 

Der Herrscher von Wald und Heide, der grimmige Bär, nahm einst 
in der Anschauung des Nordens die Stelle ein, aus welcher ihn später der 
fremdländische Löwe verdrängt hat: er war König der Thiere. Daher die 
Namen: Berinhard, Beringar, Isanpero. 

Nicht minder passend, als Sinnbild der Grösse und Stärke, ist der 
Ur, das gewaltigste einheimische Thier, oft im Kampfe mit dem Bären: 
Urold, Uremar, Beiden schliesst sich der Eber an, ebenfalls durch wilde 
Stärke ausgezeichnet. Einfach Ibor (Eber) hiess der älteste , uns überlieferte 
Anführer der Longobarden aus dem 4. Jahrhundert; am bekanntesten ist 
Eharhard, 

Herrscher im Keiche der Lüfte ist der Aar: Arnoald (waltend wie 
ein Aar). 

Doch die beiden königlichen Thiere Bär und Adler treten zurück 
gegen zwei andere von scheinbar geringerer Bedeutung: Wolf und Eabe. 
Dies rührt daher, weil letztere heilige Thiere sind. Freilich war auch der 
Eber schon ein geheiligtes Thier, doch nur des Gottes Fro, während Wolf 
und Rabe Diener des höchsten Gottes Wuotan sind. Zwei Wölfe, Geri und 
Freki (gierig und frech d. i. kühn), und zwei Raben, Huginn und Muninn 
(Gedanke und Erinnerung) , sind Wuotans ständige Begleiter. Jene begleiten 
ihn als seine Hunde, wenn er in seinen Wolkenmantel gehüllt auf wind- 
schnellem Rosse auszieht. Der Wolf ist daher ein heil- und sieg verkünden- 
des Tliier. Nach ihm hat der älteste Schriftsteller unserer Litteratur den 
Namen: Vulßa (Ulfila, Wolf lein), der westgotische Bischof und Bibelüber- 
setzer aus dem 4. Jahrhundert. Ganz besonders häufig ist der Name des 
Wolfes als zweiter Theil der Zusammensetzung in der abgeschliffenen Form 
vif (olf): Athaulf, Maginulf, Eparolf, 

Die Raben sind die beutegierigen Thiere des Schlachtfeldes , die Kriegs - 
und Siegesvögel, und so dem Wuotan als dem obersten Schlachtenlenker 
heilig, der auch von ihnen den Beinamen „Rabengott" fülirt. Einen Raben 
hatte der schreckliche Normannen -Häuptling Bagnar LodbroJcr auf seiner 
Schlachtenfalme ; jenachdem er auf derselben munter in den Lüften flatterte 
oder seine Flügel hängen liess, schloss man auf Sieg oder Niederlage. So 
haben wir nun unter anderen die Namen: Hiltiram und Guntram (Kriegs- 
rabe), Sigihram, Walaram (Rabe des Wal d. i. der Gefallenen), Wolfkra- 
ban, die beiden heiligen Thiere verbunden. 

Bei den von Wolf und Rabe hergeleiteten Namen stehen wir mit 
einem Fusse schon auf einem anderen Gebiete, welches dicht daran grenzt, 
auf dem Gebiete religiöser (mythologischer), von den Göttern entlehnter 
Benennungen. Die ungeheuchelte Ehrfurcht vor dem Heiligen, den sieg- 
und segenspendenden Göttern, liegt in zahlreichen Namen zu Tage. 

Heintze, Deutsche Familien - Xamoii. 2 



18 4. Die altgermanische Namenwelt. 



Unser uraltes und ureigenes Wort Gott ist in Qodolef (gotisch Gudi- 
laibs, althochd. Cotleip)^ gottgeboren, enthalten; femer in Godefrid, Gada- 
Scale (Gottesknecht), Goduin (Gottesfreund), Gotahart, Goderam (Gottes 
Eabe) u. a. 

Die Namen der obersten Götter: Wuotan, Donar ^ Ziu, Fro werden, 
wohl aus rehgiöser Scheu, nicht zu Person -Namen verwendet (nur aus- 
nahmsweise findet sich ein Thunerulf oder Donarperht) — desto häufiger 
die allgemeinen Göttemamen und die Benennungen der untergeordneten 
Götterwesen. So die Änsen (Äsen , Götter) in Änshalm (der mit dem Asen- 
helm, Götterhelm), Änsoin, Ansowaldy die uns geläufiger sind in der alt- 
sächsischen und angelsächsischen Form, wo ans in 6s zusammengezogen 
wird, also: Osvine, Osvald. 

In das geheimnisvolle Keich der Naturgeister, der Albe oder Elfen, 
von denen Sage und Märchen so viel zu erzählen wissen, führen uns 
Namen wie Albarich (Elfengebieter), Älberadj angels. Alfred (Elfenrath), 
Alfwin, Alhoin (Elfenfreund). 

Den Gegensatz zu dem kleinen, bald gutmütbig helfenden, bald bos- 
haft schadenden Elfenvolke mit ihrem Anhange der Zwerge und Wichtel- 
männer bildet das ungeschlachte, sinnlich rohe, naturkräftige Geschlecht 
der Kiesen (Hünen und Thursen): Hunihaldy Thurismund, 

Es wird dies genügen, um mindestens in den Grundzügen ein Bild 
von der Namengebung jenes Zeitalters zu gewinnen. Kampf und Sieg 
tönen aus allerorten aus ihr entgegen mit hellem Waffenklang; daran 
schliesst sich der kluge Eath und das ruhmvolle Walten — nicht ohne 
den Aufblick zu den sieg- und segenspendenden Göttern. Weiter ins 
Einzelne zu gehen ist für unseren Zweck nicht erforderlich und Alles gar 
zu erschöpfen hier ganz unmöglich, wegen der ausserordentlichen Menge 
der Namen. Wie zur Frühlingszeit in Wald und Flur tausend und aber- 
tausend grüne Sprossen aufschiessen , so ist auch in diesem Frühling deut- 
scher Namengebung eine fast zahllose Menge von Namen erwachsen. Die 
oben angeführten sind nur beispielsweise genannt, sind nur geringe Proben 
aus der Fülle, der Art, dass die einzelnen ganze Keihen vertreten. So 
sind der Namen, die auf bald auslauten, in Förstemann's grossem Werke 
159, der auf ric über 200, der auf beraht (beii) über 300, der auf 
wolf (olf) gar nahezu 400. Mehr als 12000 (männliche und weibliche) 
Namen hat Förstemann aus gedruckten Schriften und Urkunden gesammelt, 
eine Zahl, die durch spätere Forscher noch sehr vermehrt worden ist; wie 
viele mögen sich nicht noch in ungedruckten Quellen finden, wie viele nie 
zur Aufzeichnung gelangt sein! 

Es ist eine hochgemuthe, eine ideale, eine poetische Namen- 
gebung, in der uns nichts Unedles stört. Sie ist einheitlich, wie aus 
einem Geist und Guss, gleich dem Germanen -Volke selber, das ein ein- 
heitliches an Abstammimg und Aussehen war, „ein eigenes, reines, nur 



5. Übereinstimmung der deutschen Namengebung mit der griechischen. 19 

sich selbst ähnliches Geschlecht Das Heldenhafte, Kühne, Gewaltige, 
Hohe finden wir in dieser Namenwelt ausgeprägt, das LiebKche, Sanfte, 
Milde tritt zurück — selbst in den weiblichen Namen. Auch diese sind 
wesentlich von demselben Gepräge, Kampf und Schlacht tönen aus ihnen 
fast ebenso wieder wie aus den männlichen. Die Walküre, die Schlachten- 
jungfrau Wuotan's, erscheint als das Ideal des urgermanischen Weibes. 
War doch in jenen Tagen auch das schwächere Geschlecht dem Kriege, 
seinen Ehren und Gefahren nicht fem. Was ims griechische und römische 
Schriftsteller erzählen, spricht laut genug. Es wird uns da geschildert, wie 
die Frauen mit in den Krieg zogen, um in der Nähe ihi*er Anverwandten 
hinter der Schlachtreihe sich aufzustellen, wie sie die Kämpfenden durch 
ihren Zuruf anfeuerten , die Verwundeten verbanden , die Weichenden wohl 
wieder zum Stehen brachten, die Sieger begrüssten und belohnten, aber 
auch mit den Unterliegenden zu sterben wussten, und lieber sich selbst 
und ihre Kinder tödteten, als dass sie sich in Gefangenschaft begaben. 

Bei solcher Sinnesart der germanischen Frauen darf es uns nicht 
Wunder nehmen, wenn auch ihre Namen dieses Gepräge haben und sich 
eng an die männliche Benennungsweise anschliessen. ^ 

5. 

Übereinstimmung der deutsehen Namengebung mit der 

griechischen. 

Werfen wir, ehe wir weiter gehen, einen vergleichenden Rückblick 
auf die Namengebung der alten Völker, so lässt sich wohl kaum ein schrof- 
ferer Gegensatz denken, als zwischen der römischen und der germani- 
schen Namengebung. Dort körperliche Schwächen und Mängel, hier edle 
Eigenschaften und Vorzüge, leiblicher und ganz besonders geistiger Art! 
Dort niedrige Prosa — hier erhabene Poesie! 

Dagegen tritt eine auffallende Übereinstinunung mit der griechi- 
schen Namengebung hervor, zunächst darin, dass die Namen auf beiden 



1) Es finden sich wohl Namen, die mit lieb zusammengesetzt sind: Liuhgard, mit 
hü (sanft): Bilürud, mit flat (schön): Älbofledis (Elfenschön) — aber sie sind mehr ver- 
einzelt in der Menge. Dagegen kommt nach andern Seiten hin das eigenthümlich Weibliche 
zu entschiedenem Ausdruck. So in den auf Rath hinzielenden Namen. Wie sehr Frauen- 
rath bei den Germanen geehrt und beachtet ^wurdc , beweist die Sitte , dass man erst dann 
in den Kampf ging, wenn die Weiber durch Loos oder Weissagimg erklärt hatten, dass eine 
Schlacht rathsam sei. Man glaubte eben in Priesterinnen und anderen geistig hervorragenden 
Frauen eine geheimnisvolle, weissagerische Kraft. Daher mm, abgesehen von den Zusam- 
mensetzungen mit Rath, die zahlreichen Namen, die von dem Worte rww (Geheimnis, Zauber) 
gebildet sind: Runhüdf Friderun (Friedenszaubeiin) , Sigirun (Siegzauberin). Das Schaffen 
des Weibes im geschlossenen häuslichen Kreise heben die Namen auf gard hervor, wie 
Adalgard, Irmuigard; das Bergen (schützen, bewaliren) die auf birga (berga) und bürg, 
die sämtlich weiblich sind: Amalabirga, Dietberga, Sigiburg, WaUburgis, 

2* 



20 5. Übereinstimmung der deutschen Namengebung mit der griechischen. 

Seiten der grossen Mehrzahl nach zusammengesetzte sind.^ Namen dieser 
Art sind an sich schon poetischer, schwungvoller als einfache, und so tritt 
bereits hier in erfreulicher Weise übereinstimmend eine edle Anlage beider 
Völker hervor. Dann aber entsprechen sich auch die Zusammensetzungs- 
Elemente in beiden Sprachen grossentheils : so das griechische phanes (glän- 
zend, prangend) und das deutsche beruht (bert), das griechische Mes 
(berühmt) und das deutsche mar, das griechische krates (kräftig, gewaltig) 
und das deutsche rieh; so ferner medon (waltend) und walt (old), Stratos 
(Heer) und Am, demos (Volk) und theod (diet), theos (Gott) und ^o^u. s. f. 

Demnach kann man eine Menge griechischer Namen geradezu mit 
deutschen übersetzen, da sie sich wörtlich decken, z. B. : 
Nikophanes (siegprangend) — Sigibert 
Kleophanes (ruhmstrahlend) — Hrodebert (Ruprecht, Robert) 
Kleoptolemos (ruhmkämpfend) — Chlodowieh (Ludwig) 
FeriJdes (vielberühmt) — Vilmar 

Demosthenes (volksgewaltig) — JDieterieh 
Thrasybulos (kühn im Rath) — Chuonrat (Konrad) 
Laomedon (volkswaltend) — Leutold 
Demophilos (Volksfreimd) — Volkwin u. a. m. 

Genug, die Anlage unseres Volkes ist, gleich der des griechischen, 
eine treffliche und edle; ein nach dem Hohen gerichteter Sinn tritt uns 
überall in dieser Namengebung entgegen, aus welcher der Geist unserer 
Ahnen mit beredten Lauten zu uns spricht. Unser Volk war berufen von 
der Vorsehung, die Ketten zu zersprengen, in welche römische Tyrannei 
die Welt geschlagen hatte, und als ein edles Reis in die Fäulnis des Römer- 
thums eingesenkt zu werden, um von jetzt an Hauptträger der Entwicke- 
lung des Menschengeschlechtes zu sein. 

6. 

Weiterentwickelung der altdeutschen Person -Namen. 

Ilire Lebenskraft. 

Wie sehr diese Namengebung aus dem innersten Leben und Wesen 
des deutschen Volkes hervorgewachsen, das erweist sich durch die Zähig- 
keit, mit welcher lange Jahrhunderte hindurch an derselben festgehalten 
wird. Die Stürme der Völkerwanderimg brausen dahin, die verschiedenen 
Stämme der Germanen lassen sich in den Provinzen des ehemaligen römi- 
schen Reiches nieder und bauen die Erde sich neu. Die staatlichen Ver- 



1) Im Deutschen sind sie es fast ausnahmelos, da auch die einfach scheinenden 
Namen meist Kürzungen aus zusammengesetzten sind. Eine ganz sichere Ausnahme bilden 
nur einige participiale Formen, wie Wigand, Heiland, 



6. Woiterentwickelung der altdeutschen Person -Namen. Ihre Lebenskraft. 21 



hältnisse ändern sich, das Christenthum stürzt den alten Götterhimmel — 
doch die Namen bleiben und blühen ohne wesentliche Veränderung weiter 
auf einem vielfach umgestalteten Felde. 

Die Beweise liegen zu Tage. Man werfe nur einen Blick auf die 
Namen der deutschen Könige und Kaiser! Ihre Reihe ist von Karl dem 
Grossen an sechs Jahrhunderte lang rein deutsch: Karl, Ludwig, Konrad, 
Heinrich, Otto, Friedrich sind die herrschenden Namen. Unterbrochen wird 
diese Reihe erst durch Wenzel aus dem luxemburgisch -böhmischen 
Hause 1378 und später durch Maximilian den- „letzten Ritter" 1493. 
Ebenso ist es im Kreise der Reichsfürsten. Albrecht der Bär hatte sieben 
Söhne: Otto, Hermann ^ Sigfrid, Heinrich, Adelbert, Dietrich ^ Bernhard 
— kein undeutscher Name findet sich darunter, ein Fall, der sich jetzt 
schwerlich wiederholen würde. 

Selbst im Stande der Geistlichen, wo das Eindringen fremder Namen 
am ersten zu erwarten wäre, behauptet sich die deutsche Namengebung 
überraschend lange. Bischöfe und Erzbischöfe, Klosteräbte und Mönche 
erscheinen fort imd fort als Träger der altgermanischen Krieges-, Siegs- 
und Ruhmes- Namen. Ich eiinnere an Adalbert von Prag, der Preussen 
Apostel , an Otto von Bamberg , der Pommern Apostel , Willegis von Mainz, 
Adalbert von Bremen. 

Ähnliches gilt von den romanischen Ländern. Trotz der fortwähren- 
den Berührung mit der römischen Welt und dem theilweisen Aufgehen in 
dieselbe behaupten sich die alten Namen nicht bloss im eigentlichen Deutsch- 
land, sondern auch in Frankreich, Spanien, ja selbst in Italien. Nachdem 
die Sprachen längst romanisch geworden , erhalten sich noch die fränkischen, 
gotischen, longobardischen Namen in überraschender Weise. Man braucht 
sich nur die Führer des ersten Kreuzzuges zu vergegenwärtigen: Gott- 
fried von BouiUon, Robert von der Normandie, Raimund von Toulouse, 
Boemund von Tarent u. s. w., lun dies bestätigt zu finden. Fügen wir 
noch ein Beispiel aus Frankreich, eins imter vielen, hinzu! Im J. 991 
versammelten sich zu Rheims die Bischöfe der Diöcese : Guido von Soissons, 
Adalbero von Laon, Heriveus von Beauvais, Godesmann von Amiens, 
Batbod von Noyon, Odo von Senlis; ausserdem Erzbischof Daibert (Dago- 
bert) von Bourges , aus der Lyoner Synode die Bischöfe Walter von Autun, 
Bruno von Langres, Milo von Ma9on; endlich der Erzbischof Siguin von 
Sens mit den Bischöfen seines Sprengeis Arnulf von Orleans und Herbert 
von Auxerre. Unter diesen dreizehn geistlichen Würdenträgern findet sich 
keiner mit nichtdeutschem Namen; nur sind einzelne dieser Namen ober- 
flächlich romanisirt, wie Guido aus altdeutsch Wido, oder latinisirt, wie 
Heriveus aus Heriwic. ^ 



1) Es sind diese altdeutschen Person -Namen eine Saat, die über die ganze ouro- 
Welt ausgestreut ist. Denn den romanischen Völkern haben sich später auch die 



22 6. Weiterentwickelung der altdeutschen Person -Namen. Ihre Lebenskraft. 

Geschichiliche Erinnerungen und mehr noch Familien -Überlieferungen 
kamen der Erhaltimg der Namen zu Hülfe. Im karlingischen Geschlechte 
waren Karl, Ludwig, Lothar zu Hause, bei den Würtembergem Ulrich 
und Eberhard , bei den Schwarzburgem Günther u. s. w. Aber auch Stam- 
mes -Überlieferungen machten ihren Einfluss geltend; noch jetzt lässt sich 
erkennen, wie einzelne Namen bei gewissen Stämmen besonders gebräuch- 
Kch waren. So konunen Friedrich, Kudolf, Albert vorwiegend in Schwaben, 
Luitpold, Dietpold bei den Baiern, Heinrich, Ludwig, Konrad bei den 
Eheinfranken vor. Wie beliebt der Name Wilhelm noch im 12. Jahrhun- 
dert bei den Normannen war, davon zeugt die Erzählung eines Zeitge- 
nossen. Als nämlich Weihnachten 1171 der jimge König Heinrich (Sohn 
Heinrichs 11. von England) bei Bayeux ein grosses Fest gab, kamen zwei 
Wilhelme, der SeneschaU von der Bretagne und der Verwalter von der 
Normandie, auf den Einfall, es sollten in ihrem Saale nur Wilhelme sein 
dürfen. Wer einen andern Namen führte, musste hinaus, und als man 
zählte, waren noch 117 Ritter da, die alle Wilhelm Messen, ungerechnet 
die vielen andern , welche in des Königs Halle speisten. ^ 

So behaupteten sich die Namen, nur dass sie mit der Entwickelung 
der Sprache im Wesentlichen Schritt hielten und daher mancherlei Abschlei- 
fungen und Zusammenziehungen erfuhren. Aus Baganhar, wie es im 
6. Jahrhundert gelautet hatte, entwickelte sich Beginher , Reginer und 
schUessHch (im 10. Jahrh.) Beiner; femer aus 

Cariovalda (1. Jahrb.): Heroald — Herold (10. Jahrh.) 

Hruodperaht : Buodpreht, Hruodbert — BuprecM und Bupert (11. Jahrh.) 

Berinhard: Bernhard, Bernd. 

Nun liegt es aber in der Natur der Sache, dass Eltern ihre Kinder 
mit abgekürzten Namen rufen. Solche Kürzungen, zimächst für den 
Hausgebrauch imd vertraulichen Verkehr, kannte die alte Zeit auch schon, 
und sie waren regelmässiger gebildet als die jetzt üblichen. Da nach deut- 
scher Grimdregel der erste Theil der Zusammensetzung betont ist, so behielt 
man diesen bei und liess den zweiten fort, an dessen Stelle ein o trat, 
erwachsen aus dem im Gotischen und Altsächsischen noch haftenden a, 
z. B. God'heraht: Godo; Kuon-rat: Kuono; Sighert: Sigo,^ Dies sind 



Slaven und die Magyaren angeschlossen , so dass jetzt bei allen christlichen Nationen Europa's 
und Amerika's diese altdeutschen Namen, wenn auch mannigfach umgewandelt und zimi 
Theil entstellt, sich wiederfinden, zunächst als Vornamen (s. die reichhaltige Zusammen- 
stellung von Michaelis: Vergleichendes Wörterbuch der gebräuchlichsten Taufnamen. Berlin 
1856) — aber auch, wenigstens bei den Komanen, als Familien -Namen, z. B. bei den 
Franzosen: Bertrand (Berhtrand), Arnatid (Arnold), Gautier (Walter), ChierouU (Grerold), 
Begnier (Reginher, Reiner), Baudouin (Balduin), Thibaut (Theobald); bei den Italionem 
Gualtieri (Walter) , Garibaldi (Garibald) , Ruggiero (Rüdiger) , Ällighieri (Altger). 

1) Abel, Personen - Namen S. 44 f. 

2) Dergleichen Kürzungen finden sich noch jetzt in Mundarten häufig, mit der vollen 
Endung o besonders im Friesischen: Edo, Ecko, Luddo, WiUo, s. AUmers, Marschen- 



6. Weitereütwickelung der altdeutschen Person- Namen. Ihre Lebenskraft. 23 

die einstämmigen gekürzten Formen. Häufig wurde jedoch der zweite Theil 
nicht ganz abgeworfen, sondern sein Anfangsconsonant blieb erhalten, und 
so entstand eine zw ei stämmige gekürzte Form, z. B. Rafpoto: Ratpo; Sig- 
hert (Stbert): Stbo; Thietmar: Thiemo. 

Natürlich ist Godo Abkürzung nicht bloss für Godberaht, sondern für 
alle Vollnamen d. i. unverkürzte Namen, deren erster Theil God ist, wie 
Godehaldj Godofrid, Godomar u, s. w,^ ebenso Sigo auch, für Sigibrand, 
Sigifrid, Sigimar u. s. w., Sibo wenigstens für Sigibert und Sigibrand. 

Diese verkürzten Formen erlitten nun noch weitere Veränderungen, 
indem man Verkleinerungssilben an sie hängte. Die einfachste Art der 
Verkleinerung wird durch i bewirkt: Sigij Kuni. Wichtiger jedoch sind 
die consonantischen Suffixe k, l, in den Endungen: iko, ilo, izo. So 
entstanden Bildungen wie: Godiko^ Godilo, Godizo (von Godo); Sigiko, 
SigüOj Sigizo (von Sigo) — ebenso zweistämmig: Sibiko\ Oppilo, Oppizo 
(von Oppo ^ Otbert). 

Aber damit war man noch nicht zufrieden. Kann doch die elterliche, 
besonders die mütterliche liebe sich in zärtlichen Benennungen nimmer 
Genüge thun. Man verband die Verkleinerungssilben , so dass dann doppelt 
verkleinerte Formen entstanden: ikilo — iliko — iziko, izüOj und mit Zu- 
hülfenahme des dem l so naheverwandten Suffixes n: ikin — Hin — izin, ^ 

Dies sind die Verkleinerungsformen, die liebkosenden Deminutiva 
oder Schmeichelformen , ^ mit welchen wir aus dem Hochwald der altger- 
manischen Namengebung (s. Kap. 4) nunmehr in den Niederwald eingetre- 



buch, Land- und Volksbilder aus den Marschen der Weser und Elbe 1861, S. 139, wo ein 
Verzeichnis von 30 solcher Vornamen gegeben wird, bei denen freilich jetzt auch schon 
meist in das klanglose e abgeschwächt ist, wie in den norddeutschen (berlinischen) Formen 
Ede (Eduard), Lude (Ludwig). — Der umgekehrte Fall, dass nämlich eine Kürzung im 
Anlaut eintritt, ist selten und dann wohl durch besondere Einflüsse, namentlich fremder 
Sprachen, zu erklären. So Prandus aus Botprandus ('Stark, die Kosenamen der Germanen 
S. 13), Böle für Karl aus der latinisirten Form Carolus. 

1) Nach Stark's Beobachtungen (S. 11 fif.) sind die ältesten Verkleinerungsformen 
die auf i, demnächst die mit l (nachweislich aus dem 1. Jahrb. nach Christo), während 
solche mit k erst seit dem 4. Jahrb. auftreten. Alle drei Formen waren bei den goti- 
schen Stämmen sehr beliebt; Sachsen und Friesen dagegen verwendeten vorzugsweise 
k, selten t (entsprechend dem ahd. z). Bei den oberdeutschen Stämmen erscheinen 
Deminutiva mit l in überwiegender Zahl, seltener solche mit z (in sicheren Belägen erst 
seit dem 8. Jahrh.^. Nur sparsam, und zwar erst vom 7. Jahrb. an, finden sich Deminutiva 
mit ch; sie sind wahrscheinlich niederdeutschem Einfluss zuzusclireiben , der z. Tb. durch 
Colonisation hervorgerufen ist. 

2) Gewöhnl. „Koseformen", eine Benennung, die Steub in seinen „Oberdeutschen 
Familien -Namen" S. 34 mit Eecht als etwas „ budoirmässig " klingend tadelt und für 
welche er „ Schmeicholform " vorschlägt. Ln Gegensatz zu ihnen werden die unverkürzten 
Namen wie Godberaht, Sigbert Vollnamon genannt. 



24 6. Weiterentwickelung der altdeutschen Person -Namen. Ihre Lebenskraft. 

ten sind, der was ihm an Mächtigkeit der einzehien Stämme abgeht, durch 
ihre Menge und dichtes Wachsthum zu ersetzen sucht. 

vStaunenswerth ist die Vermehrungskraft , die in diesen alten deutschen 
Person -Namen liegt. Einem einzigen können tausende entkeimen. Sie 
können es — denn freilich sind nicht alle Keime fruchtbar geworden, wie 
nicht aus jeder Eichel im Walde ein Baum entsteht; aber die Möglichkeit 
ist vorhanden. Dies weist sehr anschaulich PauK an einem Beispiele nach, 
wozu er den Namen Godeberaht wählt. ^ 

Aus ihm entstehen zunächst die einstämmige gekürzte Form Godo 
und die zweistämmige Godbo mit ihren Nebenformen Gobbo und Gobo. 
Daraus entstehen an einfach verkleinerten Formen vermittelst der Endungen 
ilo, izo und iho 21 Namen; hieraus durch doppelte Verkleinerung 49 For- 
men (s. Beilage 1). 

Das sind 75 Grundformen, deren weitere Entwickelung Pauli mit 
Eücksicht auf das Neuhochdeutsche folgendermassen berechnet. Jede dieser 
75 Formen hat zunächst mindestens eine mundartliche Nebenform, indem 
für d auch t, für b auch p, ixu z niederdeutsch t, für h hochdeutsch ch 
eintreten kann. Das gibt also 75 neue Formen, zusammen 150. Nim 
wechseln femer g und j häufig in Namen, und dadurch erhalten wir 150 
weitere Nebenformen , zusanmien 300. Der althochdeutsche Vocal o erscheint 
neuhochdeutsch bald als o, bald als ö, verdumpft auch als u und ü. Es 
ist demnach jede der 300 Formen in 4 Variationen mögüch — zusammen 
also 1200. Doch wir sind noch nicht zu Ende! Jede der obigen 1200 
Formen kann die drei Arten Patronymika bilden, auf -ing^ auf -sen und 
rein genetivische. Das giebt 3600 Formen, also zusammen bis jetzt 4800. 
Fast wie eine Laune der Sprache erscheint es, wenn sie an den Namen, 
der ja schon die Personen als solche bezeichnet, noch ein -mann anhängt. 
Dadurch ergeben sich schliesslich noch 1200 Namen, in Summa also Alles 
in Allem 6000 Namen, die auf die eine alte Form Godeberaht zurückgehen. 

So zeigt auch die Sprache , was wir an der Natur so sehr bewundern, 
eine unendlich reiche Entfaltung eines einzigen Keimes, imd zwar mit ver- 
hältnismässig geringen Mitteln. 

7. 
Fremdsprachige (kirchliche) Namen. ^ 

Trotz der eben geschilderten Lebenskraft und Zähigkeit der altdeut- 
schen Person -Namen war es unausbleiblich, dass bei der andauernden 
Einwirkung der fremden Gelehrsamkeit, die ja schon im Zeitalter der Otto- 
nen (10. Jahrh.) zu einer deutschen Litteratur in lateinischer Sprache führte, 



1) Pauli, über Familien - Nainon , insbes. die von Münden. Progr. I, S. 8f. 

2) Abel S. 45 — 48. — Becker, Programm der Gewerbeschule zu Basel. S. 17 f. 



7. Fremdsprachige (kirchliche) Namen. 25 

lind bei der zunehmenden Macht der Kirche endlich auch fremde Namen 
Eingang gewannen. Bis zur Mitte des 12. Jahrhunderts ist die Anzahl 
dieser in Deutschland auftauchenden kirchlichen , also hebräischen und grie- 
chisch-lateinischen Taufiiamen verschwindend klein; seit der Hohenstaufen- 
zeit aber und dem gesteigerten Verkehr mit Itaüen nimmt ihre Zahl sehr 
zu. Die ersten sind die Namen der hervorragendsten Apostel Johannes, 
Petrus, Paulus, Jacobus, auch Philippus (so unter den Hohenstaufen selbst 
ein Phiüpp von Schwaben); daran schliesst sich eine Keihe HeUiger, als: 
Michael (der Erzengel), Christoph, Martin, Georg, Letztere jedoch, so 
unverdächtig kirchlich ihre Namen klingen, wurzelu im tiefsten Grunde 
noch in altheidnischem Boden. Wie sonst vielfältig, haben sich auch hier 
volksthtimUch- heidnische Vorstellungen unter einem nur leicht darüber 
geworfenen christlichen Gewände erhalten. Bekannt ist die Legende vom 
h. Christophorus , der das Christuskind durch das tiefe Wasser trägt und 
daher eben seinen Namen (Christusträger) empfängt. Ebenso trägt nach der 
nordischen Mythe der Gott Thor (Donar) durch gewaltige Ströme gehend den 
Oervandil auf seinen Schultern, und wie Thor hat auch der h, Christoph 
rothes Haar und wurde vom Volke zum Schutzpatron gegen Blitz und 
Wetterscha^en gemacht. 

In St, Georg dem Drachentödter haben wir unverkennbar den alten 
deutschen Nationalhelden Siegfried vor uns, der selbst wieder nur die ver- 
jüngte und vermenschlichte Wuotansgestalt. ist. 

Am merkwürdigsten aber ist es, wie der h, Michael in die Stelle 
Wuotans getreten ist. Warum haben neben ihm die beiden andern Erz- 
engel Baphael und Gabriel keinen Platz gefunden? Zunächst war ihm 
schon sein Name günstig, der an das altdeutsche michel (gross) anklang; 
dann aber erinnerte der Erzengel die jungen Christen dadurch an ihren 
Gott, dass er der Führer der himmlischen Heerschaaren (caelestis militiae 
signifer) und der Vorsteher des Paradieses ist. Wie Wuotan die Seelen der 
gefallenen Helden empfängt und nach Walhalla führt, so wird von Michael 
gelehrt, dass er der Füi-st der Engel und von Gott mit dem Amte betraut 
sei, die Seelen der abgeschiedenen Geister in Empfang zu nehmen und ins 
Paradies einzuführen. 

So lehnen auch diese Heiligen sich noch an das altgermanische Heiden- 
thum, dessen Anschauungen und Gestalten unter der durchsichtigen HüUe 
christlicher Benennungen fortleben. 

Ferner setzte sich eine Eeihe von Ortsheiligen fest, die besonders 
in einzehien Landschaften, Städten u. s. w. als Heüige und Schutzpatrone 
verehrt wurden. So Gallus und Columban im Bereiche von St. Gallen, 
Stephanus in Oesterreich, Kilian der Franken- Apostel in Würz bürg, 
Martin in Mainz, Florentius in Holland. Ihre Namen wurden Täuflingen 
beigelegt imd wurden sehr natürlich Lieblingsnamen des Volkes in dem 
jedesmaligen Bereich. 



26 8. Das Festwerden der Namen: Bildung der Familien -Namen. 

Verwandt mit diesen Localheiligen sind die Schutzheiligen ein- 
zelner Stände. St, Georg, der Drachensieger im ritterlichen Harnisch, 
war der Patron der Kitterschaft. Ähnlich wurde der h. Nicolaus, ursprüng- 
lich Bischof von Myra in Syrien (Kleinasien), als Patron der Kaufleute 
angesehen, seitdem im 11. Jalirh. italienische Kauf leute seine Gebeine glück- 
lich nach Bari in Unteritalien entführt hatten. Daher nun unter Anderem 
die vielen Nicolai -Kirchen, besonders auch im Norden Deutschlands, z. B. in 
Berlin, Stettin, Hamburg, daher die Beliebtheit des Namens als Taufname 
in früherer Zeit.^ 

So drang allerdings ein immer breiter werdender Strom neuer, fremd- 
sprachiger Namen ein ; aber eine eigentliche Hochflut brachte erst das sech- 
zehnte Jahrhundert, das Zeitalter der Reformation. Mit Eifer wandte sich 
das Volk dem neu erschlossenen Buch der Bücher zu und holte sich dort 
nicht nur seine Glaubenslehren, sondern auch seine Namen. Aus dem alten 
und neuen Testamente, von Adam und Eva bis zur Offenbarung Johannis 
herab entlehnte man sie. Im Gegensatze zu dem Protestantismus betonte 
der Katholicismus die Heüigenverehrung noch stärker und fügte den schon 
früher eingeführten Heiligen -Namen eine grosse Zahl neuer hinzu; man 
kann sie eben daran erkennen, dass sie ziemlich ausschliessliches Eigenthum 
der Katholiken sind, z. B. Ignatius, Vincenz, Aloys, Xaver, Seraphin, 

Als nun vollends durch den dreissigjährigen Krieg das nationale Leben 
in seinem Kern angegriffen und auf ein Jahrhundert fast erstickt wurde, 
da riss wie in Sprache und litteratur, so auch in der Namengebung eine 
vollständige Verwilderung ein. Doch ist das hier glücklicherweise von 
geringerem Belang, weU längst der grosse Wendepunkt eingetreten war, da 
die Person -Namen fest wurden und sich die Familien -N. bildeten. Auf 
diesen schon im 13. und 14. Jahrhundert in der Hauptsache zum Abschluss 
gekommenen Process hat die spätere Überschwemmung mit fremden Namen 
wenig mehr einwirken können, daher wir ims hier mit diesen kurzen Hin- 
deutungen begnügen. 

8. 

Das Festwerden der Namen: Bildung der Familien - Namen. 

Bei den einfachen Verhältnissen der früheren Jahrhunderte, so lange 
eben das Leben auf engere Kreise beschränkt war, hatte ein Name zur 
Bezeichnung einer Person genügt. So noch während der Herrschaft der 
sächsischen, der fränkischen Kaiser. Die Bevölkerung war verhältnismässig 
dünn und dazu der Hauptmasse nach bodenständig; Jeder, vom Grafen bis 



1) Übrigens wurden auch Träger alter deutscher Namen zu HeUigen gestempelt, und 
dadurch wurde der Erhaltung dieser Namen selbst Vorschub gethan. Solche Heüigennamen 
weisen die Kalender , namentlich die katholischen, in grosser Zahl nach , z. B. Alfons , Crott- 
Schalk, Hildebrand, Hubert (Patron der Jäger), Otto, Wüibdld u.a. m. 



8. Das Festwerden der Namen: Bildung der Familien -Namen. 27 

zum letzten Hörigen, war ein mehr oder weniger abhängiges Zubehör der 
Scholle, die ihn nährte, des Gaues, der Grafschaft. Jeder kannte seine 
Nachbarn, Aus- und Einwanderung fand, die slavischen Marken abgerechnet, 
nur in geringem Masse statt. Handel und Verkehr war nicht bedeutend, 
da die abendländischen Völker wenig Bedürfnisse hatten und was sie brauch- 
ten, meist selbst erzeugten. Da bedurfte es der Geschlechtsnamen so wenig, 
als noch heutzutage im Innern der Familie. Aber allmählich änderte sich 
die Sache. Die Bevölkerung wurde dichter. Es kamen die Kreuzzüge und 
bewirkten mannigfachen Wechsel im Besitzthum ; das Land wanderte in die 
Stadt, Fremde siedelten sich hier neben Fremden an; Handel und Wandel 
nahm zu und mit ihm die Zahl der gerichtlichen Verträge und Urkunden. 
So genügte die alte Bezeichnungsweise nicht mehr. ^ Da überdies viele der 
alten Namen erloschen waren, andere, ursprünglich verschiedene, in der 
im gewöhnlichen Leben gebrauchten Form zusammenfielen (z. B. Baldhard, 
Baldram y Baldewin in der F. Baldo vgl. S. 23), so war es unausbleib- 
lich, dass besonders an den Brennpunkten des Verkehrs, in den Städten, 
derselbe Name bei vielen Personen sich wiederholte. Wie häufig der Name 
Wilhelm bei den Normannen gewesen, ist vorhin schon erwähnt (S. 22). 
So finden wir ferner in Köln unter den Ministerialen in den Jahren 1141 
— 59 nicht weniger als zwölf verschiedene Hermann. Ähnlich war in Basel 
der Name Burkhard, in Zürich Heinrich verbreitet. Endlose Verwechselungen 
und Verwirrungen mussten daraus im täglichen Leben entstehen. Und wie 
unvollkommen war eine Unterschrift in dieser Art, wie eine Urkunde des 
Bisthums Basel aus dem Jahre 1095 von 19 Personen bezeugt wird, die 
ausser dem dux Bertholdus (nämlich von Zähringen) und comes Erimannus 
nur mit ihrem einfachen Person -Namen unterschrieben sind: ArnoU, Sige- 
holt, Buodolftis u. s. w., zweimal Burchardus, imd zweimal Cuono, wo es 
dann höchst einfach heisst: Cuono, item Cuono! 

Die Nothwendigkeit einer genaueren Bezeichnung und Unterscheidung 
machte sich gebieterisch geltend , im täglichen Leben wie bei Ausstellung 
von Urkunden. Um zu wissen, welcher Hermann oder Heinrich oder 
Johannes unter den vielen dieses Namens denn gemeint sei, mussten aller- 
hand Zusätze gemacht werden, wodurch die Einzelnen genauer gekenn- 
zeichnet wurden. Dieselben bestanden in dem Personnamen des Vaters 
oder in der Angabe des Amtes und der Beschäftigung, oder sie waren 
von dem Wohnsitz entlehnt oder endlich von besonderen, an einer Per- 
sönlichkeit hervortretenden Eigenschaften. So finden wir unter jenen zwölf 
Hermann in Köln einen Baz6*Sj einen Sohn Dittvigs, einen Vogt, einen 
Schultheiss (Amt), einen vom Neumarkt (Wohnung), einen rothen, 
einen weissen, einen mit dem Bart (Eigenschaften). 



1) Becker, die deutschen Geschlechtsnamen , ihre £ntstehun^ und Bildung. Progr. 
Basel. S. 26. 



28 8. Das Festwerden der Namen: Bildimg der Familien - Namen. 

Diese Zusätze nun gingen auf die Nachkommen über, sie befestigten 
sich in der Familie und wurden so aUmählich zu Familien -Namen, wie 
dies bei den einzelnen Klassen derselben näher nachgewiesen werden soll. 
Erst dies, dass solche Zusätze nicht bloss eine bestimmte einzelne Person 
näher kennzeichnen, sondern auch auf die Nachkommen forterben, macht 
ja das Wesen der Familien- oder Geschlechts -Namen aus. 

Doch vorher ist der Zeitpunkt, wann diese grosse Wendung eingetreten 
(dass aus den alten Personnamen, unter Hinzutritt ganz neuer Elemente, 
die Familien - Namen sich bildeten), genauer ins Auge zu fassen und fest- 
zustellen. Dieser Zeitpunkt ist durchaus nicht überall derselbe, sondern 
ein sehr verschiedener, zimi Theil um Jahrhunderte auseinander liegender, 
eben in genauem Anschluss an die sociale Entwickelung der einzelnen 
Länder und Landschaften. Wo bürgerlicher Verkehr aufkommt, da 
wird auch das Vorhandensein fester, erblicher Namen nothwendig, und es 
bilden sich Familien - Namen , als natürliches Erzeugnis der Verhältnisse. 
Umgekehrt ist demnach das frühere oder spätere Emporkommen der Familien - 
Namen ein Gradmesser für die frühere oder spätere Entmckelung des 
Bürgerstandes in den Städten. Von den Städten wird der neue Brauch 
dann auf das Land und andere Stände übertragen. 

Am frühsten treten die Geschlechtsnamen in Süddeutschland und 
am Eheine auf; so nach Becker 

in Köln 1106, 

in Zürich 1145, 

in Basel 1168 — 
etwas später in Mitteldeutschland, so 

in Nordhausen im 13. Jahrhundert ^ — 
noch später in Norddeutschland; wenigstens weisen für Pommern die 
Verzeichnisse der Kam min er Prälaten*^ auf den Anfang des 14. Jahr- 
hunderts hin. 



1) Förstomann, über die Bildung der Familien -Namen in Nordhansen im 13. und 
14. Jahrhundert, Progr. S. 4. 

2) Klempin, diplomatische Beiträge zur Geschichte Pommerns aus der Zeit Bogis- 
lafsX. 1859. 

Zur Veranschaulichung setzen wir ein Verzeichnis der „Praepositi, Dhumprauoste" des 

Bisthums Kammin her: 

Sifridus 1175 — 85 Hüdebi'andus 1303—15 

Conradus 1186—1216 Beymarus {de Wacholt) 1317 — 23 

Thietmarus 1222 Fridericus de Stoiber g 1326 

Pribzlaus 1224—32 Barnim de Werle 1330 — 33 

Floi'entius 1233 — 40 Conradus dictus de Gripeswold 1333 — 36 

Conradus 1241 — 49 Bernardus Bere 1336 — 51 

Lainbertus 1253 — 91 Marquardus de Tralowe 1354 — 68 u. s. w. 

Johannes 1297 — 99 •• 

Wemi wir die Alpen übersteigen, finden wir F.-N. allerdings viel früher in den 

italienischen Städten, in denen sie sich, während sie bei uns im 12. Jahrhundert erst im 



8. Das Festwerden der Namen: Bildung der Familien -Namen. 29 

Anfänglich tauchen einzelne Familien - Namen auf, die sich aber schnell 
vermehren, und sehr bald, nach einer verhältnismässig kurzen Übergangs- 
periode, hat der neue Brauch gesiegt und die Umwandlung ist allgemein. 
Zunächst finden sich die Geschlechtsnamen, nach Beckers Beobachtungen, 
bei den vornehmeren Bürgern der grösseren Städte, nämlich bei den reichern 
Ministerialen oder ritterbürtigen Dienstmannen der Bischöfe und bei den an 
Rang und Geltung ihnen nahestehenden Preibüi'gern oder Patriziern. Was 
an Sang über oder unter diesem Stande ist, der hohe Adel und die Geist- 
lichkeit einerseits, der Handwerker und der hörige Bauer andrerseits, das 
hält noch lange an dem alten Brauche der einfachen Namengebimg fest. — 
Der hohe Adel nennt sich bekanntlich nach dem Stammsitz. Bei der Geist- 
lichkeit setzen zuerst die Stiftsherrn aus städtischen Geschlechtem ihren 
Geschlechtsnamen der sonstigen Bezeichnung bei, z. B. 1230 in Zürich 
B. Manezo subdiaconus; bei ihnen mochte das bürgerliche Selbstgefühl dem 
geistlichen die Wage halten. Dagegen nannten Bischöfe und Äbte sich , wie 
meist noch jetzt, mit dem Taufnamen oder dem angenommenen Kirchen- 
namen, unter Beifügung der Würde, der Diöcese, des Klosters. 

Die Handwerker in den Städten ahmten zwar bald den Brauch des 
städtischen Adels und der Patrizier nach; da sie sich aber stets aus der 
Landbevölkerung ergänzten und deren älteren Brauch in die Stadt hinein- 
brachten, so konnte es vorkonmien, dass z. B. in Basel noch 1438 bei der 
Zunft „zu Brotbecken" ein sonst namenloser „Hans des jebsmolers (Gyps- 
müllers) tochteimann" aufgenommen wurde. 

Bei dem Landvolke endlich hängt die Benennung mit dem Grade der 
errungenen Freiheit zusammen. Während die freien Landleute von Uri 
schon 1291 eine grosse Anzahl wirklicher Geschlechtsnamen bieten, ent- 
behren die Leibeigenen in manchen Gegenden derselben bis ins 14., ja 
16. Jahrhundert. 

Doch ist hervorzuheben, dass an den Küsten der Nordsee, in Pries- 
land, Holstein, Schleswig, wie auch in Dänemark eigentliche Familien - 
Namen sich am spätesten festgesetzt haben, indem die alte Sitte, sich nach 
dem Vater zu nennen (z. B. Grossvater Clas Petersen, Vater Peter Classen, 
Sohn Clas Petersen, Enkel Peter Classen) erst im vorigen Jahrhundei-t 
polizeilichen Verordnungen gewichen ist.^ Es ergiebt sich aus Allem, dass 



Entstehen sind, bereits seit langen Jahren ganz verbreitet zeigen. Die ersten Spuren finden 
sich in Venedig, wo schon im 9. Jalu-hundert eine Familie Particiaco begegnet: 809 
Angela P, , 829 Justiniano P. , 864 Urso P. , 881 Johannes Paiiiciaco, Hier erbt also der 
Name Particiaco, ursprünglich der Beiname einer einzigen Person, in dem Greschlechte fort. 
1) Allmers in seinem „Marschenbuch" bemerkt auf Seite 140 f.: „Eigentliche Familien - 
Namen waren bei den Friesen selbst noch bis ins vorige Jahrhundert selten. Der Solm erhielt 
zu dem Vornamen seines Vaters nur noch einen eigenen Taufnamen, wie es noch jetzt 
auf vielen friesischen Inseln Gebrauch ist. Hiess z.B. der Vater Eke jAibs und 
man taufte seinen Sohn Stade y so liiess dieser SükU Eks, und der Enkel, wenn er nach dem 



30 9. Altdeutsche Person -Namen als Familien -Namen. 



•^t^ir^T^^^m^t^wm 



der Gebrauch der Geschlechts- oder Familien - Namen in den Städten und 
mit der Blüte der Städte entstanden ist; dass dieser Brauch in den einzel- 
nen Städten um so eher aufkommt, je früher sich dieselben entwickeln, und 
dass er sich von der Stadt und ihren Bürgern auf das Land und auf andere 
Stände verbreitet hat. 

Wie wenig befestigt anfangs die einzelnen Familien -Namen waren, 
ergiebt der leichte und häufige Wechsel. So wurde Lucas Cr an ach, also 
benannt von seinem Geburtsort im Hochstifte Bamberg, auch genannt 
,^Lucas Maler,'^ Sein eigentlicher Familien - Name war wahrscheinlich 
Sunders (Pott, Personennamen S. 43). 

9. 
Altdeutsche Person -Namen als Familien -Namen. 

Um eine Person genauer zu bezeichnen und von „den Genamen," 
den Namensvettern, zu unterscheiden, war es das Nächstliegende, die 
Abkunft anzugeben, also den Namen des Vaters hinzuzufügen, besonders 
wenn dies eine hervorragende Persönlichkeit war. Nennen sich doch schon 
in der deutschen Heldensage die Helden nach ihren Vätern: Hiltibrant 
Heribrantes sunu, Sigfrid Sigmundes sun — Zusätze, die jedoch damals 
noch nicht erblich geworden. Wurde nun der Name des Vaters beigefügt, 
so geschah dies in der Form „Sohn Arnolds^ oder auch bloss Arnolds^ in 
den Bürgerrollen und Urkunden, die meist lateinisch abgefasst wurden: fdius 
Arnöldi oder mit Auslassung von ßius bloss Arnoldi, Man würde dem- 
nach hier lauter genetivische Familien -Namen als Patronymika erwarten, 
wie Arnolds, Friedrichs, Otten. AuflUllig ist nun, dass die weit über- 
wiegende Mehrzahl der Namen dieser Art nicht im Genetiv, sondern im 
Nominativ auftritt: Arnold, Friedrich, Otto (Otte) u. s. w. Woher diese 
auf den ersten Blick überraschende Erscheinung? Sie ist wohl so zu 



Grossvater Lübhe genamit wurde , Liibhe Siads oder Ehe Lühbe Siads, Das angehängte s ist 
nichts weiter als Bezeichnung des Genetivs. — Man kann leicht ermessen , welche bunte Ver- 
wirrung solche Sitte zur Folge haben musste, und wie ganz besonders, wo es wichtige Erb- 
scliaftsangelegenheiten betraf, bei denen oft weitläuftige Namenregister in Betracht gezogen 
werden mussten, die unlösbarsten Verwickelungen oft endlose Processe herbeiführten. Früher 
oder später machte daher in den verschiedenen Marschen ein Gesetz, wonach jede Familie 
einen festen Namen annehmen musste, diesem Unwesen ein Ende, welches in manchen 
Gegenden bis ins letzte Jahrhundert fortdauei-te imd auf den Inseln sogar heute noch angetroifeii 
wird. Denn wenn auch alle Friesen nunmehr Familien -Namen angenommen haben, so 
betrachten sie, wenigstens die Landbevölkerung , dieselben als unnütze Anhängsel, die nur vor 
Gericht und bei ähnlichen Gelegenheiten erforderlich sind." 

Im Osnabrückischen haftet noch jetzt der Name in den Bauerschaften weniger an der 
Person als am Hofe. Wenn z. B. Müller zu B, auf den Hof Meyer zu N. heirathet, heisst 
er selbst Meyer zu N., nicht mehr Müller, höchstens Meyer geb. Müller. Wenn Kinder oder 
Kindeskinder vom Hofe ziehen, werden sie sich in der R^gel Meyer ^ selten Müller nennen. 
(Fr. Meyer, der Name Meyer S. 8.) 



9. Altdeutsche Person -Namen als Familien- Namen. 31 

^B^mim^^t^m . ^^mi^r^^^im ■■■■» i-iii^i ■ m^ — ■■■■■■ ■■■■■■ ■ ■■ I II I I — ■ I— ■■ ■■»■!■■ I ■ MiiM- ■- II ^Bw^^a^i^^^ag^— ^^.^^ I ^ 

erklären, dass man statt des genaueren Genetivs oder einer sonstigen 
patronymischen Bildung den Namen des Vaters einfach und unverändert 
im Nominativ hinzusetzte — infolge einer schon damals eintretenden Erstarrung 
der Sprache, vielleicht auch, weil man den Namen des Vaters deutlicher 
wollte hervortreten lassen. So finden wir bereits im achten Jahrhundert 
in Urkunden unter Andern einen Sigifridus ßius Sigimundus, und im 
elften Jahrhundert erscheint der Vater- Name schon oft dem des Sohnes im 
Nominativ als Beiname hinzugefügt, z. B. Uguo Folcaldus (im J. 1030).^ 
Ein besonders belehrendes Beispiel fühi-t Becker aus Köln an. Dort finden 
wir unter den Dienstmannen der Abtei zu St. Pantaleon im J. 1128 einen 
Razo; dann unterzeichnet 1185 unter den Bürgern ein Henricus Ra^ionis, 
derselbe 1195 Henricus Razo, und 1272 ist Theodoricus dictus Razo 
Bürgermeister.^ Ebenso erscheint im Göttinger Urkundenbuch im J. 1245 
der Ritter Johannes Cusen (Genetiv), 1270 der Ritter Johannes Cuso,^ 
Gewiss war dies, die einfache Beifügung des Vatemamens im Nominativ, 
im gewöhnlichen Leben noch häufiger. 

So erscheint denn nun eine Menge jener altdeutschen Personnamen 
nunmehr als FamiUen- Namen, theils wenig verändert, z. B. Hildebrand, 
Siegfried, Amelung, theils mannigfach abgeschliffen, wie Kiesel und Geröll 
des Meeres im Wogenschlag der Jahrhunderte, theils sogar verstümmelt 
und entstellt bis zur Unkenntlichkeit. 

Am deutlichsten treten hervor die zusammengesetzten Namen, von 
denen hier eine Übersicht der gewöhnlicheren Bildungen folgen möge, nach 
dem zweiten Tbeile der Zusammensetzung geordnet. 

bald (bold, belt; polt, pelt): Liebald, Liebold, Liebelt, Lippold, LippeM, 

brecht (bert, barth; precht, peii;): Siebrecht , Siebert, Siebarth; Wie- 

precht, Wiepert. 

fried (fert, fart): Siegfried, Siefert, Seifart, 

ger: Rödiger, 

hart (art, ert): Eckhardt, Eckart, Eckert. 

her (er): Walther, Walter. 

mann: Hermann. 

mar (mer): Volkmar, Volkmer. 

rieh (reich): Friedrich, Friedreich. 

walt (olt, elt): Reinwaid , Reinold, Reinelt 

wart (werth): AMwardt, Adelwerth, 

wig: Hartwig. 



1) Stark, Kosenamen S. 154. 156. 

2) Becker, Geschlechtsnamen S. 15. 

3) Pauli I. S. 7. Bemerkenswerth ist, dass ja auch Luther vielfältig in der BiheKiher- 
setzung die Eigennamen unverändert, statt im Gen., beifügt, z. B. Kinder Kor ah, Tochter 
Zian, Sohn Isai. 



32 10. Sprossfonnen der altdeutschen Person -Namen als Familien -Namen. 

win (wein): Gerwin; Eberwein,^ 

wolf (olf, umgestellt loff): Schönewolf; ßudolph, Rudioff, 

Durch Abfall der Schlussconsonanten entwickelte sich aus bald, belt: 
ball, bei; aus fert: fer; aus old: ohl u. s. w. 

Manche dieser urspr. altdeutschen Namen traten infolge mundartlicher 
und anderer Einflüsse in ausserordentlich vielen verschiedenen Formen auf, 
z. B. altdeutsch Ricohard findet sich als : 

Richard, Richert, Riechert — Riegert — Reichhardt, Reichard, Reichert 

— Rickert, Ritschar d — Ritsert; 

ungerechnet die bloss orthographischen Abweichungen. Liutbald tritt gar 
(freilich gemengt mit Liutwald) in mehr als zwanzig Formen auf: 

Liebaldt, Liebold, Liebhold, Libelt, Liebel, Liepelt — Lippelt ^ Lippd 

— Leopold — Lepöld, Lepel — Leppelt — Luppold — Lubold — 
Laubhold — Leupold — Leybold, Leibel, Leibhold, Leipold, Leipel u. s. w. 

10. 
Sprossformen der altdeutschen Person -Namen als Familien -Namen. 

a) Kürzungen und Verkleinerungen. 

Sehr zahlreich, mitunter zahlreicher noch als die vollen Formen, sind 
die verkürzten , sich anschliessend an die altdeutschen Kürzungen und Ver- 
kleinerungen , die S. 23 behandelt sind. Das o, welches dort an den Toreo 
gesetzt wurde, hat sich nur in wenigen Familien -Namen, wie Otto, Thilo, 
erhalten; meist ist es in e abgeschwächt: Otte, Thiele, Heine (altd. Heino 
aus Heinrich) , Thieme (Thiemo aus Thiedmar) — oder es ist ganz abgefallen, 
so dass der Name einsilbig wird: Ott, Thiel, Heyn, Thiem. 

Diese Verkürzungen bilden den Übergang zu den eigentlichen Ver- 
kleinerungsformen oder Schmeichelformen. Die verschiedensten Bildungen 
treten hier hervor, und eine wundersam reiche Flora beut sich den erstaun- 
ten Blicken. Jede Landschaft hat ihre besonderen Deminutiv -Endungen, 
nach Massgabe der Mundart.^ 

Der Kern der oberdeutschen Verkleinerungs- Endung ist ein l (altd. 
ilo s. S. 23), welches auch in Appellativen in den mannigfachsten Formen 
auftritt: ele, el, le, li, la u. s. w. , z. B. Mädele, Mädel, Maidle, Maidli, 
Madla; Vogel, Vogerl. 



1) Im Althochdeutschen hilden den zweiten Theil der Zusammensetzung am häufigsten 
folgende Stämme, welche hier nach dem Grade der Häufigkeit geordnet sind: loulf {^11 mal 
Förstemann), heraht, wald, hari, hard, rieh, früh, gar, mar, win, rad, bald, 
gaud, man, gis, ward, hrahan (104). — Bei so häufigem Gehrauche war es natürlich, 
dass diese Wörter theilweise zu blossen Endungen herabsanken ; so namentlich hart und rieh, 
welches letztere zu einer Bezeichnung für das männliche Geschlecht wurde, wie in „Täuberich,*^ 

2) Die rein vokalische Verkleinenmgsform i (S. 23) findet sich jetzt nur noch in der 
Schweiz: Burcki, Fr Uschi — Hochuli, Welti. 



10. Sprossformen der altdeutschen Person-Namen als Familien -Namen. 33 

Der Kern der niederdeutschen Verkleinerungs- Endung ist ein Tc 
(altd. iko s. S. 23): he, Jcen, z. B. Make, Mäken. 

Im Schriftdeutschen sind beide vertreten, und zwar in der Verbin- 
dung mit n (s. S. 23): oberd. lein, niederd. chen. 

Demnach finden wir im Oberdeutschen folgende Bildungen in den 
Familien -Namen : 

el (die verbreitetste Form): Dietel, Merkel. 

1 (bairisch, österreichisch): Dietl, Merkl, 

le (schwäbisch): Dietle, Merkle — mit Bindevocal: Eisele, 

li (schweizerisch): Märkli. 

lin (schwäbisch, schweizerisch): ^ Märklin, Bürklin — abgestumpft in: 

len Eiselen — 

gewöhnlich, mit der Weiterentwickelung des Neuhochdeutschen Schritt 
haltend : 

lein: Dietlein. 

Weniger mannigfaltig sind die entsprechenden Bildungen in Nieder- 
deutschland, wo man im Allgemeinen die Verkleinerungsfoimen auch in 
den gewöhnlichen Hauptwörtern weniger liebt. Es ist hier besonders nur 
die Endung 

ke mit Bindelaut: Tedike, Reinicke, Reinecke. 

ohne Bindelaut: Reinke, Wilke. 
k: Tieck. 

Verhochdeutscht 
ch (ich, ig): Dedich; Rüdig, 

Daneben finden sich 
ken: Tiedken, Wilken, welches hierher gehört , sofern es aus dem alten 
kin (ikin) abgeschwächt ist. Doch ist es in vielen Fällen wohl 
genetivische Bildung (s. das folg. Kap.). Die hochdeutsche Form 
chen, die bei den Appellativen zur Herrschaft gelangt ist, findet sich 
gerade bei Eigennamen auffallend selten: Nöldechen, Didtgen. 
Friesisch lautet die Verkleinerungsform je: Meisje (Mädchen), Pottje 
(Töpfchen); so auch in Familien- Namen 
je: Detjey Bätje, 

Diese Verkleinerungen bewirken in der Kegel, wie aus den obigen 
Beispielen ersichtlich, den Umlaut, wegen des ursprünglich in der Endung 
steckenden i (iko, ilq). 

Ausser diesen beiden Hauptsuffixen, l und k, wird in Mittel- und 
Süddeutschland noch jenes dritte, nur in Eigennamen vorkommende 

gebraucht: 

(altdeutsch i0o, s. S. 23). 

1) Wie Luther „ Wort lin" u. a. und noch Fischart in der zweiten Hälfte des 16. Jahrb.: 
„Er hat ein hölzins Eöcklin an." Dass übrigens die Endung hier auch in den EN. nicht 
den Ton hat, ist selbstverständhch. 

H e i n t z e , Deutsche Familien - Naiueu . 3 



34 10. Sprossformen der altdeutschen Person -Namen als Familien -Namen. 

So wird aus Dietrich: Dietze, nachher einsilbig Die^^ , aus Gottfried: Götze, 
Götz (vgl. Götz von Berlichingen), aus Ludwig: Lutze, LutZj aus Heinrich: 
Heinze, Heinz — aber auch Heinitz (aus urspr. Heinizo, der Grundlage 
für alle drei Formen). 

Diese Kürzungen der Rufiiamen, welche als solche in Norddeutsch- 
land, mit alleiniger Ausnahme von Fritz, ^ durchaus nicht übUch sind, haben 
von Oberdeutschland her als Familien -Namen weite Verbreitung gewonnen. 
Das z erweichte sich übrigens, der Entwickelung der Sprache folgend, 
häufig in ss: Diess, Russ, ja in s: Heinse, während es sich andererseits in 
schy tsch vergröberte: Ger seh statt Gerz, Dietseh. 

Da nun aber die Sprache mit einnjialiger Verkleinenmg noch keines- 
wegs zuMeden ist, so werden diese verschiedenen Endungen verbunden 
und auf solche Weise doppelt verkleinerte Formen gebildet, z. B. von 
Dietrich: 

licke (altd. iliko s. S. 23): Thielieke, Tielke, 

kel (altd. ikilo): Tichel. 

zel (altd. izilö): Dietzel, 

zke (altd. iziko): Tietzke, 
Ja es finden sich Formen, in denen alle drei Suffixe (z, l, k) vereinigt 
sind : Dietzelke, 

b) Genetivische Namen. 

Wenn (nach S. 30) auch die Form, in welcher ein Person -Name sich 
als Familien -Name festsetzte, in der Regel die des Nominativs war, so war 
es doch unausbleiblich, dass bisweilen der Genetiv an seine Stelle trat 
Entsprach es doch der strengen grammatischen Regel, wenn der Name des 
Vaters zu näherer Bezeichnung eben im Genetiv hinzugefügt wurde: 
Heinrich, Sohn Arnolds, lateinisch Henricus, filius Ärnoldi, wobei die 
Bindegheder „Sohn" und filius auch wegfallen können.^ Daher nun eine 
ziemliche Menge Namen, die sich im Genetiv festgesetzt haben und in 
dieser Form als Familien -Namen erstarrt sind. Die beiden Biegungsarten, 
welche durch die Dechnation der Hauptwörter im Deutschen hindurchgehen, 
treten mm auch hier hervor: 



1) Dass „ Fritz ^' als Kufhame für Friedrich auch in Norddeutschland so allgemein 
verbreitet ist, erklärt sich durch die Verpflanzung der Hohenzollem nach Brandenburg, deren 
Ahnherr, der Burggraf Friedrich von Nürnberg, im J. 1411 von dem Kaiser Sigmund in die 
Marken eingesetzt wurde. Jedoch finden sich einzelne Formen mit z auch schon früh in 
niederdeutschen Urkunden: Hence (= Henze) und Hinze mehrfach in Urkunden der Stadt 
Lübeck 13. Jahrb., Thiezo, Winizo, Beinzo und einige andere in der Frekenhorster Hebe- 
rolle, so dass man mit Lübben, die Thiemamen im Keineke Vos S. 48, wohl hochdeutschen 
Einfluss hier einräumen muss; ebenso hei der Verbindung des z mit k, wie in Tieziko, 
Meinziko, Baziko, die eigentlich Zwitter sind. 

2) Henricus dictus Ärnoltz (= Arnolds), Berchtoldus Marchwardi u. a. in Urkun- 
den; deutsch Henning Markwardes (wie Darius Hystaspis). 



10. Sprossformen der altdeutschen Person -Namoii als Familien -Namen. 35 



die starke, die sich durch ein s, 
die schwache, die sich durch ein n 
im Genetiv kennzeichnet. Erstere tritt an die vollen Namen, wie Diede- 
richs, Hermanns, letztere an die Verkürzungen: Thielen, Otten (welche 
aber auch häufig das s der starken Biegung annehmen, z. B. Kohns neben 
Konen). 

Dazu tritt als eine dritte Form im Friesischen ena (wie in Hagena, 
Tydena) , die mit Euprecht ^ wohl als Genetiv Pluralis der schwachen Decli- 
nation zu erklären ist (vgl. den alten Wahlspruch „Eala frcya Fresena"). 
Es bedeutet demnach z. B. Focke Uckena („hovetlink FocJce U, von Leer" 
in einer Urkunde von 1455) den Sohn oder Nachkommen der Uko, weist 
also nicht bloss auf den Yater, sondern auch auf die Ahnen hin. Da 
diese Bezeichnung besonders für angesehene Geschlechter Werth hatte, bei 
welchen der Name auch einen Antheil an dem alten Besitze und dem 
alten Euhme der Familie zusicherte, so ist es nicht zufällig, wenn wir 
unter den klangvollen Namen dieser Büdung vielen alten Häuptlingsnamen 
begegnen. 

Der genetivischen Bildungen sind aber mehr, als es auf den ersten 
Blick scheint, da sich dieselben nicht selten hinter entstellender Eecht- 
schreibung verstecken; namentlich schmilzt ein ^-Laut mit s zu t^ zusam- 
men: Seifritz (statt Seifrids, Siegfrids), GomjperU (statt Gomperts von Gund- 
brecht), Beinartz (Eeinhards). Während in dem letzten ein zum Stamm 
gehöriges h ausgelassen ist, wird ein solches in den Zusammensetzungen 
mit old (walt) häufig fälschlich eingeschoben, so dass der Schein einer 
Zusammensetzung mit Holz entsteht. Reinold^ schon entstellt und umge- 
deutet in Eeinhold, nimmt so im Genetiv gar die Form Beinholz an. 

Durch Yermittelung des Lateinischen, welches in den BürgerroUen 
und öffentlichen Urkunden überwog, entstanden die Zwitterformen Arnoldi, 
Ruperti, Friederici, auch mit y; Bernhardt/ und ähnliche. Formen, die sich 
schon durch das Verschieben der naturgemässen Betonung als Entstellungen 
der deutschen Namen kundgeben. 

Ganz mit demselben patronymischen Sinne wie die Genetive werden 
auch Zusammensetzungen mit „Sohn" gebildet, welches dabei aber fast 
immer in der abgeschliffenen Form sen erscheint: Wilmsen^ Volquardsen. 
Es ist dies eine alte Bezeichnungsweise; schon in der Edda findet sich „Sig- 
mundr Völsungsson^^ (Siegmund, Yölsungs Sohn). Dieselbe ist besonders 
im Norden heimisch, ^ während in einigen süddeutschen Landschaften, 



1) Euprecht, die (leutschen Patronymica, nachgewiesen an der ostfries. Mundart. 
Programm S. 14. 

2) Wir finden sie auch bei den Schweden (Torstenson), Norwegern (Björnson), 
Dänen (Thorwaldsen) , Isländern (Sturluson) , Engländern (Wilson, Bohinson, Thomson), 
Im Schottischen entsprechen die Namen mit Mac (M') : Mac Gregor (Sohn des Gr.) , Mac- 
dorudd; im Irischen die mit 0: O^Connel. 

3* 



36 11. Kirchliche Person -Namen als Familien -Namen. 

z. B. Kärnten, eine patronymische Bildung auf er (1er) hervortritt: Set- 
holter, Hartler (aus Leonhard).^ 

Auch Metronymika (Ableitungen von dem Namen der Mutter) 
finden sich, wenngleich nur sehr vereinzelt. Dahin gehört Verndleken = 
(Sohn) der „Frau Aleke" (Adelheid). ^ 

11. 
Elrehllehe Person -Namen als Familien - Namen. 

Die Person-Namen der zweiten Schicht, die kirchlichen, mussten 
eben als fremde Namen noch stärkere Umwandlungen erfahren wie die ein- 
heimischen. Aufgenommen sind sie zunächst in der griechisch -lateinischen 
Form, wie die Earchensprache (nach dem Yorgang der lateinischen Bibel- 
Übersetzung, der Vulgata) sie bot In dieser vollen Form jedoch erscheinen 
sie als Familien -Namen, einige kürzere wie IJhomas, Lucas ausgenommen, 
fast nie — es verbietet das schon ihre Länge, da sie meist 4 — 5 silbig sind. 

Es musste also eine Kürzung erfolgen. Dabei kam Alles auf die 
Betonung an. Im Althochdeutschen wurde bei den Fremdwörtern der Ton 
zurückgezogen, er strebte noch über die drittletzte Silbe nach vom hin, 
auf die erste Silbe, die im Deutschen in der Eegel als Stamm den höchsten 
Ton trägt, z. B. Äntichristus — Antichristo, Constdntia — Chöstanmj 
Mathdeus — Mdtheus. 

Die Sprache hatte sich so gewöhnt, den Hochton auf den Anfang des 
Wortes zu werfen, dass in den Fällen, wo dies aus irgend einem Anlasse 
nicht geschehen war, der nun tonlose Anfang wie mit Missachtung behan- 
delt und durch eilendes Drüberhingehen des einen oder anderen Lautes 
beraubt, ja gänzlich abgeworfen wurde, z. B. apostolus — althochd. postuly 
Hispanus — Span. 

Später freilich wurde durch romanische Einflüsse die echtdeutsche 
Betonung der Fremdwörter mehr und mehr verdrängt zu Gunsten einer 
anderen , welche den Ton auf den Ausgang der Wörter wirft. Es ist dies die 
französisch -neuhochdeutsche Betonung, die, schon im Mittelalter beginnend 
(s. die zahlreichen Hauptwörter auf ie, jetzt ie oder ei), nunmehr leider 
zur Herrschaft in unserer Sprache gelangt ist. 

Länger als in der Schriftsprache behauptete sich jene ursprüngliche, 
imideutschende Betonung im Volksmunde, besonders den fremden Eigen- 
namen gegenüber. Bei denselben wird noch heute der Ton auf die erste 
Silbe zurückgezogen, was dann Kürzungen am Ende (Apokopen) zur Folge 
hat: Andres, Bendix, d.i. Benedictus, GAm^ian (Christen), Niclas^ u. s. w. 



1) Becker S. 15. Eeichel, die deutschen Geschlechtsnamen. Marburg (Steiermark). 
Programm. 

2) Vgl. Gisübertus, fihus Odilie 1036. Rudolf et Uüich filii Adelheidis 1149 (Stark, 
Kosenamen, S. 155). 

3) Auf süddeutschen Schulen sogar Homer, Höraz, Virgil. 



11. • Kirchliche Person -Namen als Famihen- Namen. 37 

Oder falls diese Zurückwerfung des Tones unterblieben ist, treten vom 
Verkürzungen (Aphäresen) ein: Joachim — Achime Erasmus — Rasmus, 
Äsmus. Häufig ist beides, Aphärese und Apokope, vereint, wie Boni- 
facius — Fazi^ Dionyöius -^ Nis, wo von 5 Silben nur eine, die Tonsilbe 
selbst, übrig geblieben ist^ 

Hinsichtlich dieser weitgreifenden Aphäresen treten die fremden Namen 
den deutschen gegenüber, bei welchen Kürzungen zu Anfang des Wortes 
durch die Betonung gehindert werden. 

Aus diesen mannigfach gekürzten und umgewandelten Taufnamen ist 
nun eine verhältnismässig bedeutende Zahl Familien -Namen erwachsen, 
theüs mit einer Kürzung am Ende: Mdthies und Mathes, theils mit einer 
solchen am Anfang: Alexander — Xander. Vielfach treten an demselben 
Namen wechselnd beide Erscheinungen hervor, wie von demselben Stamm 
Äste nach entgegengesetzten Kichtungen ausgehen, und es entstehen Formen, 
die keine Ähnlichkeit mehr mit einander haben. So wird 

aus Ambrosius einerseits Ambrosch, andrerseits Brose,^ 
„ Andreas „ Enders, „ Drewes, 

„ Nicolaus „ Nickel, „ Claus, Klaas, 

Mitunter haben diese verschiedenen Sprossformen keinen Buchstaben des 
Stammes gemein, z. B. Barthel und 3Iewes aus Bartholomäus. 

Wie das letzte Beispiel beweist, findet neben der Kürzung bisweUen 
Zerdehnung statt, indem zwischen zwei Vocale sich ein i^ oder gr einschiebt. 
Dies ist auch der Fall bei Paul, woraus sich Pawel und Pagel entwickelt hat. 

Nicht selten gehen diese Kürzimgen, Zusammenziehungen und Um- 
bildungen soweit , dass die ursprüngliche Namensform vollkommen unkennt- 
lich geworden ist. Lex aus Alexius, Xander aus Alexander ist schon 
ziemlich gewaltsam; doch wird auch dies noch überboten. Wer würde 
z. B. denken, dass der Familien -Name Gille aus Aegidius entstanden ist, 
dass Grolms (der Bauer in der bekannten Fabel), Rohner und Muss ein 
und derselbe Name und dass alle drei aus Hieronymus entstellt sind ? ^ 
Und doch beweisen dies die Formen, welche in den alten Schriften und 
Urkunden sich finden, nebst den lebenden der Volksmundarten. Bei fremd- 
sprachigen Namen dürfen solche Erscheinungen nicht überi'aschen. 



1) Vergi. W. Wackemagel. die Umdeutschung fremder Wörter. 2. Ausg. 1863. 
8. 32 ff. 36 f. 

2) Die Scheidung nach den Mundarten ist hier schwierig und nicht immer streng 
durchzuführen. So findet sich Nickel j welches Vihnar, Namenbüchlein S. 6 als hochdeutsch 
bezeichnet, auch im Niederdeutschen, hinwieder Klas (wovon Klaslj auch im Oberdeutschen 
(Bairischen). Joclien, wie nach Vilmar der Hochdeutsche den Namen Joachim abkürzen soll, 
ist dem pommerschen Landmann die gewohnte Form. 

3) Hieronymus: in Sachsen Grüner , in Holstein Harms, in der Schweiz Bonus, 
Bones, Boni, Muss, Müssi, in Hessen Grolmann (nach Becker S. 19). Am wonigsten hat 
sich von der ursprünglichen Form entfernt der Name Kronymus, den Fröhner aus Karls- 
ruhe anführt. 



38 11. Kirchliche Person -Naiiiüii als Familien -Namen. 

In Betreff der genetivischen Ableitungen ist Yorsicht vonnöthen; 
namentlich ist das s kein sicheres Kennzeichen, da es vielfach nur von 
dem Nominativ her stehen geblieben, z. B. Staats (aus Eustathius), Mews; 
auch Marx, aus Marcus. Das gilt besonders von der Endung ies (zwei- 
silbig zu sprechen), die aus dem lat. Nominativ ius entstanden ist: ^ Borries 
aus Liborius, Plönnies, Lönnies aus Apollonius. Ganz unzweideutig gene- 
tivisch sind fast nur die mit fremden (lateinischen) Genetiv -Endungen auf- 
tretenden Namen auf i, ae^ is: Pauli , Matthiae, Michaelis. 

Zusammensetzimgen mit „Sohn" sind häufig, und dabei ist mehrfach 
der volle Vocal bewahrt: Andersohn, Matthisson, Petersson, während aller- 
dings in der Mehrzahl auch hier die Abschwächung in sen eingetreten ist. 

Deminutiva dagegen sind im Ganzen seltener: KöbJce (aus Jakob) und 
Jdhnhe (aus Johannes), denen Jäckel und Hensel gegenüberstehen, weisen 
die Hauptform des niederdeutschen Deminutivs (mit dem Charakterlaute h) 
und des oberdeutschen (mit l) auf, während z bei den Fremdnamen über- 
haupt nicht vertreten ist. 

Ausser dem Genetiv und der Zusammensetzung mit Sohn wird das 
patronymische Verhältnis auch durch Vorsetzung von Jung oder Klein 
bezeichnet. Hiess der Vater z. B. Andreas, so wurde der Sohn, welcher 
denselben Namen in der Taufe erhalten hatte. Jungandres genannt, oder 
Michel: Kleinmichel , und zu den Zeiten der Söhne trat eben das Fest- 
werden der Familien -Namen ein, so dass nun Jungandres und Junghans, 
Kleinmichd und Kleinpaul auch der ganzen Nachkommenschaft des eigent- 
lichen Jungandres u. s. w. zu Theil wurden. Übrigens scheinen es haupt- 
sächlich nur die Fremdnamen Andreas, Johannes, Michael, Nicolaus und 
Paul^ sowie die einheimischen Konrad (Kurt ^ Kunz) und Heinrich (Heinz) 
zu sein, welche Patronymica mit Jung und Alt, Elein und Gross bilden.^ 

Aus einigen dieser Namen hat sich solchergestalt durch Kürzung, 
Ableitung, Zusammensetzung eine Menge Familien -Namen gebildet; man 
sehe das Lexikon unter Andreas, Nicolaus, Matthaeus. 

Alle überbietet jedoch der Name Johannes. Wie derselbe als Tauf- 
name jederzeit einer der beliebtesten gewesen, so hat er auch als Familien- 
Name die weiteste Verbreitung und mannigfachste Gestaltung erfahren, so 
dass sich mehr als 100 Familien -Namen aufzählen lassen, die sämtlich 
aus Johannes gebildet sind (s. das Lexikon). Wir haben hier wieder das 
Bild eines Waldes, der allmählich aus einem einzigen Baum entstanden ist. 

Lidessen sind es nur einzelne unter den fremdsprachigen Namen, 
welche eine solche Fruchtbarkeit entwickeln. Im Allgemeinen können die- 
selben, schon als Fremdlinge, nicht eine so vielseitige Bildsamkeit besitzen. 



1) Vergl. das Mittelhochdeutsche, wo die lateinische Endung us bei Namen regelrecht 
in es abgeschwächt wird: Philippes. 

2) S. Vilmar, deutsches Namenbüchlein 4. Auflage S. 7. 



12. Familien -Namen der dritten Schicht, a) Stand und Gewerbe. 39 

wie die einheimischen , von vorne herein in deutschem Sprachgrunde 
wurzelnden. Es bleibt daher die Zahl der von kirchlichen Tauf- Namen 
stammenden Familien- Namen im Ganzen eine beschränkte im Vergleich 
mit den Gebilden altdeutschen Ursprunges. 

12. 
Familien -Namen der dritten ScMclit. 

a) Stand und Gewerbe. 

Den aus den Person -Namen gebildeten Familien -Namen gesellt sich 
eine gleich grosse Zahl solcher Bezeichnungen zu, die niemals Person - 
(Tauf-) Namen gewesen. Dieselben wurden zunächst entlehnt von der 
Beschäftigung. Um unter den vielen Konrad oder Johannes einen 
bestinmiten zu bezeichnen, setzte man das Handwerk, welches er trieb, 
oder das Amt hinzu. Solchen Zusätzen begegnen wir bereits bei den Goten, 
indem sich unter zwei sonst lateinisch abgefassten Verkaufs -Urkunden, die 
sich aus der ostgotischen Zeit erhalten haben, als Zeugen neben Eömem 
auch finden: Merila bokareis (Merila der Bucherer, d.i. wohl Schreiber), 
Ufitahari papa (U. der Pfaffe), Sunjaifrithas diakun (Sunjaifrith der 
Diakone), Viljarifh boJcareis, Gudilub diakun. Dies sind die ältesten ger- 
manischen Zusätze von Stand und Gewerbe zur näheren Bezeichnung einer 
Persönlichkeit. So finden wir denn auch in spätem Urkunden häufig 
solcherlei Zusätze, wie „Herman der Perchmayster" (in einer Marburger 
Urkunde aus dem J. 1290), „Herman der Amman", „Schechel der Mawter" 
(Mautner), „Nicla der Schreiber" (alle ebenda aus dem 14. Jahrb.), „Huch 
de smet" (im Göttinger Urkundenbuch um 1383) u. s. w. 

Eine solche Beifügung konnte nun sehr leicht auf den Sohn über- 
gehen, so sich allmählich in einem Geschlechte befestigen und zum Namen 
der gesamten Familie werden, besonders wenn der Sohn, wie es doch ohne 
Frage häufig und häufiger als jetzt geschah, die Beschäftigung seines Yaters 
fortsetzte. Doch war das kaum einmal nöthig: der Name des Familien- 
hauptes wurde ohne Weiteres auf die übrigen Glieder der Familie, ins- 
besondere auf die Kinder übertragen. 

Erscheinungen dieser Art zeigen sich noch heutzutage, da doch längst 
die feststehenden Familien -Namen durchgedrungen sind, im Volksmunde 
gar nicht selten. So wird in Fr. Eeuter's „Keis' nah Belügen" der Pastor- 
sohn nie mit dem Geschlechts -Namen, sondern immer „Heindrich Paster" 
genannt. ^ 



1) Pauli I. S. 11: „In meiner Vaterstadt wurden die Kinder des Conrectors sowie die 
des Cantors nicht mit ihren Familien -Namen Richter, Müller bezeichnet, sondern fast aus- 
schliesslich als Minna Conrectom, Julius Cantor u. s. w." 



40 12. Familien -Namen der dritten Schicht, a) Stand und Gewerbe. 



Hier muss doch ein schon vorhandener Familien -Name verdrängt 
werden, damit die Amtsbezeichnung an die Stelle trete; wie viel leichter 
war die Sache, wenn solche Yerdrängung noch nicht nöthig war! 

Bei dem Übergänge zum Familien -Namen fiel zunächst der Artikel, 
wenn er nicht etwa schon von vorn herein gefehlt hatte, regelmässig fort. 
So bietet das Göttinger XJrkundenbuch neben den vorhin erwähnten Huch 
de smet und Schrift de kremere in demselben Schriftstück aus dem J. 1383 
Eckel Smet und Herman Kremere. Nur in ganz vereinzelten Fällen ist der 
Artikel stehen geblieben, z. B. in de Pottere (= Töpfer), de Boer (spr. Bur)J 

Eine lange, fast endlose Eeihe ehrsamer Meister vom Handwerk zieht 
an uns in diesen Namen vorüber, die uns einen Blick in die friedliche 
Thätigkeit unserer Yorfahren während des 12. — 16. Jahrhunderts thun lassen. 
Greifen wir einige Gruppen heraus — solcher Handwerke, die für jene 
Zeit besonders bezeichnend sind. ^ 

Auf das alte Kriegswesen, wie es vor der Erfindung und allge- 
meinen Anwendung des Schiesspulvers war, gehen Namen wie Harniseh- 
macherj Harnischfeger (der den Harnisch fegt, d. i. glänzend macht, poliert); 
Arnibriister y Pfeilschmidt, Boher, PfeilsticJcer , niederd. PielsticJcer (Yerfer- 
tiger der Stecken für die Pfeile); Lersner (Yerfertiger der Lersen d. i. 
Lederhosen). 

Während diese durch ihr meist geräuschvolles Handwerk dem Schwerte 
dienten, bewegte in stUler IQause der Bücherabschreiber unermüdlich 
die Feder im Dienste friedlicher Kunst: Bucher, Pucher (der Bücher- 
abschreiber). Ihn unterstützten der Buchfellner (der die Felle zu Büchern 
bereitet) und der Rothmaler (der die bunten Anfangsbuchstaben malte). 
Alle drei Namen stammen vorzugsweise aus Oberdeutschland, wo die Kunst 
des Bücherabschreibens und des Ausmalens der Titel und Anfangsbuch- 
staben mehr als in Niederdeutschland zu Hause war. 

Begeben wir uns aus der Enge der Städte hinaus auf's Land, in die 
freie Natur, so sprechen uns hier besonders die Namen an, welche der 
Jagd und Waldwirtschaft entlehnt sind. Ist doch das Jagen im 
schönen, grünen Walde von jeher eine Lieblingsbeschäftigung der Deutschen 
gewesen! Und wieviel ausgedehnter war noch im Mittelalter das Jagd- 
gebiet, da die Wälder einen so unvergleichlich grösseren Kaum einnahmen, 
der Art, dass die bewohnten Stätten in manchen Landschaften fast nur wie 
Inseln im Waldmeere erschienen! 

Der älteste Name des Jägers ist Waider ^ Weidmann; er bedeutet 
denjenigen, welcher auf Weide, d. i. Nahrung ausgeht, und weist somit auf 



1) Diese Namen, die Pauli aus Hannover und Ostfriesland beibringt, beruhen auf der 
Einwirkung des Holländischen, wo noch häufig das de erscheint; man denke an de Buyter, 
de Vrient u. a. 

2) Meist nach Vilmar, S. 22—25. 



12. Familien -Namen der dritten Schicht, a) Stand und Gewerbe. 41 



jene uralten Zustände in dem Leben unserer Yorväter hin, in welchen die 
Jagdbeute den vornehmsten Theil der Speise ausmachte. Jünger ist das so 
häufige Jäger mit den Zusammensetzungen Gambsjäger, Hasenjäger, wäh- 
rend ein Name wie Bärenfänger beweist, dass auch die wilden, starken 
Thiere des Waldes, die einst der Germane bekämpft hatte, noch nicht aus- 
gestorben waren. Auf die Jagd mit Falken („Federspiel"), einen der belieb- 
testen Zeitvertreibe in der ritterlichen Zeit, gehen Falkner, Hachmeister 
(s. V. a. Habichtmeister, Abrichter der Stossvögel). Die älteste Bezeichnung 
des Waldverwalters dauert noch in dem Familien -Namen WidemarJcer fort; 
derselbe bedeutet den, welcher für die Holzmark (witu Holz) zu sorgen 
hat. Der Name setzt das Yorhandensein einer gemeinsamen Mark voraus; 
in der Privatwaldung eines Fürsten oder Adligen dagegen war ein Höh- 
Jenecht angestellt — nach Yilmar's treffender Bemerkung ungefähr das, 
was jetzt Oberforst-Kollegium, Ober-Forstrath, Forstinspector, Oberförster, 
Unterförster und Forstläufer zusanunengenommen sind. Yiel häufiger ist 
indes der Name Förster (Yorster). Daneben sind Zeugen für die ehemalige 
verschwenderische Waldwirtschaft die Familien -Namen Äschenhrenner und 
Aschenhrand; dieselben bezeichnen ein eigenes Gewerbe, welches darin 
bestand, ganze Waldstrecken niederzubrennen, bloss imi Asche zu gewinnen, 
theils für die Glashütten, theils für die Seifensiederei. 

Die zuletzt angeführten Namen sind zum Theil nicht mehr reine Hand- 
werksnamen, sondern bezeichnen, wie Hachmeister und Förster, ein Amt. 
So reihen wir denn hier die Amtsnamen an. 

Weltliches Amt und weltliche Würde war im Mittelalter meist erblich 
geworden. Somit werden wir uns nicht wundern, in unseren Namen -Yer- 
zeichnissen den vollständigen Hofstaat weltlicher imd geistlicher Fürsten, 
vom Kanzler bis zum Schergen, wiederzufinden. Man vergleiche nur fol- 
gendes Yerzeichnis der Hof-Yerwaltungsämter eines Fürsten jener Zeit mit 
deutschen Familien-Namen:^ Dapifer Truchsess, Droste; Pincerna Schenk; 
Marescalcus Marschall; Camerarius Kämmerer; Causidicus oder Scultetus 
Schuldheiss, Schuh; Advocatus Vogt; Minister Ammann; Yillicus Meier; 
Cellarius Keller; Telonarius Zoller, Zöllner; Magister coquinae Küchen- 
meister; Monetarius Münzer u. s. w. Daran reiht sich eine Menge Namen 
von städtischen \md Klosterämtern, richterlichen, polizeilichen und militä- 
rischen Stellen wie Fürhringer (Advocat); Küster, Glöckner, Sigrist (auch 
Sacristan); Stocker und Sulzer (Gefängniswärter); Venner (Fähnrich). 

Während so diese alten Ämter viele Familien -Namen geliefert haben, 
sind die neueren Amtsbenennungen — glücklicherweise — nicht so fruchtbar 
gewesen. Weder Kammerherr noch Kammerdiener, weder Präsident noch 
Superintendent, weder Steuerperäquator noch HauptzoUamts- Kassen -Kon- 
troleur werden aus naheliegenden Gründen je zu Familien -Namen werden. 



1) Becker, die deutschen Greschlechtsnamen S. 22. 



42 12. Familien -Namen der dritten Schicht, a) Stand und Gewerbe. 

Einige Schwierigkeit machen Namen wie Kaiser, König ^ Herzog und 
ähnliche, bei denen allerdings „gerechte Zweifel sich erheben können, ob 
solche Familien häufig in den Fall gekommen sind , die durch derlei Namen 
bezeichnete Würde als wirkliche Lebensbürde zu tragen" (Pott). Es sind 
jedenfalls Übernamen, welche die betreffenden Persönlichkeiten in dem sie 
umgebenden Kreise führten.^ Ähnlich ist es mit Bischof, Mönch und 
anderen geistlichen Würden, die sich freilich auch sehr wohl auf patrony- 
mischem Wege als Familien -Namen festsetzen konnten — trotz dem Cölibat. 

Eeine Spottnamen sind Bratengeiger , Mohrenweisser und ähnliche. 

Manche alte Bezeichnungen von Amt und Gewerben sind nur in diesen 
Familien -Namen erhalten, da sie sonst, zugleich mit der bezeichneten Sache, 
erloschen sind — so Fiatner, Armbruster. Andere Gewerbe bestehen noch, 
aber die alten Namen sind erloschen, z. B. Menger = Händler, in Zusara- 
mensetzuQjg Eisenmenger, Winhler = Kleinverkäufer, Preiswerk = Posa- 
mentier. 

Interessant sind auch die mundartlichen und landschaftlichen Ver- 
schiedenheiten, die sich hier geltend machen. So ist Müller, Miller die 
oberdeutsche, Möller die niederdeutsche Form; Beck (Mehrheit Becken) ober- 
deutsche Form statt des norddeutschen Becker (in Basel Pßster vom lat. 
pistor). Leiendecker ist (nach Vilmar S. 24) am Ehein und nach Oberhessen 
hinein wohl verständlich, aber schon in Niederhessen ein Fremdling: ein 
Schieferdecker; denn der Dachschiefer heisst am Mittel- und Niederrhein 
die Leie. Manches Handwerk hat infolge dessen die verschiedensten Bezeich- 
nungen; so heissen die Schlächter: Fleischhauer, Fleischhacker, Fleischer, 
Metzger, Knochenhauer, Beinhauer; die Töpfer: Hafner, Potter, Eulner, 
Gröper. Ebenso bedeuten Binder, Küfer, Böttcher, Büttner, Scheffler im 
Wesentlichen dasselbe. 

Manche dieser Gewerbenamen sind ausserordentlich häufig, vor allen 
die fünf: 

Müller, Schulze, Meier, Schmidt, Schneider, 
die man deshalb auch die fünf Grossmächte in der Namenwelt genannt hat. 
Den vier ersten wird man diese Stelle nicht bestreiten ; doch gegen Schneider 
als fünften möchten mehrere andere nicht ohne gute Aussichten in die 
Schranken treten, als da sind: Bauer , Becker, Richter^ Weber, Lehmann. 
Zu Berlin gab es im J. 1867 nach Ausweis des Adressbuches 929 Familien 
und alleinstehende Personen des Namens Müller und sogar 1267 des Namens 
Schulze (Schulz); nächstdem waren die Schmidt mit 884, die Meyer mit 
509 Nununem vertreten. Die Lehmann und die Krüger brachten es gleich- 
massig auf 474, die Richter und die Hoffmann ebenso gleichmässig auf 354. 
Alle gehören ausnahmslos in diese Klasse, ihre Häufigkeit erklärt sich aus 
dem häufigen Yorkommen des betreffenden Gewerbes oder Amtes, besonders 



1) Zum Theil mögen sie auch von Wirtshausschildem entlehnt sein. 



12. Familien -Namen der dritten Scliidit. ii) Stand und Gewerbe. 43 



auch auf dem Lande. Das trifft bei sämtlichen oben angeführten Namen 
zu, vor allen bei Müller und Schulze. Da jedes Dorf seinen Schulzen hatte, 
fast jedes, wenigstens grössere, seinen Müller, so war eine Überfülle daher 
entspringender, meist gleichlautender Familien -Namen unvermeidlich. ^ Obenan 
steht in dieser Hinsicht unleugbar der Name Schulze (Schulz), den man 
deshalb versucht wäre kaum noch als Namen gelten zu lassen. 

Die hier hervortretende Einförmigkeit wird dadurch noch vermehrt, 
dass die Namen dieser Klasse an Sprossformen so arm sind. Deminutive 
Bildungen, sowie patronymische fehlen fast ganz, auch genetivische, z.B. 
Schiffers^ Snyäers, Zimmermanns sind selten und finden sich nur in ein- 
zelnen Landschaften, besonders am Nieder -Ehein. 

Eine Ausnahme macht der Name Schmid, der mehrfache Ableitungen, 
namentlich auch Deminutiva wie Schmiedecke, Schmidel, Schmidtlein bietet. 
Dies erklärt sich daher, dass der Name schon sehr früh vorkommt, schon 
im 9. Jahrhundert in den Formen Smithart, Smido, Smidilo; er gehört 
demnach zu den altdeutschen Personnamen, welche ja eine so grosse Um- 
bildungsfähigkeit im Bereich der Schmeichelformen entwickeln (s. SMID). 
Nebst Kaufmann (althochd. Caufman) ist Schmid wohl der einzige vom 
Gewerbe entlehnte Personname der altdeutschen Zeit. Das Schmiedehand- 
werk ist eben das älteste Handwerk der Deutschen; zugleich war es das 
vornehmste, da seine Aufgabe war, Waffen für den Kampf zu Uefem. Mit 
den Namen berühmter Schwerter wurde auch der des kunstreichen Ver- 
fertigers fortgepflanzt, so die Namen Wieland's (in der nordischen Wilkina- 
sage), Mime's (in der Wölsungensage). In manchen Gegenden hat der 
Schmid noch einen mythischen oder heidnischen Schimmer behalten; viel- 
leicht versteht er die Schwarzkunst; man zieht ihn zu Eathe, wenn man 
bestohlen ist. Daher die zahlreichen Schmiedesagen (wie vom Schmid zu 
Jüterbogk, der selbst den Teufel zu überlisten weiss und ihn auf dem 
Amboss übel zurichtet). Es liegt einmal etwas Geheimnisvolles in der 
Beschäftigung mit dem glühenden Stahl und Eisen. 

Wenn, von Schmid abgesehen, sich Sprossformen bei dieser Namen- 
klasse selten finden, so sind dagegen Zusammensetzungen häufiger und 
ersetzen zum Theil den Mangel an eigentlichen Sprossformen. Um manche 
dieser Handwerksnamen gruppirt sich eine überraschende Zahl solcher Com- 



1) An Scherzen über diese Namen, insbesondere über Schulze und Müller, hat es 
nicht gefehlt. Angeblich giebt es 30,000 Schulze's innerhalb des Zollvereins. Lustspiele sind 
auf der Häufigkeit dieses Namens erbaut worden, ebenso wie auf der Verwechselung von 
Müller und Miller. — Um diese vielen Namensvettern zu unterscheiden, hat der Volksmund 
zu allerhand Zusammensetzungen seine Zuflucht genommen: Sünden- Müller (bedeutender 
Theolog, dessen Hauptschrift „die Lehre von der Sünde" ist), Linden- Müller (ein berliner 
Volksredner aus dem J. 1848, der seine Vorträge „unter den Linden" liielt), Flausch -Müller 
(ein nach seinem Kocke benannter Student); Blut- Schulze (der Physiolog), Graupen- Schulze 
(ein berliner Kauftnann), Theater - Schulze u. s. w. 



44 12. Familien -Namen der dritten 8chicht. a) Stand und Gewerbe. 



positen; dieselben rühren grösstentheils daher, dass das betreffende Hand- 
werk früher in weit mehr Spielarten zerfiel als heutzutage. So finden sich 
in Nürnberg von 1300 — 1500 neben Beck: Brodheck ^ Fladenpeck, Schwarz- 
peck (Schwarzbrotbäcker), Tachspeck (später Täglichsbeck, der alle Tage backt), 
Judenpegk (der den Juden Matzen backt), Pfennigspeck (der Pfenniglaibe 
backt), Wasserheck (der "Wasserwecken backt). 

Obenan steht in Betreff der Zusammensetzungen ohne Frage der Name 
Meier (Meyer, Maier), vom lat. major der Ältere, sodann Aufseher (eines 
Landgutes), Verwalter. Dieser Name, welchen einer der grossen Sippe, Franz 
Meyer in Osnabrück, in einer besonderen Einzelschrift behandelt hat, zählt 
weit über 1000 Zusammensetzungen, so dass schwerlich ein anderer Name 
dieser Klasse sich darin auch nur entfernt mit ihm messen dürfte. 

Werkzeuge und Kleidungsstücke. 

Eine nicht unwesentliche Ergänzung erhält diese Klasse durch die 
von Werkzeugen und Geräthen entlehnten Namen. Womit jemand 
hantierte, danach wurde er benannt. So konnte einen tapfem Krieger der 
Name Degenkolh, einen Schmid der Name Bosshammer zieren (von boßen 
= schwer aufschlagen), wie für einen Koch Schaumlöffel sehr bezeichnend 
war. Pfeffersack ist ein alter Spottname für Kaufleute, während Knieriem 
imd Leimpfann noch heutzutage für jedermann verständlich die betreffenden 
Handwerke bezeichnen. 

Unter den hierher gehörigen Familien -Namen nehmen auf dem Gebiete 
der Hausgeräthschaften die der Küche den grössten Kaum ein : Wiegel- 
messer, Fetthake (ein Hauptgeräth der Küche des 15. Jahrb.), Feuerhake, 
Pfannstielj Ölhafen u. a. — unter den Handwerksgeräthen die, welche 
sich auf grobe Holz- und Eisen -Arbeit beziehen: Axt, Breitheil, sowie die 
Zusammensetzungen mit Hammer. ^ 

Geräthe der Feldarbeit erscheinen beispielsweis in: Schellflegel, 
Pflug (Keil-), Bolkvagen, Spannagel. 

Doch dieser friedlichen Vereinigung tritt auch hier sofort ein starkes 
Fähnlein kriegerischer Namen gegenüber: Eisenhut, Stahlhuth, Harnisch, 
Kempeisen (die Eisenkolbe der Gottesgerichts -Kämpfe), Bauerneisen, die 
berüchtigten Earmessspiesse des 15. — 16. Jahrhunderts, „mit denen die Bauern 
sich leichtUch zur Ader Messen" ; einen Eeitersmann bezeichnen : Klingspor, 
Uohsadel, den alterthümlichen Pfeilschützen Armhorst und Pfeil, während 



1) Von diesen ist jedoch ein gutes Theil als nicht hergehörig auszuscheiden, da sie 
(nach Steub, oberd. Familien -Namen S. 148) Ableitungen von Ortsnamen sind auf heim, 
oberbair. ham : Mooshammer = Moosheimer , Forchhammer. Überhaupt ist bei dieser Klasse 
Vorsicht vonnöthen, insofern viele Namen nur scheinbar hierher gehören, in Wahrheit aber 
auf andere Quellen, namentlich auf Person -Namen zurückgehen, z. B. Bost (auch althochd. 
Rusto, der Gerüstete), Kasten (st. Karsten) auf Christian. 



12. Familien -Namen der dritten Schicht, a) Stand und Gewerbe. 45 



die Feuerwafifen in dem Namen Feuerrohr vertreten sind. Manche dieser 
Namen gehen zugleich auch auf die Jagd. 

Entsprechend dem Goethe'schen „Saure Wochen, frohe Feste" schliesst 
sich ein heiterer Eeigen solcher Namen an, die von Lustbarkeiten und 
dabei gebrauchten Geräthen entlehnt sind. 

Banzglock, Schomhart (Maske), GlücJcrad, Kranz, Maikranz und 
Grünemay , Rosenkranz, KuUruf (eines der im 15. — 16. Jahrh. äusserst 
zahlreichen Trinkgefässe). Diese Namen stammen besonders aus Süddeutsch- 
land, wo überhaupt mehr leichtlebiger Frohsinn als im Norden herrscht und 
wo frühzeitig schon im Mittelalter auch ein freier Baaemstand sich bildete. 
Einen Beleg für die Blüte des letzteren haben wir in der höfischen Dorf- 
poesie des bairischen Kitters Neidhart von Eeuenthal. 

Hierher rechnet Yilmar auch die Münznamen, deren er volle 20 
aufzählt. Darunter sind freilich manche zu streichen, wie Dreier y welches 
die niederdeutsche Form für Dreher, Drechsler ist; auch Schilling und 

Heller sind zweifelhaft zu nennen. Doch bleiben immer noch einige übrig, 
wie Weisspfennig, Redepenning (barer Pf), Wucherpfennig und dessen Gegen- 

theil Schimmelpfennig, Fünf Schilling , bei denen wohl eine Beziehung auf 

die betreffenden Münzen nicht abzuweisen ist. 

Den Geräthen mögen sich die Kleidungsstücke anreihen, wie 

denn schon bei Namen wie Eisenhut^ Harnisch sich beides nicht scharf 

trennen Hess. 

Eine Benennung nach einem auffälligen Kleidungsstücke, welches 
jemand trägt, ist auch für uns noch etwas Naheliegendes und Gewöhnliches. 

So sprechen wir von Grünröchen (Jägern),^ Rothröchen (rothen Husaren — 

englischen „Eothröcken"), Schwarzröchen, von Weissmänteln und Roth- 

mänteln. * 

Fangen wir mit der Kopfbedeckung an, so haben wir hier vor Allem 

die Zusammensetzungen mit Hut: Webelhut (d. i. Wackelhut), Weisshut, 

Grünhut, Spitzhut; vereinzelter Witthugel (weisse Gogel oder cucullus, 

eine Kaputze, an einem Kragen desselben Stoffes befestigt, der Schultern 



1) Johann Eickweg, Zimmermann und kühner Schmuggler, der 1813 im Lande Wursten 
durch seine feurige Beredsamkeit einen Aufstand gegen die Franzosen zu Stande brachte, 
wurde nach seiner beständigen grünen Kleidung im Volke nur Jan Grön genannt (Allmers, 
Marschenbuch S. 228). 

2j Bekannt ist aus Cooper's amerikanischen Romanen der „Lederstrumpf '^j so benamit 
von den Moccasins, die dieser alte Jäger nach indianischer Sitte zu tragen pflegte. Wie 
leicht sich solche Benennungen noch jetzt bilden, möge das Beispiel jenes Kapitäns Dilger 
beweisen, der, ursprünglich preussischer Artillerie -Offizier, 1864 nach Amerika ging und als 
B^ehlshaber einer Batterie in das Heer der Nordstaaten trat, wo er sich durch Kühnheit 
und Ausdauer hervorthat und unter dem Spitznamen „Lederhoae^ jedem Offizier und Soldaten 
bekannt war. „Während des Kampfes stand er immer da in Hemdärmeln und seinen glatt 
anliegenden Hosen von Hirschleder." 



46 12. Familien -Namen der dritten Schicht, a) Stand und Gewerbe. 

und Hals umschloss, so dass vom Kopfe nichts zu sehen blieb als das 
rings umrahmte Gesicht), Bothkepl u. a. 

Das Leibkleid, der Eock, findet sich ebenfalls in mannigfachen Zusam- 
mensetzungen: Blaurock, Wittroch (diVL^h. Weisskittel), Langrock , Kumrock ; 
dazu Ärmel in Rothärmel, Weissermel (wohl Spottname für Müller); femer 
der Mantel in Wintermantel, Rothmantel. 

Die Beinbekleidung haben wir in: Leinhose, Mehlhose (Spottname für 
Müller), Kurthose, ^ Die scherzhaftesten imter allen sind: Lodderhose, 
Schlaphose und Lumphose y ein Heeblatt, in welchem sich die unsinnige, 
zuerst von renommistischen Landsknechten aufgebrachte Pludertracht des 
16. Jahrh. verewigt hat, gegen die der brandenburger Hofprediger Andreas 
Musculus 1556 in gerechtem Zorn seine „Vermahnung und "Warnung vom 
zuluderten, zucht- und ehrverwegenen Hosenteufel" schrieb.^ 

Die Fussbekleidung endlich ist vertreten durch Knabenschuch, Holtz- 
schue, Rothschuh (Tanzliebhaber), Bundschuh (der von den Bauern getragene 
Schnürschuh, der nicht nur eine sprichwörtliche Bezeichnung des Bauern 
überhaupt, sondern auch ein bekanntes Parteizeichen hat abgeben müssen). 

Speisen. 

Namen von Speisen entlehnt gehören hierher, soweit sie Personen 
bezeichnen, welche die betreffende Speise bereiteten, sie an Gäste ver- 
abreichten, damit handelten; doch ist gewiss auch häufig jemand nach einer 
Speise benannt worden, die er besonders liebte. 

Auf dieser Tafel stehen im Yordergrunde Brot und Fleisch, Bier 
und Wein, die sich in mannigfachen Zusammensetzungen finden: 
Hirsebrod und Roggenhrod, Weichhrodt und Truckenbrod; 
Kalbfleisch und Rindfleisch, Gens fleisch und Söte fleisch; 
Gutbier und Bösbier, Dünnebier imd Zuckerbier; 
Ältwein und Gutwein, Kühlwein und Sauerwein, ^ 
Milch- imd Mehlspeisen sind vertreten durch: Süssmilch, Schlegel- 
milch (Buttermilch), Hafermehl, Pfannkuch, Butterweck. 

Mehr Vereinzeltes übergehen wir hier; doch zu erwähnen ist noch ein 
deutsches Nationalessen, die Wurst, wonach der deutsche Lustigmacher 
den Namen „Hanswurst" (Hans Wui^st) erhalten hat, während der franzö- 
sische als „Jean Potage" (Suppe) und der englische als „John Plumppudding" 
auftritt. Die Wurst kommt in deutschen Familien -Namen sowohl einfach 



1) Schon im J. 905 in Verona ein „Johannes , cui alio nomine Braccacurta vocitabatur" 
(Miiratori). 

2) Rud. Schnitze, die Modenarrheiten. Ein Spiegelbild der Zeiten und Sitten für das 
deutsche Volk. 1868. 

3) Nicht aber BeicJiwein, Trautwein u. a. , die mit dem alten win (nicht win) 
„Freund" zusammengesetzt sind. Auch Altwein und Gutwein sind schon zweifelhaft wegen 
altd. Aldwin und Godwin. 



13. Familien -Namen der dritten Schicht, b) Eigenschaften (Attributiva). 47 

vor, als auch in genaueren Zusammensetzungen wie: Blutwurst, Kraut- 
wurst, Leberwurst. 

Es ist im Ganzen eine einfache Küche; man braucht sich besonders 
nur die häufigen Zusanmiensetzungen mit sauer vorzuhalten: 

Sauerbier und Sauerwein, Sauermilch und Sauerbrei, 
Sauermost, Sauersenf t, Saueressig, Sauerbirn — 
um sich mit einem Schlage an die genügsamen Tische des 15. Jahrh. zurück- 
versetzt zu sehen. ^ 

Ausserdem zeigen sich in den Familien -Namen noch Speisen und 
Getränke, die bereits im 16. Jahrh. verschwinden, z. B. Gossenbrodj warmes 
Brot mit Fett begossen, eine Lieblingsspeise alter Zeit, selbst von Dichtem 
öfter erwähnt, 2 und Moras, über Maulbeeren abgezogener Wein. 

13. 
Familien- Namen der dritten Schielit. 

b) Eigenschaften (Attributiva). 

Wie aus der Geschichte bekannt ist, wurden hervorragenden Personen, 
namentlich fürstlichen Standes, in früheren Zeiten häufig, Beinamen gegeben, 
mit welchen der Deutsche in diesem Falle sehr freigebig war. So finden 
wir schon im 9. Jahrhundert imter den Karolingern einen Karl den Dicken 
und einen Karl den Kahlen, später unter den sächsischen Kaisern einen 
Otto den Eothen und einen Heinrich den Heiligen. Was letzteren 
Namen betrifft, so kennt die Geschichte ausserdem noch Heinrich den 
Stolzen, den Schwarzen, den Zänker. Und wie hieraus ersichtlich, 
gab man nicht immer ehrende Beinamen, sondern auch tadelnde und spot- 
tende, und das Mittelalter war darin durchaus nicht blöde. So hiess Kaiser 
Wenzel der „Faule", Landgraf Ludwig von Thüringen der „Unartige", 
Eberhard von Würtemberg der „Grein er", d.i. Händelsucher.* 

Zu diesem Zwecke werden zunächst und am einfachsten verwendet 
Eigenschaftswörter selbst, die mit dem Artikel dem eigentlichen Namen 
nachgesetzt werden: Otto der Eothe, Friedrich der Lange u. s. w. Aus 



1) Vilmar, Namenbüchlein S. 48 ff. 

2) Z. B. wird im „Kenner" des Hugo v. Trimberg „ein wol begozzen wecke" als Lecker- 
bissen genannt. S. Schlosser, Speise und Trank vergangener Zeiten in Deutschland. 1877. 
S. 16 f. 

3) Wie sehr das Mittelalter zu Spott und Satire aufgelegt war, geht unter Anderem 
daraus hervor, dass fast jede Landschaft ihr Schöppenstedt oder Schiida hatte und dass die 
Bewohner gar mancher Landschaft oder Stadt Beinamen führten. So hiessen (und heissen) 
beispielsweis die Illzacher im Elsass „Mondfänger", die zwischen 111 und Ehein Wohnenden 
^l^einschnaken", die Schlesier „Eselsfresser" — in Pommern die Wolliner „Stintköppe" und 
die Eamminer „Flunnerköppe" (nicht Phmderköppe , wie Riehl angiebt) , wegen der vielen dort 
gehngenea Stinte und Flundern. 



48 13. Familien -Namen der dritten Schicht, b) Eigenschaften (Attributiva). 

diesen Zusätzen entwickelten sich dann dauernde Bezeichnungen der Famüie, 
wobei der Umstand zu Hülfe kam, dass eben die Eigenschaften des Yaters 
vielfach auf die Kinder vererben. Dabei fiel der Artikel vor dem Zusätze 
fort ; ^ doch bUeb trotzdem sehr oft die flectirte Form des Eigenschaftswortes 
stehen: Weisse neben Weiss, Qrote (Grosse) neben Groth (Gross), und in 
manchen Fällen ist es sogar die herrschende Form geblieben, wenigstens in 
Iforddeutschland, wie in Krause^ Lange. 

Die Zahl der einfachen Namen dieser Art vermindert sich übrigens 
bei näherer Untersuchung sehr. Einmal finden sich viele davon schon im 
Altdeutschen, gehören demnach — wenn auch vielleicht nicht in allen 
Fällen — zur ersten Schicht ; so die Namen Guth, Fromm, Jung (schon im 
6. Jahrh. ein Godo, im 10. ein Jungo). Dann sind manche auch nur 
scheinbar Eigenschaftswörter, z. B. ist Voll schwerlich einer, der immer 
„voll" ist, sondern es ist das altdeutsche Falko (vgl. Yolkbrecht und YoU- 
brecht). Auch Rohde kann zwar die niederdeutsche Form des Eigenschafts- 
wortes roth sein — auf das Haar bezüglich, wie schon Krause; gewiss 
aber mindestens eben so häufig ist es das altdeutsche Hrodo (zu dem Stamme 
hrod „Schall, Euhm"). 

Sicherer sind Zusammensetzungen, wie 

lobend: Gottgetreu, Unverzagt, Wolzogen (wohlerzogen); 
tadelnd: Tollkühn^ Umbscheiden, Ungefug. 

Yiel seltener finden sich Hauptwörter zur Bezeichnung einer Eigen- 
schaft oder charakteristischen Thätigkeit, wie Becker aus Köln (12. Jahrh.) 
anführt: Fraz (Fresser), Schad (Eäuber), Slevere (Schläfer); aus Zürich 
(13. Jahrh.): Manesse (Menschenfresser), Boneze (Bohnenesser). Letzteren 
stellen sich zur Seite von neueren Namen: Fleischfresser nebst Holt freier 
(niederd. = Holzfresser) und Speckäter — insbesondere aber gehören hierher 
manche Zusammensetzungen mit Mann: Biedermann, Grossmann; auch 
Abstracto wie Frischmuth^ Sanftlehen, und präpositioneile Zusammensetzun- 
gen: Ohnesorge, Woltemate (wohl zu Mass). 

In concret-bildlicher Weise wurden auch Namen von Thieren, an 
denen man bestimmte, stark hervortretende Eigenschaften fand, in diesem 
Sinne verwendet. Bekannt sind aus der Geschichte Heinrich der Löwe und 
Älhrecht der Bär. Noch häufiger waren wohl spottende Zusätze der Art. 
So wird in der Lübecker Bürgermatrikel von dem Jahre 1322 der eine von 
zwei Brüdern Johannes de rode, der andere Eichard Vos genannt, offenbar 
nach derselben Ursache. ^ 



1) Den Übergang stellen unter Anderem in friesischen Urkunden dar die Namenformen 
Kersten rike neben K. de rike, Flor ehe witte neben F. de wüte. Im Holländischen ist der 
Artikel geblieben: de Grote, de Jonghe; ähnlich im Französischen: Legrand, Lejeune, 

2) Femer in Urkunden: Marquart der Hunt, 12. Jahrh. Gislebertus pro sua proceri- 
tate cognominatus Grus (Kranich) ; Hugo de Wenden dictus Äries (Widder) ; Hugo Cotvf/mix 
(Wachtel). 



13. Familien-Namen der dritten Schicht, b) Eigenschaften (Attributiva). 49 

Körpertheile. 

Die bisher angeführten Namen dieser Gattung beziehen sich, wie 
leicht zu erkennen, theils auf geistige, theils auf leibliche Eigenschaften. 
Familien -Namen der letzteren Art sind nun mit Yorhebe von einem Körper- 
theile hergenommen, der eben von hervorstechender Eigenthümlichkeit sein 
muss, um Anlass zur Benennung der ganzen Person zu geben. Darum 
eignen sich allgemeine und einfache Bezeichnungen wie Haar, Hand, 
Finger, Mund wenig zu Familien -Namen, weil sie als solche meist zu 
nichtssagend wären. 

Die Namen dieser Art, die sich dessenungeachtet finden, sind ver- 
dächtig und bedeuten offenbar grossentheils etwas ganz Anderes. So ist 
Mund sicher meist das altdeutsche Munto (von dem Stamme munt d. L 
Schutz, vgl. Yormund), Haar das altdeutsche Haro (vom Stamme hari d. i. 
Heer). ^ Andere bedeuten allerdings Körpertheile, sind aber durch Häuser- 
zeichen vermittelt (s. weiterhin). 

Mit viel grösserer Sicherheit gehören hierher die zusammengesetzten 
Benennimgen, unter denen besonders häufig sind die Composita mit Haupt 
und Kopf, mit Haar und Bart, mit Bein und Fuss. Die Beschafifenheit 
und Form des Kopfes, wie andererseits die des Fusses, die Farbe und 
Beschafifenheit des Haares und Bartes, weil ja am meisten in die Augen 
fallend, wurde vorzugsweis bezeichnet. 

Haupt: Breithaupt, Bauchhaupt (= Eauh-), Wollenhaupt. 

Kopf: Grosskopf y Bothkopfy Wittkopf (niederd.). 

Haar: Flachshaar, niederd. Flashaar, Geelhaar (=Gelb-). 

Bart: Bothhart, Spitzbart, Weissbart. 

Bein: Eiribein, Krummbein, Langbein, 

Fuss: Leichtfuss, Schmalfuss, Stolterfoth (niederd.). 

Wie sehr Bezeichnungen dieses Schlages sich zu Familien -Namen 
eignen, geht daraus hervor, dass manche derselben noch jetzt appellativ 
gebraucht werden. So reden wir von einem „Flachskopf, Eothkopf", 
einem „Grossmaul", nennen einen Invaliden mit hölzernem Bein „Stelz- 
fuss** u. s.w.* 



1) Doch ist bei Bacmeister, Germanistische Kleinigkeiten S. 36 aus alten Urkunden 
angefiihrt: Heneke mit dem dumen 1373 Braunschw., Liebhard mit der Hand 1383 Augsb., 
auch Fridericus Mittemmunde 1190 — Zusätze, die doch wohl so zu verstehen sind, dass 
die genannten Körpertheile wegen irgend einer Eigenthümlichkeit auffallend waren. 

2) Aus ürkmiden des 11.— 15. Jahrh. führt Stark S. 153 an: Everhardus der Spize- 
hart, Jacohus langenase, Harttuig Churzhals — desgl. Eeichel aus Marburger Urkunden: 
Jacob de Chrafuez (Krähenfuss) — Becker aus Köln 13. Jahrh: Buntebart, Gobelin dicttis 
Hardevust. 

In italienischen Urkunden (um das J. 1000): capiU asini (Eselskopf); ja Papst Ser- 
gios IV. hiess vor seiner Erhebung auf den päpstlichen Stuhl Petrus bocca di Porco 
„Schweinerüssel" . 

Heintze, Deutsche Familien - Namen. 4 



50 13. Familien -Namen der dritten Schicht, h) Eigenschaften (Attrihutiva). 

Hier, bei den von körperlichen Eigenschaften entiehnten Nainen, ver- 
räth sich eine auffallende Übereinstimmung mit der S. 11 geschilderten 
römischen Namengebung, in der Art, dass die Namen beider Sprachen sich 
vielfach decken: 

Longus: Lange Capito: Grosshopf 

PauUus: Klein Crispus: Krause 

Niger: Schwarz Plautus: PlaUfuss (= Platt-). 

Doch sinkt das Deutsche auch hier nicht zu der geistlosen Einförmigkeit 
und Äusserlichkeit der lateinischen Namengebung hinab. Das verhindern 
vor AUem die Imperativischen oder 

Satznamen, 

eine besonders anziehende und reichhaltige Gruppe. 

Die Eigenthümlichkeit, kurze Sätze, namentlich befehlender Art, zusam- 
menzuschieben in uneigentlicher Composition und daraus Hauptwörter zu 
bilden, erspheint innerhalb der deutschen Sprache zuerst im Mittelhoch- 
deutschen, wo Gebilde wie hdbedanc (Danksagung), rümelant (räume das 
Land, ein Landflüchtiger) und einige andere auftreten. Diese Bildungsweise 
scheint dann besonders in der volksthümlichen litteratur des 15. — 16. Jahr- 
hunderts geblüht zu haben. So finden wir unter Anderem im Liederbuch 
der Klara Hätzlerin, welches zahlreiche lyrische Stücke, grösstentheils aus 
dem 15. Jahrhundert, enthält: ^^Vergiss meinnit das plümlein, das krautt 
denck an mich^ — in Sebastian Brant's Narrenschiff: Füll den mag, schmir- 
wanst (Namen von Fressern) — bei Mschart: Hehdenmann, ein rechter 
Jag den Teuffei, BecMendegen, Streichdenbart (lauter Personnamen); Dörf- 
lein Beiteinweil (d. i. Wart ein Weilchen), Trotzdenkaiser (K einer Burg), 
Luginsland (N. eines Thurmes) — dann besonders in RoUenhagens „Frosch- 
meuseler'' bezeichnende Thiemamen wie Blehebauch, Buerdendreck , Buff- 
laut (Frösche); Beisshart, Luginsloch , SpahrJcrümlein (Mäuse). ^ Nieder- 
deutsche Bildungen dieser Art bietet Reineke de Vos in den Thiernamen 
MerJcenouwe (Merke genau, die Krähe), nebst dem Krähensohn Slindepier 
(schlinge den Wurm); Pluckebudel (pflücke den Beutel, die räuberische 
Natur der Raben bezeichnend). 

Diese Fähigkeit ist allerdings im Neuhochdeutschen, je mehr dasselbe 
Buchsprache wurde und an lebendiger Beweglichkeit einbüsste, desto mehr 
erloschen; trotzdem lässt sich auch jetzt noch eine ziemliche Reihe solcher 
Bildungen zusammenbringen: Habenichts , Störenfried (störe den Frieden), 
Wagehals y Thunichtgut — Lebewohl ^ Stelldichein u. a., wozu noch die 
Blumennamen Vergissmeinnicht und Oedenkemein zu rechnen. Auch die 
Büchertitel Trösteinsamkeit, Trutmachtigall und Wendunmuth erklären sich 
hieraus. Manche unter diesen Ausdrücken sind allerdings weniger schrift- 



1) Kehrein, Grammatik der deutschen Sprache des 15. — 17. Jahrhunderts Th. II. 
S. 261 f., der eine Menge solcher Bildungen anführt. 



13. Familien -Namen der dritten Schicht, h) Eigenschaften (Attributiva). 51 



gemäss als volksthümlich, und begeben wir uns ganz von der einförmigem 
Landstrasse des Schriftdeutschen herunter auf die Nebenpfade volksthüm- 
licher, mundartlicher Kede, so können wir noch manches Blümchen dieser 
Gattung pflücken. 

In ganz besonderem Masse hat diese Zusammensetzungsweise ihren 
Tummelplatz im Bereiche der Person -Namen. Bekannt sind unter den 
Vornamen: Leierecht, Fürchtegott, Traugott — auch wohl Kreuzwendedich 
(hin und wieder einem Kinde gegeben, wenn schon mehrere vor ihm 
gestorben). Weit grösser aber ist die Zahl unter den Familien -Namen. 
Vilmar hat drittehalb hundert zusammengebracht, eine Zahl, die sich noch 
erheblich vermehren lässt. ^ 

Es finden sich unter diesen Namen, die vorwiegend wohl in den 
Kreisen lustiger Gesellen, Waffen- und Zechbrüder entstanden sind, die 
lebendigsten und launigsten Bezeichnungen, Scherz- und Spottnamen. 

Betrachten wir nach diesen allgemeinen Yorbemerkungen die Satz- 
namen genauer, und zwar zunächst hinsichtlich der Form, so haben wir 
unter ihnen 

1) Zusammensetzungen aus zwei Wörtern (Zeitwort und Eigenschafts- 
wort oder auch Umstandswort): Bleibtreu ^ Trinhaus — viel häu- 
figer aber 

2) Zusammensetzungen aus drei Wörtern (Zeitwort mit Object und 
davorstehendem Artikel): Hassdenpflug (ein Bauer, der des Pfluges 
überdrüssig geworden), gewöhnlich abgeschliffen Hassenpflug, Jagen- 
teufet, später verkürzt in Jageteufel, so dass nun der Artikel ganz 
ausgefallen ist, wie in Wagehals (Wage den Hals — Wagenhals 
Wagehals — Waghals) -^ auch Wieswell (= wie es woUe, geh 
es wie es wolle, Bezeichnung eines gelassenen Gemüthes). 

3) Sogar Zusammenschiebungen aus vier Wörtern finden sich, am 
deutlichsten in Haltaufderheide (ein Eitter oder Keisiger, der auf 
der Haide hält, um Yorüberziehende anzugreifen); aber auch 
Namen wie Fleugimtanz (flotter Tänzer), Griepentrog (niederd. 
= greif in den Trog, von Einem, der unbescheiden zulangt), 
Springsfeld (spring in das Feld) und der Gegensatz Bleibimhaus 
gehören hierher. 

Dem Innern Gehalte nach bezeichnen diese Namen zum Theil gute, 
rühmliche Eigenschaften, überwiegend aber, wie nicht anders zu erwarten, 
Schwächen und Untugenden. Unter den ersteren steht auch hier wie bei 
den altdeutschen Namen obenan die Tapferkeit in Namen wie Hauenschild 



1) Andererseits sind freilich auch manche in Vilmars Verzeichnis als nicht hierher 
gehörig zu streichen, wie Baldauf, Gangauf ^ die richtiger mit Andresen (die altdeutschen 
Person-Namen S. 14) als Ahleitungen altdeutscher Person -Namen {Baldolf^ Gangolf) gefasst 
werden; Richzenhain, Bollenhagen , Stemshorn, welche ursprünglich Ortsnamen sind und 
daher in die folgende Erlasse c) gehören. 

4* 



52 14. Familien -Namen der dritten Schicht, c) Herkunft und Wohnstätte. 



(Hauschild), Klubeschedel (klöbe d. i. spalte den Schädel), Schüttesper 
(schüttle den Speer, englisch Shakespeare), Zuchseisen (zücke das Eisen), 
wohin auch die Zusammensetzungen mit Teufel gehören: Fressenteufely 
Jageteujfel, Schlagenteuf el, Bitdendüwel (niederd. = beisse den Teufel) — 
Leute, die sich selbst vor dem Gottseibeiuns nicht fürchten.^ 

Einzelne dieser Namen mögen auch schon ein gewisses Übermass von 
Tapferkeit, eine übermässige Kampfbegier, Streitsucht und Raufsucht 
bezeichnen. Deutlich tritt Letzteres hervor in Namen wie Raufseisen, Habe- 
recht, Hebenstreit (der den Streit anhebt). Unter solchen Spottnamen ragen 
vor allen diejenigen hervor, welche den übermässigen Durst, die leidige 
Trunksucht der Deutschen geissein: Kehrein, Suchenunrth, FindeJcelier 
(der den KeUer zu finden weiss), SchmecJcebier und SchlucJcebier und manche 
andere, denen nur vereinzelt ein Hassenkrug gegenüber steht. 

Kann es nun wohl bezeichnendere Namen geben als diese Imperativi- 
schen? Kräftigere als Hauenschild und Schüttesper, neckischere als Finde- 
keller und Greifentrog, schwungvollere als Meugimtanz? 

14. 
Familien -Namen der dritten Schicht. 

c) Herkunft und Wohnstätte. 

Die von örtlichkeiten entlehnten Familien -Namen gehören zu den 
ältesten, da diejenigen Personen und Geschlechter, welche Grundbesitz 
hatten, sich schon sehr früh danach benannten. So finden wir unter den 
ritterlichen Sängern und Dichtem der Hohenstaufenzeit einen Heinrich von 
Veldeke, einen Hartmann von Aue (Ouwe), einen Walther von der Vogel- 
weide u. A. ^ Doch war dieser Zuname ursprünglich noch nicht so befestigt, 
dass bei einem Wechsel des Besitzes die Familie ihn beibehalten hätte; viel- 
mehr wurde in solchem Falle auch der Name vertauscht. So führten z. B. 



1) £ine hübsche Illastration zu den letztangeführten Namen bietet jene höchst 

characteristische plattdeutsche Grabschrift eines mecklenburgischen Junkers in der Kirche zu 

Dobberan : 

Wiek, Düwel, wiek wiet van my! 

Ick scher my nich en Haar um dy; 

Ick bin en Meckelbörgsch Edelmann, 

Wat geit dy, Düwel, min Supen an? 

Ick sup mit mim Herrn Jesu Christ, 

Wenn du Düwel ewig dösten müst; 

Ick sup mit em ne söte Eolleschal, 

Wenn du sittst in de Höllenqual. 

Drum rad ick: wiek, lop, renn un gah, 

Eh, by dem Düwel! ick toschlahl 

2) „Her Walther von der Vogelweide, swer des vergaeze, der taet' mir leide" (Hugo 
von Trimberg). 



14. Familien -Namen der dritten Schicht, c) Herkunft und Wohnstätte. 53 

die Freiherm von Ättinghausen diesen Namen erst seit ihrer Übersiedelung 
nach Uri; vorher Messen sie nach ihrer Stammburg im Enunenthal die 
Freien von Schweinsberg. So Messen die von Löwenstein früher Bischofs^ 
hausen, von Bischofshausen, jetzt Bischhausen an der Schwalm; als sie 
aber im 13. Jahrhundert ihre neue Burg erbauten, nahmen sie ebenfalls die 
neumodische Benennung an. ^ 

Diese Weise wurde aber auch von Leuten mcht ritterlichen Standes 
frühzeitig befolgt, indem sie sich nach ihrem Stammorte oder ihrem Wohn- 
sitz benannten. So begegnen wir unter den hervorragenden Dichtem des 
13. Jahrhunderts einem bürgerlichen „meister" Konrad, der sich selbst 
Konrad von Würzburg nennt.* 

Dass solche Zusätze sich allmählich befestigten, war naturgemäss, ja 
fast unvermeidlich, sobald eine Familie längere Zeit in demselben Besitze 
blieb oder an derselben Stelle wohnte. 

Die aus dieser Quelle geflossenen zahlreichen Namen zerfallen in zwei 
Hauptgattungen, jenachdem sie von allgemeinen Ortsbezeichnungen 
oder von bestimmten Ortsnamen herrühren. Betrachten wir jene zuerst! 

Uns klingen jetzt die Namen mancher Landleute in Schillers TeU auf- 
fällig und fremdartig: (Hans) auf der Mauer, (Jörg) im Hofe, (Burkhart) 
am Bühel u. a. Solcher Benennungen aber, wie sie Mer SchiUer im 
AnscMuss an die Schweizer- Chronik von Tschudi gewäMt hat, gab es 
ursprünglich sehr viele, von den verscMedensten örtlichkeiten entlehnt und 
mit den mannigfachsten Verhältmswörtem : von der Au; am Ende (der 
am Ende des Ortes Wohnende); aus dem Werd (Werder, Insel); beim 
Born; vor dem Baum; achterm Boil (Mnter dem Bühel d. i. Hügel); unter 
den Weiden; zum Steg u. s. f. ^ 

Später fiel dann das Verhältmswort meist ab, eine Familie aus dem 
Werd nannte sich einfach Werth, ter Yarrentrap (zu der Ochsenspur) 
Varrentrap — oder dasselbe wurde eng an das Hauptwort herangezogen 
und mit ihm vereinigt. So ist eine AnzaM Familien -Namen entstanden, 
die man nur nach ihren Bestandtheüen aus einander zu schneiden braucht, 
um sie sofort zu verstehen: 



1) Becker, Geschlechtsnamen S. 6. — Vihnar, Namenhüchlein S. 15. 

2) „Von Würzeburc ich Kuonrat" im „Otto mit dem Barte" Z. 760. 

3) Becker stellt mehrere Beihen alter Namen dieser Art zusammen, aus Köhi (12. Jahrh.) 
die Geschlechter: vom Neumarkt ^ de Monticulo (vom Bühel); aus Zürich: zer Litiden, im 
Hof, am Thor; vom Lande aus der Umgegend des Vierwaldstätter Sees: in der Ouwe (Aue), 
in der Malta, him Schecken , ze dem Brunnen u. a. 

Pott führt aus Ehrentraut's friesischem Archive Bd. I H. 3 an: WiUcen thom dyke, 
Oltman hi der muren , eylerd mank den schüren u. a. ; aber auch schon ohne Verhältnis- 
wort: Böbeke bakhus, horcherd netelhorst, Godeke stengrauen, 

Aas der Kölner Universitäts- Matrikel von 1490 fuge ich hinzu: Henrictis in der 
Bunnen, Henricus super lajpidem. 



54 14. Familien- Namen der dritten Schicht, c) Herkunft und Wohnstätte. 

Ämbdch: am Bach 
Imhove: im Hofe 
Zumbusch: zum Busch 
Vormbaum: vor dem Baum 
Auffenberg: auf dem Berg u. s. w. 
Bisweilen sind dabei allerdings Entstellungen eingedrungen: TremöMen statt 
ter MöMen (hochd. zur Mühlen), ÄustermüMe statt aus der Mühle, Am- 
thauer statt Amthor, 

Nur selten hat die ursprüngliche Form, Hauptwort und Yerhältnis- 
wort getrennt, sich erhalten, wie in: aus der Ohe, aus^m Werth, ten Brink 
(niederd. = zum Hügel), mm Bild, ganz vereinzelt Zur- Linde. ^ 

In entsprechender Weise werden Familien-Namen von bestimmten 
Ortsnamen abgeleitet. Wer aus einem fremden Orte zuzog, wurde beim 
Eintragen in die Bürgerrollen am einfachsten nach dem Orte bezeichnet, 
aus welchem er kam. So ist in den Bürgerrollen von Nordhausen aus dem 
13. und 14. Jahrhundert ein Person -Name aus von (oder lateinisch de) 
und einem Ortsnamen gebildet die gewöhnlichste Bezeichnung, z. B. Hen- 
ricus de Erfordia, Ludovicus de Molhusen, Das von fiel später fort, 
zumal der Adel es mehr und mehr als sein Kennzeichen und Sonderrecht 
hinstellte. Dieser allmähliche Fortfall ergiebt sich deutlich aus einer Zusam- 
menstellung Förstemann's (Programm S. 11), wonach von 27 Mitgliedern 
des Käthes zu Nordhausen im J. 1385 noch 13 das von mit einem Orts- 
namen haben, dagegen 1401 nur 7, 1421 nui* 2, 1475 noch einer, endlich 
1484 keiner, obgleich nicht weniger als sieben einen Ortsnamen als Familien - 
Namen führen. 

Daher stammt nun eine ausserordentliche Menge von Familien-Namen, 
die einfach aus einem Ortsnamen bestehen. Besonders leicht zu erkennen 
siad die zusammengesetzten, bei welchen etwa folgende Ausgänge die häufig- 
sten sind: 

-au: Fürstenau. 

-bach: Blumenhach; niederd. -beck (spr. bäk): MöllenbecJc. 
-bäum: Beerbaum, 
-berg: Lichtenberg. 
-brück: Delbrück. 
-bürg: Homburg. 

-dorf: Holtzendorf, Bernstorff; niederd. -dorp: Oldendorp. 
-eck: Viereck. 
-feld: Birkenfeld. 

-hagen: Hundeshagen; zsgz. -hain: Bosenhain. 
-haus: Brockhaus; im Dat. Plur. -husen (aus altd. husum): Wachen- 

husen, mit neuhochd. Yocal -hausen: MÖllhausen. 

1) Anderer Art, wenn auch ähnlichen Sinnes sind die Zusammensetzungen mit Mann: 
Grundmcmn, Lohmann, Buschmann y Horstmann , Kampm^nn. 



14. Familien- Namen der dritten Schicht, c) Herkunft und Wohnstätte. 55 

-heim: Freinsheim. 

-hof: Mohrhoff; im Dat. Plur. -hofen: Aldenhoven. 

-holz: Buchhoh. 

-hörst: Scharnhorst. 

-leben: Alslehen. 

-rode: Benterode; mit Abfall des e: Almeroth, BecJcerath, 

-Stadt: Karlstadt; mit der Nebenf. -stedt (eig. Dativ): Bodenstedt 

-stein: Lauenstein. 

-thal: Friedenthal; niederd. -dahl: Küchendahl. 

-walde: Schwachenwdlde ; gew. gekürzt -wald: Arnswald, 
Dazu die Endung 

-ingen (eig. Dat. Plur. von dem Patronymikum s. Namenlexikon): Ehin- 
gen; gekürzt -ing: Bisping. 
Diesen schliessen sich in der Häufigkeit zunächst an die auf 

-born, -busch, -fels, -fürt, -hörn. 

Im Ganzen ist der Ortsnamen, die zugleich als Familien -Namen 
dienen, eine ungezählte Menge, da es kaum einen grösseren Ort in Deutsch- 
land giebt, dessen Name nicht auch als Familien- Bezeichnung sich fände. 
Viele Familien -Namen, die sonst fast als unlösbare Käthsel erscheinen, 
werden ohne Weiteres klar, sobald man ein geographisches Wörterbuch zur 
Hand nimmt. ^ 

Freilich wird andererseits auch die sichere Deutung und Heimweisung 
vieler Familien -Namen durch das Hereinspielen der Ortsnamen erschwert, 
da nicht wenige der letzteren mit Person -Namen buchstäblich überein- 
stimmen. Z. B. ist Seeger eine Weiterbildung des altdeutschen Person- 
Namens Sigher, zugleich aber auch ein Ort in Pommern; Roth, für welches 
schon eine doppelte Quelle nachgewiesen (S. 48), findet sich auch häufig als 
Ortsbenennung, von rode abzuleiten (s. oben). Ausserdem tragen viele Orte 
Namen von Gegenständen der Natur, sei es durch zufälliges Zusammentreffen, 
wie in Hahn, welches hier doch nur Zusammenziehung aus Hagen ist, oder 
indem der Name eines Thieres, einer Pflanze ohne Weiteres, ohne Anhängung 
einer Endung, auf einen Ort übertragen wurde. Es tritt an diesem Punkte 
ein Mangel in der Namengebung hervor, da viele Bezeichnungen unter- 
schiedslos als Person- wie als Ortsnamen dienen, z. B. Baum, Habicht, 
Kranz ^ Nagel j Wohlgemuth. Daher ist hier besondere Yorsicht geboten, 
und es ist in solchen zweifelhaften Fällen jeder Name möglichst durch 
Einzeluntersuchung klar zu stellen. 



1) Das Verhältnis der Familien -Namen zu den Ortsnamen und das bedeutende Herem- 
spielen der letzteren ist von Manchen nicht genügend in Betracht gezogen worden, namentlich 
nicht von Vilmar, der, zu sehr nach dem äusseren Schein und Klang urtheiiend, viele Namen 
falsch einreiht. So stellt er Schönaichj Staudach unter die Pflanzen, berücksichtigt bei 
Baum und Hörn nicht, dass diese einfach oder als zweiter Theil der Zusammensetzung 
häufig als Ortsnamen vorkommen u. s. w. 



56 14. Familien- Namen der dritten Schicht, c) Herkunft und Wohnstätte. 

Leichter sind diejenigen Familien -Namen zu erkennen, welche durch 
Ableitung von Ortsnamen gebildet sind, und zwar mittels der Endung er 
wie: Eppinger, Meissner,^ Diese Bildungsweise hat jedoch geringere Yer- 
breitung und ist hauptsächlich oberdeutsch. So gehören bei Fröhner (Karls- 
ruher Namenbuch) unter etwa 100 von Orten hergeleiteten Familien -Namen 
zwei Drittel hierher, während in HofEmann's hannoverschem Namenbuche 
unter etwa 300 derartigen Namen sich (abgesehen von den neueren jüdischen) 
kaum 10 finden, und diese erklären sich durch oberdeutschen Zuzug. ^ 

Die meisten der auf S. 54 f. aufgeführten Endungen bilden Familien - 
Namen dieser Art, wobei sich durch Hinzutreten des Umlautes aus 
manchen zwei Formen entwickeln, so aus -dorf: -dorfer und -dörfer, aus 
-bach: -bacher und -becher. Demnach haben wir 

-auer: Kronauer, 

-bacher (-becher): SpecJcbacher — Isselbecher. 

-berger: FranJcenherger; Reichensperger, 

-brück er (-brugger): HaarirücJcer — Mooshrugger, 

-burger: Hamburger. 

-dorf er (-dörfer): Rudorfer — Harsdörfer. 

-ecker (-egger): BernecJcer — Buchegger. 

-f el d er : Hirschfelder. 

-hauser (-häuser): Steinhauser — Steinhäuser, 

- h e i m e r : Sinsheimer. 

-hofer (-höfer): Frauenhofer — Sandhöfer. 
-inger: Ehinger. 

- r ö d e r : Blumröder. 
-Städter: Hochstädter. 
-Steiner: Buchsteiner. 
- th al er : Reinthaler. 

Dagegen erweisen sich -hagen, -leben, -see,^ -wald u. a. für Bildungen 
dieser Art wenig fruchtbar, was sich zum Theil daher erklärt, dass die 
betreffenden Ortsnamen in Süddeutschland nicht üblich sind. So ist -leben 
auf Thüringen und das nördliche Schleswig beschränkt, -borstel und -bostel 
auf das nordwestliche Deutschland (Hannover). 

In die Lücke treten dafür einige andere Endungen, welche Süddeutsch- 
land eigenthümlich sind, namentlich 
-kofer: Zollikofer. 
-öder (-oder): Ameisöder — Hocheder (Leute, die in einer „Öde" wohnen). 



1) Stark S. 156: Rudolfus Strubingar (Straubinger) 12. Jahrh.; Heinrich der Wiener 
14. Jahrh. — Henricus dictus Mijssener (Meissner) Köln. Univ. Matrikel 1390. 

2) In Klempin's Pommerschen Namenverzeichnissen aus dem Ende des 15. Jahrh. findet 
sich kein einziger Name dieser Art, immer ist die Ortsbenennung unverändert, mit präpo- 
sitioneller Ellipse, verwendet: Ärnstorp, Paswdlck, Bosendal, Schenkenbergh u. s. w. 



14. Familien -Namen der dritten Schicht, c) Herkunft und Wohnstätte. 57 

Die Namen dieser Gattung zeichnen sich, wie aus den mitgetheilten 
Beispielen hervorgeht, durch ihre Länge aus, da sie meist dreisilbig, zum 
Theil sogar viersilbig sind. Doch giebt es auch zweisilbige in Menge, von 
Ortsnamen, die nur aus einer Sübe oder auch aus zweien bestehen, abge- 
leitet, wie Ulmer y Wiener, Lindner (vom 0. Linden). 

So haben wir denn eine dreifache Weise, Familien -Namen von Orts- 
namen zu bilden ; alle diese drei Formen finden sich z. B. in dem berühmten 
Baseler Drucker- und Gelehrten- Geschlechte der Amerbach, welche in den 
alten ZunfÜisten auftreten als von Amorhach, Amerbach, Amerhacher. 

Für viele Familien -Namen, die offenbar Ortsnamen sind, lässt sich 
der entsprechende Ort nicht mehr nachweisen. Gar viele Ortschaften sind 
in den Stürmen der Zeiten untergegangen; so nach Förstemann in der 
Umgegend von Nordhausen an hundert im Umkreise weniger Stunden, und 
Hofl&nann von Fallersieben bezeichnet in dem „Kasseler Namenbüchlein" 
unter 120 hessischen Ortschaften 30, also den vierten Theil, als nicht mehr 
vorhanden (auf Grund der „Historisch -topographischen Beschreibung der 
wüsten Ortschaften im Kurfürstenthum Hessen" von Dr. Landau). Die 
grossen Seuchen des Mittelalters, die barbarische Kriegführung, besonders 
die entsetzlichen Verheerungen des dreissigjahrigen Krieges erklären dies 
zum grossen Theüe. 

Wenn aber auch der Ort noch vorhanden ist, so decken sich doch 
dessen Name und der daher entlehnte Familien -Name heutzutage keines- 
weges immer. Das darf nicht überraschen ; denn indem beide Jahrhunderte 
lang selbständig und meist ohne gegenseitigen Zusammenhang fortbestanden 
und sich entwickelten, konnte es nicht ausbleiben, dass hin und wieder der 
eine Wandlungen erfuhr, die der andere nicht mitmachte. So weist für die 
Familien -Namen Birhenhagen und Eschenhagen wenigstens Bitter 's geogra- 
phisch-statistisches Lexikon keine voUkonunen entsprechenden Ortsnamen 
nach, sondern nur Birkenhain und Eschenhahn; beides aber, hain und 
hahn, sind Zusanunenziehungen aus hagen (s. Förstemann, die deutschen 
Ortsnamen S. 57). Es hätten somit in diesem Falle die Familien -Namen 
die ältere, ursprüngliche Form bewahrt. Dasselbe gilt von Meixner statt 
Meissner, von ZoUikofer (aus Zollikon am Züricher See, urspr. Zollinc 
hovun „zu den Höfen des Zollinc"). 

Sehr viel Familien -Namen, besonders im östlichen Deutschland, sind 
von slavischen Ortsnamen entlehnt und sollen später eine genauere Dar- 
stellung finden (s. Beilage 3 und das Namen -Lexikon). 

Eine besondere Abtheilung in dieser Klasse bilden die 

Adelsnamen, 

die ja, soweit ursprünglich und echt, sämtlich von Ortsnamen abgeleitet 
sind, z. B. von Falkenstein, von der Assehurg, Doch ebenso alt ist die 
schon erwähnte Ableitung auf er: der Bodensteiner ^ der Toggenbu/rger. So 



58 14. Familien -Namen der dritten Schicht, c) Herkunft und Wohnstätte. 

nennt sich Hartmann (im 13. Jahrh.) bald „der von Ouwe'^, bald „der 
Ouwaere^^. So wird noch im Teil der Freiherr von Ättinghausen von dem 
Hirten in der ersten Scene „der Ättinghäuser"^ genannt. 

Jetzt ist die präpositionelle Bezeichnung allgemein durchgedrungen 
und zwar die mittels der Präposition von, welche die andern in den Hinter- 
grund gedrängt hat und als Kennzeichen des Adels schlechthin gut. 

Wie aus obiger Darstellung erhellt, hat dieses von einen Sinn nur 
vor Ortsbezeichnungen, und es ist eine Yerirrung, auch Namen anderer 
Art, ursprünglichen Person-N^men, Handwerksnamen u. s. w. es vorzusetzen. 
Von Hermann, von Schmidt, von Schultz u. dergl. ist sprachlich entschie- 
dener Nonsens, und dass man in hunderten von Fällen ein vori so ganz 
äusserlich anheften konnte, ist ein unleugbarer Beweis von erloschenem 
Sprachgefühl. 

Ein Rest dieses Gefühles hat sich in Österreich erhalten; aber wie 
hilft man sich dort? Man bildet aus dem bisherigen Familien -Namen des 
zu Adelnden durch Anhängung von -feld, -bürg, -thal u. s. w. einen Orts- 
namen, unbekümmert darum, ob es einen solchen Ort in der Welt giebt 
oder, nicht, also: Kuhn von Kuhnenfeldy Flank Edler von PlanJcburg, Braun 
von Braunthal — lauter Namen, welchen man es sofort ansieht, dass sie 
nichts als Phantasie -Gebilde sind. 

Besser ist in dieser Hinsicht eine Namengebung wie: Schubert j Edler 
von dem Kleefelde (wegen seiner Verdienste um den Kleebau geadelt, Pott, 
Personnamen S. 3), und Escher von der Linth, wie der Staatsrath Escher 
wegen Eegelung des Laufes der Linth und Austrocknung der durch diesen 
Pluss gebildeten Sümpfe auf Beschluss des kleinen Käthes von Zürich 
genannt wurde. („Die Staatskanzlei sei beauftragt, künftig in allen betreffen- 
den öffentlichen Schriften den verewigten hochverehrten Herrn Staatsrath 
Hans Konrad Escher und dessen männliche Nachkommen als „Escher von 
der linth" zu benennen, eine Bezeichnung, die jetzt urkundlich um so 
begründeter festgesetzt wird, da sie schon, während das Vaterland sich noch 
des lebendigen Wirkens des Vollendeten erfreute, von der öffentlichen Mei- 
nung aufgefasst und von Mitbürgern und Eidgenossen übereinstimmend 
geübt ward.") 

Häuser-Namen. 

Wenn in manchen Q-eschlechtsnamen, z. B. Amthor, die Bezeichnung 
der Lage des Hauses entnommen ist, so entspringt sie auch sehr häufig 
aus dem Namen des Hauses selbst. Denn jene alte Zeit war, wie Becker 
S. 20 treffend bemerkt, so jugendfrisch, dass sie allen Dingen, wie Adam 
im Paradiese, gleich einen lebendigen Namen zu geben wusste, nicht nur 
Burgen, Höfen und Strassen, sondern auch den Häusern.^ Wir begnügen 

1) Dass in noch früherer Zeit auch die Waffen der Helden, namentlich die Schwerter 
Namen hatten (Altekläre = hoher Glanz, Preciosa, Angurwadel), ist aus den Epen des Mittel- 
alters bekannt. 



14. Familien -Namen der dritten Schicht, c) Herkunft imd Wohnstätte. 59 

uns jetzt mit einem todten Numero und littera, während nur die Strassen- 
namen noch fortdauern. An einzehien Orten sind freUich auch diese 
wenigstens vorübergehend abgeschafft, z. B. in Mannheim, wo es statt 
dessen bis vor kurzem armselige Häuserquadrate A, B, C u. s. w. gab, und 
jenseit des Oceans bei den nüchternen, poesielosen Yankees, die da bloss 
zäMen 1. 2. 3 Avenue. 

Im Mittelalter dagegen führten auch die Häuser Namen, und zwar 
benannte der Erbauer oder Besitzer eines Hauses dasselbe entweder nach 
seiner alten Heimat — so hiess das Haus, in welchem der Dichter Konrad 
von Würzburg (s. S. 53) in Basel wohnte, Würzburg, andere zum Mai- 
land, mm Venedig — oder nach Thieren, Pflanzen, Geräthen, namentlich 
nach Geräthen oder Erzeugnissen eines Gewerbes oder Dingen, die mit dem 
Berufe des Erbauers irgendwie zusammenhingen. 

Diese Häuser-Namen nun wurden nicht angeschrieben, sondern dem 
lese -unkundigen Yolke zu Nutz wurde der im Namen enthaltene Gegen- 
stand angemalt oder auch in einem Holz- oder Steiabüd am Hause ange- 
bracht. ^ 

Beste dieser Sitte sind die noch jetzt üblichen besonderen Benennungen 
imd Bezeichnungen der Gasthäuser und Apotheken, auch der Logir- 
häuser in Bädern. Im Übrigen haben sich nur einzelne dieser Namen 
imd Bilder bis in die Gegenwart erhalten. So heisst in Leipzig noch jetzt 
ein schönes, hohes Haus auf dem Neumarkte „öfie hohe Lilie^ (Pröhle), ein 
Haus in Erfurt „^wm BebstocJce^^ ein anderes in Stettin j^die weisse Taule^. 

An diese Benennungen knüpfen sich häufig sagenhafte Erzählungen, 
welche die Veranlassung und Bedeutung derselben zu erklären suchen. 
Einige theilt Pröhle in seinen „Deutschen Sagen" mit: 

„Zu Erfurt sah einst ein Schäfer in seinem Garten einen Bock und 
ein Schaf an einem Kosenstocke stehn. Das Schäfchen aber scharrte mit 
seinem Puss etwas Geld aus der Erde. Da grub der Schäfer nach und 
fEuid soviel Geld, dass er davon drei schöne Häuser bauen konnte. Er 
nannte aber das erste Haus „zum güldenen Schafe", und ist daran auch 
ein Schaf in Stein zu sehen, das andere „zum Rosenstock" und das 
dritte „zum schwarzen Bock". 



1) Ähnlich war es in England noch zu Ende des 17. Jahrhunderts: „Die Häuser (in 
London) waren nicht numeiirt. Es würde in der That von geringem Nutzen gewesen sein 
sie zu numeiiren; denn von den Kutschern, Sänftenträgem, Lastträgem und Laufburschen 
Londons konnte nur ein sehr kleiner Theil lesen. Es war nöthig, Zeichen zu gebrauchen 
die der Unwissendste verstehen konnte. Die Läden unterschieden sich daher durch gemalte 
Zeichen, welche der Strasse ein heiteres und groteskes Ansehen gaben. Der Weg von 
Charingcross nach Whitechapel ging durch eine unendliche Folge von Saracenenköpfen , Königs- 
eichen, blauen Bären und goldenen Lämmem, welche verschwanden, wie sie nicht mehr als 
Leitüaden der gemeinen Leute nöthig waren. '^ (Macaulay, Gesch. Englands seit dem Begie* 
nmgsantritt Jacobs n. Bd. 2 in dem Kapitel: Zustand Englands im Jahre 1685.) 



60 14. Familien -Namen der dritten Schicht, c) Herkunft und Wohnstätte. 

Historischer sind nach allem Anscheine die Angaben über das oben 
erwähnte Haus „zum Kebstock", welches von Otto v. Ziegler im 15. Jahrh. 
erbaut worden. „Dieser reiste 1447 zum heü. Grabe und in die 18 König- 
reiche. Er brachte aus dem heil. Lande einen grossen merkwürdigen Keb- 
stock mit, und als er 1451 zu Erfurt in der Futtergasse ein schönes Haus 
als Steinhaus erbaute, nannte er es „zum Eebstock". Oben an dem 
Hause standen auf steinernen Platten die Wappen der 18 Königreiche gemalt,^ 
wodurch der Otto v. Ziegler gereiset. Auch ward der Eebstock, den er 
mitgebracht hatte, daran abgebildet und ausserdem in seiner Familie auf- 
bewahrt" (Pröhle, deutsche Sagen neue Ausg. S. 248 ff.). 

Ähnlich über ein Haus in Würzburg in der Dominikanergasse, welches 
den Namen j,0um rothen Hahn'' führt: Auf das Dach desselben wurde von 
den Leuten des Wilh. Grumbach nach Überrumpelung der Stadt Würzburg 
ein rother Hahn gesetzt und das Haus angezündet. Der rothe Hahn krähte 
(d. h. die Flamme prasselte) und flog von einem Dache zum andern. Nach 
seiner Wiedererbauung erhielt das Haus den Namen „zum rothen Hahn" 
(Pröhle a. a. 0. S. 237). 

Aus diesen Hausnamen und -Bildern sind nun eine Menge Familien - 
Namen entstanden. So führt Becker aus älterer Zeit unter andern folgende 
an: aus Köln 1116 mm Saphir, 1178 Lembechen (Länunchen), 1219 von 
Gv/rzenich, 1256 van me Kranen (vom Kranich), 1262 van me Hane; aus 
Basel: 1255 Waltherus ad Stellam, zum Sternen, 1262 Ansehn zer Tannen; 
später 0er Sonnen, zer Bösen ^ zem Haupt, zeni Tracken (Drachen) u. s. w. 
Wie hieraus ersichtlich wurden diese Hausnamen vorzugsweis aus der 
Thier- und Pflanzenwelt gewählt, und daher erklärt sich zum guten 
Theile der Umstand, dass jetzt so manche Familien -Namen nichts anderes 
als eben Thier- und Pflanzen- Namen sind. Der Hausname wurde auf 
den Besitzer übertragen, ursprünglich wie andere Ortsbenennungen mit 
einem Verhältnisworte: von oder zUy welches später abfiel. Einen Beweis 
für diese Entwickelung bietet unter anderem der Famüien-Name Molf enter, 
aus zum Olfenter (Kameel), wo das m von der Yorsatzsilbe noch stehen 
geblieben ist. 

Besonders reichliche Beiträge zur Bezeichnung menschlicher Ge- 
schlechter haben unter den vierfüssigen Thieren gegeben: Schaf und 
Ziege, Stier , Wolf, Fuchs und Hase, nächstdem Hirsch und Beh (Reh- 
iein, Eehfuss) — unter den Yögeln ausser dem allgemeinen Vogel nebst 
seinen Zusammensetzungen (Brachvogel, Schreivogel) die Raubvögel: Adler, 
Geier, Falk, ausserdem der Hahn. Innerhalb des Pflanzenreichs überragt 
die Königin der Blumen, die Eose, die anderen auch hier, zumal in 



1) Schiller im Teil I, 2 von Staaifachers Hause: 

„Mit bunten Wappenschildern ist's bemalt 
Und weisen Sprüchen." 



15. Würdigimg der deutschen Familien -Namen nach Gehalt und Form. 61 

mannigfachen Zusammensetzungen (Rosenilüt, Rosenstiel, RosenstocJc, Bösen- 
zweig), ^ 

Jedoch ist wiederholt daraufhinzuweisen, dass wir uns hier auf einem 
sehr trügerischen Gebiete bewegen, in einer Welt, die grossentheils eine 
Welt des Scheines ist. Wie bei den Geräthschaften und Körpertheüen ist 
auch hier eia gut Theil anderen Ursprungs und trifft nur zufällig, oft infolge 
einer Entstellung, mit neueren Thier- und Pflanzen -Namen zusammen. So 
ist der Name Strauss die regelmässige Weiterentwickelung vom althochd. 
Struz, der Schmeichelform von Strudolf, Appel ist Zusammenziehung und 
Verkürzung aus Ädalbold, Hering^ althochd. Herinc, Patronymikum von 
Hero, Hegen althochd. Regino (s. Kagan „klug"), Bock meist wohl aus 
Bucco^ Kürzung von Burkhart. Andere bezeichnen wirklich Thiere, stam- 
men aber meistens schon aus der ersten Periode, wie Bär, Ross, Schwan. 



Hiermit schliessen wir diese Übersicht. Wie uns die Person -Namen 
unserer germanischen Altvordern das kampfdurchtobte, waffenifreudige Leben 
und Treiben derselben vor Augen führen, so spiegeln die dem spätem 
Mittelalter entsprossenen Familien -Namen die bunten Erscheinungen mittel- 
alterlichen Lebens wieder. Die Bilder der Raubritter, der „frummen" 
Landsknechte, der theils gedrückten, theils übermüthigen Bauern, besonders 
aber der ehrsamen Bürger in Werkstatt und Rath, in Singschule und Trink- 
stube werden durch diese Namen vor unsere Augen gezaubert. 

Wenn die Geduld des freundlichen Lesers uns bis hierher gefolgt ist, 
so wird derselbe nimmehr wenigstens in den Grundzügen ein Büd der 
deutschen Familien - Namen erhalten haben. Es mag dieses einem bunt- 
gewirkten Teppich gleichen, in welchem die altdeutschen und die kirch- 
lichen Namen den Aufzug, die bürgerlichen Bezeichnungen den Einschlag 
büden. Damit ist im Wesentlichen die Sache abgeschlossen; was später 
etwa noch lünzukommt, kann den Grundcharakter der deutschen Namen- 
gebung nicht ändern, es dient nur dazu, hie und da noch einen neuen 
Faden in das Gewebe eiazufügen, es noch ein wenig bunter zu machen. 

15. 
Wfirdlgung der deutschen Familien -Namen nach Oehalt und Form. 

Nach ihrem Innern Gehalte ist die deutsche Namengebung alles Lobes 
würdig. 

Die Grundlage bilden die altdeutschen Helden-Namen mit ihrem 
schönen, idealen Gepräge und in ihrer reichen Fülle, mit einer verhältnis- 



1) Als bemerkonswerthe Namen nenne ich hier noch: Riedesel (Keitesel), Schlaraffe 
(v^ Schlaraffenland); Bmgelta%ibe, Nachtigal; Bratfisch; Käsewurm — Petersüie, Meer- 
rettig, VogXbeer, Bohnenbluest (-blute). 



62 16. Latmisirangen. 



massig nicht bedeutenden Beimischung fremdsprachig kirchlicher Namen, 
von Glaubenshelden entlehnt. An diese schliesst sich dann, entsprechend 
der gesellschaftlichen Entwickelung, in durchaus gesunder und normaler 
Weise eine fast ebenso grosse Fülle bürgerlicher Namen, hergenommen 
von Amt und Handwerk, von Geburts- und Wohnort. Freilich hat sich 
der Schwung des heroischen Zeitalters ermässigt, der poetische Blütenstaub 
ist abgestreift. Dafür tritt zum Ersatz der Witz, die scherzende und 
spottende Laune ein, die sich am glänzendsten in den Satznamen 
offenbart. 

Ein Mangel allerdings giebt sich hier sehr bald kund: die zu häufige 
Wiederkehr mancher Namen, besonders der vom Handwerk entlehnten, 
wogegen andererseits auch ein Fernhalten von leerem Prunk anzu- 
erkennen ist. ^ 

Nicht so günstig kann das TJrtheil in Betreff der Form ausfallen. 

Hier ist vor Allem zu beklagen, dass die klangvollen Namen der 
ersten Schicht, wie Hildebrand, Büdiger, Landolf durch spätere Ver- 
kürzungen und Verkleinerungen doch sehr gelitten haben, so dass eine 
Menge überkurzer, einsilbiger, klangloser Namen entstanden ist: Eck, Siete, 
Lemm, Thie, Beetz u. s. w. Hierher gehören auch viele zweisilbige, ins- 
besondere die norddeutschen auf he: Gefke^ OehrJce, Reetzke, Zielke^ denen 
die süddeutschen auf l entsprechen: Dietl, Atd, Batd, Hutzl, 

Voller tönende Namen finden sich unter den von Ortsbezeichnungen 
entlehnten: Frankenstein, Reinthalery Rudinger u. a. — und diese bilden 
jetzt die Hauptmasse der längeren, mindestens dreisilbigen Familien -Namen. 
Manche, viersilbige, haben sogar zuviel Gewicht und etwas Schleppendes, 
wie: Älbrechtsberger , Koberlechner, 

Ausserdem fallt eine Härte in den consonantischen Verbindungen, 
z. B. tzk in Hitske, Kratzke, vielfach unangenehm ins Ohr. 

16. 
Latinlslnmgen. 

Unter den auf S. 61 erwähnten späteren Zuthaten treten hervor die 
Latinisirungen. 

Im Ausgange des Mittelalters und besonders na<jh der Wiederbelebung 
der klassischen Studien im 15. und 16. Jahrhundert wurde es Sitte bei 
den Gelehrten und studirten Fürstendienem, auch ihre Namen in das Antike 
zu übersetzen. Ein Beispiel haben wir unter Anderm an dem Dr. juris 
Olearius in Goethe's Götz in der Tafelscene des ersten Aufzuges: 



1) Man vergleiche schwedische Namen wie von Tiger ström (ein Strom , an dem Tiger 
hausen, in Scandinavien !) , Gyllenstorm (goldner Sturm) u. a. — auch die jüdischen Familien - 
Namen (s. weiterhin). 



16. Latimsimngen. 63 



Liebetraut: Ihr seid von Frankfurt? Ich bin da wohlbekannt. — Euer Name ist 
Olearins? Ich kenne so niemanden. 

Olearius: Mein Vater hiess Öhnann. Nur den Misstand auf dem Titel meiner 
lateinischen Schriften zu vermeiden, nennt' ich mich nach dem Beispiel und auf Anrathen 
würdiger Eechtslehrer Olearius. 

Liebe traut: Ihr thatet wohl, dass ihr euch übersetztet. Ein Prophet gilt nichts 
in seinem Yaterlande; es hätt' euch in eurer Muttersprache auch so gehen können. 

Olearius: Es war nicht darum. 

Liebetraut: Alle Dinge haben ein paar Ursachen. 

Die Grundursache, des Übels Wurzel, war eben die leidige Nach- 
ahmung oder vielmehr Nachäffung des Fremden. Es sollte das alte Eömer- 
thum wieder erweckt und Alles möglichst auf römischen Puss gebracht 
werden. So wurde das heimische Recht durch das römische Corpus juris 
verdrängt, und auch die deutsche Muttersprache suchte man als eine bar- 
barische, wofür sie den Gelehrten galt, möglichst zu verdrängen und aus- 
zurotten, zunächst in den gelehrten Schulen, damit die lateinische ganz an 
ihre Stelle träte. Man betrachtete es als einen grossen Vorzug der römischen 
Kinder, dass sie von kleiaauf Latein sprachen und mit Lateinsprechenden 
umgingen, und bedauerte die armen deutschen Kinder, die nicht schon von 
den Ammen und beim Spielen auf den Gassen lauter Latein hörten. Den 
Lehrern wie den Schülern war darum alles Deutschsprechen untersagt; 
Spielen ward unter der Bedingimg erlaubt, dass auch dabei nur Latein 
gesprochen würde. So hoffte man die „barbarische" Muttersprache wenigstens 
aus den Schulen bald auszutreiben. In diesen traurigen Anschauungen und 
Bestrebungen kamen der Strassburger Lehrplan des Joh. Sturm, der würtem- 
bergische des Herzogs Christoph und der der Jesuiten überein. Es war 
eben allgemeine Zeitrichtung. 

Daher darf es nun nicht Wunder nehmen, wenn im Kreise der 
Gelehrten die Namen so eifrig verlateint wurden und man sich wenigstens 
hierin zu Kömem zu lügen suchte. Ein Lutz nannte sich Lucius, ein 
Kurz: Curfius, ein Köpf lin: Capito — ein Fischer übersetzte sich Piscator, 
ein Habermann: Ävenarius — mit Zuhülfenahme des Griechischen ein Holz- 
mann: Xylander, ein Hausschein: Oecolampadius. 

Während die vergriechten Namen, fast ausnahmslos zusammengesetzt, 
durch ihre Länge ins Ohr fielen, indem sie mindestens dreisilbig, oft aber 
vier-, fünf-, ja sechssilbig sind: erschienen die einfachen lateinischen Namen 
in ihrer Kürze noch zu kahl; mindestens musste den zweisilbigen wie Sartor, 
Pistor noch eine Endung gleichsam als Schleppe angehängt werden, um die 
Würde ihrer pedantischen Träger recht zu bezeichnen, also: Sartorius, 
Pistorius. 

In jenen Zeiten bestimmte zuweilen der unreife und phantastische 
Einfall eines unbärtigen Litteraten auf Jahrhunderte den PamUien-Namen 
seines Geschlechtes. So war, nach Vilmar, ein gewisser Mosmann der Sohn 
eines Schmides zu Gemünden an der Wohra ; da ihm aber einige lateinische 



64 16. Latinisirungen. 



Verse gelungen waren, so konnte er nicht mehr Mosmann heissen, sondern 
nahm den lateinischen Namen für das Gewerbe seines Vaters an: Faber. 
Indes das drückte doch nicht den poetischen Schwung aus, den der angehende 
Virgil in sich fühlte, und so nannte er sich denn Fahronius, welches 
bedeuten sollte Faber Aonius, d. i. Musenschmid, und diesen Namen behielten 
seine Nachkommen bei. Seine Landsleute waren Helius Eobanus Hessus 
und Euricius Cordus, von denen bei ihren hochpoetisch klingenden Namen 
niemand mehr weiss, wie sie recht geheissen haben. 

So entstanden die wunderlichsten und abenteuerlichsten Namengebüde, 
z. B. Osiander aus Hosemann, Chiomusus aus Schneesing, Eucharius aus 
Eckhard, Chelopoeus aus Kistemaker, Namen, die jetzt schwer zu ent- 
räthseln sind, oder gar nicht mehr, wie Chesnecqphorus, Auch übellautende 
Mssbüdungen, wie Crueinmus, Heineccius, Cocceji^ setzten sich fest. 

Diese Latinisirungen wucherten am meisten da, wo eben die vorhin 
geschilderte, s. g. humanistische Richtung besonders in Blüte stand, also 
namentlich in Sachsen, in der Pfalz, in Holland, vor Allem aber am Hofe 
des hessischen Landgrafen Philipps des Grossmüthigen. 

Manche kehrten von den Pistorius, Episcopius, Melissander ihrer Väter 
zu den Becker, Bischoff, Bienemann ihrer Grossväter zurück; Andere aber 
behielten die bunten lateinischen und griechischen Namen bei, wenn sie 
sich auch nicht auf der wissenschaftlichen Höhe ihrer Vorfahren behaupten 
konnten, imd so finden wir diese Fremdnamen gegenwärtig noch überall in 
Deutschland. * 

Jetzt bekommt" diese Namenklasse glücklicherweise keinen Zuwachs 
mehr. Nur einige Stockphüologen haben es in neuerer Zeit noch nicht 



1) Urspr. blosser Koch, aber anmasslicher Weise eingedrungen in die römische Grens 
Cocceja (Pott). 

2) Friedrich der Grosse hat gelegentlich darüber seinen Spott ausgegossen, siehe den 
Bericht über seinen Besuch im Khin- und Dossebruch (1779), verfasst vom Oberamtmann 
Fromme, welcher den König durch den Fehrbelliner Amtsbezirk begleiten musste und Alles 
aufgezeichnet hat, was er an diesem denkwürdigen Tage erlebt und aus des Königs Munde 
vemonmien. 

König: Wie heisst Ihr? 

Amtsrath (des Amtes Neustadt): Klausius. 

König: Klau-si-us. Was ist das für ein Mensch, der da rechts? 

Fromme: Der Bauinspector Menzelius, der hier die Bauten in Aufsicht gehabt hat 
König: Bin ich hier in Eom? Es sind ja lauter lateinische Namen! — — Wie 
heisst die Kolonie? 

Fromme: Klausiushof . 

Amtsrath: Ihro Majestät, sie kann auch Klaushof heissen. 

König: Sie heisst Klau-si-ushof. Wie heisst da die andere Kolonie? 

Fromme: Brenkenhof. 

König: So heisst sie nicht. 

Fromme: Ja, Ihro Majestät! Ich weiss es nicht anders! 

König: Sie heisst Brenkenhofi-ushof. 



17. Jüdische Namen. 65 



lassen können, Namen in dieser Weise für ihre Zwecke zu antikisiren: 
ÖMer in Olearius, Sillig in Siligius. Doch gründlicher verfuhr hierin Keisig. 
Dieser Gelehrte, der jedesmal, wenn er glaubte eine glückliche Conjectur 
gemacht zu haben, dies der Welt durch Trompetenstoss von dem Boden 
seiner Wohnung aus verkündete, leistete auch Entsprechendes auf dem 
Gebiete der Antikisirung, besser gesagt, Entstellung der Namen. So ver- 
wandelte er Wunderlich in Vunderilicus, Poppo ganz unnöthiger Weise in 
Pomponius, Mitscherlich gar in Midoscherilix, als wäre dieser Horazerklärer 
des 19. Jahrhunderts einer von den CeltenhäupÜingen des alten GaUiens, 
gleich den Viridovix und Vercingetorix. 

17. 
Jttdische Namea. 

Am spätesten haben die Juden sich dazu verstanden, Familien -Namen 
anzunehmen; meist wurden sie erst durch die Gesetzgebung, in Österreich 
unter Joseph IL, in Preussen durch Hardenberges Edict vom 11. März 1812 
dazu genöthigt. Sie hatten nun die Wahl und wählten, was auch am 
nächsten lag, zum grossen Theil hebräische, alttestamentiüche Namen, indem 
einfach die bis dahin geführten Person -Namen zu Familien -Namen gestempelt 
wurden: Abraham, Jacob, Moses, Simon — mitunter nach der Aussprache 
der heutigen deutschen und polnischen Juden: Heimann (statt Heman) — 
auch patronymische Ableitungen hebräischer Namen: Jacoby; Jacobson 
(entsprechend dem hebräischen bcny welches in Benary „Löwensohn" 
erscheint). 

Doch in der Mehrzahl wurden neuhochdeutsche Namen gewählt, 
zunächst Bezeichnungen von Eigenschaften, natürlich guten: Edel, 
Freundlich, Treu — sodann Thierbenennungen: Hirsch, Wolf, Adler^ 
meist wohl mit Kücksicht auf die Bedeutung, welche denselben im alten 
Testamente beigelegt wird^ — jedoch mit besonderer Vorliebe Ortsbezeich- 
nungen: Cassel, Faikenstein; häufig mit der Ableitungsendung er: Fried- 
länder, Wronker, Exiner, Meseritzer. Diese Namen weisen grossentheils 
nach dem Osten, nach Westpreussen und Posen. 

EigenthümUch ist hierbei die Vorliebe für schönklingende Namen, 
Zusammensetzungen nicht nur mit Gold^ und Silber — sondern auch mit 
Löwen, Kosen und Lilien: Löwenberg und Löwenthal; Bosendorf und 
Rosenberg; Lilienthal u. ähnl. Woher diese prächtig klingenden Namen, 
welche zu den die jüdische Namengebung beherrschenden gehören? Ist es 
noch ein Nachklang jenes poetischen Sinnes, der sich einst in den Dich- 



1) Im Segen Jacobs (1. Mos. 49) wird Naphthaii ein Hirsch, Benjamin ein Wolf 
genannt. Der Adler ist ein BUd sich erneuender Jagend (Ps. 103, 5 u. a.). 

2) Golde, Gcldmcmn, Goldenberg, Goldstein, Goldmark, Goldziher u. s. w. 
Heintze, Deutsche Familien- Namen. 5 



66 18. Französirungen, Polonisiriingen und andere Metamorphosirungen der Nenzwt. 

tungen des alten Testamentes kundgegeben, ein Stück von dem Parben- 
reichthum des Morgenlandes nach dem Abendlande verpflanzt? Oder ist es 
nur das Bestreben, wie die Waare so auch den Namen möglichst heraus- 
zuputzen, durch schönes Etikett Eeklame zu machen?* 

Dabei wird nun nicht gefragt, ob derlei Ortsbezeichnungen auch in 
Wirklichkeit vorkommen; die^e Lilienthal, Veilchenfeld u.s. w. sind grossen- 
theils rein erdachte Namen, wie auch Cohnfeld und Cohnheim, Aronbach, 
Lemnthal — denn wo gäbe es in Deutschland Orte dieses Namens? Es 
gleichen diese scheinbaren Ortsnamen trügerischen Luftspiegelungen, die bei 
der Annäherung zerrinnen. 

Hingegen treten zurück die altdeutschen Namen, die kirchlichen und, 
was besonders bezeichnend ist, auch die Handwerks -Namen. Höchstens 
Gerber findet sich, eine Ausnahme, die sich wiederum leicht erklärt. 

Im Ganzen hat die jüdische Namengebung etwas Gemachtes, Künst- 
liches, ^ was allerdings theilweise mit der Art ihrer Entstehung zusammenhängt. 

* 

18. 

FranzSsirnngen 9 Polonlsirungen und andere Metamorphosirungen 

der Neuzelt. 

Die in Kap. 16 geschilderten Latinisirungen fanden eine bemerkens- 
werthe Fortsetzung in der neuesten Zeit. Das infolge der traurigen staat- 
lichen Verhältnisse gesunkene Nationalgefühl der Deutschen hatte schon seit 
dem dreissigjährigen Kriege eine bei andern Völkern unerhörte Schwäche 
hervortreten lassen, die sich in Missachtung des Heimischen und Über- 
schätzung alles Fremden kundgab. ^ Daher in der Litteratur die sklavische 
Nachahmung fremder Muster, in der Sprache die Überschwemmung mit 
fremden, namentlich französischen Wörtern. Auf einzelnen Gebieten über- 
wunden trat diese einmal vorhandene Schwäche und Krankheit wieder in 
andern Symptomen hervor — neuerdings in der Unsitte, in fremden Landen 
seinen deutschen Namen zu entdeutschen, zu französiren, polonisiren, 
magyarisiren, wie es gerade kommt. 



1) Bemerkenswerth ist es, dass die Frau auch wohl den Vornamen des Mannes mit 
annimmt: Esther Salomon Gottschalk, Bertha Philipp Freundlich — es ist eben die 
Firma, die so selbst noch auf den Grabsteinen prangt. 

2) So theUten sich zwei Familien in das Wort Israeliten in der Art, dass die eine sich 
Israel y die andere Litten nannte! Kahn und Hahn wurden als Nebenformen von Cohn 
(Priester) verwendet, um die verschiedenen Glieder einer weitverzweigten Familie zu imter- 
scheiden. Dazu nehme man österreichische Namen wie Pulverhestandtheil , Kanalgeruch! 

3) Früher beseelte die Deutschen ein stolzes Selbstgefühl, über welches als die „Teu' 
tonicis innata superhia*^ Schriftsteller anderer Nationen klagen. „Seit jenem unseligen 
Kriege," ruft Gfrörer bitter aus, „sind die Deutschen ein Volk von Bedienten geworden!" 

„Ich bin Franzos!" „Engländer!" „Ich Russe!" — Und Sie, mein Verehrter ? 
„Schulze aus Meiningen, Herr! Dero ergebener Knecht!" (Xenien der Gegenwart.) 



18. Französirungen , Polonisiningen und andere Metamoi-phosirungen der Neuzeit. 67 

So werden denn in Frankreich die Namen französirt:^ ein Solger 
nennt sich Saulier^ ein Nagler — Naguiller, ein Witzel — Ficelle, und 
ein Vogler schämt sich seines schönen deutschen Namens, nicht Vogler 
mehr — er wohnt ja in Paris — nein, Fouclair! mag auch das Franzö- 
sisch, welches er spricht, noch recht sehr seine Abstammimg aus Deutsch- 
land, vielleicht speciell aus Thüringen verrathen. 

Besonders ungerechtfertigt und tadelnswerth ist es, wenn dergleichen 
in Deutschland selbst geschieht, wenn sich z. B. ein Dessauer — Dessoir 
nennt, um durch diesen aufgehefteten französischen Lappen seinem Namen 
ein vornehmeres Aussehen zu geben, oder wenn echt deutsche Namen mit 
französischen Accenten versehen werden: Hoppe, Nägele, Schultse (!), 
ScUingre, Leder er. 

Während diese Französelei sich häufig bei Schauspielern findet, italieni- 
siren sich Sänger und Sängerinnen: der Schwabe Stiegele in StigheUi, die 
Sängerinnen Crüwell in Cruvelli^ Röder in Rodani (!) — als ob Deutsche 
nicht singen können imd Alles, was gut singt, aus Italien herstammen muss! 

Wie im Westen die Namen französirt werden, so werden sie im Osten 
polonisirt. Ein Feldmann benamset sich klangvoller Feldmanoivshi , ein 
Krauthofer zunächst Krauthofski, dann aber, damit doch ja nicht eine Faser 
einer deutschen Kohlrübe an ihm hängen bleibe: Krotowski. Wird keine 
polnische Endung angehängt, so muss wenigstens die Schreibung eine pol- 
nische sein: Szuman (Schumann), Szrajher (Schreiber), Szulc (Schul^.^ 

Man sollte dergleichen nicht für möglich halten, da die polnische 
Nation doch in geringerer Achtung steht (s. „polnische Wirtschaft", „pol- 
nischer Reichstag") imd die deutsche sich stets überlegen gezeigt hat, und 
doch geschieht es. Hieraus erklärt sich zum Theil das erneute Vordringen des 
Slawischen in manchen östUchen Bezirken Preussens. Es wäre nicht möglich 
gewesen, wenn die Deutschen in polnischer Umgebung die Fahne ihrer 
Nationalität immer hochgehalten hätten, wenn sie nicht in jämmerlicher 



1) Schon lange vor dem letzten Kriege. 

2) Diese lächerlichen Schreibungen finden ein Gegenstück nur in den Entstellungen 
deutscher Namen auf Häuserschildern in Metz (vor 1870): Chemit (Schmidt), Quoime 
(Eunz) u. a. 

Über die Polonisirungen früherer Jahrhunderte spricht Winckler, „die Nationalitäten 
Pommerellens^ S. 4 f . , welcher dort ein Veraeichnis der während der polnischen Herrschaft 
polonisirten Adelsgeschlecht^ giebt. So wurde aus Ahlebeck gemacht Älebitzki, aus Behme — 
Bern, aus Hütten — Czapski, aus Eochenstein Kochanskt^ aus Schönbom — Szum- 
borski u. s. w. Noch häufiger jedoch wurde den deutschen ein polnischer, vom Besitz ent- 
lehnter Name hinzugefügt, so dass nun diese merkwürdigen Zwitter entstanden wie Stein 
ffon Kaminski, Otter feld - Ryhinski. Doch diese Maskirungen werden durch den Druck der 
mehr als dreihundertjährigen polnischen (rewaltherrschaft in Westpreussen einigermassen ent- 
Bcholdigt. Welche Entschuldigung aber haben diejenigen, die in der Gegenwart unter einer 
deatschen Begienmg ihre Nationalität verleugnen und mit den Feinden des Vaterlandes 
gemeinsame Sache machen? 

5* 



68 18. FranzÖsirungen, Polonisiruttgen und andere Metamorphosirungen der Neuzeit. 

Schwäche ihr Deutschthum verleugnet, ja zum Theil sich den Polen im 
Kampfe gegen ihr Vaterland , gegen deutsche Sprache und Nationalität ange- 
schlossen hätten. So weigerte sich 1869 ein Gutsbesitzer Arndt bei Gnesen, 
an einer in deutscher Sprache geführten Gerichtsverhandlung theilzunehmen, 
weil er — ein Pole sei! In Böhmen sind die Rieger und Brauner gerade 
die- -Vorkämpfer der Tschechen. 

In Österreich, wo überhaupt das deutsche Element sich noch unkräf- 
tiger als anderswo zu erweisen scheint, schliessen sich an die Slavisirungen 
deutscher Namen in den slavischen Landstrichen Magyarisirungen in 
Ungarn. Die öffentlichen Blätter haben in neuerer Zeit häufig lange Listen 
österreichischer Staatsbürger gebracht, denen auf ihren Antrag Magyarisirung 
ihres Namens bewilligt worden. Am bekanntesten unter diesen Pseudo- 
Magyaren ist der berühmte Eeisende Vamb^ry, dessen Name nichts weiter 
ist als eine Verdrehung aus Bamberger. Ähnlich hat sich ein Hundsdörfer 
in Hunfalvy, ein Schedel in Toldy magyarisirt, der dann als Secretär der 
ungarischen Akademie der Wissenschaften im ungarischen XJnterrichtsrathe 
gegen seine Muttersprache wüthete und die nichtmagyarischen Nationalitäten 
Knall und Fall zu Magyaren zu machen suchte. 

Wird nicht der ganze Name umgewandelt, so muss wenigstens die 
Schreibung magyarisch sein, z.B. Szontagh.^ 

In Amerika endlich werden die Namen anglisirt: Schmid in Smiths 
Grünbaum in Greenbaum. 

Diese Umwandlung ist übrigens verhältnismässig am unschuldigsten, 
da es mehr nur Umsetzung aus einer Mundart in die andere, aus der hoch- 
deutschen in die angelsächsische ist. Wenn aber auf diesem Wege ein so 
schöner Name wie Kosenkrantz in Rosecrans entstellt wird, so tritt auch 
hier wiederum das Widerwärtige dieser Erscheinung hervor. 

AUes in Allem — es ist eine sehr betrübende Erscheinung. Dass auf 
diese Weise echtdeutsche Namen verhunzt werden, ist noch das Geringere. 

1) Winckler, die Nationalitäten u. s. w. bemerkt auf S. 94: „Dass gerade im öster- 
reichischen Kaiserstaate das deutsche Element überall an Terrain verliert, kann angesichts 
der allgemein bekannten Thatsachen nicht mehr geleugnet werden, und es erscheinen daher 
die in den weiten Gebieten des ausserdeutschen Österreichs inselartig zerstreuten Deutschen 
(1,800,000) jetzt als verlorene Posten des germanischen Volkes." — S. 95: „Wie die einstmals 
entschieden vorherrschend deutschen Städte Ungarns jetzt nur noch mit magyarischen Namen 
bezeichnet werden, so sind auch deren deutsche Bewohner, welche deutsche Familien -Namen 
führen, emsig darauf bedacht, rein und vollklingende ungarische Namen zu ersinnen." — 
Und in der Anmerkung: „Unter vielen Beispielen nur eine Thatsache: die Entwickelung der 
zu Deutschland gehörigen Stadt Triest. Dass diese Stadt, welche Alles, was sie hat, der 
österreichischen Herrschaft verdankt, die sie aus einem obscuren „Schüfrohmest" zu einem der 
ersten Handelsplätze der Welt erhoben hat, — dass dieses Triest, welches bereits 1382 sich 
freiwillig Leopold IV. von Österreich unterwarf, so gänzlich deutschem Wesen, deutscher 
Cultur und Civüisation verschlossen geblieben ist, bleibt ein die österreichiche Staatskunst 
stets treffender Vorwurf und lässt die so oft betonte Mission Österreichs, deutsche Coltor 
weiter zu verbreiten, in einem sehr wenig vortheilhaften Lichte erscheinen." 



19. Geographisclie Verbreitung der deutschen Familien -Namen. 69 

Schlimmer ist, was damit unvermeidlich zusammenhängt. Wer sich seines 
ehrlichen deutschen Namens schämt, der schämt sich auch seiner Sprache, 
seiner Nationalität, seines Vaterlandes und sucht sie sobald wie möglich 
abzustreifen, er wird Franzose, Pole, Magyare, Slovene, Slovake, was es 
sei — nur ja nicht Deutscher bleiben ! * Einem Franzosen , einem Eng- 
länder, Italiener würde es nicht einfallen, seinen Namen einer fremden 
Sprache zu liebe zu entstellen — dem Deutschen war es vorbehalten, sich 
so wegzuwerfen! 

Ein edler Stolz — das ist es, was dem Deutschen in den letzten 
Jahrhunderten nur zu sehr gefehlt hat. Und doch hätte er wohl Ursache, 
auf sein Vaterland stolz zu sein ! auf das Land der Guttenberg und Luther, 
der Leibnitz und Humboldt, der Goethe und Schiller, der Schamhorst und 
Stein! 

Wird sich dies ändern nach den grossen Ereignissen des letzten Jahr- 
zehnts, besonders nach dem französisch -deutschen Kriege von 1870 und 71, 
der Deutschland (mit Ausnahme Deutsch -Österreichs) endlich geeint, Elsass 
und Lothringen uns wiedergebracht und das deutsche Eeich zur ersten 
Macht in Europa erhoben hat — wird es sich nach diesen grossen Errungen- 
schaften ändern, dauernd ändern? 

19. 
Creographlsehe Yerbreltnng der dentsehen Familien - Namen. 

Nachdem wir die geschichtliche Entwickelung der deutschen Familien - 
Namen in den Grundzügen verfolgt haben, wird es nunmehr an der Zeit 
sein, auch in geographischer Beziehung einen prüfenden Blick auf dieselben 
zu werfen. 

Stellen wir zu dem Ende vorerst die Grenzen des deutschen Sprach- 
gebietes fest, welche im Wesentlichen ja auch die der deutschen Familien - 
Namen sind ! * 

Wenn wir im Nordwesten beginnen, so folgt die Grenze zwischen 
Deutsch und Niederländisch vom Dollart aus im Ganzen der politischen 
Grenze zwischen Deutschland und Holland. 



1) Eüstow in seinen „Erinnerungen aus dem italienischen Feldzuge von 1860": „Die 
ungarische Legion bestand aus allen Nationen; besonders waren auch viele Norddeutsche 
darin. Die deutschen Offiziere in derselben hatten sich ungarische Namen gegeben" — 
wozu das Magazin für litteratur des Auslandes (1862, Nr. 7) bemerkt: „Es ist wirklich 
rührend und für jeden echten Deutschen erhebend. Man möchte glauben, wenn einmal ein 
Freiheitskrieg der Kongoneger ausbricht, und deutsche Landsknechte dahin kommen, so lassen 
sie sich, abgesehen von den schwarzen Namen, die sie natürlich annehmen, mit echtem 
Kienruss färben, um den Negern ihre Farbe und Nationalität nicht missliebig zu machen." 

2) Beruh ardi, Sprachkarte von Deutschland. — Kiepert, Völker- und Sprachen- 
karte von Deutschland und den Nachbarländern. — Ders. Völker- und Sprachenkarte von 
Österreich. 



70 19. Geographische Verbreitung der deutschen Familien -Namen. 

Bei Eupen setzt das Französische ein, und die Grenze zwischen 
Deutsch und Französisch fällt nun seit Kückgewinnung des Elsasses meist 
wieder mit der politischen zusammen, indem nur bei Malmedy und Metz 
das deutsche Sprachgebiet zurückweicht , während es andrerseits bei Luxem- 
burg bis nach Arlon in Belgien hinübergreift. 

Von der Schweiz ist der Norden und die Mitte deutsch, der Art, 
dass etwa Solothum, Freiburg, Gsteig (Canton Bern) und Leuk (Canton 
Wallis) die äussersten deutschen Punkte nach Westen sind. 

Am Eosa- Berge bildet Issime den südlichsten Vorsprung in das roma- 
nische — westlich französische, östlich italienische Sprachgebiet. Von hier 
geht die Grenze nordöstlich über den St. Gotthard, Chur, Martinsbruck, 
die Ortlesspitze, Salurn (Tirol), Brunecken bis Pontafel in Kärnten, wo drei 
Sprachen: Deutsch, Italienisch, Slavisch zusammenstossen. 

Von Pontafel zieht sich die Grenze zwischen Deutsch und Slavisch, 
im Ganzen der Drau folgend, ostwärts bis Radkersburg an der Mur, von 
da nordwärts bis zur Mündung der Feistritz in die Raab, wo wir zuerst 
auf das Magyarische stossen. 

Weiterhin bis Pressburg ist die Sprachgrenze — zwischen Magyarisch 
und Deutsch — in welche sich überdies slavische Sprachinseln eindrängen, 
vielfach zerrissen ; doch greift das Deutsche bedeutend nach Ungarn hinüber 
bis Körmönd, Güns, Wieselburg, und bildet auch im eigentlichen Ungarn 
viele Sprachinseln, besonders in der westlichen Hälfte und im Banat. 

Bei Pressburg stossen wir wieder auf das Slavische (Westslaven). 
Durch das mährische Thor zwischen Olmütz und Znaym haben sich die 
Tschechen tief hinein ergossen bis Budweis, Pilsen, Leitmeritz, Tumau, 
Josephstadt, so dass nur die inneren Abhänge der Grenzgebirge Böhmens 
deutsche Landbevölkerung bewahii; haben. 

In Preussen ist der ganze Ostrand von Pless bis Oletzko zur Zeit 
noch überwiegend slavisch (polnisch), also der Südosten von Schlesien 
etwa bis Ratibor, Zülz, Namslau, die grössere östliche Hälfte von Posen, 
das mittlere Drittel von Westpreussen, nördlich von Bromberg bis zur 
Ostsee (Kassubei), der Süden von Ostpreussen (Masuren). Doch sind 
auch diese als überwiegend polnisch bezeichneten Landschaften von vielen 
deutschen Sprachinseln durchsetzt und zeigen in dieser Hinsicht ein sehr 
buntes Bild. 

Noch ist eine slavische Sprachinsel zu erwähnen : die Sorben wenden 
in der Lausitz, zwischen Bautzen, Muskau, Senfteuberg, Peitz. 

östlich von Goldap beginnt die Grenze zwischen Deutsch und 
Littauisch, welche zuerst fast ganz mit der politischen Grenze gegen 
Russland übereinstimmt, dann nördlich von Pilkallen sich westwärts wendet 
und an der Mündung der Gilge ins kurische Haff die Küste trifft. 

Endlich im Norden die Grenze gegen das Dänische! Diese wird 
ungefähr durch eine Linie von Hoier an der Nordsee über Tondem nach 



19. Geographische Verbreitung der doutsohen Familien -Namen. 71 

Gravenstein bezeichnet; aber nördlicher gelegene Orte, namentlich Apenrade 
Hadersleben, Christiansfeld sind noch deutsch. 

Ausserhalb dieses Hauptgebietes finden sich noch mannigfache deutsche 
Inseln, besonders an dem ganzen Südost- und Ost-Eande: so Gottschee in 
Krain, viele Kolonien in Ungarn (Arad, Weisskirchen, die Zips), in Sieben- 
bürgen (Hermannstadt, Kronstadt, Bistritz), in Eussisch- Polen (Lodz), in 
den russischen Ostsee -Provinzen Kurland, Lievland, Esthland, an der 
"Wolga, endlich jenseit des Ozeans in Amerika und Australien. ^ 

Innerhalb des zusammenhängenden deutschen Gebietes sind nun zwei 
sich kreuzende Linien zu ziehen: eine von Nord nach Süd, um die Grenze 
zu bezeichnen, bis zu welcher sich slavische Einflüsse infolge früherer 
Besiedelung (s. Beilage 3) noch heutzutage in der Namengebung bemerklich 
machen — eine zweite von West nach Ost, um die Scheide zwischen Ober- 
und Niederdeutsch festzustellen. 

Die Scheidelinie zwischen Deutsch und Slavisch (Wendisch) 
wird im Allgemeinen gebüdet durch Elbe, Saale, Böhmerwald. Das Genauere 
ist, dass eine Linie von der Kieler Bucht in einigen Windungen, doch im 
Ganzen nach Südost verlaufend (zwischen dem 28. und 32. Meridian), über 
Lüneburg, Oschersleben, Naumburg, Koburg, Waldmünchen (im Böhmer 
Walde), Windisch Garsten (in Österreich ob der Enns), Pontafel die äusserste 
Westgrenze der slavischen Eroberungen im 6. — 9. Jahrhundert bezeichnet 

Die Scheidelinie zwischen Oberdeutsch und Niederdeutsch 
geht über Bonn, den Harz, die Niederlausitz — genauer: von Eschweiler 
(an der holländischen Grenze) über Bonn, Siegen, Münden, Aschersleben 
Wittenberg, Lübben, Fürstenberg bis Birnbaum (Posen), wo das Polnische 
beginnt. 

Doch ist diese Linie natürlich nicht haarscharf zu ziehen; denn Über- 
siedelung, gegenseitiger Verkehr, Unterjochung des einen Stammes durch 
den andern, Vermischungen aller Art haben beide Mundarten — besonders 
an der Grenze — oft durcheinander geworfen. Daher finden sich südlich 
jener Linie noch an manchen Orten niederdeutsche Elemente, nördlich ober- 
deutsche, ja beträchtliche deutsche Spraxjhinseln am Oberharz (um Klausthal) 



1) Bisher war das Gebiet des Deutschen gegen das Eomanische (Französisch, Italienisch) 
in West und Süd im Zurückweichen, gegen das Slavische im Ganzen, wenn auch nicht ohne 
Schwankungen, im Vorrücken begriffen. Seit der Wiedergewinnung von Elsass und Deutsch - 
Lothringen ist wenigstens im Westen der Eomanisirung ein Halt geboten. Und mi Osten 
wird, nachdem die deutsche Sprache in der Schule und dem amtlichen Verkehr innerhalb des 
deutschen Reiches wieder in das ihr gebührende Eecht eingesetzt worden, auch das Vor- 
rücken des Deutschen, soweit Preussens Fahnen wehen, ein stetigeres sein. In Osterreich 
freilich ist der Stand der Dinge ungleich weniger günstig — bei dem viel höheren Procent- 
satz der Fremden (etwa 10 Millionen Deutsche unter 37 Millionen) und der Gleichgültigkeit 
der Begierung, welche die Deutschen, die docli den Kitt des vielsprachigen Staates bilden, 
nicht unterstützt, im Gegentheil, den fremden Nationalitäten preisgiebt. 



72 20. Genauere Angabe der Vertheilung der Familien -Namen in Nieder-Deutscbland. 

und in Ostpreussen (um Wormditt und Guttstadt), letztere wohl durch Ein- 
wanderer entstanden, welche im Anfange des 17. Jahrhunderts aus Ober- 
deutschland in das pestverheerte littauen zogen. 

Durch Ziehung dieser beiden sich kreuzenden Linien wird das ganze 
Gebiet in vier Viertel zerschnitten: Nordwest, Nordost, Südwest, Südost, 
die wir nach dem Grund- Charakter der Familien- Namen bezeichnen als: 
niederdeutsch, niederdeutsch -wendisch — oberdeutsch, oberdeutsch -wendisch. 

Im Folgenden soll nun für das Gebiet des Niederdeutschen eine 
genauere Charakteristik der geographischen Vertheilung der Familien -Namen 
versucht werden. 

20. 

Grenanere Angabe der Yertheilnng der Familien -Namen 

in NIederdentsehland. 

Nordwest. 

An der Nordseeküste sitzen seit Urzeiten in einem schmalen Streifen 
von der Scheidemündung ostwärts — soweit es Marschen und Inseln giebt — 
die Friesen, „der deutsche Seestamm, zäh und spröde im Festhalten des 
Alten, im Vertheidigen der Freiheit, ein kerniges Geschlecht." 

Die Sprache ist erst allmählich durch das nahverwandte Niederdeutsche 
zurückgedrängt worden und behauptet sich gegenwärtig östiich der Ems 
besonders noch im Saterlande (Oldenburg), in der Gegend von Husum und 
Tondem und auf den Inseln. ^ 

In diesen vom Weltverkehr abgelegenen Gauen bildeten sich, den ein- 
fachen bäuerlichen Verhältnissen entsprechend, vorzugsweis patronymische 
Geschlechts -Namen aus. 

Beginnen wir mit Ostfriesland! Hier bilden die genetivischen 
Namen wie Reiner s, Ger des, Gerjets, Dirks — Focken, Rippen, T jaden ^ 
Vfken, mit Anschluss der seltneren auf -sen (Bohlsen) in den Kreisen 
Aurich und Emden die Hälfte aller Namen, in Leer noch ein Drittel. Als 
ganz besonders charakteristisch, nur hier vorkommend, sind dabei die Namen 
auf a (Gen. Plur.) hervorzuheben: Wiardüy Ebbinga, Ukena — ausserdem 
die Zusammensetzungen mit ma (mann): Bolema. 

Von Gewerben finden sich nur die einfachsten (ländlichen): Smidt, 
Müller, Fischer, Schipper ^ Bakker, Kramer, 

Die Lautverhältnisse haben manches Eigenthümliche : sm (Smidt neben 
Schmidt), tj (Wamtjes), kk (Dekker), ui = ü (Luitjens), ou = au (Wilde- 



1) Ein Beispiel dieser sehr abweichenden Mundart ist das saterländische „Skippers 
sankje"^ (Schüfers Gesang), mitgetheilt von Poppe, Globus 1872 Nr. 12. Dass übrigens in 
diesem ganzen Kapitel nur die Landbevölkerung in Betracht kommen konnte, ist wohl 
selbstverständlich. 



20. Genauere Angabe der Verth eilung der Familien -Namen in Niederdeutschland. 73 

bouer). Wie hieraus ersichtlich, weisen sie zum Theil auf das Holländische 
hin, dessen Einfluss sich an der ganzen westlichen Sprachgrenze von Ost- 
Mesland bis zum Mederrhein geltend macht. 

Auch im Oldenburgischen treten die patronymischen Namen wie 
Redlefs, OUmanns, Bieniets, Taddiken, Knutzen (=* Kjiudsen) am nörd- 
lichen Küstenrande stark hervor, am stärksten (mit 80 Procent) im Kreise 
Jever. Überhaupt findet grosse Übereinstimmung mit den ostfriesischen 
Namen statt, nur dass die auf a und ma fehlen, wie auch die Anklänge an 
das Holländische. 

Kommen wir nach Hannover, so treten hier, selbst in den Marschen 
zwischen Weser und Elbe, die genetivischen Namen merklich zurück. Ihre 
Zahl wächst erst wieder in Holstein (Ditmarschen: mindestens 40 Pro- 
cent) — und hier, an der schleswig-holsteinischen Küste, treten die bis 
dahin mehr vereinzelten Zusammensetzungen auf -5en, je weiter nach 
Norden, desto stärker hervor, namentlich im Herzogthum Schleswig, bis in 
den Kreisen Husum und Tendern die Hansen, Thomsen und Nissen^ Chri- 
stiansen und Gidionsen, Detlef sen und Hinrichsen Alles so überwuchern, 
dass sie fast 90 Procent aller Familien -Namen füllen. Doch diese Bildungen 
greifen auch nach der Ostseite des meerumschlungenen Landes hinüber, zum 
Stamm der Angeln, und bilden dort ebenfalls die Mehrheit, im Kr. Flens- 
burg wiederum 90 Procent, im Kr. Schleswig noch die Hälfte, bis sie im 
daran grenzenden Kr. Eckernförde plötzlich nahezu verschwinden. 

Diese Namen auf -sen bilden eine Brücke einerseits zu den dänischen 
und scandinavischen Germanen (vgl. Andersen ^ Thorwaidsen, Björnsen\ 
andererseits zu den Engländern (Richardsony Johnson, Thompson) und 
verbinden so noch jetzt, fast anderthalb Jahrtausende nach der Einwanderung 
der Angelsachsen in Brittannien, die Stammesbrüder diesseit und jenseit der 
Nordsee. 

Gehen wir wieder nach unserm Ausgangspunkte, Ostfriesland, zurück, 
so schliessen sich an dasselbe in der Namengebung die südlicher gelegenen 
hannoverschen Bezirke, namentlich Papenburg, wo die genetivischen 
(ungerechnet einige auf ing) wieder die Hälfte aller Namen bilden. 

In Li n gen machen dieselben nur noch etwa ein Fünftel aus, und 
andererseits treten als Namenelemente Bezeichnungen von örtlichkeiten wie 
brinkj hörst, auch hoff, desgleichen Zusammensetzungen mit Meyer hervor — 
die Vorläufer der eigenthümlich westfälischen Namengebung. 

Patronymika (auf ing und genet. Bildungen) finden sich durch das 
ganze preussische Westfalen mit Einschluss Osnabrücks — am stärksten an 
der holländischen Grenze. 

Patronymika und zwar genetivische ( diesen, Otten, Wienands, Lud- 
wigs, Gompertz — selbst Namen der dritten Schicht wie Schippers, Kox) 
bilden das Charakteristische auch am preussischen Niederrhein, ganz 
besonders auf der linken Seite des Flusses von Kleve bis Aachen, wo die- 



74 20. Genauere Angabe der Vertheiliing der Familien -Namen in Niederdeutschland. 

selben ungefähr die Hälfte aller Namen ausmachen (Höhenpunkt mit min- 
destens 60 Procent im nördlichsten Theile des Eegierungsbez. Aachen). 

Dann aber giebt sich das specifisch Eigenthümliche der westfälischen 
Namengebung in den zahlreichen an die Besonderheiten der Örtlichkeit 
angelehnten Namen kund. Die Landschaft hat hier nicht mehr die Ein- 
förmigkeit des Küstenrandes, der Marschen an der Nordsee; Berge und 
Hügel (hövel), hochliegende Grasflächen (hrink) treten in ihr hervor; anderer- 
seits Teiche (dieh), Brücher ßroh), häufig ein Wald oder Gebüsch (loh, 
holt, horst)^ dann das Feld in abgeschlossene, imihegte Kampe geschieden. 
Alles dies spiegelt sich auch in den Familien -Namen, in welchen demnach 
hrink, brock, hörst, kamp, demnächst beck (Bach), dieck, holt, loh Haupt- 
elemente sind, in Namen wie: Hasenbrink, Uhlenbrockj Hasselhorst, Loh- 
kamp, Mollenbeck, Buddendieck, und abgeleitet mit der Endung er: Stein- 
brinker, Hüttenbräuker , Behrhörster , Boggenkämper — oder präpositionell: 
auf dem Brauke, Tenberge, Terbeck. 

Eine solche Bezeichnungsweise konnte um so eher Platz greifen, da die 
Ansiedelung in diesen Gegenden nach altgermanischer Weise eine zerstreute 
ist. Münster und die nördlichen Theile von Minden und Arnsberg gehören 
zu denjenigen Gegenden, wo das Land nicht in geschlossenen Dörfern, 
sondern durch einzelne Höfe angebaut ist, die erst für staatliche Zwecke 
zu Bauerschaften zusammengefasst werden. Dazu stimmen auch die vielen 
Namen auf hof (Lohoff) und haus (im Münster 'sehen auch hu^: Grot- 
hues). 

Auf die Abstufimg nach dem Grundbesitz gehen Meyer und Kotier, 
welche in ausserordentlich vielen Zusammensetzimgen erscheinen. Insbeson- 
dere tritt Meyer mit seiner Sippe im Minden'schen hervor, bis zu 25 Pro- 
cent aller Namen. 

Kechnen wir nun noch dazu, dass auch andere Namen, mit denen 
man in andern Gegenden an sich zufrieden sein würde, hier gern durch 
Zusammensetzungen noch näher bestimmt werden (wie Bowenschulte , Brink- 
schröder, Oberste -Kampmann, Hemkensamkenschnieder) , dass femer in 
Sprossformen der ersten Schicht das alterthümliche o sich häufiger erhalten 
hat (Danco, Teuto): so werden wir zugeben müssen, dass hier auf echt 
deutschem Boden, wo deutsche Bevölkerung und Sitte sich verhältnismässig 
ungeschwächt erhalten hat, auch die Namengebung eine ureigene und höchst 
bezeichnende ist, wie sie sich kaum in einem andern Theile Deutschlands 
findet. > 

Das oldenburgische Binnenland schliesst sich an den Küstenrand 
an, es bietet bei entschieden niederdeutschem Gepräge (sogar -borg st. bürg) 
wieder eine Fülle genetivischer Namen, in Kastede und Westerstede noch 
an 50 Procent, doch nach Osten hin stark abnehmend, während der Süden 
(Yechta) nebst den hannoverschen Kreisen Diepholz und Hoya schon zum 
westfälischen Charakter überleitet. 



20. Genauere Angabe der Vertheilung der Familien -Namen in Niederdeutschland. 75 



Auch im östlichen Hannover zwischen Weser und Elbe, dem alten 
Ostfalen, finden sich noch bedeutende Anklänge an die westfälische Namen- 
gebung, indem die örtlichen Elemente, namentlich hrinh, hrock, hörst, kamp 
noch weithin ausgestreut sind, östlich bis an die ehemalige slavische, südlich 
bis an die hochdeutsche Sprachgrenze. ^ Indessen sind sie doch entschieden 
weniger zahlreich, und die Ableitungen hrinher, kämper u. s. w., sowie die 
etwas langathmigen Zusammensetzungen (auch auf kotier) fehlen. Dasselbe 
tritt bei dem Namen Meyer hervor, der auch hier ausserordentlich häufig 
erscheint, jedoch überwiegend einfach, während in Westfalen die Zusammen- 
setzungen auf -meyer vorherrschen. 

So bietet diese Namengebung trotz vielfacher Verwandtschaft doch nur 
ein sehr abgeblasstes Bild der westfälischen. 

Dagegen gehen die Patronymika in wesentlich unverminderter Häufig- 
keit hindurch. Als neu treten hinzu eigenthümliche Ortsbezeichnungen auf 
'bostelj 'hörn, -sen (Abkürzung aus -sheim)^ z. B. Rodenbostel , Ehrhorn, 
Bdlersen (wie diese schon unter den Kreisstädten durch Fallingbostel, Gif- 
hom, Wennigsen vertreten sind. 

Als Verkleinerungsform begegnet hier zuerst häufiger ke (wofür bisher 
das friesische je imd das genet. ken oder gen)^ insbesondere nach dem Wend- 
lande und der Altmark hin. 

Im Kreise Dannenberg erinnern Ortsnamen wie Lüchow, Liepe 
daran, dass wir nunmehr die Linie überschritten haben, welche die slavi- 
schen Eroberungen vor dem 9. Jahrhundert bezeichnet, dass wir uns in 
dem hannoverschen Wendlande befinden, wo (in den Ämtern Lüchow und 
Gartow) bis ins vorige Jahrhundert hinein wendisch gesprochen wurde und 
in der Volksmundart noch jetzt einzelne dem Wendischen entlehnte Aus- 
drücke sich erhalten haben. 

Hier stossen nun auch unter den Familien -Namen wendische Formen 
wie WiebclU0y Gldbbatz^ Gramüsch auf. 

Und so kommen wir zu dem Nordosten Deutschlands, dessen Charakter 
im Allgemeinen als niederdeutsch -wendisch zu bezeichnen ist. 

Nordost. 

Der Nordost umfasst die weitausgedehnten Ebenen östiich der Elbe, 
die seit Gründung der Nordmark in jahrhundertelangem Eingen den Slaven 
(Wenden) wieder abgewonnen wurden, d. h. das östliche Holstein, Meklen- 
burg, Brandenburg, Pommern, West- und Ostpreussen, bis zur polnischen 
beziehungsweise littauischen Sprachgrenze im Osten und Südosten (s. S. 70) 
und bis zur Grenze des Hochdeutschen im Süden. 



1) Westlich durch die niederrheinische Landschaft (besonders Eeg.-Bez. Düsseldorf), 
wenn auch in stark verminderter Menge. 



76 20. Genauere Angabe der Vertheilung der Familien -Namen in Niederdeutschland. 

Hier, in der Heimat Fritz Eeuters, wird man auch in den Familien - 
Namen noch den niederdeutschen Charakter ausgeprägt erwarten. 

Derselbe zeigt sich in Namen wie Schröder und Schrader, Pieper, 
Voss, woneben die hochdeutschen Formen (Schröter, Pfeifer, Fuchs) weit 
seltener vorkommen, ferner in Namen wie Kruse (besonders in Holstein, 
Meklenburg, Vorpommern), Niemann, Grote (Groth), Möller, Schütte u. a.,^ 
ebenso in den von Ortsnamen entlehnten auf -beck (st. -bach), -htisen 
(st. -hausen). Selbst der ursprüngliche niederdeutsche Name von Salzwedel: 
Soltwedel, als Ortsbezeichnung längst verhochdeutscht, hat sich noch als 
Familien -Name erhalten. 

Dazu treten die Verkleinerungen auf -he (Lüdicke, Lemke, Wilke, 
Jahnke)^ welche hier so recht ihre Heimat und Geburtsstätte haben. 

Doch überwiegt das Niederdeutsche hier im Osten, von Holstein und 
Meklenburg abgesehen, nicht so wie im Westen. Es ist gerade in den 
Namen nicht mit solcher Entschiedenheit festgehalten worden; der Übergang 
in das Hochdeutsche ist merklich weiter vorgeschritten. Als ein auJBfallender 
Beweis bietet sich der Name Schulz, der in Westfalen meist noch Schulte 
lautet (auch in Meklenburg häufig Schult), während dies in Brandenburg 
und Pommern eine seltene Form ist. 

Andererseits sind entschieden hochdeutsche Formen hier nicht selten, 
namentlich die Deminutiv -Bildungen mit und ?, wie Barz, Kunze, Wetzet, 
Neitzel, zu denen Zwitterformen wie Neitzke den Übergang bilden. 

Solche Namen auch in der Landbevölkerung weisen wohl darauf hin, 
dass die deutsche Einwanderung in diese dem Slaventhum allmählich wieder 
abgewonnenen Gaue, wenn auch überwiegend aus Niederdeutschland, doch 
theilweis auch aus oberdeutschem Sprachgebiet erfolgt ist. 

Patronymische Bildungen, die in Ostholstein noch beinahe 20 Procent, 
in Meklenburg aber nicht mehr 10 Procent betragen, verschwinden weiter- 
hin fast ganz. 

Von der schwedischen Herrschaft sind einige Familien, besonders 
in Neuvorpommern, welches bis 1815 schwedisch war, sitzen geblieben. 
Doch sind diese „alten Schweden" schon sehr dünn geworden; in einem 
Kataster der Stadt Stralsund vom Jahre 1844 (Verzeichnis der Hauseigen- 
thümer) fanden sich nur noch acht unzweifelhaft schwedische Namen, wie: 
Sjöborg, Wallengreen, Weström, 

Nun aber ist die wendische Beimischung zu charakterisiren. Dass 
in diesen Landschaften ausserordentlich viel wendische Ortsbezeichnungen 
auch nach der Rückgermanisirung in meist wenig veränderter Form stehen 
geblieben sind, ist schon in der Einleitung angemerkt worden (Genaueres 
darüber in Beilage 3). Dies beeinflusst nun auch die Familien -Namen, 
welche ja zum guten Theile einfach übertragene Ortsnamen sind. Unter 



1) In Meklenburg auch Kroger, Köster, Schriewer. 



21. Stillstand oder Bewegung in der Namenwelt? 77 

ihnen schlagen vor die auf ow, demnächst die auf in (betont) und iti3j wie: 
JSütow, Grdbow; Leppin, Ladenthin y Pentzien; Buhlitz, Gerwitz. 

Neben diesen halbschlechtigen Namen, die, auf dem linken Eibufer 
(Altmark), auch noch in Ostholstein vereinzelt, auf dem rechten sich bis zu 
10, ja in Pommern in manchen Kreisen fast bis zu 20 Procent steigern, 
treten nun, zuerst in der Priegnitz, vollgültige wendische Person -Namen 
auf, als da sind: NoacJc, Mitdaff^ Petrick, Nimz, Pescheh,^ 

Doch bleiben auch hier die deutschen Namen ganz überwiegend in 
der Mehrheit, der Art, dass. Alles zusammengerechnet, die wendischen kaum 
irgendwo ein Drittel der gesamten Zahl erreichen. 

Ihre Zahl wächst allerdings überall nach der slavischen Sprachgrenze 
hin, so in Brandenburg nach der Niederlausitz, in Pommern nach der 
Kassubei hin. In Pommern bezeichnet der Küstenfluss Lupow etwa die 
Grenze, hinter welcher erst das Übergewicht der slavischen Namengebung 
hervortritt Wunderlich klingende Gebilde wie Gromöll, Pigorsch, Pio- 
traschke, Quardux beherrschen hier das Gebiet, während südöstlich, hinter 
Bütow, die sich vordrängenden -sM an die Nähe der polnischen Sprach- 
grenze gemahnen. 

Überspringen wir die Kassubei, so kommen wir zu dem schönen 
deutschen Stücke zwischen den beiden Angelpunkten Danzig und Königs- 
berg. Hier an der nördlichen Ostmark deutschen Wesens, wo drei Sprachen: 
deutsch, slavisch (in Masuren), littauisch zusammentreffen, zeigt sich eine 
sehr bunte Mischung auch im Bereiche der Familien -Namen. Die Grenze 
gegen diese beiden Sprachen ist im vorigen Kapitel angegeben; aber auch 
in dem verbleibenden deutschen Theile sind häufig slavische und littauische 
Namen (s. Beilage 3) eingesprengt. Doch können diese weniger auJBfallen, 
als eine eigen thümliche Klasse unter den deutschen Namen, nämlich die 
mit entschieden süddeutschem Gepräge wie: Fischöder, Scharfetter, Bohr- 
moser, Obersperger. Diese Namen, welche auf Österreich (und Baiern) 
hinweisen, sind durch die 1724 aufgenommenen Salzburger hierher verpflanzt. 

21. 
Stillstand oder Bewegung in der Namenwelt? 

Der Prozess der Festwerdung der Familien -Namen ist, nachdem auch 
die letzten Nachzügler (s. S. 29 und 65) sich ihm haben anbequemen müssen, 
nunmehr seit länger als einem halben Jahrhundert zum Abschluss gelangt. 



1) Aus -ek entwickelte sich -ike, wie in Pawelke aus Pawelek, Mardschinke aus 
Marcinek. In andern Fällen wurden volle Vocale (a, t) abgeschwächt, wie in Jütersonke 
aus JtUrzenka, Falbitzke aus -ki. Dadurch haben die Namen auf ke, aus mehreren Quellen 
fliessend, solchen Zuwachs erhalten, dass sie in Hinterpommem (etwa 15 Proc.) dreimal so 
zahlreich als in Vorpommern sind. 



78 21. Stillstand oder Bewegung in der Namenwelt? 

Es fragt sich aber, ob damit nun ein völliger Stillstand auf diesem Gebiete 
eingetreten, ob nicht auch hier bei genauerer Betrachtimg eine Bewegung 
zu erkennen ist, gleichwie der Spiegel eines scheinbar still und todt daüe- 
genden Gewässers doch eine leichte Bewegung auf der Oberfläche verräth. 
Diese Frage ist entschieden zu bejahen ; einen völligen Stillstand giebt 
es auch auf diesem Gebiete nicht. 

1. Es sterben Familien aus und damit auch Familien-Namen. 
Dies lässt sich am leichtesten bei adeligen Geschlechtern verfolgen. So starb, 
um nur ein Beispiel aus diesem Jahrhundert herauszugreifen, im Jahre 1836 
zu Stralsund Graf August Wilhelm von Mdlin als Letzter eines Geschlechtes, 
das nach einer Äusserung des geistreichen und gemüthvoUen Mannes „ älter 
war als die Stubbenkammer" (Berghaus, Sprachschatz der Sassen). 

2. Vorhandene Namen werden geändert. Besonders häufig ist 
der Übergang aus der mundartlichen in die hochdeutsche Form, namentlich 
auf niederdeutschem Sprachgebiete: Möller in Müller, Röwenhagen in Buben- 
hagen u. a. noch in neuester Zeit (s. Beilage 2). Davon abgesehen werden 
vereinzelte Namen aus den mannigfachsten Gründen geändert: Czech in 
Echt, Kamphaus in Kamphausen (s. das Namen -Lexikon). 

3. Es bilden sich neue Namen — zunächst durch Zusammen- 
setzung zweier: bei adeligen Geschlechtern infolge Verschmelzung zweier 
Familien, deren eine bis auf eine Erbtochter erloschen ist: von Kleist- 
Retzow, Henckel von Donnersmarck — bei Schauspielerinnen, die im Fall 
einer Verheirathung den Namen, unter welchem sie berühmt geworden, 
gern beibehalten: Hendel -Schütz, Birchpfeiffer. In einzelnen Fällen ist ein 
solcher Doppelname gestattet worden, um das Aussterben eines berühmten 
Namens zu verliindern, so Bessert-Nettelbeck (des Colberger N. Schwiegersohn). 

In einigen Gegenden ist es Sitte, den Vatemamen der Frau mit dem 
eigenen zu verbinden. Beispielsweise nannte sich Hollweg nach Frankfurter 
Sitte Bethmann- Hollweg ; bei dem Sohne kam dieser Doppelname bald in 
alleinigen Gebrauch und wurde auch 1840 von Friedrich Wilhelm IV. geadelt 

Endlich entstehen Namen, wenn auch nur ganz vereinzelt, durch 
vöUige Neubildung. Dies wird hauptsächlich der Fall sein bei Findlingen 
und bei Proselyten. So hat ein dem Verfasser persönlich bekannter Pro- 
selyt sich Bussin genannt, von dem Hauptwort „Busse" mit Anlehnung 
an die Ortsnamen auf in. 



/■^ 



Beilage 1. 
Godeberaht. * 

a) Die im Altdeutschen inögHchen Bildungen (s. S. 24). 

Einstämmig gekürzte Form Godo,^ zweistämmig gekürzt Godbo^ mit 
den Nebenformen Gobbo^ und Göbo.^ 

Hieraus als einfach verkleinerte Formen vermittelst dfer Endung ilo: 
Godilo^ mit den Nebenff. Godlo^'^ Gollo^ und Golo,'-^ sowie Godbilo^^ mit 
doA Nebenff. Gohbilo^^ und Gobilo^^ — vermittelst der Endung izo: Go- 
dizo^^ nebst God^o,^^ Gozzo,^^ Gozo,^^ sowie Godbizo^'^ nebst Gobbizo^^ 
und Gobizo^^ — vermittelst der Endung iJco: GodiJco^^ nebst Godko^^^ 
Gokko^^^ Goko,^^ sowie Godbiko^^ nebst Gobbiko^^ und Gobiko.^^ 

Daraus wieder als doppelt verkleinerte Formen (l + n) Godilin^'^ nebst 
Godlin,^^ Gollin,^^ Golin,^^ sowie Godbilin^^ nebst GobbiUn^^ und Gobi- 
lin^^ — ferner {l + k) Godiliko^^ nebst Godliko,^^ Golliko^^ und Goliko,^'^ 
sowie Godbiliko^^ nebst Gobbiliko^^ und Gobiliko^^ — femer (<2f + ^i) tröd«- 
^rm^^ nebst Godzin,^^ Gozzin,^^ Gozin,^^ sowie Godbizin^^ nebst Gobbi- 
zin^^ und Gobizin^'^ — ferner (^ + l) Godizilo*^ nebst Godzüo,^^ Gozzilo,^^ 
Gozilo,^^ sowie Godbizilo^^ nebst Göbbizilo^^ imd Gobizilo^^ — ferner 
(^ + A) Godiziko^^ nebst Godziko^^^ Gozziko,^'' Goziko,^^ sowie Godbiziko^^ 
nfebst Göbbizilco^^ und Gobiziko^^ — ferner (Ä + w) Godikin^^ nebst 6rorf- 
kin,^^ Gokkin,^* Gokin,^^ sowie Godbikin^^ nebst Gobbikin^'^ und Go6^- 
A-m«8 — endUch (i + /) Godiküo^^ nebst Godkilo,'^'' Gokkilo,'^'^ Gokilo,'^^ 
sowie Godhikilo'^^ nebst Gobbikilo'^* und Gobikilo,'' ^ 



b) Die wirklich vorhandenen neudeutschen 



1. a) Gottbrecht 

b) GoUbrath. 

c) Gobbert 

d) Joppert, 

e) Göppert; Göpper. 

f) Juppert 

g) Gdbert 

Gen. Goverts. 

2. a) Gohde, 

Gen. Gohdes — 
patr. A. Goding, 



b) 6föde. 

Gen. Göden; Gö- 
dens; Göens, 

c) Gödde. 

d) 6fäde. 

e) Gwde. 

f) 6?o^Ä6; Go^Ä. 

g) Gö^Äa; Göm. 
h) Z^ö^A. 

i) 6?o«e; 6?o« (^6fo«- 



Familien-Namen. 

k) 6föY^e; Gö«. 

Gen. Götten — 
patr. A. Götting, 
1) Zb«. 
m) Gute (Guthe); Gut 

(Gutmann), 

Patr. A. Guting. 
n) 6rwfe; Gm^ä. 

Patr. A. Güting. 
o) Gutte(Guttmann). 
p) eTÄ^^e. 



80 



Beilage 2. 



4. Gubbe, 15. 

5. a) Göb, 

Gen. Goben, 
b) Gube. 

6. a) Godel (Godel- 

mann), 

b) Gödel. 

c) Göthel. 
Patr.A. Göthling, 

d) GoUel 

e) Gö^^e? (^6?6Y^eZ- 

f) Güttel 

7. a) Gö^«ö. 1^- 

Patr. A. GöttUng, ^^' 

b) Patr. A. Güthling, 

8. a) Golle ; Goll (Goll- 

mann). 

Patr. A. Golling, 
b) Gö/Z. 

c) 6rif//. 

9. a) r?oÄZ. 

b) JbAZ. 21 

c) Göhle; Göhl. 
Patr. A. Göhling, 

11. a) Gobbel, 
b) Gö66e?. 

12. a) 6fö6eZ. 
b) GöpeZ. 



50. 



a) Gotz(Gotzmann), 
Gen. Götzens. 

b) JTo^^. 

c) Gotsch, 22. 

d) 6r055e; GöS5 

e) GöY^e; GöY^sr 
(Götzmann). 23 
Gen. Götzen. 

f) Gödsche; Götsch. 

g) Gutz(Gutzmann). 

h) 6i^^;8f. 

i) Gutsch. 
Göz. 

a) Gödike; Gödeke. 
Gen. Gödeken — 

Patr. A. Crörfe- 

b) Jödike. 

c) Göttig; Göttich. 

d) Gödeke. 

e) Gedicke. ^^• 

f) Güttich. 

a) Gödtke. 

Gen. Gödkens. 62. 

b) Göthge. 64. 
Gen. Götjes. 71. 

c) Gottke. 

d) Gottge. 

e) Gädtke. 



f) Guthke. 

g) Guttke. 
h) Güttke. 

a) Gocke. 
Patr.A. Göckingk 

b) Göcke. 
Gen. GöcÄs. 

Göke. 

Gen. Göken. 

a) GoMke. 

b) GöMke. 

a) Gotzel. 

b) Götzel. 

c) Kötzel. 

d) Gössel. 
Gen. Gosseis. 

e) Gössel. 

f ) Kössel. 

g) Götschel; GötscJd. 
h) Gützel. 

a) Götzke. 

b) Götschke. 

c) Göschke. 

Godeken. 
Göcken. 

a) Gockel. 

b) 6röcM. 

c) Göggl; Göggelein. 

d) Giickel. 



Beilage 2. 

Entwiekelungr einer Namenreihe während der Neuzeit.^ 



1600 


1650 


1700 


1750 


1800 


1850 


Arend 


Arendt, Amd 


Arndt 


Arndt 


Arndt 


Arndt 


Bardenflet, 


Bardenfleth 


Barenfleth 


Bahrenfleth, 


Bahnfleth 


Bomfleth 


-fleit 






Bahne- 






Bellin 


Bellin 


Bellin, BelUhn 


Bellin 


Bellin 


Bellin 


Boleman 


Boleman 


Boleman 


Bohlmann 


Bohlmann 


Bohlmann 


Brandt 


Brandt 


Brand 


Brandt 


Brandt 


Brandt 



1) Zusammengestellt nach den Kirchenbüchern der Gemeinde Wachholzhagen (Kr. Greifen- 
berg, Pommern), die in den Confirmanden- Verzeichnissen bis 1586, im Übrigen bis 1619 
zurückgehen. 



Beilage 2. 



81 



1600 


1650 


1700 


1750 


1800 


1850 


Donner 


Donner 


Donner 


Donner 


Donner 


Donner 


Ertinan 


Ert.man 


Erdmann 


Erdmann 


Erdmann 


Erdmann 


Geyer 


Gojar, Goyar 


Grojar 


Gojar 


Gauger 


Gauger 


Faire 


Hake 


Haacke 


Haack 


Haak (ck) 


Haak 


Knolle 


Knolle 


Knolle 


Knoll 


Knoll 


Knoll 


Köne 


Köne 


Köhne 


Köhne, Keine 


Köhn 


Köhn 


Eope 


Köpe 


Köpe 


Koipe 


Keupe 


Keup 


Kroger 


Kroger 


Krüger 


Krüger 


Krüger 


Krüger 


Krossin 


Krossin, 
Krössin 


Krössihn 


Krössin 


Krössin, 
Kressin 


Kressin 


Labes 


Labes 


Labess 


Labs, Laabs 


Labs, Laabs 


TiaAbs 


Landtbrecht 


Tiandtbrecht 


Tiandbrecht 


Landbrecht 




Ijambrecht 


Loitzin 


Loitzin 


Löyssihn, 
Lössin 


Lössin 


Lössin 


Lössin 


Lubbeke 


Lübbeke 


Lübbecke 


Lübbeke, 
Lübke 


Lübke 


Lübke 


Möller, MoDer 


Möller 


Möller 


Möller 


Möller 


Müller 


Nieman 


Nieman, Neu- 


Niemann, Neu- 


Niemann, Neu- 


Niemann 


Niemann 


Oldehaue, -hoff 


Oldehave, 
Olhaf 


Oldhoff, Olhoff 


Olhoff 


Olhof, ODhoff 


Ollhoff 


Pageukop 


Pagenkop 


Pagenkop, -pf Pagenkop 


Pagenkop 


Pagenkopf 


Placke 


Placke 


Placke, Plack 


Plack 


Plack 


Plack 


Rhaiii 


Eham 


Bhamm 


Ramm 


Ramm 


Ramm 


Ribe 


Rybe 


Riebe 


Riebe 


Riebe 


Riebe 


Rachel 


Euchel 


Rüchel 


Rüchel 


Rüchel 


Rüchel 


Steffen 


Steffen 


Steffen 


Steffen 


Steffen 


Steffen 


Stekelinck 


Stekelinck 


Steckeling 


Stekeling 


Steckling 


Stekling 


Timme 


Timme 


Timme 


Timm 


Timm 


Timm 


Witte 


Witte 


Witte 


Witte 


Witt 


Witt 



An diesen hier durch dritthalb Jahrhunderte verfolgten Namen zeigt sich 

1. ein allmähliches Schwinden der Form, besonders durch Wegfall 
eines e, so dass dreisilbige Namen zweisilbig, zweisilbige ein- 
silbig werden (s. Bardenfleth, Bolemann, Lübbecke, OldehoflF, 
Stekelinck — Arend, Hake, Bjiolle, Köne, Köpe, Labes, Placke, 
Timme, Witte); 

2. ein allmählich stärkeres Hervortreten des Umlautes (s. Krossin, 
Lubbeke, Moller, Rüchel); 

3. ein zum Theil schon früher, zum Theil aber auch sehr später 
Übergang aus der niederdeutschen in die hochdeutsche Form: 
Kroger schon um's Jahr 1700 Krüger, dagegen MöUer erst seit 1856 
Müller — während andere Namen standhaft die niederdeutsche 
Form behaupten (s. namentlich Ollhof, Stekling), oder nach einigem 
Schwanken wenigstens schliesslich bei ihr beharren (s. Niemann).- 

Ln Ganzen ist die Entwickelung eine naturgemässe, der sprachlichen 
Entwickelung correspondirend; nur zwei Namen weisen eine Entstellung 
auf: Kressin (st. des richtigeren Krössin) und Bomfleth (st. Bardenfleth, 
0. im Oldenburgischen). 

Heintze, Deatsohe Familien - Namen. 6 



82 Beüage 3. 

Beilage 3. 

Fremdspraehigre Namen in Deutsehland. 

a) Slavische. 

Schon bei der ersten Festsetzung der Familien -Namen mischten sich 
in bedeutendem Mass fremde Sprachelemente ein, und zwar slavische. 
Als die Hauptmasse der Germanen in der Völkerwanderung nach Westen 
und Süden zog, wurde der Osten Deutschlands fast ganz entleert, und die 
aus dem fernen Osteuropa hervordringenden Slaven rückten über Weichsel 
und Oder in die Lücke ein. Die wenigen Germanen, welche etwa in der 
ursprünglichen Heimat geblieben, konnten der herandringenden Slavenflut 
nicht Widerstand leisten, sie mussten sich unterwerfen und verschmolzen 
mit den neuen Einwanderern. Erst an der Elbe staute sich die Flut, und 
so füllten seitdem die Slaven in ihren verschiedenen Stämmen den Osten 
Deutschlands bis zur Elbe und Saale, ja zum Theil noch darüber hinaus. 
In Meklenburg sassen die Obotriten, in Brandenburg die Wilzen, 
Heveller u. a., in Pommern die Pomoren, im Meissnischen die Dale- 
mincier, in Schlesien die Belochrobaten u. s. w. Jahrhunderte lang sah 
die Elbe auf ihren beiden Ufern ganz verschiedene Völker: links die 
Deutschen (Sachsen und Thüringer), rechts die Slaven (Wenden), die sidi 
in unaufhörlichen Fehden und Beutezügen bekämpften. Mit den Karolingern 
begann der Eückschlag; doch erst seit der Hohenstaufenzeit drang die 
deutsche Nation wieder mit Stetigkeit vor. Im Süden wurde durch die 
Stiftung des Bisthums Bamberg und im Norden durch die Gründung der 
Nordmark an der untern Elbe die Grundlage gewonnen zu weiterem Vor- 
schreiten. Von da ab mussten die Wenden immer weiter nach Osten 
zurückweichen, und in jahrhundertelangen blutigen Kämpfen wurden die 
ausgedehnten Landschaften zwischen Elbe und Oder, sodann zwischen Oder 
und Weichsel grösstentheils dem Deutschthum wiedergewonnen. 

So gewaltsam man auch gegen die Wenden verfuhr, es verblieben 
doch viele in ihrer seit Jahrhunderten eingenommenen Heimat, mischten 
sich zum Theil mit den Deutschen und wurden allmählich germanisirt, oder 
wo sie in grösserer Masse zusammensassen, behaupteten sie sogar ihre Volks- 
thümlichkeit, ihre Sprache. So gab es in Hannover ein Wendland (im Lüne- 
burgischen), ebenso in Altenburg, wo die höchst eigenthümliche wendische 
Tracht sich bis zur Stunde erhalten hat; in Westpreussen bilden die Kassu- 
ben, in der Lausitz die Sorben noch jetzt bedeutende, wenn auch immer 
mehr zusammenschmelzende Inseln im germanischen Sprachmeer; Ober- 
gchlesien ist überwiegend slavisch, und von Südost dringen die Tschechen 
in Böhmen wie eine Halbinsel fast bis in die Mitte Deutschlands vor. ^ 



1) Bernhardi, Sprachkarte von Deutschland. — Kiepert, Völker- und Sprachen- 
karte von Deutschland und den Nachharländem. — Bich. Böckh, Sprachkarte vom 
preussischen Staate nach den Zählungsaufhahmen vom Jahre 1861, im Auftrage des Köni^ 



Beilage 3. 83 

Diese ursprüngliche Grundlage des Slavischen auch in längst rück- 
germanisirten Landschaften bekunden noch jetzt die Ortsnamen, die entweder 
slavisch oder neu deutsch sind. Alle Städtenamen auf gard, z. B. Naugard 
(Nowgorod = Neuenburg), alle Ortsnamen auf ow, Uz, in — und deren 
ist Legion — sind slavisch. Wie eine Sündflut hat sich das Slaventhum 
auf die Spuren unserer Altvordern gelegt.^ 

Daher nun so vielfache slavische Elemente auch in den Familien - 
Namen, besonders des östlichen Deutschland! 

Zunächst sind die von slavischen Ortsnamen abgeleiteten hervorzu- 
heben, unter welchen vorschlagen die auf 

in (betont): Cammin, v. Schwerin^ Stojentin; 
itz: BuhliU, v, Bewitz^ Nemitz; 
ow: V. Flotow, Gräbow, Vangerow. 

Doch sind diese nebst vielen mehr vereinzelten Bildungen, wie Balfam, 
Laabs (0. Labes), Boggatz, v. Wob^er^ nur bedingt hierher zu ziehen; 
denn wenn auch die Ortsnamen, welche hier zu Grunde liegen, slavisch 
sind, so ist doch die Art, wie dieselben mit Ergänzung eines Verhältnis- 
wertes oder auch durch einfache Übertragung (s. Kap. 14) zu Familien -Namen 
gestempelt werden, nicht slavisch, sondern deutsch, und sie treten also zu 
den deutschen Familien -Namen. (Näheres über diese ganze Namenklasse in 
dem Namen -Lexikon unter den Endungen in, itz (witz), ow). 

Nach slavischer Art wird von den Ortsnamen eine Ableitung gebildet 
mit der Endung sM (häufig im Deutschen shy geschrieben), z. B. Grabowski, 
„der Mann aus Grabow", Kaminsky, „der aus Kammin". So entsprechen 
sich femer: Lassan-jLa5saws%, hoschitz -Loschitzki, Fohlotz -Poblotzki u. s. w. 
Nur diese also sind als wirkliche und vollgültige slavische Bezeichnungen 
anzusehen (wenn auch vielfach in halbdeutscher Schreibung). 

Den adligen Namen ist im Deutschen dann noch das von vorgesetzt, 
welches streng genommen doch nur zu dem Ortsnamen selber passt: von 
Lisiecki, von ZelasinskL 

Zu diesen eigentlichen slavischen Bezeichnungen treten nun, ähnlich 
wie im Deutschen, Person -Namen mit ihren mannigfachen Sprossfoimen : 

a) ursprünglich slavische, z. B. die auf -slav (Ruhm): Mieczyslav 
„Schwertruhm"; 



statistischen Bureaus bearbeitet. — Nach der Zählung von 1871 befanden sich in Preussen: 
Polen (in den Provinzen Ost- und Westpreussen, Posen, Schlesien) 2415000, Wenden (in 
der Lausitz) 120000, Tschechen (in Schlesien) 50000 — zusammen 2585000 Einwohner 
slavischen Stammes. — In Osterreich ist reindeutsch nur eine Provinz, das Erzherzogthum. 

1) Es ist daher um so mehr gerechtfertigt, wenn, wie in neuster Zeit häufig in West- 
preussen (und Posen) geschehen, wieder deutsch gewordene Orte auch mit deutschen Namen 
versehen werden, und darin eine „Barbarei^ zu finden, ist eine wunderliche Anschauung. 

6* 



84 Beilage 3. 

b) kirchliche: Pawelek (von Paulus); Piotr (Petrus) nebst Petrik^ 
PechatscheJc, Pjoirash u. a.; 

c) Amts- und Handwerks -Namen: TToi^a (Schulze), PaÄwÄ;^ (Panek 
kleiner Herr, Junker), Koschnik (Mäher), Ptgorsch (piekarz 
Bäcker) u. s. w. 

In überwiegend deutschen Gegenden sind diese Namen grossentheils 
so umgewandelt, dass sie ein mehr deutsches Gepräge angenommen haben: 
Mit da ff , Pawelke,^ Woith — in überwiegend slavischen bestehen sie in 
unveränderter slavischer Fassung fort. 



b) Littauische. 

Littauisch Kedende finden sich unter deutscher Herrschaft hauptsächlich 
nur noch in den nördlichsten Theilen des preussischen Regierungsbezirkes 
Gumbinnen, nördlich von Insterburg und PillkaUen, doch auch hier viel- 
fach durch deutsche Ansiedelungen unterbrochen. Erst die Spitze nördlich 
von Tilsit, die alte Landschaft Schalauen, ist überwiegend littauisch, so dass 
hier die deutschen Orte als Inseln (auf Böckh's Karte gelb im littauischen 
Blau) erscheinen. Im Ganzen hat die Zählung von 1871 nur noch 147 000 Per- 
sonen mit littauischer Sprache ergeben. 

In den Familien-Namen tritt der ursprünglich littauische Bestandtheil 
natürlich noch in grösserem Masse hervor, da auch in den deutsch gewor- 
denen Gegenden viele Einwohner littauischen Stammes leben und die alten 
Namen, wenn auch theilweis entstellt, fortführen. Doch macht sich überall das 
Eindringen des Deutschen bemerklich, und so überwiegen littauische Fami- 
lien-Namen selbst unter der Landbevölkerung nur noch etwa in den Kreisen 
Heidekrug und Tilsit, halten den deutschen das Gleichgewicht in Memel, 
Ragnit, PillkaUen, bleiben aber in allen übrigen Kreisen in der Minderzahl. 

Unter den littauischen Familien -Namen stehen im Vordergrunde die 
ursprünglich patronymisehen Bildungen auf atis und aitis (vgl. griech. 
eiörjgy idÖTjg)^ welche dann auch verkleinernd gebraucht werden — z. B. 
Baltratis von Baltras (Balthasar), Obramaitis von Obramas (Abraham). 
Gewöhnlich haben sie die Endung is abgeworfen und erscheinen in der 
Form at, eit: Peterat (von Peter), Josupeit (Joseph). Am deutlichsten 
erkennbar sind nach ihrem Sinne die Ableitungen von Vornamen, wie die 
obigen; doch giebt es auch vielfache Ableitungen von Appellativen, wie 
Kaprolatis von Kaprolas (Korporal), selbst, wie es scheint, von deutschen 
Stämmen: Schneidereit. 



1) An dieser Stelle fliessen Slaviscli und Deutsch theilweis zusammen und es ist 
keine strenge Grenze zu ziehen, da manche Namen auf ke sowolil deutschen als slavischen 
Ursprunges sein können , z. B. Janke deutsche Verkleinerungsform von Johannes und auch 
slavische, durch Janek vermittelt. 



Beilage 3. 85 

Zu ihnen treten die Namen auf ies: Stachulies, und auf us: Schimkus, 
welche mit jenen zusammen gegen 80 Procent der littauischen Familien - 
Namen ausmachen. Dadurch erhält die Namengebung etwas Eintöniges, 
wenn auch nicht zu leugnen ist, dass manche dieser Namen, wie Ädomaitis, 
MocUUis, Laugallies recht vollen Klang haben. 

Auf ihrer Wanderung nach Westen erleiden diese fremdartig klingen- 
den Namen, von ihrer Heimat abgetrennt, manche Entstellungen: atis wird 
abgeschwächt in ates (Norekates), Obromeit abgeschliffen in Obermeit, die 
Endung at erscheint in schlechter Schreibung als adt, aih, aat 



c) Eomanische. 

1. Französisch. Hier kommen weniger in Betracht die 10000 Wal- 
lonen im rheinpreussischen Kreise Malmedy und die im Keichslande Elsass- 
Lothringen verbliebenen Franzosen (gegen 250000), als die Hugenotten, 
welche Ludwig XIV. durch seine Bedrückungen zur Auswanderung ver- 
anlasste. Als derselbe alternd samt seiner Umgebung von leichtsinniger 
Sittenlosigkeit zu heuchlerischer Frömmigkeit übergegangen war, begann er 
die Protestanten in seinem Keiche zu verfolgen, um durch ihre gewaltsame 
Bekehrung sich ein Verdienst im Himmel zu erwerben. Durch Vertreibung 
und Hinrichtung ihrer Geistlichen, durch Schliessen und Niederreissen ihrer 
Kirchen imd Schulen, durch Wegnahme ihrer Kinder, um sie im Katholi- 
cismus erziehen zu lassen , suchte er sie zum Abfall von ihrem Glauben zu 
bringen, sodann durch Entziehung ihrer Gewerbsrechte imd ihrer Sitze in 
den Gerichtshöfen, endlich durch die berüchtigten Dragonaden oder Ein- 
lagerungen von Dragonern und andern Soldaten. Schon jetzt wanderten 
viele Protestanten aus, und als gar durch den Widerruf des Ediktes von 
Nantes (1685) der Protestantismus in Frankreich für aufgehoben erklärt 
und auf die Ausübung dieses Cultus Todesstrafe gesetzt ward, verUessen 
nach und nach, trotz strenger Grenzbewachung und Androhung der Galeren- 
strafe, viele tausend gewerbfleissige Menschen ihr Vaterland und fanden 
theils in den Niederlanden und in England, theils in Deutschland Aufiaabme. 
Hier war es besonders Friedrich Wilhelm der grosse Kurfürst, welcher den 
Flüchtigen (Refagiös) bereitwillig eine neue Heimat gewährte. Seit 1672 
wurden in Brandenburg an 25000 Hugenotten aufgenommen, vorwiegend 
in den Städten. Daher noch jetzt die französisch -reformirten Gemeinden an 
vielen Orten in Preussen, z. B. in Berlin, Magdeburg, Stettin u. a., aber 
auch in Süddeutschland, z. B. Erlangen. 

Zu Ende des 18. Jahrhunderts sind in den Stürmen der Revolution 
auch Viele geflüchtet (Emigranten), und wenngleich die Meisten später 
wieder nach Frankreich zurückgekehrt sind, so haben doch auch manche 
es vorgezogen, in der inzwischen liebgewonnenen neuen Heimat zu ver- 



86 Beilage 3. 

bleiben, wie der Dichter Adalbert von Chamisso (mit vollständigem Namen: 
Louis Charles Adelaide de Chamisso de Boncourt, von dem Schlosse B. in 
der Champagne).^ 

Daher nun häufig französische Namen in Deutschland, wie Palmierj 
Betac, du Mesnil, besonders im Heere: Loucadou^ de Courbier e (der 
„König von Graudenz" 1806), Forcade, de la Motte -Fotique und viele 
andere, darunter manche berühmte Namen auch von Gelehrten: Savigntf, 
Michdet, Carriere, du Bois - Reymond. 

Fast immer sind diese Namen unverändert erhalten, wenn sie auch 
im Volksmunde manchmal wunderlich entstellt werden: Boüelet in Budlee, 
Geneola in Schellack. Nur in vereinzelten Fällen ist eine Verdeutschung 
erfolgt; so hat sich Buttmann , der bekannte griechische Grammatiker, aus 
franz. Boudemont germanisirt. 

2. Italienisch. Italiener sind über die Alpen gezogen besonders als 
Kunsthändler und Conditoren. 

Die italienischen Familien -Namen enden auf a: CoUa, die berühmte 
Buchhändler- Firma, Sola, Bonewendura (entstellt aus Bonaventura) — auf 
: Belmanzo — meist aber und in grosser Einförmigkeit auf i: Bentivegni, 
MarsegU, Sparagnapani, Bertinetti Dieses i erklärt sich als Pluralform, 
„einer aus der Familie so und so", z. B. der CiUadiniy während das 
Appellativ im Sing, cittadino lautet. — 

Ganz vereinzelt erscheinen, damit doch alle Nationalitäten Europa's 
in Deutschland vertreten seien, selbst im Norden, am Gestade der Ostsee 
magyarische Familien -Namen: Böszörrmny^ Kedesdy, Ja dem Verf. ist ein 
Nachkonmie eines Kosaken bekannt, mit dem klangvollen Namen Nawüai- 
nukj dessen Nachkommen sich freilich Iwan (russisch = Johann) nennen. 

1) Bei seiner Eückkehr von der Keise um die Welt an Bord des „ Eunk " (im J. 1818) 
begrtisste Ch. Deutschland mit folgenden so schönen wie einfachen Versen: 

„Heimkehret fernher aus den fremden Landen, 
In seiner Seele tiefbewegt, der Wandrer; 
Er legt von sich den Stab und kniet nieder 
Und feuchtet deinen Schoss mit stillen Thränen, 
deutsche Heimat! — Woll' ihm nicht versagen 
Für viele Liebe nur die eine Bitte: 
Wenn müd' am Abend seine Augen sinken, 
Auf deinem Grunde lass den Stein ihn finden, 
Darunter er zum Schlaf sein Haupt verberge." 
Wie viele geborene Deutsche beschämt dieser Fremdling! 



n. 



Namen-Lexikon. 



Vorbemerkungen. 



ahd. bedeutet althochdeutsch. 


N. bedeutet Name. 


angels. 


n 


angelsächsisch. 


niederd. 


5> 


niederdeutsch. 


Bacm. 


n 


Bacmeister , germanistische 


0. 


n 


Ort. 






Kleinigkeiten (I. Alte 


oberd. 


n 


oberdeutsch. 






Namen). 


ON. 


?j 


Ortsname. 


Bed. 


n 


Bedeutung. 


patr. A. 


?> 


patronymische Ableitung. 


DW. 


n 


Grimm , deutsches Wörter- 
buch. 


patr. Zus. 


« 


patronyuusche Zusammen- 
setzung. 


einst. K. 


n 


einstämmige Kürzung. 


PN. 


n 


Person -Name. 


EN. 


n 


Eigen -Name. 


Eitt. 


?> 


Eitters geographisch -statisti- 


F. 


n 


Form. 






sches Lexikon. 


FN. 


n 


Familien -Name. 


südd. 


5) 


süddeutsch (südlich vom 


Forst. 


» 


Förstemann, altdeutsches 






Main). 






Namenbuch. 


V. 


n 


Vollname. 


Gen. 


n 


Genetiv. 


VMf. 


n 


Verkleinerungsform. 


got. 


n 


gotisch. 


VN. 


» 


Vorname. 


Gott. ÜB. 


n 


Göttinger Urkundenbuch. 


westf. 


» 


westföJisch. 


Jh. 


n 


Jahrhundert. 


zsgz. 


»> 


zusammengezogen. 


Kai. 


n 


Kalendertag. 


Zus. 


n 


Zusammensetzung. 


KB. 


» 


pommersche Kirchenbücher. 


zweist. K. 


» 


zweistämmige Kürzung. 


Klemp. 


» 


Klempin, diplomatische Bei- 
träge. 


I. II. III. 


» 


die drei Schichten inner- 
halb der h'üi, (Abhandlung 


mhd. 


» 


mittelhochdeutsch. 






Kap. 1). 



Bei der ersten Schicht beachte man, dass die Aufeinanderfolge der an zweiter Stelle 
befindlichen Zusammensetzungs- Elemente diese ist: baldy ber, heraht, bod, brand, brord — 
dag — frid, funs — gang, gar, gard, gast, grim — hard, hari, heim, hrabaUf hroc, 
hrod — laiCf laif, land — man, mar, mod, mwnd — nanth, nod — rad, ric — scalc, 
stain — thanc — wald, ward, wig, win, wulf. 

Den neuhochdeutschen FN. sind die altdeutschen Vollnamen in der , soweit erreichbar, 
ältesten und ursprünglichsten Form vorangestellt — wenn nicht urkundlich nachgewiesen und 
nur vorausgesetzt, in Klammer, z. B. unter Band: Bandhard, aber (BandheriJ. Die 
gekürzten altdeutschen Formen dagegen sind, wenn auch nachweisbar, der Baumerspamis 
wegen nicht durchgängig aufgeführt worden. Eine Zahl bei einem altdeutschen Namen, z. B. 
Arnust 8., bezeichnet das Jahrhundert, in welchem derselbe zuerst nachweislich wird. 

Alle von Ortsbezeichnungen abgeleiteten zusammengesetzten Familien -Namen suche 
man unter dem Grundwort, z. B. Bärenreuth, Vogelreuter unter Beut 



A. 

A III. got. ahva, ahd. aha, mhd. ahe „flie- 
ßendes Wasser" (urverwandt mit lat. aqua) — 
bildet schon in der ahd. Zeit unzählige Namen 
auf - aha , wie Fuldaha , neben denen selt- 
nere Formen auf -«a, -ach, -a hergehen. 
Heutzutage ist die häufigste F. -ach. Diese 
Namen von Flüssen sind dann auch auf 
daran liegende Orte und von diesen auf 
Familien übertragen worden. 
FN. Altena (= zur alten A). Berka. von 
Bibra (aus Biberaha, Biberfluß). Fulda, 
abgeschwächt Fulde, 
Aalderk s. Athal (Y.). 
Aalfs 8. Ath (V.). 
Aapken s. Ath (zweist. K.). 
Abben s. Ath (zweist. K.). 
Abbrecht s. Ath (V.). 
Abbt s. Abt. 

Abe, Abek- s. Ath (zweist. K.). 
Abel a) I. s. Ath (zweist K.). b) II. hebr. 

Hebel, Habel „Hauch". 
Abele, -ing s. Ath (zweist. K.). 
Abend m. in mehreren Zusammensetzungen: 
Braunabend, Faßlabend. Feierabend. — 
Auch Abendroth. 
Aberell HL „April", auch Aberill — der 
F. nach aus dem 12. — 14. Jh. Aus späterer 
Zeit Aprill; Aprell. 
Abieh, Abiek, Abo s. Ath (zweist. K.). 
Abraham II. hebr. „Vater der Menge" (s. 
1. Mos. 17, 5). 

FN. (meist jüdisch) : Abraham, zsgz. Abram 
(mit der ursprünglichen Form des N. 
wieder zusammenfallend). Gen. Abra- 
hams; Abrams (beide ostfries.). Patr. 
Zus.: Abrahamsohn; Abraham son. 

Abram s. Abraham. 

Abreeht s. Ath (Y.). 

Abt lU. ahd. abbat, mhd. abbet (aus dem 
syrischen abbas „Yater", welches in die 
kirchliche Sprache aufgenommen wurde) der 
^meister über die münche". 



-ach III. 1) vom ahd. aha (s. A). 

2) vom ahd. -ahi (= lat. -etum), bes. wenn 
der erste Theü der Zus. eine Baum- 
gattung bezeichnet, wie z. B. in Weidach 
(Weidicht). 

FN. von Erlach. 

3) nicht deutsch, aus der keltischen Endung 
-acum, -ociis entstanden, wie in Ander- 
nach aus Antuwnacum u. vielen andern 
rheinischen Städte -N. 

FN. Echternach. Gappenach. Greizenach 

(wohl aus Kreuznach). 
Ableitung von ON. auf -ach (oberd.): 
FN. 1) ' acher: Brettnacher (0. Brettenach 
in Lothringen). Breisacher. Bei- 
nacher. Staudacher. 
2) 'ächer (-echer): Eisenächer. Ho- 
lecher (Hechingen; 0. Holach in 
Mittelfranken). 
-acher 9 -tteher s. -ach. 
Achter III. ahd. aftar, mhd. after, niederd. 
achter „hinter" — in mauchen Zus.: Ach- 
termbosch. Aditermeyer. 
Achtermbosch III niederdeutsch (niederrhein.) 
„hinter dem Busch" (S. 53). So auch wohl 
Agternkamp „hinter dem Kamp". 
Acke s. Ath (einst. K.). 
-aeker a) I. aus ahd. wacar „wachsam". 
FN. Gonnacker. Heinacker. Bothaxiker 

(8. Andresen, Personennamen S. 47). 
b) III. aus „Acker", zunächst Ortsbezeich- 
nungen, dann durch Übertragung Fami- 
lien -N. bildend. 
FN. Breysigacker (0. Dreißigacker). 
Dinktlacker. Eichacker. Hofacker. 
Hohenacker. Bothenacker, 
Ackermann III. mhd. ackerman „Ackers- 
mann". Latinisirt Agricola. 
Ada s. Adam. 

Adam II. hebr., als N. des ersten Menschen 
vielfach zum Yomamen verwendet. 
FN. Adam, mit der eigenthümlichen Zus. 
Karrenadam, — Gren. (lat.) Ada; 
Adamif Adamy — (deutsch) Adams. 



90 



Adden 



Agin 



Adden 9 Ade s. Ath (einst. E.). 

Adebahr III. mhd. mniederd. adebar (jetzt 

nur noch niederd. „Adebar") „Storch". 
Adel- s. Athal (V., einst. K.). 
Adelt 8. Ath (V.). 
Adena s. Ath (einst. K.). 
Adeijahn s. Hadrianus. 
Adiekes, Adix s. Ath (einst. K.). 
Adl- s. Athal (V.) — doch 
Adloff 8. Ath (V.). 

Adler a) I. s. Athal (V.). b) III. der „Adler", 
der König der Vögel, als Wappen- und 
Häuserzeichen beliebt. Zus. Steinadler. 
Güldenadler. 
Adnot, Adolf, -ph s. Ath (Y.). 
Adrian s. Hadrianus. 
Adt s. Ath (einst. K.). 
Aegidius II. griech. von der Ägis , dem Schilde 
des Zeus: der „Beschildete" ; ein seinerzeit 
berühmter Augustinermönch, Erzieher des 
nachherigen Königs von Frankreich, Philipps 
des Schönen, gest. 1316. 
FN.: Aegidi (aus dem Gen. Aegidii zsgz., 
wie die Monats -N. Juni, Juli aus Junii, 
Julii), JEgid/y. — Volksthümlich gekürzte 
F. : Gilles (vgl. holl. GiUis, franz. Gilles) ; 
Gillessen. 
Aemilius U. lat., N. der bekannten römischen 
Familie der Aemiher, vermischt mit dem 
deutschen Emilo (s. Amal). 
FN.: Millies; Mellies (S. 38). Zus. Wester- 
millies (westf.). Gen. Meilen (vgl. den 
ostfries. VN. Melle aus Aemilius). 
Vklf. Mielke; Mielck. 
AG I. ahd. ekka, mhd. ecke, qqqq (vgl. lat. 
acies) „Ecke", Kante, bes. in dem Sinne 
von „Schneide, Schwertesschärfe; Schwert". 
FN. Agebald: Eihold, 

Agabert: Eggehr eckt; Eggehert — 
Eckebrecht; Eckbert — Eiberi; 
Eyber. Gen. Egberts. 
Agafrid: Eiffert. 
Agihard: Eggard; Eggert - Egert 

— Eckhard; Eckard, Eccardt ; 
Eckert — Eichhardt; Eichert 

— Eiert. Gen. Egts. Patr. A. 
Eggerding — Eckarter (südd.). 

Agihari: Egger — Eckher; Ecker 

(Eckermann) — Eier. Gen. Eggers 

(Eggersmann westf.j — Egers. 

Patr. A. Eggering. 

Vklf. (1) : Eckerle. (1 + n) : Eckerlin. 



Agemar: Einier, Gen. Eimers. 
Agarich: Eirich. Gen. Eggerichs; 

Eggericks (ostfries.). 
Agiovald : Egold — Eckold; Eckhöld; 

Eckelt. Gen. Eckholz. 
Egward: Eckwert. 
Agiolf : Egolf; Egloff — Eckwolf. 
Einstämmige Kürzung Ag-. 
Agio, Eggo, Ecko, Aio: Egge — Ege — 
Ecke; Eck — Aye; Ey. Gen. Aggen 

— Eggen; Eggens (Kleinegges westf.) 

— Ecks, Ecken — Eggena (ost&ies.). 
Patr. Zus. Axen (aus Aggesen vom 
ostfries. VN. Agge). 

Vklf.(k)Agico: Eicke; Eyk. (Jen. 
Alken, Eiken. 

Aggen 8. Ag (einst. K.). 

AGIL I. Weiterbildung von Ag (berührt aich 
z. Th. mit Athal, in Formen ohne i in der 
ersten Silbe, wie Ehlert, s. Andresen S. 28). 
FN. Agilperht: Eüebrecht — EUbrecht; 
Elbracht; Elbert. 
Egilger: Elger. Patr. A. Elgering. 
Agilard: Eilhard; Eylert — Ehlert. 
Gen. Eilderts (ostfries.) Patr. A. 
Eüerding — Ehlerding. 
Agelhar: Egeler — Eckler. Gen. 

Ehlers. 
Agilrich: EiVrich. 
Agilward: Elwert. 

Einstänunige Kürzung Agil-. 
Agilo, Egilo, Eilo: Agel - Egel — Eyle 
Ehle. Gen. Egells — Eils. Patr. A. 
Egeling — Eyling. Patr. Zus. Eüsen. 
Vklf. (k): Eilcke. 

AGIN I. Weiterbildung von Ag. 
FN. Aganbert: Gen. Eigenbertz. 

Aginard (Eginhard, Karls des Grofien 
Schreiber und Biograph): Eginard 
— Einhardt; Einert — Enet» 
Gen. Ehnders (ostfries.) — Einis 
(ostfries.). 

Agenar: Agner — Ahner — Egner. 

Aginald: Ahnelt — Ahnelt, 

Aginulf: Egenolf. 

Einstämmige Kürzung Agin-. 
Agino, Egino, Eine: Egen — Eine — 
Ehne. Gren. Eins — Ennen (ygL 
ostfries. VN. Enno). 

Vklf. (k): Einicke — Efiigk — 
Enke. Patr. A. Enking. 



AgiB 



Ambiosius 



91 



AGIS I. got. agis, ahd. agiso, eMso „Schrecken^. 
FN. Egisrik: Eisrich. 

(Agisold): Eiswdldt; Eisolä; Eiselt. 

Aglaster m. ahd. ägalasträ, mhd. ägelster 
„Elster". 

Agpner s. Agin. 

Agprieola III. Latmisii-ung für Ackei'mami 
und Bauer, Auch für Schnitter (Joh. 
Schnitter aus Eisleben , hervorragender mär- 
kischer Theolog des 16. Jh., von welchem 
•auch die bekannte Sprichwörtersammlung 
herrührt). Aus Agricola wieder Grickel (s. 
Tschiersch, Formwandlungen deutscher Ge- 
schlechtsnamen S. 6). 

Aurternkamp s. Achtermbosch. 
Ahl -, lU- s. Athal (V., einst. K.). 
Ahlff 8. Ath (V.). 
Ahmer s. Ath (Y.). 
Ahn- s. Agin. 
Xhnelt s. Agin. 

Ähren-, Ahrn- s. Ann (V., einst. K.). 
Alken s. Ag (einst. X.). 
ALB I. (got. albs) ahd. mhd. alp, angels. älf, 
altnord. älfr „Elf" (S. 18). 
FN. Alberad (Alfred); Elfrath. 

Albarich: Elfreich, Gen. Alverichs. 
Einstämmige Kürzung Alb-. 
Albo, Alpho: Elbe — Älf — Elfe, Gen. 
Alben; Alves — Eiben; Elven. 

Vklf. a) Albila: Albel — Elbel 
(k): Albig, (k + n): Elpken, 

Alb- 8. a) Athal (V.), b) Alb. 

ALD I. got. altheis , ahd. alt „alt", altsächs. ald. 
FN. Altduom: AUum. 
Aldhard: Äldthardt, 
Althar: Alder — Alter; Altherr. 
Aldman: Ältmann — Oltmann — 
OUmcmn — Olümann. Gen. ^4.?^- 
ma/nns - Oltmanns. 
Alderich: Alderich — Oltrich — 

Haltrich. 
Alduig: Altwig — Oltwig — Olvng. 
Aldwin: Altwevn. 
Einstämmige Kürzung Ald-. 
Aldo, Halto: Aide — Alte; Alt — Halte 
— OJde — OUe — OhU, Patr. A. 
Aldiog: Alting, 

Aleff, Alefs s. Ath (Y.). 
Alexander n. griech. „männerabwehrend"; 
aofier Alexander dem Gr. Namen mehrerer 



FN. Alexander. Mit Kürzung im Anlaut: 
Xamler — Zander (s. Pott S. 111, 
wonach in Elbing Alexander als YN. in 
Zander gekürzt wird). 

Alexius II. griech. „Helfer", N. vieler ost- 
römischen Kaiser. 
FN. Gen. Alexi. Gekürzte FF.: Allex - 
Lex. Patr. A. Lexer (süddeutsch, s. 
S. 35). 

Alf- s. a) Alb b) Ath (Y.) c) Athal (Y.). 

Alger s. Athal (Y.). 

Alheim s. Athal (Y.). 

Alitz s. Athal (einst. K.). 

Aljets s. Athal (Y.). 

Alk- s. Athal (Y., einst. K.). 

Allard s. Athal (Y.). 

Alle s. Athal (einst. K.). 

Allebracht, Allerd-, Allers s. Athal (Y.). 

AllerhelHgren III. verkürzt aus „Tag aller 
Heiligen", Festtag in der katholischen Kirche 
— auch mehrfach als ON. vorkonunend. 

Allex s. Alexius. 

Allgäuer ni. „einer aus dem Allgau" in 
Yorarlberg. 
FN. Allgeier; Allgayr; Allgöwer (worin 
noch das urspr. w — ahd. gawi — er- 
halten ist). 

Allgeier, Allgöwer s. Allgäuer. 
Allm-, Allram, Almer s. Athal (Y.). 
Airich s. Athal (Y.). 
Alt- s. Ald. 

Altherr a) I. s. Ald b) III. mhd. altherre 
„alter, angesehener Herr", insbes. „Yorsteher 
einer Gemeinde". 
Alv- s. Alb. 
Alw- s. Athal (Y.). 

AMAL I. wohl zu altnord. aml „Arbeit". 
' FN. Amalhari: Amler — Emeter .— 

Emmier. 
Einstämmige Kürzung Amal-. 
Amala, Emilo: ^w€fe. Qteü. Amels. Patr. 
A. A malung 5: Ameiwng; An\elong; 
Amelang (auch Amerlang); Anibelang; 
Ammeling, Gen. Amelings (ostfries.). 

Amann s. Ammann. 

Ambelang s. Amal. 

Ambrosios II. griech. „der Unsterbliche" ; der 
berühmte Kirchenlehrer, geb. zu Trier, gest. 
397 als Bischof zu Mailand, ein Haupt- 
begründer des Kirchenliedes in der abend- 
ländischen Kirche, nach welchem auch der 



92 



AmbüU 



Ans 



„ambiosiamsche Lobgesang^ (Te Deum lau- 
damas) benannt ist. 
FN. Änibrosius. Gen. Ämbrosy. 
Mit Kürzung im Aaslaut: Ainbros; Am- 
brosch (oberdeutsch, vielleicht aus dem | 
tschech. Ambroz). 
Mit Kürzung im Anlaut (niederd. ?) : Bro- 
sms; Brose (s. S. 37;. 

Vklf. (1): Brösel, (k): Brösicke; 
Bröske — Brösgen. 
Ambtth] III. „der am Bühel d; i. Hügel". 
Amdohr s. Amthor. 

Ameis III. das wegen seines „emsigen" (von 
der Nebenf. Ämse) Fleißes sprichwörtl. ge- 
wordene Insect (s. Sprüche Sal. 6, 6). Doch 
eben so gut zu altd. Amizo 9. Jh. 
FN. Ameis — Omeis. i 

Amel- s. Amal. 

Amende III. „der am Ende des Ortes Woh- \ 

I 

nende"; auch getrennt: am Ende, 
-amer s. Heim III. j 

Ammann III. ahd. ambahtman , mhd. ambet- 1 
man, ambtman, amman „niederer Beamter; \ 
urtheilsprechende Gerichtsperson". 
FN. Ammatin; Aniann — Avimon. 
Ammeling s. Amal. 
Ammer s. Ath (V.). 
-ammer s. Heim III. 
Ammon s. Ammann. 
Amthor III. „der am Thore wohnt". Auch 

niederd. Amdohr und entstellt Amthauer. 
Ander- s. Andreas. 

Anderbrttgg III. niederd. „der an der Brücke". 
Anderheit III. „der an der Haide" vgl. Van- 

derheidt. Auch Anderheiden. 
An der Meulen III. (Geldern) „der an der 

Mühle". 
Andreas II. giiech. „der Mannhafte"; der 
Apostel , Bruder des Petrus (Kai. 30. Nov.). 
FN. Andreas; Andrea; Andres (mit 
langem e); Andrieß; Anders, in breiter 
oberd. Ausspr. Andersch — Ander (An- 
dermann). Gen. Andrea; Andrä; An- 
dree (Andree); Andre (Andre). Diese 
Accente deuten schwerHch auf franz. 
Ursprung, sondern sind leidiger Vor- 
nehm thuerei und Ausländerei entsprungen. 
Patr. Zus. Andreren (mit langem e in 
der mittleren Silbe); Andreessen; An- 
driessen — Ander söhn; Anderson; 
Andersen. 

Vklf. (1) : Ändert (bair.) — AnderUr. 



Mit ümlautong des a in e (oberd.): JSn- 
dres; Endriß; Endraß; Enders; 
Endre. 

Vklf. (1) : Enderle (schwäb.). (1 + n) : 

Enderlin; Enderlein. 

Mit Kürzung im Anlaut: Ihrees; Dreese; 

Dreis — mit den Zus. Dreesmann; 

Dräseman/n; Driesemann. Patr. Zus. 

Dreassen; Dreessen. 

Vklf. (k): Dräseke — Dreske 
(doch s. auch Thras). 
Zerdehnt: Drewes; Drews; Dreefs (vgl. 
VN. Dreiwes = Andreas in Hildesheim, 
Pott S. 97; Drewes als VN. in KB., 
z. B. Drewes Köster). Patr. A. Dre- 
wing. Patr. Zus. Drewsen. 
Vklf. (k): Drewke. 
Anesorge s. Ohnesorge. 
Angel- s. Angil (V., einst. K.). 
ANGIL I. gemischten Ursprungs: der Stamm 
Ingo (germanischer Gott), erweitert durch 
das Suffix 1, traf mit dem christlichen 
Fremd werte angil (angelus, Bote Gottes, 
Engel) zusammen und bildete so die Doppel- 
quelle dieses zwitterhaften Angil (Förstemann 
S. 89). • 

FN. Angilberht: Engelbrecht ; Engelbert ; 
Engelbrett. Gen. Engelbertz; Engel- 
barts. 
Ingilbodo: Engelboth. 
Angilfrid: Engelf ried. 
Angilhart: Engelhard — Englert. 

Gen. Engelart s (ostfries.). 
Angelher: Engeler; Engler. 
Angilman: Engelmann, Englmann. 
Ingalrad: Angelrath. 
Engilscalc: Engelschall. 
Einstämmige Kürzung Angil-. 
Angilo, Engilo, Ingilo: Angell — Engel 
— Ingel. Gen. Engels (EngelsmannJ. 
Patr. A. Engling. 

Vklf. (k) : Engelke (Vorname Engelke 

Mandüvel 1362). Zus. Engelkemeyer. 

Gen. Engelken; Engelkes; Engel-' 

kens. — Patr. A. Engelking. 

Anhuth UI. „ohne Hut" (ahd. äua, mhd. äne 

„ohne"). 
ANS I. zu altnord. äs, angels. os „(jott" 
(S. 18). 

FN. Ansobert: Asbcrth; Asbahr — O«- 
barth; Osbahr. 
Ansiprand: Asbrand — Aspem. 



Ansorg 



Am- 



93 



Ansher: Änser — Oser, 
Anshalm: Änselm, 
Osman: Aßmcmn — Osmann. 
Ansmar: Oßmer, 
Ansmod: Assemuth; Äsmuth. 
Ansemund: Osmund. 
Ansovald: Osewaldt; Osioald. 
Einstämmige Eürzmig Ans-. 
Anso, Aso: Ass. Patr. A. Assinfj — 
Osing. 

Vklf. (1) Ansilo, Ensilo, Asilo: 
Ansei — Ensle — Asel. (1 + Ji) • 
Enslin. (k) Ansich: Oske. 
ABSorgr 8. Ohnesorge. 
Antenbrink m. niederd. „Entenbrink^. 
Antonius II. 1) der h. Antonius, der im 4. Jh. 
als Einsiedler in der thebaischen Wüste 
Ägyptens lebte. 2) Antonius von Padua, 
berühmter Prediger im 13. Jh., der auch 
den Fischen gepredigt haben soll. 
FN. Antonius; Anton. Gen. Antonie 
Antony — (deutsch) Antons. 
Mit Kürzung im Anlaut : Tonius — Tön- 
nies (VN. in KB.) — Tönges; Tönni- 
ges (Thonyghes van dem bome 1458 
Pomm. Urk.) — mit j ostfriesisch: 
Tonjes; Tönjes. Doniges — Dönni- 
ges; Dönges. 
Apel- 8. Ath (V., zweist. K.). 
Apfel ni als FN. in den Zus.: Eichapfel. 

Güldena/pfel. Kühnapfel. Holzapfel. 
Apitz 8. Ath (zweist. K.). 
Apollonius II. griech. „der Apollonische", nach 
dem Gotte Apollo; Märtyrer unter Kaiser 
C<»nmodus im 2. Jh. 
PN.; Plönnies — Lönnies (dreisilbig zu 
sprechen PlÖnni-es, oder Plönjes, s. 
S. 38). 
App- 8. Ath (V., zweist. K.). 
Aprill, Aprell s. Abereil. 
AR 1. got ara, ahd. aro, mhd. ar „der Aar". 
FN. Arawald: Arold — Arlet; ArliU; 
zsgz. Arlt, 
Arulf: Arloff. 
ABB 1. got arbi, ahd. arpi, erbi, mhd. erbe 
„das Erbe". 
FN. Arbogastes 4.: Arhogast. 

Erbhart: Arhert — Arpert — Erhert. 
Erphari: Erber. 
Arbrih: Erbrich; Erbreich. 
Erpold: Erpold — Erbt. Patr. A. 
Erpelding. 



Einstämmige Kürzung Arb-. 
Arbio, Erbo: Arp (niederd. Taufhame noch 
1770 Brem. Wörterb.) — Erbe. Gen. 
Arps — Erbs; Erbsch; Erben. Patr. 
A. Erbeling — Erpling. 

Ardelt s. Hard (V.). 
Aren- s. Arin. 
Argelander s. Lehmann. 
ARIN I. erweiterte F. von Ar. 

FN. Arnbreht: Armbrecht — Arrenbrecht. 

(Arinhart): Arnhard; Arnert. 

Amheri: Erner. 

Amoald: Arnwaldt; Arnold; Am- 
holdt (zerdehnt Arenhold, AJhrend- 
hold); Arnal; Arneth — Arendt 
mit der Zus. Meier arend] Arnd — 
Ornold. Gen. Arnolds ; Arnholds ; 
Ahrnholtz — Arenz; Arndts, Amtz 
(lat. Arnoldi). Patr. Zus. Arndsen. 

Mit Kürzung im Anlaut (S. 23 Anm.): 
Noldt; Nolte (Abkürzung für Arnold in 
Elbing, s. Potts. 111) — Nölte. Gen. 
Nolden — Zus. Kleine -Nolten (westf.), 
latmis. Noltenius. Patr. A. Nölting. 

Vklf. (k): Nöldecke. (k + n): 
Nöldechen. (z): Noltze. 

Einstämmige Kürzung Am-. 
Arno: Arnemann — Äh/ren — ErtM, 
Gen. Ahrens. Patr. A. Arning — Ah/r- 
ning. Patr. Zus. Arnesen. 

Vklf. (k): Arnecke; Arnke. Gen. 
Arenkens (ostfries.). 

Arl- 8. Ar. 

Armborst s. Armbrust. 

Armbreeht s. Ann. 

Armbriester s. Armbruster. 

Armbrust III. vor dem 12. Jh. nicht erschei- 
nend, durch Verdeutschung aus dem mlat. 
arcubalista entstanden. 
FN. Armbrust; Armborst. 

Armbruster in. mhd. armbruster. 1) „Ver- 
fertiger von Armbrüsten"; 2) „Armbrust- 
schütze". 

FN. Armbruster ; Armbröster ; Armbriester 
— von Ärmst (Zuszhg. aus Armbrust): 
Ärmste^'. 
Armengaud, Armerding, Armgard s. Irrain 

(V.). 
Ärmster s. Armbruster. 

Am- 8. Arin. 



94 



Amust 



Athal 



ARNÜST I. ahd. emust, mhd. emest, emst 
„Ernst", d. i. urspr. der ernsthafte, ent- 
schlossene Kampf. 

FN. (Zsgesetzte N. bisher nicht nachge- 
wiesen.) 

Amust 8.: Ernest — Emst. Patr. 
A. Ernstmg. 
Arp- s. Arb. 
Arrenbreeht s. Ann. 
Art- s. Hard (V., einst. K.). 
As- s. Ans. 

ASC I. ahd. asc, mhd. asch „die Esche", deren 
Holz zu Sparren und Schiffen verwendet 
wurde, dah. auch „Eschenspeer; Boot". Im 
Mhd. heißt die Esche geradezu sperboum. 
FN. (Aschard): Äschert — Eschert 

Aschari: Äscher (Äschermann) — 

Escher. 
Ascman: Eschmann. 
Ascaiich: Eschrich. 
Ascolt: Äschhold. 
Asculf: Eschloff. 
Einstämmige Kürzimg Asc-. 
(Asco): Äsche; Äsch — Esche. 

Vklf. (1): Eschle. (k): Äschke — 
Eschke. 
Asehenbrandy -breniier III. s. S. 41. 
Ascher, Asehhold s. Asc. 
Asmus s. Erasmus. 
Aß-, Ass- s. Ans — doch 
Aßmy s. Erasmus. 
Assemaeher, Assenmaeher III. halbniederd. 

= Achsenmacher. 
ATH I. Stamm zu Athal „Adel", mit welchem 
es mehrfach zusammenfließt. (Athaulf, Goten- 
könig, Schwager des Alarich 5. Jh.). 
FN. Adabald: Äppold; Äppelt — Äpelt. 
Athuberaht: Abbrecht — Äppert — 

Abrecht; Äbert. 
Adamar: Ammer — Ähmer. 
(Adanot): Ädnot. 
Athald: Adelt 

Athaulf 5.: Adolph; Ädloff — Äleff, 
zsgs. Ählff, Gen. Adolfs — Älefs; 
Äalfs (ostfries.). Patr. A. Älfing. 
Patr. Zus. Ädolphsen. 

Mit Kürzung im Anlaut: Dolf. 
Gen. Dolffs. 
Einstämmige Kürzung Ath-. 
Ado, Atto: Äde; Ädt Gen. Ädden — 
Ätten. — Ädena (ostfries.). — Ätsma 
(ostfries.). 



Ykif. (k) Athacho, Aoco: Äcke. 
Gen. Ädickes; Ädix, (z) Azo: ÄUe. 

Zweistämmige Kürzung Athb-. 
Abbo, Abo: Äppe — Äbo; Äbe. Gren. 
Äbben, 

Vklf. (1): Äppel (Äppelma/rm) — 
Abele; Abel (Ähelma/nnJ — Äpd. 
(jQn. Abels. Patr. A. -4&cKn^. (1 + n): 
Äbelein. (k): Äbich; Äbick. Gen. 
Äbeken — Äapken — Äbekena 
(ostfries.). Patr. A. Äbeking. (z): 
Äpitz. 

ATHAL I. ahd. adal, mhd. adel „Geschlecht, 
Adel", ein in EN. nur anlautend, aber außer- 
ordentlich häufig gebrauchter Stamm. 

FN. Athalbald: Älbold. 

Athalberaht: Älbrecht; Älbrdcht; 
Albert. Zus. Älberternst (München) 
— ÄllebracfU — Ählbrecht — 
Ehleh-acht. Gren. Älberts, Älbertz 
(lat. Älberti). Elbregts (ostfries.). 
Patr. A. Elperting. Patr. Zus. 
Älbertsen, 

Adalbrand: Ahlbrand — EUbrandt. 

Athaldag: Ältag. 

Athalfrid: Älfert (Alf ermann). 

Adalgar: Älger; Älker. 

Adalgis: Ädelgeiß. 

Adalgoz: Ädlgos. 

Adalgrim: Ählgrimm. 

Adalhaid f. : Gren. Äljets (ostMes. von 

dem weibl. VN. Aljet == Adelheid, 

s. Euprecht S. 7). 
Adalhard: Äde^hardt — Äüard; 

Ällerdt — Ählert — Edelhardt — 

Ehlert (doch auch zu Agil). Patr. 

A. Äll&i'ding. 
Adalhari: Ädeler; Adler — Ähler — 

Edder. Gen. Allers — AMers — 

Ählers. Patr. Zus. Alle^'ssen. 
Adalhahn: Adelhelm — AlMm. 
Adalraban: Allram, 
Adalhrod: AMroth. 
Adaiman: Ädelmann — Ällmann — 

Ahlmann. 
Adalmar: Älmer. Gen. ÄUmera. 
Athalaricus 4.: Älrich — ÄaMerk 

(fries.). 
Adelstein: Ädelstein. 
Athalwart: Adlwerth — Ählwardt — 

Edelwerth. 



Atsma 



Augustinus 



95 



Adalwich: Alwich, 
Athaluin: Alwein, 
Emstämmige EtirzuDg Athal-. 
Adalo, AUo, Edilo: Adel — Alle — Ahle; 
AM — Edde; Edel — Elle — Ahle; 
EM, Gen. Adels — Allen — Ahlen — 
Edels — Ehlen. Patr. A. Adalunc: 
Adelung — Eddeling — Ehling. 

Vklf. (k) Alico: Ahlig; Ahlke, 
Gen. Alken, (z) Alizo: Alitz, 
Atsma, Atten, Atze s. Ath (einst. K.). 
Au III. 1) deutsch vom ahd. awa, ouwa, rahd. 
ouwe. urspr. „Wasser, Fluß" (vgl. Königsau 
in Schleswig) ; diese Bed. tritt aber im I^ufe 
der Zeit immer mehr zurück und die eines 
„bewässerten Wieewigrandes" immer mehr 
hervor. Nhd. Aue, Au — dänisch ö (Insel) 
— friesisch og (Wangeroog u. a.). 
Au in vielen ON. zweites Glied der Zus. 
PN. Btichenau. Kronau, von Babenau, 
2) slavisch, aus ow verdeutscht (s. ow). 
FN. Bülau neben v. Bülow, v. Bantzau 
neb. Banzow. Stremlau neb. Stremloiv. 
Ableitung auf -er (oberd.): 
FN. Blumauer. Eichenauer, Kronatier. 
Bheinauer. Wiesenauer, — Helmsauer 
(Helmsau). Hilsensauer (Hilsens - au) 
(meist jedenfalls von 1) und oberdeutsch; 
ans Norddeutschland nur in modern jüdi- 
schen N. wie Warsdiauer), 
AUB I. got. aud- (in audags selig), altsächs. 
od, ahd. 6t- (in otak reich), „reicher Erb- 
besitz, Erbgut". 

FN. Autbald: Oppelt — Opelt; Opet. 

Audoberht: Atbdebei't — Odehrecht; 

Odebrett; Odenbrett — Opjpert 

(Oppermann — Obbermann) — 

Obrecht; Obert; Ober. Gen. Aupers 

— Oppers. 

Vklf. (1): Oberle. (1 + n): Auber- 
len — Oberlin. 
Autfrid: Auffemiann — Offer. Gen. 

Offers — Ofers. 
Audagar: OUiger — Ötiker — Ötker 

— Ockermcmn — Ocker. 
Autgart: Ockardt — Ökert. 
Audchar (Hothar): Oder — Otter 

(Ottemicmn) — Hotter. Gen. Oters. 

Patr. Zus. Otersen. 
Otleib: Otlepp, 
Aatman: Odemann — Othemann — 

Ottmawn. 



Audomar: Othmer — Ohmer — 

Ommer. Patr. A. Omermg. 
Audericus: OdHch — öttrich. 
Audulf : Oloff, zsgz. Ohlf. Gen. Olfen. 
Patr. Zus. Olfsen. 
Einstämmige Kürzung Aud-. 
Audo, Odo, Hoto: Audt — Ode — - Otto; 
Otte; Ott (mit den Zus. MeieroUo; 
Schwarzott) — ötte — Holho; Hoth 
— Hotto; Hotte. Gm. Oden — Ottes^ 
Otten (Zus. Ottenjan); Ottens (Zus. 
Ottensmeyer). Patr. A. öding — 
Otting — Odinga (ostfries.). Patr. 
Zus. Ottsen. 

Vklf. (1) Audüa: Aul - Öddel — 
öttle — öhle. (k) Audac, Occo: 
Otke — Öck. Gen. Oetken; Oetjen 
(ostfries. oe = 6) — Ottjes (ostfries.) 
— Ocken. Patr. A. Ockwga (ostfries.). 
(k + 1) Ochüo: Ockel, Ockhl (OckeU 
marm). {z) Anzo: Autze — ötzmann. 
(z + 1) Ozüo: Ötzel 
Zweistämmige Kürzung 1) Audb-. 
Oppo, Opo (Stark 118): Oppe. Gen. 
Oppen — öppen — Oben. 

Vklf. (1): Oppel; Opel; Obel. Gen. 
Obels. (k): öbbecke. (z) Opizo 
(Stark 145) ; Oppitz — Opitz — Obitz. 
Zweistämmige Kürzung 2) Audf-. 
Ofifo: Offe — Off. Gen. Offen. 
Vklf. 0): Ofele. 
Zweistämmige Kürzung 3) Audm-. 
Ommo, Omo: Ohme; Ohm — Ohme. 
Gen. Ohmen — Ohms — Ommena 
(ostfries.). Patr. Zus. Ohmssen. 

Vklf. (k): Ohmich; Ohmcke — 
Öhmigke ; Ohmke. (k + n) : öhmichen. 
-auer s. Au. 

Auf dem Garten III. s. S. 53. 
Auffenbergr III. = „auf dem Berge", vgl. 
Martinus Updenberge (Klemp.). So auch 
wohl Aufenacker = „auf dem Acker". 
Auffermann s. Aud (V.). 
Auge III. in mehreren Zusammensetzungen; 
bes. nach der Farbe (wie Wemher der 
Grünaug 1404) : Bothauge ; Bodaug. Gans- 
äuge. Weinauge. 
Augustas II. lat. „der Erhabene", Beiname 
des ersten römischen Kaisers Octavian. 
FN. August. Gen. Augusti. 
Augustinus II. Ableitung von Augustus; der 
h. Augustinus, der große Kirchenlehrer, 



96 



Aul 



Bach 



Bischof zu Hippo (jetzt Bona) in Afrika, 
gest. 430. 

FN. Augustin — entstellt Augstein. Gen. 
Augustin/y. 
Mit Kürzung im Anlaut: Stinus. 
Aul s. Aud (einst. K.). 
Aupers s. Aud (V.). 
aus^m Werth III. „aus dem Werder" (Insel) 

8. S. 54. 
AÜST I. zu ahd. östan, mhd. Osten „der Osten" ; 
scheint (wie west, nord, sund) solche Personen 
zu bezeichnen, die aus den genannten Welt- 
gegenden herstammen , deshalb nach Förste- 
mann's Beobachtungen bes. häufig bei den 
so weit nach Westen vorgedrungenen Franken. 
Da der Zug deutscher Stämme in der Völker- 
wanderung wesentlich die Richtung von Osten 
und Norden her hatte , erklärt es sich auch, 
warum diese beiden Himmelsgegenden in den 
altdeutschen PN. an Häufigkeit der Verwen- 
dung den Westen und Süden so sehr über- 
ragen. Doch haben mythologische Beziehun- 
gen mitgewirkt (Ostara, Gottheit des auf- 
steigenden Lichtes) — bei diesem Stamme 
auch christliche (Ostern), s. Austar. 
PN. Ostold: Osthold, 
(Osterih): Osterich. 
Einstämmige Kürzung: Ohst — Öste (Öst- 
mann). Patr. A. Oosting (ostfries.). 
AUSTAR I. Erweitenmg von Aust. 

FN. Austrouald: Osterwald (auch ON.); 
Osterhold. 
(Austreman): Austermann — Oster- 

niarm. 
Austrulf: Osterloff. 
Einstämmige Kürzung Austar-. 
Oster: Oster — Öster. 

VUf. (1): Österle. Patr. A. Oster- 
ling^*— Österling. (1 -[- n) Austro- 
lenus: österlin; Osterlein; Österlen. 
Austermtthle III. „aus der Mühle" (S. 54). 
Atttze s. Aud (einst. K.). 
ATenaritts III. Latinisirung für Habermann. 
Axen, Aye s. Ag (einst. K.). 

B. 

Baader s. a) I. Bad (V.) b) III. Bader. 
Baath, Baatz s. Bad (einst. K.). 
Babendererde III. niederd. (Moklenb.) „über 

der Erde" (in welchem Sinne?), vgl. Chon- 

radus uf der erde 1194. 



Babst s. Pabst. 

Bach in. ahd. pah, bah, mhd. bach, altsächs. 
biki bildet urspr. Flußnamen, dann auch 
Benennungen von Orten, die an den Flüssen 
liegen — heutzutage hochd. -hoch in tau- 
senden von Namen, niederd. -heck (spr. 
bäk, mit gedehntem, offenem e, daher auch 
in der Schreibung) -ftcfc, heek; -hecke. 
Häufig elliptisch: Weißenhach = zum weißen 
Bach; Langenbeck. 

FN. Bach (= am Bach, s. Lubbeke bi der 
beke fries. Urk. Pott 543). Zumbach. 

— Bachmarm. Anspach (mit dem alt- 
hochd. p). Hüspach. Perkhausen von 
Aiglspach (wie auch Pachmayr'MMch.). 

— Achefibach. Feuerbach. Grumbach, 
Hagenbach. Marbach, Boßbach. See- 
bach. Süßenbach. — Niederdeutsch: 
van der Beck, Beeck (Bek niederd. 
weiblich). Terbeck. — Billerbeck (Klemp. 
Bilrebeke). Düsterbeck, Einbeck, Gold- 
beck (Klemp. Goltbeke 1369). Langen- 
beck (0. in der Altmark, welchem hochd. 
Langenbach in Baiem, Nassau entspricht). 
Lilienbeck. Lutterbeck (0. Lutterbeck 
u. -bek). Mühlenbeck; ganz niederd. 
Möllenbeck (westf.). Overbeck. Bohr- 
beck. Schwanebeck. Schwa/rzenheck 
(neben hochd. Schwarzenbach). Seebeck, 
Steinbeck. Westerbeck, — Von dem 
Knesebeck (Kn. Dorf in Hannover). 

Selten -becke: Harbecke (0. im Begb. 
Arnsberg). Thorbecke (flämisch, deutsch 
Thorbeck 0. in Meklenb., Hannov.). 
Ableitung auf -er (oberd.): 

1) -pacher (mit dem ahd. p, nach s): 
Gerspacher, Binder spaciher. JSum- 
melspacher, 

2) -bacher: Embacher, Föhrenbcuiher. 
Kuchelbacher. Speckbacher. Stein- 
bacher. 

Daneben ist bemerkenswerth eine F. mit 
Umlaut : 

3) 'bächer, gew. -becher (wo dann der 
Schein einer Zus. mit dem Haaptw. 
Becher entsteht). Da diese F. seltner 
ist und bisher nicht recht erkannt zu 
sein scheint, dürfte es angemessen 
sein, dabei etwas länger zu verweilen. 
Während im Hochdeutschen die umlaat- 
&eie F. bei solchen Ableitungen von ON. 
auf -bach jetzt alleinige (Geltung hat, 



- bacher 



Bakker 



97 



z. B. „das Hambacher Fest" , „Weil- 
bacher Brunnen", weisen oberdeutsche 
Mundarten den Umlaut auf, z. B. die 
alemannische (Hebel : „'s Mam b e c h e r 
Hätteli", von Mambach im Oberrhein- 
kreis). Demnach finden sich: 

Weilbächer. Dörrenbächer , auch 
Dörrenbecher. Beichenbächer , auch 
'becher. Isselbächer, auch -becher 
(s. Verlustliste No. 91 : Isselbecher aus 
Isselbach, wo demnach die Zusammen- 
gehörigkeit recht in die Augen springt). 
Eberspecher neben Eberspacher (Mün- 
chen). Cumbecher. Eschenbecher. 
Leutbecher, Merschbecher, Nuß- 
becher. Odenbecher. Schneckenbecher, 
Stürzelbecher, Weidenbecher. Witten- 
becher. 

Zu diesen sämtlichen N. finden sich 
entsprechende ON. auf -bach in Kitter's 
Lex. Dem entsprechend werden auch 
Hulzenbecher und Seidenbecher abzu- 
leiten sein, und selbst Holzbecher, da 
es mehrere 0. Holzbach giebt (im 
preuss. Kgb. Koblenz , in Niederbaiem), 
obwohl der N. auch von einem Geräthe 
abgeleitet, „(der mit dem) Holzbecher", 
einen guten Sinn ergäbe. 
-bacher, -bächer s. Bach. 
Bftck s. Beck. 
Backe s. Bald (einst. K.). 
Backer s. Becker. n 

Backfisch IH. „Fisch zum Backen d. i. Brat- 
fisch". 
Backmeister III. auch Bacmeister, mhd. 
bachmeister „Aufseher der Bäckerei", Ober- 
bäcker. („Lütke oderLüdeke, d. i. Ludwig 
Willens war oberster Bäcker bei dem Herzog 
von Braunschweig zu Lüneburg, und da er 
hiemach aller andern Bäcker Meister war, 
so wurde er von den Hofleuten gemeiniglich 
„Lütke Backmeister" genannt. Sein Fürst, 
als er dies hörte, befahl, daß er und seine 
Nachkommen diesen N. immer als einen 
Geschlechts- und Zunamen führen sollten". 
Adolf Bacmeister, Germanist. Kleinigkeiten 
S. 16). 
BABI. zu altnord. böd, angels. beado „Kampf", 
die ein ahd. patu voraussetzen (S. 14). 
FN. Patager: Bagger - BäUger. 

Bathari: Bader — Bäder — Päder 
— Better, 

Heintze, Beatsohe Familien - Namen. 



Badomar: Battmer — Bammer — 

Pammer. 
(Badold): Badelt. 
Einstämmige Kürzung Bad-. 
Bado, Pato: Bade — Pahde — Bathe; 
Baath — Pathe — Beede — Päthe. 
Patr. A. Bading. 

Vklf. (1) Patilo: Padell — Pätel. 
(k) Baducho: Badeice — Battig — 
Bätke — Bethge — Pethhe. (z) Pazzo, 
Bezo: Batz — Patze — Batsch — 
Baatz. (z + 1) Bezilo: Batzel. 
(z + k) Bezeco: PatzUe; Patzig. 
Zweistämmige Kürzung Badb-. 
Babo, Papo: Pape (doch s. auch Pfaffe). 
Patr. A. Papinga (ostfries.). 

Vklf. 0) Babilo: Bebel. (k): Paple 
— Päpke. 
Bade, -ke s. Bad (einst. K.). 
Bader a) I. s. Bad (V.) b) III. urspr. der, 
welcher den Badenden bedient, dann „Be- 
sitzer einer Badestube" (Buggen des baders 
wingarten 1354. Hans Paders Padstuben 
1437 Bacm.). Derselbe schor auch den 
Bart. (Vgl. Badstüber). 
Badelt, Bäder s. Bad (V.). 
Bading s. Bad (einst. K.). 
Badstttber III. Die öffentliche Badestube 
(ahd. stuba, mhd. stube aus lat. stupa „heiz- 
bares Zimmer") , wo auch zur Ader gelassen 
und geschröpft wurde, spielte früher eine 
große KoUe im städtischen Leben, sie war 
vielfach der Mittelpunkt, an welchem sich 
Bürger zur Besprechung städtischer Ange- 
legenheiten versammelten. Daher zahlreiche 
FN., die auf Besitzer solcher Badestuben 
zurückgehen : 

Badstüber (wie es auch „Badstüber- 
straßen" giebt) — merkwürdig entstellt 
(sächs.) Patfchdieber. 

Dann getheilt 1) Bader. 2) Stüber — 
Stieber — Steuber. Niederd.: Stober — 
Stöwer (Gott. ÜB. 1383: Stovere). 
Mit dem n der schwachen Bildung: 
Badstübner — Stübener — Stöbener. 
Bagrger s. Bad (V.). 
Bahlmann s. Bald (V.). 
Bahr- s. 1) Ber (einst. K.) 2) Berin (V., 

einst. K.). 
Bahre s. Ber (einst. K.). 
Baintner s. Bund. 
Bakker s. Becker. 

7 



98 



Bald 



-baig 



BALD I. got. balths, ahd. pald, bald, mhd. 
halt „kühn" (jetzt nur noch ümstandsw. 
„bald*'); vom deutschen entlehnt itaL baldo. 

FN. Baldhard: BoUert — PoUart; Poliert 

— Böhlert. 
Baldher: Balter — Boiler — Bolder 

— BoUer — Poller — Böller, 
Pätr. A. Bcüdring, 

Paldhram: PcUdramits — Peldram. 

Baldroh: Poltrock, 

Baldman: Baldemawn — Bählmann 

— Boldemann — Boldtman/n — 
Bollmann — PoUmcmn — Bohl- 



ma/ivn, 
Baldemar: BaUmer — Palmer — 

Pöllmar, 
Baidarich: Baldrich, 
Paldewart: Bollward, 
Baldwig: Bällweg — BollwÖck, 
BaldaTin: BaMewem — Bolwin, Boll- 

toien — Pollwein — Bullwein. 
Baldulf: BaUauf— Balluff; Ballauf 

— Bolluf. 

Einstämmige Kürzung Bald-. 
Baldo, Ballo: Bälde; Bald — Bolde — 
BolU — Bölte - Bolle — Poll — 
Bohle — Bohl. Gen. Baldes — Bolten 

— Bohlen. Patr. A. Baidung: Balling 

— BoUing — BöUing — BöUing. 

Vklf. (k) Baldiko, Bolko: Balke - 
Backe (s. Stark S. 73; nordfries. 
Backe = Baidicke) — BoTke — 
Böldicke — Bölk — Bock (s. auch 
Burg). 'Patr. A. Böcking. (z)Balzo: 
Balze — Balleis — Boltze; Bolz 
(Boltzmann) — Polz. (z + 1): Pölzl. 
Auslautend (159 mal Porst.): 

-bald: Sobald. 

'bold: Siebold. 

'pold: Seypold — selten -polt: Seepolt. 

-blot: Humblot. 

'belt: Liebelt. 

-peU: Leipelt. 

'ball: NiedbaU. 

'bol: Sambol. 

'bei: Sybel. Gen. -bels: Siebeis. 

'Pd: Seyppel. 

'bet: Gerbet. Siebeth. 

-bt: Seibt. 



Balke s. Bald (einst. K.). 
Ball- 8. Bald (V., einst. K.). 



BaUsehmieter m. niederd. (Eugen) „Ball- 

werfer**. 
Balster s. Balthasar. 
Balter s. Bald (V.). 

Balthasar n. altpersisch Beltschazzar, Bel- 
sazar „Fürst des Glanzes", einer der h. drei 
Könige, wozu die Legende die Weisen aus 
dem Morgenlande gemacht hat (Kai. 6. Jan.). 
FN. Balthasar. Zsgz. ^aZ^rcr (als VN. noch 
im 18. Jh.: Baltzer Broswitz 1709 KB.) 
— Balster. Gen. Balsters (ostfries.). 
Mit Kürzung im Anlaut: Hauser (bair.). 
Balze s. Bald (einst K.). 
Balzer s. Balthasar. 
Bammer s. Bad (V.). 

Band I. zu longobard. bandn „Kriegsbanner", 
vgl. ahd. pant, baut, mhd. bant. Band (doch 
ist auch altsächs. bant, ahd. panz „Gau" 
in Betracht zu ziehen). 
PN. Bandhard: Bawnert. 

(Bandheri): Paeder — Bender. 
(Bandold): Bandhold. 
Einstämmige Kürzung Band-. 
Bando : Bando — Bante — Bonne (fries.). 
Patr. A. Bawnvng — Pawnvng — Ben- 
tvnck. 

Vklf. (1): Bändel (Bamdelmann) ; 
Bandle — Pandel — Bantel — 
Bendel. (1 + n) : Banddin. (k) : Bon- 
dich — Bantke — Pan/necke. Qm. 
Bantjes {oBiMes.). (z) Panzo , Benze : 
Pantz — PoMsih — Ba/nse — Benz 
— Bense. 
Bann-, Banse, Bant- s. Band. 
Baptista U. griech. „der Täufer" ; St. Johan- 
nes der Täufer. 
FN. BaUist 
Bar-, B8r- s. 1) Ber (V., einst K.) — 

2) Berin (V., einst K.). 
Bardelmes s. Bartholomäus. 
Bardenheuer III. der Barten (ahd. parta, 
mhd. harte, Beil, Streitaxt) zuhaut, an- 
fertigt. 
Bardolph s. Beraht (V.). 
Barends s. Berin (V.). 
Bärenfänger III. s. S. 41 — auch allgem. 
„Bäreiyä^er", da Bärenfang nicht bloß die 
angelegte Grube bed., in welcher sich B. 
fangen sollen, sondern auch überhaupt die 
Bärenjagd. 
Bftrens s. Berin (einst. K.). 
•barg, -iNirgen s. Beig. 



Bart 



Baum 



99 



Bart ni. der „Bart". Chonrad Mitembart, 
Ch. cum barba 13. Jh., Borchard mid dem 
barde 1381. Vgl. auch Eberhard im Barte, 
H. Ludwig mit dem Barte. 

Seit dem 12. Jahrh. ward (nach Schultze 
Modenarrheiten S. 43) das glatte Gesicht die 
Regel, und alle Bartformen waren Ausnah- 
men, besonders bei hohem Alter und hoher 
Würde (der Fürsten) sich findend. Daher 
mußte ein bärtiges Gesicht um so mehr 
auffallen und konnte um so eher zu einem 
Beinamen Veranlassung geben. 

Erst während der Reformationszeit begann 
man allgemeiner den Bart wachsen zu lassen, 
und wälu^nd des dreißigjährigen Krieges 
war derselbe in den mannigfachsten Formen 
Mode. Als solche zahlt Moscherosch auf: 
Zirkelbärtel, Schneckenbärtel, Jungfrauen- 
bärtel, Dellerbärtel, Spitzbärtel, Entenwädele, 
Schmalbärtel, Zuckerbärtel , Türkenbärtel, 
spanisch Bärtel, italienisch Bärtel, Sonn- 
tagsbartel, Osterbärtel, Lillbärtel, Spül-, 
Drill-, Schmutzbärtel , Stutz-, Trutzbärtei 
u. 8. w. 

FN. Bart, Barth, — Zus. Breitbart. 
Bunteharth. Flachshart, Judenbart. 
Rauschbart (vgl. Eberhard der Rausche- 
bart). Bothbart. Schlitzbart. Schmal- 
bart. Schweizei'barth. Spitzbart („Ever- 
hardus der Spizobart" Stark S. 153). 
Weißbart. 
Bart- 8. Beraht (V., einst. K.). 
-bart 8. a) I. Beraht b) IIL Bart. 
Bärtel s. a) I. Beraht (einst. K.) b) II. Bar- 
tholomäus. 
Barthol s. Bartholomäus. 
Bartholomftus II. hebr. „Sohn des Tolmai"; 
Apostel. (Kai. 24. Aug.) 
FN. Bartholomäus — Bartelmus — Bar- 
Hhelmeß — Ba/rdelmes — Bartlme. 
Gen. Bartholomä. 

Gewöhnlich wegen seiner Länge in zwei 
Hälften zerschnitten : 1) Barthol; Bärtel 
(vgl Schweiz. Bartli, bair. Bartl). 
2) Mewes (mit eingeschobenem w, vgl. 
niederd. Bartelmeews, Meewsdag : 24. Aug. 
üp ollen Bartelmeiwes : 5. Sept. nach 
dem alten, julianischen Kai. Berghaus, 
Sprachschatz der Sassen); Mews — 
Möwes; Möws — das w in b verhärtet: 
Mehus; Mebes — Möbus. Latinis.: 
Mevius - Möbius. Patr. Zus. Metvissen. 



Bastian s. Sebastianus. 
Bathe, Bätke s. Bad (einst. K.). 
Batt- 8. Bad (V., einst. K.). 
Bättger 8. Bad (V.). 
Batsch, Batz- s. Bad (einst. K.). 
Baueh III. in einigen Zus.: Breitenbauch 
(der mit dem br. B.). Giitschebauch. 
Schmerbauch. 
Bauck s. Baug. 

Bauer III. rahd. bür (auch büwaero, ahd. 
püäri, büäri) „der den Acker baut", Gegen- 
satz zu herre (Ritter), später auch zu bur- 
gaere. 

FN. Bauer i in älterer F. Baur. Oberd. 
Paur; Pauer. Niederd. Buhr — in 
Ostfriesland mit Artikel de Buhr, in 
holländischer Schreibung de Boer (S. 40). 
Vklf. (1) : Bäuerle (schwäh.) ; Bauer- 
lein. 
Zus. (bes. zahlreich im eigentlichen Baiem) : 
mit Vornamen: Kasparbauer — mit 
Eigenschaften : Jungbau&r — nach der 
Beschaffenheit des Hofes: Hallbauer, 
niederd. Hälbuer (Halb-) — nach der 
Lage: Oberbauer; Oberpaw. Mitter- 
bauer. Donaubauer. Holzbauer, niederd. 
Holtbuer. Mooshau^r (Moor-). See- 
bauer — nach den Erzeugnissen: 
Bosenbauer. Rubenbauer (Rüben-). 
Waitzenbauer — nach der Zugehörig- 
keit und Verpflichtung: Hoffbauer; 
Hofpauer. Kirchenpatier. Königs- 
bauer. 
Bauermeister in. vom mhd. bür Wohnung, 
eine städtische Obrigkeit = „Bürgermeister", 
auch auf ländliche Gemeinden angewandt 
(z. B. in der Umgegend von Münden in Han- 
nover, Pauli n, 27). 

FN. Burmeister — Baurmeister; Bauer- 
meiste^'. Niederd. Burmester (mit langem 
e in der mittleren Silbe). 
BAÜG I. wohl zu ahd. pouc, mhd. bouc „Ring" 
für Hals, Haupt oder Arm, von biugan 
„biegen". Die bouge waren ein sehr begehrter 
Schmuck der Helden. Baugulf 8. 
FN. Einstämmige Kürzung Baug-. 
Baueo : Bauice ; Bauck — Pauck. Gen. 
Bauhes; Bauken. 
Baum III. ahd. poum, boum, mhd. boum, 
altsächs. bom , mittels dativischer Ellipse zu 
ON. verwendet, zuerst im 11. Jh. in Buden- 
bomen — gegenwärtig nicht viel unter 200 



100 



Baum 



Becker 



bewohnte 0. auf -haum in Deutschland 
(außerhalb Deutschlands z. B. Oranienbaum). 
Andere FN. sind durch Häusemamen ver- 
mittelt , wie ein Haus „zum Mulboum" 1315 
zu Mainz , im 12. Jh. zu Basel war (s. Bück, 
oberd. Mumamenbuch S. 176 unter Maul- 
beerbaum) — noch andere sind unmittelbar 
von den Baumnamen abgeleitet; eine Schei- 
dung ist schwer durchzuführen. 

Vgl. Henr. Nuzboum 1223. Hinrik Hei- 
sterbom 1413. (Franz. Cerisier, Poirier). 
FN. Bau/m. — Zus. Apfelbaum. Birn- 
baum. Eichbaum; Eichelbaum. Esch- 
baum. Grrünbaum. Holderbaum; Hol- 
linderbaum. Honigbaum. Kienbaum. 
Kirschbaum. Nußbaum. Pappelbaum. 
Pfraumbaum. Quittenbaum. Bösen- 
bäum. Schlöhbaum. Weidenbaum — 
halbniederd. : Äppelbaum. Beerbaum. 
Blöbaum. Busenbaum. Dannenbaum. 
Kassebaum. Kreikenbaum, Nottebaum; 
NuUebaum — 

ganz niederd.: Böhm. Beerboom. 

Dannenbohm. Lindeboom. Nottebohm. 

Plumbohm. Bosenboom. 

Ableitung auf -er (Conrad Holderbäumer 

1285 Nassau. Heinr. dict. Kirsbaumer 

1297. Conrad Kosenbeumere 1299): 

1) 'baumer: Eschbaumer (Münch.). 
Kerschbaumer (tirol.). Nußbaumer. 

2) Bäumer. Ältenbäumer, Bnnkbäu- 
mer, Hägerbäumer. Hasenbäumer. 
HoUi/nderbäumer. Strothbäumer — 
alle in Westfalen , wo auch mehr ver- 
einzelt 

3) niederd. -bömer: Bwrgböhmer. Stein- 
bömer. 

Baum III. zur Bildung von Geräth-N., im 
Sinne von „Stange, Balken". 
FN. Heubatitm. Leiterbaum. Maibaum^ 
niederd. v. Meibom (Klemp. Meygbom). 
Schierbaum, Schurbaum (wenn = Schtir- 
baum). Schmtzelbaum. Wallbaum. 
Wiesbaum. Zugbaum, 
Banmaim III. mhd. büman „Ackerbauer", ein 
etwas edleres Wort als Bauer. (Daher in 
manchen Gregenden Pommerns die Formel: 
„der ehr- und achtbare Baumann und 
Wirt" in Grabschriften bis in die Gegen- 
wart herein die stehende Bezeichnung des 
bäuerlichen Besitzers). 
Baumstark III. „stark wie ein Baum". 



Baurenfeind in. der „Bauemfeind", vgl. Joh. 
Purenfint 1348. Heintz v. Eedwitz, Bawm- 
feind genannt 15. Jh. 
FN. Baurenfeind; Paurnfeindt (vermuth- 
lich daraus des Übeln Sinnes wegen um- 
geändert: Bauernfreunä). 

Bayer III. der Baier ^ mit dem alterthüm- 
lichen y, welches auch in der amtlichen 
Schreibimg des Volks- und Landesnamens 
in Bayern immer noch festgehalten wird. 
(Vgl. aber auch beier, baier = Eber 
Grimm DW.). 

Bebel s. Bad (zweist. E.). 

-beeher s. Bach. 

Becherer HI. Verfertiger hölzerner Trink- 
gefäße, der Becher (ahd. bechar) und der 
Schleif kannen. Förstemann, Progr. S. 4 (der 
hinzufügt, dass die Nordhäuser Gilde der 
Becherer im 15. Jh. verschwunden sei, ver- 
muthlich weil nun die metallenen und glär 
semen Trinkgefaße mehr in Gebrauch ge- 
kommen). 

Becht- s. Beraht (V., einst. K.). 
Beck III. ahd. peccho^ mhd. becke, aus der 
Schriftsprache durch „Bäcker" verdrängt; in 
oberdeutschen Mundarten noch jetzt der 
„Beck", Mehrh. die „Becken". 
FN. Beck, Beckh, Back (München: 49 
mal Beck, nur 17 mal Becker). 
Zus. (S. 44). Brodbeck (mhd. brotbecke). 
Fesenbeck. Hofbeck, Jungbeck, Klein- 
beck. Kornbeck („Korn" hier wohl in 
dem engeren Sinne von Boggen). Matz- 
beck, Sauerbeck, Täglichsbeck, Wasser- 
bäch (Würtemb.). 

-beek s. 1) Bach 2) Beck. 
Beckenhttbe III. „Pickelhaube", vgl. Peckel- 
hub 1434. 

Becker HI, ahd. bakäri, mhd. becker der 
„Bäcker". 

FN. Becker (mit seltenen Ausnahmen noch 
in der alten Schreibung mit e) , hin und 
wieder Bekker, welches auf niederlän- 
dische Einflüsse zurückzugehen scheint 
(s. Dekker). In Ostfnesland auch ohne 
Umlaut: Bäcker, Bakker (Borkum), 
vgl. neuniederl. bakker. Gren. Beckers 
(niederrhein.). 
Zus. 1) nach der Art des Gebäckes: 
Kwihenbecker. Semmelbecker, Stoüen- 
becker, Weckbecker, Weißbecker — 



-beoker 



Beraht 



101 



2) nach der Art des Backens und dem 
dabei verwendeten Geräthe: Kohlen- 
hecker. Ffannertbecker. Waterbecker — 

3) nach Unterschieden, die in der Person 
des Bäckers selbst liegen: Jungbecker. 
Netiibecker ., niederd. Niebecker. 

-becker s. Becker. 

Beede s. Bad (einst. E.). 

Beelke s. Bil. 

Beer- s. 1) Ber (V.) 2) Berin (einst. K.). 

Beerboom III. niederd. „Birnbaum". Halb- 
niederd. Beerbaum. 

Behl- s. Bil. 

Behm s. Böhme. 

Behn- s. Berin (V., einst. K.). 

Behr- s. Ber (V., einst. K.). 

Beiderlinden m. „bei der Linde" (S. 53). 

Beil a) L s. Bil b) m. mhd. bil das Werk- 
zeug, mit den Zus. Breitbeil. Eisenbeil. 
Klingbeil (Klemp. Klinckebil). 

Beilharz s. Bil. 

Bein a) I. s. Win (Widebein) b) III. das 
Körperglied , in mannigfachen Zus. : Dünne- 
bein. Einbein. Hochbein; Hobein. Hol- 
bein; Hohlbein. Huckelbein. Klapperbein. 
Krummbein. Langbein. Löffelbein. Schön- 
bein. Streckbein — besonders auch nach 
Thieren: Hasenbevn. HOhnerbein. Kuhbein 
(vgl. Kuhfuß). Otterbein. Ziegenbein. 

(Doch Sdhiefelbein ist ON. , Städtchen in 
den früher zur Neumark gehörigen Theilen 
Pommerns — und in süddeutschen ON. tritt 
nach Bacmeister S. 23 bisweilen bein an 
Stelle von -beund = bünd). 

Beinhauer in. der „Fleischer" (Knochen- 
hauer). 

Beißenliirz III. Satz-N. „beiß den Kirsch", 
wohl einen eifrigen Jäger bezeichnend. Auch 
Beißenherz. 

Bell- s. BU. 

Bellaellini, Zauberkünstler aus dem Posen- 
schen, Namens Bellach, der sich — durch 
bloße Geschwindigkeit, ohne Hexerei! — 
in Bellachini italienisirt hat. 

Bendel s. Band. 

Bender s. a) I. Band b) III. Binder. 

•Bendix s. Benedictus. 

Beneeke s. Berin (einst. K.). 

Benedietos n. lat. „der Gresegnete" ; Benedict 

▼onNorsia, Stifter des Benedictiner- Ordens 

im 6. Jahrb. 



PN. Benedict; Benedick — Benedix; Ben- 
dix. — Südd. Patr. Benedicter. 
Mit Kürzung im Anlaut: Dictus; Dict — 
Bix. 
Benhelm s. Berin (Y.). 
Bening s. Berin (einst. K.). 
Benk- s. Berin (ernst. K.). 
Benn- s. Berin (V., einst. K.). 
Bense, Benz s. 1) Band (einst. K.) 2) Berin 

(einst. K.). 
BEB I. ahd. bero, mhd. bere „Bär", ehemals 
in der Anschauung des Nordens König der 
Thiere (S. 17). 
FN. (Berhard) : Berardt. 
Berachar: Behrer. 

Perlaic, Berlah: Berlich; Berleck; 
Berlach — Barlach — Bierlich; 
Bierlick. 
Berman: Berman/n, Behrmann, Bär- 

mam/n. 
Bemot: Bernot — Biemoth, 
Beroald: Bärwald — Berold; Beer- 
hold — Beriet mit der Zus. Gut- 
beriet — Perlett — Biehrhold. 
Gren. Berholz — Bierholz. 
Beroward: Berward; Beerwarth — 

Bierwerth. 
Berewin: Bervoi/n — Bärwein. 
Berulf: Bä/rwolf. 
Einstämmige Kürzung Ber-. 
Bero: Behre; Bär, Bahr — nieilerd. 
Bahre; Bar. Gren. Behrs. Patr. A. 
Bering; Bährvng — Pervng — Ber- 
ring — Bieru/ng. 

Vklf. (1) Berilo: Berle — Perl — 
Bierl, Patr. A. Perling — Bier- 
ling. (k) Berico: Berke — Bäh- 
recke — Bierig. Patr. A. Berking. 
(z) Berzo, Bezzo (Stark S. 86 — doch 
auch für beraht S. 84. 87): Bertz — 
Pertz — Pertfch — Betz — Petz 
(dah. Beiname des Bären) — Pätfch 

— Barz — Bartsch, (z -j- 1) : Betzel 

— Petzel — Bessel. 
Ber- s. Ber (V., einst. K.). 

BERAHT I. got. bairhts, ahd. peraht , beraht 
mhd. perht , berht (noch im Englischen bright) 
„glänzend". 
FN. Perahtgar: Prächtker. 

Berhthari: Brechter — Prächter — 
Berchter — Bechter — Bertermann. 
Berahthoh: Bertog; Bertuch. 



102 



Bercht- 



Berin 



Berahtram: BerU'am; Berirab — 

Bartram. 
Berehtmar: Bartmer. 
Bertrand: Bertrand, 
Berahtold: Berchtold — Berthold; 
Berthelt — Bechtold — Pechtold 
Barthold; Bartelt; Barthlott; Bar- 
thol; Bartel, Gen. Bartholz; Bar- 
theldes — latinis. Bartholdy. 
Perahtolf : Bertleff — Bechtolf; Bech- 
dolf — Bardolph, 
Einstämniige Kürzung Beraht-. 
Perhto, Berto: Bercht, Bergt— Brecht 
— Brecht — Berthe; Bert — Becht — 
Fecht — Bracht — Pracht — Barthe 
(Brecht, Bracht auch ON. s. Brach). 
Gen. Berthes — Perthes — Bartens. 
Vklf. (1) Pirahtüo: Brechtel — 
Berthek; Berti — Bechtel — 
Brachtl — Prächtd — Bartel. 
Gren. Bartels — Bartela (ostfries.). 
Patr. A. Bertling — Bartling. 
(k): Bartke; Barttig, Gen. Bertges. 
Auslautend (308 mal Forst): 

-brecht: Albrecht. Gen. -hrechts: Lam- 

brechts. 
'precht: Lamprecht. 
'pricht: limpricht. 
-bracht: Allebracht. 
-berath: Hilberath. 
-brath: Hilbrath. 
-bert: Albert. Gen. -berts: Egberts, in 

anderer Schreibung -z (tz): Limbertz. 
-pert: Euppert. Gen. -pertz: Eoppertz. 
'brett: Odebrett neben Odebrecht. Engel- 
brett. 
-bart: Herbart. Segebarth. 
-ber: Eyber. Momber. Gen. -bers: Düb- 

bers. 
-per: Leraper. Gen. -pers: öppers. 
-bahr: Osbahr. 
Bercht- s. Beraht (V., einst. K.). 
Beren- s. Berin (V., einst. K.). 
Bergr III. ahd. perc, berc, mhd. berc — 
neuhochd. ist -berg in ON. die vieltausend- 
fach belegbare F. Daneben die dativische 
F. -berge mit ursprüngüchera Verhältnis- 
wort zu (ze) : ze dem Witten (weißen) berge, 
daraus Wittenbergs 

FN. Van dem Berghe (van deme Berghe 
1383. Gott. ÜB. I. Vgl. franz. Dumont). 
Zuw Berge, auch Zumberge, Das. Berge ; 



Berg, Bergk. Zus. Bergemann; Berg- 
m^rm (doch dies natürlich auch 6e- 
werbs-N.). 
Die zusammenges. FN. auf -berg über- 
bieten selbst in Norddeutschland die von 
andern Ortsbezeichnungen abgeleiteten an 
Häufigkeit; so zählt Hof&nann's hannover- 
sches Namenbuch über 100 FN, auf -berg, 
während -dorf nur 38 mal, -feld 35, -hof 
29, -bach 19 mal vertreten ist. 
V. Äuersperg, Blumberg. Ghlingensperg 
(Münch.). Bannenberg. v. Gottberg. 
V. Hertzberg. Lindenberg. Nürnberg. 
Schönberg. Wittenberg. 
Das -e der dativischen F. fällt in den 
FN. regelmäßig ab , so daß nur die Beugung 
des Eigenschaftswortes (Witten-, Schwarzen-) 
noch den ursprünglichen Dativ des ON. ver- 
räth. Nur vereinzelt findet es sich hier 
noch, namentlich in loserer Zusammenfügung, 
wie Schulze - Overberge (westf.). 

Dagegen bleibt die dativische Mehrheit 
auf -en unverändert: Gcmdesbergen. 

Niederd. -barg (vereinzelt): Morbarg. 
Wienbarg. Wittebarg. — Ha^bargen (0. 
-bergen in Hannov., Oldenb.). 
Ableitung auf -er (oberd.): 

1) 'berger: Berger. — Älbrechtsberger. 
Frankenberger. Henneberger. WOr- 
temberger. 

2) -perger (nach s): Giintersperger. 
Haßlsperger. Hersperger. Hett- 
mawnssperger. Beichensperger. 

Bergamenter lU. „Bereiter von Pergament** 
mhd. perminter. Bes. in SüddeutschJand 
(früher eine „Permentergasse" in Nürnberg, 
Augsburg, Reutlingen) , doch auch in Braon- 
schweig: Hinrike de permenterer 1406. 
FN. Bergamenter ; Bermenter; BemwnUr. 
Bergemann s. Berg. 
Berger, -berger s. Berg. 
Bergmann III. 1) s. Berg 2) der „Beig- 
mann". 
Berin I. Erweiterung von Ber (Bär). 
FN. Beringar: Beringer — Böhringer. 
Berinhard : Bernhard — Pemhart — 
Bernert; Bernet (im „Etat der 
Bürgerschaft von St. Gallen** 1854 
ist ausdrücklich angegeben , daß die 
dortige Familie Bernet früher Bern- 
hard, auch Bemath geheissen. Steub 
S. 17) — Bewnert — Behnert. 



Berk- 



Bischof 



103 



Zsgz. BöJvrendt, Behrend (ent- 
stellt Bierente) — Berndt (Zus. 
Großbemdt; Schöneberndt). Gen. 
Bernhards (lat. Bernhardt) — 
Berendes; Berenda, Behrens — 
Barends — Bierentz, 
Berinher: Bemer — Pe^mer — Bewner. 
Bemhelm: Benhelm. 
Bemold : Bertihold — Bermold ; Ben- 
hold, 
Einstämmige Kürzung Berin-. 
Bemo, Benno (Stark S. 25): Berett, Bäh- 
ren — Benne — Behn. Gen. Bürens 
(Zus. Braunbehrens) — Berns (Berns- 
ma/im), Patr. A. Beming — Benning 
— Bening. (Jen. Bennenga; Beninga 
(beides ostfries.). Patr. Zus. Beerens- 
son — Bernsen, 

Vldf. (k): Bemicke — Pewnecke 
— Beneide — Petike — Benck — 
Bamicke. (z): Bemtz — Benze; 
Benz — Bense (Bensemann), (z + 1) : 
Benzel. 
Berk-, Berle s. Ber (V., einst. K.). 
Berken- = Birken, in N. wie Berkenkem'per, 

' kotier, Berkemeyer, 
Benuann s. Ber (Y.). 
Benneiiter, Berminter s. Bergamenter. 
Bern- s. 1) Berin (V., einst. K.). 
Bemklau, auch v, BerndoM III. „Bären- 

klaue^. 
86114119 8. Ber (einst. E.). 
Bert-, Berth- s. Beraht (V., einst. K.). 
Berward s. Ber (V.). 
Bessel s. Ber (einst. E.). 
Bethg-e s. Bad (einst. E.). 
Better s. Bad (V.). 
Betz- s. Ber (einst. K.). 
Betulejus ni. latinis. für Berckmann (betula 

die Birke). 
Biehl, Bichler, -biehler s. Bühel. 
Biedermanii III. mhd. biderman ein „unbe- 
scholtener Mann , Ehrenmann" . Biderbeman 
1262. 
(Bieg^l) -biegol, -biegrier s. Bühel. 
BieU- s. a) I. Bü, b) in. Bühel. 
Biehrhold s. Ber (V.). 
Blei- 8. a) I. Bil b) III. Bühel. 
Bien^rräber m. der „Bienen aus hohlen Bäu- 
men aa8gräbt^ 
Bier HL ahd. pior, mhd. bier, das bekannte 
GetiÄnk (S. 46). Marquart Gutpier 1450. 



PN. Bösbier. Dimnebier (Schwachbier, 
Halbbier). Frischbier, Grutbier. Mengel- 
bier. Sauerbier, Strengbier. Süßbier, 
nipderd. Sötbeer. Warmbier, Zucker- 
bier, 

Bier- soweit I. s. 1) Ber (V., einst. E.) 

2) Berin (V.). 
Blerbaum III. „Birnbaum", mhd. birboum 

(ahd. pira, mhd. bir Birne). 
Bietendfiwel m. s. Bitdendüvel. 
Blffart s. Bü. 

Bil I. zu ad. bü „lindigkeit, Müde". 
FN.BüiMd: Biffart, 
(Biligar): Bülger, 
(Bilhard) : Bühardt; BiUert — Bielert 

— Bellert, Gen. Bilharz — Püartz 

— Beilharz, 

(Bilheri): Biehler — PieUf — Behler, 

Gen. Bellers, 
Büiram: Pilgram, 
Belimar: Bilmer, 
Einstämmige Eürzung Bü-. 
Büo: Biel — Piek - Behl — Beil 
(theüweis). Patr. A. Bülvng; Billung — 
Bieling — Belling ; Bellvnga (ostfries.) 
— Belvng — Beüing. 

Vklf. (k) Pilicho : Bielicke — PUlke 

— Beelke — Beilicke, (z): Bütz 

— Püz. Patr. A. Pützvng. 

Billger s. a) I. Bü. b) m. Püger. 

Blitz s. Bü. 

Binder lU. mhd. binder der „Faßbinder, 
Bötticher" („Bindergasse" in Nürnberg). 
FN. Binder — Pinder (oberd. , vgl. „Pin- 
ter" in Marburger Urk. , Keichel S. 31) — 
mit Abstumpfung des i: Bender, Zus. 
Faßbinder; Vasbender, Bittenbvnder ; 
Büdenbänder (Btittenbinder). Buch- 
binder; Buchbender, Bürstenbinder, 
Behbinder (vom nüid. rö Todtenbare ?). 

Blndsell LH. zu den Geräth-N. Vgl. auch 
Cunrad cognom. bintriemo 1339. 

Birchpfelffer Doppel-N. (S. 78): Charlotte 
Pfeiffer, Tochter des Eriegsrathes Pf.^in 
München, verheirathet (1825) mit Dr. Birch, 
die bekannte dramatische Dichterin. 

Blfehof III. aus griech.-lat. episcopus (Auf- 
seher), im Mhd. jeder höhere, auch nicht- 
christliche Priester (S. 42) ; im DW. auch 
spottweise ein „Bierbischof". Petrus dictus 
episcopus 12. Jh. 



104 



Bitdendüvel 



Bod 



FN. Bischof, Bischoff. Gen. Bischofs, 
Eigentbüml. F. Bischkop (wohl durch 
Vermittelung dos slav. biscup). 
BitdendÜTel III. Satz-N. niederd. „beiß den 
Teufel" (S. 52). Ahnlich Schietdendüvel 
„schieß den T." 
Bittenbinder III. „Büttenbinder". 
Bittner s. Büttner. 

Blane I. ahd. planch, blanch, mhd. blanc 
„blank, weiß" (von blinken). 
FN. Blanchard: Blankart Gen. Blankarts 
— umgedeut. Blankertz. 
(Blanchar): Blenker. 
Einstämmige Kürzung Blanc-. 
Blanche: Blancke; Blanc — Planck — 
Blencke. 
Blank- s. Blanc. 
Blatner, Blattner s. Platner. 
Blatt in den Zus. Kleeblatt. Lindenblatt. 

Rosenblatt. 
Bled- s. BM. 
Blelblmhäus HI. Satz-N. „bleibe im Haus'' 

— Bezeichnung eines Häuslichen. 
Bleibnichtlang HI. Satz-N., Bezeichnung 

eines, der nirgend lange bleibt? 
Bleibtreu III. Satz-N. (S. 51). 
Bleiehert, Bleick- s. Bhc. 
Bleidt, Bleimer, Bleitz s. Blid. 
Blenker s. Blanc. 

Bleudom HI. niederd. „Blühdom" s. Dorn. 
BLIC I. ahd. plich, blic, mhd. blic „licht- 
glanz, BHtz". 

FN. (BHchard): Bliechert — Bleickhardt 
Bleiehert, 
Blieger: Blicker. Gen. Bleickers. 
Einstämmige Kürzung BHc-: Blicke. 
BLID I. got. bleiths, ahd. plidi, mhd. bilde 
„froh, heiter". 
FN. BMegar: Blediger. 
BHdmar: Bleimer, 
Einstämmige Kürzung Blid-. 
Blido : Blied — Plitt - Blede — Bleidt. 
Patr. A. Bliedung, 
Vklf. (z): Bleitz, 
Bliechert s. Blic. 
BUed- s. BM. 
Blolim, B19m- s. Blom. 
BLOM I. got. bloma, ahd. pluomo, biomo, 
mhd. bluome „Blume". Blumarit. 
FN. (Blomhard^ : Bluhmhard — Blümert. 
(Blomheri): Blömer — Blühmer — 
Plümer. 



Einstämmige Kürzung Blum-. 

(Pluomo): Blohm — Blume; Bluhm. 
Gen. Bloems (ostfries.). 

Vklf. (1): Blümel, (1 + n); Blünir 
lein, (k): Blömke — Blühmke — 
Plümicke. 
Bluhm-, Bltthm- s. Blom. 
Blume a) I. s. das Vorhergehende b) lU. bes. 
in Zus. wie Kornblwn. Schlüsselblum, — 
Blumenstiel, Blumenstengel. Blumenschein; 
Blumschein, 
Bltthdorn III. zu den Pflanzen-N. Niederd. 
Blöhdorn — Bleudorn., entstellt Bleidorn. 
Blüm- s. Blom. 

Blumensehein III. mhd. bluomen schin „der 

Blumen Glanz und Schmelz". (Nach Bück 

S. 32, hübscher, leuchtender Blumenstrauß, 

als Wirtshausschild). 

Blumenschmied UI. der Schmid gegenüber 

dem Gasthof „zur Blume" (Becker). 
Bob- s. Bod (V., einst. K.). 
Bock a) I. s. Bald (einst. K.) — Bod (einst. 
K.) — Burg (einst. K.) b) III. zu den 
Thiemamen, vgl. Cunrat der Bock 1387. 
Vklf. 0): Böcklin. 
Bockhard s. Burg (V.). 
B^^cking s. Bock a). 
BSckler UI. „der einen Schild (buckel) führt". 

PN. BöcMer — Pückler, 
BOD I. zu got. biudan, ahd. piotan, beodan 
im Sinne von „gebieten". 
FN. (Bodebert) : Bobardt - Popert. Gen. 
Bobertz. 
(Bodfrid): Boffert, 
Botthar: Boder — Buder — BuUer 

— Büder. 
Bodomar: Bodemer — Bothmer — 

Bommer. 
Poterich: Bödrich — Böttrich — 

Püttrich. 
(Bodoald): Böthelt. 
(Bodewig): Bodewig — Budwig, 
Botolf: PuUloff. 
Einstämmige Kürzung Bod-. 
Poto, Buddo (VN. Bodo): Bode — Bothe 

— Pothe — BoU — Pott — Bude — 
Budde (Zus. Großbudde) — BuUe. 
Gen. Boden — Bots\ Boten — Poten 

— Budden. Patr. A. Böding — Bü- 
ding — Bütting. 

Vklf. (i) Bodi: Body. (1) Bodilo: 
PoUl — BöUl — Budd. (l + n) Bu- 



Bod- 



Bötticher 



105 



delin : Bodelin, (k) Poticko : Bodeck 

— Poddig — Pottke — Bödke — 
Böttge — Budig — Buddeke — 
(Bock), (z) Bozo: Botz - Butze -— 
Putfche. (z + 1) : Bötzel 

Zweistämmige Kürzmig 1) Bodb-, 
Poppo (nach Andresen) : Bobhe — Bopp — 
Bobe — Poppo; Poppe (Zus. Popma 
ostfrios.) — Poppe — Puppe. Gen. 
Poppen (Zus. Kleinpoppen). Patr. A. 
Poppinga (ostfries.). 

Vklf. (1) : Poppet - Bobel — Pobel 

— Puppel, (k); Bobeck — Pöppig 
Puppke, (jen. Popken — Puppkes. 

Zweistämmige Kürzung 2) Bodf-. 

Bofifo (Stark S. 120) : Buff^ Puffe; Puff. 
Auslautend (62 mal) Forst.). 
'bode: Crerbode. 

'bothe: Grerbothe; -both: Gerboth. 
'poth: Niepoth. 
'bott: Meerbott. 
-pott: Grerpott. 
-beide (niederd.): Garbade. 
Bod-, Böd- s. Bod (V., einst. K.). 
BOddiker, BSdeker s. Böttichor. 
Bodenbinder 111. „der einen Bretterboden 
1^" (s. Bodmer). 

FN. Bodenbender, Bodenbänder. Niederd. 
Boddenbender. 
Bodmer a) I. s. Bod b) III. von „bödmen", 
d. i. einen Boden (ahd. podam , mhd. bodem , 
das m noch bis ins 17. Jh. erhalten) von 
Brettern zusanunenschlagen : ein Faß, ein 
Zimmer, ein Schiff bödmen. 
Boffert s. Bod (V.). 

BO€r I. zu ahd. bogo, mhd. böge „Bogen" (als 
Waffe). Kaum von Baug zu trennen. 
FN. (Bogehard): Bogenhard. 

(Bogold): Bögefiold. 
Einstänmiige Kürzung Bog-. 

(Bogo): Böge — Böge. Gen. Bogena 
(ostfries.). 
Bo^e, BOge s. Bog. 

Bogen III. in ON. auf eine Biegung, in 

der Begel eines Flusses od. Baches , gehend. 

FN. Bogen, — Elbogen. 

Ableitung auf -er (oberd.): 

Bogner (der Bogenaere = der von 

Katzenellenbogen, Walther 180 Pfeiff.) 

— Bögner. 

Bog^ner III. 1) einer aus Bogen, s. das Vor- 
hergehende 2) „Bogenmacher" DW. (eine 



„Bognergasse" in Wien; Marbuiger Gewerbe- 
Verz. Pogner). 

Bohl-, mhl- s. Bald (V., ernst. K.). 
BShme UI. einer aus „Böhmen". Conrad 
Bohemus 1281. 
FN. Böhme; Böhm — auch Behm (Hans 
Behem 1476, vgl. Behaim, mhd. Beheim 
neben Böheim , den alten N. des Landes). 
Auch Böheim; Böhaimb. 

Bohneubluest III. (schweiz.) „Bohnenblüte", 

vgl. mhd. bluost Blüte. 
Bold- s. Bald (V., ernst. K.). 
Bold- 8. Bald (einst. K.). 
Bolke, Bmk s. Bald (einst. K.). 
Boll-, Böll- s. Bald (V., einst. K.). 
Bolt-, Bölt- 8. Bald (ernst. K.). 
Bolwin s. Bald (V.). 
Bolz- s. Bald (einst. K.). 
B^^mack III. slavisch: ein „Böhme". 
-bSmer s. Baum. 
Bomheuer III. niederd. „Baumhauer" (s. 

-hauer). 

Bommer s. Bod (V.). 

Bonewendura III. (Ottweiler) aus ital. Bona- 
ventura. 

Bonne s. Band. 

Bopp s. Bod (zweist. K.). 

Borch-, B)$reh-, Borg- s. Burg I. (V.). 

-borg III. 8. Burg (ON.). 

Borger s. Bürger. 

Borges s. liborius. 

Borggreve s. Burggraf. 

Bork- 8. Burg (V., einst. K.). 

Bormann s. Burg I. (V.). 

Born, -born s. Brunn. 

Borries, B^^rries s. Liborius. 

Borste! s. Burgstall. 

Borz s. Burg I. (einst. K.). 

Bofeh s. Busch. 

Bostel 8. Burgstall. 

Bot-, Both- s. Bod (V., einst. K.). 

B^^teführ III. (Süderditmarschen) niederd. 
Satz-N. „zünde Feuer an" (Heizer in Schmebs- 
öfen u. dergl. — doch auch Spottname für 
einen „Eothkopf"). 

BStel 8. Bod (einst. K.). 
Böthelt s. Bod (V.). 
Bott 8. Bod (einst. K.). 
Bött- 8. Bod (V., einst. K.). 
B)(tticher III. von Bottich, ahd. potacha, 
mhd. boteche, bot^ge großes Holzfaß, zumal 



106 



Böttner 



Breuker 



in Brauereien der „Bötticher", altniederd. 
Bödeker. 

FN. 1) hochd. Bötticher; Böttcher — 
Böttiger; Böttger — Bottger — 
Böttcher (oberd.). 
2) niederd. (bes. im Nordwesten): 
Böddiker ; Böddeker — Bödeker, 
B^^ttner s. Büttner. 
Böttrich s. Bod (V.). 
Botz, Bl^tzel s. Bod (einst. K.). 
Bowenschulte III. (westf.) „der Schulze oben" 

(s. Schulze). 
Brabandt III. „emer aus Brabant". 
Brach III. ahd. bracha, mhd. brache „das 
erste Umbrechen eines zum Anbau be- 
stimmten Landes". Seit dem 8. Jh. in ON. 
Jetzt hochd. Brach, -brach, -brechen — 
doch viel häufiger niederd. Braakf -brack, 
-braken, -breck, 

FN. Eilerbracke, von Heidebreck, 
Nebenf. Bracht seit 9. Jahrb., und dem 
entsprechend neuere ON. wie Bracht, 
Brecht, die auch zu FN. geworden. 
Bracht s. a) I. Beraht (einst. K.) b) III. s. 

Brach. 
Bradenahl III. niederd. (Meklenb.) „gebratner 
Aal"; vgl. Frideric. cognomento Bradegans 
13. Jh. 
Brambeer III. mhd. bramber die „Brombeere". 
Brancke s. Brand. 

BBANB I. ahd. prant, brant, mhd. brant 
„Feuerbrand; Schwert" (davon ital. brande 
Schwertklinge). 
FN. (Brandiger): Brandiker. 
(Brandhard): Brennert, 
Brandold: Brandholt. 
Einstänmiige Kürzung Brand-. 

(Brande): Brandt (VN. bei Klemp.). 
Gen. Brandes; latinis. Brandts 
(Brandsma ostfries.). Patr. A. Bran- 
ding — Brenning. 

Vklf. (1) Brandila: Brandel — 
Prantl —Brendel; Brändle (schwäb.). 
(1 + n): Brändlein, (k) Brandico: 
Brancke — Pranckh — Brendicke 
— Brentke — Brennecke, (z) Bran- 
tio: Prantz — Brentz. (z -\- l): 
Prentzel. 
Auslautend (50 mal Forst.): 
-brand: Dittebrandt. Hildebrand. Gen. 

'brands: Zybrands. 
-brahn: Eobrahn. 



-bam: Dettbam. 

'bern (s. Stark S. 187): Dibbem. Sibbem. 
Brand III. als ON. eine WaldsteDe, welche 
durch Feuer gerodet ward. Jetzt nicht bloß 
einfaches Brand, Brande häufig, sondern 
auch über ein halbhundert Zus. auf -brand, 
- brenda. 

FN. Brand, Ältenbra/nd. 
Brand- s. Brand I. 

Braten III. ahd. bräto, mhd. brate. In der 
Zus. FN. Hafenbrädl („Topf brätchen"). 
Schweinebrade. (In andern Zus. dürfte 
-brat eher eine zsgz. F. von -beraht hin, 
z. B. Mundbrat, wie deutlich in Hilbrath). 
Bratengeiger III. „der um den Braten geigt", 

Spottname = Bierfiedler. 
Brauer III. mhd. briuwer, brouwer der „Bier- 
brauer"; mit Umlaut Bräuer (eine „Bräuer- 
gasse" in Dresden, auch „Bierbrauer" im 
Münch. Adressb.). 

FN. Brauer — J5rätter, Breuer. (Jen. 
Brauers — Breuers (niedeirhein.). 
Niederd. Brüwer (Bruwere 1483 Gott. 
ÜB.). Gen. Browers; Bröyers (beides 
ostfries.). 
Bräuer s. Brauer. 
Brauk, -brauk s. Bruch. 
Braun a) I. s. Brun b) III. von der Farbe: 
ahd. mhd. brun, prün „braun, brünett" 
(vgl. franz. Lebrun). 

FN. Braune; Braun — (südd.) Praun. 
Bräun- s. Brun (V., einst. K.). 
Braunabend III. der „braune Abend", eine 
Floskel der 2. schlesischen Dichterschule, 
also nicht vor 1650 (Vilmar). Auch Brun- 
abend. 
Brausewetter III. ein „stürmischer Mensch" 

(s. Wetter). 
Bräutigam III. zu den Yerwandtscbafts-N. 

Niederd. Brüdigam. 
Brecht- s. Beraht (V., einst. K.). 
Breiser III. „Schnürriemenmacher" (mhd. 

brisen schnüren) vgl. Preiswerk. 
Brend- s. Brand. 
-brenker s. Brink. 
Brenn- s. Brand. 

Brenner III. vgl. Otte gen. der brenner 1338. 
FN. Brenner. Zus. Kalkbrenner. Neu- 
brenner. Steinbrenner. Weinbrenner. 
Brent-, Brentz s. Brand. 
Breuer s. Brauer. 
Breuker, -breuker s. Bruch. 



Brennle 



Braeh 



107 



Breunle s. Brun (einst E.). 

Briehl 8. Brühl. 

-bring s. Brink. 

Bringewath III. Satz-N. niederd. „bringe 

was". 
Brink III. „(hochliegender) Grasplan" — ein 
in norddeutschen Mundarten weit verbrei- 
tetes Wort. Dahin gehört mehr als ein 
halbes Hundert ON. auf -brink in der 
Linie Hannover -Utrecht, mit der Haupt- 
stärke in Westfalen. 

PN. Brink (Dorf im Oldenburgischen, 
Münster'schen , Ealenbergischen). ten 
Brink y auch Tombrink (= zu dem Br.); 
von den Brinken. — Brinkmann, Bring- 
mann. 

Bes. häufig in Zusammensetzungen, 
die meist jedoch nicht Städte oder 
Dörfer, sondern in mehr appellativer 
Art einzelne Ortlichkeiten eioer Dorf- 
lage oder Feldflur zu bezeichnen schei- 
nen — als FN. demnach der daselbst 
Wohnende, der „Brinksitzer". 

Äntenbrink, Berenbrink. Exern- 
brink, FaMenbrink. Hasenbrink. 
Klockenbrink. Mühlenbrink. Oster- 
brink. Stevnbrink, ünterbrink, Lüse- 
brink und Musebrink (offenbar Spott- 
namen für die bezeichneten Ortlich- 
keiten, vgl. pommerisch „Flöhenbrink"). 
— Oberbrinkmann. 

Bisweilen in der Schreibung -bring: 
Finkenbring neben Finkenbrinck, 
Hasselbring. Igelbring. Kregenbring 
neben Krägenbrinck und Krähenbrink. 
Kreidebring neben Kreidebrink. Lehm- 
bring. Piepenbring. 
Ableitung auf -er (westf.): 
-brinker: Brinker. Berenbrinker. Stein- 

brinker. 
-brenker: Brenker. Brembreriker (BTQ.m, 

Bräme = Brombeerstrauch). 
Alle diese Bildungen mit großentheils 
noch nicht verwischtem niederdeutschen 
Gepräge sind als FN. bes. häufig in West- 
falen und den angrenzenden Landschaften 
(Lippe, Osnabrück), wo sie zu den die 
Namengebung beherrschenden gehören. 
Brinkk5tter III. „Brinksitzer, Häusler auf 

dem Brink", s. Brink und Köther. 
Broek-, -brock s. Bruch. 
BrOeker s. Bruch. 



Brod-, Br9d s. Brord. 
Bröhl 8. Brühl. 

Broicher, -broieh, -broiek s. Bruch. 
Brok-, -brok s. Bruch. 
Br^^ker s. Bruch. 

Brommer, Brongers s. Brun (V.). 
Bronn-, -bronn, -bronner s. Brunn. 
Brons-, Bronzema s. Brun. 
BBOBD I. ahd. prort, brort, angels. brord 
„Schiffsvordertheil; Spitze (einer Waffe)". 
Willibrord. 

FN. Brothar : Broder — Bröder (Bröder- 
man/n). Gen. Brors, Patr. A. Bröring. 
Patr. Zus. Brodersen. 
Einstämmige Kürzung Brod-. 
(Brodo): Brode — Prott. 

Vklf. (1) : Brodel — Pröhle. (k) : 
Brodke. 
BrSring, Brors s. Brord. 
Bros -9 Br9$s- s. Ambrosius. 
Brot III. zu den Speisen (S. 46) in mancherlei 
Zus. 

FN. Bierbrot. v. Casemhrod (hoUänd. 
„Käse und Brot"). Eigenbrod, Gut- 
brod. Hvrsebrod. Herrenbrod. Boggen- 
brod (Gernod ruckenbrot 1235). Sowr- 
merbrod. Truckenbrod; JDruckenbrodU 
Warmbrod. Weichbrodt, Weißbrod. 
Einige dieser FF. sind zweifelhaft, da 
möglicherweise altd. brord, brod — oder 
auch eine Verderbung aus -beraht (brat) 
in ihnen steckt, wie offenbar in Heimbrodt 
aus Haginbert, Milbrod aus Mildebrath 
(s. Mild); auch wohl Treubrodt altd. Tru- 
prat aus Drudperaht. 
Browers, BrSgei*s s. Brauer. 
Bruch III. ahd. bruoch, der allgemeinste 
und durch viele Mundarten verbreitete 
Ausdruck für „Sumpf". Neben den ge- 
wöhnlichen FF. auf -brück findet sich in 
ON. niederdeutsches -brook, -brock (bes. 
in Westfalen), niedorrheinisches -broieh. 
FN. 1) Bruch. HuMenbruch. Vohl- 
bruch. Wildenbruch. 

2) Brook, Brock, v. Buddenbrock. 
V. Diepenbrock. Papenbrock, Bo- 
senbrock. Stuckenbrock. Uhlen- 
brock. 

3) Broieh. Hucklenbroich. Klein- 
herzbroich. 

Großentheils sind die Benennungen dieser 
Art, ebenso wie die auf -brink, nicht 



108 



Bröcher 



Bran 



Namen für Ortschaften, sondern sie bezeich- 
neten, als sie auf die Personen übertragen 
wurden, wirklich noch ein Bruch (Moor). 
So die nachfolgenden, die wenigstens in 
Ritter 's Lex. sich nicht finden. 
Erlbruch; Elseribruch. Gosehruch, Hos- 
selbruch (Hasel-). Mühlenbrttch. Wei- 
denbruch. 
Eilerbrock (Erlenbruch). Griesenbrock. 
Kerkenbrock. Kersenbrock. Korden- 
brock. Möhlenbrock (Mühlen-). Notte- 
brock. Piepenbrock, Wiesbrock. 
Auf dem Brauke. Osterbrauk, Uhlen- 

brauk. 
Kumbruck. Möhlenbruck. 
V. Diepenbroik-Grüter, v, KerßenJbroick. 
Zus. mit -Mann: 
Bruchmatm — Brockmann , Brokmarm, 
Brookmann — Braukmann. (Leo 
Broychmann 1483. Köln, üniversit.- 
Matrikel). 
Zus. mit -Müller: 
BrockmiUler. Braukmüller. 
Ableitung auf -er (westf.): 
Brücher — Broicher — Broker, Bröcker 
— Breucker. Hüttenbräucker. 
Alle diese niederd. Bildungen mit k sind 
vorzugsweis häufig in Westfalen und ge- 
hören zu den dort die Namengebung be- 
herrschenden. 
Blücher s. Bruch. 
-brück s. 1) Bruch 2) Brück. 
Brttck III. ahd. prucca, mhd. brücke, brücke, 
brügge. An der Spitze der davon abge- 
leiteten ON. steht Brügge in Flandern 
(schon im 7. Jh. Brugae); jetzt außer- 
ordentlich viele N. auf -brück, -briMik^ 
-brücken (Dat-Plur.), -brügge, -brugg, 
-bruggen, 

FN. 1) -brück: von Wydenbrugk (0. 
-brügge). 

2) Brück, Delbrück. Stembrück. 
Wiedenbrück. Zweibrück (0. 
-brücken). 

3) - brügge : Brügge. Beibrügge. Essel- 
brügge (Westf.). Steenebrügge. 

4) - brücken : v. Zweibrücken. 

5) -brüggen: Osenbrüggen. 
Ableitung auf -er (oberd. und westf.): 

1) -brticker: Brucker (Baden). Haar- 
brucker (Salzb.). 

2) -brücker: Brücker. Haarbrücker. 



3) -brugger: Brugger (Baden). 

4) -brügger: Erdbrügger. Ibrügger 
(Westf.). 

Bruckhei III. „Brückeuaufseher" (s. Hei). 

Auch Bruggey. 
BrttckmaiuiIII. „Brückenmann'' d.L Brücken- 
aufseher; doch nach Ähnlichkeit von Brink- 
mann , Brockmann u. a. nur den Wohnort 
bezeichnend: einer der auf oder bei einer 
Brücke wohnt. 
FN. Brückmann — Brüggemann; Brüg- 
mann (Klemp. Bruggheman). 
Brückner III. schwerlich ein Brückenanf- 
seher (Reichel), eher ein „Brückenbauer" 
(s. Offner, Büttner u. a.) , am einfachsten, 
da der ON. Brücken wiederholt vorkonmit, 
„einer aus Brücken", wie Brückner „einer 
aus Brücken". 
Brfiel s. Brühl. 
-brügge, -brflggen, -brugger, -brttgger 

s. Brück. 
Bruggey s. Bruckhei. 

Brtthl in. ahd. pruohil, Vkif. von bruoh 
„Bruch, Sumpf", mhd. brüel (mittellat 
brogilus, ital. broglio, üranz. breuil), „be- 
wässerter , mit Gras und Gebüsch bewach- 
sener Platz, buschige Wiese." Jetzt in 
ON. Brühl, -brühh Brüel — Prühl - 
-bröhl — Brielj -brich 
FN. 1) Brühl. Waldbrühl — ■ Brühl- 
mann. — 2) Brüel, — 3) Bröhl. — 
4) Briehl, Briel. — 5) Brügel; Brügl. 
Bruhn-, Broins s. Brun (einst. E.). 
Brummer, Brfimmer s. Brun (Y.). 
BBUN I. got. brunjo, ahd. brunja, prunja, 
mhd. brünne „Brustharnisch" (von brinnen 
„brennen", des Erzglanzes wegen). Daß 
daneben brun „braun" hineinspielt, ist 
nicht zweifelhaft. 

FN. Brunger: Brtmger — Brünger — 
Bräimiger, Gen. Brtmgers — 
Brongers. 
(Brungard): Braungardt, 
Brunhard: Bruwnert — Braunhardt; 

Braunert. 
Brunheri: Brwnner — Brcmnher; 

Brau/ner — Bräu/ner, 
(Brunmar): Bi'ummer — Brummer 

— Brommer. 
Brunold: Brimöld — Bra/wnewM; 

Bravmwald. Gen. BraunhoU. 
Brunwart; Braunwar^, 



Brun- 



Bühel 



109 



Einstämmige Kürzung Brun-. 
Bruno : Bruno ; Brune ; Bnihn — Brünne 

— Bratme; Braun — Praun. Gen. 
Bruhns; Brimen — Pruns — Braims 

— firons — Bruins (ui = ü ostfries.) 

— Bronsema, Bronzema (ostfries.). 
Patr. A. Brüning — Breuning — 

— Bnminga (ostfries.). Patr. Zus. 
Brunesen, 

Vklf. (1): Breunle. (1 + n): 
Bräunlein, (k) : Bnmko — Bruhnke 
— Brunicke — Bräunig. Gen. 
Brimken, (z): Brauneis. 

Bran-, Brfin- s. Brun (V., einst. K.). 

Bmnabend in. s. Braunabend. 

Brunii ni. got. brunna, ahd. prunno, mhd. 
brunne (niederd. bom) „Quelle", im Nhd. 
durch eben dieses Wort zurückgedrängt, 
so dafi es nur noch eine künstlich ange- 
legte und eingefaßte Quelle bezeichnet, 
In ON. schon seit dem 7. Jh. häufig nach- 
weisbar (Baldobrunno) — bei neueren N. 
in drei Formen: -hrumn, -hronn, -hörn. 
„By deme Borne" 1383 Gott. ÜB. I., 
1316 lat. „apud fontem". 

FN. I) Bnmn (vgl. franz. Lafontaine). 
KaUenbrti/nn. Saltzhnmn, Stein- 
hrunn. — v. Schönprunn (bair.). 

2) Bronn. Heilbronn. Neubronn. 

3) von dem Borne (Eoloff van deme 
Borne Klemp.). Born. Eschborn. 
Schönborn. Sonneborn (0. Sonn- 
bom). Tettenborn. Weißenborn. 

Ableitung auf -er (oberd.): 

1) Brunner; Prunner (bair.). Diestl- 
bnmner. Kaltenbrumner. 

2) Bronner. Diefenbronner. Neu- 
bronner. 

BrOnne s. Brun (einst. K.)- 

Bnnmer, Bronner a) I. s. Brun b) s. 

Brunn III. 
Brilwer s. Brauer. 
Bueeardt s. Burg (V.). 
Bueh in. collectiv für „Buchwald", mhd. 

daz buoch. 
FN. Buch. Willenbuch. 

Ableitung auf -er (oberd.): 

1) 'bucher: Heitnbucf^er (salzb.). Lan- 
genbucher. Oberbucher. 

2) biicher: Klotzbücher (würt.). Bothen- 
bücher (würt.). Wülenbücfier. 



Buche in. ahd. puocha, mhd. „Buche" — 
in Zus. wie Buchmeyer, südd. Puchmayr. 
Niederd. Bokemeyer. 

-bfiche] s. Bühl. 

Bueher III. schon got. bokareis, ahd. puo- 
chäri, mhd. buochaere „Bücherabschreiber, 
Schreiber". 

FN. Bucher; Pucher (doch auch zu 
Buch ni). 

-bttcher, -biicher s. Buch. 

Buchfellner III. mhd. buochveller von buoch- 
vel „Pergament" „der die Felle zu Buchern, 
das Pergament, bereitet". 

BttChflnck III. deutlicher Vogel -N. 

-httchler s. Bühel. 

Bttck, Bfick- s. Burg (einst. K.). 

Bud-, Bttd- s. Bod (V., einst. K.). 

Bttddenklepper III. niederd. „Büttenklopfer", 
Spottname für Bötticher. 

Bttdenbänder III. niederd. „Büttenbinder" 
s. Binder. 

Bttff s. Bod (zweist. K.). 

Bttgel, -bfigel s. Bühel. 

Bugg- s. Burg I. (V., einst. K.). 

Btthel III. ahd. puhil, buhil, mhd. bühcl 
„Hügel" („Gansbühel" Stadtgegend in 
München) — mhd. in den mannigfachsten 
FF. ON. bildend: Bühl, Biehl, Büchel, 
Bichl, Pichl, Bügel, Buckel, Beul u. a. 
FN. 1) Bühl. Guggenbühl. Münzbühl. 

2) Biehl, Biel (doch s. auch Bill.). 
Winäbiel (Baden). 

3) Büchel, Büchl (bair.). Stein- 
büchel. 

4) Bichl (bair.). 

5) Klingsbügel. Krumbügel (in Köln 
eine Straße „Krummenbüchel"). 

6) Krumbiegel. Nußbiegel (vgl. 0. 
Nußbühl). 

7) zuweilen noch mit dem ahd. p 
(nach s) : Dinkelspiel {01^. Dinkels- 
bühl). Walterspiel (Baden). 

Ableitung auf -er (oberd.): 

1) -bühler: BiiMer. Ungerbühler 
(salzb.). Varnbühler (= Farn-). 
Weißenbühler. 

2) 'biehler: Biehler. 

3) 'büchler: Bücheier; Büchler. 
Bürckbüchler. 

4) 'biehler (bes. bairisch); Biehler. 
Aichbichler. Emetsbichler. Fried' 
biehler. Fuchsbichler. Guggen- 



110 



Buhr 



Bürgermeister 



hiehler (salzb.). HirschbicMer. 
MooshicJiler, Steinhichler. 

5) -picMer: Pichler. Laupichler. 
Oberpichler. Rafchpichler (salzb. 
— sämtlich uoch jetzt in Ost- 
preußen). 

6) - hiegler : Eisenbiegler. Oberbiegler. 

7) (s)pieler: Radspieler, 

(Mittbiller nach Steub S. 141 = 
Muhlbühler). 

Bohr s. Baner. 

Ballwein s. Bald (Y.). 

Bund III. ahd. piunt (zu „bauen"), seit dem 

8. Jh. in ON. Jetzt in den FF. -bünd, 

- boind, 'peunt (- point) , -paint (Adelpaint). 

Conrat in der Pewnt 1376. Grasbiunder 

1319 Augsb. 

FN. Ableitung auf - er (oberd. , bes. bair. 
österr.) : 

1) -pointtier: Pointner, Kreuzpoint- 
ner, Mühlpointner. 

2) -paintner: Haarpaintne^\ Lind- 
paintner. — Baintner. 

Bungener III. altniederd. bungener „Tromm- 
ler", von bunge = Trommel, bungen = 
trommeln. 

FN. Bungener — Büngener; Büngeler. 
Mit der starken Bildung: Bunger — 
Bünger. 

Bureh-, Burck- s. Burg L (V., einst. K.). 

BURG I. got. baürgs, ahd. pure, mhd. burc 
„Burg" (ital. borge, span. burgo — Stadt 
Burgos in Altkastilien). Von „bergen". 

FN. Burghard: Burghard; Burgard — 
Bu/rckhard; Bu/rkert — Purkhart 
BuTchardt — Buccardt — Bug- 
gert — Bürkert — Borghard; 
Borgert — Borchardt; Bordiert 
Bockhard, Gen. Burghartz; Bwr- 
gartz — Borcherts — latinis. 
Burchardi, Patr. A. Borcherding 

— Borkerding, 

Burghar: Bürger. Gen. Borchers — 

Borchers. 
Burgman : Burgmann — Borchmann 

— Bormann. 
Burgmar: Burgmer. 

Burgoald: Burgold — Purgold — 
Burghold — Borgwaldt, 

Bureward: Burgwardt — Borg- 
wardt. 



Einstämmige Kürzung Burg-. 
Burgio , Bucco : Bu/rck — Bugge — Buch 
— Borck — Bock. Gen. Burgs. 
Patr. A. Bücking — Böcking. 

Vklf. (i) : J5Mrfci (Schweiz.). {i-\- n) 
Bürgin, (1): Bürgel; Bwrgle — 
Bürkle, (1 + n): Bii/rklin — Bürck- 
lein — Bückldn, (z): Burtz — 
Borz. (z + 1): Bmzd, , 

Auslautend in 136 Namen (Forst.), die 
sämtlich weiblich sind. 
Burg- s. Burg I. (V.). 
Bttrg- s. Burg I. (einst. K.). 
Burg III. got. baürgs, ahd. pure, bürg, mhd. 
burc befestigter, bergender Ort, „Burg", 
Stadt. Schon im 11. Jh. Teutiburgium und 
Asciburgium ; einfaches Bu/rg erst aus dem 
8. Jh. nachweislich und in derselben F. in 
tausend heutigen N. Niederd. -borg (so 
immer bei Klempin, z. B. Brandenborgh). 
FN. Dillenburg. Brandenburg. Mecklen- 
burg. V. d. Malsburg. 
Das ahd. p noch in : Marpurg. Regenspwrg. 
Niederd. v. d. Borg. Drieborg (0. Dri- 
burg). Humborg (0. -bürg). Osborg 
(0. -bürg). Tecklenborg (0. -bürg). 
Wieborg. Winzenborg (0. -bürg) — 
bes. in dem nordwestlichen Deutschland, 
während es in den ON. fast durchweg 
in -bürg ver hochdeutscht zu sein scheint. 
Ableitung auf -er (oberd.): 

1) 'burger: Brandenbwrger, Dillen- 
burger, Luxemlmrger, Naum- 
burger. 

2) - bürger : Heimbürger, Oldenbürger. 
Würzburger, 

Barger s. a) Burg (V.) b) Bürger. 

Bürger III. ahd. purgäri, mhd. burgaere, 
später burger „Bewohner einer Burg", so- 
dann „Bewohner einer (befestigten) Stadt", 
im Gegensatz zu dem Landbewohner. 
FN. Bürger — Burger, Gen. Bürgers, 
Niederd. Bwger. 

-bttrger s. Burg III. 

Bürgermeister III. mhd. burgermeister 
„Vorsteher einer Stadtgemeinde, Bürger- 
schaft" ; auch übertragen auf den Vorsteher 
einer Dorfgemeinde (in Schwaben und am 
Rhein). — Im Schwabenspiegel hurcmeister, 
daher „Burgomeister" (wie noch bei 
Goethe); neuniederländ. burgemeester. 
FN. Bürgermeister — Burgemeister, 



Burggraf 



Christ 



111 



Bnrg'graf III. mhd. bnrcgräve „Burggraf, 
Stadtrichter** („er was lantgräve überz 
laut, burcgräve in der stat genant'^ Eu- 
dolf V. Ems, Guter Gerhard V. 1452). 

Burgmann a) I. s. Burg b) III. mhd. burc- 
man „auf der Burg wohnender Vasall des 
Burgherrn". 

Bnrgstall m. angels. burgstal, noch jetzt 
in Österreich gebräuchlich, sinnverwandt 
mit „Burg". Im südöstlichen Deutschland 
sind Orte namens Burgstall sehr häufig; 
im nordwestlichen dagegen treten zwei 
abgeschliffene FF. zahlreich auf: Borstel, 
-horstet und Bostel, -hostet 
FN. 1) V. Hammel*- Für gstall. 

2) V, Borstell. 

3) Bestenhostel, Döhnhostel. Hörn- 
hostet (0. in der Landdrostei Lüne- 
burg). Ohlenhostel. Bodenhostel. 

— Auch Bostelmarm (hannöv.). 
Ableitung auf -er (oberd.): Purgstaller 

(österreichisch). 

Bork-, Bürk- s. Burg I. (V., einst. K.), 

Burmeister, -mester s. Bauermeister. 

Bnrtz, Bfirzel s. Burg I. (einst. K.). 

Busboom III. niederd. „Buchsbaum", aus lat. 
buxus, s. Busenbaum. 

Buseh HI. ahd. busc, mhd. husch, pusch 
das gewöhnlichste deutsche Wort für 
„niedriges Gehölz, Buschwerk". Nieder- 
länd. Bosch. In manchen der folg. Namen 
gewiß appellativ, wie -brink, -bruch u. a. 
FN. 1) von dem Busche. Busch. Pusch. 

— Buschmann. BerJcenhusch 
(Birken -). Dornhusch. Everts- 
husch. Eiterhusch (Erlen-). Fin- 
sterhusch. Hasselhusch. Holder- 
husch. Kieclcehusch; Kyckhusch 
(0. in Brandenburg). Nätehusch 
(Nuß-). Schlehusch. VaMhusch. 
Wiedehusch (Weiden-). 

2) von der Bosch. Ächterhosch. — 
Boschmanns (niederrhein.). 
Ableitung auf -er (oberd. — aber auch 
westf. von Appellativen): 

1) Buscher (Münch.). 

2) -hüscher: Königshüscher. Telgen- 
hüscher, 

BnsenlNiiim IIL nach Yilmar „Stammbaum", 
was aber nicht belegbar. Besser mit 
Andresen «=» „Buchsbaum", als mittelalter- 
licher Schmeichelname nach Grimm (kleine 



Sehr. II, 400). Dafür sprechen auch die 
Nebenff. 
Busehaum und (niederd.) Bushoom. 

Bußin III. N. eines dem Verf. persönlich 
bekannten Proselyten, abgeleitetvon „Buße", 
mit Anklang an die ON. auf -in. 

ButenschSn in. niederd. „auBen schön". 

Büttel III. in ON. zu altsächs. bodl, angels. 
botl „Haus" (9. Jh.: Dallangibudli). 
FN. Edelhüttel auch EddelhüUel. Sießen- 
hüttel. 

Butterfaß III. deutlicher Geräth-N. 

Buttermannlll. ein „Butterhändler, -träger". 

Butterweck III. ein aus Butterteig gebacke- 
ner Weck. Halbfranzösirt in barbarischer 
Schreibung Bouterwek, „um der unästhe- 
tischen Butterwecke zu entgehen" fPott). 

Btttting s. Bod (einst. K.). 

Buttmann Pott S. 596 : „Möglicherweise aus 
Butte für Bütte. Oder Verkäufer von 
Butten (butt, Platteise, Rhombus piscis). 
Oder vom hamburg. Adj. butt, von kleinen 
Kindern, vgl. verhüttet, auch grob, plump." 
Alle diese Vermuthungen sind in die Luft 
gebaut , wenigstens soweit es sich um den 
N. des bekannten Gräcisten handelt; denn 
dieser ist urspr. gar nicht deutsch , sondern 
französisch, Boudemont, woraus nur Butt- 
mann verdeutscht worden (s. Verhandlun- 
gen der Frankfurter Philologen- Versamm- 
lung). 

Büttner III. mhd. bütenaere (vom ahd. putin, 
mhd. hüten, hütte) „Bötticher" („Büttner- 
straße" in Breslau). 

FN. Büttner. Böttner. Verderbt Bittner 
(Schles.). 

Butze s. Bod (einst. K.). 



c. 

Cammerer s. Kämmerer. 

Camp- s. Kamp I. 

Cannegieter s. Kannengießer. 

Carels, Carl- s. Karal. 

Carst- s. Christianus. 

Casp- s. Kaspar. 

Cellarius s. Keller. 

Charfreytag III. zu den Zeitnamen gehörig 

(s. Tag). 
Chelopoens s. Kistmacher. 
Christ, -el, -en s. Christianus. 



112 



Christianas 



Cyriacus 



Christianus II. griech.-lat. Ableitung von 
Christus : „ein Christ" (noch nihd. Christen) ; 
der N. zuerst in Antiochien , Apostelgesch. 
11, 26. 

FN. a) Christian ; Christann ; Christen — 
gleich dem Appellativum bis zur Ein- 
silbigkeit verkürzt: Christ, nebst Christ- 
mann, ostfries. Christma. Gen. Chri- 
stiani; Christians ; Krystians, Patr. A. 
Christeller (Schlesien). Patr. Zus. 
Christiansen; Christemen (Schlesw.). 
Vklf. (1) : Christel; Christi (bair.). 

b) Mit Umstellung des r: Kirsten (Elbing. 
Urk. Kirsten Heynczo 1487); Karsten; 
Kirschten, woraus durch Uradeutung 
Kir stein ^ Kirschstein; Kerschstein 
(Hessen). — Verkürzt: Kirste, Kirst 
(Patr. A. Kirsting), in breiterer Aus- 
sprache Kirscht — mit Ausstoßung 
des r: Kist, 

c) Mit Umstellung des r und Brechung 
des i in e: Kerstan (in Gott. ÜB. I. 
schon ums J. 1251 Kerstianus als VN.); 
Kersten — verkürzt Kerst, Patr. A. 
Kersting, 

Mit Ausstoßung des r: Kesten; Ke- 
stem; Kest 

d) Mit Umstellung des r und Verbreite- 
rung des e in a (niederd.): Karsten, 
Carstenn (Carsten Manteuffel KB.); 
Kar stein; Karst. Gen. Carstens; (ost- 
fries.) Karsjens. Patr. Zus. Carstensen. 

Mit Ausstoßung des r: Kasten (als 
VN. 17. Jh. KB.); Kastein; Käst. 

Christophorus II. griech. „Christusträger" 
(S. 25) ; die betreffende Legende unter An- 
deren bei Kind: „Offerus war ein Lanzen- 
knecht" u. s. w. 

PN. Christopher; Christoffel; Christoph. 
Gen. Chtistophory ; Christophers; Chri- 
stoffels. 

Mit Kürzung im Anlaut: Stoppel. Gen. 
Stoffers (Stoffer VN. , Stoffer Prochel 
1644 KB.); Stoffels. Patr. A. Staffier. 

Ciliax» Ciriaks, Cirks s. Cyriacus. . 
Claaß-, Clabs, Claes, Clas-, Claß- s. Ni- 
colaus. 
Claud- s. Hlod (einst. K.). 
Claus- s. Nicolaus. 
Clauth s. Hlod (einst. K.). 
Claw- s. Nicolaus. 



Clemens II. lat. „milde, gütig" — N. zweier 
bedeutender Lehrer und Schriftsteller der 
christlichen Kirche der ersten beiden Jh. 
FN. Clemens, Klemens; Klement, 
Clericus III. lat. Übers, von Pape, in dem 
Sinne des mhd. pfaffe „Geistlicher" (s. 
Klempin, Matrikeln der pommerschen Ritter- 
schaft S. 11). 
Cloos s. Nicolaus. 
Cnyrim s. Knieriem. 
Coccejiis s. Koch. 

Cohn a) christlicher N. s. Kun (einst. K.). 
b) häufiger jüdischer N., zsgz. aus Cohen 
„Priester". 
Cohnfeld, -heim» -stein III. jüdische Phan- 
tasie -N. (S. 66). 
Cohnreich, Con- s. Kun (V.). 
Cord- s. Kun (Kunrad). 
Cornelias U. berühmtes römisches Geschlecht, 
zu welchem auch der Hauptmann Cornelius 
Apostelgesch. 10, als Nachkomme eines 
Freigelassenen des L. Cornelius Sulla, ge- 
hört haben mag. 
FN. Cornelius; Corndjes (friesisch; Ge- 
netiv? s. Euprecht S. 9); Cornel, Cor- 
nehl. Gen. Corneli. Patr. Zus. Kor- 
neliussen; Cornelissen. 
Mit Kürzung im Anlaut: Nelius; 
Nelies, Neljes, Nellies (die drei 
letzten im Fries, auch VN.) — Neds; 
Niels. Patr. NeUesen. 
Corßen s. Kun (V.). 
Coster, erster s. Küster. 
Cosmar s. Goz. 

Crabathi III. „kroat« (Pröhner S. 36). 
Cramer s. Krämer. 
Cranach III. ON. (S. 30). 
Cremer s. Krämer. 
Cretzschmar s. Kretschmer. 
Cruse s. Krause. 
Cun- s. Kun (V., einst. K.). 
Cnrdes» Curt, -curt s. Kun (V.). 
Cyriacus H. griech. „dem Herrn gehörig"; 
Patriarch von Konstantinopel am 600 n. Chr. 
FN. Cyriacks. Cyriaci. 
Zsgz. Cirks (fries.), davon Gen. Plur. 
Cirksena, das einheimische Fürsten- 
geschlecht in Ostfriesland, welches 
mit Karl Edzard 1744 ausstarb; doch 
dauert der N. anderweitig in Ostfir. 
fort, als der einzige noch lebende N. 
auf sena (sna) s. Ruprecht S. 14 — 



Czech 



Dechant 



113 



aber nach Stark S. 135 von Sigerik, 
Sirck, indem fries. für s ein z ein- 
tritt: Zirkzena, wie Zicke = Sicke. 
Mannigfache , z. Tb. sehr entstellte For- 
men: Ciriaks; Ciliax — Zilias; Zu- 
ges; Silges u. a. 
Czeeh III. ein „Tscheche"; auch in der 
Schreibung Tscheche Zschech. (In der 
Eassubei von einigen Familien nach dem 
Attentat des Bürgermeisters Czech auf 
Friedrich Wilhelm IV. in Echt umgewan- 
delt, indem der König, um Verleihung 
eines andern N. angegangen, das Cz vorn 
strich und ein t am Ende zusetzte). 



D. 



Baab s. Dag (zweist. K,). 
Baaeke s. Dag (einst. K.). 
Babbert, Babert s. Dag (V.). 
Baffert s. Dag (V.). 

BAG I. got. dagSy ahd. tac, tag, mhd. tac 
„Tag" (wohl in Hinsicht auf Licht und 
Glanz). Seit dem 4. Jh. in N. nachweisbar. 
FN. Tagebold : Tabold. 

Dagobert: Dahbert — Tahheri — 
Tappe^'t — Dapper. Gen. Dappers. 
Tagibod: Taboth. 
Dagafrid: Baffert. 
Dagaher: Täger, 
Dagalaif 4. : Taglid), 
Tagarat: Tagart — Tägert. 
Dagarich: Teirich. 
Dagoald: Dagott. 
Mit Erweiterung (Dagin-): 
Dagimpald: Damboldt. 
Taginbert: Dämmert — Demher. 
Einstämmige Kürzung Dag-. 
Dago, Tacco: Baaeke — Tag — Tack 
(Tackmavm) — Bäge — Tage — 
Beg — Tegge. Gen. Tagen, 

Vklf. (1) Dagalo: Begel — Tägel. 
Patr. A. Bägling — Bahling. (k) Da- 
giko : Beicke. Gen. Beycks. (z) Ta- 
gizo , Tayso : Beitz — Beiß - Theise ; 
Theis. 
Zweistammige Kürzung Dagb-. 

Bapp — Tapp — Baab. 
Auslautend (44 mal Forst.): 
'tag: Heiligtag. 
'dach: Hildach. 
Ueintze, Deutsche Familien - Namen. 



Bäg- s. Dag (einst. K.). 
Bagott s. Dag (V.). ^ 
-dahl s. Thal. 
Bahliiig s. Dag (einst. K.). 
Bahn s. Dan. 

Bahn- s. 1) Dan 2) Thegan. 
Bam- s. Thanc (zweist. K.). 
BSn- s. 1) Dan 2) Thegan. 
BAN I. der „Däne" — seit dem 7. Jh. in 
N. nachweisbar (Danoald). 
FN. Denihart: Bannert — Benhard — 
Bohnert. 

Einstämmige Kürzung Dan-. 
Dano, Tenno: Bann — Bahn — 
Bahne; Behn. 

Vklf. (1) Danila?.: Bahnet, Bä- 
nell. (k): Benicke — Bähnke. 
(Fließt zusammen mit Thegan.) 

Banek- s. Thanc. 
Banehl s. Daniel. 
Banhauer III. „Waldhauer, Holzfäller" (s. 

Tann). 
Baniei II. hebr. „mein Richter ist Gott", der 
bekannte Prophet. 
FN. (zum Theil jüdisch): Baniei (Bani- 
gel) — Banehl — Bannöhl — Ban- 
neil. Latinis. Banelius. Gen. (lat.) 
Banielis — (deutsch) Baniels. Patr. 
Zus. Banielsohn; Banielson. 

Bank- s. Thanc. 

Bann, Bannert s. Dan. 

Bannehl, -eil, -Shl s. Daniel. 

Banz s. Thanc. 

Bapp- 8. Dag (V., zweist. K.). 

Bäsehler, Bäschner s. Täschner. 

Bato, Bathe, Baude s. Thiud (einst. K.). 

Baum III. s. S. 49. Heneke mit dem dumen 

1373. Chunrat vnd Friderich die Dovmen ; 

Frlderic. Pollex 13. Jh. 

Bautert s. Thiud (V.). 
Bayid 11. hebr. „geliebt" ; der König und 
Psalmendichter des A. T. 
FN. (z. Th. jüdisch): Bavid; Bawid. 
Gen. (lat.) Bavidis — (deutsch) Bavids. 
Patr. Zus. Bavidson — Bavison. 

de in niederländ. Namen der Artikel: de 
Beer, de Vrient (S. 40). 

Beb- s. Thiud (V.). 
Bebbelln s. Thiud (zweist. K.). 
Beehant III. ahd. techant, mhd. dechän (aus 
lat. decanus „der über zehn gesetzt ist"), 

8 



114 



Decker 



Ditz 



ein Vorgesetzter in verschiedenen, nicht 
bloß geistlichen Ämtern. 
FN. Bechant; Bedien d. 
Becker III. „Dachdecker". 

FN. Becker y in ostfriesischer Schreibung 
Bekker. Gen. Beckers (niederrhein.). 
Ded- s. Thiud (V., einst. K.). 
Beeken, Beetz s. Thiud (einst. E.). 
Befert s. Thiud (V.). 
Befregrgrer III. „einer aus dem Teferegger 

Thale (Tii-ol). 
Beg- s. Dag (einst. K.). 
Begen-, Begner s. Thegan. 
Begreff s. Graf. 
Beim s. 1) Dan 2) Thegan. 
Belirholtz s. Diur. 
Beib- s. Thiud (V., zweist. K.). 
Beichmann III. „Aufseher eines Deiches" 
d. i. Schutzdammes gegen das Wasser. 
(Da mit der Erdausgrabung zugleich eine 
Erdaufschüttung verbunden ist, so hat die 
Sprache dasselbe Wort einmal in der hochd. 
Form „Teich" für lacus, sodann in der 
halbniederd. F. „Deich" für agger ver- 
wendet). 

FN. Beichmann. — Niederd. Bieckmann. 
Gen. Biekmanns (Geldern) — s. auch 
Teichniann. 
Beick- s. Dag (einst. K.). 
Bein- s. Thegan. 
Beiß s. 1) Dag (einst. K.) 2) Thiud (einst. 

K.). 
Beit- s. Thiud (V., einst. K.). 
Beitz s. 1) Dag (einst. K) 2) Thiud (einst. K.). 
Belir, Belfs s. Thiud (V.). 
Bemant III. „Diamant". Auch Jaspis findet 

sich als FN. 
Bember s. Dag (V.). 
Benant s. Thiud (V.). 
Beneeke s. Thegan. 
Bengel s. Thanc. 
Benhard s. 1) Dan 2) Thegan. 
Benis s. Dionysius. 
Benk- s. Thanc. 
Benn- s. 1) Dan 2) Thegan. 
Benys s. Dionysius. 
Benz- s. Thanc. 
Bepping s. Thiud (zweist. E.). 
Bereich, Berix s. Thiud (V.). 
Bessoir III. aus Dessauer verfranzöselt 

(S. 67). 
Bet-, Beth- s. Thiud (V., einst. E.). | 



Bett- s. Thiud (V.). 

Beub- s. Thiud (V., zweist. E.). 

Beudeloff s. Thiud (V.). 

Beut- s. Thiud (V., einst. E.). 

Bevrient III. urspr. flämisch: de Vrient „der 
Freund" (S. 40). 

Bew-, Beybaldt s. Thiud (V.). 

Beycks s. Dag (einst. E.). 

Beyhl s. Thiud (einst. E.). 

Bibbern s. Thiud (V.). 

-dick s. Teich. 

Biet- s. Benedictus. 

Bidden, Bidtchen s. Thiud (einst. E.). 

Bidolf s. Thiud (V.). 

Bieb- s. Thiud (V., zweist. E.). 

-dieck s. Teich. 

Bieckmann s. Deichmann. 

Bied- s. Thiud (V., einst. E.). 

Bief - s. Thiud (V.). 

Biehr s. Diur. 

Bieken s. Thiud (einst. E.). 

Biekgräber III. (niederd.) „Teichgräber". 

Biekgräwe, -grebe III. niederd. „Deich- 
graf" d. i. Aufseher eines Deiches. 

Biel- s. Thiud (einst. E.). 
Bieni- s. Thiud (V., zweist. E.). 
Bienhart s. Thegan. 
Biepolt s. Thiud (V.). 
Bier- s. 1) Diur 2) Thiud (V.). 
Bießl s. Thiud (einst. E.). 
Biet-, Bieth- s. Thiud (V., einst. E.). 
Bietsche, Bietz- , Bihle, Bik-, Bill s. Thiud 
(einst. E.). 

Billschneider III. „Dielschneider", vom mhd 
dille Diele. 

-ding, -dink aus ing entstanden bei An- 
fügung von Vollnamen, die auf einen 
T - Laut ausgehen : 

Helmer ding (Re\mhB.Td). Vollbeding (Volk- 
bert). iZww2!)er<?tncÄr(Hunipreht, Hum- 
pert). 

Bionysius U. griech. „der Dionysische", von 
dem Gotte Dionysus (Bacchus). 
FN. Benys, Benis, Mit Eürzung im 
Anlaut Nieß. 

Bip- s. Thiud (V., zweist. E.). 

Birck-, Birk- s. Thiud (V.). 

Biruff s. Diur. 

Biß s. Thiud (einst. E.). 

Bit-, Bitt- s. Thiud (V., einst. K.). 

Bitz s. Thiud (einst. E.). 



■_ A 



Diur 



Dörwald 



115 



BlUK I. 1) got. dins, ahd. tior, dier, mhd. 
tier „Thier" 2) ahd. tiuri, dipri, mhd. 
tinre „theuer". 

FN. Deorovald: Dörwald — Dürholdt. 
Gen. Dehrholtz. 
Deorolf: Dierolf — Thierolf— Du- 
rolf — Thyrolf — Türloff - 
Dii'uff — Tiroff; Tliierauf. 
Einstämmige Kürzung Diur-. 
Dioro : Diehr — Theuer — Buhr. Patr. 
A. Dierink. 

Vklf. (k) : Die^neJce — Theurich — 
Dürrich. Patr. Zus. Dührsen. 
Bix s. Benedictus. 
BJaren s. Georgius. 
Dob- 8. Thiud (V.). 
D»b-, D»bb- s. Thiud (V., z weist. K.). 
Boeke, Bod- s. Thiud (einst. K.). 
Böd- s. Thiud (V.), 
Böhm s. Dom. 
Bolf s. Ath (V.). 

BoUmetseh III. gegen Ende des 13. Jh. aus 
dem Slavischen (poln. tlumacz, russ. tol- 
matsch) aufgenommen: „Dollmetscher^. 
BOM I. got. domsy ahd. mhd. tuom „Urtheil, 
Gericht" (auch Macht, Ansehen). 
FN. Domhert: Tompert. 

Domard: DomJiardt — Dommert — 
Dühmert — Dummert — Dümmert. 
Domarius: Thonier — Dommer. 
Tuomrih: Domrich. 
Einstämmige Kürzung Dom-. 
(Domo): Dow, DöÄw - Thutn— Thym. 
Vklf. (1) Dnomelo: Dommel — 
Tömmel — Dummel — Dümmel — 
Thümmel, Patr. A. Dömling — 
Thümling. (k): Domke — Dömich 
— Dühmke, (k + n) : Dümichen. 
Auslautend tum: Altum. 
Born-, B8m-, Bomm- s. Dom. 
Bominieus II. „dem Herrn angehörig" (vgl. 
Cyriacus) ; der h. D. , ein Spanier, stiftete 
1216 den Orden der Dominikaner. 
FN. Dominicus; Dominick; Domnick. 
Bon-, B9n- s. Antonius. 
-donk s. Dung. 
Bonner s. Thunar. 

Bonnersmark III. im Zipserlande (Ober- 
Ungam) gelegener Marktflecken, wonach 
das jetzt schlesische Grafengeschlecht 
Henckel v. Donnersmarck seinen Namen 
hat, während der N. Henckel durch eine 



Erhtochter „v. Henckel" hinzugebracht ist 
(S. 78). 

Böpel s. Thiud (V.). 

Borf III. ahd. dorf , thorf, mhd. dorf, alt- 
sächs. thorp, niederd. dorp (dän. torp) — 
in ON. aus dem 7. Jh. zuerst nachweislich; 
neuere FP. -dorf, -torf — niederd. -dorp 
(z.B. Oldendorp), -drup, -trup, -trop. 
FN. a) hochdeutsch: 

1) 'dorf: Borsdorf. v. Helldorf. 
Fufendorf Blasendorff. 

2) 'dorp f {-tor^f): Teßdo^pf Graf 
Sierstorpff (0. Siersdorf). 

3) 'torf (nach s und t): Gotto^-f 
Reinstorf. v. Bernstorff, Estorff. 
Wolterstorff neben Woltersdorff 
(während als ON. nur Wolterdorf). 

4) troff: Hermesiroff. 
b) niederdeutsch: 

1) -dorp: V. Hogendorp. Oldendorp 
(neben Ollendorff). So immer bei 
Klempin: Benekendorp, Teskeri' 
dorp (j. Teschendorf) — nach s 
torp: Beygerstorp (j. Beyersdorf). 

2) 'drop: Daldrop. 

3) 'dmp: Brandrup (0. Branderup 
in Nordschleswig). Sandrup, 

4) 'toi'p: Quistorp (0. Quisdorf im 
Eutinischen). 

5) -trop: Gastrop. Ribhentrop (0. 
Kibbentrup in Lippe -Detmold). 

6) trup: Mentrup. Sentrup. Wen- 
trup, Eistrupp (0. Eistrup im 
Osnabrückischen). Schachtrupp (0. 
-trup). 

Ableitung auf -«r (oberd.): 

1) 'dorfer (-torfer) : BiUdorfer. Freun- 
dorfer. Helfersdorf er. Äiglstorfer 
(bair.). 

2) 'dörfer: Herrendörfer. Hunds- 
döi'fer. Neudörfer. Erdmanns- 
dörffer. 

-dorf er, -dörfer s. Dorf. 
B((ring s. During. 

Born III. ahd. mhd. dorn „Dom, Dornbusch". 
FN. Dorn. BliiMorn, niederd. Bleudorn. 

(entstellt Bleidorn). Hagedorn, zsgz. 

Heidom. Maidarn. Schleedorn (Heinric. 

dict. Sleedorn 1266). 
-dorp, -dorpf s. Dorf. 
B((rries s. Isidorus. 
B((rwaid s. Diur. 

8* 



116 



Döscher 



Dung 



Bischer III. niederd. = Drescher; Dröscher. 
Dotter, Döttloff s. Thiud (V.). 
Doxie II. aus Eudoxia (Fröhn.). 
Brabant s. Trabant. 
Brabsanft III. Satz-N. „trabe sanft". 
Bräclisle s. Drechsler. 
Bräs- s. Andreas. 
Brandt s. Drud (einst. K.). 
Breassen s. Andreas. 

Brecbsler III. von „drechseln", dem Fre- 
quentativ von „drehen". 
FN. Drechsler y Drexler — dem mhd. 
draebsel entsprechend die schwäbische 
F. Drächsle (Lörrach). 
Breefs, Brees- s. Andreas. 
Brelier III. von „drehen", mhd. draejen, der 
„Drechsler". 

FN. Dreher. Zus. Stockdreher. 
Niederd. Dreier, Dreyer von niederd. 
drejen. Zus. Schötteldreyer (Bücke- 
burg) „Verfertiger hölzerner Schüs- 
seln". Stuhldreier (Westf.). (So wer- 
den auch die Bernstein -Arbeiter, die 
früher in Danzig, Stolp u. s. w. eine 
besondere Zunft bildeten, in dem 
Stolper KB. noch im 17. Jh. „Bern- 
Steindreier" genannt). 
Breiher s. Dreher. 
Breis s. Andreas. 

Breizehner III. wohl mit Bezug auf den 
alten Aberglauben, daß, wenn gerade 13 
Personen sich in einer Gesollschaft zusam- 
menfinden, einer von ihnen bald sterben 
muß. 
Bressel s. Thras. 
Breuttel s. Drud (einst. K.). 
Brew- s. Andreas. 
Breyer s. Dreher. 

Brieseh III. „unbebaut liegen bleibender 
Acker". 
FN. Van den DriescJie, holländ. Gelehr- 
ter des 16. Jh. Von den Driesch. 
Briesemann s. Andreas. 
Brommeter s. Trompeter. 
-drop s. Dorf. 

Broste III. „Amtmann, Schösser" in Fries- 
land, Westfalen n. a. (s. Truchseß). In 
mehreren Adelsfamilicn des Münsterlandes: 
Dr. zu Hülshof; Dr, zu Vischering. 
Bmbe s. Drud (zweist. E.). 
BBUB I. altnord. Thrudr eine Walkyrie 
„Drude" (s. Weinhold, die deutschen Frauen 



S. 14). Inwieweit daneben das Eigensch. 
trüt „traut" in Betracht komme, ist zwei- 
felhaft. 
FN. (Drudbod) : Trauhoth. 

Trudhari: Trüter — Treutter. 
Trutman : Trutmann — Drumann — 
Trumann — Trautmann — Trau- 
mann. 
Drutmar: Trümmer — Trumer — 
Drummer — Trümtner — Traumer. 
Drudwin: Trautwein. 
Trudulf: Trüloff— Trautloff— zgsz. 
Trolf. 
Einstämmige Kürzung Drud-. 

Drudo : Drude — Trude — Drue — 
True — Draudt — Traute; Traut. 
Patr. A. Druding — Druiding 
(spr. Drüding, ostfries.) — Treuding. 
Vklf. (1) Drudilo: Dreuttel — 
Treutel — zsgz. Drühl, (1 -f- n): 
Treutlein. (k) (Drudico): Drüke — 
Treucke; Treuge. (z) Truzo: Traittz 
(mit der unorgan. Bildung Traut- 
schold). (z -}- 1): Trutzel. 
Zweistämmige Kürzung Drudb-. 
Trubo: Drube — Trübe — Tratibe. 
Vklf. (1): Trupel. 
Auslautend (143 mal Forst., doch an- 
scheinend nur in weiblichen N.). 
-trut: Liebetruth. 
-traut: Liebetraut. Eisentraut. 
Brue, Brttlil, Braiding, Brilke s. Drad 

(einst. K.). 
Brumann» Brttmmer s. Drud (V.). 
-drup s. Dorf. 

Bubb- s. Thiud (V., zweist. K.). 
Bttbbert s. Thiud (V.). 
Bndd-, Buden s. Thiud (einst. K.). 
Biihm- s. Dom. 
Buhr, Btthrsen s. Diur. 
BÜLB I. zu ahd. mhd. dult „Geduld", bea. 
wohl auf Ausdauer im Kampfe gehend 
(Andresen). 

FN. (Tultperaht) : Tulpracht. 
(Dulthart): Duldhardt. 
Einstämmige Kürzung Duld-. 

Vklf. (k): Dulk — Tulke. (i): 
Dultz, 
Bulk, Bultz s. Duld. 
BUmichen» Bumm-, Bttmm- s. Dom. 
Bang, Bouk III. wahrsch. eine kleine Boden- 
erhebung, bes. zwischen Sümpfen (Forste- 



Dünnebacke 



Ehn- 



117 



mann ON. S. 75). Alte N.: Dung, Meg- 
niedang; neuere bes. in der Gegend von 
Düsseldorf und in Flandern. 
FN. 1) -dunk: Äveidtmk. 

2) -donk: Germerdonk. Wesendonk. 

Bünnebaeke III. zu den Körpertheilen. 

Dttrholdt s. Diur. 

DÜRING I. zum Volksnamen der „Thürin- 
ger". Turincpraht, Durinchard. 
FN. Dunng — Düring — Thüring — 
Döring — Thöring — Deuring. 

Bttring a) s. During b) III. ein „Thüringer". 

BOrolf 8. Diur. 

Bttrre III. französirt Dürre , s. S. 67. 

Bttrrieli s. Diur. 

Busendtiifel III. „Tauscndteufel« (wohl weil 
der Ahnherr diesen Fluch im Munde führte). 

Butschke, Battke s. Thiud (einst. E.). 

Büttmann s. Thiud (V.). 

-dyk s. Teich. 



E. 



£b- 8. Ebar. 

EBAB I. zu ahd. ebur, mhd. eher „der 
Eber« (S. 17). 

FN. Ebarhard: Eberhard — Ehrard — 
Ebhard; Ehart; Ebert Zus. Meier- 
everth. Gen. Eberhards ; Eberts — 
Evertz, Patr. A. Everding. 
Ewurman : Eber mann — Everma/nn. 
Eburwin: Eberwein — Ewerwien. 
Einstämmige Kürzung Ebar-. 
Ebaro, Ebo, Eppo (Stark S. 40): Eber 
Eebe — Ebbe — Epp. Gen. Ebers 

— Ebs; Eben — Eppen. Patr. A. 
Eppink; Ebbinga (ostfries.). 

Vklf. (l): Ebel; EbU — Epple. 
Patr. Ebeling. (1 + n)^ Eberlein 

— Eppelein — Eblen — Epplen. 
(k): Ebbecke — Ebke; Ebkema 
(ostfries.). 

Ecc-, Eck- s. Ag (V., einst. K.). 
Eekein. ahd. ekka, inhd. ecke, egge „Ecke, 
Winkel". Sehr zahlreich in ON.: -eck; da- 
neben -egg (süddeutsch). 
FN. a) Honeck (0. Hohen eck). Viereck. 
Waldeck. 
b) V. Bieberegg. v. Cronegg (0. 
Kronegg). Höhenegg. v. Königs- 
egg. v. Lichtenegg. 



Ableitung auf -er (oberd.): 

a) -ecker: Bernecker. Heidecker. 
Vilsecker. Waldecker. (Bisweilen 
in der Schreibung -äcker: Bien- 
äcker neben Rienecker, vonRieneck 
in ünterfranken, ehem. Grafschaft, 
s. Goethe's Götz II, 8: „Rein- 
eckische Bauern", nach Götzens 
Lebensbeschreibung. So auch 
wohl Steinäcker st. Steinecker.) 

b) ' egger (südd.): Bttchegger (0. 
Buchegg in der Schweiz). Heidegger 
(vgl. Heideck, Oberpfalz). Kalten- 
egger (0. Kalteneck in Steiermark). 
Lichtenegger (0. Lichtenegg in 
Österreich). BavLchenegger neb. 
-ecker. Scheidegger {^ehei^egg 'm 
Baiern, Bezirk Lindau). Steinegger 
(Steinegg in Baden). 

-ecker s. Ecke. 

EB I. mundartl. == Aud, Od „Erbgut". 
FN. Edebert: Gen. Eppers. 

Edfrid: Ejfert. Gen. EifeHz. 

Ether: Eder — Etter. 

Edilef: Patr. Zus. Edlefsen. 

Edrich: Etterich. 

Edward: Edward; Eduard. 

(Edwin): Ettwem. 

Edulf: Edölph. 
Einstämmige Kürzung Ed-. 
Edo, Etto: Ette — Ed. Gen. Eden. 
Patr. A. Eding, 
Vklf. (k): Ettig. 
Eddeling s. Athal (einst. K.). 
Edel- s. Athal (V., einst. K.). 
-eder s. Öd. 
Eebe s. Ebar (einst. K.). 
Eerkes, Eerts s. Era. 
Eff- s. Ed. 
Egbert s. Ag (V.). 
Egel- s. Agil (V., einst. K.). 
Egen- s. Agin (V., einst. K.). 
Egers s. Ag (V.). 
Egidy s. Aegidius. 
Egg- s. Ag (V., einst. K.). 
-egrgr, -egger s. Ecke. 
Eginard s. Agin (V.). 
Egner s. Agin (V.). 
Egold, Egolf, Egts s. Ag (V.). 
Ehl . s. 1) AgU (V. , einst. K.) 2) Athal (V. 

einst. K.). 
Ehn- s. Agin (V., einst. K.). 



118 



Ehr- 



Erin 



Ehr- 8. Era. 
Ehren- s. Erin. 
Eib- s. A^ (V.). 

Eich III. in ON. von „Eicho" in collectivem 
Sinne = „Eichwald": Eich, Aich, -aich. 
FN. Eich, V. Schönaich. Abi. auf -er 
(oberd.): Breiteneicher. 
Eichhard, Sichert s. Ag (V.)- 
Eichmaun III. der „bei einer Eiche wohnt"- 
Dreieichmami der „bei den drei Eichen". 
Eiek- s. Ag (einst. K.). 
Eidam III. nebst Kleineidam, Zu den Ver- 
wandtschafts -N. 
Eier, Eiert, EilTert s. Ag (V.). 
Eigen- s. Agin (V.). 
Eih:- s. Ag (einst. E.). 
Eil- s. Agil (V., einst. K.). 
Eim- 8. Ag (V.). 
Ein- s. Agio (V., einst. K.). 
Einerhand III. elliptischer N. : „der mit einer 

Hand" (S. 49). 
Einsiedei III. ahd. einsidilo, nihd. einsidele 
„Einsiedler". 

FN. Einsiedei, Einsiedl — auch Ein- 
siedler. 
Eirich s. Ag (V.). 
Eis- s. Agis. 
Eisen I. s. Isan. 

-eisen a) I. entstanden, wohl durch Umdeu- 
tung, aus eis (ahd. izo (S. 23. 34). 
PN. Grrimmeisen neben Grimeis (ad. Gri- 
mizo). Helmeisen (Helmizo). Loth- 
eisen, Lotheißen (Hlodizo). Notheisen 
(Notizo). — Gerdeißen (Gardizo). 

b) III. Zus. mit „Eisen", Geräthe be- 
zeichnend. 

FN. Bauerneisen (S. 44). Hufeisen mhd. 
huofisen). Spereisen. 

c) in. in Thurneisen entstellt aus urspr. 
Thumhäuser 1220, Thurneyser 1500 (Bacm.). 

Eisenblätter III. = Eisenplätter, wie Drat- 
plätter vom Plattmachen des Drates zwi- 
schen zwei stählernen Bolzen. 

Eisenhut III. mhd. isenhuot „Helm". Niederd. 
Iserhot, 

Eisenmenger III. „Eisenhändler" (s. Manger). 

Elb- s. 1) Alb 2) Athal (V.) 3) Agil (V.). 

Elf- 8. Alb. 

Elger s. Agü (V.). 

Elias n. hebr. „mein Gott (ist) Jehova"; 
der Prophet 1. Kön. 17 ff. 
FN. Elias, Patr. Eliiissen. 



Ell- s. a) Agil b) Athal. 
Eilends III. ahd. alilanti „von der Heimat 
(dem Lande) fern, fremd". 
FN. Ellendt — Ehlend, 
Elp- s. Alb, doch 
Elpertinc s. Athal. 
Eltester III. s. S. 48. 
ElTcn s. Alb. 
Elwert 8. Agil (V.). 
Em- s. Ewa. 
-em s. Heim III. 

Emanuel II. hebr. Immanuel „Gott mit uns" 
vgl. Jes. 7 , 14. Matth. 1 , 23. 
FN. Manuel — daraus jüdisch: Mendel 
mit den patr. Zus. Mendelssohn; Men- 
delson. 
Emel- s. Amal. 
-emer s. Heim III. 
Ender-, Endr- s. Andreas. 
Enet s. Agin (V.). 
Eng- s. Ingo. 

Engel-, Engl- s. Angil (V., einst. K.). 
Enigk s. Agin (einst. K.). 
Enke a) I. s. Agin (einst. K ). — b) III. ahd. 
encho „Knecht", bes. der dem Großknecht 
untergeordnete jüngere Eleinknecht. 
Enking, Ennen s. Agin. 
Ensle, -in s. Ans. 
Ep- 8. Ebar (Eppers s. Ed). 
Er- s. Era. 

ERA I. ahd. era, mhd. öre „Ehre". (Hari 
Heer spielt hinein, so daß eine genaue 
Sonderung sehr schwierig ist). 
FN. Erhart: Ehrhard; Ehret — Erhard. 
Gen. Eerts (ostfries.). 
Erolt: Ehrhold, 
Einstämmige Kürzung Er-. 
(Ero): Patr. A. Ehring. 

Vklf. (1) Eralo: Ehrle, (k) Erico: 
Eriche; Ehrke, Gen. Eerkes (ost- 
fries.). 
Erasmas II. griech. „der Liebenswürdige*. 
FN. Gen. Erasmy, 

Mit Kürzung im Anlaut: BasmfM. Patr. 
Zus. Basmussen, -^ Äsmus, Gen. Aßw^. 
Erb- s. Arb. 
Erbsmehl III. deutlicher Name ans der 

Pflanzenwelt. 
Erd- 8. Hard (V., einst K.). 
EBIN I. Erweiterung von Era. 
FN. (Erinbot): Ehrenbot. 
Erindrud: Ehrentraut. 



1 



Erl 



Falke 



119 



Erinfrid: Ehrenfried, 

Erenricus: Ehrenrekh — Ernreich. 

Emwin: Ernenwein. 

£KL I. altsächs. erl „Mann", angels. corl 
„Edelmann" (dah. engl, earl), altnord. iarl 
Edelmann ; Gaugraf. 
FN. Erlman: Erlemann. 
Erlach ar: Erler, 

Erliwin: Erlewein — Erlwein — 
Erlentcein. 
Einstämmige Kürzung Erl-. 
Erlo: Erle. 

Vklf. (k): ErUcke; ErlecJc. 

Ena- 8. Irmin (V., einst. K.). 
- ermel III. in Rothermel. Weißermel (Spott- 
name für Müller (S. 46). 
Em- s. 1) Arin 2) Erin. 
Emest, Ernst- s. Amust. 
Erp- 8. Arb. 

Ert- s. Hard (V., einst. K.). 
Esch- s. Asc. 

Esel III. vgl. Lambertus asinus 1136, Berh- 
told der esel 1297. 
FN. Lutenesel (E. , der die Laute schlägt). 
V. Riedesel. — Eselkopf, 
Ett- 8. Ed. 
Eue s. Ewa. 

Ealer III. der „Töpfer", von aul Topf (aus 
lat. olla). 
FN. Euler, Gen. Eulers, Mit dem n 
der schwachen Bildung: Eulner, Zus. 
Ohlenmacher, 

(Vgl. Albrecht Ewlnsmid 15. Jh. Nürn- 
berg; noch heute begegnen in der 
Wetterau die EN. Aulenpfad, Aulen - 
weg u. a. und Eulner gilt allgera. für 
Töpfer DW.). 

Eupert, Eurich s. Ewa. 
Eustaehius II. griech. „der Ährenreiche". 
FN. Stach, 

Eustathlus U. griech. „der Standhafte, Ge- 
sunde". 

FN. Statius, Staats (Staatsmann), Stets, 
Patr. Zus. Staassen (fries. Staats VN.). 

Ever- s. Ebar (V.), 

EWA I. got. aivs, ahd. ewa, mhd. ewe, e 
„uralte Zeit"; (seit langer Zeit geltendes) 
Recht und Gesetz. 
FN. Eubert: Eupert, 

Eumund: Emund. Gen. Emundts; 
Emans, 



Euarix: Eurich — Erich (doch s. 

auch Era). 
Ewald: Ewald. Gen. Ewolds, 
Einstämmige Kürzung Ew-. 
Ewo , Euo : Ewe — Eue. Gen. Ewes — 
Euen, 
Ew- s. Ewa. 

Exter III. aus Agelster ahd. ägalasträ 
„Elster". Auch wohl in Exernbrink 
(„Elstembrink"). 
Ey- s. Ag (V., einst. K.) — doch 
Eyl- s. Agil. 
Eysfenhardt s. Isan. 



P. 



Faber III. Latinisirung für Schmid. 

FN. Faber. Gen. Fabri. Patronymisch 
weiter gebildet: Fabridus (um dadurch 
in die Namenverwandtschaft dieses be- 
rühmten altröraischen Geschlechts hin- 
einzukommen — so Magister Phil. Fa- 
bricius, der 1561 als Zeuge unterzeichnet: 
D. philips Smidt, s. Gesch. des Gymnas. 
zu Dortmund Progr. 1875 S. 5) — daraus 
verkürzt: Fah'iz, 
Fabri, Fabrieius s. Faber. 
Fach-, Fack- s. Fag. 
FAG I. mit der Erweiterung Fagin zu got. 
faheds Freude , got. und ahd. faginon sich 
freuen. 
FN. (Faghard): Fackert. 

Fagenold: Gen. Feinholtz, 
Einstämmige Kürzung Fag-, 
Facho: Fache; Fach, 
Fahland III. mhd. välant der „Teufel", auch 
von Menschen gebraucht ; so wird der wilde 
Hagen des Gudrunliedes „Välant aller 
künege" genannt. 

FN.: Fahland^ Valand — Vohland, 
Fähnrieh III. urspr. der „Fahnenträger"; 
mit euphonischem d Fähndrich (zuerst bei 
Halbsuter: vendrich). 
FN. Fähnrich; Fähndrich — Fenrich, 
Fahr- s. Far. 
Fährmann a) I. s. Far b) III. „Fährmann, 

Ferge". 
Falehner s. Falkner. 
Fälgenmaeher s. Felgenhauer. 
Falke III. ahd. falco, falcho, mhd. valke, 
der „Falk", beliebt in der ritterlichen Zeit 



120 



Falkner 



Findekeller 



als Stoßvogel auf der Jagd, bes. derEeiher- 
beize; in der mhd. Dichtung ein Bild des 
Geliebten. 

FN. Falke; Falk. Zus. Güldenfalk. 
Praunfdlk, 
Falkner III. mhd. valkenaere „der Falken 
abrichtet", bes. zur Eeiherbeize. 
FN. Falkner; oberd. Falchner, Mit 
Umlaut Fdkner, 
'ftHnger III. in mehreren Zus.: Aalfänger. 

Bärenfänger. 
FAB I. got. ahd. faran, mhd. vam „sich von 
einem Orte zum andern bewegen, ziehen". 
FN. Faraman: Fährmann, Fehrmann. 
Einst. Kürzung Faro: Fahre — Fehre. 
Patr. A. Feh/ring, Zus. Fehrensen. 
Vklf. 0): Fehrle. (k) Farago: 
Farrach — Fahrke. 
Farrach s. Far. 
Faßbänder s. Binder. 

Faßlabend III. zu den Zeitnamen gehörig. 
So auch Faßnacht vgl. Ulrich Vaznacht 1367 ; 
mhd. vasnaht und vastnaht der Tag vor den 
großen Fasten. 
FAST I. ahd. fasti mhd. veste „fest". 
FN. Fastman : Fastmann. 
Fastrad: Fasiert. 
Fastrih: Fastrich, 
Einstämmige Kürzung Fast-. 
(Fasto) : Fast — Fest. Patr. A. Festing. 
Vklf. (1) : Fastl (bair.). (k) : Fastje 
(fries. Oldenb.). 
Fank s. Fulc (einst. K.). 
Feehner III. der mit „Fech", mhd. vech 

buntem Pelzwerk, bes. Hermelin, handelt. 
Fedder- s. Frith (V.). 
Federwisch III. ein bis ins 13. Jh. zurück- 
gehender N. (Embricho Federwisch 1213) = 
Crosemsch. 
Fehr- s. Far. 
Feierabend III. Zeitname; Jac. Firabend 

1313. 
Feige s. Frith (einst. K.). 
Feinaigle III. „Feinäuglein", mit schönen 

Augen (schwäb. Fröhn.). 
Feinholtz s. Fag. 

Feld III. ahd. feld, mhd. velt „freies, flaches, 
unbewaldotes Land; bebauter Acker". Ist 
Asfeld bei Paulus Diaconus (I, 20) wirklich 
aus dem 5. Jh. tiberliefert, so gehört -feld 
zu den ältesten deutschen Ausgängen in ON. ; 
das 8. Jh. bietet schon eine große Menge. 



Mit dativischer Ellipse alt -felda, -feldam, 
neu 'fdde, -felden; doch dieses e des Sing, 
fällt in FN. mit seltener Ausnahme ab, 
ebenso wie in -berge. 
FN. von Beerfelde. — Hirschfdd (0. 
Hirschfeld und -felde). Lichter feld (0. 
Lichterfeld und -felde). Steinfeld, von 
Winter feld. Marien feldt (0. meist - felde). 
Neufeldt. v. Meerveldt. 
Ableitung auf -er (oberd.): 
Hir Sehfelder. Obstfelder. Schönfelder. 
Schwengf eider. Weidenfelder. 
Felgenhauer III. mhd. velgenhouwer „der die 

Eadfelgen zuhaut", Radmacher, Wagner. 
Felkner s. Falkner. 

Fels III. ahd. fels, mhd. vels in alten N. wie 
Rotenvels weit seltener als -stein; neue N. 
wie Drachenfels , Wcißenfels verhältnismäßig 
häufiger. 

FN. Fels (vgl. franz. La Roche). Harten- 
fels. Lichtenfels. Neuenfels. 
Ableitung auf -er (oberd.): 
Dannenfelser. Stdnfelser. 
Femmer s. Frith (V.). 
Fenner III. mlid- venre , verkürzt aus vanaere, 

ahd. fanäri „Fähnrich". 
Fenrich s. Fähnrich. 
Ferber s. Färber. 
Ferd- s. Frith (V.). 

Ferg III. ahd. fario, mhd. verge „der Feige" 
d. i. Fährmann. 
FN. Ferg — Förg, Vörg. 
Fernand s. Frith (V.). 
Femkom III. „altes Korn" (vgl. Fimhaber). 
Fesenbeek III. der aus „Fese" d. i. Spelt 

backt. 
Fetkenheuer s. Pfettenhauer. 
]?ett- s. Frith (einst. K.). 
Fetthake III. zu den Küchengeräthen s. S. 44. 
Feuerrohr IH. (S. 45). 
Fick- s. Frith (einst. K.). 
Fidicin IH. abgekürzt aus fidicüms, ein« 
Weiterbildung des lat. fidicen „Laoten- 
schläger". 
Fidrich s. Frith (V.). 
Fiedler III. mhd. videlaere „der Creiger". 
FN. Fiedeler ', Fiedler^ selten Viedler. 
Fiege, Fietz, Figge s. Frith (einst K.). 
Filter III. niederd. „Filzer, Hutmacher*'. 
Findekeller III. Satz-N.: „einer, der den 
Keller zu finden weiß, ein guter Zechbrader" 
S. 52). 



„„J 



Findeklee 



Franc 



121 



Findeklee III. Satzname: glücklicher Finder 

von (vierblättrigem) Klee. 
Fingrerhuth III. der „mit dem Fingerhut", 

etwa = Schneider. 
Finke III. ahd finco, mhd. vinko der „Fink". 
FN. Finke, Vincke; Finckh. Fink von 
Finkenstein. (Vgl. engl. Finch.) 
Finkler III. der „Finkler" d. i. Vogelfänger, 
von finkehi Finken , dann allg. Vögel fangen. 
Firnhaber III. „alter Hafer", vom ahd. firni, 
mhd. vime alt (wie auch in „Firnewein"). 
Fiseli III. Auch in mannigfachen Zus. : Back- 
fisch = Bratfisch. Buckfisch (vgl. Bück- 
ling, gepökelter Fisch). Faulfisch. Mai- 
fisch, Seefisch, 
Fiseher III. ahd. fiskäri, mhd. vischaere. 
FN. Fischer (sehr häufig), Vischer, Gen. 
Fischers (niederrhein.). 
Zus.: Deichfischer. Teichfischer, Hecht- 
fischer, 
Friesisch: Fisser, Visser (vgl. holländ. 
Visser) — auf Nordemey sehr häufig. 
Fisser s. Fischer. 
Fittighaner s. Pfettenhauer. 
Fitz- s. Fiith (einst. K.). 
FLA© I. mhd. vlät „Sauberkeit, Eeinheit, 
Glanz" (vgl. den Gegensatz im Nhd. „Un- 
flat"). Fladebert 7. u. a. 
FN. (Fladerich): Fläderich, 
Einst. Kürzung: Flade — Flatt, Gen. 
Flatten, 
Flas III. niederd. „Flachs" — in Zus. wie 

Flashcuir — Flaßkamp; Flaßdieck, 
Flatt- s. Flad. 

Fleisch III. In mehrfachen Zus. (vgl. Eggi- 
hart Sulzeflaiske 1180): Gens fleisch (der 
ursprüngliche FN. Gutenberg's). Kalbfleisch. 
Jungfleisch. Rlopffleisch. Rindfleisch (vgl. 
ital. Delmanzo). Sötefleisch (niederd. = 
Süßfleisch). 

Fleisehhacker, Fleischhauer III. = „Flei- 
scher". 

Fleischfresser III. Spottname, der Seiten- 
stücke findet in Brodesser und HoUfreter 
„Holzfresser". Auch Verkenesser in Kölner 
Urkunden. 

Fleisehmann HI. „Fleischverkäufer". Ver- 
griecht Sarkander. 

Flemming III. mhd. .Vlaoming ein „Fla- 
mänder, Vläme". 

FN. Flemming; Fletnmig. — Auch das 
Eigenschaftsw. Flemisch findet sich als FN. 



-fleth s. FUeß. 

Flengimtanz III. Satz-N. „fliege im Tanz", 

ein flotter Tänzer. 
Fliegauf III. Satz-N. Ähnlich Fliegaus (der 

immer „ausfliegt" ?). 
Fließ III. mhd. vliez, altfrios. flet (niederl. 
fleete) „Bach". Hochdeutsch F/ie/?, -fließe 
doch vorherrschend in niederd. Gestalt: 
Fleeth, -fleth (bes. an Elbe- und Weser - 
Mündung). 
FN. Schönflies. Niederd. Bardenfleth; 
daraus entstellt Bahv fleth ^ Bornfleth 
(S. 80). Stockfleth. 
Flohrschütz s. Flurschütz. 
Florus II. lat. „blühend". Schon ins Alt- 
deutsche aufgenommen, wo sich Florebert 
u. A. findet. 
FN. Flohr, 

Vklf. (k): Flöricke; Flörke, 
Von Florus abgeleitet Florianus , dah. FN. : 
Florian. 
Flüh III. ahd. fluoh, mhd. vluo „Felswand", 
Fluh (Schweiz.). Niklas von der Flühe. 
FN. Zur flüh (schweiz.). 
Flarschütz III. mhd. vluorschütze „der Feld- 
hüter". 

FN. Flurschütz — Flohrschütz. 
Fobbe s. Fulc (aweist. K.). 
Fock-, Föck- s. Fulc (einst. K.). 
Fokes s. Fulc (einst. K.). 
Fol-, Fol- s. Fulc (V., einst. K.). 
Fopp- s. Fulc (zweist. K.). 
-Wrde s. Furt. 
Förg 8. Ferg. 

Förster III. ahd. forstari, mhd. vorstaere 
„Aufseher, Verwalter" der Forst. 
FN. Förster. Zus. Holzförstei'. Wald- 
förster. Wildförster (Wolfram wilt- 
forstero 1211). 

Ohne Umlaut (wie noch heutzutage in 
Schwaben und Baiem „der Forster"): 
Forster, Vorster. 
Mit dem n der schwachen Bildung: 
Förstner; Forstner, 
Forstmann III. = Förster. 
Föse s. Funs. 
Foss s. Fuchs. 
Fräd- s. Frith (V.). 
Frahne s. Fraw. 

FRANC I. zum Voiksnamen der „Franken" 
(ahd. Franko , mhd. Vranke) gehörig. Fran- 
cobert 8., Francard 6. 



122 



Franciscus 



Frith 



FN. Franco, Frenko: Franke; Franck — 
Frenk. Gen. Franken — Frenken 
(niederrhein.). Patr. A. Frenking. 

Vklf. (1) : Frenkel. (1 + n) Fran- 
colin: Franklin. 
Franciscus II. latinis. aus dem Vorigen; der 
h. Franciscus von Assisi. 
FN. Franz (Zus. Franzmann und Schäfer- 
franz — Franzmeyer) — Frentze. 
Gen. Franzen (niederrhein.) — Frentzen. 
Wieder latinisirt: Frantzius. 

Vklf. (1): Frenzel (Zus. Mühl- 
frenzel). Latinis. Frenzelius, (k): 
Franzke. 
Frank- a) I. s. Franc. — b) III. als N. des 

Stammes vgl. „Bentz der frank" 1373. 
Franz- s. Franciscus. 

Fraß III. mhd. vraz ein „Fresser, Schlemmer", 
so Heinrich der Fraz 1292 (Bacm.), s. S. 48. 
Fraude s. Frod. 
Frauer s. Fraw. 

FRAW I. in der Hauptsache zu got. frauja, 
ahd. fro „Herr", fröwa „Herrin, Frau", bes. 
in ihrer mythologischen Beziehung auf Fro 
und Frouwa — weniger zum Eigensch. fro 
„froh". 
FN. Frawipreht: Frobarth. 

(Frawiher): Frauer — Freuer. 
Frauirat: Frorath. 
Frorich: Froreich. 
Frowin: Frohwein. 
Mit dem durch n erweiterten Stamme (vgl. 
Frowinlint u. A. Forst. S. 417). 
(Frowinhart) : Frohnert. 
Einst. Kürzung: Froh/ne — Fr ahne 
(niederd.). Patr. A. Fronifig — Froh- 
ning, 

Vklf. (k): Frohncke. 
Freed-, Freel- s. Frith (V., einst. K.). 
Freerks s. Frith (V.). 
Freier, Freiert s. Fri. 
Freimann III. mhd. vriman 1) ein „Freige- 
lassener", Hbertus 2) „Freiknecht", camifex. 
Freischmidt III. ein „unzünftiger Schmid", wie 
„Freifleischer", „Freischuster" (DW.), femer 
„Freischlächter", „Freischu eider" (KB.). 
Freitag III. schon 1197 Sifridus Vrietak s. 
Tag. (Doch findet sich schon ahd. Frittag, 
zu Frith gehörig.) 

Als FN. meist Freytag. Niederd. Friedag. 
Frenk- s. Franc. 
Frenz s. Franciscus. 



Frer- s. Frith (V.). 

Fressenteufel III. Satz-N.: „friß den Teufel". 
Vretenduvel 1383 Gott. Urk.- Buch. (S. 52). 
Freuer s. Fraw. 

Freund III. niederd. Fründt. Zus. Bier- 
freund. Tausendfretmd, (Vgl. franz. 
Bonami). 
Frey- s. Fri. 

FRI I. got. freis, ahd. fri, mhd. vri „frei". 
FN. Friard: Freiert, 

Friher: Freier, Frey er, 
(Friolt): Freyhold. 
Einst. Kürzung: Frey, 
FBIA8 I. zu dem Volksnamen der „Friesen". 
Friskaer, Fresger 9. 

FN. Friaso: Friese; Fries — Frese — 
Freise, Gen. Fliesen (doch auch ahd. 
Friasini) — Fresen (latinis. Fresenius) 
— Freisen. Patr. A. Friesenga (ostfries.). 
Vklf. (k) : Friesicke. 
Frick- s. Frith (V., einst. K.). 
Frieb- s. Frith (zweist. K.). 
Fried- s. Frith (V., einst. K.). 
Friel s. Frith (einst. K.). 
Fries a) I. s. Frias b) HI. deutlich in de Fries, 

de Vries, 
Frille s. Frith (einst. K.). 
Frimmer s. Fritt (V.). 
Frischmutli III. s. S. 48. 
FRITH I. ahd. fridu, mhd. vride, altsächs. 
frithu „Friede", bes. in dem Sinne von 
„Sicherheit, Schutz". Nachweislich in N. 
seit dem 4. Jh. (Gotenfurst Frithigem). 
FN. Frithuger: Fricker. 

Fridehere: Frieder — Fräder — 

Fedder (Jever). Gen. Frieders, 

Patr. Zus. Ftddersen. Verkleinert: 

Feddercke. 

Friduleib: Friedlieb, 

Fridumar : Frimmer — Femmer (Mes.). 

Fridenand: Ferdinand — Fernand. 

Gen. Ferdinands, 
Frithuric (seit 5. Jh.): Friederit^; 
Friedrich — Fräderich — Fre" 
dereck — Frerick (westf.) — Fre- 
richinann — Fidrich. Gen. Fre- 
richs. — Latinis. Friederici. Patr. 
A. Frederking — Frerking. Pitr. 
Zus. Friedrichsen — Freerksen. 
Fridwald: Friedewald; Friedetoold. 
Friduwin: Friedwein, 
Fridulf: Gen. Freelfs (ostfries.). 



Fritech- 



Fulc 



123 



Einstämmige Ktirzang Frith-. 
Frido, Feddo (aus Ferdo s. Stark 27): 
Friede — Frede — Fette. Geo. 
Frieden. 

Vklf. (1) Fridüo, FriUo: Friedet; 
Friedle — Früle — Frid. Gen. 
FreeU. (1 + n) Fridulin : Friedlein. 
(k) Frideco , Fricco , Feddeco , Ficcho : 
Fredike — Fricke (latirds. Fricdus) 
— Fettke — Ficke — Vieck — 
Figge — Fiege — Feige. Gen. 
Ficken. (k+\)'.Frickel. (z)Fritliezo: 
Fritze; Fritz — Früsche; Fritschi 
(Schweiz.) -- Fitze — Fietz. Gen. 
Fritzen — Fritschen — Fitzen. 
(z + 1): Früzel. (z + k): Füzke. 
Zweistämmige Kürzung Fridb-. 
(Fribo): Friebe; Frieb. 
Vklf. (1): Friebel. 
Auslautend (188 mal Forst.). 
'fried: Siegfried. Gen. -fritz (st. frids): 

Seifritz, 
'fert: Siefert. Gen. -ferts: Nieferz. 
-fart: Seifart, Herrfahrdt, Gen. -fartz: 

Hoffartz. 
'fer: Die f er. Gen. -fers: Offers. 
Fritseh-, Fritz- s. Frith (einst. K.). 
Frobarth s. Fraw. 

FBOB I. got. froths, ahd. fruot, mhd. vruot, alt- 
Sachs, frod (lat. prudens) „verständig, weise". 
FN. Frodrich: Frödrich. 
Einst. Kürzung Fruoto : Frohde — Fröde 
— Fraude. Gen. Frödden. 
Vklf. (k): Frutig. 
FrSdden, FrSde, Frohde s. Frod. 
FrSUieli III. schon 1373 der fröUch. 
Frohm-, From-, FrSm- s. Frum. 
Frohn-, Froning, Frohwein s. Fraw. 
Frommann a) I. s. Frum b) III mhd. vrum- 

man „Ehrenmann, Biedermann". 
Froseh 111. ahd. frosc, mhd. vrosch zu den 

Thiemamen. 
Frflehtenicht III. Satz-N. „fürchte nichts". 
FRUM I. ahd. mhd. frum „fromm", d. i. 
„tüchtig, wacker". 
FN. (Frumihard): Frommert. 
Frumiher: Frommer. 
Frumirih: Frömmerich. 
Frumold: Frömmelt — Frommhold 
Frömmelt. Gen. Frommholz, 
Einst. Kürzung frum - : Fromme; Fromm — 
Frohme, Patr. A. Fruming: Fromm ing. 



Vklf. (1): Frommel — Frömmel 
— Frömel, (k): Frömcke. 
Frttndt s. Freund. 
Frutig s. Frod. 

Fuchs III. meist nach der Farbe des Haares; 
so wird in der Lübecker Bürgerrolle für das 
J. 1322 der eine von zwei Brüdern Kichard 
Vos, der andere Johannes de rode genannt, 
offenbar nach derselben Ursache. Peter der 
fuhs 1360. Emercho dictus de Jungefos 1298. 
FN. jPmcäs, latinis. Fuchsius (daher die 
Blume Fuchsie) und Vulpius. Ver- 
kleinert: Füchsel. 

Zus. Bothfuchs, Sandfuchs. Schrecken- 
fuchs (imperat.). Niederd. de Vos; Voß^ 
Foß. Gen. Vossen (hiederrhein.). Zus. 
Sandvoß. Voszal (=» Fuchsschwanz, 
vgl. Jäck fuchsschwantz 1466 Bacm.). 
Fuck- s. Fulc (V.). 
-fues s. Fuß. 
Fuglsang s. Vogelsang. 
Fuhrmann III. Auch Gfen. Fuhtmanns 

(niederrhein.). 
Fulise s. Funs. 
Ful- s. Fulk (V.). 

FULC I. ahd. folc, folch, mhd. volc „Volk" 
(Kriegsvolk). 

FN. Folcberaht: Fulbrecht; Fulpracht — 
Volbrecht; Volprecht; Völbert; 
Vollbracht ; VollboHh ; Vollbehr 
— Völber. Gen. Volbers — Folpts 
(ostfries. Kup. 7: Folpt = Tolcbert). 
Patr. A. Vollbring; Vollbeding. 
Fulbrand: Volbrand. 
Folhker: Volger, 

Fulchard: Fuckart — Volkhart 
Volckardt; Volkert — Folchert 
Folgert — Volhardt; VoUard 
VoUert. Gen. Folkerts, 
Fulchar: Volcker — Völcker — Föller, 
Gen. Folkers — Völkers — Völlers. 
Patr. A. Völkerling. 
Folcman: Volkmann. 
Folcmar: Volkmar; Volkmer — Voll- 
mar; Vollmer — Föllmer. Patr. 
A. Vollmering, 
Folmuot: Volkmuth. 
Folcnand: Volkenand. 
Fulcrad: VoÜrath; Voilrad. 
Fulcrich: Gen. Folrichs, 
Fulcuald, Volcold: Vollgold — VoU 
kdt. Gen. Volkholtz. 



124 



Füllekras 



Gab 



Folcward : VolkwaHh ; Volquardt. 
Gen. VolJquards, Vollquarz, Pata*. 
Zus. Volquardsen (schlesw.). 
Folcwin: Folkwein. 
Folculf: Gen. Fulfs (ostfries). 
Einstämmige Kürzung Fulc-. 

Fulco, Focko: Volke; Volk — Folg — 
Volk — Voll — Föll — Vocke; Fock 
— Fauk. Gen. Volkens — Fölks — 
Fokes (ostfries.) — Fockena (ostfries.). 
Patr. A. Fölling — Föcking — Fockenga 
(ostfries.). 

Vklf. (1) : Fölkel; Völkle — Föckel 
(1 + n): Völklein, {i) Folzo: Volz 
— Fölz, (z + 1): Völzel 
Zweistämmige Kürzung a) Fulcb-. 

Foppo: Fohhe — - Fopp. Gen. Foppen. 
Zweistämmige Kürzung b) Fulcm-. 
Fuhno: Völm, 

Yklf. (1): Völmle. (k): Völlmicke. 
Fttllekrus III. Satz-N. „füUe den Krug" (s. 

Kraus); auch Füllkruß. 
Fallgraf s. VollgrafF. 
FiUIkrug III. Satz-N. „füUe den Krug" (s. 

Füllekrus). 
FUNS I. ahd. funs, altfrios. füs „bereit, 
willig" (vgl. Alfons). 

FN. Einst. Kürzung Fuso: Fuhse — Föse. 
Gen. Fusen. 
Auslautend : 
-/ms (Arifus 8., Garifus), umgedeutet 
"in 'fuß: Siefuß (Sigifuns). Beilfuß 
. (Bilifuns?). 6rat7/*M/?(Gailfuns). Heite- 
fuß (Heidfuns?). 
Fiirbringer III. der eine Sache vorbringt, 

„Eechtsanwalt". 
Fttrchtenicht III. Satz-N. „fürchte nichts". 
Furt IIL ahd. fürt, mhd. vurt „Furt, Bahn". 
In ON. Fürth, -furty -forth — niederd. 
'fordy 'forde, -forde. 
FN. 1) Steinfurt. DittfuHh. Schwein- 
furth. Erfurdt. 

2) Haßforth (0. -fürt). Beckforth. 
Steinforth. 

3) Herford. 

4) V. Beverförde. Böckenförde. 
Ableitung auf -er (oberd.): Hasenf orter. 

Fusen s. Funs. 

Fuß a) I. von Funs, woher der altd. PN. 
Fuso — namentlich in den Zus. Gailfuß, 
Siefuß und vielleicht noch mehrcren andern 
(s. Funs). 



b) I. Umdeutung aus latinisirten N. : Dol- 
fus aus Dolf , Abkürzung für Adolf (als PN. 
in Köln Dolfes, s. Andresen S. 23), dann 
Doli fuß geschrieben. Ebenso Bolfus, Boll- 
fuß aus Kudolf zsgz. Kolf. 

c) III. den Körpertheil bezeichnend, vgl. 
Otto Vuoz 1212. Hermana Pes 1204. Vklf. 
(1) Füßli (Schweiz) und Fileslin (oder zu 
a) gehörig?). 

Bes. in vielen Zus. Barfuß (niederd. Bar- 
fot, Barfft 1511 Klemp.). Blaufuß, Breit- 
fuß (vgl. Henricus dict. Breytfuz 1306). 
Gelhfuß. Großfuß. Gugelfuß (würtemb.). 
Kaulfuß. Krumfuß. Leicht fuß, halhmederd. 
Lichtfuß. Platzfuß. Bauchfuß, halbniederd. 
Buhfus. Scharrfuß, Schmalfuß. Schnee- 
fuß. Schönfuß. — Niederd. Kliefoth, 
Stolterfoth. 

Sehr häufig sind Zus. mit Thiernamen, 
wie schon im J. 1212 HarÜieb Gensevuz: 

Hasenfiies (vgl. das AppeUat. „Hasen- 
fuß"). Hühner fuß, Kalb fuß. Kranefuß; 
Krohnfuß. Kuhfuß; Kühfuß (eine würtemb. 
Familie d. N. ließ sich vor 30 J. in Beiff 
umtaufen). Lamms fuß. Muckenfuß , Mug- 
genfuß. Behfues (wohl wegen der Zierlich- 
keit). Bindsfuß. Schweine fuß, Ziegenfuß, 

Imperativisch: Begenfuß, Streckfuß, 



G. 



Gaab s. Gab. 

GAB I. got. giban, ahd. kepan, mhd. geben 
„geben" (auch mit dem Präsens -Ablaut gib 
erscheinend). 
FN. (Gebeberaht): Gabrecht. 

Gibfrid: Giebfried — Gepfert — 
Geffert, Gen. Giefers — Geffers, 
Gebahard: Gebhard — Gebert — 
Geppei't — Gewert — Criebert — 
Kiepert — Gippert. Patr. A. 
Geberding. 
Gibaheri: Geber — Keber. Gen. 

Gebbers — Gevers, 
Geberad; Gebrat, 
Giperich: Gipperich. 
Gebald : Gabold — GebeU — GeppeU. 
Eiustänunige Kürzung Gab-. 
Gabo, Gebo, Gibo: Gäbe — Jaap — 
Gabbe — Gapp — Gebbe — Geeb — 
Gewe — Giebe — Kiepe. Gen. Jabes 



Gab- 



Gar 



125 



— Jaliben — Kehen — Jippen. Patr. 

A. Japping. 

Vklf. (1): Gabel — Gähele; Ge- 
bell — Geppel — Giebel. (1 + n)- 
Gäbelein, (k): Gabcke — Gebeckc 

— Gewecke — Geffke — Kiepke. 
Gren. Gebken — Geffken. 

Gab-, Gab- s. Gab (V., einat. K.). 

Gabbe s. Gab (einst. K.). 

Gaberler südd. Patronym. von Gabriel. 

Gade, Güd- s. God (einst. E.). 

Gafiier III. ein berner Geschlecht = „Hütten- 
mann", vgl. in Wallis das Geschlecht zen 
Gafinen „bei den Hütten" aus capanna, in 
der lingua rustica = Bauemhütte, Senn- 
hütte — dah. franz. cabane, engl, cabioe 
(Gatschet, ortsetymolog. Forschungen). 

GAIL I. ahd. gail, keil, luhd. geil „rauth- 

willig, übermüthig, lustig" (Stammwort für 

ital. gala, franz. galon Borte und galant). 

FN. Geilhard: Keilert — Geiler, Gayler. 

Einstämmige Kürzung Geil-. 

Gallo, Keilo, Gelo: Gayle; Geil — Keil 

— Gehl. Patr. A. Keiling. 
Gailin: Gehlen. 

Vklf. (k) : Gedieh — Keilig. 

Gaißer III. ahd. gai?äri „Ziegenhii-t". 

Galltts II. lat. der „Gallier" ; der h. GaUus, 
Irländer von Geburt, Gründer der Abtei 
St. Gallen in der Schweiz, gest. 646. FN. 
Gall. 

GambsJÜgrer III. süddeutsch „Gomsenjäger". 
GANB I. zweifelhafter Stamm, vielleicht auf 
altnord. gandr „Werwolf" zu beziehen. 
FN. Ganthar: Ganter — Genther. Gen. 
Genters. 
Gandaricus: Gandrich — Genderich 
— Gennerich — Jennrich. 
Einstämmige Kürzung Gand-. 
Ganto, Canto, Gento: Gante — Kant 

— Jentho — Genthe (Gentemann). 
Vklf.(l) Cantulo: Gendele- Gentel 

— Kentel. (k) : Gantke. (z) : Gantz 

— Kantz — Ge^nz, Patr. Zus. Gen- 
zensohn. (z -J- '• Ganzel — Gentzel. 
(z + ^)' Ganzke. 

GANG I. zu got. gaggan, ahd. gangan 
„gehen". 
FN. Gangerih: Gengerich. 

Gangulf : Gangeloff; Gangloff; Gang- 
auf. 



Einstämmige Kürzung Gang-. 
(Gange): Genge; Gang. 
Vklf. (1); Gangel. 
Auslautend (10 mal Forst.). 
-gang: Wittgang. 
Gans III. zu den Thiemamen. Frideric. 
cognom. Bradegans 13. Jh. Klempin : Vale- 
goeß. 

FN. Gans. — Riedgans. Schneegans. 
Wildegans. 
Gant- s. Gand. 

Gantenbrink III. der „Gänserichsbrink", vom 
niederd. Gant, ahd. ganazo, mhd. ganze 
Gänserich. 
Gantz- Ganz- s. Gand. 
Gapp- s. Gab (einst. K.). 
GAR I. ahd. ker, ger, mhd. ger „Ger, Wurf- 
speer". 

FN. Garibaldi Gerbald; Gerbet; Gerbel. 
Garibert: Gerbracht; Gerbert. Gen. 

Garbers. Patr. A. Gerberding. 
Gerbodo: Garbade — Gerbode; Ger- 

both; Gerpott. 
Gerbrand: Gerbrandt. Gen. Gar- 
brands. 
Garehard : Gerhard ; Gerard — Gör- 
hardt — zsgz. Gehrt (Geertmann). 
Gen. Gerhards; Gerards — Ger des 

— Geerdts — Gerrits (fries.). Zus. 
Gerdesmeyer. Patr. A. Gerding. 
Patr. Zus. Gerdseti (ostfries.) — 
Görritzen (schlesw.) — Geertsema; 
Gerzema; Gersema (ostfries). 

Garaheri: Gehrer. 
Gerland: Gerland. 

Gerleip: Garlepp; Garleb; Garlipp 

— Karlipp — umgedeutet Garlieb. 

Geroiah: Garlich; Garlach; Garlei 

— Gerlich; Gei'lach — Görlich; 
Görlach. Gen. Görlichs. 

Garanian: Garmann — Gehrmann 

— Germann — Jerrmann. 
Garimar : Garmer — J armer — Ger- 

mar; Germei\ Gen. Garmer s. 
Germuot: Jarmuih. 
Garimund: Germund. 
Gernand: Gernant — Gm'nandt. 
Gemot: Gernoth. 
Garivald: Gerold; Gerhold — Jer- 

rold — zsgz. Gerlt Gen. Gar- 

relts (ostfries.) — Gei'holz — Ger- 

relis. 



126 



Garb- 



Gaw 



Gerawig: Gerwig. 

Ganiin: Gerwin (latinis. Gervinus); 

Jerwien — Kerwien. 
Garulf: Garleff — Karlauf — Ger- 
loff; Gerlhoff, Gen. Garreifs — 
Graalfs (beide ostfries.). 
Einstämmige Kürzung Ger-. 

Gero , Kero : Gehre — Kehr. Gen. Geers ; 
Geeren — Kehren — Gören.. Patr. A. 
Gehring, Jhering; Gehrung — Gö- 
ring; GÖhrung. 

Vklf. (1): Gerle. Patr. A. Gerling. 
(k): Gericke; Jericke — Gehrice ; 
Gehrigk; Gehrich — Görcke. Gen. 
Gerekens. Patr. A. Gerking, (z): 
Gareis — Gerüz — Geerz (auch 
Gen. zu Gehrt). 
Zweistämmige Kürzung 1) Gerb-. 
(Gerbo): Garhe — Gerb. 

Vklf. (1): Gerhel. (k): Gerhig. 
Zweistänunige Kürzung 2) Germ-. 

Germo: Gen. Germs. 
Auslautend (186 mal Forst.). 

-ger: Hilger. Gen. -gei's: Hilgers. 
-eher: Böttcher. 
-ker: Hilker. 
Oarb- 8. Gar (V., zweist. K.). 
-grardt s. Gart. 
Gareis s. Gar (einst. K.). 
Oarl-, Garm- s. Gai* (V.). 
Garr- s. Gar (V., einst. K.). 
Gart 111. got. gards, ahd. garto, mhd. garte 
„Umzäunung; dann Wohnung; Garten". Jetzt 
nicht bloß in zahllosen Garten -N., sondern 
auch für Städte und Dörfer gebräuchlich: 
in der älteren F. -gart, in der neueren 
-garten. 

FN. 1) Bosengart. Weingart. Baumgardt. 
Schöngardt. Thiergardt (auch 
Diergardt). — Vereinzelt Baum- 
garte. 

2) Baumgarten; von Paumgarten 
(österr.). von Hopfgarten. Wein- 
garten. 

3) -gaard (dänisch): Knudsgaard. 
Möllgaard (beide in Nordschleswig). 

Ableitung auf -er (oberd.): 
-gartner: Baumgartner. 
-Srart^n, -gartner s. Gart. 
GKrtner III. ahd. gartinäri, mhd. gartenaere, 
später auch gertenaere (doch noch im 15. 
bis 17. Jh. auch „gartner") „Gärtner" d. i. 



1) einer, der den Gartenbau kunst- und 
zunftmäßig übt 2) Besitzer eines Hauses 
nebst kleinem Grundstück, aber ohne Feld 
(im Östlichen Deutschland, bes. Sachsen, 
Schlesien). 

FN. Gärtner — Gartner. Zus. Baum- 
gärtner. Hopfengärtner. Weingärtner. 
Gassert s. Gast. 

GAST I. got. gasts, ahd. gast, mhd. gast „Fremd- 
ling, Gast", bes. „fremder Krieger". 
FN. Gastrad : Gaster — Jaster — Gassert. 
Patr. A. Gesterding. 
(Gastram): Gastram — Jesstram. 
Castricus: Gestrich — Göstnch, 
(Gastolf): Gastolph. 
Einstämmige Kürzung Gast-. 
Gaste: Gaste; Gast, Gen. Gasten. 
Vklf. 0) : Gastet — Jestel 
Gaß III. ahd. ga;:;a, mhd. ga^^e „(jasse". 
Sicher in Grtsbezeichnungen seit dem 10. Jh.; 
jetzt „Gassen" in allen deutschen Städten, 
aber auch etwa 1(X) ganze bewohnte Orter 
gehen auf -gasse, -gaß aus. 
FN. Steingaß, Bothengaß. — Windgcasen. 
Ableitung auf -er (oberd.): 
Gaßner. — Kirchgeßner. — Queren- 
gässer, alt Quemgeßer und Querch- 
gesser 1507—16 (Koch Saalfeld. FN.). 
Gau s. Gaw. 

Gauekstert III. niederd. „Kukkuksschwanz". 
GAÜD I. auf den Volksnamen der „Goten" 
zu beziehen (Grimm, Gesch. der deutschon 
Sprache S. 308). 
FN. Gauter: Gauder. 
Gaudomar: Gaumer. 
Einstämmige Kürzung Gaudo: Gaut. 
Vklf. (k): Gaudig. 
Gaue s. Gaw. 
Gaugengrigim. mhd. gugelgige, guckengegel 

„Narr, Geck". 
Gauke s. Gaw. 

Gaukler III. ahd. gouguläri, mhd. gougdaere 
zusanunenfassender N. für mancheilei wan- 
dernde Künstler: „Zauberer, Taschenspiekr; 
auch Schauspieler". 
Gaurn s. Gund (zweist. K.). 
Gaumer, Gausrapp s. Groz. 
Gaut s. Gaud. 

GAW I. got. gavi, ahd. gawi, mhd. goa 
„Gau". 
FN. Gawibert: Kaupert, 

Gawiman: Goymann — C^mann. 



Gayer 



Güb- 



127 



EiDstämmige Kürzung Gau-. 
Gawo: Gaue; Gau. 

Vklf. (k): Gauke. Gen. Jaukens. 

Gayer s. Geier. 

Gayl- 8. Gail. 

Geb- s. Gab (V., einst. K.). 

Crebauer III. (Ton auf der zweiten Silbe) 
1) mhd. gebür „Nachbar" 2) mhd. gebüre 
„Bauer«. Cunrad Gebur 1304. 
FN. Gehauer; Gehauhr. Zus. Neugebauer; 
verderbt Neigehaur (Nygebüre 1385). 

Gedieke s. God (einst. E.). 

Geeb s. Gab (einst. K.). 

Geelhood s. Hut. 

Goer- s. Ger (V., einst. K.). 

€reff- 8. Gab (V., einst. K.). 

Gehl- s. GaU. 

Gehr- s. Gar (V., einst. K.). 

Geler III. zu den Thiemamen. „Die v. Geyer 
stammen von einem altkölnftchen Geschlechte, 
das von seinem Hause „zum Geyer" de Vul- 
ture in der Rheingasse den N. Gyr ange- 
nommen, auch einen Geier im Wappen 
führte. Sie erkauften 1716 die Schweppen- 
burg von den v. Loen, dah. G. v. Schweppen- 
burg". (Rheinischer Antiquarius). 
FN. Geier, Gayer; Geyr. 

Geil- 8. GaU. 

Geiß, Gelsen s. Gis. 

Geisel-, Geißel-, Gelsl- s. Gisal. 

Geldmaeher III. sehr modern klingender N., 
an das amerikanische make money erinnernd; 
jedoch wohl = „Münzer". 

GELF I. ahd. gelf „lautes Schallen, Fröhlicli- 
keit". 
FN. Gelfrat: Gelfrat; Gelfert. 

Gelhaar lü. „Gelbhaar" . Gelbe , blonde Haare 
galten bes. auch in der ritterUchen Zeit als 
Schönheit. 

Geliert s. Gisal. 

Gen- 8. Gand. 

Gensfleiseh II 1. eine alte angesehene Patrizier - 
Familie zu Mainz. Frielo G. hatte im 14. Jh. 
die Erbtochter Elsa, von dem alten Ge- 
schlechte derer zum Guttenberge, gehei- 
rathet und dessen Güter den seinigen hinzu- 
gefügt. Sie wohnten im Hofe zum Gutten- 
berge am St. Christoffels -Kirchhofe, und 
hier wurden ihnen zwei Söhne geboren: 
Frielo und Henne (Johannes), der letztere, 
der berühmte Erfinder der Buchdruckerkunst, 
wahrscheinlich 1397. 



Georgias IL griech. der „Landbauer"; der 

h. Georg , welcher angeblich unter Diocletian 

gelebt hat, Patron der Ritterschaft (S. 26). 

FN. Gen. (lat.) Gem'gii, gewöhnl. zsgz. 

Georgi. 

Mit Kürzung im Auslaut: George; Georg 
— Jörg — Jürge. Gen. Gör gen; 
Görges — Jürgens — Jürriens; Jür- 
rens — Djuren (fries.). Patr. A. Gör- 
ger (Karlsruhe Fröhn.). Patr. Zus. 
Georgensohn — Jürge nsen — Jirgen- 
söhn. 

Gep- s. Gab (V., einst. K.). 
Ger- s. Gar (V., einst. K. — bei Gerb und 
Germ- auch zweist. K.). 

Gerathewohl IH. Satz-N. „gerathe wohl". 
FN. Gratwohl — Gerothwohl — Groth- 
wohl. 

Gerher HL mhd. garwer, gerwer „der das 
Leder gar macht, zubereitet". 
FN. Gerber (auch jüdisch, s. S. 66). 
Zus. Eothgerber. Weißgerbei' (mhd. wiz- 
gerwer). Splittgerber, in älterer F. 
Splittegarb. 

Gerngroß IIL Cunrad Gerengroz 1333. Noch 
jetzt appellativ: ein „Gernegroß". 

Geselhraeht s. Gisal. 

Geselle IIL ahd. gisello mhd. geselle urspr. 
„Hausgenosse" (von sal Haus), dann „Ge- 
fährte, Freund", auch „Gehülfe" bei einer 
Arbeit. Heinrich Geselle 1300. 
FN. Gesell — Gsell (süddeutsch; Peter 
Gsell 1492 Augsb.), latinis. Gsellius. 
Zus. Frischgesell. Gutgesell. Liebergesell. 
Taggesell. 

Geske s. Gis. 

Geßler s. Gisal. 

Gest- 8. Gast. 

Geßwein s. Gis. 

Geyers s. Gab (V.). 

Gew- s. Gab (V., einst. K.). 

Geyr s. Geier. 

Geys 8. Gis. 

Gleh- 8. Gab (V., einst. K.). 

Glefers s. Gab (V.). 

Glegengaek IIL Spottname für „Bierfiedler". 

Giehl-, Giel s. Gisal. 

Gier- s. Gir. 

Gies- 8. Gis. 

Glesel-, GIeßel- s. Gisal. 

GUh- 8. Gisal. 



128 



Gildemeister 



God 



Gildemeister III. „Vorsteher einer Gilde". 

Auch Gülmeister. 
Gill-, Gilmer s. Gisal. 
Gipp- 8. Gab (V.). 

GIR I. ahd. giri, Idri, mhd. gir „Begehren, 
Verlangen", nicht sicher von gar zu trennen. 
FN. Girart: Gierhardt — zsgz. Girth. 
Girannus: Gieram. 
Giroald: Kirwald, 
Girulf : Gierloff — Kierulff. 
Einstämmige Kürzung Gir-. 
Giro: Giere — Kier. Gen. Gieren; 
Giers — Kiers — Giersch. Patr. 
A. Giering. 

Vklf. a): Girl - Gierl. Patr. A. 
Gierling. Gen. Girlings. (k) : Giercke ; 
Gierig; Gier ach. 
Girsehner s. Kürschner. 
GIS I. Stammwort zu gisal (s. das Folgende). 
FN. Gisbert: Giesehrecht — Gisbrecht; 
Gishert. Gen. Gishertz. 
Gisibrand: Gisebrandt. 
Gisher: Gieser — Kieser. 
Gisaleicus: Kieslich. 
Gisemar: Geysmer. 
Gissold: Gieswald) Gieshold. 
Gisoin: Gieswein — Geßweifi. 
Einstämmige Kürzung Gis-. 
Giso, Kiso: Giese — Kiese; Kieß — 
Kiß — Geyso; Geiß. Gen. Geisen. 
Patr. A. Giesing — Gissing. 

Vklf. (k) : Giesecke — Geske. Patr. 
A. Gieseking. 
Auslautend (116 mal Forst.). 
-gis: Maingis. 
-gies: Ortgies. 
-geiß: Adelgeiß. 
GISAL I. ahd. gisal, kisal, mhd. gisel „Gei- 
sel" (Kriegsgefangner). Gisal zsgz. Gill- (so 
Gilla = Gisiia im Polypt. Imiin. S. 50. 
GiUebert für Gislebert Pertz Monura. VIII). 
FN. Gisalbreht, Gilpreht: Gießelbrecht — 
Gisselbrecht — Geißelbrecht — 
Geselbracht — Gilbrecht; Gilbert 

— Kübert. Gen. Gilbers. 
Gisalhart: Geiselhardt — Geißelhard 

— Gillert — Geliert. 

Gisilhar: Gieseler — Kieseler — 
Geiseler; Geisler — Geßler — 
Giehler — Giller. 

Gisahnar, Gilmar: Gilmer — Killmer. 

Gisalolf : Geislauff — Giehlojf. 



Einstämmige Kürzung Gisal-. 

Gisilo: Giesel — Kiesel — Kießel — 
Gissel — Geisel; Geisle — Geißel 

— Giel. Patr. A. Kieseling — 
Kießling. 

Gissel- s. Gisal. 

Glaser III. mhd. glaser — auch mit Umlaut 
(so im KB. noch im 17. Jh. öfters der 
„Gläser", weibl. Gläserinne). 
FN. Glaser — Gläser. 
Mit dem n der schwachen Bildung „gleß- 
ner" (in einer hessischen ürk. von 1537 
Hoffm.). FN. Gläßner. 

Gläser, Glftßner s. Glaser. 
Glau- s. Glaw. 

GLAW I. got. glaggvus, ahd. glau, Uau 
„ scharfsichtig , einsichtsvoll" . 
FN. Glauperaht: Glaubrecht; Glaubrech 
— Klauprecht — Glubrecht. Gen. 
Klubertz. 
(Glauhart): Glauert. 
(Glawold): Klauhold. 
Einstämmige Kürzung: Glaue — Klaue. 

GlSekner III. mhd. glockenaere. 

FN. Glöckner — Glockner. Auch Glockler. 
Niederd. Klöckner. 

Gl»de, Gloth s. Hlod (einst. K.). 

Glabreeht s. Glaw. 

Gluth s. Hlod (einst. K.). 

G»b-, Gobb- s. God (V., zwcist. K.). 

G^Sbbel s. God (zweist. K.). 

Gobert s. God (V.). 

Gock-, Göck- s. God (einst. K.). 

GOD I. got. guth, gud, ahd. got, kot, nihd. 
got „Gott". 
FN. Godebald: Goppelt — Koppold — 

Kobbelt — Kobelt. 
Godabert: Gottbrecht; Goitbrath — 

Gobbert — Gobert — Göppert. 
Godafrid: Gottfried — Qoffarth — 

Göpfert — Göbfardt - (}öfert. 
Gotahard: Godehard — Croddard — 

Gotthardt; Gottert — (rodert — 

GötteH — zsgz. Gohrt — Gärdt. 

Gen. Gödderz. 
Godehar: Goder — Gatter— Oöder. 
Godolef: Gottlieb (umgedeutet). Gen. 

(zsgz.) Jolfs. 
Godolec: Gottlack; Gottlich; OdOick 

— GötÜich. 
Gotrat: Gorath. 



God- 



Graf 



129 



Godoscalcus: Gottschalk; Gott- 

schalch (g); Gottschall. 
Godedanc: Goddang. 
Godovald: Gottwald — Gotthold (so- 
weit aus Godold umgedeutet) — 
Godelt; Godet — Gödelt. 
Goduin: Gottwein — Gowin; Jörnen. 
Godidf : Kottlof — Kolloff. 
Mit Erweiterung durch 1: 

Godalhard: Gollhardt; Gollert. 
Godelmar: Gollmer — Kollmer. 
SämÜiche Sproßformen s. Anhang 1. 
God-, Göd- s. God (V., einst. K.). 
GMdertz s. God (V.). 
GSens s. God (einst. K.). 
Goffarth s. God (V.). 
G^Sgrgr- s. God (einst. E.). 
Gogrrewe III. „Gaugraf" s. Graf. 
Gohl-, 0»hl- 8. God (einst. K.). 
Ol^hmann s. Gaw. 
Gohrt 8. God (V.). 
G)$hmng s. Gar (einst. K.). 
G»k- 8. God (einst. K.). 
Goldammer IIF. auch Goltdammer zu den 

Vogel -N. (emberiza citrinella). 
Goldfinger llf. der vierte Finger der Hand, 

an welchem der Golcbing getragen wird. 
Croldstieker Ilf. einer der „mit Gold stickt". 

Verderbt: Goldstücker. 
Goll- 8. God (einst. K., Erweit. V.). 
Göll 8. God (einst. K.). 
Gom- 8. Gund (V.). 
Gon-, G«n- s. Gund (V.). 
G9pel 8. God (z weist. K.). 
GSpfert 8. God (V.). 
G9pp-, Goppelt s. God (V.). 
Gör- 8. Gar (V., einst. K.). 
Goratli, Gördt s. God (V.). 
Görg^- 8. Georgius. 
Oörres, Gorrissen s. Gregorius. 
Gos-, Gös- 8. Goz. 

Gos in. niederd. „Gans", in Zus. wie Gose- 
hruch (halbverhochdeutscht) st. Gänsebruch, 
Gosemeyer u. a. 
Goseh-, GSsehke s. God (einst. E.). 
Gos8-, GSssel s. God (einst. K.). 
Crossenbrod Ilf. „warmes Brod mit Fett be- 
gossen**, eine Lieblingsspeise alter Zeit (S. 47). 
Marquard Bego^:;enbrot 1321. 
GIfeaer, Gossert s. Goz. 
€(98trieh s. Gast. 
Gotk-, G»t- 8. God (einst. K.). 

Heintze, Deutsche Familien - Namon. 



Gotseh, Götsch- s. God (einst. K). 
Gott-, Gott- s. God (V., einst. K.). 
Gottbehttt III. Satz- N.: „Gott behüte!". 
Gottgetreu III. deutüche adjectivische Zus. 

(S. 48). 
Götz-, Götz- 8. 1) God (einst. K.) 2) Goz. 
Gowin 8. God (V.). 
Goymatin s. Gaw. 

GOZ I. mit Gaud zusammengehörig und auf 
den Volksnamen der Goten zu beziehen. 
FN. Gaosbod: Gosboth — Kosbothe. 
Gauzfrid : Götzfi'ied. 
Gozger: Götzger. 
Gozhart: Gossert. 

Gozheri : Kotzer — Kosser — Gösser. 
Caozhram : Gansrapp. 
Gozleib: Kutdeb. 
Gozleih: GosUch. 
Cosraar: Cosmar — Götzmer. 
Kozolt: Kotzolt. 
Gozwin: Goß wein — Göswein. 
Gozolf : Gotzlof — Götzlof. 

Die Sproßformen fallen mit denen 
von God (durch z verkleinert) zu- 
sammen. 
Graalfs s. Gar (V.). 
-grabe 8. Graf. 

Gräber III. ein „Grabender", als FN. einfach 
und in Zus.: Biengräber. Borngräber — 
Brunngräber. Diekgräber. 
Graf III. ahd. gi-ävo, mhd. grävo, zweifel- 
hafter Abstammung, „höherer weltlicher 
Kichter, Vorsteher". 
FN. Gräfe (Job. Grave 1516. Köln. Univ. 
Matrikel) ; Graf; Graff — auch mit Art. 
de Graaff. 

Niederd. (in Nordwest -D. weit ver- 
breitet) Grcwe - Greve, Gräfe; Graf 
(Gräff, Greff); mit Art. Begreif — 
Grebe; Greb — auch Vorsteher länd- 
licher Gemeinden , z.B. in Hannover (in 
der Gegend von Münden, Pauli IT, S. 27). 
Mit dem leidigen franz. Accent: Greve. 
Gen. Graven — Grefen, Greven — 
Grewen. 

Zus. Barggraf, niederd. Borggreve. 
Diekgrebe; Dickgräwe. Gogi-ewe (Gau- 
graf). Hochgi'efe — Hogrefe; Hogrebe. 
Holzgrebe; Holzgrewe. Kleegraf. Land- 
grabe. Pfalzgraff. Steingräbe. Voll- 
graff; Vollgrebe ^^Auch Fullgraf — 
Füllgraf — Fielgraf Woldgrebe. 

9 



[ 



130 



Gräfe 



Gruttke 



Gräfe 8. Graf. 

Graff s. Graf. 

Grllgrer s. Gregorius. 

Granold s. Hraban. 

Grapengfießer III. vom niederd. „Grapen" 

d. i. dreifüßiger Kochtopf aus Gußeisen (eine 

„Grapengießer- Straße" in Stettin). Ludeke 

Gropenghetere 1416. Braunschw. 

FN. Grapengießer — Gropengießer — 

Gröbengießer, Niederd. Grapengeter. 

Gräser III. ein „Grasmäher" (für Wiesen 
— Stadtwiesen - angestellter Beamter). 

Grasmaek III. zu den Vogel - N., „Grasmücke" . 
Die bekannte Opernsängerin Grossi hat sich 
aus Grosmuck veritalienert. 

Grathwohl s. Gerathewohl. 
Grebe, Greff s. Graf. 
Greem s. Grim. 
Greger s. Gregorius. 

Gregorias II. griech. der „Wachsame"; der 
h. Gregorius, den großen Kirchenlehrern 
Ambrosius, Augustinus, Hieronymus als der 
vierte doctor ecdesiae zugezählt, gest. als 
Bischof von Kom, Gregor I. oder der Große 
604. 

FN. Gregorius. Gen. Gregory. 
Mit Kürzung im Auslaut: Gregor; Gre- 

ger, Gräger — GrÖgor; GrÖger. 
Mit Kürzung im Anlaut: Görres. Patr. 
Gorrisse Yi (ostfries.). 

Greifentrog: III. Satz-N. „greif in den Trog", 
von einem, der etwas unbescheiden zulangt. 
FN. Greifentroch. Niederd. Griepentrog. 
Greiffenklaa III. seit 1192 genanntes mittel- 
rheinisches Geschlecht. 
Greimel, Gremm- s. Grim. 
Grev-, Grew- s. Graf. 
Grickel s. Agricola. 
Griem- s. Grim. 
Griepentrog s. Greifentrog. 
Grieshaar III. niederd. „Grauhaar". 
GRIM I. altnord. und angels. grima „Helm". 
FN. Grimhard: Gi'iemert — Grimmert. 
Grimhar: Grimme^'. Gen. Grenimers. 
Einstämmige Kürzung Grim-. 

Grimo: Griem — Grimme; Grimm 

— Krimme — Gremme — Greem. 
Patr. A. Grimming. 

Vklf. (1): Grimm^l — Krimmel 

— Gi'eimel. (1 -J- k): Krimelke. 
(z) Grimizo: Grimeis. 



Auslautend (51 mal Forst.) -grimm: 
Ahlgrimm. 
Gripenkerl III. Satz-N. niederd. „greife den 
Kerl", Beiname von Gerichtsdienem und 
Bettelvögten. Vgl. Dr. Grypto Eein. Vos 
V. 4156. 
Gröbengießer s. Grapengießer. 
GrÖger s. Gregorius. 
Grohnert s. Gron. 
Grolms s. Hieronymus. 
GRON I. ahd. gruoni, mhd. grüene, altsächs. 
groni „grün" (wohl in dem Sinne von lebens- 
frisch). 
FN. Cronhart: Grohnert — Grunert — 
Krunert — Grünert — Krünert — 
Kreimert. Gen. Gronartz. 
(Gruonrih): Grönrich, 
Einstämmige Kürzung Gron-. 
Grün : Grone — Chrtm (Grunemann) 
— Grüne; Grim. Gen. Gronen. 
Patr. A. Grövdng — Grümng. 
Vklf. (k): Grunicke — Grünke. 
Gron-, Grön- s. Gron. 
Gropengießer s. Grapengießer. 
Gröper UI. „Grapengießer" („Gröpergasse" in 

Halberstadt). 
Groß III. ahd. mhd. groz, altsächs. gröt. 
FN. Crroße; Groß — Grosse (mit kurzem o). 
Niederd. de Groote; Grothe; Cfroth. 

In mannigfachen Zus.: Großmann. 

Großkopff. GrroßscJ^del , CHroßschädl. 

Grospietsch. Großwendt — niederd. 

Grotjan; Grotrian (großer Johannes). 

Grotefend III. „großer Knecht" von ahd. fendo, 

mhd. vende „Fußgänger". 
Grotlie s. Groß. 
Grothwohl s. Gerathewohl. 
Groijau s. Groß. 
Grott- s. Hrod (einst. K.). 
Grulms s. Hiei^nymus. 
Grttn a) T. s. Gron b) von der Farbe der 

Kleidung (S. 45 Jan Grön). 
Gran-, Grün- s. Gron. 
Grundt, Grnndmann lU. einer „der im 
Grunde wohnt", Gegensatz zu Berg, Berg- 
mann. (So wurden in einem dem Ver£. be- 
kannten Falle zwei bäuerliche Besitzer in 
demselben Dorfe^ die beide Runge hießen, 
unterschieden als „Bergrunge" und „Gnindr 
runge"). 
Grtttter s. Grützner. 
Gruttke s. Hrod (einst. K.). 



Grützner 



Haber 



131 



Orfltzner III. „Grützmüller". 

FN. Grützner. Nioderd. Grüttnei'; Grüt- 
ter. — Auch Grützmacher. 
Gsell 8. Geselle. 

Oabbe, Gabe s. God (z weist. K.). 
Gttekel, Gade s. God (einst. K.). 
Guerle s. War (einst. K.). 
GOmbel, Gamb- s. Gund (V.). 
Gumm-, Gump- s. Gund (V., zweist. K.). 
GÜND I. ahd. gund, kunt „Krieg" (noch im 
ital. gonfalone aus gundfano Kriegsfahne). 
Seit dem 3. Jh. in N. nachweislich. 
FN. Gundobald: Gwnpold — Jumpelt — 
Gumpel; Gumhel — Gümhel — 
Gummel — Gomhold. 
Gundobert: Gumprecht; Gu7nprich; 
Gumpert; Gumhert; Grumbart; 
Gvmper; Gummert — Gompart — 
KompeH — Gomhert; Gommert. 
Gen. Gompertz — Kümpers, 
Gundefred: Gumpfer. 
Gundhart: Grmdert — Günthert — 

Gowtard — Gönmrt. 
Gundachar: Gunder (Guntermann) 
— Runter — Günther (Zus. Klein- 
günther) — Gondermann — Gon- 
nermann. 
Guntchramnus : Guntram — Gantrum. 
Gundalah: Gundelach; Gundlach; 

Gundlack. 
Gundemar: Gummer — Kummer. 

Vklf. (1): Kümmerle. 
Gunderad: Günthrat. 
Gundericus 3.: Gönrich. 
Gundivic: Gmmewig. 
Gundulf: Gundolf. 
Einstämmige Kürzung Gund-. 
Gundo: Gund — Kunth — Günth. 
Vklf. (1): Gundel — Gündell — 
Günihel, Patr. A. Gimdling. (k) : 
Kuntke. (z): Guntz — Güntz; 
Güntsch, ünorg. Günzert. (z + 1) : 
Crünzel — Künzel. (z + ^)'- 
Crtmschke. 
Zweistämmige Kürzung Gundb-. 
Gumpo : Crump — Gumme — Gaurn. 
Vklf. (1): Gumpel — Kumpel (s. 
auch Gundobald). (k): Gummich. 
Gflndell s. Gund (einst. K.). 
GOmiewig s. Gund (V.). 
Gansehke s. Gund (einst. K.). 
Gant-, Gfliith- s. Gund (V., einst. K.). 



GUntseh, Gantz, Gttnz- s. Gund (einst. K.). 
Gut III. auch Gath vgl. Frid. der gute 1304. 

— In mancherlei Zus. : Guthier. Gutgesell. 

Guthknecht. Gutkind (s. diese unter dem 

zweiten Theil der Zus.) — Gutsjahr (Gut- 

jar 1295). Gutzeit. Gutsmuths. 
Gut-, Gttt-, Gutsch s. God (einst. K.), 
Gutschebaueh III. wohl von schwäb. „gaut- 

schen" d. i. wiegen, schaukeln. 
Gutsmuths III. Gen. „gutes Miithes" (mit 

dem urspr. und richtigeren Gen. der starken 

Beugung). 
Auch im Nom. Guthermuth , vgl. Tvnuner- 

muot 1327. 
Gutz-, Gtttz- 8. God (einst. K.). 



H. 



Haab- s. Had (zweist. K.). 
Haaek- s. Hag (V., einst. K.), 
Haag 8. Hag (einst. K.). 
Haak a) I. s. Hag b) III. niederd. „Höker" 
(so z. B. noch in dem Stralsunder Kataster 
von 1845). — Zus. Bierhake (Bierhöker?). 
Haar- s. Hari (V., einst. K.). 
Haar III. als Körpertheil in mannigfachen 
Zus. Vgl. nord. König Harald Harfagr 
(Haarschön) und engl. Fau-fax (Schönhaar).' 
FN. Flachshaar, niederd. Flashaar. Gelb- 
haar — Geelhaar. Glatthaar. Grieshaar. 
Kraushaar. Schlichthaar. Straubhaar. 
Weißhaar. 
Haas III. s. 1) Hase 2) Hose. 
Hab-, Habb- s. Hath (V., zweist. K.). 
Habedank III. Satzname (schon bei Walther 
V. d. Vogelweide als Appellativum : „swelch 
schoene wip mir denne gaebe ir habedanc"). 
Als FN. auch gekürzt Hadank. 
Habenteht III. Satzname: „habe nichts" (ein 

„Herr von Habenichts"). 
Habensehaden III. Satzname: „habe den Scha- 
den", für jemand, der sich unvorsichtig in 
Gefahr begeben hat. 
Haber III. die eig. hochdeutsche F. (mhd. 
haber), wofür jetzt in der Schriftsprache 
das niederd. „Hafer" durchgedrungen ist. 
FN. Faulhaber (Werner dict. vulhaber 1299). 
Firnhaber. Frischhaber. Kiffhaber 
1450, jetzt entstellt Kühfaber (Bacm.). 
Schlichthaber. Wiesenhafer. — Haber- 
korn. Haberstroh. 

9* 



132 



Haberecht 



Hagan 



Habereeht III. Satz-N. „habe Kecht", ein 

. rechthaberischer Mensch (doch s. auch Hath). 

Häberlein s. Hath (V.). 

Habicht III. der bekannte Kaubvogel, mhd. 
habich (könnte aber als FN. aus ad. Habicho 
entstanden sein, s. Hath z weist. K.). 

HablUtzel m. Satz-N. „habe wenig" vgl 
Habenicht. 

Hach- s. Hag (V., einst. K.). 

Haehmeister IH. nach Viim. aus „Habicht- 
meister" d. i. Abrichter der Stoßvögel zur 
Jagd. (Ahd. hapuh, mhd. habech zsgz. in 
Hach s. Bück, Flurnamen S. 69). 

Haek-, Hack- s. Hag (V., einst. K.). 

Had-, Häd- s. Hath (V., einst. K.). 

Hadank s. Habedank. 

Hadd- s. Hath (einst. K.). 

Hadrianas II. lat. „einer aus der italienischen 

Stadt Hadria", N. eines römischen Kaisers, 

dessen Vorfahren daher stammten, und 

mehrerer Päpste. 

PN. Adrian — Aderjahn. Gen. Adrians. 

Hafcmann nicht mit Pott zu Hafen, sondern 
niederd. „Hof mann", vgl. Klempin, Diplom. 
Beitr. S. 623: Hauolude (Hofgesinde), Haue- 

' marschalk (spr. Have-), Hauemeisterinne. 

Hafner III. ahd. hafanäri, mhd. havenaere 
„Töpfer" — die süddeutsche Bezeichnung, 
wie z. B. in München die Innung der „Haf- 
ner", auch ein „Hof hafnermeister", in Augs- 
burg ein „Hafnerberg", während Töpfer 
mitteldeutsch ist. 
FN. Hafner, Haffner — Hafner. 

Haff- s. Hath (V.). 

HAG I. ahd. hag, hac, mhd. hac „Finheguug, 
Hag". 

FN. Hagabald: Heckehold — Heyhold — 
zsgz. Heipt. 
Hagibei-t: Hackebracht; Hackharth 

— Hegebart — Heihert; Heiber. 
Gen. Heypertz. 

Hahkis: Haigis, Heigis. 

Hechard: Hagart — Hackert — 

Haackert — Hegert — Heckert. 

Gen. Heiartz. 
Hagihar : Hager — Hacker — Hacher 

— Haker — Hecker (Häckermann) 

— Hager (Hägermann) — Heyer 
(HeiermannJ. 

(Hagiman): Hagemann — Hegmann 

— Heimann, Gen. Heimanns. 



(Hagimar) : Hagemer — Hechemer — 

Hegemer — Heymer. 
Hachirat: Hackraih — Heckrath. 
Hecgirih: Hährich — Heyricfi. 
Hagoald: Hegewald. 
Einstämmige Kürzung Hag-. 

Hago, Hako, Heio: Hage; Haag — 
Hake; Haack — Hege — Heye; 
Hay. Gen.Hayen. Fa.tr. A. Hecking. 
Gen. Hayungs (jeverl.). 

Vklf. (1): Hagel — Hachel — 
Hakl — zsgz. Hahl — Hegel — 
Häckel — Hechele; Hechel. Patr. 
A. Hegeling. (1 + ö): Hägelin; 
Hegelein, (k) : Hageck — Hayeck ; 
Heicke. (k -f- 1): Heyckel. 
Hag-, Häg- s. Hag I. (V., einst. K.). 
Hag III. ahd. hag, hac, mhd. hac, dessen 
älteste Bed. nach Pörstemann (ON. S. 57) 
Wald oder Bosch; aus dieser entwickelte 
sich die eines schützenden Busches, einer 
Einhegung und dann erst die eines einge- 
hegten Raumes selbst: „Gehego, Wohnort". 
In ON. 'hag^ -haag; -heeg. 
FN. 1) -hage (bes. in Westf. — elUp- 
tischer Dativ?): Grünhage. Hei- 
sterhage. Höhage. Kreuzhage. 
Niehage (Neu-). Osthage. Over- 
hage. Behage. Sandhage. Schnee- 
hage. Voshage (Fuchs-). 
2) -hege: Dornhege. Hundehege. 
Osthege. 
HAGAN I. Erweiterung von Hag I. 

FN. Haginbert: Hambrecht — Heim- 

brecht; Heimbert; Heimbrodt — 

Hemper. Patr. A. Hen^merding. 

Vklf. (1): Hemberle. 

Heinhard: Hanhardt — Heitihardt; 

Haynard; Heinert — Hennert, 
Haginher: Hagner — Hanner — 
Hahner — Hähner — Hityner, 
Heiner — Henner mit d&a. Zus. 
Hofhen/ner. Schmitthentier. 
Hainarad: Hanraih — Hahnrath. 
Haganrih: Handrick — Heinrieh; 
Heinreich — Henrich; Hendridk; 
Hentrich — Hinrich; Hinnerk, 

Zus. Langheinrich. Tiekenhein- 
ridi. Westheinrich. Großhemid^. 
Möhlhenrich (Mühlheinrich). G«n. 
Heinrichs; Heinderichs — jECm- 
drichs; Hendrix (Kempen) - Hirn- 



Hagen 



133 



richs; Hinderlcs(os,\hiQ^.). (Ijatinis. 

Hemrici — Hewrici), Patr. Zus. 

Heinrichsen — Hiwrichsen; Hin- 

drichsohn; Hinderksen. 
(Haginachar) : Hanewacker — Hann- 

wacker — Heinacker. 
Haginold: Hannewald — Hanewald; 

Hanold; Hanelt — Hänelt; Hänei 

— Haynald; Heinold; Heinhold; 
Heinelt; Heinleth. 

Einstämmige Kürzung Hagen-. 

Hagano, Hanno, Heino: Hagen; Hagn 

— Hanno; Hanne — Hahne; 
Hahn — Heino; Haine, Heyne; 
Hayn (Heinemann; Heinevetter) 

— Henne; Henn — Hehn. Gen. 
Hagens; Hagena (ostfries.) — Hei- 
nen; Heins. Patr. A. Hanning — 
Heining — Henning (noch im 17. Jh. 
Vorname, z. B. Henning Woyke, 1681 
Bürgermeister zu Neustettin). Patr. 
Zus. Heinsohn. 

Vklf. G): Heinel; Heindl — 
Herde. (1 + n) : HainJin — Hän- 
lein; Hänlen. (k): Hanke — Hei- 
nicke (Marheineke) ; Heinke; Haink 

— Hennickej Hennig (doch auch 
gekürzt aus Henning) — Henke 
(Bierhenke ; Grotehenke ;'*Marhenke 
Schäferhenke; Strothenke) — Hink 
(Stark S. 71). Gen. Hainken (ost- 
fries.) ; Heinks — Hennickens ; Hen- 
niges; Hennigs; Hervnies — Hin- 
ken; Hinkens. Patr. A. Henking. 
Patr. Zus. Hinksen. (k-{-l): Han- 
kel — Heinkel — Henckel — 
Hinkel (Hinkelmann), (k + n): 
Hänichen — Heineken (Langhei- 
necken) ; Heinichen, (z) : Hanzo — 
Heintze; Heinz , Hainz (bair.) 
(Heinzmann — Emmelheinz; Hoff- 
heinz; Kleinheintz; Schönheinz) — 
Heimtz — Hemse (latinis. Hein- 
sius; auch der Dichter Wilh. Heinse 
hieß eigentlich Heintze, s. Lessing 
Wieland Heinse von H. Pröhle S. 129) 

— Henze; Hense (Stark S. 76) — 
Hinze — Hientzsch — Hinse; 
Hinsehe. Gen. Heinzen — Hinzen. 
Patr. A. Henzing ; Hensing. (z + 1) : 
Heinzel (Heinzelmann) — Henzel; 
Hensel; Henschel — Hintzel; 



Hinseimann, (z + k): Heinzke — 
Hinzke. 
Bem. Mehrere Formen, namentlich die 
mit Han-, Hen- beginnenden, treffen 
mit entsprechenden von Johannes zu- 
sammen. 
-hage s. Hag III. 
Hagedom III. mhd. hagendom, hagdom. 

PN. Hagedorn — Heidorn. 
Hagen- s. Hagan (einst. E.). 
Hagen III. ahd. hagan , mhd. hagen der „zum 
Einhegen bes. passende Domstrauch", aber 
ursprünglicher das Buschwerk überhaupt. In 
ON. seit dem 9. Jh. nachweislich. Jetzt 
tausende von Örtem auf 'hagen (so an der 
meklenburgischen und pommerschen Küste 
in langer Folge von Meklenburg bis zur 
Kassubei) ; doch läßt sich kaum nachweisen, 
welche davon hierher und welche als Dativ 
Plur. zu Hag zu setzen sind (der Umstand, 
daß die bezeichneten meklenburgiBchen und 
pommerschen ö. meist langgestreckte Dörfer — 
bis zur Länge einer halben Meile — sind, 
dürfte wenigstens bei diesen für den Plural 
sprechen = „zu den Gehegen"). Hagen 
findet sich auch als Straßenbezeichnung, 
z. B. in Stralsund: Flachshagen, Keper- 
hagen , Zipollenhagen u. a. 
PN. vom Hagen; von Hagen. Eschen- 
hagen. Hwndeshagen. Stavenhagen. 
Ableitung auf -er: 
-hager: Gerhager. Hinterhager (0. 

-hagen, oder auch zu -hag?). 
-hager: Poppenhäger (0. -hagen). 
Aus -hagen wird durch Zusammenziehung 
-hain (wie auch das Appellativ „Hain" 
daraus entstanden ist), woneben noch eine 
F. auf -hahn herläuft. Den FF. -Übergang 
zeigt ein hessischer Ort, der 1264 Glimen- 
hagen, 1297 Glimenhahn, im 15. Jh. Glimen- 
hain, jetzt Gleimenhain heißt. 

1) -hain: Espenhain, von Falckenhavn. 
Mückenhain. Frohsthain. Bosenheyn 
(0. Eosenhain). 

2) -hahn: Dammhahn (0. nur Damm- 
hagen Kitt.). Espenhahn (s. oben Espen- 
hain). Falkenhahn (0. -hagen und 
-hain). Gräfenhan (0. -hain). Krä- 
hahn neben Krehain (vgl. 0. Kreyen- 
hagen). Langenhahn, Langenhan 
(0. Langenhahn neb. -hagen u. -hain). 
Lindetihahn (0. -hain K). NeuhahHf 



134 



Hägenbarth 



Haleff 



Neuenhahn (0. -hagen, -hain). Bo- 
sewÄaÄw (0. -hagen, -hain). Wilden- 
hahn {0. -hagen ^ -hs^n). Ziegenhahn 
(0. -ha^en, -hain). 

Hägrenbarth zu Hagen (V.). 

-hagrer, -hftger s. Hagen HI. 

Hagn 8. Hagan (einst. E.). 

Hagrner s. Hagan (V.). 

Hahl 8. Hag I. (einst. K.). 

Hahn a) I. s. Hagan (einst. K.) b) III. 

1) ON. (fünfmal Kitt.) — s. Hagen HI. 

2) Thier-N. : de Haan (Düren); auch in 
einigen Zus. meist zweifelhafter Art: BerTc- 
han. Kaphahn (Kapaun), ürhahn (Auer- 
hahn, welches mehrfach N. von Forsthäusem). 

-hahn s. a) Hagen III. b) Hahn. 
Hahn-, Hfthn- s. Hagan (V., einst. K.). 
Hfthrieh s. Hag (V.). 

HAID I. got. haidus, ahd. mhd. heit „Art, 
Wesen" (auch Hang und Stand). 
FN. (Heidbreht): Heidebrecht. 
Heitkär: Heitger. 
Heidher: Heider — Heiter. 
Haidrich: Heidrich; Heidreich — 

Heitrich. 
Haidulf : Heydwolff — Heidolf; Heide- 
loff; Heidelauf. 
Einstämmige Kürzung Heit-. 

Haido: Hey de (Heyd^mann); Haid, 
Heyd (doch s. auch Heide Hl). Gen. 
Heyden — Heits. 

Vklf. (1) : Heydel. Patr. A. Heit- 
ling. (1 -J- n) : Haidien. (1 + k) : 
Heidelk. (k): Heideke. (k + n): 
Heitchen. (z): Heitz — Heise 
(urkundlich = Heidenreich); Heis. 
Patr. A. Heising. 
Haide 111. got. haithi, ahd. heida, mhd. beide 
ein mit Strauchwerk und Domen bewachse- 
nes „unbebautes Feld". In ON. Haid, 
-haid; Heide, -heide. 
FN. Vonderheydt, auch getrennt von der 
Heidt; von der Heyden. Holzheide. 
Kirchheide. Knappheide. Krähenheide, 
öllheide. Ordelheyde. Schlingheide 
(sämtlich in Westfalen, wohl mehr appel- 
lativ zu fassen: Personen, die auf der 
betr. Haide wohnten). Kleinheidt. 
Ableitung auf -er: Steinheider (0. Stein- 
heide , auch - heid genannt , in Sachsen- 
Meiningen). 
Haigris 8. Hag 1. (V.). 



HALL I. got. hails, ahd. mhd. heil „gesund, 
unverletzt"; Hauptw. ahd. heil. 
FN. Heiiker: Gen. Heilgers. 

(Heilher): Heyler (Heilermann). 
Heilman: Heilmann. 
Einstämmige Kürzimg Heil-. 

Heilo: Heüe; Heyl. Patr. A. Heiling. 
Participiale Bildung Hailant 8. : Heuernd. 

HAILAG I. ahd. heilag, mhd. heilic, altsächs. 
helag, hälag „heiUg" (von „HeU"). 
FN. Halegdag: Heiligtag. 
Einstämmige Kürzung Heilig-. 
Halicho: Heilig — Hallich; Halke. 

HAIM I. got. haims Dorf, ahd. mhd. heim 
„Haus, Heim". 

FN. Haimperht: Heimhrecht. 
Heimard: Heimert; Heimer. 
Haimrich: Heimlich; Heimreich — 
Himmrich — auch durch Ab- 
schwächung des m: Heinrich, wo 
dann die FF. mit Hagen- in ein- 
ander fließen. 
Heimoald: Heimhold, 
Einstänunige Kürzung Heim-. 
Haimo: Heime; Heym. 

Vklf. (1): HeimU. (k): Heimke 
— Hiemke. 
Bern. Mischt sich mit Hagen (Hein), 
bes. in den Vollnamen, deren zwdter 
Theil mit b anlautet. 

Hain s. Hagan (einst. K.). 

-hain s. Hagen III. 

Hak- 8. Hag I. (V., einst. K.). 

Hake III. in den Zus. Fetthake. Feuerhake. 

Halhrehder UI. doch wohl = Halbritter, vgL 
Halbritter 14. Jh., Halfridder proconsol in 
Gnfenbergh (Kalendarium des Karteosor- 
Klosters Marienkron bei Eügenwalde — seit 
1430 zu nekrologischen Aufzeichnungen be- 
nutzt). 

Halhuer s. Hallbauer. 

Halbwaehs III. „halberwachsen. Sch<Mi 1388 
Cunrad Halbwahs. Auch HaUwachs. 

Halde III. ahd. halda, mhd. haide „Abhang 
eines Berges" (bes. im südwesÜ. Dentsdi' 
land). 
FN. auf -er (oberd.): WinterhaUer, auch 
WwUerhalder (von der „Winterhalde'' = 
Nordhalde, z. B. bei Stuttgart Baom.). 
Spiegelhalter. 
Haleff s. Hath (V.). 



Halid 



Hard 



135 



HALIB I. ahd. helid der „Held«. Halidrich, 
Halidulf u. a. 
FN. Helido: Held u. s. w. — mit Hild 
zusammengeflossen, so daß eine sichere 
Scheidung nicht durchzuführen ist. 
Hallbauer III. „Halbbauer", der nur einen 
halben Hof besitzt, im Gegensatze zum Voll- 
bauer. Niederd. Halhuer. 
Hallieh, Halke s. Hailag. 
Hallwaehs s. Halbwachs. 
Hals III. als Eörpertheil in den Zus. 

FN. Ktf/rzhals, niederd. Korthals. Langhals 
Schönhals (-hals öfters auch in ON.). 
Haltaafderhetde III. Satz-K, ein Eeisigerr 
der auf der Haide hält (doch wohl, um 
Vorüberziehende anzugreifen). 
-halter s. Halde. 

HAMAR I. ahd. hamar, mhd. hamer „Ham 
mer" — wohl mit Bezug auf den mythi 
sehen Hammer des Donar, den Miölnir, mit 
welchem dieser Grott die Kiesen zerschmet- 
tert (Blitzstrahl). Hamarard, Hamarolf. 
FN. Hamar 8. : Hammer. Vklf. (1) : Häm- 
merle. 
Hambreeht s. Hagan (V.). 
Hammer s. 1) Hath (V.) 2) Hamar. 
Hammer IE. a) als Werkzeug b) in ON., 
ein Hanunerwerk bezeichnend, hat auch 
vielen 0. den Namen gegeben, wo längst 
kein solches Werk mehr besteht, z. B. Silber- 
hammer bei Danzig. 

FN. Hammer, Boßhammer. Pochhammer. 
Schellhammer. Streithammer u. a., doch 
meist zweifelhaft, da hier die Ableitungen 
von ON. auf -heim, oberbair. -Äaw her- 
einspielen (s. Heim III). 
-hammer s. 1) Hammer III., bes. Werkzeug 

2) Heim III. 
Han-, Hau- s. Hagan (V., einst. K.). 
Hanbat III. die „Hagebutte" oder Hainbutte 

(wilde Kose und deren Frucht). 
HAND I. got. handus, ahd. mhd. haut „Hand". 
Handwin, Handolf. 
FN. Hanto : Handt (Handtmarm) — Hente. 
Gen. Handten. 

Vklf. (1) : Hantel — Händel, (k) : 
Ha>ndtke. 
Hmnd III. der Xörpertheil (s. das Vorher- 
gehende). Liebhard mit der Hand 1383. 
FN. Hand, — Geradehand. I/uchterhand. 
Weichhand. Wolfhand. 
Hrnndriek s, Hagan (V.). 



Handsefaah III. zu den Kleidungsstücken (8. 45). 
Hane- s. Hagan (V.). 
Httn- 8. Hagan (einst. K.). 
Hanffstengpel III. zu den Pflanzen -N. 
Hanke s. a) I. Hagan (einst. E.) b) II. Jo- 
hannes 5. 
Hann- s. a) I. Hagan (V., einst. E.) b) II. 

Johannes 4. 
Hannes, Hans s. Johannes 5. 
Hantel s. Hand I. 
Hanzo s. Hagan (einst. E.). 
Hap-, Happ- s. Hath (V., z weist. E.). 
Här- s. Hari (einst. E.). 
Harb- s. Hari (V.). 

HARD I. got. hardus, ahd. mhd. hart „hart, 
fest, stark" (vgl. das urverwandte griech. 
xQccTvg und das von dem Deutschen abge- 
leitete franz. hardi). Schon seit dem 3. Jh. 
in EN. nachweisbar. 

FN. Hardher: Härder — Herder — Herter. 
Gen. Härders. 
Hartleip: Hartleib; Hartleb. 
Hartman (Ardeman): Hartmann — 
Hertmunn — Artniann — Erdmann 
(auch als VN. : E. Laabs EB. 1845). 
Gen. Hartmanns. 
Hartmar: Ertmer. 
Hardmod: Hartmuth. 
Hartomund: Hartmond. 
Hartnagal: Härtnagel, 
Hardarat: Hartrath; Harter f. 
Harderich: Hartrig — Herter ich; 

Härttrich. 
Harduwich: Hartwig; Hartweg — 
Hertwig; Hertweck — Erdmg. 
Patr. Zus. Hartwichsen. 
Artald: Hartelt — Hertelt — Ärdelt 

— Erdelt. 
Hardulf: Hertwolf. 
Einstämmige Eürzung Hart-. 
(Harte), Ardo : Harte ; Hart — Herthe. 
Gen. Harden — Harten. Patr. A. 
Hardung — Harting; Härtung — 
Herding. 

Vklf. (1): Hardell - Herdel - 

Herten — Artel — Erdel — Ertle. 

Patr. A. Hertling. (k): Hartig; 

Harike; Hartje (ostfries.) — Hertig. 

(z): Hartz. 

Auslautend (überaus häufig, 250 mal 

Forst. , wodurch der Übergang in eine 

bedeutungslose Endung vorbereitet wird) . 



136 



Haren 



Hase 



'hard: Eberhard. Einhardt. Gen -harz: 
Eeinharz. Burghartz. 

-ard: Eckard. Gen. -art8,-arz: Blan- 
karts. Eeinartz. 

-at: Morat, -aht. 

-ert: Eilert. Gen. -erz: Keicherz — 
daraus durch Umdeutung -herz: Lieb- 
herz, Lebherz neben Lieberz. 

Haren s. Hari (einst. K.). 

Harengr HL französ. Familie aus der Bre- 
tagne, nannte sich in Deutschland Häring 
(so in Soldin) — daher der Komandichter 
Wilhelm H. (WüUbald Alexis). 

Hargpens s. Hari (einst. K.). 

HAKI I. got. harjis, ahd. hari, heri, mhd. 
her „Heer". Seit dem 1. Jh. in EN. nach- 
weisbar (Cariovalda Bataverfürst). 

FN. Haribald : Herhold. 

Hariberaht : Harprecht ; Harhert >• Har- 
hart — Herhrecht; Herbert; Her- 
hart ; Herhorth ; Herber. Gen. Hm- 
hertz — Herberz — Harhers — Her- 
pers. Patr. A. Harherding. 

Hariobaudes: Harboth — Herbothe; 
Herboth. 

Haribrand : Haarbrandt — Herbrand. 
Harifnd: Herfart, Herr fahr dt. 
Herigaud: Herrguth; Herget; Herkt. 
Harigaoz: Herrgoß. 
Hariger: Herger; Hercher; Herker. 
Hariard: H&i'hard. Gen. Heerhartz. 
Harilaip: Harlepp; Harlieb — Her- 
lepp; Herlieb. 

Charilaigus: Herlach; Herrlich. 
Hariman 7.: Härmen — Haarmann 
Hermann , Herrman — Heermann 

— Hörmann. Gen. Harmans — 
Harms; Harrems (ostfries.). Her- 
manns (lat. Hermanni); Hermens; 
Herms. Patr. A. Harmening. Patr. 
Zus. Harmanssen — Hermanssen. 

Harimot: Harmuth — Herrmuth. 
Haririh: Harrich — Herrig. 
Heridegan: Herdegen; Heerdegen. 
Cariovalda 1.: Herwalt; Herrwald — 
Herold; Herholdt; Herlet; Herlt 

— Höröld. Gen. Herholz — Hör- 
holz, 

Hariward: Harward — Herwarth; 
Herwath — Heertoarth. 



Hariwich: Harwig — Herwig; Her- 
big; Herwegh. 

Hariulf : Harloff - Herloff; Herleff. 
Einstämmige Kürzung Her-. 

Haro, Herö: Haar — Herr; Her — 
Heere; Heer. Gen. Hars; Haren 
— Heers; Heeren. Patr. A. Herinc: 
Haring; Harring — Häring ^ 
Hering — Herring, — Gen. Har- 
ringa — Heringa (beide ostfiies.). 
Vklf. a) Herilo: Herel — HärU. 
Patr. A. Ha/rling — Herrling. 
(k) Haricho: Harke -— Harig — 
Häricke — Herke, Gren. Harken; 
Harrjes; Hargens — Heerkes- 
Patr. A. Herking, (z) Harizo: 
Hareis. 
Auslautend (276 mal Forst.). 

-her (doch h nicht mehr lautbar): 
Muther. Eother. 

-er: Deuter. Gen. -ers: Deiters. 

-herr: Dietherr. 

Harig, Haring, Hark- s. Hari (einst. K.). 

Hari- 8. Hari (V., einst. K.). 

Harm- s. Hari (V.). 

Hamiseh UL mhd. hamas, hamasch, har- 
nisch, aus dem keltischen haiamaez Eisen- 
geräthe — später eingeführtes Wort statt 
des deutschen brünne (s. Brun). Wemher 
dict. Hamasch 1362. 
FN. Harnasch; Harnisch, 

Hamisehfeger HI. „der den Harnisch fegt*" 
d.i. polirt, blank macht, reinigt; dann = 
Hamischmacher. 

FN. Hamisehfeger; auch Harnisfeger (mit 
dem urspr. s, mhd. hamas). 

Harpreclit s. Hari. 

Harr- s. Hari (V., einst. K.). 

Harras HL „Stallmeister", zugleich Anfseher 

über Harnisch und Waffen (von haiadnm 

Stuterei). 
FN. Harras ; Harrasser. 

Hart- s. Hard (V., einst. K.). 
Hart- s. Hard (V.). 

Hartfaust III. Zus. mit Faust (geballte Hand), 
niederd. Hardevust Elemp. 

Hartog s. Herzog. 
Hartz s. Hard (einst. E.). 
Harw- s. Hari (V.). 

Hase a) I. zu verschiedenen Stämmen: Hatli, 
Hass. b) III. das bekannte Thier (in der 



Hasenclever 



Hauenschild 



137 



Thierfabel: Lampe) vgl. franz. FN. Liepvre, 
Lelievre. 
FN. de Haas; Hase; Haas. Vklf. Häs- 
lein. Zus. Feldhase. Kohlhaas (Conrad 
dict. Kolhase 1317 — also nicht mit Pott 
== Küllhase d. i. Kaninchen). Lauer- 
hase. Dagegen Kniehase, Lederhas, 
Leinhaas und einige andere zu Hose. 

Die Zusammensetzungen, in denen Hase 
den ersten Theil hildet, sind ziemlich 
zahlreich : 

Hasenbalg (conrad dict. Hasenbalg 
1291). Hasenhein (Cvnrad. dict. Hasen- 
bein 1279). Hasenfuß. Hasenfratz. 
Hasenohr; Hasenöhrl, Hasenschart. 
Hasenschlaf. Hasenzagel; Hasenzahl 
(Hasenschwanz) — Hasenclever. (Aber 
Hasenpoth ist ON., Stadt in Kurland). 
Haseneleyer III. niederd. „Hasenklee", ver- 
muthlich = Sauerklee, auch Hasenkohl ge- 
nannt (oxalis acetosella). 
Hasensehlaf UI. der einen „sehr leisen Schlaf* 
hat, ähnlich den Hasen, die, wie man sagt, 
mit offenen Augen schlafen. 
HASS I. zum Volksnamen der „Hessen". 
FN. (Hassomar): Hessemer. 
Einstämmige Kürzung Hass-. 

Hasso (noch Vorname) , Hesso : Hasse ; 
Haß — Hesse. Gen. Hessen. Patr. 
A. Hessing. 

Vklf, (1) : Hassel — Hessel. Gen. 
Hesseis. Patr. A. Heßlvng. (1 + n) : 
Heßlein, (k): Hessig. 
Haßdenpflug III. Satz-N. „hasse den Pflug" 
(ein Bauer, der des Pfluges überdrüssig ist). 
FN. Haßdenpflug ; Hastenpflug — Hassen- 
pflug (entstellt: Hasenpflug). 
Haßdenteufel III. Satz-N. „hasse den Teu- 
fel" (s. Teufel). 
FN. Haßdenteufel — entstellt Hassen- 
ieifeL 
Hassel- III. niederd. „Hasel" coiylus, in Zus. 
wie Hasselbrinky -hörst ^ -kamp, -meyer. 
Hassenkrug IE. Satz-N. „hasse den Krug", 

ein Wirtshausfeind. 
Hassenpflug s. Haßdenpflug. 
Hassenteifel s. Haßdenteufel. 
Hassenwein III. Satz-N. „haase den Wein", 

ein Wassertrinker. 
Hassesansr III- Satz-N. „hasse den Sang", 

ein Sangesfeind. 
Hastenpflug s. Haßdenpflug. 



Hftterieh s. Hath (V.). 
HATH I. (got. hathus) ahd. hadu „Krieg" — 
zugleich mit Beziehung auf den altnord. Gott 
Hödhr. 
FN. Hathubald: Hadeball — Happold — 
Hobelt — Hebold. 
Hadaperht: Habbert — Happei't — 
Haprecht — Hebert. Gen. Hab- 
berts. Patr. A. Habtrding. Vklf. 
(1): Heberle; Häberlein Pati*. A. 
Heberling. 
Hadufrid: Haffert; Haffer. 
Hadaleih: Hadlich — Hedlich. 
Hadamar: Hattemer — Hammer. 
Hadarih : Hederich ; Hädrich — Het- 
terich. 
Hathuwic: Hattiuich — Hatoig — 

Hedewig; Hedwig — Hettvng. 
Hathovulf: Haleff - Hedloff. 
Einstämmige Kürzung Hath-. 

Hatte, Hetto: Had — Hatt — Hedde 
(Hettema ostfries.j. Gen. Hadden ; 
Hatts. Patr. A. Hattinga (ostfries.) 
— Heddenga (ostfries.). 

Vklf. (1): Hedel. (k): Hattig; 
Hatje (fries.) — Hädicke — Hettig. 
Gen. Hettgen. (z) : Hatz — Hetz — 
Hetsch. (z + 1) : Hatzel. — Unorg. 
Hatzold. 
Zweistämmige Kürzung Hadb-. 
Happo, Habo, Heppo: Happe — 
Haabe — Heppe. Gren. Habben — 
Haabes. G. Plur. Habena (ostfries.). 
Patr. A. Habbinga (ostfries.). 

Vklf. (1) : Happel — Habel — Heb- 
bel — Hebel, (k) : Hapke — Hebich. 
Halje s. Hath (einst. K.). 
Hatt- s. Hath (V., einst. K.). 
Hatz- s. Hath (einst. K.). 
Haub- s. Hug (V., zweist. K.). 
Haube III. zu den Kleidungsstücken (Waffen, 
vgl. Sturmhaube). 

FN. Haube. Vklf. Häublein. Zus. Becken- 
hube. 
Haubensehmidt III. Vorfertiger von Sturm- 
hauben", vgl. Job. faber galearum 1347. 
Hauber IH. „Verfertiger von Sturmhauben". 

Auch Heuber. 
Hauenhut III. Satz-N. „hau (in) den Hut" 

s. das Folg. 
Hauensehild III. Satz-N. „haue den Schild", 
Bezeichnung eines tapfem Kriegers. 



138 



Hauer 



Haus 



FN. Hauenschild; Haunschüd — Hau- 
schild. Auch wohl Hauff Schild, worin 
dann das ursprüngliche w (ahd. altsächs. 
hauwan) noch erhalten wäre. 

Hauer, Hauert s. Hug (V.). 

-haaer III. der etwas „haut" (niederhaut, zu- 
haut, verfertigt), in einer Menge Zus., die 
sich meist von selbst erklären. 

FN. Baumhauer. Beinhauer. Brethauer. 
Danhauer. Eichenhauer. Eisenhausr. 
Felgenhauer. Fleischhauer. Holzhauer. 
Lattenhauer. Moldenhauer ; Molden- 
hawer. Pfettenhauer. Scheidhauer 
(Scheit-). Schiffhauer, SchildJiau^r. 
Schlothauer — Schlotz-, Schopenhauer. 
Spornhauer. Staudenhau^er. Stuben - 
hauer. Steinhauer. Telgenhauer. Vaß- 
hauer. Waldhauer. 

Mit Umlaut -heuer: Bardenheuer. 
Bomheuer (Baumhauer). Holzheuer. 
Krummheuer. Scharfheuer. Stein- 
heuer. Vatheu^r. Waldheuer. 

Hauffe s. Hug (zweist. K.). 
Hauffsehild s. Hauenschild. 
Hang, Hauhardt s. Hug. 
Hauk- s. Hug (einst. K.). 
Haamersen s. Hug (V.). 
Haun- s. Hun (V., einst. K.). 
Hanpers s. Hug (V.). 

Haupt a) I. s. Hug (Hugibald, -bodo) b) III. 
got. haubith, ahd. haubit, mhd. houbet: 

1) als Körpertheil, auch in mannigfachen 
Zus. — Piscator, qui vocatur Durrehou- 
bith 1256. Joh. Hoybit 1339. z. Th. 
durch Häuserzeichen vermittelt (S. 60). 

FN. Breithaupt. Dünnhaupt. Guldefi- 
haupt. Kraushaupt. Bauchhaupt. 
Rothhaupt. Schönhaupt. Weißhaupt. 
Wollenhaupt. 

2) in Bergnamen und für Quelle (z. B. 
Brunhoibet 13. Jh.), ON. bildend auf 
'hauptj -haupten. 

FN. Weidenhaupt. Mühlhaupt. 

Niederd. -höft (mit langem ö), in 
mancherlei Zus. , die wohl meist Orts- 
bezeichnungen sind. 

Y^. Höft. — Bernhöft (vgl. Conrad. 
Berenhoufed 1278 — wohl ein ON., 
vgl. z. B. Bemhaupten in Baiem). 
Bornhöfft (0. Bomhöved). Bredehöft. 
Düstei'höft. Düvelshöft (vgl. hochd. 



FN. Teufelskopf). Lamshöfl. Schon- 
höft. Wiedenhöft. Witthöft. 
Hanrand HI. Satz-N. „zerhaue den Eand" 
d. i. den Schild (mhd. rant), älterer Aus- 
druck als Hauschild. 
Haas III. ahd. mhd. altsächs. hüs. Schon 
bis zum J. 1100 sind nicht viel weniger als 
tausend ON. , die dies Wort enthalten , über- 
liefert. Neuhochd. -haus — niederd. -hus, 
in anderer Schreibung -huuSy -hues. 
FN. Neuhaus — Neuevihaus (elliptische 
Dativform) ; halbhochd. Niehaus — Nien- 
haus. Steinhaus. Niederd. Brockhus — 
Brockenhuus. Düsterhues. Grothues. 
Heidhues; Heithus. Lieckhues. Olde- 
hus. Osthues. Westhues. 

An der holländischen Gnmze (von 
Aurich bis Eees) findet sich die F. -huis. 
Joh. Steenhuys 1488. Köln. Üniv.-Matr. 
Beckhuis. Groothuis. Nyhuis — Nyen- 
huis. Veenhuis. 

Häufig tritt Haus im elliptischen Dativ 
Plur. auf: (diu stat) ze den nordhusen „(die 
Stadt) zu den Nordhäusem", daraus gekürzt: 
Nordhusen. Daher nhd. die ON. auf - husen, 
-hausen (die auf -hus, -husen endigenden 
sind in der Schriftsprache jetzt sehr be- 
schränkt, wohl eigentlich nur noch niederd.). 
FN. 1) Camphausen, von Ernsihausen. 
Holzhausen neben Holthausen und 
Holthusen (alle drei FF. auch ab 
ON. : Holzhausen 47 mal in den 
verschiedensten Gegenden Deutsch- 
lands, Holthausen 17 mal auf nie- 
derdeutschem Gebiet, Holtiinaen 
dagegen nur 2 mal Bitt.). Schaff- 
hausen. Seehausen. Steinhausen. 
Westerhausen. — v. CriUhoMßen. 

2) V. Brockhusen (vgl. hochd. Biuch- 
hausen). Niehusen. Biepenhusen, 
Wachenhusen (0. -hausen). 

3) An der hoUänd. Grenze -hityaen 
(in vollständig holländ. Schieibong 
-huyzen): Geesthuysen, Qtoel- 
huysen. Nienkuysen. WardhtUsen. 

Merkwürdig sind die Abkürzungen, die 
bei der Länge dieser Bildungen auf -haiuMii 
(häufig fünfsilbig : Mengeringhausen, Eddiga- 
hausen) hier in besonderem Mafie Fiats ge> 
griifen haben. Hunderte von N. zeigen jcfert 
nur noch ein -«en, wie Evereshnsen jeM 
Eversen, EUdagshusen — Eldagsen, Otitt- 



Hauschiid 



Heim 



139 



husen — Ottensen , Amelungshusen — Ame- 
Innxen, während in andern Fällen beide For- 
men, die vollständige und die zusammenge- 
zogene, neben einander stehen: Holzen neben 
Holthausen (im Kreise Iserlohn). 
FN. V, Adelebsen, v. Amehinxen. v. Ben- 
nigsen, Dangersen. ElUgsen. Macken- 
sen. Mengersen (neben ON. Mengers- 
hausen). Rohrsen. — t?. Berlepsch (0. 
1442 noch: Berleibessen). 
Ableitung auf -er (oberd.): 

1) - hauser: Neuhauser. Rotthauser 
(0. -haus und -hausen). Stein- 
hauser, 

2) 'häuser (im südlichen Theü der 
Bheinprovinz, Nassau, Hessen, Thü- 
ringen, Schlesien) : Häuser; Häusser 
(0. Haus, Hauß mehrfach). Ernst- 
häuser. Frankenhäuser. Frosch- 
häuser. Kaltenhäuser. Nieder- 
häuser, Rothenhäuser (0. -haus 
und -hausen). Steinhäuser und 
-häufier. Tannhäuser. Windhäuser 
— bisweilen in der Schreibung - heu- 
ser: Anheuser (0. Anhausen). 
Oppenheuser, 

3) niederd. - hüser (westfälisch, selten) : 
Hüser, Berghüser. Niehüser. Rode- 
hüser. 

Haaschild s. Hauen schild. 

-hause s. Hose. 

-haosen s. Haus. 

Häuser s. Balthasar. 

-haaser, -hftuser s. Haus. 

Hftusler III. im östlichen Mitteldeutschland 

1) ein Landmann, der ein eigenes Haus, 
aber wenig oder gar keinen Acker besitzt, 

2) ein Dörfler, der im fremden Hause zur 
Miete wohnt, Tagelöhner. 

Haasmann III. mhd. hüsman 1) „Vorstand 
einer Haushaltung", bes. einer ländlichen 
2) „Hausbewohner, Mietsmann" 3) „Wächter 
und Schließer eines Hauses", bes. Burgwart. 
Vgl. das mittelalt. lat. husimanni im 12. Jh. 
„zinspfiichtige Hofleute". 
FN. Hausmann , Haußniann. Gen. Huis- 
ma^ms (ostfries.). 

-haußen s. Haus. 

Haute in. niederd. Satz-N. „hau zu" — 
auch Hautau, 

Hautep 8. Hotopp. 

Hautz B. Hug (einst. K.). 



Hawig s. Hath (V.). 

Hay- 8. Hag (einst. K.). 

Hayn- s. Hagan (V., einst. K.). 

Haza V. Eadhcz III. ein jetzt westpreußisches 
Geschlecht, urspr. Hase, aus Kadlitz bei 
Steinau stammend, änderte seinen Namen 
so in Polen um (Winckler, Nationalitäten 
Pommerellens S. 91). 

Heb- s. Hath (V., zweist. K.). 

Hebbel s. Hath (zweist. K.). 

Hebenkrieg III. Satz-N. „einer der den Krieg 
anhebt". 

Hebensehtmpf III. Satz-N. „der den Scherz 
anhebt", Spaßmacher. 

Hebenstrelt III. Satz-N. „der den Streit 
anhebt" (Michel Hebdenstreit 1591) — auch 
Hehestreit. 

Hebestein III. Satz-N. „der den Stein auf- 
hebt" (nach Vilmar ein uralter N., aus der 
Zeit, da noch mit Steinwürfen gekämpft 
wurde — aber die imperativischen Wort- 
bildungen sind verhältnismäßig spät, s. S. 50). 

Hebetanz III. Satz-N. „ein Vortänzer". 

Hech-, Heclc- s. Hag (V., einst. K.). 

Hed- s. Hath (V., einst. K.). 

Hedd- s. Hath (einst. K.). 

Heer- s. Hari (V., einst. K.). 

Heg- s. Hag (V., einst. K.). 

-hege s. Hag III. 

Hehn s. Hagan (einst. K.). 

Hehrlin s. Hari (einst. K.). 

Hei III. ahd. heio, mhd. heie der „Heger, 
Aufseher, Hüter". 
FN. Hey. Zus. Bruckhei; Brvggey. 
Fischhei, Grashei (Cunrad Grashay 
1318). Halmhei; Halmheu. Holzhei, 
Holtzhey — gew. jetzt Holzheu. Kerk- 
hei. öschey. Wieshei; Wiesheu. 

Heiartz, Heib- s. Hag (V). 

Heielte s. Hag (einst. K.). 

Heid- 8. Haid I. 

-heide, -heidt s. Haide III. 

Heidorn s. Hagedom. 

Heier, Heigis s. Hag (V.). 

Heil- s. Hail. 

Heim- s. 1) Hag (V.) 2) Haim I. 

-heim, -heimb s. Heim III. 

Heim III. got. haims Dorf, Flecken, ahd. 
mhd. heim „Haus, Heim" (altsächs. hom, 
angelsächs. häm, dah. engl. -ham). An 
ehrwürdigem Alter können sich die hiermit 
gebildeten ON. denen auf -bürg an die 



140 



Heimer 



Helm 



Seite stellen : BovCaifxov 1. Jh., TsvQio/aC/ucci 
2. Jh. Der sich schon in alter Zeit ent- 
wickelnden Pormenfülle steht eine gleiche 
in den neueren ON. gegenüber. 

Die gewöhnliche, tausendfach wieder- 
kehrende Gestalt (in dem Elsaß und der 
Schweiz die einzige) ist -heim, demnächst 
ziemUch häufig -harn (bes. in Oberbaiem, 
in merkwürdiger Übereinstimmung mit den 
englischen ON. auf -ham, in der Art, daß 
ganz unbedeutende bairische Dörfer mit be^ 
rühmten englischen 0. im Namen zusammen- 
fallen, wieDurham, Graham) — selten -hem. 
Mit Schwinden des anlautenden h: -am, 
-cw, 'im; -um, -om (nord westdeutsch und 
flandrisch z. B. Dahlum, älter Dalehem). 
Zuletzt abgeschliffen in -en (Holzen aus 
Holzheim). 

Aus -heim (ham) mit vorausgehendem 
K-Laut (-incheim) entwickelt sich -kam 
(z. B. Zeiskam in Eheinbaiem, 1109 Ceizenc- 
keim). 

FN. 1) -heim: v. Pappenheim, v, Veit- 
heim — zuweilen im Auslaut mit 
b : i\ Gilgenheimh. v. Quernheimh 
(0. Quemheim). Aronheim jüdi- 
scher Phantasie -N. 

2) -hem: Berghem, v. Beughem, 

3) -em: v. Medem (Gott. ÜB. 1390: 
Thylo V. Medeheym; derselbe 1394 
Thile V. Medehem, 1383 Tue v. Me- 
dem genannt). Aussem. Bachem. 
Hohem. Kochern (Kochem, eigentl. 
Eochheim a. d. Mosel). Liessem. 
Olzem (0. Olzheim). v. Einem 
(vgl. 0. Einen wiederholt). 

4) -im: Arnim, v. Arnim (Amheim, 
- hem in den Niederlanden ; Arnim 
Dorf in der Altmark). 

5) -.um: V. Ankum. Borsum. Beckum. 
V. Höltum. Schlickum (0. Schhe- 
kum). 

6) -en: Meeden. 
Ableitung auf -er (oberd.): 

1) - heimer :Dahlheimer. Weinheimer. 

2) -hamer, -hammer (schon 1342 
Ulr. Heilhamer Augsb. = Heilhei- 
mer Bacm.) : Berghammer (Berg- 
heim häufiger ON., auch in Baiern). 
Esterhammer (== österheimer Steub 
S. 85). Forchhammer (0. Forch- 
heim). Froschhammer ; Frohscham- 



mer. Grdhammer. Crrieshammer. 
Haushammer. Humihamer. Klug- 
hammer. Lindhammer ^ -ferner. 
Mooshamer (0. Moosham). Ober- 
hammer. Fertenhammer. Both- 
hammer. Schellhammer {= Scheich- 
heimer). Schönhammer. Thalham- 
mer (0. Thalheim 15 mal Eitt., 
Thalham in Österreich ob d. Ens). 
Weühammer. 

3) -am>er, -ammer: Holzamer, Holz- 
ammer (0. Holzheim, Hölzern). 
Bügamer — Bigamer (0. Rügheim). 

-kamer, -kammer („ich Klaus 
Langenlohr den man nempt Clein- 
kamer'* ^- sonst auch Elinghamer, 
-haimer Augsb.) : Bergkammer. 
Volckamer, Vollkamer. 

-samer: Attensamer (Attenshei- 
mer). Beitsamer, Beizamer (Beiz- 
heimer). luffensamer (Tuffenshei- 
mer). Ulsamer (ülzheimer). — 
Hexamer. 

4) -emer: Bullemer (0. Bullenheim). 
Leidemsr. Bügemer ; Bügmer. 
(S. über alle diese Bildungen auf 
-hamer u. s. w. Steub S. 148 f.). 

5) -ner: Hölzner. 

-heimer s. Heim III. 
Hein- s. Hagan (V., einst. K.). 
Heinevetter III. „Vetter Heinrich" vgl. niedeid. 
Jacobohm, Trinatante. 

Heipt s. Hag (V.). 

Heis- 8. Haid. 

Heister III. junger Buchenstamm (davon firaoz. 

hetre) , in Zus. wie Heisterkamp — Hester- 

meyer. 

Heit- s. Haid. 
Helb- 8. Hild (zweist. K.). 
Helders s. Hild (V.). 
Helf- 8. 1) Hüd (V.) 2) Hüp. 
Hell- 8. Hüd (V., einst. K.). 
Heilenbreeht, Hellm- s. Helm. 
HELM I. got. hilms, ahd. mhd. heim der 
„Helm" (von holan „hehlen" d. L beigen, 
schützen). 
FN. Helmbald: Helmhold. 

Helmperht: Helmbrecht — HeUen- 
brecht (zerdehnt, vgl. HeUebaite ans 
Helmbarte). 
Helmdag: Helmentag. 



Heiwert 



Hies- 



141 



Helmhart: Helmeri; Helmer. Gen. 

Hellmers. Patr. A. Heimerding. 
Hilmerad: Helmrath. 
Helmirich: Hellmrich; Helmreich. 

Gen. Helmerichs. 
Helmold: Helmold; Heimet. Gen. 
Helmkoltz. 
Einstäminige Kürzung Helm-. 
(Helmo): Helm. Gen. Helms. Patr. 
A. Helming. 

Vklf. (1) : Heimle. Patr. A. Helm- 
ling. (k): HelmcJce; Helmich. 
(k -|- n) : Helmchen. Gen. Helmgens. 
Auslautend (83 mal Forst.) -heim: Keich- 
helm. 
Heiwert s. HUd (V.). 
-hem s. Heim. 
Hemberle, Hemmerdingr, Hemper s. Hagan 

(V.). 

Hend- s. Hagan (V.). 

Henk-, Henle s. Hagan (einst. E.). 

Henn- s. a) I. Hagan (V., einst. K.) b) II. 
Johannes 5. 

Henrich s. Hagan (V.). 

Hens- s. a) Hagan (einst. E.) b) Johannes 4. 

Henschel s. Hagan (einst. E.). 

Hente s. Hand I. 

Hentrich s. Hagan (V.). 

Henz- 8. Hagan (einst. E.). 

Heppe s. Hath (zweist. E.). 

Her- s. Hari (V., einst. E.). 

Herbst III. ahd. herbist, mhd. herbest eigen tl. 
die Jahreszeit der Früchte (vgl. griech. yMQ- 
noq, lat. carpo). Jacob dict. Herbist 1315. 

Herd- s. Hard (V., einst. E.) — doch 

Herdegren s. Hari. 

-herder s. Herter. 

Herold a) I. s. Hari (V.) b) IH. der „Herold". 

Herpffer HI. mhd. harpfaere, härpfer „Harf- 
ner". 

Herr- s. Hari (V., einst. E.). 

Herrgrott III. von gewohnheitsmäßigem Aus- 
ruf (vgl. Simmergott u. a.) — wenn nicht 
von Herigaud (s. Hari). 

Hermsehwa^er III. „Hahnrei eines Vor- 
nehmen" (Vihn.). 

Hert- s. Hard (V., einst. E.). 

Herter a) s. Hard (V.) b) III. mhd. hertaere 
„Hüter der Gemeindeherde" DW. 
FN. Herter — Herder. Zus. Schap- 
Jierder. Nied. auch Härder (vgl. holl. 
harder, herder). 



Herz III. ahd. herza, mhd. herze das „Herz", 
bes. wohl in Zus. wie Gutherz. (Auch in 
jüdischen N., Übertragung von Leib, Leb). 
-herz a) I. Gen. von -hart, -hert (s. Hard 
auslautend) b) III. Zus. mit „Herz" (s. das 
Vorhergehende). 
Herzog III. mhd. herzöge „Heerführer" (wie 
magezoge „Enabenftihrer, Erzieher") s. übri- 
gens S. 42. 
FN. Herzog. Niederd. Hartog, (Franz. 
Leduc.) 
Hess-, Heß- s. Hass. 
Hester- s. Heister. 
Hett- s. Hath (V., einst. E.). 
Hetsch, Hetz s. Hath (einst. E.). 
-heu s. Hei. 
Heuhaum III. „Baum" (Balken), der oben über 

den beladenen Heu wagen gelegt wird. 
Heuher s. Hauber. 
Heuhes s. Hug (zweist. E.). 
-heuer s. Hauer. 
Heug- s. Hug (einst. E.). 
Heun- s. Hun (V., einst. E.). 
-heuser s. Haus. 

Hey s. a) I. Hag (einst. E.) b) III. Hei. 
Heyhold s. Hag (V.). 
Heyekel s. Hag (einst. E.). 
Heyd- s. Haid (V., einst. E.). 
Heydorn s. Hagedom. 
Heyer s. Hag (V.). 
Heyl- s. Hau. 
Heym s. Halm. 

Heymann a) s. Hag (V.) b) jüdischer N. = 
Heman hebr. „treu, zuverlässig", in der pol- 
nisch-jüdischen Aussprache). 
Heymer s. Hag (V.). 
Heyne s. Hagan (einst. E.). 
Heypertz, Hey rieh s. Hag (V.). 
Hih-, Hihh- s. Hüd (zweist. E.). 
Hick- s. Hild (einst. E.). 
Hidd- s. Hild (V., einst. E.). 
Hieh- s. Hild (zweist. E.). 
Hiecke s. Hild (einst. E.). 
Hied- s. Hild (V., ernst. E.). 
Hientzseh s. Hagan (einst. E.). 
Hieronymus II. griech. „einen heiligen Namen 
führend" ; der h. Hieronymus, der gelehrteste 
imter den Eirchenvätem des Abendlandes, 
gest. in einer Zelle bei Bethlehem 430 n. Chr. 
FN. Hieronymus. Gen. Hieronymi. — 
Kronymus (S. 37) — Grulms; Grolms, 
Hles- 8. Matthias. 



142 



Hil- 



Hlod 



Hil- 8. Hild (V., einst. K.) — bei Hilf- s. 
zugleich Hilp). 

HILB I. (s. S. 14) za ahd. hiltja, altsächs. 
hild „Kampf" (vgl. die altnord. Kriegs- 
göttin Hildr). Sowohl aalautend als aus- 
lautend einer der häufigsten Wortstämme; 
erste Spur Thusnelda 1. Jh. Die fränki- 
schen N. mit scharfem Hauch im Anlaut: 
Childerich. 

FN. Hildibert: Hildehrecht — Hülehrecht 

— Hilbrecht; Hilprecht; Hubert; 
Hüberath; Hührath — Hippert; 
Hipper. Gen. Hilbers. Patr. A. 
Hipperling. 

Hildibrand: Hildebrand — Hilte- 

brandt — Hillebrand — Hübrand. 

Gen. Hildebrands — Hilbrands; 

Hilberns. 
Hildidag: Hildach. 
Hildifrid : Hilfert ; 'Hilfer. Gen. Heh 

fritz. Patr. A. Helferding (oder 

auch zu Hilp). 
Hildigar: Hilliger — Hilger; Hilker. 

Gen. Hilger 8. 
Hildigard: Hildgard — Hilgert. 
Childard: Hillardt; Hillert — Hl- 

hardt. 
Hildier: Hilder — Hiller — Heller. 

Gen. Hillers; Hillerns (ostfries.). 
Hildeman: Hildemann — Hiltmann 

— Hillmann — Heldmann (auch 
zu Held) — Hiddemann; Hiddema 
(ostfries.) — Hittmann — Hiede- 
mann — Illmann. 

Hildimar: Hilhnar; Hilmer — Hell- 
mar — Illmer. Gen. Hiliniers — 
Hellmers (auch zu Helm). 

Hildimod: Hellmuth. 

Hildiric: Hillrich — Heldrich — 
Hellerich — Illerich. Gen. Hil- 
richs. 

Hildiward: Hildewerth — Heiwert. 

Hiltiwic: Hildewig — Hillwich — 
Helwig, Hellwieg. 

Hildiwin: Hüdwein — Heldwein, 

Hildulf, ntolf; Ilwof — Ihloff. 

Einstämmige Kürzung Hilt-. 
Hildo, Hillo, Ho, Hiddo: HUd, Hilt 

— Hille — Helle — Hidde — Ihle. 
Gen. Hils. Patr. A. Hilling — 
Hidding — Illing. 



Vklf. (i): HüH (schweiz.). (l)Hil- 
dulo: Hildel — Hütl (bair.) — 
Hillel — Hittel — Hiedel. (k) 
Hildico, Hicko (Stark 73): Hillig; 
Hilke — Hicke — Hiecke. Gen. 
Hilliges — Illies, (k + n) Hildi- 
kin: Hilcken — Hicken — Iltgen. 
(z) Hildizo, Hizo: Hiltz — Hitze 
Hiss. (k -f- z): Hitzke — Hitschke. 
Zweistämmige Kürzung Hildeb-. 
Hilbo, Hibbo, Hibo, Ibo: Hüb - 
Hippe — Hü>o — Hieb — Ibe. 
Gen. Hibben — Hippen — Hieben. 
Patr. A. HeUnng — Hibbing. 

Vklf. (1): Hippel — Hiebt, (k): 
Hilbig — Heibig — Ilbig — Ibig. 
HILP I. got. hilpan, ahd. helfan „helfen". 
FN. Helpfrid: Helfert. 

Hilpericus: Hilfrich — Helferich; 
Helfrich. 
Einstämmige Kürzung Hilp-. 
Helpo: Hilfe — Helff. 
Himmelfahrt HI. zu den Zeitnamen; ahd. 

himilfart. 
Himmrich s. Halm. 
Hin- s. Hagan (V., einst. K.). 
Hipp- s. Hild (V., zweist. K.). 
Hirseh a) I. s. Hirnz b) IIT. wohl meist 
durch Vennittelung von Häuser -N. — in 
jüdischen FN. besonders beliebt. 
Hirte III. got. hairdeis, ahd. hirti, mhd. 
hirte. 

FN. Hirth. Zus. Geißhirt (mhd. gei?- 

hirto). Lämmerhirt. Ochsenhirt (mhd. 

ohsenhirte). Boßhirt (mhd. roshirte). 

Schafhirt (mhd. schäf hirte). Ziegenhirt. 

HIRUZ I. abd. hiruz, mhd. hirz der „Hirsch". 

Hirizpero 11. 

FN. (Hirizleip): Hirschleb; HirsMaff 
(niederd.). 
Einstämmige Kürzung Hirz-. 
Hiruz: Hirtz — Hirsch. 

Vklf. (1) Hirzula: Hirzd — 
Hirschel. 
Hiß, Hitschke s. Hild (einst. K.). 
Hitt- s. Hild (V., einst. K.). 
Hitz- s. Hild (einst. K.). 
HLOB I. zur Wurzel hlu hören (ahd. hlüt 
„laut") — doch mit dem Sinne des griech. 
xXvTÖg, lat. (in)clytus „berühmt", welche 
sich nach dem Gesetze der Lautverschie- 
bung mit hlod decken. (Berührt sich schon 



Ho- 



Hof 



143 



früh so nahe mit liud, daß eine sichere 
Scheidung in den wenigsten Fällen, haupt- 
sächlich nur bei den mit K und G anlau- 
tenden FF., stattfinden kann). 
FN. Chlodobert: Löpert. 

Chlodochar: Klöter — Klüter — 
Clauder — Loder — Lotter — 
Löther — Lauter, Gen. Lodders. 
Hlodmar: Lotmar — Lohmar — 
Lommer — Löhmer — Laumer. 
Gen. Lottmers — Lutmers — Lütt- 
mers. 
Chloderich: Lon'ich — Lörick. 
Clodowald: Lothai. Gen. Lothhölz. 
Chlodowich 5.: Ludowieg; Ludwig, 
Ludwich. Gen. Ludowigs; Lud- 
wigs (latinis. Ludowici) — Lode- 
Wyks (ostfries.). 
Chlodulf : Ludolf; Ludloff — LöM 

— zsgz. Looif — Löff — Lau ff. 
Gen. Lulfs — Lüdelfs — Lülwes. 

Einstämmige Kürzung Hlut-. 

Chlodio, Hludio, Lotto: Klode — 
Kloth — Gloth — Klott — Klute 

— Gluth — KluU — Glöde — 
Claude — Claiith (latinis. Clodius, 
Claudius). 

Lode — Loth — Lott — Löhde 

— Luth — Laute; Lauth. Gen. 
Looden (ostfries.) — Lotinga (ost- 
fries.). Patr. A. Löding. 

Vkl'f. (1) LuUo: Ludl — Lolh 
Patr. A. Lolling. (k) Claodicus: 
Löttge (latinis. Lotichius). (z) Hlu- 
dizo, Lozo: Klotsch — Klötsch — 
Lotze — Lotsche — Lutze (Lutze- 
mann) — Lutsche — Lautz — 
Lautsch. Gen. Lutets (ostfries.). 
Patr. A. Lotzing. (z + 1) : Klotzet. 
Uo- aus Hoch abgeschliffen in Hohaum, 
Hohusch, Homeier u. a. (vgl. Elbinger 
Urk.: Panwel von Rusdorff homeister 1431 
d. i. Hochmeister). Doch wird auch Hof- 
mitunter in Ho- abgeschliffen (s. Hof- 
meister). 
Hob- s. Höh. « 

Uobb- 8. Hug (zweist. K.). 
Uobeiu III. = Hochhein. 
Hoeh- 8. Höh. 

Hocker, HSeker s. Hug (Y.). 
Hodemaeher III. ein niederd. Hodemaker 
^Qtmacher*^. 



Hof III. jetzt wie in alter Zeit ein einge- 
hegter oder eingezäunter Raum — in hun- 
derten von alten und tausendon von neueren 
ON.: Hof, 'hof, -hofen (elliptischer Dat. 
Plur., ahd. hovum, abhängig zu denken 
von einem Verhältniswort). 
FN. auf dem Hofe. Baumhove (ellipt. 
Dat.). Hoff. Berghoff. Blumhof Eck- 
hoff. Eickhoff. Grönhoff. Herdiecker- 
hoff. Holthoff. Kirchhof Nordhof 
Osthof Sudhof Westhof; Westerhof 
— in vieler dieser N. mehr appellativ, 
indem Nordhof „den von dem Nord- 
hofe", Sudhof „den vom Südhofe" be- 
zeichnet. 

Eschhofen. Frohnhofen. Udelhofen 
0. Udelhoven). v. Westhof en. — v. Ho- 
ven. Aldenhoven. — v. Pfaffenhoffen. 
V. Richthoffen. 
Ableitung auf -er (oberd.): 

1) -hofer: Hofer. Blumhofer. Dutten- 
hofer. Gsellhofer (bair.). Biiters- 
hofer. Schweighofer. Staddhofer. 
Kirchhoffer (0. Kirchhof u. -hofen). 
Westenhoffer. 

2) -höfer: Berghöfer. Fronhöfer. 
Sandhöfer. Schweighofer. — Klin- 
gelhöffer. 

Bemerkenswerth ist die schweizerische 
Zusammenziehung -kon, abgestumpft -ken, 
aus ursprünglichem inc-hovun, z. B. Zolli- 
kon aus Zollinc hovun, (zu) „den Höfen 
des Zollinc"; Hüttikon aus Huntinchovun, 
Luderetikon aus Ludretincliovun ; aucliLeut- 
merken aus Liutmarinchova. ~ Vor 1100 
nicht in einer Urkunde gefunden , auch im 
12. Jh. noch sehr vereinzelt, ist diese F. 
-kon das ganze 13. Jh. hindurch fast 
schon die allein herrschende. Die ältere 
F., allerdings mit Ausstoßung des h, ist 
erhalten in Baiern (Gangkofen, Matten- 
kofen) , den preußischen Rheinlanden (Die- 
penkofen). 

Die FN. nun bewahren die alte F. , auch 
wenn die ON. jetzt nur die jüngere, zu- 
sammengezogene aufzeigen, ein Beweis, 
daß die Ableitung der FN. schon früh, 
mindestens im 12. Jh., stattgefunden hat. 
So steht 

Zollikofer neben Zollikon (Zürich), 

Mörikofer neben Möriken (Aargau) — u. 

Ganghofer neb. Gangkofeu (Niederbaiem) 



144 



-höfel 



Holz 



hat sogar das h bewahrt. Dagegen ent- 
sprechen sich Orts- und Pam.-N. in den 
hairischen 
HüUenkofer (0. Hüttenkofen Nieder- 
baiern). Panghofer (Pangkofen Nie- 
derbaiern). Badlkofer (Radelkofen 
Niederbaiern). 
Vereinzelte FF. sind Edigkaufer (Mün- 
chen). Messikomer aus Messikon = Mes- 
singhofen. 
-höfel s. Hübel. 
-hofen, -hofer, -hSfer s. Hof. 
HSfener s. Huber. 

Hof er UL 1) ein „zu einem Herrenhofe ge- 
höriger Unterthan" vgl. Eberhard von dem 
Houe 1287. Pridrich und Otte die Hofer 
1291 2) Ableitung von dem ON. Hof. 
FN. Hofer — Höfer. 
Hoffartz s. Hob. 

HoffendruBk ni. Satz-N. „hoffe einen Trunk", 
ein Spielmann , der auf einen Trunk hofft. 
Hoffert s. Hob. 
Hoffmann s. Hofmann. 
HofmanB IIl. ahd. bovaman, mhd. hoveman 
1) jemand, der als „Ingesinde" am Hofo 
eines Fürsten lebt (in diesem Sinne auch 
Höfling, welches ebenfalls PN.) 2) der 
einen Hof (Gehöft) bewohnende Bauer, 
„colonus; rusticus, qui colit fundos". 

FN. Hofmann, gew. Hoffmann geschrie- 
ben (Hoffmann von Pallersleben). — 
Vereinzelt: JBbvewawn. Gen. Hoffmanns. 
Niederd. Hafemann. 

(Daß Hoffmann trotz dem ff nichts mit 
„hoffen", niederd. hapen, hapcninge zu 
thun hat, demnach nur im Scherze mit 
dem griech. Elpenor übersetzt werden kann, 
beweisen die niederd. FF., die das f (v) 
bewahren: Houeman d. i. Hoveman, Hoff- 
mann Elemp.). 

Hofmeister lU. mhd. hovemeister 1) hoch- 
gestellter Beamter bei Hofe, „Aufseher 
über die Hofdienerschaft", Ceremonien- 
meister 2) „Aufseher über die Knechte eines 
Gutes" (in Vorpommern und Meklenburg 
„Statthalter"). 

FN. Hofmeister, Hoffmeister — daraus 
abgeschliffen Homeister (vgl. Hömester 
im Osnabrückischen). 

Hoge s. Hug (einst. E.). 

Hogrebe, -fe = Hochgrebe s. Graf. 



HÖH I. got. hauhs, ahd. mhd. hob „hoch" 
(in PN. schwer von hug zu trennen). 
FN. Hochbert: Hobrecht; Hohert. 
Hoffred: Hoffert. Gen. Hoffartz. 
Homan: Hohmann, Homann. 
(Hohmuot): Hochmuth — Homuth. 
Einstämmige Kürzung Höh-: Hohe — 
Hoche; Hoch. 
Hohn ni. got. hauns, ahd. höni „niedrig" 
(woher nhd. Hauptw. „Hohn"). In ON. 
Hohn, -hohn'y Hohne. 

Hierher gehören wohl mehrere in Westf. 
vorkommende FN. auf -höhner, außer dem 
einfachen 

Höhner — Diekhöner. Stranghöner. Well- 
höner. Traphöner und einige andere. 
Höhn- s. Hun (einst. K.). 
Hohnschop HI. niederd. „mit hohem Haar- 

schopfe" (Pott S. 592). 
Hold-, nmd- s. Huld. 
Holderbaum s. Hollunder. 
Hölger, Holt, HoU- s. Huld. 
Holllnderbaum s. Hollunder. 
Holländer in. ahd. holuntar, von hol nnd 

tar d. i. triu = „Hohlbaum". 
Holscher, HSIscher s. Holzschuher. 
bolschmacher III. „Holzschuhmacher", vgl. 

Holtscomekere 1380 (Braunschw.). 
Holste III. zsgz. aus Holtsate „ein im Holz 
ansässiger", entstellt Holstein (ans der 
Mehrheit Holtsaten, Holsten), Holsteincr. 
Altertbümlich und dichterisch noch jetzt 
„Holste, Holstengau". 
FN. Holste (schon bei Klempin, wo auch 
Holstendorp = Holtzendorp) ; Holst. 
Holt niederd. =^ Holz, in Holt mann, Mick' 

holt u. a. 
-heiter s. Holz. 
Holtfreter III. niederd. (Vorpommern) „Holz- 

frosser", Spottname vgl. Fleischfresser. 
Holz a) I. durch ümdeutung ans olds ent- 
standen. Helmholtz aus Gen. Helmolda 8. 
Walt. 

b) HI. Holz im Sinne von „Wald*, naefa 

dem Stoffe, woraus derselbe besteht. In 

ON. seit dem 8. Jh. nachweislich: HioU, 

-holz; niederd. -holt. 

PN. Holtz (vgl. franz. du Bois, Dubois). 

Zna. Buchholz. EichhoUz. Erlenholz — 

Elsholtz. Fahrenholtz (zweimal ON., 

in Meklenburg -Schwerin und Hannover, 

außerdem Vahrenholz in Lippe-Detmold, 



Holzapfel 



Hose 



145 



Vahrholz in Prov. Sachsen ; daher nicht 
mit Vilmar als imperativischer PN. zu 
fassen = „fahr in das Holz" s. S. 51). 
Niederd. (bes. westfälisch): Bockholt 
(doch wohl = Buchholz , dah. oig. mit 
gedehntem o , wie bei Klempin Bokholt 
neben Bockholt). Eickholt (Eichholz). 
Graf zu Westerholt. 
Ableitung auf -er: Bauhölzer, Bohrt- 
holzer. Niederd. -hölter (westf.): 
Echterhölter. Heithölter, Südhölter, 
c) III. Geräthe bezeichnend: 
FN. Keilholz. Krumbholz. Nahholz. 
Holzapfel III. die Frucht des wilden Apfel- 
baumes. Heinr. Holzappel 1298. 
Holzheuer — Holzhauer s. -hauer. 
Holzbey III. „Holzhüter, -aufseher". Auch 

Holzheu, 
Holzmann lU. ahd. mhd. holzman „Holz- 
hauer, Holzhändler". — Niederd. Holt- 
mann. (Vergriecht Xylander). 
Holzsadel III. halbniederd. „Holzsattel". 
Holzschuher III. „Verfertiger von Holz- 
schuhen", die niederd. gekürzt Holtschen, 
Holschon heißen (wie die Handschuhe — 
Hanschen). Holtschuher, Holschuer 1250. 
FN. Holzschuher. Niederd. zBgz. Hultscher 
— Holscher — Holscher (letzteres bes. 
häufig in Westf.). 
Homann s. Höh. 
Homeister s. Hofmeister. 
Homuth s. Hob. 
Homm- 8. Hun (V.). 
Hon-, Hön- s. Hun (V., einst. K.). 
-bSner s. Hohn. 
HSuerkopf III. halbniederd. = „Hühnerkopf" 

(s. Kopf). 
Honu- s. Hun (V., einst. K.). 
Höpfner III. der „Hopfenbauer". 

FN. Höpfner. — Niederd. Höppener; 
Höppner (Klemp. Hoppener). 
Hopkes, HSpken, Hopp- s. Hug (zweist. K.). 
Hl^ppener, HSppner s. Höpfner. 
Hör- 8. Hari (V.). 

HOBN I. got. haurn, ahd. mhd. hörn „Hörn" 
als Blasinstrument, wozu urspr. Thierhörner 
verwendet wurden. 
FN. (Homhart) : Hornhardt, 
(Homman): Hornemann. 
Einstämmige Kürzung Hörn-. 
(Homo): Hörne; Hörn, Patr. A. 
Hornung: Worning — Hm'ning. 
Heintze, Deutsche Familien - Namen. 



Vklf. (k): Hornicke; Hornig — 
Hörnigk. (k -f 1)- Ho^'nikel; Hör- 
nigel. 
Hom a) I. s. das Vorhergehende, b) III. 
„Spitze, Vorspruug" (des Feldes in den 
Wald, des Landes ins Wasser, eines Be- 
sitzthums in die benachbarten Güter). In 
neuerer Zeit in ON. meist die F. Horn^ 
'hom selbst, femer -hörn, -hörne (die 
„Hörne" in Stolp Bezeichnung einer vor- 
springenden Häusermasse), am seltensten 
'hirn. 

FN. 1) Hörn (0. 10 mal Ritt.). — Zus. 
(bes. in Nordwest -Deutschland): 
Ählhorn, Ballhorn. Barghorn. 
Buschhorn. Eichhorn. Giffhorn. 
Hirschhorn. Schierhorn. Stems- 
horn. Weißenhorn. Windhorn. 
Ableitung auf -e»-; 

Oberhorner (bair.). 
2) 'hirn: Dirnhirn. 
c) III. Geräthe: FN. Gdlhorn. Schell- 
horn (wenn s. v. a. „Schallhom"). 
Hörn-, Hl^rn- s. Hom I. 
Horst III. ahd. hurst, mhd. borst „Busch, 
Gesträuch" (in dieser Bed. noch in Hebels 
allemannischen Ged.). In ON. seit dem 
9. Jh. nachweislich. 

FN. von der Horst. Terhorst (zur H.). 
Horst. Zus. Brandhorst, Brtmkhorst. 
Buchenhorst. Diestelhorst. Eichhorst. 
Fahrenhorst (Job. Vahrenhorst Köln. 
Univ. Matr. 1477). Gravenhorst. Has- 
selhorst. Hohnhorst (0. Hohnhorst und 
-hurst). Langenhorst, Lindhorst, von 
Petershorst. Babenhorst. ScharnJiorst. 
Windhorßt. (In manchen wohl appella- 
tiv, wie auch in Horstmann = Busch- 
mann, der im Busche Wohnende). 
Ableitung auf er: Hörster. — Behr- 
hörster, Hanhörster (alle drei in 
Westf.). 
Hose III. ahd. hosä mhd. hose „Beinbeklei- 
dung" (Hose oder Strumpf). Vgl. S. 4C. 
In mancherlei Zus. — Grawehoso 1370. 
FN. Hosius (latinis.). Hösle, Hosemann 

— alle drei zweifelhaft, da auch ad. 
Hozo, Hozeman begegnen. Deutlicher 
die Zus. (auch in den FF. -hase und 

- hause) : 

Kniehase. Kwrthose, Lederhose; Led- 
derhose — auch Lederhaas und Leder^ 

10 



146 



Hotopp 



Hrod 



hause. LeMwse; auch lAnnhos — 
Leinhaas. Mehlhose; auch MMhase 
uDd Mehlhause (Spottname für Müller). 
Schlaphose. Schlotterhose (S. 46). Trül- 
hose — TriUhaas. 
Hotopp III. Satz-N. niederd. „Hut auf"! 
Auch Hautop — Hotopf (letzteres unrichtig 
verhochdeutscht, wie Middeldorpf u. A.). 
Houwald s. Hug (V.). 
HSTel, -hÖTel s. Hübel. 
-hoTen s. Hof. 
Hoyer s. Hug (V.). 

HBABAN I. ahd. hraban, mhd. raben „Babe", 
der heilige Vogel Wuotans (S. 17) — zsgz. 
hram, ram, ran. 

FN. Hrabanolt, Grannold: Kranold — 
Granold — Bäbenold; MaJbenhold. 
Einstämmige Kürzung Hraban-. 

Hrabano, Rabo, Bamo: Mähen — 
Raven — Rahe — Rave — Rappe; 
Rapp — Raap — Ramm. Gen. 
Rahens — Rahms. Patr. A. Ram- 
ming. 
Auslautend (104 mal Forst.): 
-ram: Bertram. Wolframm. 
-rah: Bertrab. 
-rapp: Gausrapp. 
HBING I. ahd. bring, mhd rinc „Ring", 
bes. Fanzerring (die Ringpanzer, aus Eisen- 
drat gehäkelt, wurden bis zu Anfang des 
14. Jh. getragen, wo der Plattenpanzer 
sie verdrängte) ; zum Kampfe abgesteckter 
Kreis. 

FN. (Hringhart): Ringhard; Ringert — 
mit Ableitung Rmgelhardt. 
Bincar: Rinker. 
(Hringleip): Ringlepp, 
(Bineman): Ringmann. 
Bingolt: Ringewald; Ringwald. 
Einstämmige Kürzung Hring-. 

Bincho: Kring — Ringe; Ring — 
Rinke. Gen. Krings — Ringes; 
Ringens. 

Vklf. (1) Hringilo: Ringel - 
Rinkel. Patr. A. Ringling. (1 + k) : 
Ringelke. 
HROC I. wohl zu got. hrukjan, ahd. rohon 
— auf den Schlachtruf gehend. 
FN. Hrohhart: RUckart; Rückert. 
Einstämmige Kürzung Hroc-. 
Hroggo: Rogge — Roche — Rocke 
— Roh — Röcke — Rüge — Ruhe 



— Rücke — Rüge — Rühe. (Mit 
Hrodg- zusammenfließend). 

Vklf. a): Röckel 
Auslautend (22 mal Forst.): 
-rock: Poltrock (Wittrock). 
HROB I. zu altnord. hrodr „Schall, Buhm" 
(vgl. griech. xqotos). In Namen seit dem 
5. Jh. nachweislich. 

FN. Hrodbald: Roppelt — Ruppolt; 
Ruppelt — Raubold. 
Hrodebert: Rodhert(us) — Röbrecht; 
Robert — Röpert; Rober — Ru- 
precht; Rubrecht; Rubert; Ru- 
harth — Rupprecht; Ruppert; 
Rubhert — Räubert. Gen. Robertz 

— Roppcrtz; Roppers — Rovers 

— Röbers — Raupers. 
Botprand: Robrahn. 

Hrotfrid : Röfer — RuffeH — Rüffert. 

Gen. Roffers. 
Hrodegang: Rothgang (daraus Roth- 

ganger?). 
Hrodgar: Rogger — Rocker — Roger 

— Rüdiger — Röttger; Böttcher 

— Roger — Rudigier — Rugger; 
Ru^cker — Rüdiger — Rüttiger — 
Rüger — Rücker. Gen. Rötgers. 

Hruadgast: Rodigast. 

Hrodhard : Rothhardt , Rohihardt ; 
Rothert — Rudhardt; Rudert — 
Ruthat — Rautert. Gen. Rökrden- 
von der zsgz. F. Böhrd). 

Chrodhari: Kröter — Roder — Rafher' 

— Rottet' — Röder (zsgz. Röhr'^ 

— RöUer — Ruder — Rüder — 
Rüter — Rauter. Gen. Röders — 
Rohrs. Patr. A. Rötering. 

Bodleich: Rothlach — Rdlaek — - 

Rödlich. 
Hrodleif : Rohtlieh — (niederd.) Roä^ 

lafT — Roleff — Rudlaff. 
Hrodlant: Roland — RuHand — BOf^' 

land. 
Hrodman : Rodemann — Rottmann — 

Romann — Rt^mann — Bumannk 
Hrotmar: Böhmer — Bumer — , 

Baumer. 
Hrodmund : Bothmund (erweitert 

Bothermund — Bottermund) — 

Bomu>ndt, 
Hrodric: Bothreu^ — Boruih — Bok- 

rig — Büdnch. 



Hroni 



Hübel 



147 



Hruodstein ; Bothstein. 

Rodacar: Rothacker, 

Hrodowald: Rohdewald — Rothwald 

— Rohwald ; Rohwoldt ; Rohwohl — 

Rudelt — Ruwoldt, Gen. Roth- 

holtz. 
Hrodwig: Krudewig — Krutwig — 

Krautwig — Rodewig; Rodewyk 

— Roddewig. 

Hrodulf : Krolof — Rodlo/f — Roth- 
lauf — Roloff; Rohlhoff; Rolauf; 
Roleff — zsgz. JJoZ/'(latinis. Rolfus, 
umgedeutet in Rollfuß) — Rudolf 
Rudolph; Rudioff; Rudiauf — 
Ruloff — zsgz. Rulff. Gen. Ru- 
dolfs (latinis. Rtidolj>hi) — Rolffs 

— Rulffes — Roelfsema (ostfries.). 
Patr. A. Rohlfing. — Rudolfer 
(München). 

Einstäromige Kürzung Hrod-. 
Hrodo,Ruodo: J?orfc, Rohde, Rhode 

— Roddo; Rodde — Rothe; Roth 

— Rotte — Rode — Roth — Rud 

— RtUh — Ruite — Rute. Gen. 
Roden — Rüden — Ruths. Patr. 
A. Grotting — Roding — Röding 

— Röthing — Rüding — Rüthing. 
Vklf. (1) Hruodilo, Rollo: Rodel 

— Rodel — Röthel — Rudel —- 
Rüttel — Räudel. Zsgz. Formen: 
Rolle (Rollmann) — Röhle — Rolle 

— Ruhle — Rühle (Rühlemann) 

— Rullmann. Gen. Rotteis — 
Roels (frios., = Röls). Patr. A. 
Rolinck — Rohling — Rüdltng — 
Rüthling — Rühling. — Patr. Zus. 
Rohlsen. (1 + n) Hrodelin : R(ith- 
Un. (l + k) Roleko: Rolcke — 
Röhlicke — Röllig — Reideke. 
(k) Hruodicho: Grottke — Gruttke 

— Kruttge — Rohdich — Rotteck; 
Rottig — Röthke — Röttig — 
Rudeck — Ruttig — Ruck — 
Rüdig — Rücke, (k + n) Rutechin : 
Rötteken. (k + 1) Rukclo: Rockel 

— Röckel — Rückel. (z) Rozo, 
Ruozo: Rotz — Rotsch — Rötsch 

— Rutz — Rütz — Reutsch — 
z erweicht in s: Ruß — Rose 
(Förstemann, Progr. S. 4). Unorga- 
nisch gebildet: Rützer. (z + l) 
Rozelo : Rözel — Rützel — Rüssel 



— Rüsel — Rutschte — Räuzel 

— Räußel. Patr. A. Rützler — 
Rüßler (Steub). (z + k) Roziko, 
Rosico: Roseck — Rösecke; Röske 

— Rutschke. Patr. A. Rösing. 

Zweistämmige Kürzung 1) Hrodb-. 
Robbo , Rubo , Ruppo : Robbe — Robe 

— Röpe — Rubo — Rupe — Rupp 

— Rübe — Raupp. Gen. Roben 

— Raben (ostfries., vgl. Vorn. 
Robe). Patr. A. Rüping. 

Vklf. (1) Rupilo: Robel — Robbet 

— Robel; Röpell — Rubel — 
Ruppel — Rüpel — Rüppele. 
(1 + n): Röbbelin — Rüpplin. 
(k) Robico: Robeck — Röpke — 
Rübig — Reupke. Gen. Röpkes. 
(z) Robizo: Robitzsch. 

Zweistämraige Kürzung 2) Hrodf-. 
Ruffo: Ruf — Ruoff (würtemb.) — 
Ruff. 
Zweistämmige Kürzung 3) Hrodg-. 
Roggo, Rugo: Roge — Rogge — 
Rüge — Rüge — Rügge — RaucK. 
Vklf. (1): Rügel — Rauchet. 
(1 + n): Räuchlin. (S. auch Hroe). 
Auslautend (15 mal Forst.): 
-roth: Allroth (aus Adalhrod). 

HROM I. ahd. hröm, hruom, mhd. ruom 
„Ruhm". 

FN. Ruombald: Rumpelt; Rumpel — 
Rümpel. 
Rumpraht: Rummert. 
Hrumker: Rümcker. 
Rornard: Römert. Patr. A. Römer- 
ding. 
Romoald: Römhold; Röhmelt; Röm- 
held. 
Einstämmige Kürzung Hrom-. 
Hruam: Rohm — Röhm — Ruhm 

— Rumm. Patr. A. Röming — 
Romming — Ä»-owwiwpa (ostfries.). 

Vklf. (1): Rommel — Rummel 

— Rümmde. (1 + n): Rümelin. 
Patr. A. Römeling — Rühmling. 
(k) : Gen. Rümckens. (z) : Romeiß. 

Hub-, Httb- 8. Hug (V., zweist. K.). 

Httbel III. ahd. hubil, mhd. hübel (von 
„heben") „Hügel". In ON. hochd. Hübel, 
'hiibel; niederd. Hövel, -hövel (auf der 
Linie Münster -Antwerpen). 

10* 



148 



Huber 



HuM 



FN. Hühel. — von Havel. ÄltenMvel. 
Langenhöfel. Meinhövel. Steinhöfel. 
Stuifnhöfel. Windhövel. 

Haber a) I. s. Hug (Hugubert) b) III. rahd. 

hubaer^ (aucli mittellat. hubarius) „Inhaber 

einer Hufe", ahd. huoba, mhd. huobe, alt- 

sächs. höva (im Allgemeinen = 30 Morgen). 

FN. Huber (selten Huber: im Münchenor 

Adreßbuch Huber 180 mal, Hüber nur 

7 mal) mit vielen Zus. (bes. in Baiern): 

1) nach dem Wohnsitz : Angerhuber. 
Bachhuber. Brunnhuber. Kreuz- 
huber, Hinterhuber. Müterhuber. 
Niederhuber. Osterhuber — 

2) nach dem, was auf der Hufe in 
bemerkenswerther Weise wächst 
oder überhaupt sich befindet: Kohl- 
huber. JRosenhuber. Schleehuber. 
— Salzhuber. Fuchshuber — 

3) nach der Beschäftigung: Jäger- 
huber. Schmidhuber — 

4) nach Vornamen: Märtlhuber. 
• Paulhuber, 

Mit dem n der schwachen Bildung, 
mhd. huobenaere: Hübener; Hüb- 
ner — niederd. (selten) Hüfner 
mit der Zus. Niederhüfner — 
Höfener (vgl. mittelniederl. hoe- 
vener). 
(Während in der Schriftsprache die nie- 
derdeutsche F. „Hufe" die hochdeutsche mit 
b fast ganz verdrängt hat , herrschen, wie 
obige Aufzählung beweist , in den FN. die 
hochdeutschen Lautverhältnisse durchaus 
vor.) 
Hacbel, Hilckel s. Hug (einst. K.). 
Hacker s. Hug (V.). 
-baes s. Haus. 
Haff- s. Hug (V.). 
Httff- s. Hug (V., zweist. K.). 
Hiifner s. Huber. 

HUG I. got. hugs, ahd. hugu, mhd. huge, 
hüge „denkender Geist". 
FN. Hugibald: Huppold — Haubold. 
Hugubert: Hubrecht; Hubert; Hu- 
ber — Hupprecht; Huppert — 
Hubert — Haubert; Hauber. Gen. 
Huppertz — Hubei's (ostfries., also 
nicht zu Huber lU.) — Hübbers 
— Hübe^'8 — Haupers. 
Hugifrid : Huffert; Huffer — Hüffer. 



Hucger: Hugger; Hucker — Hüger 

— Hocker — Höcker — Hoyer. 
Hugihart: Hugart — Hauhardt; 

Hauert; Hauer. 
(Hugilant): Huland. 
(Hugiman): Hugemann — Humann. 
Hugimar: Hürner. Patr. Zus. Hau- 

mei'sen. 
Hugold: Hugold — Huliöld — Hur 

tvald (Houwald). 
"Einstämmige Kürzung Hug-, 

Hugo, Hogo: Hugo; Huge — Hüge 

(Hugemann) — Hoge — Haug — 

Hauke. 
Vklf. (i) Hugi 8. : Hugi. (1) Hu- 

kili : Hügel — Huggle — Huchel — 

Hügel ; Hügle — Hückel — Hauckd 

— Heugel. (1 + n): Hüglin — 
Heuglin. (z) Hugizo,Huzo (Stark 89): 
Hutze — Hautz. (z + 1): Hutzd, 

Zweistämmige Kürzung Hogb-. 
Hubo: Hube — Hupe — Huppe — 
Hübbe — Hoppe — Hobbe — Haube. 
Gen. Hoppen — Heubes. Patr. A. 
Höbbing, 

Vklf. (1) : Hübet — Hüppel. Gen. 
Hobbels. (k): Huppke — Hobbie 
(jeverl). Gen. Hopkes. (k + ^) 
Hupichin: Höpken. 
Zweistämmige Kürzung Hugf-. 
Hufo (Stark 113): Hüffmann - 
Hauffe. 
Vklf. (1) : Hüffel 
Hug-, HOg- 8. Hug (V., einst. K.). 
Huhold s. Hug (V.). 
Hahn III. ahd. mhd. huon „das Huhn". 
FN. Huhn (zweifelhaft, da auch zu Hun L). 
Sicherer sind die Zus. Haselhuhn. 
Kluckhiihn. Bebhuhn, Bepphuhn. 
Wasserhuhn. Weißhuhn, niederd. 
Wiithuhn. 
Huhn-, Htthn- s. Hun (V., einst. K.). 
-buls s. Haus. 
Huland s. Hug (V.). 

HULD I. got. hulths, ahd. hold, mhd. holt 
„hold, treu" Holdulf. 
FN. Huldear: Holder (Holdermann) — 
HoUer — Holder. 
(Huldger): Hölger, 
Einstämmige Kürzung Huld-. 
(Holdo): Hulde — Hold — HoJk 
(so ist ja auch die Göttin Huld* 



-.•.jU -M 



Hultscher 



-lg 



149 



im Volksmärchen zur „Frau Holle" 
geworden). Gen. Holden, 
Vklf. (k): Holk. 

Hultscber s. Holzschuher. 

Hum-, Hüm- s. 1) Hug (V.) 2) Hun (V.). 

HÜN 1. zu dem Volksnamen der „Hunnen") 
ahd. Hun, mhd. Hiune, auch schon in dem 
Sinne von „Riese, Hüne", mit mythologi- 
scher Beziehung (S. 18). 

FN. Hunibald: Humboldt; Humblot; 
Huinbel ; Humpel; Hummelt ; Hum- 
mel — Hommel, Gen. Hornvieh. 
Hunbraht: Humhracht; Humbert; 
Humpert — Umbrecht — Hümpert 
Patr. A. Humperdinck. 
Hungar: Hungar ; Hunger; Hunker 

— Huonker (würt). 

Hunard: Hühyvert — Honert — Heu- 

nert, 
Hunher: Hühner — Honer — Höner 

— Hauner, 

Hunmar: Hummer — Hummer — 
Hommer. Gen. Hommers. 

Hunrad: Hunrath — Honrath. 

Hunrich: Huhnrich — Hundrich — 
Honnrich. 

Hunwald: Hunold; Huhnholdt — 
Hünold — Honold — Honnold, 

Einstämmige Kürzung Hun-, 

Huno: Huhne; Huhn — Hunn — 
Hünn — Honn — Höhne — Haun 

— Heune, Gen. Hüns — Honens 

— Hönes. Patr. A. Höning. Gen. 
Hönings. 

Vklf. (1) : Höhnel. (1 + n) : Hühn- 
lein, (k) Hunico : Huneke — Hunke 
Hünicke — Honecke (auch Honig?) 

— Hönicke. Gen. Hün nickes. (k + 1) : 
Hunkel. (k + n) Hunichin: IZwnc- 
cken; Hüniclien; Hünchen, 

Hun-, Httn- s. Hun (V., einst. K.). 

Hund a) I. Hundo, Hundpreht u. a. viel- 
leicht zu ahd. hunda „Beute" — daher 
vermuthlich FN. Hundert (ahd. Honthard) 
— Hundt (doch schon im 12. Jh. Mar- 
quart der Hund). Dagegen b) III. zu 
„Hund" canis in Zusammensetzungen ^ie 
FN. Hundskopf. Hundbiß (1344 huntbiss). 

Handemann III. Aufseher über die Jagd- 
hunde, „Rüdenmeister". 



Hundertmark III. von mhd. marke, ein 
halbes Pfund betragend. Schon 1350 ein 
Gevert Hundertmark. 
Hunn, Hünn- s. Hun (einst. E.). 
Hunvalfy III. aus Hundsdörfer magyarisirt 

(S. 68). 
Huonker s. Hun (V.). 
Hup-, Http- s. Hug (V., z weist. K.). 
-hu8, -husen s. Haus. 
-httser 8. Haus. 

Hut III. ahd. mhd. huot, „Hut" (auch in 
dem Sinne von Helm). 
FN. Anhuth, Eise^ihut, niederd. Iserhot. 
Gelhut, niederd. Geelhood. Grünhut. 
Hochhut mit seinem Gegensatz Nedder- 
hut. Schönhut. Spitzhut. StaMhuth 
(mhd. stahelhuot, „Stahlhelm"). Webel- 
hut. Weißhut., halbniederd. Witthut. 
Htttte HI. ahd. hutta, mhd. hütte „Hütte, 
Zelt". 
FN. Erdhütte. — Erdhütter. 
Hutz- s. Hug (einst. K.). 
Huwald s. Hug (V.). 
-huysen s. Haus. 



I. 



-i I. zur Bildung von Verkleinerungsff. ver- 
wendet: it^^i aus Liud- (s. S. 32) — auch 
-y geschrieben: InUyy Ludy (aus Hludio). 
(In italienischen N. s. S. 86). 
Ib- s. Hild (zweist. K.). 
-ich a) I. Verkleinerungsendung: Dedich (zu 
Thiud), Rodich (zu Hrod). 

b) III. End. V. ON. , theils aus ahd. ahi, 
wie in Lindich, Weidich (s. -ach) — theils 
aus römischem iacum, wie in Jülich, Kes- 
senich (am Rhein in großer Menge). 
FN. (zu b). Elvenich. Fischenich. Gym- 
nich. Jülich. Kessenich. Lechnich 
(0. Lechenich). Longerich, v. Metter- 
nich. Mündenich. Sinzenich. 
Ableitung auf -er (oberd.): 

Bibricher (0. Biberich). Gimnicher. 
Züricher, 
Ick- s. Ingo. 

-ig a) I. Verkleinerungsendung, andere 
Schreibung für -ich: Lüttig (zu Liud), 
Rüdig (zu Hrod). 

b) UI. in Ortsnamen neben -icli (s. das 
Vorhergehende): Linnig, Breisig u. a. — 



150 



Ihl- 



-m^en 



aber auch in slavisch - deutschen ON. wie 
Danzig aus Gdansk , Dolzig , Lanzig (nehen 
Lanzke). 

Ihl- s. Hild (V., einst. K.). 

Ihm- s. Irmin. 

Ihne s. Ingo. 

llbigr s. Hild (zweist. K.). 

111- s. Hild (V., einst. K.). 

lUo ni. der wallensteinische Feldmarschall 
im dreißigjährigen Kriege , nicht etwa ein 
Kroat oder Böhme, oder ein Italiener gleich 
den Piccolomini , sondern ein Märker, eig. 
IhloWy der Familie v. Ihlow angehörig, 
die im Barnim, dem Lehusischen und in 
der Neumark angesessen war und seit An- 
fang d. Jhs. ausgestorben ist. Das Dorf 
Ihlow, welches der Familie muthmaßlich 
den N. gab, liegt an der Grenze von Bar- 
nim und Lebus. 

Iltgen, Iltz s. Hild (einst. K.). 

Ilwof s. Hild (V.). 

Im = in dem, in Zus. wie Imbusch, Imhove, 
s. In. 

-im s. Heim III. 

In III. als Verhältniswort in Zus. zur Be- 
zeichnung des "Wohnortes einer Person 
(S. 53). 
FN. 1) Sing, männlich und sächlich (mit 
dem Artikel in eins gezogen (im): 
Imbusch. Imdalil (niederd. = im 
Thal). Imgart. Imgrund. Im- 
hove; Imhoff. Imhorst, ImJcamp. 
Imohersteig. Imthurn. 

2) Sing, weiblich (in der): Inder- 
furth. Inderheide. 

3) Plur. (in den): Indenbirken. 
Inhetween (Kempen) oifenbar holländisch 

= in dem Moor. 
-in I. altdeutsch. 

Die FN. , welche als hierher gehörig auf- 
gezählt werden, gehören z. Th. als un- 
deutsch gar nicht hierher, z. Th. sind sie 
mindestens zweifelhaft. 

So ist Bodin, latinis. Bodinus, franzö- 
sisch (Bodin Lehrer des Staatsrechtes, 
Herausgebor eines thcatrum universao na- 
turae 1590 Lyon). 

Andere sind von slavischen ON. abzu- 
leiten, z. B. Bammin (0. Ramin in Pom- 
mern). 

Als deutsch erscheinen (hauptsächl. süd- 
deutsch) unter anderen: Liedin; Luthin; 



Lüttin (aus altd. Liudin). Höldin. Bürgin. 
Weltin. 
-in III. in ON. slavisch: urspr. besitzanzei- 
gendes Eigenschaftswort auf inu, ina, ino 
von Stämmen auf a und i, z. B. Babin 
von PN. Baba, Gostin von Gosti = der 
Baba'sche, der Gostische Ort (vgl. lat. 
Flavia d. i. urbs, von Flavus). 
• FN. (häufig im nordöstl. Deutschi.) Berlin. 
Cörlin. Ladenthin. v. Schwerin — 
bisweilen -ien geschrieben: Leppien. 
Scholwien. 
Ableitung auf -er: 

Berliner. Dobriner. Exiner (alle drei 
jüdisch). 
Ing- s. Ingo. 

-ing I. auch ung^ patronymische Endung, 
wie im Angels. Vulf Vonredes auch Vulf 
Vonreding genannt wird. In sehr vielen 
Person -N., die Abstammung von einem 
Vater oder Ahnherrn bezeichnend; am be- 
kanntesten in der Geschichte die Mero- 
vingi, Charalingi (Karolinger), auch die 
Agilolfinger in Baiern und die Capetinger 
in Frankreich. Jetzt in vielen FN., ohne 
daß die patronymische Bedeutung noch 
gefühlt würde. (Aus der patronymischen 
Bed. hat sich später eine verkleinernde 
entwickelt, namentlich in Meklenburg und 
Vorpommern in Formen wie: Männing, 
Hüsing, Wiesing (Luise), in welchen n 
nasal gesprochen wird, ohne daß g deut- 
lich hörbar wäre). 
FN. 1) Götting (eigentl. Sohn oder Nach- 
komme des Getto). Kuning, 
Büding — 

selten ink geschrieben (ohne Än- 
derung der Aussprache) j JEppitik, 
Immink. 
2). Hartvmg, 
b) III. in ON., und daher auf Familien 
übertragen s. -ingen. 
Ingel s. Angil (einst. K.). 
-ingen III. seit dem 8. Jh. in ON., DatiT 
Plur. von dem Patronymikum auf ing (s. 
vorhin), abhängig von einem Verhältnis- 
Worte, z. B. ze den Eppingen „zu den Söh- 
nen (Nachkommen) des Eppo" (Eberhard). 
Verhältniswort nebst Artikel fallt dann fort, 
und so entsteht .der N. Eppingen. 

Heutzutage ist das volle ingen bes. in 
Schwaben einheimisch , während in Alt- 



Ingo 



Jack- 



151 



baiern östlich vom Lech und in Österreich 
meist die Kürzang ing an die Stelle ge- 
treten ist. 

In einzelnen Fällen ist ingen Abkürzung 

aus -ingheim: Sickingen aus Sickingheim. 

FN. 1) 'ingen: v, Berlichingen, Ehingen. 

Grüningen. Hüningen. Henningen. 

2) -ing: Bisping. v. Bössing. 

Da diese ON. sich zum allergrößten 

Theile in Oberdeutscbland finden, so ist 

auch die oberdeutsche Bildungsform -inger 

in den FN. viel häufiger, wo dann ingen 

und ing zusammenfließen. 

FN. Adlfinger. Berineitinger (0. Berma- 

tingen Fröhner S. 37). Büfinger. Böh- 

ringer, Ehinger. Gvmdelfinger. Haß- 

linger. Heimerdinger. Offterdinger. 

Sickinger. 

Mallinger (0. -ing). Stockinger (0. 

-ing). 
INGO I. schon frühzeitig in N. auftretend 

(1. Jh. Ingomar, Armins Oheim), doch in 
seiner Bed. nicht sicher; wahrscheinlich 
von dem nordischen Gotte Inguio. 
FN. Inghard: Inghardt — Enghardt; 
Engert. 
Inguheri: Enger. 
(Ingman): Ingemann — Engmann. 

Gen. Ingmanns. 
Ingiram: Ingram. 
Ingold: Ingwald — Engewald. 
Einstämmige Kürzung Ing-. 
Ingo, Enge, Ino: Enge — Ihne. 
Vklf. (k) Inico, Iko: Icke. Gen. 
Icken; Ix. 
Imi- s. Irmin (V., einst. K.). 
IRMIN I. der kriegerisch dargestellte höchste 
Gott Wuotan (Grimm , Myth. S. 325) ; in 
Zus., als das Höchste überhaupt bezeich- 
nend , ein verstärkender Begriff (s. Lübben 
Progr. S. 9). In PN. seit dem 1. Jh.: 
Arminius der Cheruskerfürst. 
FN. Irmindrud w.: Irmtraint. 
Irmingar: Irminger. 
Irmingard (Armingardis) : Ärmgardt. 

Gen. Irmgartz. 
Ermingaud: Armengaud. 
Irminhard,Emehard: Irmert — Immert 

— Ermert. Patr. A. Armei'ding. 
Irminher: Iraner — Immer, 
Ermanrih: Ermrich. 
Irminold: Ermold. 



Einstämmige Kürzung Irmin-. 
Irmino, Irmo, Immo (Stark 24): 
Imme; Im — Ihm. Patr. A. 
Immsnga (ostfries.). 

Yklf. (1) Imilo, Ermilo: Immel- 
m>ann — Imelmann — Ermel, 
Gen. Ihmels. Patr. A. Ermeling. 
(1 -[- n): Imlin. (k) Imico: Im- 
mig — Ermke. Patr. A. Immink. 
ISAN I. ahd. isan, mhd. isen „Eisen". 
FN. Isanperaht: Isenbart — Eisenbarth. 
Isanbrand: Isenhrand — Eisenbrand. 
Isindrut w.: Eisentraut 
Isangart w.: Isengarth. 
Isangrim: Eisengrein. 
Isanhard : Eisenhart — Eyssenhardt. 
Isanman: Eisenmann, 
Isanrich: Eisenreich. 
Einstämmige Kürzung Isan: Isen — 
Eisen. 
Isen- s. Isan. 

Isenscbmid HI. „Eisenschmid" (s. Schmid). 
Isidorus IL griech. „Gabe der Isis", der 
ägyptischen Göttin. 

FN. Dörries (wegen d. Aussprache s. S. 38). 
Ißleib I. nicht imperativisch , sondern ahd., 
zu is „Eis" = Sohn des Eises, altnord. 
Isleif (Andresen). 
-itsch s. das folgende. 
-itz III. in ON., slavischen Ursprungs. Im 
Slavischen bilden -ice und -owice Patro- 
nymika im Plur., z. B. Bobolice, Plur. von 
boboli<5 d. i. Sohn des Bobola (Bundbauch), 
also deutsch etwa die „Bobolingen" wie 
Eppingen u. a. — jetzt Bublitz. Daher 
nun sehr viele deutsche FN. im Osten 
Deutschlands , die von den entsprechenden 
slavischen ON. übertragen sind. 
FN. Bublitz. V. Grävenitz. t?. Maltitz. 
V. Nostiz (Dorf in Sachsen: Nostitz). 
Pölitz. V. Prittwitz. v. Zitzewitz. 

Vergröbert -itsch , -itzsch (bes. im 
Kgr. Sachsen): Deutsch. Kötteritzsch, 
Ableitung auf -er (oberd.): 

Clausnitzer. GÖlitzer, Thalwitzer — im 
nordöstl. Deutschi. jüd. : Meseritzer. 



J. 



Jaap s. Gab (einst. K.). 
Jab- s. Gab (einst. K.). 
Jack-, Jllck- s. Jacobus. 



152 



Jacobiis 



Johannes 



Jacobus JI. hebr. Jaakob „der Fersenhalter" 
d. i. Nachgeborene (als jüngerer Zwillings- 
bruder des Esau); im N. Testamente die 
beiden Apostel Jacobus (Kai. 25. Juli). 
FN. (zum Theil jüdisch). Jacobus; Jacob. 

— Zus. Quade Jacob. Venjacob. Gen. 
(lat.) Jacobi, Jacoby — (deutsch) Ja- 
cobs , Jakobs (oder zsgz. aus dem Nom. 
Jacobus). Patr. Zus. Jacobsohn; Ja- 
cobson; Jacobsen. 

Verkürzt am Ende : Jack. Gen. Jacks. 
— Jock (Schweiz.). 

Vklf. (1, oberd.): Jäckel, Jeckel — 

Jäkel — Jockei (bair.). (1 + n): 

Jäcklin; Jäcklein. 

Verkürzt am Anfang: Kobiis. Gen. 

Kobi — Kob. Gen. Kobes; Kobs, 

Koops (oder aus dem Nom.). 

Vklf. (niederd.): Köbcke, Köpke 
(doch ist bei diesen mit k anlau- 
tenden FF. auch der altdeutsche 
Stamm God in Betracht zu ziehen). 
Jagesdeubel s. Jageteufel. 
Jäger III. mhd. jagaere, jeger. 

FN. Jaget'. Zus. Gambsjäger. Hasen- 
jäger. Latinis. Venator. 
Jageteufel III. Satz-N. = „jage den Teufel" 

(S. 52). 
Jahn-, Jahn- s. Johannes 3. 
Jahr III. in einzelnen Zus.: Langjahr 
(= Schaltjahr Fröhn.). Vgl. Gutjar 1295. 
Jäkel s. Jacobus. 
Jan-, Jan- s. Johannes 3. 
Japping s. Gab (einst. K.). 
Jar- s. Gar (V., einst. K.). 
Jasp- s. Kaspar. 
Jaster s. Gast. 
Jaukens s. Gaw. 
Jeck- s. Jacobus. 
JefiTke s. Gab (einst. K.). 
Jennrieh, Jentho s. Gand. 
Jer-, Jerr- s. Gar (V., einst. K.). 
Jesp- s. Kaspar. 
Jhering s. Gar (einst. K.). 
Jippen s. Gab (einst. K.). 
Jirgensohn s. Georgius. 
Joaehim II. hebr. Jehojakim „Jehova richtet 
auf". . 

FN. Joachim. Gen. Joachimi; (deutsch) 
Joachims, Abgeschliffen: Jochen — 
Juchem (Köln). Gen. Jochens; Jochums. 

— Verkürzt im Anlaut: Achim, 



Jobst s. Jodocus. 
Joch- s. Joachim. 
Jock- s. Jacobus. 
Jöd- s. God (einst. K.). 
Jodocus II. griech. etwa „Pfeile enthaltend"; 
St. Jodocus. 

FN. Jobst — Jost (vgl. bair. VN. Jobst, 
holl. Joost). Zus. Jostarndt (doch s. 
auch Justus). Gen. Josten. Patr. A. 
Jösting. 
Johannes II. hebr. Jehochanan „Gott ist 
gnädig"; Johannes der Täufer (24. Juni); 
Johannes d. Apostel u. Evangdist (27. Dec). 
Dieser als VN. sehr beliebte Name hat eine 
fast unübersehbare Menge von FN. hervor- 
gerufen. 

FN. 1) Joh<innes (selten); Johanns. 
Gen. Johannis. Patr. Zus. : Johan- 
nessohn; Johannesson, 

2) Verkürzt im Auslaut: Johann — 
mit den Zus. (bes. westfal.) Älde- 
johann. Engeljohann. Ch'oßjohann. 
Jungjohann. Kochjohann. LüU- 
joharm, Meyerjohawn, Schmai- 
johann. Wittjohann, — Johann- 
pötter (westf.). Johansmann. Patr. 
A. Johanning — Joanning. Gen. 
Johannings (ostfries.). Zus. Jöhan- 
ningmeyer (westf.). Patr. Zus. cTb- 
hannssohn; Johannson; Johann- 
sen; Johannzen, 

3) Zusammengezogen a) mit Hervor- 
hebung des Vocals der ersten Silbe: 

John. Gen. Johns ; Johnen. Patr. 
A. Johner (Baden). 

Vklf.(k) : JoÄwÄJe— Jbon*Je8(oBtfr.). 
b) mit Hervorhebung des Vocals 
der zweiten Silbe: 

Jahn. Gen. Jahns; Jans — 
Jahn. Gen. Jahns. Zus. Ende- 
jann. Fühljahn (der faule J.). 
Grotjan. Ottenjan, Schmid^jmk 
Schönjahn (auch Schönian).- iSfitro- 
ckerjan (d. i. schlanker J. Pott). 
Wiesjahn. — Janotte (Johann Otto). 
Patr. A. Ja/nning. — Patr. Zus. /a«- 
son; Jansen; Janssen; Jamohn; 
Janzon; Janzen, 

Vklf. (k) : Janecke; Janeck; Jahnke 
— Jancke; Jank — Jänicke; Jäneke; 
Jänke — Jencke — (hochd.) Jäni' 
chen; Jänigen; Jahnchen, 



.JULI 



Johl 



Kalb 



153 



4) Verkürzt im Anlaut: 

a) Hannes; Hans mit den Zus.: 
Älthans. Großhans. Guthans. Jung- 
hans. Kleinhans. Langhans, Lan- 
gerhans. Schwarzhans. 

FritzeJians ; Fritschhans. Elsen- 
hans, nkenhans. Josenhans (Hans, 
Sohn der Else, Ilke oder Eilika, 
Josepha). 

Fuhrhans. Guldenhans. Meister- 
hans. Speckhans. Speerhans. Stall- 
hans. Timmerhans (westf.). 

Hansemann; Hansmann. Hans- 
girg (Hans Georg). Patr. A. Han- 
sing. Hanser (südd., Fröhn., Rei- 
chel). Sankt johanser QSJaTiQ\i.). Patr. 
Zus. Hanson; Hanseat (schlesw.); 
Hanssen. 

b) Hennes. Patr. Zus. Hensen; 
Henssen. — Hensmanns. 

Vklf. (l): Hansel (HanselmannJ. 
Hensel. Zus. Äneshensel (der H. 
des Ahni, Großvaters). Peterhensel. 
Patr. A. Henseler. Niederd. (k): 
Henske ; Hensken ; Hänsgen. Hans- 
ken (ostfries.). 

5) Verkürzt im Anlaut und Auslaut 
(zusammenfließend mit Hagan). 

a) Hanne; Hann (Hannemaun). 
Zus. Junghann. Junghäni (scbweiz.). 

Vklf. (niederd.): Hannicke; Han- 
neken; Hanke. 

b) Henne , Henn in mannigf. Zus. 
Bauerhenne. Kleinhenne. Opper- 
henne. Weherhenne. Wiesenhenne. 
— Großhenn, niederd. Grotehen. 
Jwnghenn. Hartmannshenn. 

1 s. God (einst. K.). 
n-, JShn- s. Jobannes 3. 
rs s. God (V.). 

as II. hebr. „die Taube"; der Prophet. 
PN. auch jüdisch. 
ntjes s. Johannes 3. 
sten s. Justus. 

dan II. Jordanes 5. Jh. , vermuthlich aus 
td. Jemandes, womit es wechselt, unter 
inwirkung des Namens des heiligen Flusses 
ongebildet. Im Gott. ÜB. als Vorname 
Q J. 1229. 

FN. Jordan (auch jüdisch). Gen. Jor- 
dans; J Ordens — Jördens — Jörrens. 
% 8. Georgius. 



JSrrens s. Jordan. 

Joseph II. hebr. „er fügt hinzu" (1. Mos. 30, 
24); als christlicher N. von Joseph, dem 
Manne der Maria, stammend. (Kai. 19. März). 
FN. Joseph , Josef. Gen. Josephi. Patr. 
A. Josepher. Patr. Zus. Josephson. 
Verkürzt im Anlaut: Sepp (südd.). 
Jost s. a) Jodocus b) Justus. 
Jowien s. God (V.). 
Jacbem s. Joachim. 
Jump- s. Gund (V.). 

JUNG I. got. guggs, ahd. jung, mhd. junc 
„jung". In altd. EN. weit seltener als alt. 
FN. Jungraan: Jungmann. 
Jungarat: Junkert. 
Jungeric: Jungerich. 
Einstämmige Kürzung Jungo: Junge; 
Jung (latinis. Jungius), Jungk. 
Vklf. (1): Jiingel. 
Jung a) I. 8. das vorhergehende W. b) III. 
(vgl. Hellenbrecht de Junghe 1383 Gott. 
ÜB. I. — auch franz. Lejeune). 
Jiingel s. Jung I. 
Jungbluth III. auch Jungesblwt, niederd. 

Jungeblodt (holl. Jongebloed). 
Jungfer III. Abkürzung aus Jungfrau, vgl. 
Johannes dictus Virgo 1390 Köln. Univ. 
Matr. 
Jungnickel s. Nicolaus. 
Junkert s. Jung I. 

Junker III. aus mhd. juncherre Junger 
Herr" (herre Bezeichnung des ritterlichen 
Standes). 

FN. Junker. Gen. Junkers. 
Jürg-, Jttrr- s. Georgius. 
Justus II. lat. der „Gerechte". 

FN. Justus; Just — Jost. Gen. (lat.) 
Justi — (deutsch) Joosten^ Joesten 
(oe = 6, ostfries.). 

K. 

Kttchler III. „Kachelmacher, Töpfer", vom 
ahd. chachala mhd. kachele irdenes Ge- 
schirr („Kachel" noch schweizerisch, tiro- 
lisch in diesem Sinne). 

Kaiser III. s. S. 42; auch in der Schreibung 
Kayser, Keiser. — Selten in der ursprüng- 
lichen lat. F. Caesar. 

Kalb III. zu den Thiernamen (S. 48. 60), vgl. 
Cnonrad calf , calp vitulus 1219. Cuonrad 
dict. Kelbelin. 



154 



Kalif 



Kamp 



FN. Kalb, Niederd. Kalff. Zus. Som- 
merkdlb, Sonnenkalb. 

Kalff 8. Kalb. 

Kaltschmidt III. ahd. chaltsmit, mhd. kalt- 

smit „Schmied, der ohne Feuer arbeitet, 

Kesselschmied". 

-kam 8. Kamp III. 

-kamer, -kammer s. Heim III. 

Kämmerer III. ahd. chamaräri, mhd. käme- 
raere, nach dem mittellat. camerarius 
1) „Hofbeamter, der die Aufsicht hat über 
die fürstlichen Gemächer", namentlich über 
die Schatzkammer, auch sonst aufwartet 
und auf Ordnung hält 2} in Klöstern und 
Gemeinden „Verwalter der Einkünfte". 
FN. Cammerer — Kämmerei'. 

Kämmerlingr III. ahd. chamarlinc, mhd. 
kemerlinc „Kammerdiener". (Das Wort 
noch im ital. camerlengo). 

KAMP I. ahd. camph, mhd. kämpf vom lat. 
Campus im Sinne von „Schlachtfeld", wo- 
her nhd. Kampf. 

FN. Kamphard: KempeH — Kempfert. 
Einst. Kürzung Camp-. 
Campo, Chompho: Campo; Campe 
— Kampf — Kempe — Kämpffe; 
Kempf. Gen. Kamps; Kampen. 
Patr. A. Overkämping (Westf.). 
Vklf. (k) : Kempke. Gen.Kempkens. 

Kamp UI. aus dem lat. campus, welches 
schon früh in das Niederdeutsche und 
Priesische herübergenommen ist, nament- 
lich ein eingeschlossenes, umhegtes Feld 
bezeichnend , das einem einzelnen Bebauer 
zusteht. Alte ON. auf -camp aus dem 
9. — 11. Jh.; heutige auf -kamp, auch ver- 
hochdeutscht -kämpfen, -kämpfen. 

Eine große Menge PN. auf -kamp findet 
sich in Westfalen, hergenommen von 
einzelnen solchen Kämpen, an denen dieser 
Landstrich so reich ist (S. 74). Dabei tritt 
auch das niederdeutsche Sprachelement hier 
sehr in den Vordergrund. 
FN. Von dem Kampe. Van Kampen 
(Kleve; Kampen Stadt in Holland). 
Zus. 1) nach dem , was auf dem Kampe 
wächst: Appelkamp (k^ioX-). Birken- 
kamp ; Berkenkamp. Bohnhikamp. 
Buschkamp. Distelkamp. Eichelkamp. 
Ellerkamp{Ex\Gn-). Flaßkamp. Graß- 
kamp. Haverkamp; Haberkamp. 



Hasselkamp. Heisterkamp. Holt- 
kamp. Horstkamp. Kleekamp. lAhn- 
kamp (Lein -). Lohkamp. Nettelkamp 
(Nessel-). Roggenkamp. Böbekamp; 
Eöwekamp (Rüben-). Schleenkamp. 
Wiedenkamp (Weiden-) — 

oder sich dort aufhält (Thiere): 
Ahlkamp. Ha^enkamp. Kreienkamp. 
ühlenkamp (Eulen-) — 

oder überhaupt sich dort befindet: 
Brüggenkamp(BTVickeji'), Kiesekamp. 
Kleinemoorkamp. Kottenkamp (s. 
Kothe). Kreutzkamp. MOhlenkamp. 
Pohlkamp (Piuhl-). Steinkamp. Was- 
serkamp. 

2) Nach der Lage und Beschaffen- 
heit des Kampes: Ältkamp. Hoff- 
kamp. Hokamp — Hogenkamp (ellip- 
tisch: auf dem hohen K.). Körten- 
kamp (auf dem kurzen K.)* Langen- 
kamp (auf oder von dem langen K.). 
Ostkamp; Osterkamp. 

Verhochdeutscht in -kämpf: v. Heide- 
kampf (vgl. 0. Heid&kamp in Hol- 
stein). Flaßkampf {b. ¥li^). Linden- 
kämpf. Lohkampff. MOMehkampf. 
Siedenkampf (der auf dem „niedrigen 
Kamp" ; wie manche Orte in Nord- 
deutschland durch den Zusatz Hohen- 
und Sieden- unterschieden werden). 
Tellkampf. 

Abgestumpft in -kam: Breitenkam. 
Kleekam. Osterkam. 

Ableitung auf -er (westf.): Zamjper, 
meist mit e: Kemper. Gen. Km- 
pers. — Zus. Berkenkemper. Engd- 
kemper. FdhUnkemper (Fohlen -)• 
Haarkämper (Haar = Anhöhe auf 
einer Haide). Hasenkämper. HeO- 
kämper. Holtkemper. Kieskemper. 
Kortenkemper. Kottenkemper. KrüU' 
kemper (Kreutz -). Lehmkämper, Lohr 
kemper. Nordkämper. Pagenkämper 
(Page == Pferd). Pierenkemper (Re- 
genwürmer- ?). Boggenkämpet. SUg- 
kämper. Strotkemper (Strafien-). Stih 
tenkemper. Südkemper. Weidifi^ 
kämper. 

Auch als erster Theil der Zusam- 
mensetzung findet sich Kamp ia: 
Kampmann; Oberste Kampmann. 
Kampmeyer — Kampfmeyer — Kam' 



Kamp- 



KeUer 



155 



meyer. Kampfmüller. Kampfwirth. 
Kampfschulte. — Kampfranz. 
Kamp- 8. a) Kamp I. b) Kamp III. 
-kamp s. Kamp III. 
KSmp- 8. Kamp I. 
Kampe a) s. Kamp I. b) Ortsbezeichnung s. 

Kamp UI. 
-kämper s. Kamp III. 
Kampf- 8. a) Kamp I. b) Kamp III. 
-kämpf 8. Kamp III. 
KSmpf- 8. Kamp I. 

Kamphans III. Eleischermeister in St. , nennt 
sich, seit es einen Finanz -Minister Camp- 
hausen in Preußen gegeben: Kamphausen. 
Kannengießer III. „ Zinngießer "^ ; man sieht 
aus dem N., daß das Gießen von Kannen 
einst die wichtigste Arbeit in diesem Hand- 
werke war („Kannengießer- Straße" in Braun- 
schweig). 

FN. Kannegießer-, Kanngießer, Cann- 
gießer. Niederd. Cunnegieter (Klemp. 
Kannegeter). 
Kant, Kantz s. Gand. 
Kanzler III. ahd. chanciläri, mhd. kanzelaere 
aus mittellat. cancellarius „Vorgesetzter der 
Kanzlei". 

FN. Kanzler, Cantzler. Mit Umlaut \ 
Kentzler. 
Kaphengst III. vom mhd. kappen „verschnei- 
den". 
Kapper s. Kaspar. 

Kapphammel III. vom mhd. kappen „ver- 
schneiden". 
KAH.AL I. ahd. charal, karl „Mann" (Kerl). 
FN. Karlman: Karlmunn. 
Einst. Kürzung Karal-. 
Carol: Karel — Karle; Karl, Carl — 
(zerdehnt) Kardd — Kerl — Keerl. 
Gen. Carels — Karls — Kerlen. 
Patr. A. Kerling. Patr. Zus. Carlsohn. 
Kftreher III. oberd. „Kärrner", von Karch 
„Karren", ahd. karruh aus lat. carruca Reise- 
wagen. 

FN. Kärcher — Karcher. 
Kardel s. Karal. 
Karlanf s. Gar (V.). 
Karsjens, Karst- s. Christianus. 
Kasehnhe III. ein „Kassube (S. 82). Auch 

verkürzt Kaschub. 
Kaspar n. persisch Kansbar „Schatzmeister", 
nach der Logende einer der h. drei Könige 
(Kai. 6. Jan.). 



FN. Kaspar, Caspar; Casper — süd- 
deutsch Kapper (s. Melchior Meyr, Er- 
zählungen aus dem Ries). Gen. Caspary 
(auch jüdisch) — Caspers. 

Vklf. Kasperl (bair.). — Zus. 

Kasparbauei'. 

Mit Erweichimg des k (schon bei Klemp. 

neben einander Kaspar, Gaspar, Jas- 

par) : Jasper. Gen. Jaspers (ostfries.). 

Patr. Zus. Jespersen. 

Kassehaum III. halbniederd. statt karseboom 

„Kirschbaum". Auch Kessebohm. 
Kassebeer III. niederd. statt Karsebeere 

„Kirsche" (lat. cerasum). 
Käst- s. Christian. 

Kastner III. „Verwalter des Komkastens" 
d.i. Getreidespeichers, dann, weil aus den 
Getreide- und Fruchtzinsen sich die Steuern 
entwickelten, hie und da = Amtmann über 
alle Einkünfte „Rentraeister". So an Höfen 
ein Hof kastner, in Klöstern ein Pater Kastner. 
FN. Kastner — Kästner, Kestner, 
Kathmann, Käthner &. Köther. 
Kauer- s. Kun (V.). 

Kaufmann HI. ahd. choufman, mhd. kouf- 
man „Handelsmann" (s. Krämer). 
FN. Kaufmann, häufig Kauffmann. Nie- 
derdeutsch Kopmann, Koopmann. Gen. 
Koopinanns, 
Kanlbars III. deutlicher Fischname. 
Kaulfuß III. „Kliunpfuß", von Kaule = Kugel, 

schon mhd. kugele zsgz. küle. 
Kaunert s. Kun (V.). 
Kaupert s. Gaw. 
Keb- s. Gab (V., einst. K.). 
Keerl s. Karal. 
Kehr- s. Gar (einst. K.). 
Kehrein III. Satz-N. „kehr ein". 
Keil s. GaU. 
Keiper III. „Fischmeister", Aufseher über 

Fischereien (ostpreuß.). 
Keiser s. Kaiser. 

Keller III. mhd. kellaere aus lat. cellarius 
1) „Kellermeister", Schaffner 2) Kammer- 
beamter; wie vom herrschaftlichen Kasten 
ein Kastner, so bekam vom herrschaftlichen 
Keller ein Keller (Kellner) als Rentbeamter 
seinen Namen (cellarii am Hofe Karls d. Gr.), 
der urspr. die Weinborge und Weingülten 
samt den andern Einkünften, die in die 
Keller einzuliefern waren, zu verwalten hatte; 
bei geistlichen Stiftern der Beamte, der die 



156 



Kellner 



Kirieleis 



Einkünfte verwaltet, die für den Tisch ge- 
ordnet sind — oft mit dem Kastner eins 
3) Inhaber eines „Kellerhofes", einer Art 
Hofgüter in einigen Theilen Schwabens und 
der Schweiz. (Walter der Kellaer 1288). 
FN. Keller. Lat. (rücklatinis.) Cellarius. 
Auch Kellerer, 

Kellner III. mittellat. cellenarius, ahd. kel- 
näri, mhd. kelnaere = keller (Conrade Kei- 
ner, auch C. Keller genannt 1379 Bacm.). 

Keinp- s. Kamp I. 

-keinper s. Kamp III. 

Kentel s. Gand. 

Kentzler s. Kanzler. 

Kerke III. niederd. „Kirche", in Zus. wie 

Kerkenbrock (Kirchonbruch) ; Kerkhei, 
Kerl- s. Karal. 
Kersehsteln s. Christianus. 
Kerse III. „Kirsche", aus lat. cerasum, in 

Zus. wie Kersenhrock (-bruch), Kerßen- 

hroick — Kessemeyer. 

Kerst- s. Christianus. 

Kesseler III. „Kesselschmied". Auch Keßler. 

Kesselhake III. Haken, an welchem der Kessel 
über dem Feuer aufgehängt wird. 

Kesselhut III. eine „Pickelhaube in Kessel- 
form". Auch niederd. Ketelhod. 

Kest- s. Christianus. 

Kestuer s. Kastner. 

KetelbSter III. niederd. „Kesselflicker" (böten 
= hd. büßen, d. i. urspr. bessern). 

Ketelhod s. KesseUiut. 

Kenn- s. Kun (V., einst. K.). 

Kiefer s. Küfer. 

Klekuth III. niederd. Satz-N.: „schau aus" 
— doch zunächst wohl ON. und von daher 
übertragen. 

Kienbanm III. mhd. kinboum „Kiefer". 

Kienle s. Kun (einst. K.). 

Kiep- s. Gab (V.,. einst. K.). 

Kler- s. Gir. 

Kierschner s. Kürschner. 

Kies- s. Gis. 

Kiesel- s. Gisal. 

Kieser III. „Prüfer" ; in den Städten Deutsch- 
lands waren solche K. besonders für Getränke 
und andere Lebensmittel angestellt. 

Kiese weiter III. Satz-N. „der das Wetter 
prüft, Wetterspäher" (Gudrun 903: Fruote 
bi dem lüfte kiesen dö began). 

Kicß- s. Gis (Gisal). 



Kiewitt III. niederd. der Kiebitz, sprichwörtl. 
wegen seines Zickzackfluges; daher „Kiebitz- 
gang". (Everhardus Kyvit Köln. Univ. Matr. 
1390). 
Kilbert s. Gisal. 

Kilian II. ein Schotte, Apostel der Franken 
im 7. Jh. 

FN. Kilian; Kilgan. 
Killmer s. Gisal. 
Kimmerle s. Kun (V.). 
Kirche III. ahd. kiricbä, mhd. Mrche, alt- 
sächs. kirikä, kerikä, altMes. kerke, karke 
(ausgriech. xvgiaxov „Haus des Herrn, Gottes- 
haus" — nach der Annahme, die immer 
noch am wahrschemlichsten). In ON. -kirch, 
- kirchen (elÜptischer Dativ) ; niederd. - kerk. 
FN. 1) Altenkirch. Neukirch. TaufJUrch 
(0. -en 4 mal Ritt.), v, Tippeis- 
kirch. 

2) Giesenkirchen, Herrenkirchen. 
Odenkirchen. Bodenkirchen. Bom- 
merskirchen. 

Halbniederd. Nienkirchen (Mek- 
lenburg), hochdeutsch Neunkirchen 
(häufig ON., wohl aus Neuenkirchen 
zsgz., zumal bei Dörfern, wo eine 
solche Menge von Kirchen doch 
nicht anzunehmen). 

3) Bovenkerk (vgl. Klemp. FN. Hogeiir 
kerke). 

Ableitung auf -er (oberd.): 
Feldkirchner. Neukirdhner. See- 
kirchner. Steinkirchner. 

Kircher III. mhd. kirchaere „Küster" 2) ge- 
kürzt aus Kirchherr, d. i. „Pfarrer". 

Kirchho£f III. „der am Kirchhofe" vgL Mes. 
ürkund : roleff bi den kerkhoue (Pott, S. 549). 

Kirchmann a) I. ahd. Kirihman (aus dem 
9. Jh. als PN. nachgewiesen durch Forste- 
mann, vgl. auch den rhein. Namen Kirchartz, 
der auf einen altd. Nomin. Kirihhart zurück- 
weist) b) III. mhd. kirchman Eingesesseiier 
einer Gemeinde , „Gemeindeglied", im Gegen- 
satz zum Ausmann, ü^an. 

Kirchner III. mhd. kirchenaere „Küster, Mes- 
ner", bes. im sächsischen YogÜande übliciL 

-kirchner s. Kirche. 

Kirieleis II. aus dem kirchlichen Eofe (griech.) 
kyrio eleison „Herr, erbarme dich", vgl. 
Bechtold Kyrieleyson 1366 (Weisthtimer 3, 
419). Noch weiter verkürzt Cyrlis. 



Xinnes 



Knochenhauer 



157 



Kinnes III. aus mhd. Kirchmesse, „Fest zum 
Andenken an die Einweihung einer Kirche" 

— (Zeitname, vgl. Tag). 
FN. Kirmes; Kirmß. 

Kirsehner s. Kürschner. 

Kirschsteiu s. Christianus. 

Kirseht-, Kirst- s. Christianus. 

Kirwald s. Gir. 

Kiß 8. Gis. 

Eist s. Christianus. 

Kistenfegrer III. der „Kisten fegt d. i. aus- 
räumt", plündert. 

Kistmaeher III. der „Kisten macht", Tischler. 
Niederd. KistemaJcer , latinis. Chelopoeus. 
Entstellt Küstenmacher, 

Kittel III. mhd. Kittel, ein Kleidungsstück 

— mit der Zus. Weißkittel. 

Klaas, Klagr-, Klas, Klaß s. Nicolaus. 

Klau- s. Glaw. 

Klaus- s. Nicolaus. 

Klee III. mit der Zusammens. Grüneklee. 
Auch Kleeblatt (vielleicht mit mystischer 
Beziehung als Sinnbild der Dreieinigkeit, 
wie in Irland, wo es sogar in diesem Sinne 
Nationalzeichen ist). Kleemamt. Kleemeyer. 
Schubert Edler von dem Kleefelde (S. 58). 
Niederd. Kiewer. Zus. Hasenclever. 

Kleienstäuber III. nach Hoffmann, Kasseler 
Namenb. S. 69, Bezeichnung des „Müllers". 
FJ^. Kleyenstäuiber, zsgz. Kleinstäuber — 
auch Kleyenstüber ; Kleinstüber. 

Klein, Kleine III. der „Kleine«. Doch wei- 
sen FN. wie Kleinhardf Kleinert (Gen. 
Kleinertz) , Kleinecke darauf hin , daß dieser 
Stamm schon im Altdeutschen zur Namen- 
bildung verwendet worden, ^ann im Sinne 
von „fein, sauber". 

Kleinselimidt III. Gegensatz zum Grobschmied : 
ein Schmied , der kleine , d. i. feine Arbeiten 
macht; bez. hauptsächlich der „Schlosser", 
dann den Büchsenschmied, Sporer, Ulir- 
macher. 

Kleinsorgre III. der sich wenig d. i. (bes. nach 

mhd. Ausdrucksweise) gar keine Sorge macht. 
Klemens, -t s. Clemens. 
Kliebensehedel s. Klubeschedel. 
Kliefotli III. niederd. statt Kliefuß. vom ad. 

cliuwa Kugel, Knäuel, also = Klumpfuß. 
Klln^ III. ahd. chlinga, mhd. klinge „Ge- 

birgsbach, rauschender Bergstrom", in Zus. 

wie Klingmüller. 



Klingspor III. „mit kUngendem Sporn". 

Klobelauch III. ahd. klobelouh, mhd. clobe- 
louch von kliuban spalten, entstellt knobe- 
louch „Knoblauch" (auch ON.). 

Klöelcner s. Glöckner. 

Klode s. Hlod (einst. K.). 

Kloos, Klos-, Kloss- s. Nicolaus. 

Klostermann III. mhd. klösterman „Mönch". 

Klöter s. Hlod (V.). 

Kloth s. Hlod (einst. K.). 

Klötsch, Klott s. Hlod (einst. K.). 

Klubertz s. Glaw. 

Klnbesehedel III. Satz-N. „ein Schädelspalter" 
(S. 52), von „klöben" ahd. klioban, mhd. 
klieben und klüben spalten. 

Klnbeseheitlll. Satz-N. „der Scheite spaltet". 

Klnte 8. Hlod (einst. K.). 

Klttter s. Hlod (V.). 

Klutendreter 111. (Aachen) der „Erdklöße 
tritt", Spottname für einen Landbauer. 

Klutt s. Hlod (einst. K.). 

Klttver III. „Holzspalter" (s. Klubescheit und 
-schedel). 
FN. Klüver. Gen. Klüvers. 

Knabe III. ahd. chnabo, mhd. knabe „Knabe, 
junger Bursche", bes. ein im Dienste eines 
Höheren stehender; mit knappe, kneht mohr- 
fach gleichbedeutend. 

Knappe III. Nebenf. zu Knabe (wie Kappe zu 
Kabe) ahd. chnappo, mhd. knappe 1) Knabe, 
Jüngling, bes. „der Ritter werden will" 
2) „Diener, Lehrling, Geselle". 
FN. Knappe; Knapp. 

Kueelit III. mhd. kneht sinnverwandt mit 

knabe und knappe, daher auch in der Bed. 

„Lehrling, Geselle", wie in smidekneht. 

FN. Knecht. Zus. Haußknecht. Kammer- 

knecht. Mahlknecht (Müllergeselle). 

Schuknecht. Wagenknecht. 

Knie III. „ein im Waldwinkel liegendes Stück 
Land", in FN. wie Kniemeyer ^ -möller. 

Knieriem III. ein „Gurt über dem Knie", 
das unentbehrliche Beistück der kurzen 
Landsknechtshosen, jetzt nur noch ein Ge- 
räthe der Schuhmacher. Vgl. Cunrad cog- 
nom. bintriemo 1239. 

Knoblauch s. Klobelauch. 

Knochenhauer III. „Schlächter, Fleischer", 
noch jetzt in Braunschweig die übliche Be- 
zeichnung, wo sich schon 1380 der FN. 
Knokenhowere findet (in Hannover eine 
Knochenhauer - Straße). 



158 



Kob- 



Kos- 



Kob-9 Köb- s. a) I. God b) II. Jacobus. 
Koeh III. ahd. choch, mbd. kocb, altsäcbs. 
kok aus lat. coquus. 
FN. Koch. Gen. Kochs. Äußerlich latinis. 
Cochius — in anderer Weise Coccejus, 
Gen. Cocceji (S. 64). 

Vklf. (1): Köchle (schwäb.); Köchhj 
(Schweiz.). — Köchlin. 
Niederd. Koch; auch Koock, Koke (Kok 
Gott. ÜB. I. ums J. 1373, Klemp. 
Coke neben der Bezeichnung Meister- 
kock = ouerste kokenmeister). Gen. 
KoXf Cox (niederrhein.). 
Der N. Kock findet sich lange vor der 
französischen Einwanderung und ist jetzt in 
verschiedenen Gregenden Norddeutschlands 
unter der Landbevölkerung verbreitet, so in 
Westfalen, Mors, Schleswig; er kann daher 
nicht franz. Ursprungs, aus coq Hahn, ent- 
standen sein. 
KOch-, Kock s. Koch. 
Koen- s. Kun (V., einst. K.). 
Koerts s. Kun (V.). 
-kofen, -kofer s. Hof. 
Köfer s. Küfer. 
-kohl in Zus. wie Herrerikohl, Linnenkohl 

s. Kugel. 
Kohn-, Ktfhn- s. Kun (V., einst. K.). 
Kohr-, Köhring s. Kun (V.). 
Koll- s. God (V.). 

Kommallein III. bemerkenswerther Satz-N. 
(auf die Einladung zu einem Stelldichein 
deutend ?). 
Kompert s. Gund (V.). 
Kon- 8. Kun (V.). 
Ktfu- 8. Kun (V., einst. K.). 
KSnig III. heutiger FN., durch verschiedene 
Ursachen veranlaßt 1) durch persönliches 
Hervorragen in der Umgebung (Schützen- 
könig u. a., jetzt Eisenbahnkönig u. s. w.) 
2) durch N. von Häusern, bes. wohl von 
Gasthöfen (König von Spanien u. a.). — Vgl. 
franz. Leroy. 

FN. König; Königk. Gen. Königs (doch 
ist bei diesen N. auch der altd. Stamm 
Kun zu vergleichen). Zus. JRiihenkönig. 
KSnnieke s. Kun (einst. K.). 
Kooek 8. Koch. 
Koops 8. Jarx)ba8. 
KSper 8. Küfer. 

Kopf III. ahd. chuph, copf, mhd. köpf aus 
mittellat. cuppa Faß 1) Trinkschale, Becher 



(so Glaßkopf FN. 15. Jh. = Glasbecher, 
Glasnapf). 2) Hirnschale, Kopf. 
FN. Kopf vgl. Chono der Chophe 1175. 
Ulric. der Chopf 1225. 

Mannigfache Zus., sämtlich wohl in dem 
Sinne des Körpertheils: Breitkopf, Groß- 
kopf Hartkopf, halbniederd. Harde- 
kopf. Krauskopf, niederd. Kruskop. 
Rothkopf. Ruhkopf (halbniederd. = 
Eaubkopf). Schönkopff. Schwartzkapff 
(Nie. Zwartekop Kalend.). Weißkopf, 
niederd. Wittkop. Wullkopf, niederd. 
Wullkop — 

nach Thieren (z. Th. vormuthUch durch 
Häuserzeichen vermittelt) : Hönerkopf 
(halbniederd. = Hünerkopf). Ochsenkopf, 
, niederd. Ossenkop. Rehkopf. Rinds- 
köpf. Roßkopf. Schellkopf. Welskopp — 
nach Pflanzen: Mohnkop und Mahn- 
köpf. 
KSpke s. Jacobus. 
Kopmanu s. Kaufmann. 
Koppold s. God (V.). 
KOrber III. „Korbmacher". 
Kord- 8. Kun (V.). 

Korn III. got. kaum, ahd. mhd. kom „Fmcht- 
korn, Getreidekom". 

FN. Korn. Zusammens. Femkorn, Viem- 
körn vom Eigenschaftsw. fem „vorig" 
(Firnewein u. a.). Gerstenkorn. Grün- 
korn, Haferkorn; Häberkorn (Bapiecbt 
Haberkom 1385). Hirsekorn, Klotce- 
kom (Spaltkom, in welchem Sinne?). 
Pfefferkorn (Walcher Phefferkom 1282). 
Senfkorn (Ev. Matth. 13, 31). Sammer- 
korn. 
Kornbluhm III. deutlicher Pflanzen -N. (oen- 

taurea cyanus). 
Kornbrnst s. Probst. 

Körner III. 1) vom got. quaimus, ahd. qnim, 
mhd. küm Mühle, also „Müller** 2) von 
Kom: „Komkäufer". 

FN. Körner — selten noch in der Siteren 

F. Querner. 

Kornmesser III. mhd. komme:;:;er „veroidig- 

ter Getreidemesser ^, ein öffentlicher Beamter. 

Kort-, K»rt- s. a) I. Kun (V.) b) lU. nied. 

== kurz , in Kortenkamp u. a. 
Kortum III. niederd. „kurz um**, nach dem 
Bremer Wörterb. ein kleiner, hurtiger Mflmw^ 
Auch Koi'tüm. 
Kos- 8. Goz (V.). 



Köster 



Kraushaar 



159 



KSster s. Küster. 

Kothe a) I. s. God b) III. geringeres Bauern- 
haus, urspr. ohne Feld und Hofstätte, nur 
mit einem Garten; es ist dann freilich auch 
vielfach etwas Land mit solcher Kothe ver- 
einigt worden , doch nicht bis zu einer vollen 
Hufe. Hauptsächlich niederdeutsches Wort, 
auch in ON. ziemlich häufig : - kathe, - kathen^ 
'koihenj -hotten, 

FN. Kothe (auch KotM — das e soll die 
botreffende Familie für schweres Geld vom 
Landesherm erstanden haben , s. Pauli II, 
S. 5). 

Zus. Boßkoth. — Uollkott. Oldenkott. 
Horstkotte. Geilenkotten. Vierkotten. 
(Henricus Bemekotte Köln, ünivers. Matr. 
1390.) Kothmeyer — Kottmeyer. 
Other III. „Inhaber einer Kothe''. 

FN. Köther. Zus. Buschköter (der K. in 
dem Busche). Leimköter (doch wohl = 
Lehmk.). Auch der N. Fetköter gehört 
hierher, wie die Nebenff. Vettkötter 
(Vegesack) und Fettkotter beweisen. 
In Nordost- D. heißt die Kothe: Kathe, 
Käthen, daher: Käthner. Kathmann — 

in Westfalen Kotte, daher „Kötter" (s. 
Immermann Münchhausen III, 56: „daß ich 
den Halbhüfner , den Kötter und wer es sonst 
sein mag, jeden nach seiner Gebühr nennen 
muß"). In dieser F. ist das Wort reich an 
Zus., die alle in Westfalen heimisch sind: 
FN. Baumkötter. Buschkötter. Feldkötter. 
Flurkötter, Grundkötter. Heükötter 
(Haid-). Holtkötter. Horstkötier, Kamp- 
kötter. Kuhlenkötter. Marschkötter (s. 
Marsch). Pohlkötter (s. Pfuhl). Eiet- 
kötter (s. Kied). Sandkötter. Strot- 
kötter (Straßen-). Vennekötter (s. Venn). 
Winkelkötter. Wieskötter — sämtUch 
wohl nach der Wohnstätte benannt , wäh- 
rend Mörtenkötter eine Zus. mit dem 
VN. Martin zu sein scheint. 

Anderer Art sind Neukötter. Hunde- 

kötter (vgl. den niederl. Maler Honde- 

koeter). Schniederkötier, Schuitenköttei- 

(der K. des Schulzen). Schüttenkötter. 

-kSter s. Köther. 

Kott- s. a) I. God (V., einst. K.) b) III. 

Kothe. 
-kott, -kotte, -kotten s. Kothe. 
-kStter 8. Köther. 
Kottlof 8. God. 



Kotz- s, 1) God (einst. K.) 2) Goz. 
Kox s. Koch. 
Kracht s. Kraft. 

KRAFT I. ahd. mhd. kraft „Kraft; Heeres- 
macht". 
FN. Kraftheri: Krefter. 
Einst. Kürzung Graft, Craht: Kr äfft — 
Kracht. Patr. A. Kre/ting. 

Kragen- III. mhd. krä, kraeje, kreie „Krähe" 
in Zus. wie Krägenbrink. 

Kramer s. Krämer. 

Krämer III. ahd. chramäri, mhd. krämaere, 
krämer, kraemer der „Krämer", Kleinhändler, 
im Gegensatz zum „Kaufmann", der mehr 
den Großhändler bezeichnet. Dem Krämer 
fiel zum Handel Alles anheim, was „Pfen- 
nigsge werbe" war. (Schon 1175 Chunrad 
Chramar). 

FN. Krämer^ Cremer — Kramer, Cramer. 
Gen. Kramers (niederrhein.). 

Kranefaß ni. „Kranichfuß". Auch Kr ohn fuß. 

Kranewitter III. vom ahd. khranawitu „Wa- 
cholder". Entstellt in Kronawetter; Krone- 
bitter; Kronenbitter (Steub). 

Kranich III. der bekannte Zugvogel. VgL 

franz. Lagrue. 1) Hauszeichen (S. 60) 

2) Eigenschaft bezeichnend, namentlich die 

Schlankheit (S. 48). 
Kranold s. Hraban. 
Kranz III. mit den Zusammens. Maikranz 

(S. 45, doch auch ON.). Rautenkranz. 

Bosenkrantz (s. auch S. 68). 
Vklf. Kränzlein, 
Kratz-, Krätzel s. Pancratius. 
Kraus, Krauß in. 1) s. Krause 2) der 

„Krug"; 80 namentUch in der Zus. Stein- 

krauß „Steinkrug". 

Kranse III. von dem Eigenschaftsw. , der 
„Kraushaarige" (Crispus). Hainrich der kruse 
1304 (S. 50). 

FN. Krause; Kraus (letzteres süddeutsch, 
z. B. in München 1876: 44 mal Kraus 
und Krauß, Krause nur 3 mal^ dagegen 
in der Preuß. Bang- und Quartierliste 
von 1874 Krause 50 mal, Kraus (Krauß) 
nur 4 mal). 

Niederd. Kruse, Cruse. — Latinis. 
Crusius, 

Kraushaar III. =" dem Vorhergehenden. 
Yolz von Nüwenegge den man da nenunet 
Crushar 1347 (Bacm.). 



160 



Kräuter 



Kükenbiter 



Kräuter III. „Gemüsegärtner und -Händler" 
(auch Apotheker). Niederd. Krüdener. 

Krautwigr s. Hrod (V.). 

Kreft III. (mit langem offenem e) niederd. 
= Krebs. Auch Krebsscher findet sich 
als FN. 

Kreft- s. Kraft. 

Kreie III. mhd. kraeje, kreie „Krähe", in 
Zus. wie Kreienkamp^ Kreymeyer. 

Kreikeubaum III. (halbniederd.) mhd. krie- 
chenboum von krieche d. i. schlechte Pflaume. 

Kreith III. = Greut, Gereute von „reuten"; 
Kreitmeyer = Greutmaier (Steub S. 13). 

Kretsehiner III. mitteld. crecimer, aus dem 
slav. karczmarz „Schenkwirt", bes. in Schle- 
sien, Posen, der Lausitz, wo auch die Dorf- 
schenke „Kretscham" heißt. Seit dem 14. Jh. 
von Osten her bis nach Thüringen und weiter 
verbreitet, im 16. Jh. z. B. Luthem ganz 
geläufig, jetzt zurückgewichen und auf die 
östlichen Grenzländer beschränkt. 
FN. Kretschmar, Cretzschmar (mit Be- 
wahrung des ursprüngl. a); Kretschmer 
— Kretzmer, 

Kreauert s. Gron. 

Kridewiß Ilf. „kreideweiß". 

Krim- s. Grim. 

Kring- s. Hring. 

KrSger s. Krüger. 

Krohufuß s. Kranefuß. 

Kroloff s. Hrod (V.). 

Kromminga s. Hrom. 

Krön III. a) in Adels -N. von dem Hauptw. 
„Krone" : v. Abercron. v. Ohlen u. Adlers- 
krön — dagegen 

b) von „Kranich", niederd. kran, krön in: 
Kronbiegel (Kranichbühl, vgl. Kronschna- 
bel, Crohnsnest). Kronemeyer, 

Krouawetter, Kronenbitter s. Kranewitter. 

Kronymas s. Hieronymus. 

Krater s. Hrod (V.). 

KrQdener s Kräuter. 

Krndewig s. Hrod (V.). 

Krüger III. mhd. krüeger „Schenkwirt" (auf 
dem Lande). 

FN. Krüger, Ciüger. Zus. Altkrüger. 
Heidkrüger (d. Besitzer des Haidekruges). 
Niederd. Kroger, Zus. Buschkröger, 

Krambiegel, Krumbttgel s. Bühel. 

Krunert, Krttnert s. Gron. 

Kruse s. Krause. 

Kruslcop III. niederd. „Krauskopf" (s. Kopf). 



Krnttge s. Hrod (einst. K.). 
Krntwig s. Hi-od (V.). 
Krystians s. Christianus. 
Kttbler III. 1) Verfertigor von Kübeln , „Bötr 
ticher" 2) „Häusler", = Köhler (Franken 
und Oberpfalz). 
Kuchen III. in mehrfachen Zusammens. : EUr- 
kuchen. Ffannkuche. Fastkuchen (Aschen- 
kuchen). Matzkuchen (die ungesäuerten 
„Matzen" s. Matzbecker). 
Knchenbeißer III. vgl. Fleischfresser. 
Küchenmeister III. magister coqoinae, vor- 
nehmere Bezeichnung für Koch. 
Kttchler III. „Kuchenbecker". 
Kttfer HI. mhd. küefaere 1) der „Kufen und 
andere große Gefäße macht", daher auch 
Großbinder und Schwarzbinder genannt, zum 
Unterschiede von den Kleinbindem, Weiß- 
bindem oder Bothbindem, welches die ge- 
meinen Bötticher sind. 2) Diener und Auf- 
wärter in großen Kellereien", bes. in Wein- 
kellern und Weinhäusem. 
FN. Küfer — Köfer — (mit der mittel- 
und oberdeutschen Aussprache des ü) 
Kiefer, 

Mit dem n der schwachen Bildung: 
Küfner, 

Niederd. Küper — Köper. (Jen. Kuy- 
pers (Geldern). 
Kugel III. ahd. cucula, mhd. kugele, gugd, 
kogel, vom lat. cucullns „Kappe, über den 
Kopf zu ziehen, Kapuze". 
FN. Liwnekugel, auch Linkogel, Linne- 
kühl, Linnenkohl; daraus umgedeutet 
Lindenkohl. Bothkugel^ niederd. Bode- 
kogel. Wittkugel, 
Ktthfaber III. entstellt aus Kiffhabor s. Hab«r. 
Kuhle III. niederd. „Grube"; in Ortsbezeieb- 
nungen. 

FN. Goldkuhle. Xe/»mÄ^I (0. Lehmkuhle). 
Sandkuhl — Sandkaul, VoßktM. 
Ableitung auf -er (bes. westflUiBch): 
Buschkühler. FlaßküMer (Flachs-). 
Lehmkühler ; Leiinkühler, Sand- 
kühler. Steinkuhler. 
-Ictthler s. Kuhle. 

Kuhn-, Kühn- s. Kun (V., einst- K.). 
Ktthnapfel III. verderbt aus Kienapfd, wie 

Kühnbaum aus Kienbaum. 
Kuhrt s. Kun (V.). 

Kttitenbiter HI. niederd. „Kukenbeifier^, du 
kleiner Eaubvogel. 



Kummer 



laf 



161 



[iiiiimer,Kflmmerl 8.1)Gund(y.) 2)Xilii(Y.). 
[flmpel 8. 1) Gund (zweist. K.) 2) Kun (V.) 
[ümpers s. Gund (Y.). 
[UN I. 1) got. kuni, ahd. kunni, chimni, 
mhd. kümie „Geschlecht" (lat. genug) 2) ahd. 
kuoni, chuoni, mhd. küene „kühn". 
TN. Chunipald: Kumpel, 

Chuniger: Königer — Könker — 

Keu/ncker, 
Chunihard: Kunhardt; Cunardt; 
Kuhnert; Kvhnat; zsgz. Kuhnt — 
Ktmnert — Kuhnert — Conard; 
Kohnert — Köhnert — Katinert. 
Patr. A. Conerding. 
Chunihari : Kuner — Kuhner — Koner. 
Gen. KuJtners — Coners. Patr. A. 
Conring. 
(Kunimar) : Kummer. Vklf. (1) : Küm- 

merl — Kimmerle (schwäb.). 
Kunimund: Kunimund — Kühne- 

mund. 
Chunrad, Chuonrat: Kum'ath — Con- 
rath; Conrad — zsgz. Kuhrt — 
Curt (latinis. Curtius) — Korth — 
Körte — Körte — 

mit den Zus. Curtmawn — Corde- 
mann — Kortmann — Äckerkurt; 
Großkurth; Ju/ngcurt — Mühlen- 
kord — 

Kau£rt — Kauer. Gen. Con- 
radts^ Konrads — Koenraads 
(sprich: Kon-, ostfries.) — Curdes 

— Kordes — Koerts (ostfries.) — 
Kohrs — Kauers. Patr. A. Kör- 
ting — Köhring — Kauring. — 
Patr. Zus. Cordsen — Corssen. 

Cunirih: Kühnreich — Cohnreich. 
Kuniald: Kunold — Künold; Küh- 
nelt; Kühnhold. Gen, Köhnholz. 
£inst. Kürzung Kun-. 

Kuno, Chuono, Cono: Cuno; Kühne 

— Kühne ; Khün — Kü/nne — Cone 

— Köne — Keune. Gen. Koens (spr. 
Kons , ostfries.) ; Kohnen. Patr. A. 
Kuning. — Köhns; Konen. 

Vklf. (1) Chuniüo: Kuhnle — 
Kühneü; Kühndel — Kimüe — 
Kohnle. (1 + n): Kühnlein — 
Köhnlein, (k) Chunico: Kunicke; 
Kunig — Künnecke — Könnicke 

— Köhnke — Keunecke. (Jen. Kön- 
kes. (k + 1): Kunigel. (z) Chu- 

Ueintzo, Deutsche Familien - Namen. 



nizo: Kunitz — Kunze — Cu(miz 

— Conz. Zus. Kunzmann — Hoif- 
kimtz; Jungkunz — Schmidkunz; 
Schmidkonz. (z + 1): Kunzei- 
mann — Küntzd; Künzli (Schweiz.) 

— Kienzle. Patr. A. Küntzling. 
(z + i + Q)' Küntzlin. 

Kttnn- s. Kun (einst. K.). 

Kant- s. Gund (V., einst. K.). 

Kanz-, Kfiiiz- s. 1) Gund ("einst. K.) 2) Kun 

(einst. K.). 
Kttper s. Küfer. 

Kürschner IJI. mhd. kürsenaere, vom ahd* 
chursinna, mhd. kürsen „Pelzkleid". In 
Mitteldeutschland (Sachsen) Kirschner ge- 
sprochen. 

FN. Kürschner, in älterer F. Kürssener. 
Kierschner — Kirschner — Girschner 
(s. Förstcmann Progr*. S. 8). 
Kttrsten s. Christianus. 
Kurt s. Kun (Chunrad). 
Kurzhalz III. = Kurzhals (s. Hals). 
Kflstenmacher s. Kistmacher. 
Küster s. Küster. 

Küster in. ahd. custor, mhd. kuster aus lat. 
custos (templi), urspr. Hüter des Kirchen- 
schatzes und der heiligen Geräthe , dann der 
bekannte Kirchendiener, hauptsächlich im 
protestantischen Norden noch in Geltung. 
FN. Küster. Gen. Küsters (Heinsberg). 
Zus. Küstermann. — Ohne Umlaut: 
Kuster ( Kuster mannj ; Kusterer. 

Niederd. Köster, Cöster. Gen. Kös- 
ters (Borken). Zus. Köstermann. 

Mit dem n der schwachen Bildung 
Küstner — Köstner. 
Küter lll. ein „Hausschlächter, so in den 
Garküchen schlachtet" (Frisch). In Pom- 
mern (Klemp. Kuter — „Küterthor" in 
Stralsund), Brandenburg. „Wursthof" oder 
„Küterhof", ältestes bekanntes Berliner 
Schlachthaus im 16. Jh. bei dem Heiligen- 
geist-Hospital. 
Kuttruf III. ein Trinkgefäft (S. 45). 



L. 



lach, -laclier s. Loh. 

laf a) deutsch s. Laif b) slavisch, eig. slav 
„Ruhm", wobei das s mit einem vorher- 
gehenden t zu z oder tz verschmilzt: Butz- 

11 



162 



Lafrenz 



Land 



laf (S. 6. 83). Müzlaff („Schwertruhm'*). 
Panzlaf u. a. 
Lafirenz s. Laurentius. 

Lage III. in ON. kann nach Förstemann Orts- 
namen S. 128 dem ahd. läga Lage (situs) 
etwa in der Bed. „Wohnort" entsprechen 
oder einen tiefliegenden Ort bezeichnen: 
altnord. lag Senkung des Bodens, niederd. 
leeg niedrig. Fast ausschließlich im nord- 
westlichen Deutschland. 
FN. Graflage. Kamplage. Snethlage. 
Steinlage. Weglage. 
Laiber s. Laif. 

LAIC I. wohl zu got. laikan „springen", laik 

„lied, Tanz", ahd. leih „Spiel", mhd. leichen 

„spielen" (noch in Luthers Bibel: wider den 

Stachel löken d. i. ausschlagen). 

FN. Lecard : Leichardt ; Leichert — Leikert. 

Einst. Kürzung Laie-. 

Laico: Leich — Leyck — Liehe. 
Häufiger auslautend (60 mal Forst.): 
-2icÄ; Gerlich. Qen. -lichs: Gierlichs. 
-lick: Cröttlick. 
-lach: Gerlach. 
LAIF I. zu got. laifs überlebend, ahd. leiba, 
mhd. leibe Überbleibsel; daher in Namen 
wohl den Überlebenden d. i. „Sohn" bezeich- 
nend. Berührt und mischt sich mit liub. 
FN. Leibher: Laiber, Leiber. 

Einst. Kürzung. Patr. A. Laiping: 

Leihing. 
Auslautend seit dem 4. Jh. (in 62 Namen 
Forst.) : 

1) hochdeutsch 

'leib: Isleib (vgl. nord. Isleif). 
-leb: Ortleb, Hartleb neb. -lieb, -leib. 
-lepp: Ortlepp. Garlepp (ahd. Gerleip). 

- lieb (Vermischung mit liub und Um- 

deutung): Garlieb. Taglieb. 
-lipp: Garlipp. 

2) niederdeutsch 

'lef: Eadleff. Gen. -lefs: Hedlefs. 

- laf: Rudlaflf. Sielaflf (lat. lauus, Gen. 

laui == lavi : Dytlauus, Eolauus, wäh- 
rend die slavische Silbe laf, eig. slav 
durch 'laus gegeben wird: Pribs- 
laus, Stanislaus). 
Lamb-y Lamfried s. Land (V.). 
Lamle s. Land (zweist. K.). 
Lamm- a) 1. s. Land (Y., zweist. K.) b) Lamm III. 
bes. wohl V* Häuserzeichen entnommen (S.60). 
Vgl. Konrad da? Lamb 1281. Zus. Zicklum. 



Mmml- 8. Land (zweist. K.). 
Lamp- s. Land (V., zweist. E.). 
Lamparter HI. mhd. Lampartaere „Lombarde" 
(Lamparten Lombardei). 
FN. Lamparter. Entstellt: Lampater. 
LAND I. got. land, ahd. mhd. laut „Land". 
Seit dem 5. Jh. in EN. nachweisbar. 
FN. Tjandoberht: Lambracht; Lambert; 
Lambardt — Lamprecht (im KB. 
noch 1762 Landbrecht); Lampert; 
Lamparth — Lammert — Lem- 
pert; Lemper — Lemmert; Lem- 
mer. (Jen. Lambrechts — Lam- 
mertz; Lammers — Lempertz — 
Lemmertz; Lemmers. Vklf. (1): 
Lemperle. Patr. A. Lammerding; 
Lammering. 
Landfrid: Landfried — Lamfried — 
Lempfried; Lempfert, Gen. Len- 
fers. Zus. Landfermann. 
Landohard: Lannhardt. 
Lanthar: Lander — Lender — Len- 
ter. TtUs.Lantermann. Gen. Lenders. 
Landamar: Lendemer. 
Landerich: Lendrich. Patr. A. Len- 

dei'king. 
Landoald: Landolt; Landahl. 
Landoard: Landwerth. 
(Landwig): Landwich. 
Landulf: Landolph. 
Einst. Kürzung Land-. 
Lande: Lande; Land. 

Vklf. (1): Lendel (k) : Lendeke - 
Lentge — Lenke, (z) Lanzo: Lantz; 
Lantzsch — Lenze; Lenz; Lentsch, 
Patr. A. Lansing. (z -f k) Lanziko: 
Lanzke — Lentzke. 
Zweist. Kürzung Landb-. 
Ijampo: Lampe — Lamm — Lempe 
— Lemme. Zus. Lan^ma (ost- 
fries.). Gen. Lemmen. Patr. A. 
Lamping — Lammpiga (ostfries.). 
Vklf. (1) Lampulo: Lampd — 
Lamle — Lämmle; Lemmel. Patr. 
A. Lenüing, (\ -\- v)\ LämnUein; 
Lenüin. (k) Lambico: Lamdte; 
Lammich — Lemcke; Lembke 
(Lemmeke als Vorname Katendar.; 
auch Lemke Ebeling »s Lamprecht 
E. 1400 Stark). 
Auslautend (44 mal Forst«): 
-land: Uhland» Bolandt. 



Land 



Lederer 



163 



Land HE. ahd. mhd. laut „Land^ a) in natür- 
lichem Sinne: Erde, Boden, Acker b) in 
politischem Sinne: Gebiet. Heutzutage haben 
wir im älteren Sinne Heideland, Friedland, 
Bonlanden, im neueren Holland, England, 
Deutschland. 
FN.: Holland, Saamland (das Samland 
in Ostpreußen, die Bemsteinküste). Sauer- 
land (in Westf., entstellt aus Süderland). 
Wendland (das Wendenland in Hanno- 
ver). Seeland, 
Ableitung auf -er (oberd.): 

1) -länder: Ausländer, Harländer 
(Harlanden). Holländer, Kurlän- 
der. Liefländer, Niederländer. 
Maüamder. BuMänder (0. Euh- 
land). Sauerländer. Voigtländer, 
— Bolender (0. Bolanden). 

2) -lander: Achterlander, Amer- 
lander, 

-lander 9 -ISnder s. Land III. 
Landgraf, -grebe s. Graf. 
Landsehade III. mhd. lantschade „Straßen- 
räuber" (s. Schade). 
Lange a) I. ahd. Lange zu got. laggs, ahd. 
lang „lang", b) Hl. vgl. Gott. ÜB. I.: 
Giseke unde Tyle de Langen a. 1366. 
FN. Lange; Lang (letzteres die süd- 
deutsche F., s. Münchoner Wohnungs- 
anzeiger 86 mal Lang und nur 5 mal 
Lange — dagegen in Münster 1877: 
23 mal Lange, 3 mal Lang). 
Lannhardt s. Land I. (V.). 
Lansing s. Land L (einst. E.). 
Lantennann s. Land I. (Y.). 
Lanwermejer s. Schnatmeyer. 
Lanz- s. Land I. (einst. E.). 
Lar III. nach Förstomann in ON. am wahr- 
scheinlichsten zu ahd. und altsächsisch läri 
„leer" (vgl. Öde). 

FN. V. BuUlar, Fritzlar, Goßlar, Lind- 
lar, V. UsUar, 
Lathwesen III. Satz-N. niederd. „laß sein" 
d. h. der es gehen läßt, wie es will. Auch 
Lattwesen. 
Laub- s. 1) liub (V., ernst. E.) 2) liud (V.). 
Laudert s. Liud (Y.). 

-lauer s. Loh (Nebonf. für -loher in Eisen- 
lauer u. a.?). 
Linfer III. Bedienter, der früher in beson- 
derer Livree vor dem Wagen des Herrn 
herlief (noch 1815 während des Wiener Con- 



gresses als Sitte bei den Vornehmen); doch 

auch „lauffer" zum Einbringen der Forderungen 

eines Elosters (Grimm Weisthümer III, 677). 

FN. Läufer — Lauffer. , Zus. WetÜaufer, 

Laa£f, Laumer s. Hlod (V.). 

Launhardt s. Lew. 

Lanrentius II. lat. „der Lorbeerbekränzte"; 
der h. Lauren tius, im 3. Jh. Diakon an der 
Gemeinde zu Bom, auf einem Beste ver- 
brannt. 

FN. Laurentius. Gen. Laurenti. — Lau- 
renz; Laurens — Lawrenz; Lafrenz; 
Lawerenz — Löbrentz — Lewrenz; Le- 
wer eniz — Lieher enz — Lorenz; Lo- 
rinz. Gen. Lorenzen (Schleswig). Zsgz. 
a) Lorz. Patr. A. Lortzing (s. Pott) b) 
Patr. Zus. Lohrenson; Loi'nsen c) Lenz. 
Laus s. Nicolaus. 
Laut- s. Hlod (V., einst. E.). 
Lautseh, Lautz s. Hlod (einst. E.). 
Law- 8. Laurentius. 
Leb- s. 1) liub 2) liud (V.). 
-leb s. a) I. Laif b) III. Leben. 
Leben IIL in ON. Nach Förstemann (und 
Pott, der die deutsche Abkunft dieses -leben 
mit triftigen Gründen verficht S. 488 f.) liegt 
das zu liban gehörige got. laiba, ahd. leiba, 
altsächs. leva zu Grunde, im Sinne von „Hin- 
terlassenschaft, Erbtheil". ürspr. auf -leiba, 
-leva ausgehend haben die ON. erst nach 
1100 die pluralische F. angenommen. Jetzt 
etwa drittehalb hundert deutsche ON. auf 
-leben a) in Thüringen (an der Saale, Helme 
und Unstrut) b) im nördlichen Schleswig 
und südlichen Jütland auf -leben und -lev. 
Neuere ON. wie Kuhlebon, Langesieben 
sind mit Leben (vita) zusammengesetzt. 
FN. Alsleben, von Alvensleben. Erxleben. 
Grroblehen, von Holleben. Senftleben. 
Tottieben. Wasserschieben (neben 0. 
Wasserleben). 

Mitunter verkürzt in -leb: Billeh (wohl 
aus ON. Billebon, s. Pauli 11. S. 16). 
So femer Herbstleb neben ON. Herbs- 
leben, Bingleb, Binkleb neben ON. Ring- 
leben, Witzleb neben v, Witzlehen. 
Lebereeht III. Satz-N. „lebe recht" (auch 

VN.) — doch vgl. auch Liud. 
Lebhardt s. Liub. 
-leehner s. Lehen. 

Lederer III. mhd. lederaere „Lederbereiter" 
(Gerber) s. Reichel, Marburger Gewerbe - 

11* 



164 



liedold 



Lew 



Verzeichnis Tjedrer; in München eine Lederer- 
straße. 

Ledold s. Liad (V.). 

Leeuderts s. Lew. 

Lefken s. Tiub (einst. K.). 

Lehen IIL in zahlreichen ON., woneben auch 
'lecken herläuft, theils zuahd. lehan, rahd. 
lehen „Lehen", theils zu got. hlaiv, ahd. 
hl^, mhd. le „Hügel". 

Scheint fast nur oberdeutsch zu sein, 
daher die 

FN. auf -lehtier und -lechner (bes. in 
Österreich und bei den Salzburger Aus- 
wanderern in Ostpreußen): 

Bachlehfier neben Bachlechner. Holz- 
lehner. Koherlechner, Mitterlehner. 
Mooslehner ; Mooslechner. Mühllechner. 
Oberlechner. Bosenlehner. Steinlechner. 
Weinlechner. 

Lehmann IJT. mhd. lehenman, zsgz. leman 
ein „Lehnsmann", der kein eignes Erbe hat, 
sondern eines zu Lehen trägt, vasallus; erst 
seit dem 14. Jh. statt des einfachen man. 
Einer der häufigsten N. (S. 42). — Falsch 
latinisirt Argelander (vom griech. ägyilog 
Thonerde, als steckte „Lehm" in dem N.). 

Lehn- s. Lew. 

-lehner s. Lehen. 

Leih- 8. 1) Laif 2) Lind (V.). 

Leihkttehler m. „Lebküchler", von Lebkuchen 
d. i. dünner Honigkuchen. 

Leich- s. Laie. 

Leiehnamsehneider III. ehemalige Benennung 
für „Anatom" ; im J. 1755 war (nach Vil- 
mar) Joseph L. Hof- und Burgpfarrer in 
Wien. 

Leiehtfuß III. ein leichtfüßiger, auch wohl 
leichtsinniger Mensch = niederd. Lichteuot 
(Klemp.) , auch lichtenuot (spr. - vot) ; daher 
halbniederd. Lichtfuß, 

Leid- s. Liud (V., einst. K.). 

Leiendecker III. „Schieferdecker", die Lei am 
Mittel- und Niederrhein = Schiefer (ö. 42), 
altsächs. leia, aitklevisch leve Fels. 
FN. Leiendecker j verkürzt Leidecker. 

Leikert s. Laie. 

Leinert s. Lew. 

Leip- s. liud (V.). 

Leiß s. liud (einst. K.). 

LeJt- s. Liud (V.). 

Leite III. ahd hlita, mhd. lite „Leite, Berg- 
abhang", seit dem 12 Jh. in ON. auftretend, 



jetzt in ein paar hmidert Ortsbezeichnungen 
auf 'leite, -leit^ -leiten („Birkenleiten" eine 
Stadtgegend in München); -leute, -letUen, 
die alle auch einfach vorkommen; -leden. 
FN. Achleiten. 
Viel häufiger in der oberd. Ableitung 
auf -er; 

1) 'leiter: LecMeiter. Mettenleiter, 
Sandleiter, SannetUeiter (an der 
Sonnenseite eines Berges wohnend). 

2) 'leitner: Leitner. Ächleitner. 
Bergleitner. Haberleüner, Hoch- 
leitner, Niederleitner, Oberleitner. 
Sonhleithner, Steinleitner, — 
Haglaitner. 

3) -leutner: Achleuihner. Hausleut- 
ner. Niederleutner, Schönleulner. 

-leiter s. Leite. 

Leitgeh III. mhd. litgebe „Schenkwirt", vom 
mhd. lit Obstwein. 
FN. Leitgeh; entstellt Leigöbj auch Leit- 
gebel imd Leitgeber, 

-leithner s. Leite. 

Leitseh, Leitz- s. Liud (einst. K.). 

Lemhke, Lemeke,Iieml - s. Landl. (z weist K.). 

Lemm- s. Land I. (V., zweist. K.). 

Lemmerzahl IIT. in älterer F. Lemmerzagd 
„Lämmerschwanz" . 

Lemp- s. Land I. (V., zweist. K.). 

Lemtzer, Lemser HI. verkürzt aus L^nnitzer 
(s. Koch, Saalfelder FN. aus dem 16. und 
17. Jahrb. Progr.). 

Lend-9 Lenfers s. liand I. (V.). 

Lenhard s. T^ew. 

Lenk- s. liand I. (einst. K.). 

Lennartz s. I^ew. 

Lent- s. T^and T. (V., einst. K.). 

Lentseh s. Ijand I. (einst. K.). 

Lenz s. a) I. liand (einst. K.) b) II. Lau- 
rentius. 

Leon- 8. Lew. 

Leop-9 Lep- s Liud (V.). 

Lersehmacher s. das Folgende. 

Lersner III. Verfertiger von lersen d. i. leder- 
nen Hosen, die zugleich Strümpfe und Schuhe 
vertraten (aus niederländ. leers, laars von 
„leer", Leder; noch im 16. Jh.). 

Leube s. liub (einst. E.). 

-leutner s. Leite. 

LEW erweitert LEWON L ahd. lewo und 
leo, altsächs. leo „Löwe" läßt sich nach 
Förstemann in einer Anzahl Namen nicht 



Lewald 



liub 



165 



ableugnen (z. Th. schon aus dem 5. und 
6. Jh. nachweislich: Leogisil, Levald), wo- 
durch die Ansicht, daß das deutsche Wort 
nicht aus dem Lateinischen entlehnt, sondern 
urverwandt ist, großen Halt gewinnt (s. auch 
Grimm kl. Schriften V, 499, wo der gotische 
N. Liuva als Löwe erklärt wird). 
FN. Leonard: Löwenhardt — Leonhardt; 
Leonard — Lonhardt — Lönhard; 
Löhnert — Latmhardt — Lienhardt; 
Lienert — Lirihard — Lehnhard; Leh- 
nert — Lenhard — Leinert. Gen. 
Linnartz — Lenhartz; Lennartz — 
Leenderts (ostfries.). 

Lewald s. 1) Lew 2) Liud (V.). 

Lewerentz, Lewrenz s. Laurentius. 

Lex, Lexer s. Alexius. 

Leyek s. Laie. 

Libbertz s. Liud (V.). 

Liborins IL FN. Borries ; Borges — Börries 
(S. 38). 

Liehe s. Laie. 

Liehtfaß s. Leichtfuß. 

Liekleder IIL Satz-N. „lecke das Leder", 
Spottname des Schusters. 

Lieb- s. 1) Liub (V., einst. K.) 2) Liud (V. 
Liudb-). 

Lieberenz s. Laurentius. 

Lieberkneeht; Liebeskind — Liebkneeht; 
Liebseliwager III. deutliche Zus. dritter 
Schicht. 

Liebetren IIL Satz-N. (S. 51). 

Lied- s. liud (V., einst. K.). 

Lief- s. Liud (V.). 

Lieme s. Liud (zweist. K.). 

Lien- s. Lew. 

Liep-, Lier- s. Liud (V.). 

Liesgrang: III. einer der „leise geht". Lis- 
ganck 1352. Vgl. Leisentritt. 
FN. Liesgang — Leisegang, 

Liet- s. liud (V.. einst. K.). 

Lietsehe, Lietze s. liud (einst. E.). 

Liewald s. liud (V.). 

Lilie III. Sinnbild der Keinheit (als Wahr- 
zeichen an Häusern S. 59). 
FN. Lilie, v. Lilien. Rühle v. Lilien- 
Stern. 

Limb-, Limm-, Limp- s. Lind. 

LIND I. vorwiegend zu ahd. lint, altnord. 
linni „Schlange" (noch in Lindwurm), wo- 
neben allenfalls lind Quelle in Betracht kom- 
men könnte (s. Abel S. 17). 



FN. (Lintbrecht) : Limprecht; Limpricht; 
Limpert; Limper; Limmer. Gen. 
Limbertz; Limpertz. 
Linthart: Lindart. 
(Lindher): Linder — Lintermann. 
lindoald: Lindhold. 
lindolf: Lindelof; Lindloff. 
Einst. Kürzung lint-. 
linto: LinÜhe — Lind. Gen. Lindena 
(ostfries.). 

Vklf.(k): Lindecke; Lindig. Gen. 
Lindgens. {z)lmzo: Lintz. (z+1): 
Lintzel. 
Liude III. der eigentliche deutsche Lieblings- 
baum (man sehe die Lieder der Minnesänger 
imd die Volkslieder) — im Mittelalter häufig 
Gerichtsbaum, wie noch heute Versanun- 
lungsort des Dorfes. 
FN. Linde. Lindenblatt. Lvndenlaub» 
Lindensirauß. 
Lindenkohl s. Kugel. 
Linhard, Linnartz s. Lew. 
Lint- s. Lind. 

Linth III. Escher von der linth s. S. 58. 
Lintz- s. Lind. 
Liphard s. Liub. 
Lipp- s. a) I. Liud (V., zweist. K.) b) II. 

Philippus. 
LIST I. ahd. mhd. Hst „Klugheit, Kunst" 
(list). 

FN. (listhart): Listhart. 

listhar: Lister. 

Einst. Kürzung List-. 

lista: List (Listmann). Patr. A. 
Listing, 

Vklf. (1): Listl. 
Litolf s. Liud (V.). 
litt- s. liud (V., einst. K.). 
Litzke s. Liud (einst. K.). 
LIUB I. goi. liubs, ahd. liub, mhd. liep „lieb". 
FN. liubdrut w.: Liebetrut; Liebetraut. 
Liupger: Liebcher — Lubiger — 

Liibker. 
liubhart: Liphard — Liebert — Leb- 

hardt — Laubhardt. 
Liebheid w.: Liebheit. 
liubheri: Lieber (Liebermann) — 

Lieber — Lauber. 
liupram: Lieberam; Liebram. 
liubman: Liebmann — Laubmann. 
liubirih: Liebrich; Liebreich. 
liupwart: Liebwerth. 



166 



Lind 



Lind 



Einst. Kürzung liub-. 

liubo: lAeho; Liehe; Lieb — La^ib 

— Leube, Patr. A. liubing: Lie- 
hing. 

Vklf. (1) Liubilo : Liebel — Loibl 
(bair.) — Luibl (bair.). (1 + n): 
Lieblein, (k) Liuvicho: Liehig; 
Liehice; Liebche. (k + n) Liuikin: 
Liebchen — (nied.) Lefken, 
Auslautend (45 mal Forst., worunter 

16 w.): 

-lieb: Hartlieh. Ortlieb. 
IIUD I. ahd. mhd. Hut „Volk« (Leute) viel- 
fach nur verstärkend, z. B. Liutbald volks- 
kühn, kühn vor allem Volk =» sehr kühn 
(s. Lübben , die Thiemamen im Keineke Vos 
S. 7 flF.) — seit dem 4. Jh. in EN. nachweis- 
lich. Fließt z. Th. mit Liub und Hlod zu- 
sammen. 

FN. Liutbald: Liebaldt; Liebold; Lieb- 
hold; Liebelt; Liebel — Liepold; 
Liepelt — lAppoldt; Lippelt; Lip- 
pel — Leopold — Lepold; Lepel 

— Leppelt — Luppoldt — Lubold 

— Laubhold — Leupold — iet- 
poldt; Leibhold; Leipelt; Letbel. 
Gen. Liebholz. 

Liutperaht: Liehrecht; Liebert — 
' Liepert — Lippert — Leoprecht 

— Lehert; Leber — Lübrecht; 
Luber — Lubbert — Lübbert — 
Laubrecht; Laubert; Lauber — 
Leupert — Levpert. Gen. Lieberz ; 
umgedeutet Liebherz — Libbertz 

— Lehherz — Lübbers. Patr. A. 
Leoprechting. 

Liutpot: Lippott. 

Liutbrand: Liebrand — Lübbren 

— Leibbrand; Leipprand; Lei- 
bra/nd. 

LiutMd: Lieffert; Lief er — Lefarth. 

Patr. A. Liefferi/ng. 
Liudiger: Lüdecker — Lütges* — 

Leutiger — Leidiger. 
Liudigast: Leidgast. 
Liuthard: Liethert — Luthardt — 

Luttert — Luithardt (schwäb.) — 

Ludert — Laudert — Leitert. 

Patr. A. Leiterdvng. 
Liuthari: Lieder — Luder — Luther 

Lutter — Lüder — Leuther — 

Leiter — zsgz. Lühr — Lier. Gen. 



Ludders — Lüders — Lüters — 
zsgz. Lührs — Liers — Leurs — 
Luirs (ostMes.). 

liutrod: Lutteroth. 

Liudman: Liedetnann — Littmann 

— Ludmann — Lüdemann — 
Lüttmann — Lühmann — Leu- 
ma^nn. 

Leudomar: Lu/thmer — Lummer — 
Luhmer. 

liutmod: Leihmuth. 

Liutnand: LetUenant. 

Liuderich: Liederich — Lührig, 

Liudoald : Liewald — Ledold — Le- 
wald — Ltidold — Leuthold — 
Leidhold; Leitdt. Gren. Leutholz. 

liudward: Lewert. 

Liutwin: Leutwein. 

Liudulf: Liedloff — Lüolf — Lütolf 

— Leudolph; Leutholf; LeuÜo/f 

— Leidolph; Leidloff — Leitlauf. 

Einst. Kürzung Liud-. 

Liuto, Luto: Liethe — Lude — LtUe 

— Lüdde — Leyde. Gen. Luden 

— Lwths — Lüdden — Lütten 

— Lüthens. Patr. A. Lieding — 
Leiding. 

Vklf. (i): Litti — Ludy — Lüty. 
(1): Liedl — Ludl — ioieö (bair.) 

— LuUe — Lühl. Patr. A. LüUng. 
(k) Liudiko (Vorname: Ladeke Weot 
Kai.): Liedtke; Liedigk — IMko 

— Ludke — Lüdecke; Lüdtke (mit 
langem ü) — Lücke (mit langem fi, 
s. auch Stark 69: Luke) — Lüttig; 
Lüttge — Leucke — LeidUke; 
Leidig. Gen. Liedgens — LM- 
kens — Lüddeckens — Luägens 
(ostMes.). Patr. A. Lüdeckmg — 
Lücking. Patr. Zus. Lüksen (osi- 
fries.). (k4- n) Ludechin: Lüdken 

— Lückgen — Luken, (z) linio: 
Lietze; Lietsche — Leidte; 
Leutsch — Leitze; Leitseh; Lei^. 
(z + k) Liuziko: Lüzke — LeUshe. 

Z weist. Kürzung a) Liudb-. 

Lubbo: Lupp — Lübbe. Gen. LMms. 
Patr. Zus. Lübsen, 

Vklf. (k): Lübbecke; Lilibek€, 
Lüpke. Gen^Lüpkes, (z): LMiM 

— Lippitsch, 



Lobrentz 



Lox 



167 



Zweist. Kürzung b) Liudm-. 
Lieme — Lühme — Ltitnme, Gen. 
Lümmen, 

Lobrentz s. Laurentius. 

Lod- 8. Hlod (V., einst. K.). 

Lodders s. Hlod (V.). 

LIkUng 8. Hlod (einst. K.). 

L5flf s. Hlod (V.). 

L9ffler III. „Verfertiger von Löffeln". 

Loh III. ahd. loh, mhd. loch niedriges Holz, 
„Gebüsch" (vgl. lat, lucus). In ON. Loh, 
Lohe; -loh, -lohe, auch -loch. 

PN. Lohe, V. Hohenlohe, — Ältenloh. 
Grünloh. Kirchloh. Kregeloh (Krähen- 
busch?). Mandelsloh. Niegeloh. Oster - 
loh. Wieseloh. — Van de Loo (Gel- 
dern). 

Doch finden sich auch schon altdeutsche 
PN. auf -loh, z. B. Swarzaloh 8., ver- 
muthlich der jetzige FN. Schwarzloh, 

Ableitung auf -er (oberd.): 

1) -loher: Eisenloher; Eisenlohr. 
Eschenhher; Eschetilohr. Küßfer- 
loher. Oberloher. 

2) -locher: Bärlocher. Hagenlocher. 
Haslocher. 

3) -löcher: Haslöcher. 

4) -lacher (wie in Allach, ad. Aha- 
loh „Wasserbusch"): Baierlacher. 
Bernlacher. 

L9hde s. Hlod (einst. K.). 
Lohmann, -meyer s. Loh. 
Lohmar, Lahmer s. Hlod (Y.). 
Lohrenson s. Laurentius. 
Loibl s. liub (einst. K.). 
Loidl 8. Liud (einst. K.). 
Loll- 8. Hlod (einst. K.). 
L91o£f, Lommer s. Hlod (Y.). 
Lonhardt, Unhard s. Lew. 
Looden s. Hlod (einst. K.). 
Looff, L5pert s. Hlod (Y.). 
Lorenz- s. Laurentius. 
Lorieh, L5riek s. Hlod (Y.). 

Lorinser III. aus dem Dorfe Lorüns in Yorarl- 
berg stammend (s. Gedenkblätter der Familie 
Lorinser von Dr. Lorinser 1868). 

Lorinz, Lomsen, Lortz-, Lorz- s. Lau- 
rentius. 

Lot-, Loth- s. Hlod (Y., einst. K.). 
Uther 8. Hlod (Y.). 



Lott- s. Hlod (Y., einst. K.). 

Lotsehe, LOttge, Lotz- s. Hlod (einst. K.). 

LSwe I. Hl. als König der Thiere von den 

Deutschen seit den Kreuzzügen angesehen; 

dah. beliebtes Wappenzeichen. 

FN. Löwe; Low (als jüdischer FN. häufig 
aus Lewy) — Leue ; Leu. Latinis. Leo. 
Zus. V. Löwenclau. 

LOwald, LSwenhardt s. Lew. 
Lub- s. Liud (Y., zweist. K.) — doch 
Luber s. Liub (Y.). 
Lflb- s. Liud (zweist. K.) — doch 
Lflbker s. Liub (Y.). 
Lubbert s. Liud (Y.). 
Lttbb- s. Liud (Y., zweist. K.). 
Lucas IL lat. zsgz. aus Lncanus; Lucas der 
Evangelist. 
FN. Lucas, Lukas — zusgz. Luks, Lux. 

Gen. Lucä. Südd. Patr. Luggiser (s. 

Reichel S. 23). 

Lttck- s. Liud (einst. K.). 
Lttd- s. 1) Hlod (Y., einst. K.) 2) Liud (Y., 
einst. K.). 

Lttd- 8. 1) Hlod (Y.) 2) Liud (Y., einst. 

K.). 
Lnggiser s. Lucas. 
Ltthl 8. Litid (einst. K.). 
Lahm- s. Liud (Y., zweist. K.). 
Ltthmann, Ltthr- s. Liud (Y.). 
Loibl 8. Liub (einst. K.). 
Lnit- 8. Liud (Y., einst. K.). 
Lttk- 8. Liud (einst. K.). 
Lukas, Loks s. Lucas. 
Lulfs 8. Hlod (Y.). 
Lttling, Lulle s. Liud (einst. K.). 
Lttlwes 8. Hlod (Y.). 
Lumm- 8. Liud (Y., zweist. K.). 
Lttmmen s. Liud (zweist. K.). 
Lttpke 8. Liud (zweist. K.). 
Lupp- 8. Liud (Y., zweist. K.). 
Lut- 8. Hlod (Y., ernst. K.). 
Lttt- 8. Liud (Y. , einst K.). 
Latsche s. Hlod (einst. K.). 
Latt- 8. Liud (Y.). 

Ltttt- 8. 1) Hlod (Y.) 2) Liud (Y., einst. K.). 
Lttttschwager III. zu den Yerwandtsch.-N. 

„der kleine Schwager" (vgl. Kleineidam). 

Der ponmiersche Chronist L. antikisirte sich 

in Micrelius. 

Lutz- 8. Hlod (einst. K.). 
Lux 8. Lucas. 



168 



Maag- 



MaU- 



M. 

Maagr- s- Mag (V., einst. K.). 
Maaz s. Mag (einst. E.). 
Mach- 8. Mag (V., einst. K.). 
-maeher III. in mannigfachen Zus., die aber 
größtentheils neueren Ursprungs sind: 
FN. Axmacher (Achsenmacher) ; halbniederd. 
Assenmacher. Eimermacher. Falgen- 
maeher (s. Felgenhauer). Glasmacher; 
Gen, Glasmachers (Joh. Glasmecher 1516 
Köhi. Univ.-Matr.). Grützmacher. Ka- 
helmacher. Kannenmacher. Käsemacher. 
Lademacher. Lakemacher. Lersch- 
macher. Pflugmacher. Badema^her. 
Sattelm^acher. Scharmacher (Pflug- 
schar-). Schvrmmacher. Schleiermacher. 
Schloßmacher. Schumacher. Spangen- 
fnacher. Spießmacher. Uhrmacher. 
Taschenmacher. 

Am modernsten klingt Geldm^acher 
(doch s. dies W.). 

Niederd. -maker: Kettenmaker. Kiste- 
maker (s. Kistmacher). Rademaker. 
Schomaker; Gen. Schomakers (langen). 
Tripmaker. 
Macht-, Mächt- s. Mäht. 
Mack- s. Mag (V., einst. K.). 
Mad- s. a) I. Mathal b) II. Matthäus. 
Mäd- s. Mathal. 
Maferdiug s. Mag (V.). 
MAG I. zu got. ahd. magan „mögen" d. i. ver- 
mögen. 
FN. (Magibald) : Mebold. 
Magipert: Mebert. 
Magubrant: Makebrand. 
Magafred: Meifert; Mayffarth — 

Meffert. Patr. A. Maferding. 
(Magihart) : Makart ; Makert — Ma^h- 

hard; Mamhert — Meiert. 
Magher: Mager, Maager — Macher — 
Mäker. Gen. Magers. F.A.Meiring. 
Magoald: Magold — Macklot — 
Makot — Machold; Machlett — 
Maywald; Meyhöld — Mehwald. 
Gen. Macholtz (umgedeutet Ma>ch- 
holz); Machalz. 
(Magwart): Mechwart. 
Einstämmige KürzuDg Mag-. 
Mago, Macco: Maag — Magg — 
Mack — Mache — Mech — Meeg 
— Maye. Gen. Mäken (ostfries.). 



Yklf. (1) Megüo, Meüo: Meckel 

— Mechel — Meyd; Meile. Gen. 

Meids. F&tr. A.Meäing. (1 -f k): 

MecheLke — Meüicke, (k) Magioo: 

Meicke — Mecke. (z) Magizo: 

Maa>z — Mähtz — Meitz, 

MAGAN I. Erweiterung von Mag, vgl. ahd. 

magan, megin, mhd.magen „Eraft^ — groß^i- 

theils wohl verstärkend (s. Lübben, Progr. 

S. 10). 

FN. Maganperht: Membart; Memmert 
(daraus Memmhardt). 
(Magingast): Meingast. 
Meginger: Menger — Meniger. 
Maingis: Mengis. 

Maginhard: Megenhard — Mainhard; 
Mei/nert — Mennert — Mehnert 
(franz. Menard). Gen. Meinherz — 
Meinderts; Meinders; Meints — 
Meents (die letzten vier ostfries.). 
Maganhar: Magener — Meyner — 

Mewner. (Jen. Meiners. 
Maganrad: Meinrad — Menretd. 
Magnerich: Mennrich. 
Maginold: Meinold; Meinhold — 

MevuM. 
Maginulf : Meinolf — Mendf. 
Einstämmige Kürzung Magan-. 
Magino, Meine, Menno, Mono (Stark 
51): Magen — Mahn — Meine; 
Meyn — Mewno. Gen. Heins; 
Meinen— Menen. V9.tr. k.Menimng. 
Yklf. (k) Mejneco, Menko, Minco 
(Stark 71): Manigk; Mahnke - 
Meinicke — Mäfmicke; Mekmg — 
Menneke — Menke — Minck. Gen. 
Mewniken — Meenken — Menken. 
(z) Maginzo, Meinzo: Heinz — 
Menze. Patr. A. Meming (Hen- 
sing), (z + 1): Menzel. Patr. A. 
Menzler (Oberschles.). 
Zweistämmige Kürzung Maginb-: Hampe. 
VUf. (1): Mämpd. 
Mägdefiraa III. vgl. Jungfrau (Ennm, Ge- 
schichte von Köln) , diu Nixe u. a. 
Magdolf s. Mäht. 
Magen- s. Magan (V., einst. K.). 
Mager s. a) I. Mag (V.) b) III. Eigenschafts- 
wort, vgl. lat. Macer. 
Magg s. Mag (einst. K.). 
Magister s. Meister. 
Mahl-, Mahl- s. MathaL 



Mahler 



Margoff 



169 



Mahler s. a) I. Mathal b) UI. = Maler. 
Mahn, Mähnieke s. Magan (einst. E.). 
Mahnkopf III. „Molmkopf* (halbniederd. — 
oder ist das a noch vom mhd. man, män- 
koph her erhalten?). 
Mahr- s. Mar (V., einst. K.). 
MShr- s. Mar (einst. E.). 
MÄHT I. got. mahts, ahd. mhd. mäht „Macht". 
FN. Mahtulf : Machtolf — Magdolf. 
Einstänunige Eürzung Mäht-. 
Mäht: Macht. Gen. Machts. 
Vklf. (1): MächtU. 
MShtz s. Mag (einst. E.). 
Maibaam III. ein Baum , der am Maifest auf- 
gepflanzt, geschmückt und dann von der 
Jugend umtanzt wurde (Grimm Myth. S. 738). 
Mainhard s. Magan. 
Mak- s. Mag (V.). 
Mäk- 8. Mag (V., einst. E.). 
-maker s. -macher. 

Maler a) I. s. Mathal b) III. der „Maler". 
So wird Lucas Cranach auch genannt Lucas 
Maler (S. 30). 

FN. Maler, Mahler. Zus. Bothmaler. 
MSlzer III. mhd. malzaere, melzaere „der das 
Malzgeschäft besorgende Brauknecht", auch 
schlechtweg = „Brauer" („Mälzergasse" in 
Danzig). 
Mampe, Mämpel s. Magan (zweist. E.). 
MAN I. got. manna, ahd. mhd. man der 
„Mann". In EN. schon seit dem 1. Jh. 
(Mannus Tac. Germ. 2). 

Da magan auch in man zsgz. wird, fließen 
beide Stämme in einander. 
FN. (Manhart): Mannhardt; Mannert. 
Manowald: Manold — Ma/nnhold. 
Einstämmige Eürzung Man-. 

Manne: Manno; Mann, Gen. Manns, 
Patr. A. Mawnsen, 

Vklf. (k) Mannico: Manke — 

Manncke ; Mannig, (k + n) Man- 

nikin: Mä/n/nchen, (z) Manzo: Manz, 

(z -j- 1) : Manzel, (z -f k) : Manzke, 

Auslautend (132 mal Forst.): 

-mann: Germann, Hermann, Volk- 
mann, Willmann; an Sproßformen 
angehängt : Götzmann. Gen. - mamis : 
Willmanns (auch -mens: Hermens). 
Manger III. ahd. mangari, mhd. mangaere 
vom lat. mango „Händler". 
¥if. Manger — Menger. Zus. Eisenmenger, 
Pferdemenger. Ziegenmenger. 



Manigk s. Magan (einst. E.). 

Mann-, MSnu- s. Man. 

-mann auslautend häufiger als jedes andere 
Wort und aus den verschiedensten Perioden : 
a) I. s. Man b) II. : Petermann. Eloßmann. 
c) III. Handwerks- und Standes -Namen bil- 
dend: Schumann. Elostermann. Lehmann. 

Mantel III. 1) als Eleidungsstück, ahd. roantal 
aus mittellat. mantellus. Hainrich der Lang- 
mantel, Hartman der L., Chonrat der L. 
bürgere ze Augspurch 1292, lat. Longum- 
pallium; dann auch Langenmantel 1339. 
FN. Langenmantel, Regenmantel. Roth- 
m^ntel, Weißmantel. Wintermantel, 
2) in ON. vom oberd. mantel == Fichte: 
Hengmantel. 

MAB I. meist zu ahd. märi, mhd. maere „be- 
rühmt" (vgl. das Hauptw. „Märe") — wobei 
mari „Meer" z. Th. in Betracht kommt. 
Schon seit dem 1. Jh. in Namen gebräuch- 
lich (Ingomar, Sigmar). 

FN. Meriboto: Meerhothe; Meerbott, 

(Maragot): Margott. 

Maracher : Mar er ; Marherr — Mehrer. 

Maroald: Mahrwald; Marold; Mahr- 
hold — zsgz. Mahrt — Ma/rdt — 
Marohl — Meerwald — Merold. 
Gen. Mahrholz — Mehrolz — Meer- 
holz, 

Maruin: Meerwein. 

Einstämmige Eürzung Mar-. 
Maro, Marro, Merio: Mare; Mahr — 
Marre — Mähr; Meer. Gen. 
Mehren. Patr. A. Mahlung — 
Mehring. 

VUf. (1): Marell — Märell ~ 
Merlo. (1 + n): Mahrlein — 
Meilen. (k):Mehrke. Gen. Mehr- 
ckens. (z) Marizo : Martz — Mareis. 
(z + k): Martzke, 

Auslautend (mar, mer, mir 185 mal Forst.) : 
-mar: Dittmar. 

-mer: Dittmer. Gen. -mers: Allmers. 
Mar- s. Mar (V., einst. E.). 
MSr- s. Mar (einst. E.). 
Mareh-, Marek-, Mttrek- s. Mark I. 
Marcus II. lat.; St. Marens der Evangelist. 
FN. Marals; Markes — zsgz. Marks, 
Marx (Marx als VN. im EB.). 
Marggraf s. Markgraf. 
Margoff s. Mark I. 



170 



Mark 



Matthäus 



MARK I. got. marka) ahd. marka, mhd. marke 
„Mark" d. i. Grenze, Grenzland, Bezirk (das 
eig. deutsche Wort für das aus dem Slavi- 
schen granica aufgenommene „Grenze"). Auch 
ahd. marah Eoß spielt herein. 
FN. (Marchert): Markbert. 

Marchard: MarJcart; Markert — 

Merkert. 
Marchari: Marker — Merker. 
Marcoald: Markwald; Markott. 
Marachward, Marcward: Markwart 
(Marquard); Markworth; Markwot; 
Marckord — Morqitardt — Mer- 
kord, Patr. Zus. Marquardsen. 
Marculf: Markloff — Margoff. 
Einstämmige Kürzung Marc-. 
Marc: Marco; Mark — March — 
Merke. Gen. Markes — Merks. 

Vklf. (1): Markel — Merkel — 
Märkli (schweiz.). (1 + n) : Mark- 
lein — Märcklin. 
Mark III. in ON. 1) ahd. marka s. das Vor- 
hergehende 2) abgeschMen aus „Markt" 
(vom lat. mercatus), welches sich bei etwa 
40 bewohnten 0. in Deutschland findet, z. B. 
Neumarkt; abgeschliffen Käsmark (in der 
Zips) aus Kaisorsmarkt. 
PN. von Bismarck. Freimark, von Kö- 
nigsmark. Krusemark. Schönermark. 
Uckermark. 
Mark- s. a) Mark I. b) II. Marcus. 
Markgraf in. mhd. marcgrave „Eichter einer 
Mark" d. i. eines Grenzlandes. 
FN. Markgraf; Marggraf — Margraf. 
Marquard s. Mark I. 
Marre s. Mar (einst. K.). 
Marschall in. ahd. marah -scalh eig. „Pferde- 
knecht", dann Stallmeister, dann vornehmer 
Hofbeamter, dem die Sorge für das einhei- 
mische wie für das fremde Gesinde (Gefolge) 
zu Pferde oblag , aber auch häufig die Füh- 
rung der Nachhut im Zuge und Streite — 
und so aufwärts bis zu der bekannten hohen 
Würde. 
FN. von Marschalk — Mareschall ; Mar- 
schall. Namentlich auch bei Adelsge- 
schlechtem, die dann dem Amte zur 
weiteren Unterscheidung noch den Stamm- 
sitz hinzufügten, z. B. Marschall von 
Bieberstevn. 

(In die roman. Sprachen übergeg. : franz. 
Marechal. Ital. Marescalchi Karlsruhe). 



Marstaller III. zum Marstall gehöriger Knecht 
„Pferdeknecht" (Klempin , S. 625 : marstellre 
= stalknechte). 
Mart-9 Marth- s. Martinus. 
Martiilus II. lat. „ein dem Kriegsgotte Mars 
Angehöriger" ; der h. Martinus , Bischof von 
Tours , gest. um 400 , dessen (jedenktag der 
11. November, während bei den Protestanten 
der 10. November als Martinstag zu Luthers 
Gedächtnis, der dann geboren und am 11. 
getauft, bezeichnet wird. 
FN. Martin; Märten; Marthen — Mer- 
tin; Merten. Zus. Herdemerten. Gen. 
(lat.) Martini, Marti/tvy — (deutsch) 
Marti/ns; Martens — Martins; Mar- 
tern. Zus. Martensmeyer (westf.). Patr. 
Zus. Martienssen; Martensen — Mer- 
tinsen. 

VMf. (1): Mörtel (Reichel). 
Martz- s. Mar (einst. K.). 
Marx s. Marcus. 

Maseh III. = Marsch (Marschland). FN. auch 
vollständig: Auf der Masch, Maschmeyer. 
Masuhr III. slavischer Yolksstamm der Masu- 
ren in dem südl. Theile der Prov. Preußen. 
Mat- s. 1) Matthaeus 2) Matthias. 
Math- s. a) I. Mathal b) II. 1) Matthäus 

2) Matthias. 
Math- s. Mathal. 

MATHAL I. got. mathl, ahd. madal „Yer- 
sammlungs-, Berathungs- und Gerichtsplatz" 
des Volkes (griech. äyoga). Fließt theilweis 
mit Mahal zusammen. 
FN. Madalhart: Mählert 

Madalher : Modaler; Madler — Matt- 
ier — Mädler — MaMer. 
Einstämmige Kürzung Madal-. 
Madalo, Male: Mahle — Mädel — 
Mehle; Mehl. Patr. A. McideUing; 
Madelong — MeMing. 
Matt- s. a) I. Mathal b) II. 1) Matthäus 

2) Matthias. 
Matth- s. 1) Matthäus 2) Matthias. 
Matthäus n. hehr. „Geschenk" (JehoTah's); 
St. Matthäus der Apostel und Evangelist 
(Kai. 24. Febr.). 

FN. 1) Mathätts; Maiheus; MaÜ%ees; 
Matthes; Ma4hes (in schlediterar 
Schreib. Matheß; Mattes) — MuA- 
the — Mades. Neu latinis.: Mai- 
thesius. Gen. MattMi — Matthei 
(zweisilbig gesprochen). Patr. A. 



Matthias 



Meier 



171 



Matthesing. Patr. Zus. Matthees- 
sen; Mattesen. 
2) Im Anlaut verkürzt: Thees (in Ost- 
firiesland auch VN.). Gen. Thesen. 
Patr. A. Theessinga (ostfries.). 

Zerdehnt: Thewes ; Tews {Tewes 

VN. , im KB. z. B. Tewes Wendorp 

1650). 

Berührt sich sehr nahe mit Matthias, 

so daß die FF. theilweis in einander 

fließen. 

Matthias II. hehr. „Geschenk^ (Jehovah's) 

(= griech. Theodor, lat. Deodatus); St. 

Matthias der Apostel (Kai. 24. Fehr.). 

FN. 1) Matthias; Matthia; Matthies; 

Matys; Matheis; Matthes — 

Matthix (aus der Zerdehnung 

-tthiges). Gen. Matthiae, Patr. 

Zus.: Mathiasen — Matthisson; 

Mattison; Mathießen. 

2) Im Anlaut gekürzt (Tias, Ties VN. 

in Tias Wille , Ties Bormester KB.) : 

Thias — Thies - Theis. Zus. 

Thiesmeyer, Gen, Thiesen. Patr. 

A. Thiesvng. Patr. Zus. Thiessen 

— Tissen — Theissen — Tyssen. 

— mit Abfall auch des t: Hiese. 

YW.Hiesel (der„bairischeHiesel"). 

Zerdehnt: Tieges; Tiegs — Tig- 

ges (TiggemannJ. 

Matzbeek III. der den Juden ihre „Matzen*" 

backt. 
Maud 8. Mod. 

MAUR I. wohl Maurus „ein Maure^. 
FN. (Morbrand): Mohrbrand, 

Morhard: Moorhardt; Moraht, 
Morold: Morält, 
Einstämmige Kürzung Mor-. 
Maur, Moro: Mohr (Mohr mann) — 
Möhre, Gen. Mohren, Patr. A. 
Moring — MÖhring. 

Vklf. (1) Maurüo: Morell — 
Möhrle, (k) Mohrig — Mörike; 
Marke. Gen. Mörcken. 
Maurer III. ahd. müräri, mhd. müraere. 
PN. Mav/rer — mit Umlaut Mevrer (der 
„Maurer" z. B. in Schweiz. Mundart, s. 
Pestalozzi, Lienhard und Gertrud). Gen. 
Mettrers (niederrhein.). — Niederd. 
Mührer, 
Mauritius II. lat. Ableitung von Maurus „der 
Maurische'', dem Lande Mauretanien in Nord- 



afrika angehörig. Der h. Mauritius, ein 

Afrikaner von Geburt, soll unter Diocletian 

als Anführer einer christlichen Legion mit 

seiner Schaar in Gallien niedergemetzelt sein. 

PN. Mauritz — Moritz (auch jüdisch, mit 

Anlehnung an Mo-se). Patr. A. Mo- 

ritzer (südd.). 

Maus III. die „Maus" (Gerlac. dict. Mus 1256). 
FN. Maus. Vklf. Meusel; Meuslin (der 
Mewsel, Katz gen. 1388. Andr. Meusel 
brandenburg. General -Superint. im 16 Jh., 
latinisirte seinen Namen in Musculus). 
Zus. Mauskönig. Mausehund. 

Mautner ni. mittellat. mutarius, mhd. mütaere, 
später auch mit dem n der schwachen Bil- 
dung mautner „ein Waarenzoll-Einnehmer". 
FN. Mauter (Schechel der Mawter Marb. 
Urk. 1305). Mautner. 

Mautz s. Mod. 

Maye s. Mag (einst. K.). 

Mayer s. Meier. 

Mayffarth, Maywald s. Mag (V.). 

Meh- s. Mag (V.). 

Mebes, Mehus s. Bartholomäus. 

Meeh- s. Mag (V., einst. K.). 

Meek-, Meeg s. Mag (einst. K.). 

Meen- s. Magan (V., einst. K.). 

Meer- s. Mar (V., einst. K.). 

Meerrettig III. deutlicher Pflanzen -N. 

Meersehneck III. ahd. merisnecco, mhd. mer- 
sneck Pm'purschnecke ; aber auch Schildkröte. 

Meffert s. Mag (V.). 

Megenhard s. Magan (V.). 

Mehl- s. Mathal. 

Mehlmann III. „Mehlhändler''. 

Mehn- s. Magan (V., einst. K.). 

Mehr- s. Mar (V., einst. K.). 

Mehwald s. Mag (V.). 

Meieke, Meiels s. Mag (einst. K.). 

Meier III. a) als christlicher N. aus dem 
lat. major , in dem Sinne von major villae 
oder vülicus, d. i. zunächst Aufseher oder 
Verwalter eines Landgutes. In Westfalen 
entwickelte sich das Verhältnis etwa folgen- 
dermaßen. Karl d. Gr. hatte die fränkische 
Eintheilung des Bodens in mansi auf das 
Sachsenland übertragen. Der ganze bebaute 
Boden mit allem Zubehör an Wald, Weide 
u. s. w. hieß bei den Franken lat. villai 
deutsch marka, enthaltend in der Mitte den 
Sitz des Freien (hüs) mit umliegender huobe, 
wovon die liti ihre mansi bekamen. Der 



172 



Meier 



Meier 



Haupthof (fränk. sala, später lat. curia) be- 
kam von dem Gutsherrn, wenn er selbst als 
ministerialis am Hofe oder als Krieger im 
Felde war, einen villicus, der den Herrn 
vertrat. Die Abgabe der mansi beißt census 
(Zins, vom villicus erhoben), debitum (Schuld, 
vom Schultheiß erhoben), officium (Pflicht, 
Amt, vom Amtmann erhoben). Der den 
Haupthof bewohnende Villicus war also ent- 
weder nur Wirtschafter und hatte einen 
scultetus und officiarius neben sich, oder er 
übte auch deren Bechte selbst aus. Hatte 
er mehrere Höfe zu verwalten, so hatte er 
wohl wieder einen Unter -Villicus auf dem 
Vorwerke. Seit dem 11. und 12. Jh. wurden 
die villici fast überall auf bestimmte Leistun- 
gen gesetzt , weil sie oft in den eigenen Geld- 
beutel wirtschafteten. Nun entstand bei der 
Bemeierung eine Art Lehnverbältnis , wobei 
der Herr gelobte zu schützen, der Villicus 
treu und hold zu sein. Während der Lan- 
desherr durch Vögte und Gografen richtete, 
bestand das (jemeindegericht des Villicus auf 
dem Thy häufig daneben. Manche Villici 
schwangen sich zu Kittem auf und eman- 
cipirten sich völlig, so daß die Herrschaft 
sich genöthigt sah, die Abgaben von den 
mansi selbst einzuziehen. Wo sie es konn- 
ten, zerstückelten sie daher den Haupthof 
gegen Pacht, und nun bildete sich das eigent- 
liche Meierrecht. Neue Mausen entstan- 
den durch Waldrodung, Haupthöfe wurden 
in Ketten zersplittert , bes. seit dem 14. und 
15. Jh. Die Hofbesitzer hießen nun Meier, 
welche an Stelle des Villicus Theile der alten 
Villication besaßen, oft nur auf bestinmite 
Zeit. Schließlich ward das Verhältnis doch 
allenthalben erblich; die Meier traten eben 
in Erbpacht und wurden dauernde Besitzer, 
wenn auch nicht Eigenthümer der Höfe. Das 
Eecht der Abmeierung, welches die Herren 
besaßen, war, abgesehen von bestimmten 
Fällen , wo klare Gründe vorlagen , eigentlich 
nur theoretisch noch vorhanden. 

So in Westfalen, und in Süddeutschland 
ist (nach der von Pott angeführten Stelle 
aus Goldast rer. Alem. I, 113) wesentlich 
dasselbe Verhältnis gewesen. 

Je häufiger in einer Gegend die Meierwirt- 
schaft, desto häufiger natürlich der Name. 
Ganz den Verhältnissen entsprechend ist er 
in Hannover nirgends häufiger als im Hoya- 



schen und Osnabrücldschen. Hier gehören 
die Meierhöfe meist zu den größten, weil 
die Meier, das Land der Herren bewirt- 
schaftend, leicht mehr hatten als andere 
freie Eigenthümer, zumal wenn sie Besitzer 
von Vollhöfen (heile Erven) waren. Manche 
Meier hatten ganz hervorragende Bechte in 
ihrer Markgenossenschaft. 

In OstMesland dagegen, wo die Meier 
nichts als Pächter der freien Bauern sind, 
haben sie vorwiegend die kleinsten Be- 
sitzungen. 

Was nun die Schreibweise des N. anlangt, 
so ist darin an Mannigfaltigkeit geleistet, 
was überhaupt mit so wenigen Buchstaben 
zu leisten war. An das urspr. Major, welches 
sich auch noch als FN. findet, schließen sich 
die süddeutschen FF. am nächsten an: Majer 

— Mayer, Mayr, Maier , Mair (im Mün- 
chener Adreßkal. 6(X) mal in den verschieden- 
sten Schreibweisen, doch meist mit ai, ay); 
in Norddeutschland am häufigsten Meyer (in 
Hoffmann's hannöv. Namenbüchlein : 234 ein- 
fache Meyer, darunter nur 3 Meier, 3 Mejer 

— 1 Maier, 1 Mayer) -— außerdem Meier, 
Meir; Mejer — letzteres noch heute auf dem 
Lande in Westfalen die gewöhnliche Aus- 
sprache für Meyer und Meier, im Osna- 
brückischen auch kurz Mejjer gesprochen. 
Die hochdeutsche Aussprache auch für Mejer 
war stets Maier. Erst in diesem Jh. hat 
eine Familie Mejer im Hildesheimischen auch 
die Ausspr. Mejer angenonmden, wohl um sich 
aus der allzugroßen Sippe besser aoszusondem. 
Gen. Maiers, Mayers (Österreich.) ; Mayern, 
Meyem (nach der schwachen Beugung). — 
Die übrigen Ableitungen, welche Fr. Meyer 
anführt, die Vkllf. Mayerl, Meyerlein, die 
Patronymika Meyering, Meiring erscheinen 
als zweifelhaft und dürften, bes. die letzteren, 
eher zu dem Stamme Mag I. gehören, s. da- 
selbst Magher. 

Im Osnabrückischen hängt dem N. auf 
dem Lande eigentlich immer noch der appel- 
lative Charakter an, auch wenn schon eine 
Zusammensetzung erfolgt ist. Man geht hier 
nach heutigem Sprachgebrauch noch stets 
zum Dütemeyer, man redet noch inmier von 
dem Meier zu N. Vielfach bleibt der N. 
un zusammengesetzt, bekommt aber von der 
Bauerschaft oder der Lage des Hofes einen 
Zusatz, der zum Namen gehört. Soldier 



Meter 

^liaJbzuaaimiiengPBetzten'" N. giebt es im 
OBuabrfickiBcheD eine groBe Zahl. Fr, Meyer 
führt AUS den Ämtern Iburg. FinBterau, 
Törden, Oriinonber^ WitÜiige gegen 100 N. 
dieser Art an wie : Meyer zu Atter , M. zu 
Wettrup, M. iuFarcke (aus Vorwerk ent- 
standen . woher auch M. ewtt Varwick) , M. 
zu WeghoTSt, M. zu Stockwn, M. za Alten- 
borglok — selten mit snilfim Vorwörtern: 
Meyer im Hagen. M. vorm Bohne. 

Viele der ON., die in diesen Bezeichnungen 
stecken , sind sonst völlig von der Kart« ver- 
Bchwonden ; aber der N. Ae» HoffiS hU>ibt. 
auch nachdem die giößera Bauerscliaft Jen 
ON. aufgesogen hat. Alle diese Bildungen 
sind l'urTi'rbende , mindcst-'na balbe KN , die 
zwar in der Anreil-'f..rl^'flass..Li wrlpri aber 
im liesprärh iibiir den Dritten gäng* und 
gebe sind. So kann es kommen, dal! die 
Bauerschaft GelleDbeck neben einem Mejar 
zu G. noch einen M. zu Boichsten und einen 
H. zu Spelbrink aufweist. 

Da ist es denn auch nicht zu verwundern, 

dalt sich viele wirklieiio Ziisamniensotziingeii 

finden, in deuen der Zusatz den W^ohnort 

angiebt Doch wollen wir bei Aufzählung der 

Zus. denselben üang einschlugen wie in der 

abhandebdenDarsIt'llung derFN flberbaupt. 

und demnach zuerst die Zus. mit altdeutschen 

PN. , dann die mit fremden (kirchlichen) PN,. 

dann die nach Gewerbe nnd BeschaftiguDg 

gebildeten u. s. w. aufzählen. 

i. -Mit a tdetitdchen Person -Namen: ; 

AlbertxiHet/cT. — Ahremm.,yolUiii.; ■ 

Meierarmid (Arnold). — Aiuehn., Aflm. \ 

(Anao'). Bfreniim.,'Bennirtgm.,Bein- '■ 

Jcem. (Bernhard Benno). — Gerdnn.. ' 

flerketuim. flJerhardl Henrichnm.. ] 

Heinem., Hfinzlmak-T, Henkern.; , 

Meyerhenrich heiiie^ -he7\ke (Hein-' 

rieh). — Kordem., Kohrm.; Meyer-' 

kord (Konrad), — Ottim., Otlm.,' 

(Jltenxm.. ötlm. ,- Meierotto. — Rolftm., 1 

Rotfingum. (Rudolf). - Rüpelm. (Bu- 1 

precht). — Tiem. (Thind). — Wilmnm. 

(Wilhelm). 1 

Mögen diese Brisp. genügen ! Die meisten ' 

der hierher gehörenden N. wird man erken- 1 

DMi, wenn man den altdeutacben Theil nach ! 

den in diesem Veneichnis aufgeführten alt- ' 

deutschen Stammen aufsucht. So gehört 

Badmeyer zu Bad, HiÜm. za Hild. Lüd-\ 



däcem., Lükem. zi 
Tödtem.. TtUem. : 
II. Hit kirchlichen Person - Namen : 

Chriffoffelumeyer, Sfofferm. (Cliristo- 
phorus). — Glausm. Xlußm. (Nieo- 
laua). — Dreetm.; Meyerdrees An- 
dreas). — Gaüm. (Gallus). — Johan- 
nesm., Johamiism., Jokannsm.. Johan- 
iägm., Janm ., Jfanum . , Hensdm. ; JWeier- 
hans (Johannes). Jaum, Meyerjohst 
(Jodocus). Marleiuitn. (Murtinus). 
Nedttt. (Cornelius), Pelerm. Pe- 

tTingiii.;Me'jeTpeter(Petms).— Thie,0m. 
(Mattilias). 
III. a) nach der Beschäftigung benannt, 
(vielfach erst in Städten entstanden): 

Amtmeyer (villicua, qui ofGciariusest). 
Greven) Gräfin, (manche M. waren 
Unter- Holzgrafen). Krugm.; öater- 
reitJÜBch Kretuchmayer. Schmidtiii. 
Schröderm. Schreihm. Sehulleiu. (villi- 
OUB, qui HMlltetuit est). 

(Werkzeuge und Waaren) : Eiaen- 
meyer. Glaam. Gioekem. ; niederd. 
Klockem. G'Adm. Kexeelm. Pielm. 
(Pfeil-). Fic}m. (Pfeiff, aber in welchem 
Smne?). Vaßm. 

(Kleidung) : Schürzmeyer. Stiefelm. 
Zwilgm. 

(Speise) : Biermeyer. Grützem. Milch- 

b) Nach Eigenschaften: 

Biedermeyer. Blaßm. Frohliehm. 
Grobm. Grotem. (Groß-). Heulm. 
Jungm. Kleinm. Schonern. 

c) Nach dem Wohnort: 

nach Ortschaften: AiUrmeyer (M, 
zu Atter). Bohelm. (Bökel bei Wieden- 
brück). £i/fin, (auf der Kiffe bei Osna- 
brück). Quadkeut. (früher, noch IflöO 
M. to Qiiatke in Poingdorf, Amt Grü- 
nenbei^). — Stärker verändert Kmpfm. 
(1514 noch Meyger to Empti>n llüTtU 
schon E mbttm,). Heilem, (alt Dfdiii.kni 
zu Deitinghausen). Raitenm. (H. zn 
Ratänghausen) — 

nach Plfissen: Dutemeyer (zwei 
Höfe nnweit Osnabrück, beide an der 
Düte). Eisern (umveit der Else). Hasem. 
Werrem. (im Kieise Ijjibbecke au der 
Werra) — 



174 



Meier 



Meier 



nach Bergen: Harzmeyer. Hüg- 
gdm. (im Osnabrück., am Htiggel). 

Allgemein nach der Lage des Hofes: 
Fordermeyer. Ächterm. und Hinterm. 
Mittem, ; Mütelm. ; (niederd.) Middelm. ; 
Mittermaier (ahd. mittar neben mittil). 
Endm. Winkeim. Eclcm. Kniem.; 
Kneem. CHrenzm. Schnatm. = Lanwer- 
meyer. Ohermeyer (-mayer); (niederd.) 
Overm. Hochm, — Niederm.; (niederd.) 
Nedderm. — sogar Oberniedermeyer. 

(Himmelsgegend) : Ostmeyer und 
Osterm. Westm. und Westerm. Nordm. 
(der Inhaber des „Nordhofes"). Siid- 
meyer (Sudmeyer). 

Dorfm. (das Dorf als zosammen- 
liegende Häusemiasse im Gegensatz zu 
d^i meist ganz zerstreut liegenden 
Bauerschaften, entsteht gew. in der Um- 
gebung der £irche und bildet sich haupt- 
sächlich aus wenigen alten Höfen. 

(Berg U.Thal): Bergmeyer. HOgelm. 
Höwelm. (s. Hübel). Buhlm.; südd. 
Pkhlmaier. Bültem. („Bult" kleine Er- 
höhung, bes. in Wiesen und Sümpfen). 
Brinkm. , Bringm. — Thalm. ; Thall- 
maier; niederd. Da^Zm. Schachtmeyer. 

(Wald u. Busch) : Hölzmeyer; niederd. 
Holtm. Waldm. Forstm. Buschm. 
Horstm. Lohm.; Lahm. Struckm. 
(Strauch-). 

(Haide): Heidemeyer. Niederheitm. 

(Anger und Wiese): Angermeyer. 
Wiesem.; niederd. Wischm. Driftm. 
(Triftm-). Plaggenm, („Plaggen" zur 
Düngung abgeschaufelte Basen). 

(Moor und Sumpf): Braukmeyer; 
Brokm.y Broekm. Siekm. Brühlm. 
Haarm. (Hochmoor-). Moosmair(„'hiL(m^ 
südd. = Moor). Moddem. („Modde" 
= Morast). Solm. („Soll, Sohl" kleiner 
Sumpf). Sumpm. Pßzemaier {Ffützen-). 
Kolkm. und Pohlm. 

(Wasser): Wasser^neyer ; niederd. 
Waterm, Teichm.; niederd. Dieckm. 
Seem. Brimnem. Pumpin. Bekem.; 
südd. Pachmayr. Klingm. Canalm. 
(in Emden). Brüggein.; Brückm.; südd. 
Pnickmaier, Pruggm. (österreichisch). 
Stegm, Wehrm. (Wehr im Wasser). 
Sülzem.; niederd. Sültem. (beim Salz- 
werk wohnend). 



(Acker und dessen Besdiaffenheit) : 
Kampmeyer; Kampf m. Marschm.; 
Maschm. (Marschboden). Gastm. 
(„Geest" leichterer Boden). Sandm. 
Steinm. Kalkm. Mergelmeyer, 

(UmMedigung der einzekien Hof be- 
sitzungen): Dammeyer. Wailm. Gra- 
henm. Heckem. Zawnm. Knickm. 
(„Knick" einen Eamp umgebende WaU- 
hecke). Pahlm. (Pfahl). Gatterm. (Holz- 
verschlag). Twietm. (Durchgang, bes. 
zwischen Hecken). 

(Auf den Hof selbst, seine GröBe und 
seine Theile gehend) : Hofm. (Bewohner 
der curia, des freien Hofes). VdUm. 
Heüm. (der ein „heiles" Erbe hat, VoU- 
hüfiier). Halbm. Kottm.; Kothm, (die 
K. haben nur ein Yiertelerbe oder noch 
weniger). Schünem. Scheuerm. Sta- 
delm,; Stattm. (s. Stadler). Spiekerm. 
(Spieker, lat. spicarium fester Speicher). 

d) Nach Erzeugnissen des Bodens: 

(Getreide -Arten): Gerstemeyer. Ha- 
berm. ; niederd. Haverm. Linsenmaier. 
Weitem. (Waizen). Veesenm. (Spelt). 
— Kleem, Grasmeyer, 

(Blumen, Kraut): Blom. (alt Blome- 
meyer, also „Blume"). Bosenm, Krutm.; 
südd. Krütim. Scilatm. — Pütem, 
Bethm, (Bohr s. Bied). 

(Bäume) : Birkenm.; Berkem. Buchm.; 
niederd. Bokem, ; Bökem, ; südd. Puchm, 
JDanm. (Tanne). Eichm.;mQdeird,Eickem. 
Ellerm, ; Elsm. =» Erlenm, Eschenm. 
Hesterm, (s. Heister). Lindem, Pap- 
pelm.; niederd. Pöppelm, — Kersem. 
(Kirsch-). Twiessdm. (wilde Kirsche). 
Plumm. (Pflaume). Kreikem. Nußm.; 
niederd. Nottm, Hasselm. Lid^es- 
hölderm, (Hollunder). Dornmeyer, 

Manche dieser N., bes. die von Ge- 
treide-Arten, können auch auf die Ver- 
pflichtung zu bestimmten Fruchtliefenui- 
gen hinweisen. 

e) Nach Thieren: 

(Erzeugnisse des Hofes und ihm obli^ 
gende Liefenmgen, auf dem Besitzthom 
oder in der Nahe vorkoomiend, auch 
vielleicht Eigenschaft der Person.) 

Viehm, Bockm. Stehrm. (Widder). 
Kaum. (Kuh). Oßm. Pferdem, Roßm. 



Meiert 



Metzger 



175 



Hengstm, Stutem, Ziegenm. Geißm, 
(Österreich.). Katzm, Voßmeyer. 

Gosem, (Grans). Schwanem, Bros- 
selm, Finkem. Hafkem. (Habicht). 
Falkem. Krehm.; Kreym, Kronem. 
(Kranich). Uhlem, — Bienm, Inike- 
meyer. 

Froschm. Poggenm, Krabbenm, 
Ächelkenm, (Blutegel). Eierm. Käse- 
meyer, 

f) Nach Verpflichtungen: 

Deschmeyer; JDreschm, Zinsm, 
Zehnim,; Zehetmayr (bair.); niederd. 
Tegetm,; Tägtm.; Techtm. 

Auch Kirchm, Klosterm. gehen wohl 
auf Kechtsverhältnisse, Abhängigkeit von 
geistlichen Stiftern und Personen ; ebenso 
Ahtm. Mönchm.; niederd. Mötikem. 
Papem, Prohstmeyer, 

g) Nach Berechtigungen: 

Amtm, Grafm, ÄcÄtiZicwi. (s. vorhin). 
Sattelm, (die Besitzer der sieben Sattel- 
höfe in der Umgegend von Engem rüh- 
men sich der ,Abstanmiung von Witte- 
kinds Gefährten , der in E. einst seinen 
Sitz hatte wie auch sein Grab. Bei der 
Beerdigung eines von ihnen ward — oder 
wird noch? — ein gesatteltes und ge- 
zäumtes Pferd vorangefahrt). 

Viele andere sind zweifelhaft und ge- 
statten mehrfache Deutung, manche sind 
ganz räthselhaft: Hiemeyer, Knum. 
Schiern, Zurm, Meyersamst. 
b) Als jüdischer Name (VN. und FN.) 
aus hebr. Me-ir „glänzend". Schon bei Jo- 
sephus, jüd. Krieg VI, 5, 1 wie Mi^igog; 
dann öfter in den N. von Gelehrten des 
Mittelalters , so im 12. Jh. der Bibelerklärer 
Samuel ben Meir und ein Tahnudist Jacob 
ben Meir, im 13. Jh. Meir Halevi. 
Meiert, Meifert s. Mag (V.). 
Meil- s. Mag (einst. K.). 
Mein- s. Magan (V., einst. K.). 
Meiring s. Mag (V.). 

Meister III. ahd. meistari , mhd. meister (aus 
lat. magister, ehemals „Gelehrter, Künstler*^ 
(Arzt) , später der Dienstherr gegenüber dem 
Gesellen. 

FN. Meister (vgl. franz. Lemaitre). Gen. 
Meisters (niederrhein.). Zus. Back- 
meister y Bac-, Baumeister, Bürger- 
meister, Hagemeister; auch Hagemester 



(Münster). Mühlmeister ; Miälenmeister, 
Münzmeister. Neumeister. Bentmeister. 
Bittmeister. Schulmeister. Schützen- 
meister. Wachtmeister. Wehrmeister. 
Weinmeister. Werckmdster. 

Meitz s. Mag (einst. K.). 

Meixner III. auch Meichsner => Meißner, 
einer aus Meißen. 

Meleher s. Melchior. 

Melehior II. hebr. „König des Lichtes", einer 
der h. drei Könige (s. Caspar). 
FN. Melchior; Meleher. Gren. Meleher s. 
ZusT Schneemdcher. 

Melior III. Latinis. für Besser. 

Meilen, Mellies s. Aemilius. 

Melzer s. Mälzer. 

Membart, Memm- s. Magan (V.). 

Men- s. Magan (V., einst. K.). 

Mendel s. Emanuel. 

Mengelbier III. zu den Speisen u. Getränken 
(S. 46). 

Menger s. a) I. Magan (V.) b) III. Manger. 

Menn- s. Magan (V., einst. K.). 

Mensing s. Magan (einst. K.). 

Mentzer III. „Mainzer", Mainz alt „Mentz" 
vgl. Fischart, der sich „Mentzer" nannte. 

Menz- s. Magan (einst. K.). 

Mereator III. Latinis. für Kremer (berühmter 
Geograph des 16. Jh., nach welchem die 
Karten in „Mercator's Projection" benannt 
sind). 

Merk- s. Mark I. 

Merkswohi III. Satz-N., getrennt Mercks 
wohl 1561 (Koch). 

Merlo s. Mar (einst. K.). 

Merold s. Mar (V.). 

Mert- s. Martinus. 

Meßmer s. Meßner. 

Meßner III. ahd. mesiuäri, mhd. messenaere 
aus mittellat. mansionarius d. i. Wächter 
und Hüter des iieiligen Gebäudes, „Kirchen- 
diener, Küster". Erhalten ist das ursprüng- 
liche n der ersten Silbe in der F. mensner, 
die sich noch im 14. Jh. findet. 
FN. Meßner. Schwab. Meßmer — Mößmer, 

Methfessel UI. nach Pott = „kleines Meth- 
faü", was durch die von Koch angeführten 
Formen Medtfesgen, Metfessichen , die mit 
Methfessel in derselben Form während des 
16. Jh. wechsehi, bestätigt wird. 

Metzger III. mhd. metziger „Fleischer" (in 
Süd- und auch Mittel- Deutscbl.). 



176 



Metzler 



«moor 



Metzler III. ahd. meziläri, mhd. metzeler, aus 
mittellat. macellarius „Fleischverkäufer", spä- 
ter „Fleischhauer". Jacob Mezzellere 1308, 
Cbunrad de maceUo 1200 (Bacm.). 
Metzner III. „Mühlknappe" (der das Metzen 

verrichtet. 
Meule III. niederd. „Mühle" : FN. an der 

Meuten (Geldern). 
Meurer s. Maurer. 
Meusel s. Maus. 
MeT-9 Mew- s. Bartholomäus. 
Mey- 8. Mag (V., einst. K.). 
Meyer s. Meier. 

Meyerbeer der Sohn des jüdischen Bankiers 
Beer in BerHn, wurde von einem reichen 
Glaubensgenossen , Meyer (s. Meier b.) , der 
ein Freund der Familie Beer und ein be- 
sondrer Gönner des kleinen Giacomo war, 
zum Vollerben eingesetzt unter der Bedingung, 
daß der Kleine auch den Namen seines Gön- 
ners führe. Daher „Meyerbeer." 
Meyn- s. Magan (V., einst. K.). 
Michael II. hebr. „wer wie Gott?", der h. 
Michael der Erzengel Oifenb. Joh. 12, 7 
(S. 25 — Kai. 29. Sept.). 
FN. Michotel; Michaal; Michal; Micheel; 
Michel mit den Zus. Michelmann — 
Kleinmichel. Kühmichel. Paulmichl 
(bair.) Gen. (lat.) Michaelis; Michaeli 
— (deutsch) Michaels; Michels. Patr. 
A. Micheler; Michler (oberdeutsch: 
Brieg, Saarbr.). Patr. Zus. Micha^lsen; 
Michelsen (ostfries., schlesw.). Michael- 
söhn; Michaelson (jüd. Neubildungen). 
Miehel-, Miehler s. Michael. 
Mielke s. Aemilius. 
Milb- s. MUd. 

Mileh III. in mehrf. Zus. (s. Speisen S. 46). 

FN. Fettmilch. Lautermilch (Lutermilch 

oberschwäb. 1690). Sauermilch. Süß- 

milch. Schlegelmilch ; Schleemilch ; Schlö- 

müch (Buttermilch). 

MILD I. got. milds, ahd. milti, mhd. milte 

„müd". 

FN. (Mildbreht): Mildehrath — Milbrecht ; 
Milbrodt. 

(Mildbrand) : Mildbrand — Millbrand. 
(Mildher): Milder — Milter. 
Einstämmige Kürzung Mild-. 
(Mildo): Milde. Gen. Milden. 
Millbrand s. Müd. 
Miller s. Müller. 



MUUng 8. MUd. 
Milner s. Müllner. 
Milter s. Müd. 
Mineic s. Magan (einst. K.). 
MSb- s. Bartholomäus. 
Modersobn III. niederd. „Muttersohn". 
MMig, Mohle s. Mod. 
MOB I. got. möds, ahd. mhd. muot „Muth"* 
In N. seit dem 4. Jh. 
FN. Moathard: Motard. 

Mothar: Moder — MtUher; Muth- 

herr — Müther — Mauder, 
Moderich: Mtidrich — Muthreich — 
MüUrich — Maudrich. 
Einstämmige Kürzung Mut-. 
Muodo: Mode — MoU — Mfäh — 
Müth. 

Vklf. Q): Model - Mudd - 
Miithel — Mattel — zsgz. Mohle 

— Muhl. Patr. A. MüMing. (k): 
Mödig — Mutke, (z) Mozo: Motz 

— Mutze — Mütze — Maute. 
(z + 1) : Muzel — Müteel. 

Unorganisch gebüdet: Mozart. MozeU. 
Auslautend (103 mal Forst., darunter 
aber viele w.): 

-muth: HeUmuth (HUdimod). Har- 
muth. 
MShler s. MüUer. 
MSlilmann s. Mühlmann. 
Mohn-, MSbn- s. Mun. 
Mohr-, MSlir- s. Maur. 
-mobr 8. Moos. 

Mohrenweißer III. Spottname (S. 42.). 
Moldenhauer III. „der die Mulden zuhaat". 

Auch Moldenhawer und Molleffihauer. 
Molfenter III. vom Hause übertragener N. 

(S. 60) vgl. Olfenten 1324. Holfenten 1374. 
Molitor 8. Miüler. 
Mollenhauer s. Moldenhauer. 
Moller, Malier s. Müller. 
Molner s. Müllner. 
Molter 8. MüUer. 
Mom-, Momm- s. Mun. 
Mond- s. Mund. 
Mondenschein III. „Mondschein" (in weldwin 

Sinne?). 
Mondhold s. Mund. 
Mone, Monn-, MSnn- s. Mun. 
MSnlE lU. niederd. == Mönch, in Zus. wie 

Mönkemeyer, -möUer. 
-moor s. Moos. 



Moorhardt 



Müller 



177 



Moorhardt s. Maur. 

Moos ni. ahd. mos „Sumpf, Moor", in süd- 
deutschen N. seit dem 8. Jh.; auch jetzt 
noch sehr häufig Moos^ mit mancherlei Zus. 
auf -moos. 

FN. Moos. Zus. Gruggemos — Moosbauer. 
- - Kokemoor (westf.). Ohermohr (bair.). 
Ableitung auf -er (oberd.): Moser. Breit- 
moser. Deutelmoser (bair.). Etme- 
moser (vgl. Ennenmoos in Unterwaiden). 
Kaltenmoser. Lottermoser (ostpreuß. 
d. i. salzburgisch). Bohrmoser (ost- 
preuß., vgl. Rohrmoos in Steiermark). 
Soniiemnoser (würtemb.). Stippen- 
mooser. 
Mor-9 MSr- s. Maur. 
Moras HI. über Maulbeeren abgezogener Wein 

— „mete, möraz unde win" (Nib.). 
Morgrenbesser III. Satz-N. (S. 50 f.). 
Moritz s. Mauritius. 
Morquardt s. Mark I. 
Mörtel s. Martinus. 
Moser s. Moos. 
MSßmer s. Meßner. 
Motard, Mott, Motz s. Mod. 
MSw- s. Bartholomäus. 
Mozart wohl zu Mod. Stoffel Motzhart 1551 
Augsb. Dies wohl die älteste Spur des 
großen Namens ; Mozarts Vater war bekannt- 
lich ein geborener Augsburger (Bacm.). 
Mud-, Muh] s. Mod. 

Mttlile in. der älteste und häufigste Ausdruck 
auf dem Gebiete gewerblicher Anlagen. In 
ON. gewöhnlich in der gekürzten F. -mühl 
(niederd. -möhl), daneben -mühlen (Dat. 
Plur.). 

FN. Brendemühl. SagemiHil. — Grevis- 
mütüen. 

Mit Verhältniswörtern: Tremöhlen. Uter- 
m^öhlen. Ztirmühlen. 
MUhlenkampf tll. „der vom Mühlenkampe" 

(S. 74). 
MiUiler s. Müller. 
Mahlingr s. Mod. 
Milhlner s. Müllner. 
Muhu- 8. Mun. 
Mührer s. Maurer. 
MfUdner s. Müllner. 

MUIlenmeister = Mühlmeister (ahd. muH, 

mhd. müle mit kurzem Vocal in d. ersten Silbe). 

Müller ni. schon im 14. Jh. „der muller", 

durch Angleichung aus mittellat. multor d. i. 

Heintze, Deutsche Familien - Namen. 



molitor. Erhalten ist der T-Laut noch in 
den FN. Molter, sowie in der genet. Bil- 
dung MÖlders (westf.). 
Gedehnt Mühler (Kindervers : „Mühler ist 
ein Eoggendieb, Mühlamehler Eoggen- 
stehler"). 
Mit verdünntem Selbstlauter: Miller ('die 
gewöhnliche englische F. , aber auch in 
Baiern häufig). 
Niederd. Moller — Möller — Möhler 

(Klemp. Moller, Mohre). 
Die Hauptform bleibt Müller^ die über- 
aus häufig ist (S. 42), auch in zahlr. Zus. 

1) Nach der Art der Mühle: 

Bockmüller , womit Dreimüller (Ade- 
nau), wenn anders = Drehmüller, gleich- 
bedeutend ist, da eine Bockmühle auf 
ihrem Untergestell, dem „Bock", nach 
der Windrichtung d r e h b a r ist. Grütz- 
müller. Holzmühler ; - milier (wohl = 
Sägemüller). Kornmüller. Lohmüller. 
Ölmüller ; Ohlmüller. Sagemüller 
(Varel, halbniederd. = Sägem.); Seg- 
miller. Schneidemüller. Weitzmüller; 
Weitzenmiller. Windmüller, niederd. 
Windmöller. 

2) Nach dem Standort der Mühle: 

Angermüller und -milier. Aumüller. 
Bachmüller. Bergmüller. Boi'nmüller. 
Bruchmüller, halbniederd. BrockmüUer. 
Dorfmüller, halbniederd, DorpmüUer. 
Heitmüller (Besitzer der Haidemühle). 
Kampfrnüller (s. Kamp). Klingmüller. 
Kniemöller. Mittermüller (Besitzer der 
Mittelmühle). Ohermüller. Riethmüller 
(s. Eied). Bosemnüller (Besitzer einer 
Mühle, welche die „Eosenmühle" heißt, 
z. B. im Amte Kaienberg). Seemüller. 
Stegmüller, niederd. Stegemöller. Teich- 
müller. Waldmüller. Weidemüller. 
WerdmüUer (s. Werth). Weyermüller 
(der M. am Weiher). Wiesenmüller. 

3) Nach der Zugehörigkeit (ünter- 
thänigkeit) : 

Fromüller = Frohnmüller (herr- 
schaftlicher M.). Hoffmüller. Mönke- 
möller. 

4) Nach der Beschaffenheit dos 
Müllers (oder der Mühle): 

Altmüller. Neumüller; Neumiller 
niederd. Niemöller. Freymüller. Grau- 
müller. Grünmüller, 

12 



178 



Müllner 



Nanth 



5) Mit Vornamen zus.: 

Kunzemüller; KunsemüUer, Westeh 
müller (wenn anders Westel aus Se- 
bastian). 
Die Zus. mit Möller sind im Nordwesten 
Deutschlands, besonders in Westfalen ein- 
heimisch. 
Mttllner III. ahd. mulinari, mhd. mulnaere 
der „Müller" (im Marburger Gewerbe -Verz. 
Muhier; noch 1691 bei Stieler ^der Mülbier"). 
FN. Müllner; gedehnt Mühlner — ver- 
dünnt Milner. Niederd. (Klemp. Molner) 
Molner, Hoiländ. Molenaar. 
Mummers s. Mun. 
Man -9 Mttn- s. Mun. 

MÜN I. wohl zu altnord. munr „Freude, Lust". 
FN. Muniperht: Momhert; Momber; 
Mommert; Mommer, Gen. Munt- 
mers. 
Einstämmige Kürzung Mun-. 
Muno, Menno: Muhne — Mowno — 
Mone; Mohn — Mohn. Gen. 
Mohns — Monnen. Patr. A. Mön- 
ning. 

"VTdf. (k): Muncke — Münnecke 
— Mohnike — Möhnke. 
Mund- s. Mund. 

MUND I. ahd. munt „Schutz" (vgl. Vormund). 
In EN. seit dem 3. Jh. 
FN. (Mundher): Munder — Munter 
(Müntermcmn) — Mü/rUer. 
Munderich: Munderich. 
Mundoald: Mondhold. 
Einstämmige Kürzung Mund-. 
Mundo: Mu/nte — Mund — Mondt. 
Patr. A. Mundmg — Mündmg — 
Muntinga (ostfries.). 

Vklf. (z) : Münz — Münz, (z -f- 1) : 
Mtmtzel — Münzel. 
Auslautend 144 mal Forst.) : 
-mu/nd: Emund. Gen. -mundts : Emundts. 
-mond: Hartmond. 
Mund ni. Frideric. mittemmvnde 1190. Zus. 

ChiMenmund. Lachmu/nd. 
Mundtigler III. einer aus dem rhätischen 

Orte Montiggl (aus lat. monticulus). 
Mttnster III. ahd. monastri aus lat. mona- 
sterium „Klosterkirche, Kathedrale". 
FN. Mimster. Weilmünster. 
Munt-, Munt- s. Mund I. 
Mflnter a) I. s. Mund b) III. s. Münzer. 
Münz-, Mflnz- s. Mund I. 



Mflnzer IIL ahd. munizäri aus lat. moneta- 
rius 1) Geldpräger 2) Geldwechsler. Her- 
mann Monetarius 1298. 
FN. Mimzer. Niederd. Mimter. 

Mttßigbrod III. ein Müßiggänger oder einer, 
der in Muße sein Brot ißt (Bentier?). 

Müßiggang HI. (wie Irregang) „Müßiggänger". 
Thomas M. 1447. 

Mut-, Muth-, Müth- s. Mod. 

Mutseheller lU. von Mutschelle, häufigem 
Ho&iamen in den Alpen, roman. Herkunft, 
vielleicht = mottiseUa „Hügel" (Bück S. 187). 

Mtttt-, Mutze, Mutz-, Muzel s. Mod. 

Mylius III. der ehrliche deutsche „Müller", 
nur in antikem Gewände. Eine Zus. mit 
MyUus ist Missomelius, entstellt aus Meso- 
mylius (Mittelmüller). 



N. 



Naatz s. a) Nath b) Ignatius. 
Nab- s. Nath. 

Naehbaur III. gekürzt aus ahd. nähkapür, 
mhd. nächgebür der „nah Bauende" (Woh- 
nende); noch im 17. Jh. neben Nachbar. 
Nachtigal UI. ahd. nahtigala („Sängerin der 

Nacht", von galan). 
Naek-, Näek- s. Nath. 
Nadol, Näd- s. Nath. 
NAGAL I. ahd. nagal, mhd. nagel, später 
auch zsgz. neu „Nagel". Der Glebraadi 
dieses Namens in EN. scheint sich auf die 
mythischen Schmieden zu gründen. Nagal- 
hard 8. 

FN. (Nagahich): Neilreich. 
Einstämmige Kürzung Nagal-. 
Nagal: Nagel — NaJil — Nägd — 
Neil. 

VMf. (1): Nägele; NägeU. G+n): 
Negelein; Nägelen. 
Nagel III. nach Vilmar S. 39 in m^ ab 
fünfzig FN. 
Faßnagel. Hufnagel. Kupfemagel,m&äai!d. 
Koppernagel. Nothnc^gel. Schietmagdt 
österr. Schimiagl. Silhemagel, Spam^ 
nagel. Spitznagel. Thürnagel, Deutiidli 
elliptisch: BlankewnageH. 
Nägel-, Nahl s. Nagal. 
Nahning, Nan-, Näning s. Nanth. 
NANTH I. got. nanthjan wagen, nanths k ft hn; 
ahd. nendan, mhd. nenden wagen. 



Napert 



NicolauB 



179 



FN. Nandbrecht: Nemhhard (ausNembart). 
Nandhari: Gen. Nanders. 
Nantuic: Nentwig. 
Einstämmige Kürzung Nand-. 
Nando, Nanno, Nonno: Nanne — 
Nane — Nenne — Nonne ( Nonne- 
mann). Gen. Nannen — Nonnen. 
Patr. A. Nanning — Nahning — 
Näning. — Ncmnenga (ostfiries.). 

Vklf. (i): Nanny, (1): Nendel, 
(k) : Nantke — Nancke — Nannig 

— Nennich; Nennicke — Nenke 

— Nonnig — Nöwnig. Gen. Nant- 
kes; Nantjes (ostfries.) — Nanken, 
(z): Nantz — Nenz. 

Auslautend -nand (in 30 F. Forst.): Wie- 
nand. Denant. Gen. -nands: Wienands. 
Napert s. Nath. 
Nase III. in den Zus. 

FN. Spitznase (vgl. auch Halfnase 1376). 
Langnese (Heinricus Langenase 1304). 
NATH 1. wohl zu altsächs. nätha, ahd. ginada 
„Gnade", im Sinne von helfender Geneigtheit. 
FN. Natbold: Nabold. 

(Natbert): Nähert; Naher; Napert. 
(Nather): Nather — Näther, 
(Nadold): Nadol. 
Einstämmige Kürzung Nath-. 
Nado, Nato: Nath — Näthe. 

Vklf. (1) : Nadele, (l -f- n) : Näde- 
lin. (k) : Nattke — Nacke — Näke. 
Gen. Nacken — Näckes^. (k -f- 1) : 
Näckel. (z) Nazo: Naatz. 
Nath- s. Nath. 
Nau- s. Niw. 
Neander s. Neumann. 
Neb- s. Nibul. 
Nedder niederd. „Nieder" in Neddermeyer, 

Nedderhut u. a. 
Neels 8. Cornelius. 
Negelein s. Nagal. 
Neiber s. Nid (V.). 
Neid- s. Nid (V., einst. K.). 
Neiffert s. Nid (V.). 
Neigrebauer s. Gebauer. 
Neil s. Nagal. 

Neip- 8. Nid (V.. zweist. K.). 
Neit-, Neitz- s. Nid (einst. K.)- 
Nel-, Neil- s. Cornelius. 
Nembhard s. Nanth. 
Nen- 8. Nanth. 
Neo 8. Niw. 



Nettelbladt in. niederd. „Nesselblatt". 
Neu 8. Niw. 

Neubauer III. ein „Bauer", der sich „neu" 
auf einem (vielleicht erst von ihm urbar ge- 
machten) Platze ansiedelt. 
FN. Neuhauer. Niederd. Niehuhr (Klemp. 
Niebur). 
Neubert, Neue, Neuf- s. Niw. 
Neugebauer s. Gebauer. 
Neukomm m. ein „Neuangekommener". Hans 

Nuwkomm 1393. 
Neumann III. a) I. s. Niw b) III. ein „Neu- 
angesiedelter". Als FN. sehr häufig — wie 
Neustadt als ON. — auch Proselyten-N. 
(== „neuer Mensch") , in griech. Übersetzung 
Neander (der beriihrate Kirchenhistoriker 
dieses Namens hat denselben 1806 in Ham- 
burg angenommen, als er zum Christenthum 
übertrat). 

Niederd. Nictnann (in Münster 22 Niem. 
neben nur 8 Neum.) — Niegemann — 
Nipgemann (Klemp. Nieman, Nigeman). 
Neumeister III. ein in die Zunft „neu auf- 
genommener Meister". 
Neupert, Ney s. Niw. 
Nibbe s. Nid (zweist. K ). 
Nibel 8. Nibul. 

NJCBÜL ahd. nibul „Nebel", von mythischer 
Bed. in dem altnord. Niflheimr. 
FN. Nivalus: Nihel — Nebel. Patr. A. 
Nibulung: Nieheling - Neheling; Neh- 
hmg. 
Nicl-, Nieol- s. Nicolaus. 
Nicolaus II. griech. „Volkssieger"; Nicolaus, 
Bischof von Myra in Lycien 4. Jh. (S. 26). 
FN. Nikolaus — Nikiaus (in schlechterer 
Schreibung Niicklaus) — Nicolas; Ni- 
cola — NiclaSf Nicklas, Niklaß — 
Nicol mit den Zus. Ältnikol imd Nicol- 
mann — Nickel mit den Zus. Jung- 
nickel; Kurznickel; Langnickel; Mühl- 
nickel (Nickel als VN., N. Hannemann 
1662 KB.) - Niggl (bau-.). Gen. Ni- 
colai, Nikolay — deutsch : Nickels, Patr. 
A. Nickling — Niggeler (oberd.). Patr. 
Zus.: Nikiassen. 
Mit Kürzimg im Anlaut: 
a) Klaus, Clauß, mit der Zus. Schäper- 
claus (westf.); Klause — latinis. 
Clausius, Gen. Klausen. Patr. A. 
Clausing. Patr. Zus. Jungclaus (Ge- 
gensatz: Chroßklaus); Jungclaussen. 

12* 



180 



-nick 



Nöcker 



b) Klose; Kloos, Cloos; Kloß (z. Th. 
mit geschärftem Vocal gesprochen, 
deshalb auch Kloss geschrieben, wohl 
um den Gleichlaut mit dem Appellat. 
zu vermeiden) — latinis. Clossius. 
Zus. Kloßmann, 

c) Klaß, KlaaSy Claes — Zus. Jung- 
Mas; PoggenUas (westf.); Klas- 
meyer (westf.). Gen. Claßen, Ciaas- 
sen; Glasen; Claasens. Patr. A. 
Claßmg. 

d) Durch Zerdehnung aus Klaus : Glawes 
(als Vorname Clawes und Nicclawes) ; 
Glaws; Glabs — Klages; Klagge 
(Klempin: Klags = Klawes). Zus. 
Klagemann. 

e) Durch Fortfall der beiden ersten Sil- 
ben: Laus. 

-nick III. in slavischen ON. 

PN. Jauernick. Lesnik. Büthnick. 
Ableitung auf -er (oberd.): Obornicker. 
Nicke s. Nid (einst. K.). 
Niekel-9 Nicki- s. Nicolaus. 
Nickse III. „Nixe", auf die Wassergeister der 
deutschen Mythe zurückdeutend , vgl. Johan- 
nes dictus diu Nixe 1336 Bacm. 
NID I. got. neith, ahd. nid, mhd. nit „Neid" 
d. i. feindseliger Eifer imd Zorn des Kriegers 
(Nibelungen V. 427 Lachm.). 
PN. Nidbald: Niedball — NiepoU; Nie- 
pelt — Nippold; Nippel — Neipold. 
Nitperht: Niebert, Gen. Neippertz, 

Patr. A. Nieberdi/ng, 
Nidaboto: Niepoth. 
(Nidfrid): Niefert; Nieffer — Neiffert, 

Gen. Nieferz. 
Nidgar: Nieger. 
Nidhard: Niedhardt; Nieta/rdt; Nie- 

tert — Neidthardt; Neidert, 
Nither: Nieter — Neider, 
Nidmar: Niemer — Nimmer. 
Nidrih: Niedrich — Nierich. 
(Nidolt): Neidholdt 
Einstämmige Kürzung Nid-. 

Nitho: Niete (Nietmann) — Neide; 
Neidt. Gen. Nieten — Neithen — 
Neiden. Patr. A. Nieding; Nie- 
dung. 

Vklf. 0) : Niedel — Neidel. Patr. 
A. Niedling. (1 + n): Neidlein. 
(k): Niedke — Niecke — Nicke. 
(z) Nizo: Nietze — Nizze; Nitz; 



Nitzsch (Nitschmawn) — Neüsch. 
(z-\-\): Nietzel — Nißl — Neitzel. 
(z -(- k) : Nietzschke — Nitschke — 
Neitzke. 

Unorganische Bildung: Neitzert. 
Zweistämmige Kürzung Nidb-. 
Nippo: Nippe — Nibbe — Neipe. 

Nie- III. niederd. „neu", in Zus. wie Nie- 
becker ^ Niemann, Niemeyer u. s. w. 

Nieb- 8. 1) Nibul 2) Nid (V.). 

Niebuhr s. Neubauer. 

Nieeke s. Nid (einst. K.). 

Nied- s. Nid (V., einst K.). 

Nief- s. Nid (V.). 

Niegremann s. Neumann. 

Nieger s. Nid (V.). 

Niemami s. Neumann. 

Niemer s. Nid (V.). 

Niemetz III. ein „Deutscher", poln. Niemiec. 
Auch Nimz. 

Niep-, Nierich s. Nid (V.). 

Nieß s. Dionysius. 

Niet- s. Nid (V., einst. K.). 

Nietz- s. Nid (einst. K.). 

Niggemann s. Neumann. 

Niggeler, Niggl s. Nicolaus. 

Nik- s. Nicolaus. 

Nimmer s. Nid (V.). 

Nimz s. Niemetz. 

Nipp- s. Nid (V., zweist. K). 

Nißl s. Nid (einst. K.). 

Nitsch, Nitz s. Nid (einst. K.). 

NIW I. ahd. niwi, mhd. niwe „neu (jung)". 
PN. (Niwipald): NauboU. 

(Niwipert) : Neubert; Neu/pert — • Nanh 

bert; Naupert. 
Neufred: Neufert; Neuffer. 
(Niwiman): Neumann — Naumam 
(Nau noch in manchen Landschaften 
mundartlich =» neu , s. Koch S. 18, 
der es für Saalfeld bezeugt; andi 
Bück S. 189). 

Einstämmige Kürzung Niw-, 
Nivo: Neo — Neue; Neu — Neife; 
Ney — Naue, Gen. Neyen, 

Nizze s. Nid (einst. K.). 
Noaek s. Nowack. 
Nob- s. Nod (V., zweist. K.). 
Nobbe, NSbbe s. Nod (zweist. K.). 
Nock- s. Nod (V., einst. K.). 
N9eker s. Nod (V.). 



Nod 



Öd 



181 



NOB I. got. nauths, ahd. mhd. not „Noth, 
Kampf drangsal; eifriges Streben^. 
FN. Nodbert: Nohert — Nopper. Gen. 
Noppers. 
Notakar : Nötiger — Nocker — Nöcker. 
Nothart: Nothardt. 
Nothar: Notter — Nöther. 
(Notleih): Nöthlich — Nölich. Gen. 

Nöthlichs. 
Nodulf: Nolohf. 
Einstämmige Kürzung Nod-. 
Note: Noth, Noodt — Nott — 
Nöthe. Gen. Nothen — Nöthen. 
Patr. A. Nöding — Nvding. 

Vklf. (1) : Nödei — Nötel — NoM. 
Fa.tr. A, Nöthling. (}i): Nooke, (z): 
Nootz — Notz (Notzmann); Noß. 
(z + 1): Nötzel; Nößl (z + 1 
+ n): NötzUn. (z -f- k): Notzke. 
Zweistämmige Kürzimg Nodb-. 
Noppo: Nobbe — NÖbbe. 

Vklf. (1) Nopelo : Nobel - Nopel. 
Patr. A. Nöbeling. 
Auslautend - not (28 mal Forst.) : Adnot. 
Gemoth. 
Nöd-, Nohl s. Nod (einst. K.). 
Nold-, N»ld- 8. Arin (Arnold). 
Nolohf, Nölich s. Nod (V.). 
Xolt-, Nölt- 8. Ann. 
Xon-, Nön- s. Nanth. 
Xonnenprediger III. (Pyritz) „der die Ver- 
pflichtung hatte, im Nonnenkloster zu pre- 
digen". 
Noodt, Nootz, Nopel s. Nod (ernst. K.). 
Nopper 8. Nod (V.). 

NORD I. ahd. nord „Norden", ebenso wie die 
drei andern Weltgegenden in EN. gebraucht. 
FN. Nordeman: Nordmann — Normomn, 
Norrmann. 
Nordoalt: NordahL 
Nordwich: Nordwig. 
Einstämmige Kürzung Nord-. 
Nordo: Nord, Nordt, North. Gen. 
Nor da (ostfries.). 
Vklf. '(z) : Norz. 
Normann, North, Norz s. Nord. 
Noß, Nößl 8. Nod (ernst. K.). 
Noth-, N»t-, Nott- s. Nod (V., ernst. K.). 
Nott III. niederd. „Nuß", in Nottebrock, NoU- 

meyer u. a. 
Nottebohm III. niederd. „Nußbaum". Auch 
Nottebaum, Nuttebaum (haibniederd.). 



Nöttgrer s. Nod (V.). 

Notz-, Nötz- s. Nod (einst. K.). 

Nowaek III. aus slavisch Nowak der „Neue, 

Neuangekommene" = Neumann. In seinen 

verschiedenen FF. im Osten Deutschlands 

weit verbreitet. 

FN. Nowaek; Nowag — Noadc — Nobak. 
Nttcklaus s. Nicolaus. 
Nuding s. Nod (einst. K.). 
Nttrmberger III. „Nürnberger", alt Nurem- 

berger 1507. 
Nußpicker III. vom mhd. bicken : „hauen mit 

einem spitzen Werkzeuge". 
Nuttebaum s. Nottebohm. 



o. 



-Ol) deutsch: die häufigste Endung der ver- 
kürzten Namen, jetzt meist durch das 
characterlose e ersetzt oder ganz abgeworfen 
(S. 22). 

2) slavisch: ebenfalls in verkürzten Per- 
son -N., die dann als FN. verwendet werden, 
z. B. Hanzo, Hanzko (Hantschko) von Jo- 
hannes). 

Mitunter ist auch o entstanden aus ow 
(urspr. slavische Endung für ON.) mit Abfall 
des stummen w : Fanselo , Cah , v. Plotho 
(0. Plothow), welches früher noch häufiger 
fortgelassen wurde; so findet sich in KB. 
Büto, Zastro statt des jetzt üblichen Bütow, 
Zastrow. 

Ob- s. Aud (V., zweist. K.). 

ob- s. Aud (zweist. K.). 

Obbermann s. Aud (V.). 

öbb- s. Aud (zweist. K.). 

Obenderhabighorst III. bemerkenswerther 
westfal. N., vom Wohnorte hergenommen 
(S. 53). 

Oberste in westfal. N. zur Unterscheidung der 
Genamen benutzt, z. B. Oberste -Steinhorst 
= der zu oberst wohnende St. 

Obser III. mhd. obe^aere, jetzt oberd. Obßer, 
hochd. „öbster, Öbstler". 

Ochs III. mit der VUf. Öchsle und den Zus. 
Ochsenbein und (niederd.) Ossenkop. (Doch 
Ochs vielleicht = ahd. Otgoz, 1100, Ocoz 
otler auch Otgis , beides zum Stamme Aud). 

Ock-, öck-. Od- s. Aud (V., einst. K.). 

Öd III. In Süddeutschland ungemein zahl- 
reiche ON. axd 'öd (Altenöd), -ed, -et^ -edt 



182 



Oddel 



Ort 



(Einet). Bei dem Mangel entscheidender 
alter EF. ist hierbei an got. auths, ahd. odi 
mhd. oedo „öde, leer" zudenken, falls nicht 
angols. cad, altnord. audhr „Besitz** größeren 
Anspruch darauf hat. 

FN. Ableitung auf -er (oberd., bes. bair., 
österr.) : 

1) 'öder („die Leute, die einst in der 
Öde wohnten, die Söhne der Ein- 
öde** Steub) nur in Zus.: Ameis- 
öder, Manzenöder, Schusteröder, 
Vgl. der Flachsöder 1490. 

Meist infolge der „alten Unart 
der Bajuwaren, ö und e in der 
Aussprache nicht zu unterscheiden** 
(Steub) in o verwandelt, daher 

2) Eder urspr. Oder, vgl. Albertus 
öder 1262. Ällertseder. Fisch- 
eder neben Fischöder, Greifen- 
eder, Hahereder. Haseneder. Hoch- 
eder, Kronedei', Mittereder. Moos- 
eder, Niedereder, Obereder, Per- 
maneder (= Bergmannsöder Steub). 
Boseneder, Spitzeder. Engleder, 
Herleder. Wendleder. — Lempenz- 
eder (zu ad. Lampo). Manzeneder, 
daneben Manznetter. 

3) -eter: Eppeneter, Hemeter (= 
Heimöder). Schlageter (auch in 
Ostpreußen). Weileter, 

4) -etter: Mosetter. Ohernetter. Panz- 
etter, Schar fetter (in Salzburg und 
Ostpreußen; in der Namenliste 
der Eingewanderten bei Beheim- 
Schwarzbach Schar ffitter; vgl. 
Stephan Scharffeder 1407). 

5) entstellt -ieder: Geißelsieder. 
Uutzelsieder (Steub S. 147). 

Öddel, ödingr, Oet- s, Aud (einst. K.). 
Of-, Off- 8. Aud (V., zweist. K.). 
Ofele, öff- s. Aud (zweist. K.). 
Offiier III. mhd. ovenaere „Ofensetzer**. 
Oheim III. mhd. oheim „Mutterbruder**. 
Ohl- s. 1) Aid 2) Aud (V.) 3) Othal (V.). 
öhl- 8. 1) Aud (einst. K.) 2) Othal (V.). 
Ohlenmaeher III. „Töpfer" (s. Eulor). 
Ohlenschlägrer, Öhlen- s. Öhlschläger. 
Öhlmann a) I. s. Othal b) III. „Ölhändler**. 

Latinis. Olearius (S. 63). 
öhlschläger III. „Ölpresser**. 

FN. Öhlschläger; Ohlenschläger Ohlen- 
schläger — Öhligschläger — OlUg- 



Schläger (vgl ölich Weisth. m, 296, 
niederd. Ölje; auch dänisch olie, oUe- 
slaaer). 
Ohm III. aus Oheim zsgz. mhd. öme „Oheim** 
(Ohm auch ein Zunftgenoß bei den Münzem, 
desgl. Ohmschaft = sodetas monetariorum). 
Ohm- s. Aud (zweist. K.). 
Ohm- s. Aud (V., zweist. K.). 
Ohnesorge III. vgl. Gremod dict. Anesorge. 
Daher noch jetzt Ansorg, 

Ohr III. in den Zus. Langohr; Weihelohr 

(„Wackelohr**). 
Ohrt s. Ort I. 
Ohst s. Aust. 
ökert s. Aud (V.). 

Ol- s. 1) Aid 2) Aud (V.) 3) Othal (V.). 
öl- s. Othal (V., einst. K.). 
Olböter III. niederd. „ Altbtißer d. i Altflicker** 

(in Stettin ein „Olböterberg**). 
Olde s. Aid. 
Ölhafen III. FN. v. Ölhafen (mit einem ölkrug 

im Wappen, Pott S. 654). 
011- s. Aid. 

ÖU- s. Othal (V., einst. K.). 
OUigschläger s. öhlschläger. 
Olt- s. Aid. 
Omeis s. Ameis. 
Ömering s. Aud (V.). 
Omm- s. Aud (V., zweist. K.). 
Oost s. Aust. 

Op- s. Aud (V., zweist. K.). 
Opderbeek III. niederd. = ob der Beck „objar- 

halb des Baches**. 

Opfermann III. „der das Kirchenopfer in 
Empfang nimmt** = Küster, Mher allgemei- 
ner in Niedersachsen, jetzt noch in Braun- 
schweig (Hofl&nann). 

FN. Opfermann. Offermawn (vgl. Opfer- 
geld und Offergeid). Niederd. Opper- 
mann (doch s. auch Audeberht). 

Opp-j öpp- s. Aud (V., zweist. K.). 
Oppermann s. a) I. Aud (V.)^b) III. Opfe^ 

mann. 

OptenhSgel III. niederd. ,^auf dem Hügel**. 
Orhan s. ürban. 
Ord- 8. Ort I. 
Ornold s. Arin. 
Ort-, ort 8. Ort I. 
-ort in ON. s. Ort UI. 
ORT I. ahd. mhd. ort „Schärfe, Spitze**, bee. 
des Schwertes und Speeres. 



Ort 



-ow 



183 



FN. Ortgis: Ortgies. Gen. Ortgiesen. 
Ortlaip: OHleb; Ortl&pp; Ortlöpp. 
Ortiiub: Ortlieb. 
(Oitman): Ortmann, 
Ortolt: Ortelt — Örtelt 
Ortwin: Ortwein. 
Ordulf : Ordolff — Ortloff, 
Einstämmige Kürzung Ort-. 
Ort: Ort, Orth — Ohrt. 

Vklf. 0): Ortel — Örtle; Örtel 
Patr. A. Orthlvng. 
Ort in. in ON. a) „Vorgebirge" (z. B. Brüster- 
ort an der ostpreußischen Küste) b) „Winkel", 
bes. bei Flußmündungen (z. B. Ruhrort). 
FN. aufjTm Ordt. Ruhrort, v. Scharfen- 
ort. Stevnort. Vierordt. 
Os-, Oß-, ös- s. Ans. 
Oß III. niederd. „Ochse", in Ossenkop^ Oß- 

meyer u. a. 
Oschhey III. mhd. eschheie „Hüter der Feld- 
flur, Flurschütz". 
Oslander III. von einem fränkischen Schmiede 
Hosemann abstammend und halb vergriecht, 
„so daß die Hose, freilich ohne Asper, daran 
hängen bUeb" (Pott, S. 38). 
Ost-, Ost- s. Aust. 
Oster-, Öster- s. Austar. 
Oster III. vom Umstandsw. ahd. ostar, mhd. 
öster „ostwärts, östlich", in mannigfachen 
Zus.: Osterhrink; Osterbrauk (-bruch); 
Osterkamp — Ostermeyer u. a. 
Ostertag III. zu den Zeitnamen (s. Tag) ; vgl. 

Grav Friedrich zolr der Ostertag 1315. 
Ot-, Oth-, öt- 8. Aud (V., einst. K.). 
OTHAL I. ahd. nodal, odhü „Erbgut; Hei- 
mat". Vgl. Aud und Ed. 
FN. Odalbreht: Ohlbrecht — Ölbracht — 
Ulbrecht; Ulbricht; Ulher (lHber- 
mann). Gen. Olbertz; Olbers — 
Ulpis (ostfries.). 
Odalfrid: ülfert Gen. Olfers — 

Ulifers, 
Odalgar: Ölker. Gen. Ohlckers. 
Odalgart: Ölgard; Ölgarte. 
Odalhart: Ohlert — Ölhardt; Öhlert. 
üodalhari: Uhler — Ulherr, Gen. 

Ohlers — Ollers, 
Odolleip: Olepp. 
Odolland: Ohland — Uhlanid, 
Uodalman: Öhlmann — Uhlmann — 

UUmarm, 
üodahnar: Ullmar, 



üodabich: Olerich — Ölreich — 
ÖUrich — Uhhich — Ulrich; 
Uldrich; Ullerich. Gen. 0hl- 
richs — Ulrichs, Patr. A. Öhler- 
kvng, 

Odalwin: Ohlwein — Ölwein. 
Einstämmige Kürzung Othal-. 

Udilo: Ule — Ühle, Gen. Uhlen, 
VUf. (i): Hochuli (Schweiz.). (1): 
Olke — Öllig — Uhlig — Ullich. 
Gen. UuTkes (ostfiries.). (z) : Uhlitzsch 
— Ultzsch, Gen. Öltzen. 

ötz- s. Aud (einst. K.). 

-ow in. in urspr. slavischen ON., die eigent- 
lich besitzanzeigende Eigenschaftswörter auf 
owy, owa, owo sind, den von dem Namens- 
träger gegründeten oder besessenen Ort be- 
zeichnend. So bildet sich von dem N. Grab 
(Weißbuche) das Eigenschaftswort grabowy, 
-a, -0, welches nun* mit Ergänzung eines 
Hauptwortes wie was (weibl.) = Dorf, mjesto 
(sächl.) = Stadt zum ON. gestempelt wird, 
also Grabowa, Grabowo (= „der Grab'sche 
Ort") , Viduchowa „der Widoch'sche Ort (vom 
PN. Vidoch) — Formen, die sich in slavi- 
schen Gegenden noch häufig finden, während 
in den schon länger germanisirten Land- 
schaften des nordöstlichen Deutschland der 
Endvocal abgefallen imd die Endung ow (mit 
stummem w, das auch mitunter in der Schrei- 
bung fortgefallen s. o) herrschend geworden 
ist: Grabow, Fiddichow. 

Daher nun die vielen ON. — von Städten, 
Dörfern, auch Flüssen, z.B. Wamow — auf 
ow, deren im östlichen Deutschland Legion 
ist , und die fast ebenso große Fülle der von 
ihnen entlehnten FN. auf ow (z. B. in Stolp 
im J. 1864 unter 1800 Namen über 50). 

FN. Buckow (spr. Buko). Bütow, Grabow. 
Massow, Passow. Quednow, Strippen- 
tow. Vangerow — nicht minder viele 
Adels -N.: von Below, von Bülow, von 
Krockow. von Lettow, von Massow. 

Häufig finden sich kleine Abweichungen 
von den bezüglichen ON.: Duchrow (0. 
Ducherow). Münchow (0. Mönchow). Strö- 
low (0. Strelow) — mitunter auch bedeu- 
tendere wie Leitzow (0. Lewezow, welches 
im Volksmunde in Leitzow zsgz. wird). 

Ableitungen auf -er sind selten, da sich 
diese Endung nicht bequem anfügt; nur in 



184 



Fabst 



Penke 



modern jüdischen N. wie Bojanower (von 
Bojanowo) scheint sie sich zu finden. 

Häufiger sind Latinisirungen auf ovius, 
aus der Zeit der Eenaissance stammend 
(S. 62) : Ciborovius. Gregorovius. Gusovius. 
Nicolovius — z. Th. mit sehr wenig latei- 
nischer Schreibung : Bülowius. Wannowius. 

Nicht selten ist die E. ow bei den ON. 
oder den daher entlehnten FN. in au über- 
gegangen, wodurch dem Namen ein mehr 
deutsches Gepräge gegeben wird: Grahau, 
als wäre es eine rein deutsche Zusammen- 
setzung. So entspricht der FN. Gunitau 
dem ON. Gumtow, Treptau dem ON. Trep- 
tow; umgekehrt NipJcow == dem ON. Nip- 
kau. Aus manchen ON. sind auf diese Weise 
zwei FN. hervorgegangen, z. B. aus ON. 
Lossow die FN. Lossow und Lossau. Beide 
Endungen, ow und au, wechseln eben außer- 
ordentlich leicht mit einander, und früher 
verfuhr man noch willkürlicher darin. So 
wird im Stolper KB. der fürstlich Croy'sche 
Eentmeister Va/nselow auch Vanselou ge- 
nannt, z. B. im J. 1647, dagegen 1651 wieder 
Va^selow. In manchen Städtenamen sind 
diese Endungen noch im Kampfe, z. B. Span- 
dow und Spandau, Prenzlow und -au; letz- 
tere sollte hier vorgezogen werden, damit 
auch der Name dieser seit Jahrhunderten 
deutschen Städte den deutschen Lautgesetzen 
entspreche. 



P. 



Pabst III. mhd. bähest aus griech. lat. papas. 
FN. Pabst - Babst (S. 42). 

-pach, -pacher s. Bach. 

Pächter III. neueren Verhältnissen entstam- 
mend, daher als FN. sehr selten. 

Padelt 8. Bad (einst. K.). 

Päder s. Bad (V.). 

Pagel s. Paulus. 

Pagrenstecher III. der die schlechten Pferde 
(niederd. Pagen) absticht, „Abdecker". 

Pahde s. Bad (einst. K.). 

-paintner s. Bund. 

Paldramus s. Bald (V.). 

Pälegrimm s. Pilgrim. 

Pammer s. Bad (V.). 

Paneratius II. griech. der „Allherrschende" 
(Kai. 12. Mai) -— Mamertus, P., Servatius 



die drei sogen, „strengen Herr^'^, wdche 
die späten Frühlingsfroste bringen soüm. 
FN. Pongratz — (mit Kürzung im Anlaut): 
CraZy KrcuUz (doch schon ahd. ein 
Chrazo). 

VMf. (oberd.) Krätzel^ latinis. Cre- 
celius; (niederd.) Kratzke (mit lan- 
gem a). 
Pand- s. Band. 
Pankoke s. Pfannkuch. 
Paun-, Pantseh, Panz s. Band. 
Pape 8. a) I. Bad (zweist. K.) b) III. Pfaffe. 
Papinga s. Bad (zweist. K.). 
Papke s. a) I. Bad (zweist. K.) b) III. Pßaffe. 
Päpke s. Bad (zweist. K.). 
Pastor m. lat. „der Hirte", Pfarrer. FN. 

Gen. Pastoors (Qeve). 
Pathe, Pät- s. Bad (einst. K.). 
Patseh, Patz- s. Bad (einst. K.). 
Pauek s. Baug. 
Pauel- s. Paulus. 
Pauer s. Bauer. 
Pauker III. mhd. pükaere „Paukenschläger'^. 

FN. Paucker; mit Umlaut Peucker. 
Paulus n. lat. „der Kleine"; St. Paulus, der 
Apostel. (Kai. 25. Jan. 29. 30. Juni.) 
FN. Paulus; Paul (Paulmavm). Gen. 
Pa%di^ Pauly — Pauls; Patiels (ost- 
fries.). Patr. A. Paxüing — Pauler (Öster- 
reich.). Patr. Zus. Paulsohn; PaiUsou; 
Paulsen; Pauelssen (ostfnes.) — in dan- 
selben Sinne Kleinpaul, 

Niederd. zerdehnt: Pa^el — Pavod, 
Pavel (Pagel als VN. im KB. z. B. 
Pagel Gustman 1692; Pagel Dobrenze, 
sonst Paul Dobrantz — pawel glasoaap 
1518 Klemp.). Gen. PageU — Powds. 
Paur s. Bauer. 
Pav-, Paw- s. Paulus. 
Pecht- s. Beraht (V., einst. K.). 
Ped- s. Petrus. 
Peldram s. Bald (V.). 

Pelikan III. zeichnet sich nach dem Glauben 
des Alterthums (s. AeUan 3, 25) vor allen 
Vögeln durch die liebe zu seinen Jimgen 
aus, die er mit seinem Blut ernährt, nnd 
wenn sie todt sind, zu neuem Leben erweckt 
Daher in der christlichen Mystik ein Büd 
für den Heiland, der durch sein Blut die 
Welt zu neuem Leben erweckt hat. 
Pelzer III. mhd. belzer „Pelzhändler", 
Penke, Penneeke s. Berin (einst. K.). 



-perg 



FfretzBchner 



185 



-pergr, -pergrer s. Berg. 

Peringr s. Ber (einst. K.). 

Perl- s. Ber (Y., einst. K.). 

Fem- 8. Berin (V.). 

Person s. Petrus. 

Perthes, Pertsch, Pertz s. Ber (einst. K.). 

Petersilje III. deutlicher Pflanzen -N., von 

Vilmar als neu bezeichnet. 
Pethke s. Bad (einst. K.). 
Petrus 11. griech. „Fels, Felsenmann", Über- 
setzung des hehr. Kephas; St. Petrus, der 
Apostel, mit eigentlichem N. Simon (Kai. 
18. Jan. 29. Juni. 1. Aug.). 
FN. Peter (Petermann) — Petter. Zus. 
Brüggenpeter. Gen. (lat.) Petri, Petry 
— (deutsch) Peters — Petters — Pie- 
ters (ostfries., vgl. holländ. Pieter). Patr. 
A. Petering. Patr. Zus. Peter sson; 
Peter ssen ; Peter son ; Petersen — niederd. 
Pedersen — vereinzelt PetriJdnd. 

Durch Zusammenziehung aus urspr. 
Pederson: Person; Pierson {vgl. schwed. 
Per, englisch Pearson) — entstellt Per- 
söhn. 

Anderweitige Zus.: Kleinpeter. Groß- 
peter (franz. Grandpierre). Gravpeter. 
Peternieier. 
Petter s. Petrus. 
Petz- s. Bad (einst. K.). 
Peucker s. Pauker. 
Pfab s. Kau. 

Pfaffe in. ahd. pfaffo, mhd. pfaffe aus lat. 
papa der „Geistliche" und zwar „Welt- 
priester", seelsorgender Geistlicher im Gegen- 
satze zu dem Klostergeistlichen imd dem 
Laien — erst bei Lutlier und Aventinus 
(t 1534) in verächtlichem Sinne. Den Über- 
gang zum FN. weisen Benennungen auf wie 
Wemher dictus Paffe 1284; Heinrich des 
Pfaffen sim (Bacm.). 
FN. Pfaff. Niederd. Pape; latinis. Pa- 
pius. Vklf. Paplce (doch s. auch Bad). 
Pfannenschmid III. s. Schmid (in Colberg 
heißt eine ganze Straße auf der Münder Vor- 
stadt „Pfannschmieden", weil hier ehemals 
die Pfannen zum Salzsieden geschmiedet 
wurden). 

FN. Pfannenschmidt; vorkürzt Pfann- 
schmidt. 
Pfannkueh III. s. Speisen S. 46. Niederd. 
Pankoke, vgl. Pangkoke 1369 Braunschw.) 
Pftttehenhauer, Pfatten- s. Pfettenhauer. 



Pfau III. ahd. phäwo, mhd. phawe „Pfau" 

aus lat. pavo). Otto dictus pavo 1300. Jörg 

Pfauenschwanz 15. Jh. 
Pfauw s. Pfau. 
Pfeffer III. eine Brühe zu Fleischspeisen, 

wegen der starken Gewürze so genannt (jetzt 

noch „Hasenpfeffer"). 

Pfeffersaek III. der alte Spottname der Kauf- 
leute. Niclas pfeffersak 1419. (S. auch 
Goethe's Götz, Akt 3, Sc. 1: „Wenn ein 
Kaufmann einen Pfeffersack verliert" u. s. w.) 

Pfeifer III. ahd. pfifäri, mhd. pfifaere, pfifer. 
FN. Pfeifer, Pfeiffer (Pfeuffer) — Pfyffer 
(Schweiz.). Niederd. Pieper, Piper. 

Pfeilsehifter s. Pfeilsticker. 
Pfeilstieker III. „der die Stecken für die 
Pfeile macht". 

FN. Pfeilsticker; Pfeüstöcher. Niederd. 
Pielsticker. Auch Pfeilsehifter (von 
Schaft, 8. Marb. Verz. der Gewerbe: 
Pfeüschifter). 

Pfennig III. s. Münznamen S. 45, ahd. phan- 

tinc (von phant Pfand), mhd. pfenninc 

„Pfennig" (doch häufig in allgemeinerer Bed. 

= Geld, Geldsumme, wie noch jetzt in 

„Mutterpfennig", „Sparpfennig" u. a.). 

PN. Pfennig — mit mehrfachen Zus. : Bao'- 

Pfennig. Bedepfennig. Weißpfennig. 

Wucherpfennig mit seinem Gegentheil 

Schimmelpfennig. 

Pfettenliauer III. der „die Querbalken eines 
Hauses zuhaut" (Andresen). 
Als FN. in mannigfachen FF.: Pfatten- 
hauer — Pfotenhauer — Pfötkenhauer ; 
PfötcJienhatier — Fetkenheuer — Fittig- 
hauer. 
Pfenffer s. Pfeiffer. 
Pflster s. Pistor. 
Pfleiderer s. Pleitner. 
Pflug III. vgl. Eberhardus dictus Pfluoc 1294. 

Zus. Keilpflug. Stellpflug. 
Pflttger III. niederd. Plöger — Pleuger. 
Pförtner IH. mlid. portenaere (mittoUat. por- 
tenariusj. 

FN. Pförtner; bes. bomerkenswerth Pfört- 
ner von der Hölle, ein schlesisches 
Adelsgeschlecht. Niederd. Pörtner. 
Pfotenhauer, Pfötkenliauer s. Pfettenhauer. 
Pfraumbanm III. „Pflaumbaum" mhd. phrüm- 

baum (neben pflümboum) vom lat. prunus. 
Pfretzseliner III. „Kleinkrämer" (Österreich.). 



186 



Pfuhl 



Pommerenke 



Pfahl m. mhd. phuol ans lat. palus „Pfuhl^. 
In ON. seit dem 9. Jh., doch mehr ver- 
einzelt; niederd. -pohL 
FN. Pfuhl. Lehmpfuhl. Niederd. (rat*se- 
pohl (Gänsepfnhl). Hvmd^pohl. Otter- 
poM. Cattepoel (Katzen-). 

Pfyffer s. Heifer. 

Philippus II. griech. „Roßfreund" ; St. Phi- 
lippus a) der Apostel b) der Almosenpfleger 
Apostelg. 6, 5. 8, 26 ff. 
FN. Philipp. Gen. (lat.) Philippi — 
(deutsch) PÄiZtpIpew ; Phüipps; Phillips 
(wo das s jedoch auch vom Nom. her- 
rühren kann, vgl. philipps Sunnenbuch 
1490 Klemp.). Patr. Zus. Phüippsen; 
Philippsohn; -son (die beiden letzten 
jüngere Neubildung, jüdisch). 

Mit Kürzung im Anlaut: lAppus; 
LippSf Lips (so redet z. B. Johann von 
Leyden in einem Schreiben den Land- 
grafen Philipp von Hessen „myn lewe 
Lips" an). 

Pichler, -piehler s. Bühel. 
Piehlmaier III. „der Meier auf dem Bühel" 
(s. Bühel und Meier). 

Piel- 8. Bil (V., einst. K.). 
-piel 8. Bühel. 
Pielsticker s. Pfeilsticker. 
Pieper s. Pfeifer. 
Pierson, Pieters s. Petrus. 
Pilartz s. BU (einst. K.). 
Pilger, Pilgram s. a) I. BU (V.) b) III. 
Pilgrim. 

Pilgrlm III. mhd. bilgerin aus lat. peregri- 
nus. Schon 1245: Porogrinus. 
FN. Pilgrim — Palegrimm; auch Pil- 
gram. — Pilger. Das mhd. b noch in 
Billger, (schwäb.) Bilgeri (doch s. auch 
Bil). 

Piller s. Bil (V.). 

Pilz, PUzing s. Bil (einst. K.). 

Pinder s. Binder. 

Pinkepankin. Spottname f. einen „Schmied". 

Pistor III. Latinisirung für Becker (schon 
1340 im Gott. ÜB. als FN.) ; verlängert 
Pistorius, wovon der Gen. Pistory. Wieder 
umgedeutscht P fister ; P/isterer (stidd.), 

Planek s. Blank. 

Plater, Platner III. a) mhd. blatenaere, 
platner „Vorfertiger derblate", einer Schutz- 
waffe, die vor der Brust über der hals- j 



perge getragen wurde (vgl. „Platnergasse" 

in Prag) b) „Pfaffe" von der Tonsar. 

FN. Plater. Platner — Plattner, auch 

Blattner. Mit Umlaut: Plettner (Klem- 

pin: plctener = harnischmester) — 

Plöttner (Koch, Saalfelder FN.). 

Platzfaß III. „Plattfuß" (S. 50); niederd. 
Plattfaut 

Pleitnef UI. „der die Bleiden d. i. Wurf- 
maschinen (mhd. bilde) bedient". Auch 
Pfleiderer. 

Plettner s. Plater. 

Pleuger, Plöger s. Pflüger. 

Plitt s. Blid. 

PlOniiies s. ApoUonius. 

Plttm- s. Blom. 

Plambohm III. niederd. „Pflaumbaum". Vgl. 
Pfraumbaum. 

Pobel s. Bod (zweist. K.). 

Poddig s. Bod (einst. K.). 

Pogge III. niederd. „Frosch" (Padde), vgl 
ON. Poggendorf , Poggenkrug; Paddewisch. 
FN. Pogge. Poggenmeyer. 

Pohl III. niederd. „Pfuhl" — in Zus. wie 
Pohlkamp; Pohlmeyer; Pohlschröder — 
Gausepohl s. auch Pfuhl. 

Dagegen der einfache N. PoM wohl meist 
zu Paulus. 

Pohland III. älterer N. für „Polen". 

Pointner s. Bund. 

Poll- s. Bald (V., einst. K.). 

PoUaek lU. ein „Pole". 

Peilender III. ein „Pole", von Poland = 
Polen. 

Poltrock s. Bald (V.). 

Polz, Pölzl s. Bald (einst. K.). 

Pommerenke III. ein „alter, ehrlicher Pom- 
mer" (Geisheim S. 78); wohl aus dem lat 
Pomeranus mit der niederd. Yerkleinenrngs- 
endung. Nebenff. Pommrehn; Pammere- 
ning; Pomränig — Pommerienken (Gen., 
ostfrios.). Der Chemnitzer Bector Hager 
sagt in seiner „Ausführlichen Geographie', 
Chemnitz 1747 Th. II. S. 1058 von den 
Einwohnern Pommerns: „Die Einwohner 
sind nunmehro redliche Teutsche , nachdem 
die Wenden daraus vertrieben worden sind. 
Der Vorwurff, welcher ihnen wegen der 
Grobheit gemacht wird, rührt ohne Zweifel 
von ihren Feinden her. Und wenn aveh 
die Erzählung von einem groben Pom- 
m e r i n k e n wahr wäre , welchen der Henog 



Pomränig 



Qnittmann 



187 



Bogislaus dem Eayser Bndolpho II. auf 
Begohron geschicket haben soll, so gereichet 
selbige den Pommern nicht zum Nach- 
theUe". 

Pomränig s. Pommerenke. 

Pongratz s. Pancratius. 

Pop- s. Bod (Y., z weist. K.). 

Popp-, P((pp- s. Bod (zwüist. K.). 

Portugalini. Länder -N. — vielleicht auch 
von einem Gasthofe („König von Portugal") 
übertragen. 

Potel, Poten s. Bod (einst. K.). 

Potgieter s. Pottgießer. 

Pothe, Pott s. Bod (einst. K.). 

Pöttcher s. Bötticher. 

Pötter s. Töpfer. 

Pottgießer III. halbniederd. = „Topfgießer" 
(der eiserne Töpfe gießt). 
FN. Pottgießer. Ganz niederd. Potgieter 
(vgl. Potgieter 1481 Köln. Üniv.-Matr., 
Potgeter 1518 ebenda). 

Pottke s. Bod (einst. K.). 

Powels s. Paulus. 

Pracht- 8. Beraht (einst. K.). 

Pracht- s. Beraht (V., einst. K.). 

Pramschiefer III. wie die ältere F. Pram- 
schüver (KB.) beweist, s. v. a. „Prahm- 
schieber", der einen Prahm (großes, flaches 
Boot) auf dem Flusse schiebend fortbewegt. 

Pranckh, Prantl, Prantz s. Brand. 

Prätorius IIL „Schulze" in der Toga (Gott- 
schalk Schnitze, lat. Abdias Praetorius, 
ausgezeichneter Pädagog des 16. Jh.). 

Praun s. a) I. Brun (einst. K.) b) III. Braun. 

Precht s. Beraht (einst. K.). 

Preiswerk III. früher Brysswerk „Schnur- 
macher, Posameuter" (s. Breiser). 

Prentzel ». Brand. 

Preser s. Breiser. 

Priester III. aus griech. - lat. presbyter. (Vgl. 
franz. Lepretre.) 

Probst III. aus lat. praepositus. Auch Korn- 
l/rohst findet sich, entstellt Kornbrust 
(wie „wainprobst" = tafernär) Bacm. 

Pröhle, Prott s. Brord. 

Pruck-, Prugg- s. Brück. 

-prunn s. Brunn. 

Prunner s. a) I. Brun b) III. Brunn. 

Pucher s. Bucher. 

PttckJer s. Bückler. 

Puff-, Pupp-, Pupts 8. Bod (?weist. K.). 

-purg s. Burg III. 



Purgold s. Burg I. (V.). 

Furgstall s. Burgstall. 

Purkhart s. Burg (V.). 

Putsehe s. Bod (einst. K.). 

Puttfarken UI. niederd. „Pfützenforkel" (?) 

von altniederd. pute Pfütze (aus lat puteus) 

und Farken. 

Puttkamer III. von P. eine der ältesten 
Adelsfamilien in Ostpommom, deren N. 
nach Angabe des pommerischen Wappen- 
buches daher stammt, daß ein Familien- 
glied in Polen das Amt eines Podkomorzy 
„Unterkämmeriers" (subcamerarius) führte. 
Dessen Nachkommen nannten sich Pod- 
komer, Puttkumer, Podkamer, dann wech- 
selnd Puttkamer und -kämm er, bis 1859 
auf dem Geschlechtstage von allen „Vet- 
tern" beschlossen wurde, sich überein- 
stimmend Puttkavier — mit einem m — 
zu schreiben (wodurch jedoch die Aus- 
sprache dieses Namens, die fortdauernd 
zwei m hören läßt, nicht berührt wird). 
Der N. findet sich übrigens auch als bür- 
gerlicher in beiden Schreibungen: Putt- 
kamer und Puttkammer. 

Puttloff, Püttrich s. Bod (V.). 



Q. 



Quadejaeob II. der „böse Jacob (s. Jacobus). 

Quadflieg III. „böse Fliege". 

Qualbert s. Wald I. (Walbert). Qu statt w 
findet sich im Altdeutschen öfter: Quolf- 
win, Quilibert = Wolfwin, Wilibert. 

Quandt, Quante, Quantz s. Wand I. 
Quardoeus II. aus Twardocus, der slavischen 
Übertragung von Firminius. 
FN. Quardoeus; Quardux (Kassubei). 

Quentel s. Wandal. 
Quentzel s. Wand I. 
Quercke, Quering s. War (einst. K.). 
Querner s. Körner. 

Querüber III. wohl von der Lage der Woh- 
nung (Pott S. 271), wie auch o. Hinüber. 

Quidde s. Wid (einst. K.). 
Quin, Quincke s. Win (einst. K.). 
Quist in schwedischen N. (S. 76), altnord. 
quistr „Zweig". 
FN. Lindequist. 
Quittmann s. Wid (V.). 



188 



Baach 



Bagan 



R. 

Baaeh s. Bag. 
Eaalt s. Bad (V.). 
Baap s. Hrabai). 

Baatjes, Baatz s. Bad (einst. E.). 
Bab - 8. 1) Hraban 2) Rad (V.). 
Bach- 8. Bag — doch 
Bachner s. Bagan. 
Back- s. 1) Rad (V.) 2) Bag. 
Bäcker s. Bad (V.). 

BAB I. ahd. mhd. rät, altsächs. räd „Bath". 

In EN. seit dem 5. Jh. nachweislich. 

FN. Badbald: Badebold — Bappold; 

Bappohl; Bappel — Baböld; Ba- 

hehl; Babel. 

Badobert: Badber — Bappard — 

Babert — Beppert. Gen. Babbertz, 

Badiger: Badecker — Backer — 

Bedeker — Betger — Bäcker. 
Radheri : Bader — Bather — Bäder 

— Better. Patr. Zus. Beddersen. 
Batleib: Badleff — Bahtlev. Gen. 

Bedlefs; zsgz. Beelfs. 
Radleic: Badlach. 
Radman: Bademann; Badmann — 

Bathmann — Bedemann; Bed- 

mann. 
Ratmar : Bahmer — Bedmer — Bett- 

mer. Gen. Bedmers. 
Raderich: Baderick. 
Radoald: Badewald — Bawald — 

Baalt. 
Radwig: Beddewig. 
Radulf: Badloff — Balph ~ Bauff 

(Stark 138). Gen. Bahlfs — Bahl- 

wes — Bauls. 
Einstämmige Kürzung Rad-. 
Rado, Rato: Bade — Badde — 

Bathe — Batte — Bade — Bäth 

— Bedde. Gen. Baden — Bahts. 
Patr. A. Badmg — Bating — 
Beding. 

Vklf. (i): Badi. (1): Badill; 
Badel — Ball — Bahl — Bädel 

— Bedtel. Patr. A. Bedling. (k) : 
Badach; Badig; Badeck — Ba- 
ticke; Batkke — Battich; Batike; 
Battje (Schleswig) — Bedeke — 
Bäthke — Beddig — Bettke. Gen. 
Baatjes. (k + n): Bahtgen — 
Bäthgen. Gen. Bathjens. (z) Razo, 



Bezo: Batz — Bactz — Batsch — 
Beetz, (z + 1) Bazili: Batzel; 
Bassel — Betzel; Bessel. (z + k) 
Baziko: Bätzke — Beetzke. 
Auslautend (120 mal Porst.) : 
-rath: Frorath (aus Frowirat). 
-rad: Konrad. 

-ert: Hartert (neben Hartrath). 
Badde s. Rad (einst. K.). 
Bäd- s. Rad (V., einst. K.). 
Bademacher III. „Stellmacher, Wagner". 
FN. Bademacher; Badmacher. Niederd. 
Bademaker. 
Baffensack III. Satz-N. „raff in den Sack"*. 

Auch gekürzt Baffsack. 
BA€r I. ursprünglichere Gestalt des Stammes 
Bagan. 
FN. (Ragibrand): Ba^kebrandt. 
Reguhart: Beckhard; Beckert. 
Racold: Gen. Bachholtz; Bachais. 
Einstämmige Kürzung Rag-. 
Ragio, Raco, Recco: Bagg — Bcuiko 

— Bake — Bache — Baach — 
Becko; Becke — Bech. 

Vklf. (1) Ragüo : Backel — Ba- 
chel — Begele; Begd — Beckd 

— Beilile. Patr. A. Beglvng — 
Beckimg — Belmg. (1+n) : Begdin. 

BAGAN I. got. ragin „Bath«, altnord. Plur. 
rcgin die RathsQblagenden and Beschluß- 
fassenden, die Götter — meist wohl zur 
bloßen Steigerung verwendet (s. Lübben 
S. 7 ff.). 

PN. Raganbald: Bambold; Bammelt — 
Beinbold — Beimbold; BeimoÜ; 
Beimelt - Bembold; Bempd; 
Bemmel. 
Raginbreht: Begenbrecht — jßein- 
brecht; Beinbert — Bennebarth — 
Beimert — Bemmert; Bemmer. 
Gen. Beimerdes — Bemmers. — - 
Beetnsema (ostfries., vgl. VN. 
Reemt). 
Ragimb od : Beinbothe ; Beineboih ; 

Bdnbott. 
Ragemprand: Betnbrandt. 
Raganfrid: Benfert — Bennefarth. 
Ragin gar: Banniger — Meiniger; 
Beinker — Benger. Gen. Bengera. 
Raginhart: Begenhard — Beinha/rd; 
Beinert — Bierihardt; Bienth — 
Benard; Behnert — Bennert. G«L 



Ragg 



Bav- 



189 



Bheinharz ; Bemarz ; Bemherz ; 

Beinders; Bemts — Beents — 

Bieniets (ostfries. , jeverl.). Patr. A. 

Bemerding. Vklf. (k) : Gen. Beint- 

ges (niederrhein.). 
Raganhar: Bachner — Begener — 

Beiner (Beinermann) — Benner. 

Gen. Beiners, 
Baginman: Beinemann — Beimam^ 

— Bennemann — Behma/nn. 
Kaginmar: Beinerner — Beimar; 

Beinier (als VN. Reymer Mantzke 
1453 Pomm. ürk.) — Bemer. Gen. 
Beimers, 

Ragnemod: Beinmuth — Beimuth. 

Raginmund: Beinemimd; Beinmimd 

— Baymund. 
Raganrich: Bhenrich, 

Raginald: Beinwald; Beinwöld; Bei- 
nold; Beinhold; Beinelt; Beinel 

— Benelt Gen. Beinah; Bein- 
holtz (umgedeutet aus Reinolds) — 
Beendeis (ostfries.). 

Ragin ward: Beinwarth; Beinwerth. 

Raganwin: Beinwein, 
Einstämmige Kürzung Ragan-. 

Raganus, Regino, Rano: Bahn — 
Begen — Beyne; Bern — Behn — 
Benno; Benn. Gen. Beinen — 
Behnen — Bennen, Patr. A. Bei- 
ning; Beininga (ostfries.). Patr. 
Zus. Bahnsen — Beensen — 
Bennsen. 

Vklf. (k) Reinco: Beinecke; 
BeinJce; Beinick — Bänicke — 
Behnich — Bennecke — Benke — 
(Bänke Stark 71). Gen. Beinkens; 
Beinken — Benken, Patr. A. Bein- 
king, — Beinkena (ostfries.). (z) 
Reginzo, Renzo (Stark 75): Beinz; 
Beintzsch — Benz (Benzmann); 
Bensch. (k + n): Beinichen; 
Bei/necken, (z + 1): Benzel, 
Zweistämmige Kürzung a) Raginb-. 

Rampo : Bainbo — Bampe — Bampf 

— Bamm — Bempe. 
Zweistämmige Kürzung b) Raginm-. 

Raimo: Beime — Behm (latinis. 
Remus). 

Ragrg 8. Rag. 

Eahl- 8. Rad (V., einst. K.). 

Rahm- s. 1) Rad (V.) 2) Hraban. 



Bahn- s. Ragan (einst. K.). 

Raht- 8. Rad (V., einst. K.). 

Bake s. Rag. 

Ball s. Rad (einst. K.). 

Balph s. Rad (V.). 

Bamb-, Bamp- s. Ragan (V., einst. K.). 

Bamm- s. 1) Hraban 2) Ragan (V., z weist. 
K.). 

Bamschüssel s. Reumscbüssel. 

BAND I. ahd. mhd. rant, Gen. randes „Scbild- 
rand, Schild". 
FN. Ranthar: Banter — Benter, 

Rantowic: Bandwig — Bannewig, 
Randulf: Bandolf — Bondolf, 
Einstämmige Kürzung Rando: Band, 
Gen. Banda (ostfries.). 

Verkleinert (1): Bändel, (k): 
Bentke. (z) BoMze; Bantsch, 

Banger s. Ragan (V.). 

Bänicke, Bänke s. Ragan (einst. K.). 

Bann- s. 1) Ragan (V.) 2) Rand. 

Bant-, Bantsch, Bantze s. Rand. 

Bap- s. Rad (V.). 

Bapp- s. 1) Rad (V.) 2) Hraban. 

Basmus s. Erasmus. 

Basse! s. Rad (einst. K.). 

Bath a) I. s. Rad (einst. K.) b) III. de Bath. 

Bat-, Bath- s. Rad (V., einst. K.). 

-rath s. a) I. Rad b) III. Rode. 

Bäth- s. Rad (V., einst. K.). 

Bathmann a) I. s. Rad (V.) b) III. mhd. 
rätman „Rathgeber"; dann „Mitglied einer 
städtischen Rathsversammlung". 

Batsch, Batt-, Batz-, Bätzke s. Rad 
(einst. K.). 

Baub- 8. Hrod (V.). 

Bauch- s. Hrod (zweist. K.). 

Bauehfuß III. „rauher Fuß", vom ahd. ruh, 
mhd. ruch rauh, rauch, haarig. 

Bauehhaupt III. „rauhes Haupt" s. das vor- 
hergehende. 

Bäuehlin s. Hrod (zweist. K.). 

Bäudel s. Hrod (einst. K.). 

Bauff, Bauls s. Rad (V., Radulf). 

Baumer s. Hrod (V.). 

Baumschilssel s. Reumscbüssel. 

Bauner s. Run. 

Baup- s. Hrod (V., zweist. K.). 

Bftußel s. Hrod (einst. K.). 

Baut- s. Hrod (V.). 

Bftuzel s. Hrod (einst. K.). 

BaT- 8. Hraban. 



190 



Bawald 



Beut 



Bawald s. Rad (V.). 

Raymnnd s. Ragan (Y.). 

Rebstoek in. Haus-N. „zum Rebstock" 
(S. 59. 60) , auch bei Gasthöfen. 

Rech-, Reck- s. 1) Rag 2) Rio (V.). 

Red- s. Rad (V., einst. K.). 

Redepfennigr ICE. „bereiter, baarer Pfennig". 
Niederd. Redepenning. Vgl. niederd. Rede- 
geld und Bretgeld; „mit redem gelde" 
(Klemp. S. 510). 

Reemsema s. Ragan (Raginbreht). 

Reen s. Ragan (Y., einst. K.). 

Reetz- s. Rad (einst. K.). 

Ref- s. Rieh (Y.). 

Regel- s. Rag. 

Regen- s. Ragan (Y., einst. K.). 

RegiomontanusIII. Latinisirung fiir „Königs- 
berger" — Job. Müller aus Königsberg in 
Pranken, berühmter Mathematiker und 
Astronom, gest. 1476. 

Regling s. Rag. 

Rehbein III. wohl von der Schlankheit und 
Zierlichkeit, wie auch Behfues. Andere 
Zus. mit Reh sind: BehbocJc (engl. Roe- 
buck). UeMaZ/* (niederd.). Behkopf. Beh- 
lamb. Behfell. 

Rehm- s. Ragan (Y., zweist. K.). 

Rehn- s. Ragan (einst. K.). 

Reib- s. Ric (Y., zweist. K.). 

Reich- s. Ric (Y., einst. K.). 

Reieke s. Ric (Y., einst. K.). 

Reif- s. Ric (Y.). 

Reig- s. Ric (Y., einst. K.). 

Reim- s. 1) Ragan (Y., zweist. K.) 2) Ric 
(Y.). 

Rein- s. Ragan (Y., einst. K.). 

Reip- s. Rieh (Y., zweist. K.). 

Reiter III. 1) ahd. ritäri, mhd. riter. 
PN. Beiter; de Beyter (Aurich). Niederd. 
Byder, Zus. Kielreiter (doch s. Reut). 
tlbei'reiter (nach Steub dass., was jetzt 
die reitenden Schandarmon). 
2) s. Reut. 

Reitgeld m. „bereites d. i. baares (rold" 
(s. Redepfennig). 

Reith, -reither s. Reut. 

Reling s. Rag. 

Rekelofs s. Ric (Y.). 

Remer, Remb-, Remm- s. Ragan (Y.). 

Remp- s. Ragan (Y., zweist. K.). 

Renard, Renelt, Renfert s. Ragan (Y.). 

Renger s. Ragan (Y.). 



Renk- s. Ragan (einst. K.). 

Renn- s. Ragan (Y., einst. K.). 

Renner III. mhd. rennaere „Rennbube", der 
die Pferde zu besorgen hat; oft = Bote, 
vgl. Klemp. „ronner" (doch s. auch Ragin- 
hari). 

Rensch s. Ragan (einst. K.). 

Rent- s. Rand. 

Renz s. Ragan (einst. K.). 

Reppert s. Rad (Y.). 

Repschläger III. niederd. Reifischläger, d. i. 
„Seiler" — von got. raip, ahd. mhd. reif, 
niederd. rep Seil; Paßroif; Ring. 

Requard s. Ric (Y.). 

Ressel s. Rad (einst. K.). 

Ret-, Rett- s. Rad (Y., einst. K.). 

Retzel s. Rad (einst. K.). 

Reoleke s. Hrod (einst. K.). 

Reumschiissel III. Satz-N. „räume die 
Schüssel", von einem tüchtigen Esser 
(Godefredus dict. Rumskottele. 1178 Köln), 
vgl. die alten N. Rumekiste; Rumenkasten: 
Rumzlant und Rumelant (zwei Dichter des 
13. Jh.) — Rumenap (-pf); Raumsattel; 
Raumtaschen. 

PN. Baumschüssel; Beumschdlssel — ent- 
stellt Beimschiissel ; BamschüsseL Nie- 
derdeutsch BumschöUel. 

Reut UI. vom ahd. riuti „durch Reuten 
urbar gemachtes Land (lat. novale), welches 
seit dem 8. Jh. sehr viele ON. bildet. Die 
neueren Bildungen (südd.) endigen theils 
auf -reut, woraus durch schlechtere Aus- 
sprache mehrfach -reit geworden, theils 
auf -ried. 

PN. 1) Bärenreuth. von KalkreiUh, von 
Gravenreuth. 

2) Beith. HerbstreUh, 

3) Bieth, Autenrieth (0. Autenried) 
u. a. s. Ried. 

Ableitung auf -er (oberd.): 

1) -reuter (in Baden, Würtemb., 
Baiern, Osterreich, bes. auch 
unter den salzburgischen N. s. 
Beheim - Schwarzbach , Hohenzol- 
lersche Colonisationen S. 523 ff.) : 
Hinterreuter. KannreutJier. Ku- 
chenreuter. Langreuter. Neurett- 
ther. NiederreuÜher. Oherreuther. 
Pfützenreuter (Pott). Vogelreuter, 
Greuter, Grüter (ON. Greuth 
aus Gereut, woher die schweis. 



Renter 



Bic 



191 



Vklf. Grfttii, Eütli, s. SchiUers 
Teil : „Das Rütli heißt sie bei dem 
Volk der Hirten, weil dort die 
Waldung ausgereutet ward"). 

2) -reiter:Beither. Grreither. Daffen- 
reither, Markreither. Neu/reüer. 
Niederreiter, Oberreiter. Ahstrei- 
ter , enstellt ans Abtsrenther 
(Stenb). 

3) -rieder s. Ried. 

Mitunter finden sich in demselben 
N. alle drei Formen : Bernreuther, 
-reither, rieder. Frauenreuter, 
-reiter, -rieder. 

Reuter III. 1) mhd. rintaere „Ausreuter", 
der Land urbar macht 2) vom Rhein her 
eingedrungen aus mittelniederländ. ruiter 

— wohl aus mittellat. ruptarius, rutörus, 
von rupta Abtheilung eines Heeres (Rotte) 

— „Wegelagerer, Räuber", woraus sich, 
da diese Leute häufig zu Pferde waren, 
die Bed. „Krieger zu Pferde" entwickelte. 

FN. Beuter. Die Zus. gehören sicher 
ihrem allergrößten Theile nach zu dem 
vorhergehenden Worte; nur Kutschen- 
reuter dürfte hierher zu stellen sein. 

Niederd. Büter^ Büther; auch noch 
Buiter, BuAfter in holländischer Schrei- 
bung (Freren, Lingen — man denke 
an den Admiral de Ruyter). Gen. Büters 
(niederrhein.). 

Reaf43eh s. Hrod (einst. K.). 

Beyn- s. Ragan (V., einst. K.). 

Rheinharz, Rhenrich s. Ragan (Y.). 

Rhode s. Hrod (einst. E.). 

Rib- 8. Ric (V., zweist. K.). 

RIC I. got. reiks, ahd. richi, mhd. riebe 
„mächtig" (vgl. lat. rex, rego und das 
deutsche Hauptwort Reich); „reich". In 
PN. einer der häufigsten und der frühsten 
Stämme, schon im 1. Jh. vor Chr. bei lat. 
und griech. Schriftstellern in germanischen 
sowohl als keltischen N. sich findend: 
Theudoricus — Caesarix. 

FN. Ricbald: Biebold; Biehel; Bibet — 
Bippdld; Bippel — Beibold; Beibeh 
Ricbraht : Bieprecht ; Biepert ; Bieper ; 
Bieber — Bibbert — Beiprecht; 
Beibert; Beiber. Gen. Beibers — 
Bipperts — Bibberda u. Bipperda 
(ostfries.). 



Ricfrid: Biffert; Biffarth — Befert; 
Befardt — Beiffert; Beifarth; 
Beiffer. Gen. Beifers. 

Ricohard: Bichard; Bichert; zsgz. 
Bicht (ostfries. VN. Rieht = 
Richard) — Biegert — Bickert — 
Bitschar d; Bitscher — Bitsert — 
Beichard ; Beichert, Gen. Bichartz 

— Bigts u. Bichten (ostfries.) — 
Beichartz; Beicherz — Beckerts. 
Patr. Zus. Bichardsen. 

Richari (m. Rieger zusammenfließend): 
Biecker (Bieckermann) ; Bieckheer 

— Biegger — Bieger — Bickher; 
Bicker — Beicher — Beiger. Gen. 
Biechers — Bichers — Bickers, 

Richhelm: Beichhelm. 

Ricman : Bieckmarm — Bickmann — 
Biemann — Beichmann — Bei- 
mann, 

Ricmar: Beimer (doch s. auch Ragin - 
mar). Gen. Bichners, 

Rihmot: Beichmuth. 

Ricoald: Biewaldt; Biewöld — Bie- 
kelt — Bigal — Beichwald; Bei- 
chöld; Beichelt; Beichhold, Gen. 
Bickelts — Beichholtz, Patr. Zus. 
Bichelsen. 

Ricward: Bichoardt — Bequwrdt. 
Gen. Biquards — Bequards, 

Richowin: Bichwem — Beichwein. 

RicuK: Bikoff — Biehff, Gen. 
Bickdfs — Bekelofs, 

Einstämmige Kürzung Ric-. 

Rico: Bigo (Borken) — Biecke — 
Bicke — Bieche — Bich — Beicke 

— Beiche. Gen. Bieken — Bicks; 
Bicken; Bickens — Bickena und 
Bykena (ostfries.) — Beichs. Patr. 
A. Beiching. 

Vklf. (1): Biechel — Biegel — 
Beichel; Beichle — Beigel. Gen. 
Biegeis. Patr. A . Beichling. (1 + n) : 
Beichlin. (z) Richizo, Rizo: Bietsch 

— Bitze; Biss, (z + k): Bietschke 

— Bitzchen. (z + 1) • Bietschel — 
Bitzel; Bissei; Bitschi, 

Zweistämmige Kürzung Rieb-. 

Ribo, Rippo (Stark 114): Biebe — 
Bibbe — Bippe — Beibe, Gen. 
Bieben — Biepen — B^ppen — 



192 



Rich- 



Rock- 



Beijpen — Eiepena (ostfries.). Patr. 
A. Bijypmg. 

Vklf. (1): Riepl (k): BieUcke 
— Bipice. Gen. Biepkes — Bipken. 
Auslautend -ric sehr häufig (210 mal 
Forst., fast ausnahmslos männlich); 
daher schon in Namen seiner Bed. 
nach sehr verflüchtigt und im Nhd. 
zu einer hloßen, das männliche Ge- 
schlecht bezeichnenden Endung herab- 
gesunken (Wüterich, Täuberich u. a.). 
-rieh: Dietrich. Gen. -richs: Diede- 

richs. 
-rick: Lörick (Chloderich). Gen. -rix: 

Derix. 
-reich: Dietreich. Gen. -reichs: Hend- 
reichs. 
Bich- s. Ric (V., einst. K.). 
Richter III. alid. rihtäri, mhd. rihtaere. 
FN. Bichter (sehr häufig, s. S. 42). Zus. 
Altrichter. Bauerrichter. Hofrichter; 
Hofferichter. Jungrichter (-rieht auch 
in ON. des nördlichen Baiern). Gen. 
Bichters (niederrhein.). 
Biek- s. Ric (Y., einst. K.). 
Bidder s. Ritter. 
Bieb- s. Ric (V., zweist. K.). 
Biech- s. Ric (V., einst. K.). 
Bieek- s. Ric (V., einst. K.). 
Bied III. in ON. 1) ahd. hriot „Ried, Sumpf- 
gras", damit bewachsener Ort 2) ahd. riuti, 
mhd. riute durch Reuten urbar gemachtes 
Land; bairisch Ried = novale und rieden 
= reuten (s. -reut). Die Scheidung ist 
bei der Menge hierher gehörender ON. 
schwer. 

FN. Bied. Autenrieth. Osterrieth. Schmalz- 
ried. 

Ableitung auf- er (oberd.): Bieder. Bern- 
rieder, Oppenrieder. Osterrieder (0. 
Osterried) , auch Osterritter. Westen- 
rieder (0. Westerried). 
Biedesel III. nach Vilmar „Reitesel" ahd. 
ritesei, was bestätigt wird durch das 
urkundliche her herman Reitescl, Egkhart 
Rietesel 15. Jh. (Bacm.). 
Bieg-, Biek- s. Ric (V., einst. K.). 
Bieloff, Biemann s. Ric (Y.). 
Biemer III. „Sattler" (doch hin und wieder 
vielleicht zu ahd. Riniheri oder Ricmar). 
In derselben Bedeut. Biemenschneide^- ; 
Bicmschneider. 



Bien- s. Ragan (Y.). 

Bienäcker s. Ecke III. 

Biep- s. Ric (Y., zweist. K.). 

Biese III. der „Riese". FN. Biese; Bies; 
de Bies (ostfries.). Doch findet sich auch 
schon ahd. Riso 9. Jh. 

Bietil, -rietli s. Ried. 

Bietseil- s. Ric (einst. K.). 

Biew-, Biff- s. Ric (Y.). 

Big- s. Ric (Y., einst. K.). 

Bikoff s. Ric (Y.). 

Bindsmaul III. Österreich. Grafengeschlecht, 
vgl. Alb. Rindismul 1219, Albert der Rinds- 
maul 1317. 

Bing-, Bink- s. Hring. 

Bip- s. Ric (Y. , zweist. K.). 

Biquards s. Ric (Y.). 

Biss- s. Ric (einst. K.). 

Bitscli- s. Ric (Y., einst. K.). 

Ritsert s. Ric (Y.). 

Bitter III. ahd. ritäri, mhd. ritaere, riter, 
daneben riter, ritter, urspr. allgemein 
„Reiter"; nachdem aber die Yeränderang 
des Kriegswesens seit dem 10. Jh. einen 
besonderen Stand vornehmer Krieger zu 
Roß hervorgerufen hatte, den Ritterstand, 
diente das Wort hauptsächlich zu dessen 
Bezeichnung = „adeliger Streiter zu Pferde". 
FN. Bitter. Gen. Bitters, Zus. Ktein- 
ritter (doch liegt hier wie bei andern 
Zus. mit -ritter vielleicht eine Ableitung 
von -ried vor, = rieder s. Ried, Oster- 
ritter). Niederd. Bidder. Gen. Bidders, 
Die Form Beiter, die sich ebenfalls ai^ 
mhd. riter entwickelt hat, ist als FN. selten. 

Bitz s. Ric (einst. K.). 

Bob-, Böb- s. Hrod (Y., zweist. K.). 

Boelie s. Hroc. 

Bock- s. 1) Hroc 2) Hrod (Y., einst. K.). 

Bock HI. in mannigfachen Zus.: Blaurock, 
Brmtrock. Graurock (Gott. ÜB. I. : Grawe- 
rok 1383). Halbrock. Ku/rzrock. Langrode 
Leibrock. Padrock (Pfaidrock, linnener 
Überwurf). Schönrock. Wittrock (niederd. 
= Weißrock). 

Da im Altdeutschen Hroc als zweites 
Glied der Zus. verwendet wird (22 mal 
Forst.), so werden Spuren davon auch in 
neueren Namen noch zu finden sein, z.B. 
Poltrock; auch für Wittrock findet sidi 
schon ad. Witroch 8. 

Bock- s. 1) Hroc 2) Hrod (einst K.). 



Eod- 



Roß täuscher 



193 



Rod-, Röd- s. Hrod (V., einst. K.). 
Kode s. a) I. Hrod (einst. K.) -b) IIl. Rothe. 
Rode in. in ON. zu „roden" (reuten), wozu 
ein paar hundert alte Namen seit dem 
8. Jh. und unzählige neuere auf -rodef 
-roda, "Tod gehören. In Niederdeutsch- 
land tritt für ein a ein: -rade, -rath, 
PN. von Boden (von deme Rode Gott. 
ÜB. I. im J. 1377 — latinis. de Novali 
1388). 

Zus. Hl) -rode: Benterode. Mauderode. 
Mirmigerode. v. Nesselrode. Osterode. 
V. Wintzingerode. — Neuroda. 
Gewöhnlich gekürzt in: 

b) -^roth (Thüringen, Hessen), auch 
wenn der ON. -rode hat: Bülroth (0. 
Billroda). Germeroth (0. - rode). Hitze- 
ro^/i (- rode), v. Siegroth. —■ Bleichrodt 
(0. Bleicherode). Eichrodt. Elligerodt 
(0. Eiligerode). Güntherodt (0. -rod 
und -rode). Mackenroth und. Mackrodt. 

c) -rott: Aschrott (0. Ascherode). 
Hütter Ott (Hüttenrode). Pfafferott. 

d) -rath (in Rheinpreußen): Becke- 
rath (0. Beckrath). Bellingraih. Blu- 
vienrath. Herkenrath. Hilherath. Her- 
zogenrath. Lückerath. Owerath. Baff- 
rath. Wallrath. Wingerath. Selbst 
Bergrath (Dorf im Rgb. Aachen), Bau- 
rath (neben Bauroth, Hessen), Bankrath. 

Ableitung auf -er (oberd.): 

a) -röder: Alhnenröder. Blumen- 
röder; Blumröder (0. Blumerode 
und Blumroda, alt Blumenroda). 
Hergerwöder (0. Hergenrod). Sa^ih- 
senröder. 

b) -röther: Hergenröther, 
-röder, -rodt s. Rode in. 
Roel- s. Hrod (V., einst. K.). 
Rog-, Rög- 8. Hrod (V., zweist. K.). 
Rogg- s. 1) Hroc 2) Hrod (V., zweist. K.). 
Roh s. Hroc. 

Rohd- s. Hrod (V., einst. K.). 
Rohl- s. Hrod (V.). 
Röhl- 8. Hrod (einst. K.). 
Rohm- s. 1) Hrod (V.) 2) Hrom. 
Röhm- 8. Hrom. 
Rohn- s. Run. 

Röhr-, Roht-, Rohw- s. Hrod (V.). 
Rol- 8. Hrod (V., einst. K.). 
Roll- 8. Hrod (einst. E.). 
Rom- 8. 1) Hrod (V.) 2) Hrom. 
Ueintze, Deutsche Familien -Namen. 



R((m-, Romm- s. Hrom. 

Ron-, R((n- s. Run. 

Rondolf 8. Rand. 

Röp- s. Hrod (V., zweist. K.). 

Ropp- s. Hrod (V.). 

RSrdanz III. Satz-N. „rühre deh Tanz" 
d. i. hebe den Tanz an. Vgl. Hebetanz, 
Schickedanz. 

Rorieh s. Hrod (V.). 

Ros-, Rös- s. Hrod (einst. K.). 

Rose a) T. s. Hrod (einst. K. Rozo) b) III. 
s. das Folgende. 

Rose III. die Königin der Blumen, in alter 
wie neuer Zeit beliebt; das Sinnbild der 
Schönheit und der Liebe — gern zum Ab- 
zeichen (Hauszeichen S. 60) gewählt, bes. 
in der ritterlichen Heraldik (meist die rothe 
Rose). 

In vielen Zus.: Bosenblatt. Bosenblüt 
(schon unter den Meistersängern ein Hans 
Rosenplüt). Boseribaum. Bosenkrantz. 
Bosenstengel. von Bosenstern (Rose und 
Stern im Wappen verbunden). Bosenstiel. 
Bosenstock (S. 59). Bosenstrauch. Bosen- 
zweig. 

Mayrose. In vielen ON.: Bosenhach^ 
'herg, -hain, -thal u. a. 

Rosen IH. Ballhom, Erzieher lippischer 
Prinzen, erhielt statt dieses Namens, der 
ihm unangenehme Spöttereien zuzog, im 
Hinblick auf die Rose im lippischen Wappen 
den N. Ballhorn -Rosen, und seine Söhne, 
die bekannten Orientalisten, ließen den 
urspr. N. ganz fort und nannten sich ein- 
fach: Bösen (Pott, S. 661). 

Rosen- s. Rose HI. 

Rosenbaum lU. mhd. röseboum „ Rosen - 
stock". Niederd. Bosenboom. 

Rosentreter III. vgl. bei Klomp. Rosentre- 
der „der auf Rosen wandelt". 

Roß a) I. Horsa 5. (Roß) b) III. Roß (als Haus- 
zeichen, wie namentlich bei Gastwirten). 

Roßdeutscher s. Roßtäuscher. 

Roßtäuscher III. mhd. rostüschaere der 
„Roßhändler", von tuschen, tauschen (womit 
freilich gerade hier oft auch ein „täuschen" 
verbunden ist) vgl. „Roßtäuscher" im Mar- 
burger Gewerbe - Verz. , auch „Täuscher", 
Schiller Pegasus im Joche. 
FN. Boßteuscher — (wegen des üblen An- 
klanges) entstellt in Boßteutscher; Boß- 
deutscher, 

13 



194 



Eost 



Sägert 



Bost-, B((stel 8. Eust. 

B9tgers s. Hrod (V.). 

Both- s. a) I. Hrod (V., einst. K.) b) IlI.Rothe. 

-roth s. Kode. 

Rljth- 3. Hrod (einst. K.). 

Bothbarth III. Zus. mit Bart, vgl. Friedrich 
Barbarossa (kann aber in manchen Fällen 
auch = Hrodebert sein). 

Bothe HI. nach der Farbe des Haares, s. 
Fuchs. 

-röther s. Eöde. 

Bothermel III. zu den von der Kleidung 
entlehnten N. (S. 46). 

Bothmaler III. „der die rothen und über- 
haupt die bunten Anfangsbuchstaben in 
Handschriften anfertigte", lat. rubricator 
(Rubrik), illnminator. 

Bovers s. Hrod (Y.). 

Rotseh, Bl^tseh, Botz, BSzel s. Hrod (einst. 
K.). 

Bub- s. Hrod (V., zweist. K.). 

Bilbig s. Hrod (zweist. K.). 

Bttbsamen III. deutlicher N. aus dem Pflan- 
zenreich. Auch Bübesam. 

Bilbenk((nig HI. offenbarer Scherzname. 

Buek- s. Hrod (Y., einst. K.). 

Bttek- s. 1) Hroc 2) Hrod (V., einst. K.). 

Bück III. Kürzung aus „Rücken", ahd. 
hrukki, mhd. rücke, in Zus. wie: Breit- 
ruck. Weißrück, 

Bud-, Büd- s. Hrod (Y., einst. K.). 

Buf- 8. Hrod (Y., zweist. K.). 

Bttffert s. Hrod (Y.). 

Bug-, Büg- s. 1) Hroc 2) Hrod (Y., zweist. 
K.). 

Buhe, Btthe s. Hroc. 

BuhfiiB s. Rauchfuß. 

Bnhkopf III. halbniederd. = „Rauhkopf". 

Bohle s. Hrod (einst. K.). 

Btthl- s. Hrod (Y., einst. K.). 

Buhm-, Bühm- s. Hrom. 

Bühmekorb III. Satz-N. „räume d. i. leere 
den Korb". Niederd. Buhmkorff; Bühme- 
korf (s. Reumschüssel), 

Buhn- s. Run. 

Bul- s. Hrod (Y., einst. K.). 

Bum- 8. 1) Hrod (Y.) 2) Hrom. 

Bttm-, Bumm-, Bttmm- s. Hrom. 

Biimseh((ttel s. Reumschüssel. i 

BÜN I. got. runa, ahd. rüna, mhd. rüne 
„Geheimnis" (vgl. „Runen" und das nhd. ! 
„Raunen"). I 



FN. Runhard: Bönnert, 

Runheri : Bohner — Bonner — Böh- 

ner — Baimer, 
Runuald: Bönelt 
Einstämmige Kürzung Run-: Bohne; 
Bohrt. 

Yklf. (k) Runico : B'umike ; BuJinke 
— Bunnecke — Bunge ; Btmck — 
Büncke — Bohnke — Bonge — 
Bönigk. Gen. Buhnken — Böntjen 
(ostfries.). (k + 1): Bunkel. 
Run-, Bttn- s. Run. 
Ruoff s. Hrod (zweist. K.). 
Bup- s. Hrod (Y., zweist. K.). 
Bttp- 8. Hrod (zweist. K.). 
Büß, Bttßler s.' Hrod (einst. K.). 
BüST I. ahd. hrust, rust „Rüstung«. 
FN. (Rusthart): Bostert. 
Einstämmige Kürzung Rusto 9.: Btist 
— Bü8t — Bost. 
Yklf. (1): Böstel 
Bußwarm in. mhd. ruo^wurm. 
Büt-, Buth- 8. Hrod (Y., einst. K.). 
Bitter s. Reuter. 

Butsekke, Btttsehle s. Hrod (einst E.). 
Butt-, Btttt- s. Hrod (Y., einst. K.). 
Butz-, Blitz- s. Hrod (einst. K.). 
Buwoldt 8. Hrod (Y.). 
Byder s. Reiter. 
Rykena s. Ric (einst. K.). 



s. 



Saar- s. Sar. 

Saaß s. Sahs. 

Saehs- a) s. I. Sahs b) III. Stammesname: 
Sachse; Sachs. 

Saek a) I. ahd. Sacco zu got. sakan, ahd. 
sachan „streiten" b) III. zu den Gerath- 
namen, bes. in Zus., die wohl großentheils 
Spottnamen sind: Bier sack. Buttersadi, 
^oisocÄ: (Botentasche). Hahersack. Hopfen- 
sack. Leder sack. Milchsack (mhd. milch- 
sac „Hirtentasche"). Strohscick. VollsatA, 
Wadsack. 

Saekmann III. mhd. sacman „Troßknecht'' 
(auch = Plünderer). 

Sadler s. Sattler. 

Sager III. der „Säger", vgl. Ludeke de sagar 
Ehrentraut fries. Archiv Bd. I, H. 3. 

Sägert s. Sig (Y.). 



Sahr 



Scarp 



195 



Sahr s. Sar. 

SAHS I. zum Volksnamen der „Sachsen", 
ahd. Sahso, initteld. niederd. Sasse (vom 
ahd. salis Messer S. 15). Sahsbert, Sah- 
sarich. 

FN. (einstämmig) Saxo, Sasso: Sachse^ 
Saxe; Sachs - Sasse — Saaß. 

Vklf. (l): Sassel — Seßle. (k) 
Sahsiko: Snske. 
Sallwerk III. mhd. sarwurke, später ent- 
stellt salwurke (z. B. Berchtold Salwurk 
1373) „Harnischmacher". 
Salomo n. hehr, „der Friedliche". 

FN. (christlich und jüdisch): Salomon. 
Gen. Salomons, 
Salwei III. Pflanzen -N. „Salbei". 
Salzer III. der „Einsalzer". 

FN. Salzer — Salzen: Niederd. Solter 
— Sölter. 

Dazu die Zus. : Salzgeber. Salzmarm. 
Salzsieder. 
Samariter III. wohl mit Bezug auf den 

„barmherzigen Samariter" Ev. Luc. 10. 
Sambol s. Sand. 
-samer s. Heim III. 

Samuel IL hebr. Schemuel „von Gott erhört" 
(1. Sam. I, 20). 

FN. Samel — Zamel (mit Verhärtung des 
8 in z, wie in Niederd. bei fremd- 
sprachigen N. öfter). Gen. Samuels, 
Patr. Zus. Samiielsohn (jtid.) — Samel- 
söhn. 
Sammert s. Sand. 

SAND I. hochdeutsche F. des altsächsischen 
süth (engl, sooth, dän. sand) „wahr". 
FN. Sandebold: Sambol. 
Sandebert: Sammert. 
Sandheri: Sander; Sandherr — San- 
ier -^ Söder. 
Sandarat: Sandrat. 
Sandolt: Sanmoald; Satidol. Zus. 
Sandelmarm. 
Einstämmige Kürzung Sand-. 
Sando; Sande — Santo; Sandt. 
Vklf. (1) : Sandel — Sendet (k) : 
Sannig; Sänke — Senteck. (z) 
Sanzo: Santz — Sentz. 
Sanftleben III. niederd. Sachtleben (schon 

1369 Heneke Sachtelevent). 
Sann-, Sant- s. Sand. 
SAR I. got. sarv, ahd. mhd. sar- (nur in 
Zus.) „Rüstung". 



FN. Saraman: Saarmann — Sermann, 
Serald: Sehrwald, 
Einstämmige Kürzung Sar-. 

Saro; Saare; Sahr — Sarre — 
Serre — /Sfecr. Patr. A. Säring, 

Vklf. (k): Sar ach — Serig; 
Sehrke. 
Sarre s. Sar. 

Sartor III. Latinisirung für „Schneider". 
FN. Sartor; erweitert Sartorius. Gen. 
Sartori (aus Sartor ii). 
Saske, Sass- s. Sabs. 
Sattler ni. ahd. sataläri, mhd. satlor. 
Y^.SaUler; mit JJmHut SäUler. Niederd. 
Sadler. 
Sauer III. einfach und in mancherlei Zus. 
(S. 47): Sauerbier. Sauerbrei; Saurbrey. 
Saueressig. SaxAermilch. Sauerniost. Sauer- 
senft. Sauerteig. Saiwrwein. — Sauerbeck. 
Säugling III. 
Sauter s. Suter. 

SCAC I. zu altnord. skaka, angols. scacan 
„schütteln, erschüttern" (engl, shake ; Shake- 
speare = Schüttelspeer). 
FN. Schachert. 
Einstämmige Kürzung Scac-. 

Schacko; Schacke; Schack — Schaake 

— Schache. 

SCALC I. got. skalks, ahd. scalc, mhd. 
schale, schalch „Knecht, Diener". Scal- 
coman 8. 

FN. Scalco: Schalke — Schalch. 
Auslautend (10 mal Forst): 
-schalk: Gottschalk. 
-schall: Gottschall. 
SCAB I. ahd. scara, mhd. scbar „Schaar" 
(Heeresabtheilung) — oder ahd. scar , mhd. 
schar „schneidende Waffe" (Pflugschar). 
Scaramunt. 

FN. (Scaribort): Scheerbarth. 
(Scaraman) : Scherrmarm. 
(Scarold): Scharold. 
(Scarolf): Scharloff. 
Einstämmige Kürzung Scar-. 

Scharr — Schar ^ Schaar — Scherr 

— Scheer, Patr. A. Schäring, 
Schering. 

Vklf. 0) Scherilo: Scharl — 
Scherle. Patr. A. Scherling. (k): 
Scharck — Scherck. 
SCARP I. ahd. scarf , mhd. scharf, scharpf, 
alts. scarp „scharf". Skerfold u. a. 

13* 



196 



Scaiini 



Scheid - 



FN. (einstämmig): Scharfe — Scharpff 
— Scher pe — Schär ff e. Gen. Scharpen. 
Patr. A. Scharping. 

Vklf. (k): ScJiarpke — Scherfig. 

SCAUNI I. got. skauns, ahd. sconi, mhd. 
schoene „glänzend, rein — schön". 
FN. (Scaunihert) : Schombert. 

(Sconhart): Schonhardt; Schonert — 

Schönhardt; Schonert. 
Sconhari: Schöner. 
(Sconrich): Schönreich. 
Sconolf: Schönewolf. 
Einstämmige Kürzung Scann-. 

Schoon — Schöne; Schön (Schöne- 
mann). Patr. Schöning. 

Vklf. (1) : Schönen ; Schönle. Patr. 
A. Schönling. {\ -\- n): Schönlin; 
Schönlein, (k) : Schönecke; Schönig. 
(k + n): Schönichen. 

Sehaar s. Scar. 

Sehaehtschabel III. mhd. schächzabel „Schach- 
brett". 
Schade III. ahd. scado, mhd. schade „schä- 
digender Feind, Widersacher" (doch auch 
schon im 8. Jh. Scatto). 
FN. Schade; Schad. Zus. Landschade. 
Schaf III. (Hauszeichen S. 59) ; mit der Zus. 
Schlachtschap , dem N. eines Wiedertäufers 
in Münster 1534. 
Schäfer JH. ahd. scaphare, mhd. schaefer 
„Schafhirt". 

FN. Schäfer. Gen. Schäfers. Zus. Horst- 
Schäfer. Neuschäfer. Schäfersmann. 
Niederd. Schaper — Schäper. Gen. 
Scheepers, Schäper s (medeuheiD..). Zus. 
Buerschaper (Bauemschäfor). — Schä- 
permeier. 

SchafTenhauer III. „ Verfertiger von Schaffen" 
(ahd. scaph, mhd. schaf, altsächs. scap 
Schaff, Holzgefäß), etwa = Bötticher. 

Schäffer IH. (mit geschärftem Vocal) ahd. 

scaffari, mhd. schaffaere, schaffer, scheffer 

„Schaffner" (Verwalter, Hausmeister). 

FN. Schaff er, Scheffer — auch Schaffer 

— Schöffer (aus dem Gebrauche des 

15. — 16. Jh. in Mitteldeutschland, wo 

man das e in ö vergröberte , woher noch 

Schreibungen wie „Schöpfer, Hölle"). 

Zus. Neuschöffer. Niederd. Schapper. 

Schaflhicht UI. Satz-N. „schaffe nichts" (ein 
Faullenzer). 



Schaffrath HI. „schaffe Rath« (einer der 
immer Eath zu schaffen weiß) — auch 
Schaffenrath. 

Schalch, Schalk s. Scale. 

Schaper s. Schäfer. 

Schapper s. Schäffer. 

Scharf-, Schürf- s. Scarp. 

Schäring, Scharl-, Scharold s. Scar. 

Scharp- s. Scarp. 

Scharr s. Scar. 

Schauer s. Scnr. 

Sehaufert s. Schubert. 

Schaoinsland ni. Satz-N.; . auch zsgz. 
Schaunsland. 

Schaomkell III., Schaumlöffel III. s. S. 44. 

Schaur- s. Scur. 

Scheepers s. Schäfer. 

Scheer a) I. s. Scar b) IIL mhd. scher der 
„Scherer, Barbier". 

FN. Scheer (latinis. Basor). Zus. Bart- 
scheer. Tuchscheer. 

Scheffer s. Schäffer. 

Scheffler IH. mhd. scheffelaere, von scheffel 
kleines Schaff (niederd. Schapp) , der „Faß- 
binder". In München Bezeichnung des Ge- 
werbes (Schäffler). 

FN. Scheffler — Schöffler. Niederd. 
Schepeler. 

Scheibner III. einer aus dem 0. Scheiben 
(in Böhmen, Steiermark u. a.). 

Scheide III. im Sinne von „Wasserscheide" 
seit dem 8. Jh. in ON. Heutzutage die 
einfachen Scheide, Scheid t und viele ()rter 
auf -scheid, die eine zusammenhängende 
Masse in dem Eegierungsbez. Arnsberg, 
der preuß. Rheinprovinz, Nassau, Lnxem- 
burg bilden. 

FN. Scheid. Arnscheidt. Brandscheid. 
Bu/rtscheidt. Dürrscheidt. Langen^ 
scheid. Mittelstenscheid. Eeifferscheid. 
von Rohrscheidt. Thanscheidt 
Ableitung auf -er (oberd.): 

Wegscheider (0. Wegscheid mehrmak 
in Baiern). iMgscheider. Mar- 
scheider. 

Scheidemann IH. mhd. scheideman „Schieds- 
richter". 

Schein III. in den Zus. Blumenschein. Haus- 
schein (latinis. Oecolampadius). itfcMen- 
schein. Monschein. 

Scheid-, Scheu- s. ScUd. 



Schellkopf 



Schläger 



197 



Sehellkopf ni. „Kopf des Scheichs" d. i. 
Riesenhirsches. 

Sehelt- s. Scild. 

Sehenk m. ahd. scenco, mhd. schenke der 
„Schenke, Mundschenk" — bes. auch ein 
Hofamt; daher in den N. mehrerer edler 
Geschlechter, die dann dem Amte zur 
weiteren Unterscheidung oft noch den 
Stammsitz hinzufügten: Kuonrat der 
schenke von Wintersteten. Gegenwärtig 
noch: Schenk von Stauffenberg (ehemals 
Schenken der Hohenstaufen) ; Schenk von 
Geyern; Schenck zu Schweinsberg u. a. — 
Zus. Biersclienk. Weinschenk. 

Sehenkel III. Körpertheil — mit den Zus. 

Kurzschenkel. Langschenkel. 
Sehepeler s. Scheffler. 
Scher- s. Scar. 
Seherer III. mhd. scheraere „Schoerer" d. i. 

Barbier, doch auch Feldscher und Tuch- 
scherer. 
Scherf-, Scherp- s. Scarp. 
Scherr- s. Scar. 
Seheuehenpflug III. Satz-N., vom mhd. 

schiuheu scheuen: „scheue den Pflug". 
Scheuer-, Scheur- s. Scur. 
Schickedanz 111. Satz-N. „schicke den Tanz" 

d. i. ordne den Tanz an — auch Schicken- 

dann. 
Schiiferdecker III. = Schieferdecker. 
Schiffmann III. ahd. scefman, mhd. schif- 

man der „Schiffer" (welches letztere erst 

seit dem 16. Jh. auftritt). Niederd. Schipp- 

mann. 
Schild- s. Scild. 
Schildwächter III. der „in voller IJtistung 

Wache stehende Krieger" (s. Luthers Bibel 

Kicht. 7, 11). 

Schilf-, Schilk-, Schill- s. Scild. 

Schiller I. 111. wohl durch Eückangleichung 
aus Schilter, Schilder entstanden, wie Hiller 
aus Hilder. Man vergleiche auch „schil- 
lern" = schildern (Schildwach stehen) in 
einem bei Moscherosch aufbewahrten Volks- 
liedc des 17. Jh.: 

„Gott ist des Christen Hülf und Macht, 
Ein' feste Citadelle; 
Er wacht und schillert Tag und Nacht, 
Thut Rond' und Sentinelle." 

(Der N. Schiller findet sich in Ober- 
schwaben schon im J. 1403.) 



Schilling III. die bekannte Münze, schon 
im Got. skillings (wohl zu ahd. scellan 
klingen), seitdem in allen germanischen 
Sprachen , mhd. schillinc. (Doch schon im 
Angels. ein Scilling der „Tönende", als 
Gefährte des sagenhaften Sängers Vidsidh). 
FN. Schilling — Schelling. Gen. Schil- 
Imgs (niederrhein.). — Zus. Fünfschil- 
ling. 
Sehilter a) I. s. Scild b) HI. ahd. schiltäri, 
mhd. schiltaere der „Schilde und überhaupt 
Lederwerk anfertigt"; der „Schildmaler, 
Wappenmaler" (woher nhd. das Zeitwort 
„schildern"). Wolchwin der Sciltaer 1190. 
FN. Schilter — Schilde^' — Schiller. 
Sehimmelpfennig HI. einer der den Pfennig 
erst mit Schimmel sich überziehen läßt, 
ehe er ihn ausgiebt. 

FN. Schimmelpfennig. Niederd. Schimmel- 
penninck. 
Schindler III. mhd. schindelaere „Schindel- 
macher". 
Schipper UI. niederd. = Schiffer. Gen. 

Schippers (niederrhein.). 
Sehirmeister III. bei den Schmieden der 
„Vorschläger" ; sonst „Geschirrmeister" auf 
Schiffen, bei den Posten u. s. w. (Kann 
aber z. Th. auch aus mhd. schirmmeister 
„Fechtmeister" entstanden sein.) 
Seliirmer III. ahd. schirmäri, mhd. schir- 

maere 1) „Schützer" 2) „Fechter". 
-sehitz III. in ON. slavisch, s. S. 83. 

FN. Lipschitz. — Dobschütz (0. Dob- 
schitz). Niebelschütz. 
Schlächter III. slahtäri, mhd. slahtaere, 
slahter, slehter der „Fleischer". 
FN. Schlächter — Schlachter (südd.). 
Sehiadenhauffen s. Schlagdenhauffen. 
Sehladoth III. niederd. Satz-N., ein „Schlage- 

todt". 
Schlag ni. in ON. vom Schlagen eines Wal- 
des: Puoheslaga 9. u. a., jetzt Buchen- 
schlag — mitunter auch aus loh „Busch" 
mit vorhergehendem s entstellt: Adelschlag 
aus Adaloltesloh. (Noch andere Bed. von 
„Schlag" in Flur-N. bei Bück S. 239—40.) 
FN. Asperschlag. Giesenschlag. Bott- 
schlag. 

Ableitung auf -er (oberd.): Parten- 
schlager (Baden). 
Schläger III. einfach u. in Zus. : Kesselschläger. 
Lautenschläger (Elemp. ludensleger). 



198 



Schlagdenhaoffen 



Schnatmeyer 



Schlagrdenhauifeii III. Satz-N. für einen 
tapfern Dreinschläger; BMch Schlag inhaufen 
— aus beiden abgekürzt: Schlagenhauf. 
Ähnlich 

Schlagenteufel III. Satz-N. s. S. 52. 

Sehlagintweit III. niederd. Satz-N. aus 
„Schlag in dat Weite". 

Sehlaiideraff III. ein nichtsthuender „schlu- 
deriger Affe" (woher Schlaraffe, Schlaraffen- 
land"). 

FN. ScMauderaff — Schlav/raffe — 
Schluraffe, 

Schleemilch s. Schlegelmilcb. 

Schlegel III. ahd. slegil, mhd. slegel „Schlä- 
gel", Werkzeug zum Schlagen (auch 
Schlachten). 

FN. Schlegel. Burcard, de Bliensowe dict. 
Bruggenschlegel 1265. 

Sehlegelmilch III. „Buttermilch" (von schla- 
gen). Auch Schleemilch; Schlömilch. 

Schlesing III. ein „Schlesier" — neben dem 
neueren Schlesinger und auch Schlesier. 

SehUchtegroU, auch SchlichtkruU UI. 
Satz-N. „schlichte die Locken", mhd. 
krülle „Haarlocke". 

Schließer III. der „Schließer", bes. in dorn 
Sinne von „Gefängniswärter". Niederd. 
Schlüter (Klemp. Matrikeln der pommer- 
schen Eitterschaft S. 136: Sluter = cla- 
viger). 

Schlockebier s. Schluckebier. 

SehI95hbaam III. „Schleebaum, -busch" (ahd. 
slehä Schlehe, prunella). 

Schlosser m. neuere Bezeichnung statt der 
älteren Kleinschmied. 
FN. Schlosser — Schlösser. 

Schlothauer III. „Schlosser". 

Schlackebier III. Satz-N. Nach Vilmar ist 
ein ganzes hessisches Dorf von Schlucke- 
bieren bewohnt. Auch Schlockebier. 

Schluraffe s. Schlauderaff. 

Sehmeckebier ni. Satz-N. „schmecke das 
Bier" (s. Schluckebier). 

Schmed-, Schmetje s. Smid. 

Schmid I. III. got. smitha, ahd. smid, mhd. 
smit jeder „der aus Metall Geräthe ver- 
fertigt". 

FN. in verschiedener Schreibung, gew. 
Schmidt, daneben Schmid^ Schmitt, 
Schmiedt. Der ursprüngliche Anlaut 
sm ist erhalten in den aus Nordwest -U. 
stammenden FF. Smidt, Smid, Smitt. 



a) I. s. Smid (auch S. 43). 

b) III. noch häufiger sicherlich aus der 
3. Periode stammend, wohin auch die 
vielen Zus. gehören: 

1) nach dem bearbeiteten Metall: 
Blechschmidt. Eisenschmidt; Isen- 
schmid (mhd. isensmit). Gold' 
Schmidt (mhd. goldsmit). Kupfer- 
schmied (mhd. kupfersmit). Silber- 
Schmidt. Stahlschmidt — 

2) nach dem verfertigten Geräthe: 
Beilschmidt. Drahtschmidt. Hackertr 
Schmidt. Hammerschmidt. Hauben- 
schmidt. Hufschmidt. Messer- 
schmidt (Klemp. Metzersmidt). 
Nagelschmidt. Pfa/nnenschmidt. 
Pfeilschmidt. Schaarschmidt (der 
Pflugscharen schmiedet). Scheer- 
schmidt. Segenschmid = Sensertr 
schmid (mhd. senssmit). Sichet- 
Schmidt. Waffenschmidt. — Kalt- 
Schmidt. Kleinschmidt. Pfennig- 
Schmidt (Münzer?). Werschmidt 
(Waffenschmied). Wohl scherzhaft: 
Pusterschmidt (Verfertiger v. Blase- 
bälgen). Wurstschmidt — 

3) auf doppelte Beschäftigung 
deutend: Bauerschmidt (wie auch 
umgekehrt Schmittbauer). Jäger- 
schmidt — dagegen Freischmidt 
ein un zünftiger Schm. — 

4) auf den Standort der Schmiede 
bezüglich: Bergschmidt. Blumen- 
schmid. Dorfschmidt. Gassen- 
schmidt. Lindenschmit. Sonnen- 
schmidt (wohl bei einem Gasthaas 
„zur Sonne"). Thorschmidt. WaXd- 
schmidt — auch wohl BrOggen- 
schmidt (der Schm. au der Brücke). 

Seltener bildet das Wort den 
ersten Theil der Zus., was fast 
nur in Verbindung mit PN. statt- 
findet: Schmitthenner (der Heinrich 
von der Schmiede). Schmi^jan 
(der Schmiedejohann). SdimidU 
kunz. Schmidtseifert (-Siegfried). 
Schmidd-, Schmied-, Schmitt- s. Smid. 
Sehnapauf III. Satz-N. 
Schnatmeyer III. Schnat oder anch Land- 
wehr: an der Grenze gelegene Abtheilang 
der Mark, die einer engeren Gemeinschaft 
zugehört. 



Schnee 



Schreiber 



199 



Schnee III. — auch in der Zus. Kaltschnee. 
Schneekhth; Schneekluth niederd. = 
Schneekloß. 
Sehneeweiß III. mhd. snewiz. 
Sehneewind s. Schneidewind. 
Schneid III. wohl die (politische) Grenze 
bezeichnend , in ON. seit dem 8. Jh. (Oten- 
snaita). 

FN. Schneid; Schnaith (würt.). Wes- 
sanschneid. 

Ableitung auf -er: Mendschneider. 
Sehneider m. erst mhd. snidaere, snidor 
„der ein Gewand zuschneidet und verfer- 
tigt"** — einer der häufigsten FN. Gen. 
Schneiders (niederrhein.). 

Zus. Herrenschneider, Kampfschneider 
(westf., der Sehn, vom Kampe). 

Niederd. Schnieder (schon 1383 im Gott. 
ÜB. I. als Snidere vorhanden) — zsgz. 
Schnier. Gen. Snyders — Schnieder s (ost- 
fries.). 

Einige merkwürdige Zus. bietet auch 
hier Westfalen: Schockenschnieder ; Hern- 
kensamkenschnieder — was bedeuten die- 
selben? 

(Die Bemerkung Vilmars , daß der N. nur 
aus Mittel- und Oberdeutschland stamme, 
wird durch die obigen Anführungen hin- 
fällig.) 
-Schneider III. in Zus. wie Brettschneider, 
nicht von dem Hauptw. Schneider, sondern 
unmittelbar von dem Zeitw. schneiden. 
FN. Brettschneider, auch Bredschncider. 
Dillschneider. Holtschneider (halbnie- 
derd. = Holzschneider). Pfeifenschnei- 
der. Beif Schneider. Biemenschneider ; 
Biemschneider (== Eiemer). Steinschnei- 
der. Wandschneider (Klemp. Wand- 
snider = Gewandschneider). 

{-Schneider in einzelnen oberd. FN. 
auch zu ON. gehörig s. Schneid.) 
Schneidewind III. ein „unruhiger, umher- 
ziehender Landsknecht" — als FN. in den 
verschiedensten FF.: Schneidewind; Schnei- 
dawind; Schneideioin ; Schneidewendt — 
Schnödewind — Schnietoind — Schnee- 
wind. 
Schnell- s. Snel. 
Sehne tker s. Schnittger. 
Schnetzler III. der „Schnitzler". 
Schnieder, Schnier s. Schneider. 
Scliniewind s. Schneidewind. 



Schnitter III. mhd. snitaere, snitter der 
„die Ernte schneidet". 
FN. Schnitter. Zus. Strohschnitter, 

Schnittgrer III. niederd. Snittger, der 
„Tischler". 

FN. (Nordwest- D.) SchniUger; Schnittker 
— Schnetker. 

Schn((dewind s. Schneidewind. 

Schiffer s. Schäffer. 

Schölten 9 Scholz- s. Schultheiß. 

Schomaker s. Schuhmacher. 

Schomann s. Schumann. 

Schomhart III. mhd. schemebart (bärtige) 
„Larve, Gesichtsmaske". Nhd. Schönhart 
(doch s. auch Scauni I.). 

Schombert, Schon-, Sch9n- s. Scauni. 

Sch95ne, SchSn a) I. s. Scauni b) III. der 
„Schöne" (vgl. franz. Lebeau). In Zus.: 
Schönknecht, Schönrock u. a. 

Schoon s. Scauni. 

Schopenhaner III. der „Schopen d. i. Schöpf- 
kellen (s. Klempin diplomat. Beitr. S. 487) 
zuhaut". 

Sch9ps III. aus slav. skopec castratus — als 
FN. in Schlesien häufig. Der Husaren - 
Oberst Rudorf mußte auf Befehl Friedrichs 
d. Gr. seinen ursprünglichen N. „Schöps" 
ablegen (Pott S. 287). 

Schotte soweit lEE. „Schotte" d. i. Krämer 
und Hausirer, nach den zahlreichen Schot- 
ten, die im Mittelalter als Hausirer durch 
Deutschland zogen. FN. Schotte; Schott. 

Schüttler s. Schüßler. 

Schottmflller lU. urspr. Müller; „Anfang 
des J. 1858 bewarb ich mich aus Rücksicht 
auf meine zahlreichen Söhne um die Er- 
laubnis , meinem Vaternamen den FN. mei- 
ner Mutter, einer geb. Schott, vorsetzen 
zu dürfen , und nenne mich seitdem Schott- 
müller". (In der Lebensbeschreibung des 
Prof. Adolf Seh., welche dem „Luther" 
desselben vorangestellt ist", deutsche Na- 
tional - Bibliothek , horausgeg. von Ferd. 
Schmidt). 

Sclirader s. Schröter. 

Selirandolph, Scliraut s. Sorot. 

Sclireiber UI. ahd. scribäri, mhd. scribaere 
der „Schreiber", doch in weiterer Bed. und 
unter Umständen von höherem Range als 
jetzt: Notar, Rechnungsführer, Kanzler. 
FN. Schreiher, Zus. Quittschreiher. Nie- 
derd. Schriever, Latinis. Scriha (Hessen). 



200 



Schrenr 



Schuhmacher 



Sehreur s. Schröter. 

Schriever s. Schreiber. 

Sehroeke s. Scrot. 

Schröder s. Schröter. 

SchrSdl s. Scrot. 

Schröer s. Schröter. 

Schrot-, Schrötel s. Scrot. 

Schröter III. mhd. scrotaere, neuniederd. 
Schröder, schröer (vom ahd. scrotan, mitteld. 
schroden, schräden abschneiden) 1) der 
Kleider zuschneidet, „Schneider" 2) der 
Lasten, namentlich Fässer „schrotet, d.i. 
auf zwei Leiterbäumen , die oben und unten 
verbunden sind, schiebend fortbewegt oder 
wälzt. In dieser Bed. noch im 16. Jh. all- 
gemein, z. B. bei Luther Jerem. 48, 12. 

FN. Schröter — Schi'ötter — Schroter. 
Niederd. Schröder; mit Ausfall des d 
Schröer — Schröder (Scrader, Scroder 
1369 Braunschw. , Schradere 1383 im 
Gott. ÜB. I). Gen. Schröers — Schreiiers 
(niederrhein. an der hoUänd. Grenze). 

Zus. Bierschröder. — Brinkschröder 
(westf. „der Sehr, auf dem Brinke"). 
Kampscli/röer (westf.). Pohlschröder. 

Schubert III. mhd. schuochwürhte , schü- 
worhte, schüworte Schuh wirker d. i. „Schuh- 
macher". Aus den mhd. FF. durch weitere 
Abschleifung und z. Th. Entstellung die 

FN. Schuhvnrth; Schuhwicht; Schuwert 
— Schuffert — Schau fert — Schubert 
(durch Verhärtung des w in b , zugleich 
wohl mit Anlehnung an die zahlreichen 
EN. auf -bert); Schubart. 

Doch sind die FF. mit b, f zweifel- 
haft, da ein altdeutsches skoch herein- 
zuragen scheint, welches sich in N. 
wie Schuhwein bes. deutlich vorräth 
(s. Steub S. 137). 

Schach s. Schuh. 

Schachmaeher s. Schumacher. 

Schuchmann, Schuckmann s. Schuhmann. 

Schuffert s. Schubort. 

Schuli III. mhd. schuoch der „Schuh". 
(Schühlin 1265. Guldinschuh 1462). 
FX. Schuh; älter Schiwh. Zus. Bund- 
schuh (Schnürschuh S. 46). Breitschuh. 
Frauenschuh. Handschuh. Hohschuh. 
Hornschuh. Knabenschuch. Bothschuh 
(nach Vilmar ^= Tanzliebhaber). WeijJ- 
schuh. 



Sehuhmann III. ahd. schnohman der „Schuh- 
macher". 
FN. Schuhmarm, gewöhnlicher Schümann 

— in älterer F. Schuckmann; Schuck- 
mann. Niederd. Schomann. 

Schuhwerk III. mhd. schuochwürke „Schuh- 
macher". 
Schuhwirth, -wicht s. Schubert. 
Schukneeht III. landschaftl. „Schuhmacher- 
geselle". Niederd. Schoknecht, 
Schult- s. Schultheiß. 

Schultheiß III. ahd. sculthei^o, mhd. schult- 
hei^e urspr. der, welcher „Verpflichtungen 
und licistungen (schult) heißt d. i. befiehlt" ; 
Civilrichter , Vogt. 

FN. Schultheiß — verkürzt SchvUheß; 
Schultes ; Schulte — gew. in der Schrei- 
bung mit z: Schulze (Schnitze); Schulz 
(Schultz ; die Form mit e ist die ältere) 

- der häufigste deutsche FN. (S. 43), 
wenn auch im Süden minder häufig als 
im Norden (in München nur 22 mal). 
Gen. Schulzen. 

Mit Abschwächung des u in o : Scholze; 
Scholz (schlesisch, wie auch das Zwitter- 
wort „Scholtisei"). Gen. Schulzen (am 
Rhein, Rgb. Trier). 

Niederd. Schulte, vgl. mittelniederd. 
scultheite, scultete (westf.). Gen. Schul- 
ten; Schultens — Schalten. 

Latinis. Scultetus. Gen. ScuÜety. 
Auch Praetorius. 

Zus. verhältnismäßig nicht zahlreich: 
Eberschulz. Hirtschulz. Bothschulz. 
Schwarzschulz. 

Bergschulte. Brinkschuüe. Bawen- 
schulte. Hofschult (vgl. „Hofschulte" 
Immermann Münchhausen). Kleeschulte, 
Nachbarschulte. NiederschuUe» Voß- 
schulte — alle diese wieder in West- 
falen, wo häufig auch eine Familie 
durch den Zusatz des Ortes in loser 
Verbindung mit dem Namen näher be- 
stimmt wird: Sdiulte - Bocholt. 8ch.- 
Casfrop. Sch.-Bdmg. Sch.-Lohn,8.w, 
durch das gauze Alphabet; auch wohl 
ohne Bindezeichen: Schulte Limbeck. 
Schulz- s. Schultheiß. 
Schumacher III. mhd. schuochmacher. 
FN. Schuhmacher — älter Schuchmacher. 
Niederd. Schomaker. Gen. Schomakers 
(Lingen). 



Schnmann 



Scrot 



201 



SehamaMn s. Schnhmann. 
Schflppelz s. Schüttpelz. 
Schur-, Schfir- s. Scur. 
Schuß] er III. mhd. schü^^oler „Verfertiger 
von (hölzernen) Schüsseln und Näpfen". 
FN. Schüßler. Niederd. Schöttler — 
Schüttler. 
Schuster s. Sutor. 
Schutt- s. Schütze. 

Schflttenhelm III. Satz-N. „schüttle den 
Helm". Vgl. Schüddekopf, Schüttesper u. a. 
Schiittesper III. Satz-N. „schüttle den 
Speer" (vgl. englisch Shakespeare, auch 
Breakspeare). Entstellt Schutzbar. 
Schüttler s. Schüßler. 
Schüttpelz III. Satz-N. „schüttle den Pelz" 
(vgl. Schuddefell). Cunrad Scutdepelz 1225. 
Auch Schüppelz. 
Schütze III. ahd. scuzzo, mhd. schütze der 
„Schütze". (Meist jedenfalls aus der 
3. Periode , wenn auch vereinzelt schon im 
9. Jh. der EN. Scuzzeo in gleicher Bed.). 
FN. Schütze; Schütz. 

In Zus. wohl nur in der verkürzten 
F.: Büchsenschütz. Flurschütz; Flohr- 
schütz. Waldschütz. 

Niederd. Schütte. Gen. Schutts (ost- 
fries.); Schütten (niedorrhein. , Mors). 
Zus. Wildschütte (westf.). Schütten- 
kötter (westf.). 
-schütz in ON. slavisch, s. -schitz. 
Schuwert s. Schubert. 
Schwahe, Schwab a) I. s. Swab b) III. einer 

aus dem Volksstamm der Schwaben. 
Schwahel, Schwtthig s. Swab. 
Schwaiger s. Schweiger. 
Schwalbe, Schwalb III. mhd. swalewe die 

„Schwalbe" (auch eine Art Harfe). 
Schwan a) I. s. Swan b) III. der „Schwan" 

(als Häuserzeichen). 
Schwan-, Schwann- s. Swan. 
Schwarz III. der „Schwarze" (brünette), vgl. 
Burchard der swarze 12. Jh. (doch wird 
auch schon im Ahd. swarz zur Namenbil- 
dung verwendet). 
FN. Schwarze; Schwartz. 
Schwttrziirm III. (München) „Schwertfeger", 
entstellt aus Swertfürb von mhd. vürben 
„putzen, fegen" (vgl. Volrich des swert- 
fürben hüs in der munse ze Tüwingen ge- 
logen. 1315 Bacm.). 
Schweb- s. Swab. 



Schweder s. Swinth. 

Schwegler III. ahd. swegeläri mhd. swege- 
laere „Flötenbläser", vom mhd. swegele, 
einer kleinern Art Flöte , bair. und schwäb. 
noch „Schwegel" (dah. FN. Schwegelhauer). 
Schwehr, Schweier s. Swinth (V.). 
Schweiger m. ahd. sweigäri, mhd. sweiger 
„Hirt, Senne". 
FN. Schweigger ^ Schwaiger. 
Schwein III. ahd. mhd. swin, Schwein; auch 
Wildschwein. Mit den Zus. Eberschwein; 
Meerschwein — Schweinebraten ; Schweine- 
fuß; Schweinshaupt (z. Th. ON., wie auch 
Schwein selbst). — Schweinigel dagegen 
wohl = ahd. Suenichilo. 
Schwend- s. Swinth (V., einst. K.). 
Sehwenecke s. Swan. 
Schwenn- s. Swinth (einst. K.). 
Schwer- s. Swinth (V.). 
Schwidd- 8. Swinth (V., einst. K.). 
Schwiebert s. Swinth (V.). 
Schwied- s. Swinth (V., einst. K.). 
Schwiefert, Schwieg- s. Swinth (V.). 
Schwier s. Swinth (V.). 
Schwietzke s. Swinth (einst. K). 
Schwincke, Schwind-, Schwinn- s. Swinth 

(einst. K.). 
Schwippert s. Swinth (V.). 
Schwitt- s. Swinth (V., einst. K.). 
Schwob s. Swab. 
Schwon s. Swan. 

SCILB I. got. skildus, ahd. skilt, mhd. 
schilt „Schild". Sciltunc 9. 
FN. (Sciltberaht) : Schubert — Schelper. 
(Scildfrid): Schilfert. 
(Schilthart): Schildert — Schillert. 
(Schiltheri) : Schilter — Schilder — 

Schiller — ScJieller. 
(Schiltwin) : Schellwien. 
Einstämmige Kürzung Scild-. 
Schilde ; Schild — Schill — Scheldt. 
Gen. Schelten. 

Vklf. (k): Schilke. (k + n): 
Schildgen — Schilken. Patr. A. 
Schilking. 
SCROT 1. ahd. scrötan, mhd. schroten 
„hauen, schneiden" (schroten). 
FN. Scrutolf: Schraudolph. 
Einstämmige Kürzung Scrot-. 
Scroto : Schroth — Schrott Schrauth. 
Vklf. (k): Schrotke — Schrocke. 
(1): Schrötel — Schrödl. 



202 



Scur 



Sethe 



SCÜR I. got. skura, ahd. scür, mlid. schür 
„Unwetter (Schauer), Sturm, Kampf". 
FN. Scuriprant: Scheuerhrandt. 
Einst. Kürzung Scurr. 
Skuhr — Schure — Schür — Schaur; 
Schauer — Scheuer. Patr. A. 
Scheurmg. 

Vklf. (1): Scheurell, (1 + n): 
Schev/rlen; Schensrlein. (k): Schur 
rig — Schürch — Schau/rieh — 
Scheurich. Gen. Schürkens, (z) 
Scurizo: Schurz. 
Seb- s. Sig (V., zweist. K.). 
Sebastianus II. griech. der „Ehrwürdige", 
Übersetzung von Augustus ; Märtyrer unter 
Diocletian. 

FN. Bastian — Wastian, Gen. Bastians. 
Vklf. (süddeutsch) : Wastl. Patr. 
A. Wastler, 
See in. in ON. ahd. seo, mhd. se „See" 
(Landsee und Meer). 

FN. V. Blanckensee. Duwensee (0. Duven- 
see). Isensee. v. Langensee. Toggen- 
see. V. Waldersee. Weißensee. 
Seeb-, Seeg-, Seeh- s. Sig (V.). 
Seemann a) I. s. Sew b) III. der „Seemann". 
Seepolt s. Sig (V.). 
Seer s. Sar. 

See?-, Seewald s. Sig (V.). 
Seez- s. Sig (einst. K.). 
Seffert s. Sig (V.). 
Seg-, Sege- s. Sig (V., einst. K.). 
Segeler s. Sigil. 
Segelke s. Sig (einst. K.). 
Segenschmidt III. „Sensenschmied" (s. das 

Folgende). 
Segisser III. „Sensenschniied", vom ahd. 
segansa, mhd. segense, zsgz. Sense, doch 
in der alemannischen Mundart noch „Sä- 
gese". 

FN. Segisser — Segeser (schweiz., alt 
Segenser, Segesser 1421 Basel). 
Sehm s. Sig (zweist. K.). 
Sehr- s. Sar. 

Selb- s. Sig (V., zweist. K.). 
Seid- s. Sind. 

Seidensehwantz III. , alt Seydenswantz 1372 
Augsb. „seidnc Schleppe" (vgl. mhd. swanz 
Schleppe des Frauenkleides) — erst später 
zur Bezeichnung des Vogels (aber auch ÜN.). 
Seidenstfleker III. = Seidensticker (de Zi- 
densticker 1384 Braunschw.). 



Seierlen s. Sig (V.). 
Seif- 8. Sig (V.). 

Seifen III. Siefen, niederd. Siepen in ON« 
zu mundartl. siefern, siepen, siepem „durch- 
sickern" (schles. Gebirgsbäche auf -seifen, 
„Siepe" in Westfalen ein Boden, wo überall 
Wasser durchdringt). Jetzt ein paar hun- 
dert ON. auf -seifen, - siefen y -siepen. 
FN. 1) Steinseifen. Wollseiffen (0. -sei- 
fen). Domseif (Rheinprovinz, Kr. 
Lennep). 

2) Giersiefen. Hirzsiefen. Müllen- 
siefen. 

3) Bovensiepen. LoMgermepen, Mühl- 
siepen. — Silbersiepe. — Fir^ken- 
siep. — Brooksiebe (alle nieder- 
rheinisch und westfälisch). 

Ableitung auf -er: 1) Bornseifer. Stein- 
seifer (oberd.). 2) Bdllsieper. KoU- 
sieper (westf.). 

Seil- s. Sig (einst. K.). 

Seiler III. mhd. seilaere. Als FN. auch in 
der Schreibung Sauer. 

Seim- s. Sig (V., zweist. K.). 

Seip- s. Sig (zweist. K.). 

Seiß, Seitz s. Sig (einst. K.). 

Seiw- s. Sig (V.). 

Seil- s. Sig (einst. K.). 

Selohff s. Sig (V.). 

Seltenreieh III. entstellt aus urspr. Salden- 
reich d. i. saelden rieh „reich an Glück 
und Heil". 

Semmler III. s. Simmeier. 

Semp- 8. Sind. 

-sen s. 1) Sohn (S. 35) 2) Haus. 

Sendel s. Sand. 

Seneschall III. ahd. senescalh d. i. primns 
servorum, später „Truchseß". (In die rom. 
Sprachen übergegangen, franz. SenechaL) 

Sengelaub III. Satz-N. (s. Aschenbiand 
S. 41). Hierher auch wohl Sengebusch; 
Sengewald — Sengstock „der die stehen 
gebliebenen Baumstümpfe (Stubben) aus- 
brennt". 

Senteek, Sentz s. Sand. 

Sepp s. Josephus. 

Seraphim IL Mehrheit vom hebr. Seraph 
(vgl. ital. Cherubini). 

Seriek s. Sig (V.). 

Serig, Sermann s. Sar. 

Seßle s. Sahs. 

Sethe s. Sind. 



Setzepfand 



Sig 



203 



Setzepfand m. Satz-N. „der statt zu be- 
zahlen, gern ein Pfand setzt". 

Senb- s. Sig (V.). 

Senter s. Sutor. 

Sew-, Sey- s. Sig (V.). 

Siats s. Sind. 

Sib-, Sich- 8. Sig (V.). 

Sichler s. Sigil. 

Sich- s. Sig (V., einst. K.). 

Sichler s. Sigil. 

Sid- 8. Sind. 

Sieb- s. Sig (V., zweist. K.). 

Siech- s. Sig (einst. K.). 

Siede s. Sind. 

Sief- 8. Sig (V.). 

-siefen s. Seifen. 

Sieg- 8. Sig (V., einst. K.). 

-sieg s. Siek. 

Siegeler s. Sigil. 

Siegesmund s. Sigis. 

Siegrist III. ahd. sigristo , mhd. sigriste aus 
mittellat. sacrista der „Sigrist, Meßner" 
(süddeutsch; auch in Schillers Teil). 

Siehl s. Sig (einst. K.). 
Sichler s. Sigil. 

Sieh III. in jetzigen Mundarten „feuchte 
Niederung", vgl. altnord. sik See, Kanal, 
ahd. gisic Sumpf. 
FN. Bodensiek. Heidsiek (= Heidenie- 
derung). Krumsiek; Krumsieg. Läm- 
mersiek. Nebelsiek. Nordsiek. Schacht- 
siek. Ellersig. — Auch Sieknieyer. 

Siel- 8. Sig (V., einst. K.). 
Siem- 8. a) 1. Sig (V., zweist. K.). b) II. 
Simon. 

Siep- s. Sig (zweist. K.). 

-siep, -siepen, -sieper s. Seifen. 

Sier- s. Sig (V.). 

Sietsch, Sietze s. Sig (einst. K.). 

Siev- 8. Sig (V.). 

Siew- s. Sig (V.). 

Sif- s. Sig (V.). 

SIG I. got. sigis, ahd. sigu, mhd. sige, sie 
„Sieg". In PN. seit dorn 1. Jb. nachweis- 
lich (Cheruskerfürst Segimer Tacitus Ann.). 

FN. Sigibald: Siehold; Siehel, Sybel; 
Sibeth — Sehäld; Seepolt — Sey- 
hold; Seypold; Seibeld; Seibel; 
Seyppel; Seiht — Seuhel. Gen. 
Sieholds; Sieheis, auch Sieheiis, 
woraus (nach Andresen) umgedeutet 



Siehelist und Siebenlist. Patr. A. 
Sieheling — Seibolter (S. 36). 
Sigiperaht: Siebrecht; Siebert; Sie- 
bartk, Siehard; Sieber — Ziebarth 

— Siphardt — Segebrecht; Sege- 
hart — Sehert; Seeber — Seihert; 
Seiher — Seuhert. Gen. Sybertz, 
Patr. A. Sieherling — Sipperling. 

Sigibrand: Siebrcmd — Sibhern — 

Seehrandt. Gen. Zybrandts — 

Sieherns. 
Sigjbodo: Sieboth — Segehade — 

Seebode; Seehade — Seyboth — 

zsgz. Seiht. 
Sigifrid: Siegfried — Siefert; Sifard 

— Siffert — Seifert — Seifried; 
Seifert; Sey fahrt; Seifhardt; Seif- 
fer (Seifermann) -- Seuffert; Seu- 
fer. Gen. Siefers — Seifritz. 

Sigifuns: Siefuß. Vklf. (L): Seifüßl. 
Sigihard : Sighart ; Siegert — Sichart 

— Sickert — Seegert, Sägert. 
Sicbar: Sieger — Sicher — Seger — 

Seyer. Zus. Sickermann. Gen. Sie- 
gers — Segers. Patr. A. Seyring. 
Vklf. (1 + n): SeierUn. Patr. A. 
Segerlimg. 

Sigirod: Siegroth (doch auch ON. s. 
-rode) — Sirot. 

Sigileip: Sielaff. 

Sigilant: Siegland — Sieland. 

Sigiman : Siegmann — Sickmatm — 
Siemann — Seegtnann — Seeniarm. 

Sigimar: Sim^r; Siem>er — Simmer 

— Seymer. Gen. Siemers. Patr. 
A. Sieniering. Vklf. (1 + n): Sim- 
merlein. 

Sigimund: Siegemvmd; Siegmund — 
Siemund; Siniond — Segemimd 

— Seimund. Gen. Simmonds. 
Sigarich: Sierich; Sierck — Seehrich; 

Serick — Seyrich. 
Sigivald: Siegwald — Seewald — 

Seiwald. 
Sigiwart: Sig wart — . Siewerdt — 

Seward — Seiwert. Gen. Siewerts; 

Siewets (ostfries.) — Seeveis — 

Süvern. Patr. A. Sieverding; Sieve- 

ring. Patr. Zus. Sievei'sen (Schlesw.). 
Sigiwin: Sieg wein — Siehein. Patr. 

A. Sewening. 
Sigiwolf: Selohff, 



204 



Sigil 



Smith 



Einstämmige Kürzung Sig -. 
Sigo, Sicco: Sieg — Sigge — Siehe 
SiecJce — Sy. Zus. Sickama (ostfr.). 
Vklf. 0) Sigilo, Segilo: Siegele; 
Siegel (Sigl bair.) — Sickel — 
Sieckel — Sieht (Sielmann) — 
Sello; Seile — Seil, Patr. A. Sieg- 
ling — Sieling — Seiling, (1 -f- n) 
Sigolenus : Siglen. (1 + k) : Segelke. 
(z) Sigizo: Sietze; Sietsch —- Sitz 

— Segitz — Seez — Seitz; Seiß. 
(z +1): Seißl. (z + k): Sitzke. 

Zweistämmige Kürzung a) Sigib-. 
Sibo: Siehe — Sipp — Seip. Gen. 
Sieben; Siebena (ostfries.) — Sips 

— Sebes. 

Vklf. (1): Siebel; Sieble - Seible 

— Sei^l (k): Siebicke; Siebich; 
Siebeck — Siepke — Süpke, Gen. 
Siepkes. 

Zweistämmige Kürzung b) Sigim-. 
Simo (Stark 114 — durch Anfügung 
eines n oft dem biblischen Simon 
gleichgemacht): Siem — Sehm — 
Seime. Gen. Siemes; Siemen. 

Vklf. (1): Siemel. Patr. A. Sie- 
melink. 
SIGIL I. Erweiterung aus Sig. 

Siclehar: Siegeler — Sickler — Sichler 
— Sichler — Segeler. 
SIGIS I. Erweiterung aus Sig. 

Sigismund; Siegesmund. 
Sigge s. Sig (einst. K.). 
Silges s. Cyriacus. 

Sim-, Simm- s. a) Sig (V.) b) Sind. 
Simmeler III. mittellat. similarius „Semmel- 
bäcker" (ahd. simila, semila, mhd. simele, 
semmile vom lat. simila, Weizenmehl). 
FN. Simmeler — Semmler. 
Simmergott III. aus mhd. sam mir got , sem 

mir got „so wahr mir Gott (helfe)". 
Simon II. hebr. Schim-ön „Erhörung'' 
1) der Sohn Jacobs (Simeon) 2) N. zweier 
Apostel: Simon Petrus u. Simon von Cana. 
FN. Schimon — Simon (auch jüdisch), 
Siemon. Zus. Simonmathes. Gen. (lat.) 
Simonis — (deutsch) Simons, Symons; 
Siemens. Patr. Zus. Simonsen. 
Simp- s. Sind. 
Simson II. hebr. SchimschOn „kleine Sonne". 

FN. Simson; Simpson — Samson. 
Sin-, Sind- s. Sind. 



SINB I. got. sinths, ahd. sind, mhd. sint? 
altsächs. sid „Weg, Eeise", wobei jedoch 
auch das von sind abgeleitete gisindi Be- 
gleitung (Gesinde) in Betracht zu ziehen ist. 
FN. Sindebold: Simbol; Simmsl. 

Sindperht: Simprecht; Simper — 

Semperl; Semper. 
Sinthar: Sinther. Gen. Sindeis. 
Sindram: Sinram — Simram. 
Einstämmige Kürzung Sind-. 
Sindo, Sido: Sindt — Sido; Siede 

— Seide — Sethe. Gen. Sindts — 
Siats (Stade) — Sidden. Patr. A. 
Sinning. 

Vklf. (k) Sindiko, Sidiko : Seidig. 
Gen. Sittjes (ostfries.). (z) Sinzo: 
Sinz. (z + 1): Sinzeh 
Singer in. mhd. singaere „Sänger (lyrischer 
Dichter); Cantor". Dyetmar der mit Zuna- 
men Singer ist genant (Marb. ÜB.). 
Sinther, Sinz s. Sind. 
Sip-, Sipp- s. Sig (V., zweist. K.). 
Sirot s. Sig (V.). 
Sittjes s. Sind. 
Sitz- 8. Sig (einst. K.). 
Skuhr s. Scur. 

SMITH I. got. smitha, ahd. smid, mhd. smit 

„Schmied", ahd. smida Metall. Mindestens 

seit dem 9. Jh. in EN. nachweislich (S. 43). 

FN. (Smidpoto): Schmittpott. 

Smidhart: Schmittat. 

(Smidher): Schmitter — Schmieder; 

zsgz. Schmier — Schmeder. 
(Smidman) : Schmidtmatm — Schme- 
demann. Gen. Smitmans (Mors). 
(Smideald): Smital. 
Einstämmige Kürzung Smith-. 

Smido: Smid — Schmid. Gen. 
Schmits, gew. in der Schreibang 
Schmitz (niederrhein.) — Smets — 
Smedes - Schmedes; Schmeda 
(die letzten drei FF. ostfriesisch). 
Patr. A. Schmidding — Schmitting 

— Schmieding — Schmeding — 
Smeddvng (westf.). 

Vklf. (1) Smidilo: Schmiedet; 
Schmiedle; Schmiedl, (L -{- n): 
Schmidlin; Schmidtlein, (k) Smi- 
diko: Schmidtke; ScJimidge — 
Schmiedicke — Schmetje (ostfries.) 

— Schmädicke. (k -|- n) : SchnUe- 
deken; Schmiedchen; Schmiedigen' 



ji*^ 



Snel 



Stadt 



205 



SNEL I. ahd. mM. snel „schnell", bes. auch 
ehrendes Beiwort der Helden. 
FN. Snelhart: Schnellhard. 
Snelmann: Schnellmann. 
Snelrad: Schnellrath. 
Einstämmige Kürzung Snel-: Snel — 
Schnelle — Schnöll. 

Snyders s. Schneider. 

Sölter s. Salzer. 

Sommer I. III. schon im 8. Jh. Sumar 
In örtlicher Zus. wie Sommerhalde bezeich- 
net es die Südseite, sowie Winter- die 
Nordseite. 

Sommerlatte lU. ahd. sumarlata, mhd. su- 
merlate „der einen Sommer alte Sprößling, 
Jahresschößling" . Hartman Sumerlat 15. Jh. 
FN. Sommerlatte; Sommerlath. 

Sondermann III. mhd. sunderman, -liute 
„Hörige" (weil in keiner Genossenschaft 
stehend). 

Sonnabend s. Tag. 

Sonne a) I. Sunno 4. , wohl zu sunna „Sonne" 
gehörig b) III. von Häusemamen (S. 60). 
Nach Bück S. 261 heißen mehrere Edel- 
höfe in Baiern Sonne, Sonnen, dah. Son- 
nenmaier. 

Sonnenkalb HI. Algot. sunnunchalbus 1228. 
Bacm. 

Sonntag III. s. Tag. 

SöteWer III. niederd. „Süßbier" s. Bier. 
Auch Söibeer. 

Spalteholz III. Satz-N., ein „Holzspalter". 

Spaniol III. == Spanier, von der spanischen 
F. Espanol. 

Spannan III. Satz-N. — Gegensatz: Span- 
nuth, Spanuth, niederd. „spann aus". 

Specht III. der baumhackende Vogel, wel- 
cher in der Volkssage eine Rolle spielt, 
indem er die „Springwurzel" zu finden 
weiß (Grimm, Myth. S. 1222). 

Speekttter lU. niederd. „Speckesser" (Spott- 
name). 

Spener III. „Stecknadelmacher". Spenen 
wurden früher die Stecknadeln wegen ihrer 
Ähnlichkeit mit Dornen genannt, gewöhn- 
licher verkleinert, ahd. spinulä, mhd. spi- 
nele, spenel, nhd. (bair.) Spenel, Spen- 
uadel. 

Spensrler UI. mhd. spengelaere (vom ahd. 
spangä Spange , Beschlag) , „Blechschmied, 
Klempner". Oberdeutsch (s. „Spenglcr- 
gäßchen" in Augsburg). 



Sperling III. anscheinend der Vogel, wie 
sich auch Spatz als FN. findet. Doch giebt 
es ahd. schon die Stämme spar (zu sparen) 
und Spir (Speer) in EN. 

Spielmanns III. (niederrhein.) ahd. spilaman, 
mhd. spilman Spielmann, fahrender Sänger. 

Spindler III. „Verfertiger von Spindeln 
(Drechsler)". 

Splettstößer III. der „Splitte" (niederd. F. 
zu mhd. splize Span, scindula) bes. wohl 
Dachsplitte „verkauft", vgl. mhd. salz- 
stoe^er der Salz im Kleinen verkauft. 

Splietop III. Satz-N., niederd. „spleiße auf, 
spalte auf" s. Spalteholz. 

Sporer III. mhd. sporaere „Sporonmacher". 
Auch Sporrer u. Sporner. Mit Umlaut Sparer. 

Sprenger III. „Steinsprenger", 

Springer HI. mhd. springaere; die „Springer" 
(Tänzer, Gaukler) gehörten im Mittelalter 
zu den „fahrenden Spielleuten". 

Springinklee III. Satz-N., Springenklee 
(Altmarburg). Springinreif , vgl. Spring- 
inrink (Becker). Springenzatm. 

Springinsgut, verkürzt Springsgut III. Satz- 
N., nach Vilmar Scherzname für einen, 
der mit einem Mal reich wurde. 

Springsfeld IH. Satz-N., verkürzt aus 
Springinsfeld, welches noch als Appella- 
tivum einen munteren, bes. im Springen 
gewandten Menschen bezeichnet , vgl. FN. 
Springinslant (Becker). 

Spundflascbe III. von Pauli angeführt aus 
Münden. 

Staaßen, Staats, Staatsmann s. Eustathius. 

Stach s. Eustachius. 

Stadler III. mhd. stadelaere von ahd. stadal, 
mhd. stadel, Scheuer (Stadel noch jetzt 
bairisch und österreichisch) 1) „Aufseher 
über den Stadel" 2) „Inhaber eines Stadel- 
hofes". 
FN. Stadler — Stadler. 

Stadt ni. ahd. mhd. stat, altsächs. stad 
urspr. nur „Ort", in ON. kaum vor dem 
8. Jh. nachweisbar. Heutige FF. 1) -Stadt, 
-statt 2) -stedt, -statt (vom Dativ Sg. 
-steti) 3) niederd. -stede, -sted (so bei 
Klemp. : Bornestede, Lockstede, de Eykstede) 
4) Plur. (Dat. -stotim) -statten, -stetten. 
FN. 1) Oberstadt. Karlstadt. 

2) V. MiUelstädt. Bohnstedt. Eich- 
stedt. Quenstedt. Arnstett. Bern- 
stett. 



206 



-städt 



Stephanus 



3) V. Borgstede. Hammenstede. Otter- 
stede. Wülstede. Carsted (0. Kar- 
stedt) — auch -stedde: Beckstedde. 

4) V. Benstetten. Manstetten, 
Ableitung auf -er (oberd.): 

Hoff stätter (0. -stett und -stetten). 
Bastätter. Achstetter (0. -stetten). 
Helmstettei' (0. -städt, auch -stedt 
geschrieben). Hochstetter (0. -stadt, 
-stedt, -stetten in verschied. Schrei- 
bungen). Kirchstetter (0. -stetten). 
-stttdt s. Stadt. 

STAHAL ahd. stahal, mhd. stahel „Stahl". 
Stahelhart 8. 

FN. Nur einstämmige FF. mit Sicherheit 
nachgewiesen. 
Stahal, Stalo: Stahel -— Stahl — 
Stähle — Stehely (schweiz.). Patr. 
A. Stähling. 

VMf . (1 + n) : Stähelin — Stehlin. 
(k): StehJeke. 
Stahl-, Stähl- s. Stahal. 
STAIN I. got. stains, ahd. mhd. stein „Stein" 
(als Waffe, vgl. hamar, auch wäfanstein). 
FN. (Steinbreht) : Steinbrecht; Steinbart, 
Staniger: Steiniger. 
Stainhard: Steinhart; Steinert. 
Steinher: Steiner; Steinherr. 
(Steinmar): Steinmar — Steimar; 

Steimer. 
(Steinrich): Steinrich. 
Einstämmige Kürzung Stain-. 
(Staino): Stein — Stehn. 

VMf. (1) : Steinel ; Steindel. (1 + n) : 
Steinlein, (k): Steinecke; Steinigke; 
Steinick; Steinig; Steinke. 
Auslautend -stein (13 mal Forst.) : Adel- 
stein. 
Stammler ni. mhd. stamelaere „Stammler" 
(Heinrich der Stammler 1290); vgl. lat.Balbus. 
FN. Stammler — Stämmler. 
Standfest III. Satz-N. „stehe fest". Jünger 

auch Stehfest. 
STARC I. ahd. mhd. starc „standhaltend, 
stark". 
FN. Starkhar: Sterker. 

Starcman: Starkmann. 
Starculf: Starklof. 
Einstämmige Kürzung Stare-. 

Starco: Starke; Starck — Stärke; 
Sterck. 
Vklf. (1): Starkel 



Stark-, Stärk- s. Stare. 
Statins s. Eustathius. 
-stätter s. Stadt. 

Steehmesser III. Satz-N. „einer der bei 
Zechen für sich bezahlen läßt" und durch 
Stechen des Messers in den Tisch an den 
Platz eines andern dies zu erkennen giebt. — 
Niederd. Steckmetz. 
Steckmetz s. Stechmesser. 
Sted-, -stedde, -stede, -stedt s. Stadt. 
Stehl- s. Stahal. 
Stefan, Steffen s. Stephanus. 
Stein- s. Stain. 

-stein s. a) I. Stain b) III. Stein. 
Stein III. ON. Außerordentlich viele Pelsen 
und Orter tragen diese Bezeichnung. Daneben 
läuft, weil die Bodengestaltung wenig Ver- 
anlassung gab, nur wenig Niederdeutsches 
auf - sfeen. Schon seit dem 8. Jh. die älte- 
sten dieser N., wie Uncunstein. 
FN. Brandenstein. v. Eberstein. Griebi- 
genstein (0. Giebichenstein). Lauen- 
stein. Frhr. vom und zum Stein. Stein 
V. Kaminski (S. 67). (Dagegen Holstein 
entstellt, s. Holste.) 
Ableitung auf -er (oberd.): 

Buchsteiner. Fahrsteiner. Höllen-' 

Steiner. Landsteiner. 

Stein ni. zur Bezeichnung von Steinarten und 

von Werkzeugen, vgl. Zunamen: der Hagelr 

stein 14. Jh., nachher Conrad hageistain 

(Bacm.). 

FN. Barnstem (niederd. = Bernstein d. L 
Brennstein). Goldstein (jüdisch). Klopp- 
stein (der Klopfstein der Schuhmacher). 
Schornstein. Wettstein (Wetzestein). 
SteinMek III. „Steinmetz", von bicken == 

hauen. Auch Steinbicker. 
Steinhauer III. altklevisch steynhouwer „Stein- 
metz". 
Steinmetz III. mhd. steinmetze. Als EN. auch 

Steinmatz. 
Stellmacher III. der Wagengestelle macht, 
„Wagner"; auch norddeutsch (bei Elempin: 
stelmaker). 
Stephanus II. griech. „Kranz", erster chnst- 
lieber Märtyrer (Apostelgesch. Kap^. 6 — 7). 
FN. Stephanus. Gen. Stephani (mit Ver- 
rückung des Tones auf die mittleie SQbe). 
Stephan, in österreichischer Scfareibnng 
Stefan — Stephen, G&n. SUphems; 
Steevens (ostfries.) — Steffen, Gen. 



Sterck 



Strid 



207 



Steffens — Stoffen. Patr. Zus. Stef- 
fensen. 

Sterck s. Stare. 

Stern III. als FN. z. Th. durch Hauszeichen 
vermittelt (S. 60). Zus. Äbendstern. Mor- 
genstern (auch ON.). V. Lilienstern. 
Stets 8. Eustathius. 
-stetter s. Stadt. 
Steuber s. Badstüber. 
Sticker III. in den Zus. SeidensticJcer , auch 

-stücker. GoldstUcker. 
Stieber s. Badstüber. 
Stiel- s. Stü. 

Stier- 8. a) I. Stiur b) m. „Stier". 
Stigrhelli aus Stiegele verwelscht (S. 67). 
STIL I. zu altsächs. stilljan, ahd. stillan, 
mhd. stillen „beruhigen, stillen." 
FN. Stilfrid: Still fried. 

(StUlihart): Staiert - Stielert. 
Stillihere: Stiller — Stieler. 
Einstämmige Kürzung Stil- 

(Stillo): Stille; Stül— Stiele; Stiehl. 
Gen. Stils. Patr. A. Stillvng. 

VMf. (k) Stilico 4 (Vandale): 
Stilke. 
StiU- s. Stü. 

STIUR I. ahd. stiuri, stüri „groß, erhaben". 
FN. Stiuri 9.: Stier — Stuhr. Gen. Stiers; 
Stieren. 

VMf. (1 + n): Stierlein. 
St?$bener, StSber s. Badstüber. 
Stock 1) ON. ahd. stoch, mhd. stoc „Baum- 
stumpf", geht zwar meist auf die stehen 
gebliebenen Wurzelstöcke gefällter Bäume; 
doch ist in manchen Fällen auch die Bed. 
„Berg" in Betracht zu ziehen, vgl. Gebirgs- 
stock. In ON. -stock, -stock. 
FN. V. Birkenstock. Haberstock. Hilgen- 
stock. Sengstock. (Slavisch in Bostock 
u. a.). 
2) Pflanzen und Greräthe: 
FN. Bebstock (S. 59) — Klopstock. 
Stocker III. „Gefangenwärter", von stocken 
in den Stock setzen (stoc urspr. der Block, 
in welchen die Füße der Gefangenen gesetzt 
wurden, dann Gefäugnis überhaupt). 
FN. Stocker — Stöcker — auch Stöckler. 
Stoffels s. Christophonis. 
Steffen 8. Stephanus. 
Stoffer, St9ffer s. Christophonis. 
Stollenbeeker III. der „Stollen", d. i. eine Art 
feines Weizengebäck, backt 



Stolterfoth III. niederd. „stolzer, stattlicher 
Fuß". 

Stolz in. ahd. mhd. stolz „stolz, stattlich". 
PN. Stolze; Stolz. (Doch deuten N. wie 
Stölzel, ad. Stolzelin, Stolzkey niederd. 
Stölting darauf hin, daß dieser Stamm 
schon in der 1. Periode zur Namenbildung 
verwendet wurde.) 

Stoppel 8. Christophonis. 
Storcli ni. ahd. storah, mhd. storch (s. Adebar). 
Storm, Stürmer s. Sturm. 
Stöwer 8. Badstüber. 

STRAL I. ahd. sträla, mhd. strale „Pfeü" 
(die Strahlen der Somie sind nach der Mythe 
die Pfeile des Somiengottes). Stralhelm 8. 
FN. (Stralheri): Strahler. 
Einst. Kürzung Stral-: Strahl — Strehle. 
VMf. (k): Strehlke. 

STRANG I. ahd. strangi, mhd. strenge „stark". 
Strangolf 9. 

FN. (Strangheri) : Stränger. 
Einst. Kürzung Strang-: Strang — 
Strenge. 

Vklf. (z) Stranzo (aus Strangizo): 
Stra/nz — Strentz. Gren. Stranzen. 

Stränger s. Strang. 
Stranz- s. Strang. 

Straße III. ahd. sträla, mhd. strai^e aus lat. 

(via) strata „geebneter, gepflasterter Weg". 

FN. Wasserstraß. Niederd. Strate, Strote: 

von Sdlm-Hoogstraeten (niederländ.). 

Strotkötter. 

Ableitung auf -er (oberd.): Steinstraßer. 

Straubhaar III. „mit struppigem Haar", vom 
mhd. strüben rauh emporstehen. 

Straubert, Strauß, Strautz s. Strud. 

Streckfaß III. Satz-N., der Streckfuß 1377. 
Auch Beiname des Todes (Grinun, Myth. 
S. 812). 

Strehi- 8. Stral. 

Streisgut III. Satz-N. „streue das Gut" d. i. 
ein Verschwender (wie z. B. Kaiser Fried- 
rich III., der Träge und Greizige, seinen 
feurigen und unternehmenden Sohn Maxi- 
milian ein „Streudasgütlein" zu nennen 
pflegte). 

Streit- 8. Strid. 

Streng-, Strentz- s. Strang. 

Streub-, Streußel s. Strud. 

STRID I. ahd. mhd. strit, altsächs. strid 
„Streit" (mit Waffen, vor Grericht). 



Stridde 






PN. Strither; Strieder — Stritte ~~ 
Streiter. 
(Stridolf): Streitvmlj. 
Einst. Kürzung Söid-: Stridde — Stritte 
— Streit. 
Stridde, Stried-, Stritt- s. Strid, 
Str«b-, StrSbert, Strodel, StrSdell, Stroll 

s. Strud. 
Strttm Ul. schwedisch „Strom" — zweiter 
Theil der Zus. in einigen Namen, die von 
dem 30jähr. Bjiege und der achwodischen 
Beherrscliwtif; VorpommemB herataininen 
(S. 76). 
PN. II. Tigerström (Vorponamem). Wiek- 
StfÖm (Herzogt. Lauanb.). 
Strott B. Strud. 
BtnilMH s. Stmd. 

STRUB I. zu ahd! stnidjan „verwüsten, 
rauben". 
FN. (Strudbalt): SiTubelt — StroboU; 
Strobel. 
(Strudbert): Ströbert — Slraubert — 

Streubert ■ Streid/er. 
Stnidolf: SiriiliDulf. 
KuBünmige Kürzung Strud-. 
Strodo: Strud — Strott. 

Vklf. (1): Strodel. zsgz. S^oll 
(Stiuilo 8.) — SlT/idetl (z) Struz: 
fflrtdz; Straß Stniiäs Siraii/J. 
(a +1): Slrütiel StreiiHel. 
Straft, Strotwolf, Strnt«, StrBtze] a. Strud. 
Stnb«ner s. Ji.ubtiibi'r. 
Stnbenhauer III, vermuthlich =^ „Stnbben- 
hauer', der Büiimstubben ausrodet, vgl. FN. 
Stubbonhouwer Klomp. 
»itltber B. Biidstüber. 
Stu^art in. nuuidiirtl. statt Stuttgart. 
Stuhr s. Stiur. 

StUhrmaiiD III. niederd. „Steuermann". 
Stiller III. Sluhlmacher. 

STUEM I. Ahd. aturmi , altsachs. atorm 
„Aufregung, Kampf". 
FN. (Stiirmheri): Stürmer — Störitter. 
Einst. Kürzung Sturmi : Sturm — Storm. 
Gen. Storms, 
Sucheuwlrth m. Satz-N. „suche den Wirt" 
d. i. einer, der daa Wirtshaus zu finden 
weiR. So auch niederd, Sükedrunk (Lühben 
S. 43). 
Suchslond m. 8atz-N. „suclio daa Land". 
Niederd. Sökcland. 



Sud m. „Süd" — in Sudhof; Sudmeyer 
(s. Sand). 

Suder Sudor s. Sutor. 

tSum^snit 111. Sata-N. „säume damit nicht". 
Audi SiimckU. 

Sund in. ahd. sund „Süden", sundar, mhd. 
siituli.'r luittvM, suder „südwärts gerich- 
tet". In Zus. wie Siiaderhof, entstellt Sün- 
derhauf (Ändresen Volksetym. S. 62) — 
Sudhof; Stidhaus. 

SBpke s. Sig (zwoist. K.). 

Suter III. ahd. sätäri, mbd. sütere, seuter 
(aus lat sutor) „Schuhmacher, auch Schnei- 






FN. Sutor — Stidor — 

verdeutscht Suter Sader — Sutter 
(Hermami der Suter 1331); auch Suttiter 
— SaiUer — Seuter. Vklf. SüUerle; 
Sütterlia — SevUrlin. Zus. Se^ttr- 
mann — Sutttr^nei-'^ter. (Alle diese FF. 
süddeutsch, bes. am Oberrhem.) 

Aus dem zu bestimmterer Bezeichnung 
gebildetfln schumihsater TiurJe aohüehat«, 
südlich Schuster (schon 1236 Bacm.). 
Zus. Kleinschiister. 
Sntt-, SDtt- s. Sutor. 
Swa«iiB s. Swan. 

8WAB I. üum Volkastamiue der „Schwaben" 
gehörig. Swabperiilit u, a. 

Einstämmige Kürzung Suabo: Sehwabe; 
Sdtwiih Sdiwob — Schwebe. 
Vklf. (1) Suabilo: Schwabel — 
Sehwebet, (k) Schifübi;/. 
8WAN I. a'..d. swftna julid. m(<i)'^ „Wdiwaii- 
Dieser wegen ^i-iiiiT Sch'inlii'it gefeiarte 
S<ilnvirumvii|ri;l spielt auch in der deutBchen 
Mythe eine Bolle, namentlich indem die 
Walkjrien dicDieuerlnueu -li'^ Wunlan. sich 
durch Anlegung des Schwanhemdea (oder 
Schleiers) in Schwäne verwandeln können: 
Schwanjuuyfrauen . 
FN, Swam^r: Schwamger, 
(Swanheri): Schwaner. 
Suanehard: Schwanert. 
Einstämmige Kürzung Suan-. 

(Swano): Schwane; SiAwan — 
Schwann — Schwon. Gen. Swaana 
(ostfries.). 

Vklf. (k) Suwucho: ScWoneot« 
— Schwamieeke — Sdiwanck — 
Schieeneeke. 
Sneers a. Swinth (V.). 



Swidden 



Tegen 



209 



Swidden s. Swinth (einst. K.). 
SWINTH I. got. swinths, mhd. swinde, alt- 
sächs. swith „staxk, heftig, geschwind". 
FN. Suidbert: Schwiebert — Schtoippert 
(Saidfrid): Schwiefert. 
Swidger: Schioieger. Patr. A. Schwie- 

gerling. 
Swidher: Schwieder — zsgz. Schtvier 

— Schwidder — Schweder — zsgz. 
Schwehr — zerdehnt Schweier, Gen. 
Schwitters — Schwer s; Sweers 
(ostfries.). Patr. A. Schwering. 

(Swindeman) : Schwendemann. 
(Switald): Smthal. 
Einstämmige Kürzung Swinth-, 

Saint: Schwindt — Schwinn — 
Schwend — Schwerin — Schwiede 

— Schtoitte — Schmdde. Gen. 
Swidden (ostfries.) ; Scfitvidden. 
Patr. A. Schwenning. Patr. Zus. 
Schtoennsen (Schleswig). 

Vklf. (k) : Schmndtke — Schwinckt 

— Schwendicke, 
Swithal s. Swinth (V.). 
Sy 8. Sig (einst. K.). 
Syb- s. Sig (V.). 
Symons s. Simon. 

8zulc, Szuman, Szumborski u. s. w. Polo- 
nisirungen statt der deutschen FN. Schtdz, 
Schumann^ Schönborn (S. 67). 



T. 



Tab-, Tabb- s. Dag (V.). 

Tack- s. Dag (einst. K.). 

Tad- 8. Thiud (einst. K.). 

Tag-, Tag- s. Dag (V., einst. K.). 

Tag 111. Person -Namen von der Zeit herge- 
nommen, bes. von Zeit und Umständen der 
Geburt. 

FN. Unter den Wochentagen bes. häufig 
Sonntag („Sonntagskinder") und Frey- 
tag (als Christi Todestag frommen Eltern 
vorzugsweis merkwürdig, daher auch FN. 
Charfreytag) — viel seltener die übrigen : 
Montag. Mittwoch. Donnerstag. Sonn- 
abend. (In Berhn fand sich 18G7 der 
N. Sonntag 28 mal. Freytag 24 mal, da- 
^Ggan Montag nur 8 mal, Sonnabend nur 
4 mal). Außerdem Mittag. Ostertag. 
Martag (= Markttag?). 

Ueint/o, Doutscho Familien - Naiiion. 



Tägener s. Thegan. 

Tagge 8. Dag (einst. K.). 

Täglichsbeck III. „der ein Tägliches backt" 
(s. Beck). 

Tarn- s. Thanc. 

Tandler UI. „Händler mit alten Sachen, 
Trödler" (süddeutsch, z. B. in München). 

Tang-, Tank- s. Thanc. 

Tann m. ahd. tanna, mhd. diu tanne „Tanne", 
der tan „Wald" ; bei neueren Dichtem (ühland) 
noch jetzt Tann = Wald. Daher ON. Tann, 
-tann. 

FN. Tann. v. d. Tann. 
Ableitung auf -er (oberd.): Tanner. 
Gitzentawner. 

Tanz- s. Thanc. 

Tapken s. Thiud (zweist. K.). 

Tapp- s. Dag. (V., einst. K.). 

Täsehler s. Taschner. 

Taschner m. „Taschenmacher" (früher ein 
„Taschnergäßlein" in Nürnberg). 
FN. Taschner — Täschner — Däschtier. 
Auch Täschler und Däschler. 

Taub- s. Thiud (V.). 

Taube m. Bild der Unschuld und Friedüch- 
keit (Noah's T. mit dem Ölblatt; auch die 
entweichende Seele der Märtyrer hat oft 
nach der Legende die Gestalt einer Taube) 
— nach Matth. 3, 16 SinnbUd des h. Gei- 
stes. Daher spielt die Taube eine Eolle in 
der Symbolik des Mittelalters, wo die weiße 
T. auf Johannes den Täufer, die purpurne 
auf Christum gedeutet wird, der sein Blut 
für die Menschheit vergoß. Die Taube als 
Hauszeichen S. 59. 
FN. Taube. Zus. Eingeltaube. 

Tauseher m. mhd. tüschaere „Händler" (s. 
Eoßteuscher). 
FN. Tauscher — Teuscher. 

Tausendfreund 111. s. Freund (bedeutet hier 
„tausend" eine Verstärkung, etwa wie „Tau- 
sendschön"?). Auch Siebenfreund findet 
sich als FN. 

Taute 8. Thiud (einst. K.). 

Tawartmann s. Dag. 

Tebben s. Thiud (zweist. K.). 

Tebeding s. Thiud (V.). 

Ted- s. Thiud (V., emst. K.). 

Teetz s. Thiud (einst. K.). 

Tegeler 111. Klemp. Tegheler, nioderd. =» 
„Ziegler", Ziegelbremior. 

Tegen s. l'hegan. 

14 



210 



Teget 



Thal 



Tegret = Zehnt, in Zus. wie Tegetpferd, 

Tegethof — Tegetmeyer (s. Meier). 
Tegrgre s. Dag (einst. K.). 
Teibel s. Thiud (zweist. K.). 
Teich ni. mhd. tich, alts. dik der „Teich". 
In mannigfachen Ortsbezeichnungen, bes. 
in der niederd. F. dieck (dick) in Nordwest- 
Deutschland (wie es auch in Munster eine 
„Dieckstraße" giebt). ' 

FN. ten Dyck. tom Dieck. 
Beher dieck (Biberteich?). Buddendieck. 
Düster dieck. Fahldick (Fohlen-). Flaß- 
dieck. Gräfendick. Kastendyk, Casten- 
dyck (0. Kastendick). Kranendick (Kra- 
nich-). Mohr dieck, -di^k {O.M.ooYäeich, 
-diek). Mönkendieck. Oberdieck. Papen- 
dieck. Schapdick. Schweckendiek. 
Ableitung auf -er (westf.); Niendiecker. 
Papendiecker. 
Teichmann III. s. Teich (auch Deichmann). 
Niederd. Dieckmann, im Jeverlande = 
Deichmann. 
Teidel s. Thiud (einst. K.). 
Teimer s. Thiud (V.). 
Teipel s. Thiud (V.). 
Teirich s. Dag (V.). 
Teigenhauer III. der Zweige (niederd. Teigen) 

abhaut. 
Teilkampf III. aus Teigenkamp „mit Steck- 
lingen (niederd. Teigen) bepflanztes Feld". 
ten 9 ter III. niederdeutsche F. für zum , zur 
(w. m. 8.) in Ortsbezeichnungen, die dann 
auf Personen und Familien übertragen 
wurden. 
FN. (bes. häufig in Westfalen und am 
Niederrhein, in der Nähe der holländi- 
schen Grenze): 

Tenberge; auch Then-Berg. ten 
Brink. Tenbusch. ten Gate und ten 
Doornkaet-Koolman (ostfries.). Ten- 
dahl. Tendyck (zum Teiche). Tenhagen. 
Tenholt (zum Holze), ten Hompel. 

Terbeck (zum Bache; niederd. de beke). 
Terbruggen ; Terbrüggen. Terfloth. 
Terhardt (zum Gebirge). Terhoffstedde. 
Terhorst (Gebüsch). Terlinden. Ter- 
möllen (Kr. Tecklenburg); ter Meulen 
(Gronau, Landdrostei Hildesheim, vgl. 
hochd. Zurmühlen). ter Nedden (auch 
halbhochd. zur Nedden, vgl. hochd. Zu/r- 
nieden). Tersteegen. Tervoort (zu der 
Furt). Auffallend mit Wechsel des Ge- 



schlechtes: ter Meer, ter Stein. — Ter- 
överst. 
Tentzel s. Thanc. 
Ter s. ten. 
Tet- s. Thiud (V.). 
Tett- s. Thiud (V., einst. K.). 
Teub- s. Thiud (V.). 

Teufel III. aus dem Kirchenlatein diabolus 

(griech. ^tdßoXog) „Beschuldiger, Verläste- 

rer" (der Menschen bei Gott, s. Hiob Kap. 

1. 2); schon ins Gotische aufgenommen als 

diabaulus, ahd. tiufal, mhd. tiufel. Vgl. 

Fahland. 

FN. („der Tuvel", Appo dictus Diabolus 

Schweiz, bei Bacm.) Teufel^ Teuffd. 

Niederd. Düwel. 

Häufig in Zusammens. (Satz-N. S. 52) 
Haschenteufel. Jagenteufel; Jageteuffel. 
Schlagenteufel. — Niederd. Bietendüwel 
aus Bitdendüwel. Schietenduivd (schieße 
d. T.). 
Teufelskind III. aus dem 15. Jahrb. von 
Yilmar angeführt, vermuthlich Abkömmling 
einer „Hexe". 
Teufert s. Thiud (V.). 
Teuscher s. Tauscher. 
Teuth s. Thiud (einst. K.). 
Teutloff s. Thiud (V.). 
Teutzel s. Thiud (einst. K.). 
Tews s. Matthäus. 
Textor m. Latinisirung von Weber. 
FN. Textor; Texter; Textorius. 
Thad- s. Thiud (V., einst. K.). 
Thal ni. ahd. mhd. tal, alts. dal — in ON. 
seit dem 8. Jh. ziemlich häufig. Heutzur 
tage ist die Zahl der mit diesem Grund- 
worte bezeichneten theils wirklichen Thäler, 
theils bewohnten örter unendlich groß: 
a) hochd. -thal b) niederd. -dahl; die 
Kürze des a hat sich erhalten in den fast 
ausschließhch niederösterreichischen N. auf 
c) 'thall. 

FN. 1) von Blumenthal, EngeUhal. von 
Lilienthal. Bosenthal (28 mal ON. 
Kitter). In jüdischen FN. häufig 
bloßer Phantasie-N. (S. 66): Veil- 
chenthal. Lewinthai. 

2) Boltendahl (halb verhochdentscht 
Bolzendahl). Heidendahl. Oden- 
dahl. Bosendahl. WischendaM; 
WiesendM. 

3) von Derenthall. 



t.*^^ 



-thall 



Thiud 



211 



Ableitung auf -er (oberdeutsch): 

1) Engelthaler. Eeinthaler. (Auch 
die Joachimsthaler, abgekürzt „Tha- 
ler" gehören bekanntlich hierher). 
Mit Umlaut Lichtenthäler, 

2) Thaller. Haidenihaller. Wurms- 
ihaller. 

-thall, -thaller s. Thal. 
THANC I. got. thagks, ahd. danch, thanc, 
mhd. dank „Denken, Gedanke". Vgl. hug. 
FN. Dankhart: Bankert; Dancker — 
DeyikeH. Patr. A. Tangerdhig. 
Tancmar, Tammar: Vklf. (1) Tammerl. 
Dankwart: Dankwart; Dankwerth; 
Dankworth. 
Einstämmige Kürzung Dank-. 

Danko: Danko; Dank — Tanke — 
Denk. 

Vklf. (1) Danchilo: Danckel 
(Danckelmann) — D enget, (z) 
Danzo: Danz — Tanz, (z + 1): 
Denzel — Tentzel. Patr. A. (südd.) 
Denzler. 
Zweistämmige Kürzung Dankm-. 

Tammo (Stark S. 115): Tamme — 
Damm. Gen. Tams; Tammen. 
Patr. A. Tammhiga (ostfries.). 
Vklf. (k): Damcke — Tamke. 
That- 8. Thiud (V., einst. K.). 
Thäte s. Thiud (einst. K.). 
Thed- 8. Thiud (einst. K.). 
Thees- s. Matthäus. 

THEGrAN I. ahd. degan , thegan , mhd. ^gen 
„Degen" d. i. junger Held (englisch thane). 
FN. Thegangcr: Deiniger. 

Theganhard: Degenhard — Dehi- 
hardt; Deinet — Theinliardt; 
Theinert — Dähnhardt (s. Stark 
S. 50); Dähnert — Dennhardt; 
Dennert — DienhaH. 
Theganhar: Degener; Degner — Ta- 
ge ner — nieiner — Dehner. 
Deganolt: DegenJwld. 
Einstämmige Kürzung Degan-. 

Thegan, Degano: Degen — Tegen — 
Dein — Thein — Dehne. 

Vklf. (1 + n): Deinlein. (k): 
Denecke. 
Thein- s. Thegan. 

Theis s. a) I. Dag (ernst. K.) b) II. Mat- 
thias. 
Thel- 8. Thiud (einst. K.). 



Themar, Theo- s. Thiud (V.). 

Thesen s. Matthäus. 

Theuer, Theurich s. Diur. 

Thewald s. Thiud (V.). 

Thewes s. Matthäus. 

Thias 8. Matthias. 

Thie 8. Thiud (einst. K.). 

Thiebes s. Thiud (zweist. K.). 

Thiedeu, Thiel- s. Thiud (einst. K.). 

Thiem- s. Thiud (einst., zweist. K.). 

Thier- s. Diur. 

Thilo 8. Thiud (einst. K.). 

Thimmo s. Thiud (zweist. K.). 

THIUD I. got. thiuda, ahd. diot, mhd. diet 
„Volk" — seit dem 2. Jh. v. Chr. in PN. : 
Teutobod der Teutonenfürst in dem Cimbem- 
und Teutonenkriege. In den mannigfaltig- 
sten FF. auftretend, indem durch Ausfall 
des i die begleitenden Vocale als allein- 
stehende Stanmivocale erscheinen. 
FN. Theudobald: Diebold; Diepolt; Die- 
bel — Typold — Dippoldt; Dip- 
pel — Tippelt — Theobald; Theo- 
pöld — Debald; Debold — Tobald; 
Tobold; Topel — Döbold; Döpel 

— Taubald — Deubold; Deubel 

— Deybaldt; Deibel — Teipel. 
Gen. Tiebels. Patr. A. Tebeding. 

Theudebert: Dobert — Dubbert — 
Tauberecht; Taubert — Teubert; 
Teuber. Gen. Dobers — Dübbers, 

Deotprant: Dittebrandt — Dibbern 

— Dettbarn — Dubbern, 
Theudofrid: Diefert; Die f er — DefeH 

— Teufert. 

Theutegar: Ditger — Tikker {osthies.), 
Teudhard : Dietert — DitteH — Det- 

hart; Detert — Dautert, Patr. A. 

Detharding — Dederding. 
Teuthar: Dieter (Diet&i'mann) — 

Deter (Determann) — Teder — 

Dotter — Dödter — Tödter. Gen. 

Dieders — Deiters. Patr. Zus. 

Dedersen. Patr. A. Detering — 

DeUring. Vklf. (1 + n) : Dietei'len 

— Döderlein. Patr. A. Teterling. 
Teuthram: Dietram. 

Teutman: Dietmann — Diedemann 

— Tiedemann — Thiemann — 
Dittmann — Tittmann — Det- 
mann — Tettmann — Tutmann 

— Düttmann, 

14* 



212 



Thode 



Thomas 



Tliiudemer 4.: Die mar; Diemer — 
Thiemer — DitUnar; JDittmer — 
Dettmer — Themar — Teimer. 
Gen. Tiedmers — Dittmers — 
Dettmer s. Patr. A. Detmering — 
Dietnerling. 

Theotnand: Denant. 

Theiidoricus 1.: Dietrich; Dietreich 

— Diederich — Ditterich — De- 
derich — Dereich — Deutrich — 
Deitrich — zsgz. Dirk (z. B. Dirck. 
Graf von Holland 984 — neben 
Diederich). Gen. Diederichs — 
Dieterichs (latinis. Dieterici) — 
Dierlcs; Dierken — Dirks — 
Dierickx — Derix — Tjarks (ost- 
fries.). Patr. A. Dierking. Patr. 
Zus. Diederichsen — Dirksen. 

Theudoald: Diethöld — Diedelt — 
Ditwdld — Dewald — Thewald 

— Thadewald. Gen. Dedolz. 
Teuduin: Dewin. 

Theudulf : Didolff; Diedloff — Tiet- 
loff — DiUlof — Dedolph - 
Detthff; DeUlef — zsgz. Delif — 
Dötloff — Deudeloff — Teutloff. 
Gen. Dethlefs — zsgz. Delfs — 
Detheleven (ostfries.). Patr. Zus. 
Detlefsen. 
Einstämmige Kürzung Thiud-. 

Tiuto, Dieto, Dudo u. s. w. (in mehr 
als 50 altdeutschen FF. bei Förste- 
mann S. 1158 — 60). Diede; Dieth 

— Tiede -^ Titho — Ditt — Thie 
(Stark S. 38) — Dede — Thede — 
Dato; Dathe — Thate; That — 
Thäte — Dode — Dodt — Thodc 

— Tohte; Todt — Thute — Dudde 

— Thutt — Daude — Taute — 
Deut — Theut. Gen. (doch auch 
zu Teudin 8.): Thieden; Tiederis 

— Thi/en — Dittes — Didden — 
Tidden — Tedden — Thaden — 
Doden — Duden — Tuhten — 
Dudden — T jaden (ostfries.). — 
Plur. Tydena (ostfries.). Patr. A. 
(Gen.) Thedinga (ostfries.). 

Vklf. (1) Theudila: Dietel; Dietle 

— Diedel — Titel — Dittel — 
TiUel — Dedel — Taddel — Dodel 

— Deitel — Teidel. Mit Aus- 
stoßung des T- Lautes Thilo 8.: 



DihU — Thilo; Thiele (Thiel- 
mann) — Tillo; Tille; Till (Tai- 
mann) — Thele (TheUmann) — 
TJiöle — Thüle — Deyhl. — Dilly 

— Tilly, Gen. Detels — Dielen 

— Thielen — Tillmanns — The- 
len — Tholen. Patr. A. Tettling 

— Tiling, (1 + n) Teudolin: Diet- 
lein. (1 + k): Thielicke; Tielke 

— Tölke. Patr. A. ThülUng. (k) 
Theodicho: Tiedge — Diko — Tieck 

— Ticke — Tedicke — Dedich — 
Detje — Tatge — Docke — Duttke 

— Tütge. Gen. Tiedken — Tiet- 
Jens (ostfries.) — Dicken — Ditges 

— Decken — Taddiken. Plur. 
Dikena (ostfries.). (k + n): Didt- 
chen — Deutchen, (k + 1) : Tickel. 
(z) Theuzo: Dietze (Dietzmann); 
Dietsche — Tietz; Tietsch — 
Ditz; Diß — Titsch — Deetz 

— Teetz — Deitz; Deiß — 
Deutsch. Gen. Tietzen. ünorgan. 
Zus. Dietzer; Dietzold. (z + A): 
Dietzel; Dießl — Teutzel. (z+k) 
Thieziko: Titzk — Dutschke. (z + 
1 + k): Dietzelke. 

Zweistämmige Kürzung 1) Thiudb-. 
(Tiebo) : Tiehe — Dippe — Tibhe — 
Toppe — Dubhe — Tubbe. Gen. 
Thiebes — Tebben — Toben. Patr. 
A. Depping. 

Vklf. 0): Dübel — Dippel — 
Tippet — Topel — Döbel (s. auch 
Theodebald) - Denbel — Deibd 

— Teibel. Gen. Tiebels. (1 + n) : 
Debbelin — Döbbelin. (k) : Tiebeck 

— Dipke — Döbbecke. Gen. Tap- 
ken — Töpken. 

Zweistämmige Kürzung 2) Thiudm-. 
Timo: Dieme — Thieme — Thimmo; 
Timme. Gen. Tiems. 
Vklf. (k): Diemke — Thiemich 

— Timke. 

Thode, Thöle, Tholen s. Thiud (einst. £.). 
Thom- s. Thomas. 

Thomas II. hebr. „der Zwilling" — der Apostel 
(Kai. 21. Dec). 

FN. Thomas, Thomaß - latinis. Tho- 
masius — Thoma; Thome; Thom. Gwl 
(lat.) Thomae — deutsch Thoma (was 
aber auch zusammengezogener Nom. »> 



Tbomer 



Träger 



213 



Thomas sein kann). Patr. Zus. Tomas- 
sen — Thomssen. 

Vkif. (k): Thömsgen. 

Thomer s. Dom. 

Thormann III. „Thorwächter" (oder einer 
„der im Thore wohnt" ?). Latinis. Poiiins, 

Thörner s. Thürmer. 

THRAS I. got. thras in thrasabalthei „Streit- 
lust". 
FN. Thrasolt: Tresselt; Tressel — Dressel 

Thudichum III. Satz-N. „thu dich um". 

Thugut III. österreichischer Minister unter 
Maria Theresia, urspr. Thunichtgut (angeb- 
Kch oberösterreich. Umdeutung des wälsch- 
tirolischon N. Tunicotto Pott S. 39). Als 
er im Staatsdienst zu steigen begonnen, 
änderte die Kaiserin den N. in obiger 
Weise. 

Thttle s. Thiud (einst. K.). 

Thum, Thttm- s. Dom. 

THÜNAR I. ahd. thonar, donar, mhd. doner 
„Donner", in EN. mit Beziehung auf Donar 
(nord. Thor), den Gott des Gewitters, der 
mit seinem Hammer, dem Blitz, die Glut- 
riesen verjagt. Donarperht 9. 
FN. Donner. Gen. Donners. 

Thurm III. in ON., alterthüml. Thum, ahd. 
mhd. tum (aus lat. turris). 
FN. lluirn. Fürst von Thum u. Taxis. 
V. Weißenthurn. — Hohenthurm. 

Thürmer III. mhd. tumaere „Thurmwächter" 

(noch in Goethes Götz „Thurn" u. „Thürner"). 

FN. Thürmer — Türmer; in älterer F. 

Thurner; Thurnher — Thürner — 

Thörner. 

Thuru, -thurn s. Thurm. 

Thurner, Thürner s. Thürmer. 

Thute, Thutt s. Thiud (einst. K.). 

Thyen s. Thiud (einst. K.). 

Thym s. 1) Dom 2) Thiud (zweist. K.). 

Thyrolf s. Diur. 

Tibbe s. Thiud (zweist. K.). 

Tick-, Tidden s. Thiud (einst. K.). 

Tieb- s. Thiud (V., zweist. K.). 

Tieek s. Thiud (einst. K.). 

Tied- 8. Thiud (V., einst. K.). 

Tieges s. Matthias. 

Tielke s. Thiud (einst. K.). 

Tiem- s. Tlüud (V., zweist. K.). 

Tier- s. Diur. 

Tiet- 8. Thiud (V., ernst. K.). 

Tietsch, Tietz- s. Thiud (einst. K.). 



Tigges 8. Matthias. 

Tikker s. Thiud (V.). 

Tiling, Till- s. Thiud (einst. K.). 

Tim-, Timm- s. Thiud (zweist. K.). 

Timmermann s. Zimmermann. 

Tipp- s. Thiud (V., zweist. K.). 

Tiroff s. Diur. 

Tlseher III. mhd. tischer der „Tischler" 

(niederd. noch jetzt „Discher", im Stolper 

KB. hochd. „tischer" 17. Jh.). 
PN. Tischer — Tischler. 
Tlssen s. Matthias. 
Tlt- 8. Thiud (V., einst. K.). 
Titsch, Tltzk 8. Thiud (einst. K.). 
TJaden s. Thiud (einst. K.). 
Tjarks s. Thiud (V. Dietrich). 
Tob- s. Thiud (V., zweist. K.). 
Tobias II. hehr. Tobijja „Güte Jehovah's". 
FN. Tobias — Tobey. Patr. A. Tobias- 
sen; Tobiesen. 
Toehtermann III. zu den Verwandtschafts -N. 

(8. Eidam). 
Todt 8. Thiud (ernst. K.). 
Tödter s. Thiud (V.). 
Tohte, Tölke s. Thiud (einst. K.). 
Tolkmlt III. ON. Tolkemit. 
Tüllner s. Zöllner. 
Tom niederd. = zum in N. wie tom Dieck, 

tom Have, Tombrink, Tombi'eul (s. Zu). 
Tümmel, Tompert s. Dom. 
Ton-, Töu- 8. Antonius. 
Top- s. Thiud (V., zweist. K.). 
Töpfer III. jüngere Bildung für Hafner, wel- 
ches schon ahd. hafinari; vgl. im J. 1482 

topffer = hafher. 

FN. Töpfer, Niederd. Pötter (hoU. de 
Pottere S. 40). Latinis. FiguUis. 
Toppe s. Thiud (zweist. K.). 
Tor- in Zusammens. wie Tormählen (s. Zu). 
-torf 8. Dorf. 
Torffstecher 111. bemerkenswerth als eigen- 

thüml. norddeutscher N. (z. B. in Pommern). 
-torp, -torpf 8. Dorf. 
Trabant III. „Fußsoldat" („Vothknecht" 

Klempin, diplom. Beitr. S. 626). Aus ital. 

trabante, Soldat von der lioibwache der 

deutschen Kaiser (wohl gebildet aus dem 

deutschen „traben" mit der ital. Endung des 

Part. Präs.). 
FN. Trabant — Drabant. 
Träger III. ahd. tragari, mhd. trager (Eibin;?. 

ürk.: Michel der troger 1484). 



214 



Trau- 



ünverdorben 



FN. Träger — in mehrfaclieii Zus.: Born- 
träger, Eisenträger, Felgenträger, 
Flaschenträger, Kreutzträger. Mehl- 
träger. 
Trau- s. Drud (V., einst. K.). 
Traube a) I. s. Drud (zweist. K.) b) III. die 

„Traube" — auch N. von Gasthöfen. 
Träxler s. Drechsler. 
Tremöhlen III. niederd. aus ter Möhlen „zur 

Mühle" (S. 54). 
Tress- s. Thras. 

Treucke, Treugre s. Drud (einst. K.). 
Treut- s. Drud (V., einst. K.). 
Trinkaus III. leichtverständhcher Satz-N. 
Tripmaker III. niederd. „Sammetweber". 
-troflf s. Dorf. 
Trolf 8. Drud (V.). 
Trommer s. Trümper. 

Trompeter III. mhd. trumpeter, truraraeter 
— vom ital. trombetta, franz. trompette 
„Trompete" (aus ital. tromba). 
FN. Trompetter; Trompeter — Trümpter 
— Trompter — Trumeter — Drom- 
meter. 
-trop 8. Dorf. 
Trübe s. Drud (zweist. K.). 
Truchseß 111. ahd. truhtsä^o, mhd. truhsae?e 
„im Volke sitzender und ihm versitzender 
Gefolgshauptmann , Anführer und Verpfleger 
der Gefolgschaft (truht); später eines der 
vier großen Hofämter: kameraere, schenke, 
truhsaei^e (lat. dapifer), marschalc. 
FN. Truchseß. — Mittellat. drossatus, 
woraus Droste, Gen. Drosten (drosthe 
Klemp. S. 491 im Sinne von Aufwärter 
bei Tische). 
Trude, True s. Drud (einst. K.). 
Trühl 8. Drud (einst. K.). 
Trüloflf, Trum- s. Drud (V.). 
Trumeter s. Trompeter. 
Trümmer, Trümmer s. a) I. Drud (V.) 

b) III. Trümper. 
Trümper III. ahd. trumpari „Trompeter", vom 
ahd. trumba aus ital. tromba Trompete. 
FN. Trümper; Trümmer — Trümmer — 
Trommer — auch wohl Trümpier — 
Schweiz. Trümpy, 
Trümpter s. Trompeter. 
-trup s. Dorf. 

Trupel s. Drud (zweist. K.). 
Trut, Trüter s. Drud (V.). 
Trutzel s. Drud (einst. K.). 



Tsehudi III. zuerst 1127 Schudi, nach 
Beckers sehr ansprechender Vermuthung 
schweizerische Umbildung des lat. judex 
„Eichter". 

Tubbe s. Thiud (zweist. K.). 

Tuchhändler III. sehr entsprechender jüdi- 
scher FN. 

Tuhten s. Thiud (einst. K.). 

Tulke, Tulpracht s. Duld. 

Tum in N. wie Tumbreul, Tumhrinck, Tum- 
bült, niederd. (s. Zu). 

Tütge s. Thiud (ernst. K.). 

Tutmann s. Thiud (V.). 

Twiete III. auch Tweete, niederd. „Durch- 
gang", bes. zwischen Hecken, in Twietmeyer. 

Typold s. Thiud (V.). 

Tyssen s. Matthias. 



u. 



Uhl- 8. Othal (V., einst. K.). 

Uhle in. niederd. „Eule", in Zus. wie Uhlen- 
hrauk (Eulenbruch), Uhlenkamp — ÜhU- 
meyer. 

Ühle 8. Othal (einst. K.). 

Ul-, Uli- 8. Othal (V., ernst. K.). 

-um 8. Heim m. 

Umhseheiden III. = Unbescheiden, vgl. 
Walther gen. Unbezhaiden 1304. Schon mhd. 
angeghchen: umbescheiden, das Gegentheil 
von bescheiden d. i. verständig; rücksichts- 
voU. 

Unhehaun HE. doch wohl s. v. a. (in dem- 
selben Bilde) „ungehobelt, unpolirt". ÜUein 
der Unbehowen 1352. 

-ung I. Patronymika bildend (s. ing): Adelung 
— abgestumpft -ong: Amelong. 

üngefug in. mhd. ungefüege „ungeschickt", 
aber auch „übermäßig groß und stark'*. 
Fridrich Vngevage 1260. 

-ungen 111. üi ON., Nebenf. zu Ingen. 

FN. V. Bodungen. v, Kauffungen, Mit- 
unter abgekürzt in -uMg: Breitung (0. 
Broitimgen). Gerstung (0. Gerstungw). 
Ableitung auf -er: Hagenunger (Baden). 

Ungenannt IH. merkwürdiger N., eig. einen 
Widerspruch in sich selbst enthaltend. 

Unglenk III. mhd. ungelenke „ungelenk, un- 
biegsam". 

Unverdorben III. mhd. unverdorben „nicht 
unglücMich, erfolgreich". 



Unverzagt 



Vogler 



215 



Unverzagi; III. mhd. unverzaget „unverzagt, 

nicht blöde". 
UR I. ahd. uro, mhd. ür der „Ur", Auerochs 
(S. 17). 

FN. (ürschalk): Ur schall. 
Einstämmige Kürzung Ur-: 
Uro: Auer. 

Vklf. (k) Urico: Urich. 
Urbanus IL lat. der „Städtische, Höfliche". 

FN. Urban — Orhan. 
Utermllhlen III. niederd. „aus der Mühle". 
Schon Gott. ÜB. 1426 ut der Molen, und 
1488 Utermolen. 
Uulkes s. Othal (einst. K.). 



V. 

(Aussprache des v: in den rein lateinischen 

Wörtern Valentinus, Venator, Victor, Vin- 

cens und ihren meisten Ableitungen weich, 

wie w, in allen übrigen hart, wie f). 

Vadder s. Vater. 

Vagd, Vagedes, Vagts s. Vogt. 

Yaland s. Fahland. 

Yalentinas IL lat. Weiterbildung von Valens 

„gesund, kräftig". V. Bischof im 5. Jh. 

FN. Valentin; Vallenthin, Wallentin. 

Gekürzt: Valtin — Veiten (mit hartem 

V?). Gen. (lat.) Valentini. — Veltjes 

(ostfries.). 

Valtlu s. Valentinus. 

Van niederd. = von, vor Ortsbezeichnungen 
zur Bildung von FN. (s. von). 

Yandeuhoeck III. urspr. van den Hoek (so 
Klopstock in einem Briefe an Bodmer 1749, 
s. Döring, Klopstock's Leben S. 99), vom 
niederl. hoek „Ecke, Ende". Vgl. Huck- 
meyer (= Eckmeyer). 

VaiiderbrUck, Yanderburgh u. ähnl. s. unter 
Von. 

Yarrentrap III. (zur) „Ochsenspur" (S. 53). 

Yasbender HL „Faßbinder", Bötticher. 

Yaßhaaer III. „der Fässer zuhaut", Böttcher. 
— Niederd. Vatheusr. 

Yatebender III. niederd. = „Faßbinder" (s. 
Bmder). 

Yater III. zu den Verwandtschafts -N. 
Niederd. Vadder. Zus. Bestvater, 

Yatheuer s. Vaßhauer. 

Yedder s. Vetter. 

Veit 8. Wid. 



-Yeldt s. Feld. 
Yelten, Yeltjes s. Valentin. 
Venator s. Jäger. 

Yenn III. ahd. fenna, niederd. fenne, nordfries. 

fehn, niederländ. venne, veen „Sumpf, Moor". 

FN. Van der Venne — Venn. Zus. Venne- 

kötter. — Inhetveen. 

Yer- in N. wie Vergeest, Verhoeh, Vermoh- 

Zen, 8. Von. 
Yernaleken HE. „Sohn der Frau Aleke" d. i. 
Adelheid (S. 63). Ver abgestumpft aus frou, 
z. B. Vom Jutten grabin „der Frau Jutta 
Graben" 1319. 
Vetter HL zu den Verwandtschafts -N. Cunrad 
Vetter 1312. 

FN. Vetter. Niederd. Vedder. Zus. Heine- 
vetter (s. Hagan). Trautvetter. 
Yietor s. Bötticher. 

Yillmann III. mhd. vellemann „Abdecker". 
Yilmar I. ahd. Füomar, wohl „vielberühmt". 
In der richtigen Aussprache lautet der N. 
nicht Wilmar, wie man so häufig hört, son- 
dern Filmar (was der Verf. aus persönlicher 
Kenntnis mehrerer Glieder der Famüie des 
bekannten Litterarhistorikers bezeugen kann). 
Yincens II. lat. „der Siegende" ; mit der Wei- 
terbildung Vincentius — der h. Vincentius 
im 5. Jh. 
FN. Vincens; Vincenz, Winzenz (österr. 
Schreibung). Zsgz. VeYi,tz, woraus Vklf. 
Ventzke (Fentzke). 
Yisser s. Fischer. 
Yitzthum HL aus lat. Vicedominus. 

FN. Vicedomini. Vitzthum (Viztum 1311). 
Yocke s. Fulc (einst. K.). 
Yogel III. Hermann dict. Vogel 1159. Hans 
der Vogel 1377. 

FN. Vogel j Vogl (Österreich.). Verkleinert: 
Vögeli; Vögelin. 

Zus. Brachvogel. Eisvogel. Grün- 
vogel (nach Bück S. 90 aus-mhd. krimvogel 
„Raubvogel"). Krautvogel. Schreivogel, 
Schreyvogl (= Schreier, Charadrius 
vociferans Pott). Wäldvogel. Wildvogel. 
Yogelmann III. „Vogler". Latinis. Orni- 

tander. 
Yogibeer III. „Vogelbeere", die (rothe) Beere 
der Eberesche, womit Vögel, insbes. Kram- 
metsvögel, gefangen werden. 
Vogler lU. ahd. fokalari, mhd. vogelaere 
„Vogelfanger". 
FN. Vogeler; Vogler — Vogler. 



216 



Vogt 



Wahnscbaflfe 



Vogrt lU. ahd. fokat, fogit, mhd. voget, voit 
aus mittellat. vocatus st. advocatus „Schirm- 
herr"; der von demselben eingesetzte Stell- 
vertreter, daher bes. „Statthalter, höherer 
welthcher Kichter". Gegenwärtig auch Vor- 
steher ländlicher Gemeinden (in Schlesvvig- 
Holstein, Westfalen). 

FN. Voget; Vogt, Voogd, Voght — auch 
de Vogt (Mors). Zusammengez. Voit 
(wie Magd — Maid) ; Voitus (der Schluß 
noch vom lat. advocatus). 

Aus der Vermengung beider FF. (Vogt 
und Voit) ist die sinnlose Schreibung 
Voigt ^ Voigdt (mit stummem i) ent- 
standen. 

Niederd. Vagd (Vaget Klemp.). Gen. 
Voigts. Niederd. Vagedes (westf.); 
Vagts. Vklf. (1): Voigtel — Vögtlin. 

Zus. Dreisvogt. Hünervogt. Land- 
voigt. Waldvoigt. Slevoigt; Sdüeevoigt ; 
Schleenvoigt. — Voigtmann. 

(Slavisch: Woita; Woyte; Woith — 
Wota — häufig in den östlichen Pro- 
vinzen Preußens). 

Tohlaud s. Fahknd. 
Voigt, Voit s. Vogt. 
Vol- s. Fulc (V., ernst. K.). 
Völ- s. Fulc (V., einst, zweist. K.). 
Von vor Ortsbezeichnungen zur Bildung von 
FN. (S. 52, Adelsnamen S. 57). 
Getrennt: vom Berge; vom Ende; vom 
Felde; vom Kolke (Wassergrube) — 
von der Borch; von der Heyden. 

In eins gezogen: Vondendriesch (neben 
von den Driesch (Brachland); Vomhof 
— Vonderhejdt und Vonderheiden. 

Niederd. van (bes. niederrhein.) : van 
Cleve; van Nuyhs; van Geldern — 
van den Bergh; van den Wyngaert 
(hoU.) — van der Beeck (Bach); van 
der Horst; van der Moolen; van der 
Venne; van der Voer (holl. von der 
Furt) — häufig mit dem Hauptwort in 
eins gezogen: Vanderhurgh. Vander- 
hriick. V ander see. 

Van der zsgz. in ver: Vergeest („von 
der Geest", Gegensatz zu der „Marsch"). 
Verhock (s. Vandenhoek). Vermöhlen 
(„von der Mühle"). 

Voogd s. Vogt. 
Vörg s. Forg. 



Vorm- in. aus vor dem: Vormbaum. Vorm- 
berg. Vormstein, Vormweg — getrennt: 
vorm Walde. 

Vorreiter IIT. „der fürstlichen Wagen vor- 
reitet". 
FN. Vorreiter; Vorreuter. 

Vorster s. Förster. 

w. 

Waaelc s. Wac. 
Waallces s. Wald I. 

WAC I. ahd. wak „wach", mit der Ableitung 
wakar, wachar, mhd. wacker, wacher „wach- 
sam". 
FN. Wagheri: Wager. 

Wacald: Gen. Wachholtz. 
Einstämmige Kürzung Wac-, Wacar-. 
Vaco. Wecho, Wacar: Wake; Waack 
— Wage — Wache — Wecke — 
Wacker. Gen. Weckes; Wex; 
Wecken. Patr. A. Weckering. 

Vklf. (1): Weckerle. (1 -f n): 
Wecklein — Weckherlin; Weckher- 
len; Weckerlein. 
Auslautend -acker: Gunnacker. Hein- 
acker. Eothacker. 
Wach- s. Wac. 

Wächter III. ahd. wahtari, mhd. wahtaere, 
wehter. 

FN. Wächter — Wächter. Zus. Klein- 
Wächter. 
Wadsac]£ III. mhd. wätsac „Eeisesack, Man- 
telsack". 
Wag- 8. Wac. 

Wagehals III. Satz-N. „Wage den Hals", in 
älterer F. Wagenhals (Wagehals auch als 
Appellativ noch in der Sprache). 
Wagener III. ahd. waginari, mhd. wagener 
„Verfertiger von Wagen". 
FN. Wagener; Wagner — mit Umlaut 
Wägener; Wegner. 
Wagenknecht in. „Fuhrmann" (s. Elempin 
Memorab. S. 624: wagenknechte = yoriude 
„Fuhrleute"). Selbst Wagenscihieber findet 
sich als FN. 
Wahl- s. 1) Walah 2) Wald (V.). 
Wahn-, Wähnert s. Wahn. 
Wahnschaffe III. „ungestalt", auch geistig 
„verrückt". 

FN. Wahnschaffe — Wannschaffe; Wa/n^ 
schaff. 



Wäbn- 



Wald 



217 



Wähn- 8. Wan. 
Wahr- 8. War (V., eiiwt. K.). 
Wahrenholtz 8. Warin (V.). 
Waibel III. ahd. weibil, mhd. weibel „Gericht8- 
bote, Amtsdiener" (vgl. SchiUer's Teil II, 2). 

Waitzmann s. Wid (einst. K.). 
Wake s. Wac. 

WAL I. ahd. mhd. wal „Inbegriff der Erschla- 
genen auf der Walstatt" (als der von den 
Walkyrien, den Dienerinnen Wuotans, für 
Walhalla Erwählten). 
FN. Walahraban, Walaram (Kabe der Wal- 
statt S. 17): WäHraferiy Wallraven; 
Walraf, Wallraff'; Walram. 

Auch in den ff. Namensippen Walah 
und Wald stecken sicher manche Ab- 
leitungen dieses Stanunes, die sich aber 
nicht mit Bestimmtheit aussondern lassen. 

Wal- 8. 1) Wal 2) Walah 3) Wald (V., 
einst. K.). 

WALAH I. ahd. walah, mhd. walch „Frem- 
der, Ausländer" (Name, womit die Deutschen 
ihre keltischen und romanischen Nachbarn 
bezeichneten, jetzt „Wälscher"). 

FN. Walahheri: Walcher — Waller — 
Wahler. 
Einstämmige Kürzung Walaho: Wohle; 
Wahl. Gen. WaMen. 

Vklf. (k) Waücho: Walich — 
Waüich — Walch — Walke. Gen. 
Wallichs — Walkes — Welches. 

Walbert s. Wald (V.). 
WALD I. got. valdan, ahd. waltan, waldan, 
mhd. walten „walten". In N. einer der 
ältesten (schon seit dem 1. Jh.) und häufig- 
sten Wortstämme. 

FN. Waldobert: Waübrecht; Walhert; 
Wallher; Walpert — WdUbrecht; 
Wolbert; Wolpert; Wolper (ent- 
steUt Wolbier; WohJbier) — Wol- 
bert; Wölpert. Gen. Wolbertz; 
Wolpers. Patr. A. Wolperding 
(die mit den Silben Wol-, Wöl- be- 
ginnenden FF. auch zu Wulf). 
Walbodo: Waldpott — Wallpott. 
Waldburgaw.: Waldburg — Wallburg. 
Walttag: Woldag — Wohltag. 
Waldifrid: Waltfried. 
Waldegar: Walger. 
Waldhart: Waldhard — Wöltert — 
Wohlert — Wöhlert. 



Waldhar: Walther (Waltermann); 
Waldherr; Walthier — Weiter — 
Wolter — Woller — Wohler — 
Wöhler. Gen. Wolters — Wohlers 

— Wouters (ostfries.). Patr. A. 
Woltering — Wollring. Patr. Zus. 
Wollersen. 

Waldhelm: Waldhelm. 
Walderamnus: Waldraf — Wallramm. 
Waldman: Waldmann — Woltmann 

— Wohlmann. 

Waldomar: Waldemar — Wahlmar 

— Woldemar — Wollmar ; Woll- 
mer (s. auch Wulf). 

WaJdorad: Wallrath. 

Waldirih: Walderich — Waltreich. 
Gen. Walrichs. 
Einstämmige Kürzung Wald-. 

Waldo: Waldo; Walde; Wald — 
Walte — Weide — Weite — 
Wolde — Wolle — Wohl — Wöll 

— Wohl. Gen. Walis. Patr. A. 
WöhJing. 

Vklf. (i) Waldi: Welti (Schweiz.), 
(i + n) Waldin : Weiden — Welten. 
(1) Waltila: WäldeU. (k) Waldiko: 
Weldicke; Weidig — Wöldicke — 
Woltge — Wöhlke. Gen. Waalkes 
(ostfries.). (z) Walzo: Wältz — 
Weltze — Woltze. (z -f 1): Walzel 

— Welzel. 
Auslautend (253 mal Forst.): 

-wäld: Friedewald. Amwaldt. 

-alt: Haynald. 

-al: Lothai. Gen. -als: Eeinals. 
-hals: Göthals. 

-wold: Friedewold. 

-old: Arnold. Eckolt. Gen. -olz: 
Dedolz. Macholz. 

-hold: Keinhold. Amholdt. Gen. -Tiolz 
(S. 35): Amholz. Eeinholtz. 

-Ott: Dagott. 

-ol: Sandol. 

-lot: Macklot. 

-let: Beriet. Heinleth neben Heinelt. 

-elt: Kudelt. 

-et: Amet. Sibeth. 

-el: Gerel (= Gerelt s. Stark 167). 
Wald- s. Wald I. (V., eüist. K.). 
-wald s. a) Wald I. b) Wald III. 
Wald III. Kaum ist in den deutschen ON. 
irgend ein Begriff durch eine solche Mannig- 



218 



Wäld- 



Wannschaffe 



faltigkeit von Ausdrücken vertreten, als der 
von Wald und Busch. „Wald", schon seit 
dem 7. Jh. nachweisbar, hat sich unter allen 
diesen Ausdrücken am längsten u. allgemein- 
sten erhalten. 1) Wald, -wald 2) Walde, 
-walde (elliptischer Dat. Sg., urspr. walda 
3) niederd. -wold, -wohld^ -wolde. 
FN. 1) von Auerswaid. Eichwald. Grun- 
wald. Maiwald. Osterwald. 
Schwarzwald. Steigerwald. 

2) Bärwalde. Fürstenwalde. Beck- 
lenwalde. Schwachenwalde (-walde 
in FN. selten, da diese F. dann 
meist in -wald gekürzt ist: Ärns- 
waldf Jjuckenwaldt aus Amswalde, 
Luckenwalde). 

3) Gronewold. Grotewohlt (Itzehoe). 
Ableitung auf -er (oberdeutsch): 

1) -walder: Taugwalder, Unter- 
walder. 

2) -Wälder: Grünewälder. Schwarz- 
wälder, 

Wald- s. Wald I. 
-Wälder s. Wald III. 

Waldmann a) I. s. Wald I. b) III. mhd. 
waltmann „Einwohner eines Waldes", auch 
„Förster". 
Walger s. Wald (V.). 

Walker III. ahd. walkäri^ mhd. walker der 
„Walker", im 16. Jh. noch „Welker". 
FN. Walker — Welcker. Zus. Hudt- 
walcker. 
Wallb- s. Wald (V.). 
Wallentin s. Valentinus. 
Wallflsch III. wohl urspr. Hauszeichen und 

daher übertragen. 
Walpert s. Wald (V.). 
Wallpott, -ram s. Wald (V.). 
Walt-, Walz- s. Wald (V., einst. K.). 
Waltsgott III. „walte des Gott" (s. Simmer- 
gott). 
Wambold, Wamperlings s. Wan. 
Wams III. eines der gewöhnlichsten Kleidungs- 
stücke alter Zeit, daher selten als FN. 
WAN I. ahd. altsächs. wan, altfries. wen 
„Glanz, Schönheit". 
FN. Wanbold: Wambold. 

Wanibert: Wemper. Gen. Wemmers. 

(Vklf.) Wamperlings. 
Wanfrit: Wanfried — Wahnfried. 
Wauegar: Wanger; Wanker — 
Weniger — Wenger ; Wenker. 



Wanhard: Wannert — Wähnert, 
Wanulf: Wannloff. 
Einstänmuge Kürzung Wan-. 
Wano: Wahn. Patr. A. Wanning 
— Wening. 

Vklf. (k) Wanicho: Wannicke — 

Wanke — Wenige ; Wenig — Wenke. 

WAND I. zu der weitverzweigten Wurzel 

„winden" und „wenden" gehörig; doch ist 

die genauere Beziehung in EN. noch nicht 

genügend erforscht. 

FN. (Wandhart): Wendert. 

Wanther: Wander — Quander. 
Wandemar: Wendemer. 
Wandarich: Wendrich. 
(Wandelt): Wandelt — Wendelt 
Einstämmige Kürzung Wand-. 
Wando: Wände; Wand — Wende; 
Wendt — Quante; Qimndt. 

Vklf. (k) : Wandtke — Wendecke. 
(z) Wanzo, Quanzo: Wenz — Quantz. 
(z+1): Qu£fUzel. (z + k): Wenzge; 
Wenzig. 
Wand III. im Sinne von „Steinwand, Fels- 
wand". 

FN. auf -er (oberd.): Haßlwandei* (Nieder- 
östorr.). Steinwenter; Steinwender (0. 
-wand). 
WANDAL I. zum Volksstamme der „Vandar 
len" — doch ist es vielleicht nur einfache 
Erweiterung des Stammes Wand. 
FN. Wandalarius: Wendeler. 
Einstämmige Kürzung Wandal-, 
Wandalus 5. : Wandel — Wendeü — 
Wentel — Qn^entell. Gen. Wendeis. 
Wandschneider IIL „Gewandschneider". 
Wanfried s. Wan. 

Wang III. got. vaggs, altd. „Feld, Aue" 
(„gesenkte Fläche" Gatschet, ortsetym. For- 
schungen), vgl. engl. wang. In ON. fast 
ausschließlich süddeutsch: Wang, -wang, 
-Wangen (ahd. wangum Dat. Flur.). 
FN. Haldenwang (würtemb.). 
Ableitung auf -er (oberd.): 

1) Ber wanger. Dürrwanger. Ell- 
loanger (0. -en). Feuchtwanger. 

2) Gutwenger. ünterwenger (0. 
-wangen). 

-wang, -wanger s. Wang. 
Wanger, Wank- s. Wan. 
Wann- s. Wan. 
Wannsehaffe s. WahnschalTe. 



War 



Weg 



219 



WAR I. 1) zu ahd. waren „wahren" 2) zu 
got. varjan, ahd. warjan, mhd. wem „wehren". 
FN. Warfrid: Gen. Wehrfrüz. 
Warger: Werger; Werker. 
Werigo:?: Warkos. 
Warlaicus ; Warlich — Wahrlich — 

Werlich. 
Waraman: Wehrmann. 
Warmut: Warmuth — Wermuth. 
(Werwin): Werwein. 
Waraulf: Werlauff. 

Einstämmige Kürzung War-. 
Waro, Wero: Ware — Werr — 
Wehre. Gen. Werres — Wehrs; 
Weeren. 

Vklf. (i): Werry — Wehri. (1): 
Werle — Wehrle — Wörle — 
Guerle. Patr. A. Warling — Wer- 
ling. (1 + n) Waralenus : Wehrlevn. 
(k) : Wahrig — Wehrig — Qiiercke 
(Guericke ?). Gen. Werries (Osnahr.). 

WARD I. got. vards, ahd. warto, mhd. warte 
„Hüter, Wart". 

FN. Wartman: Wartmann — Wortmann. 
(Wartold): Warthold; Warthol. 

Einstämmige Kürzung Ward-. 

Warto: Warth. Patr. A. Warting. 
Vklf. (1): Wardel. (k): Wartig. 

Auslautend (107 mal) Forst.) : 
-wart: Herwart. Ahlwardt. 
-wort: Markwort. Dankworth. 
-werth: Dankwerth. 

WARIN I. Erweiterung von War. 

FN. Warinbold: Warnehold — Warmbold 

— zsgz. Warmbt — Wehrenbold. 
Werinperaht: Wehrenbrecht. 
Warinf rid : Warne fried. 
Warengar: Warneger — Werniger — 

Wehringer. 
Werinhard: Wernhart; Wernert; 

Werneth (Baden) — zsgz. Werndt. 

Gen. Warnders (ostfries.). 
Warinhori: WarnJierr; Warner — 

Wernher; Wernherr; Werner 

(Wernermann) — Wörnhör; Wör- 

ner. Gen. Warners. 
Werinolt : Gen. Wahrenholtz — Warn- 

holtz. 
Einstämmige Kürzung Warin-. 

Warin: Wem — Wörn. Gen. Wams. 

Patr. A. Warning — Werning. 



Vklf. (1): Wemy. (1): Werndl; 
Werndla (München) — Wörnle. 
(1 + n): Wernlem. (k): Warnicke 
— Wernicke; Wernigk. Gren. War- 
nekes; Warnken — Warrentjes; 
Warntjen (beide ostfr.). Patr. A. 
Werneking (entstellt Warnkönig). 
(z) : Wemz — Wörnz. (z + 1) Wezil 
(Stark 93 == Werinhard, aber auch 
Werinhari 94): Wetzel; Wessel. 
Warkos, Warl- s. War. 
Warm- s. 1) War 2) Warin (V.). 
Warn- s. Warin (V., einst. K.). 
Warrentjes s. Warin (einst. K.). 
Wart- 8. Ward. 

Wasser III. ahd. wa?ar, altsächs. watar. In 
ON. 'Wasser, -water. 
FN. Altwasser. Bornwasser. Kaltwasser. 
(Auch FN. WaterfalL) 
Wast- s. Sebastianus. 
Waterbecker III. niederd. „der mit Wasser 

ba^kt". 
Wayant s. Wig (Part.). 
Waydelin s. Wid (einst. K.). 
Waypold s. Wig (V.). 
Weber III. mhd. wehaere. 

FN. Weber (häufig). — Zus. Dünmveber. 
Leinweber; Linneweber, Bosenweber. 
Scharnweber. Vestweber. Wollenweber; 
WoUweber; Wullenwebei' ; Wüllen- 
weber. Niederd. Wever. 
Webert, Wechmar s. Wig (V.). 
Weck- s. Wac. 

Weckesser III. Spottname — ob , wie Vilmar 
will, für Keformirte, die sich beim h. Abend- 
mahle nicht der Oblaten, sondern der Wecken 
bedienen, bleibe dahingestellt. 
Wed- 8. Wid (V., einst. K.). 
Wedd- s. Wid (einst. K.). 
Wede III. ziemlich sicher zu ahd. witu , mhd. 
wite Holz d. i. „Wald". In ON. -wede, 
auch wohl -icied, -wieden. 
FN. Eichwede. von Holwede. Marwede. 
Schmalwede. Schwanewede. 
Wedel III. ungewisser Bed, (ahd. widil Sumpf?) 
— heutzutage in etwa 30 bewohnten örtera. 
FN. Wedel, von Wedell. Krautwedd. 
Marwedel. Saltzwedel. Steinwedel. 
Weer- s. 1) War (einst. K.) 2) Wig (V.). 
Weg III. got. vigs, ahd. weg, mhd. wec, in 
ON. seit dem 8. Jh. — nicht bloß für Wege, 
sondern auch für bewohnte Örter. 



220 



Weg- 



Weppner 



FN. Hollweg (0. Hollwege) — niederd. 
Hohlweg. Nieweg. Steinweg (amerika- 
nisirt Stein way in Neu -York). 
Ableitung auf -er (oberd.): 

HoUenweger. Kirchweger (»jler am 
Kirchwege wohnt" Pott). Bittweger. 
Sachsenweger. Zöllweger. 
Weg- s. Wig (V., einst. K.). 
Wegner s. Wagner. 

Weh- s. 1) Wid (V.) 2) Wig (einst. K.). 
Wehr- s. War (V., einst. K.). 
Wehrenbold, -brecht s. Warin (V.). 
Wehrenpfennig III. Satz-N. „wahre den 
Pfennig", ein Pfennigfuchser; vgl. Hüdepennig 
(Bremer WB.). 
Wehringer s. Warin (V.). 
Wehrmann a) I. s. War b) III. mhd. wer- 

mann „Gewährsmann". 
Wehrmeister III. „Aufseher eines Wehres". 
Weib- s. Wig (V., zweist. K.). 
Weich-, Weick- s. Wig (V., einst. K.). 
Weid- s. Wid (V., einst. K.). 
Weidemann, Weidmann a) I. Wid b) in. 

mhd. weideman (S. 40). 
Weig- s. Wig (V., einst. K., Particip) — doch 
Weigang s. Wid. 
Weihbrecht s. Wig (V.). 
Weihnacht III. einer der „zu Weihnacht ge- 
boren". 
Weilt- s. Wig (V., einst. K.). 
Weiler III. ahd. wiläri, mhd. wiler „einzelnes 
Gehöft; kleines, aus wenigen Gehöften be- 
stehendes Dorf". In ON. außerordentlich 
häufig im Südwesten Deutschlands von der 
Schweiz bis nordwärts nach Köln und Aachen. 
FN. Weiler. Ahrweiler. Derichstveiler. 
Dettweiler. Eschweiler. Kunzwcilei'. 
Lindweiler. Mönchweiler. Scheidweiler. 
Trierweiler. 

(In manchen Fällen ist -weiler auch 
oberd. Ableitung von ON. auf weil: 
Bothweiler vom 0. Eothweil in Baden.) 
Schweiz. Nebenf. -wyl: von Watten- 
wyl. Beriswyl (romanis., Freiburg). 
Göschwiel (Baden, neben 0. Göschweiler). 
WeUing s. Wig (einst. K.). 
Weimann s. Wig (V.). 
Wein- s. Win (V., einst. K.) — doch 
Weinand s. Wig. 

-wein s. a) I. Win (Trautwein) b) III. Wein 
in ON. (Reitwein) c) III. Wein als Getränk 
(Sauerwein, Mongewein). 



Wein in. in ON. wohl zu got. vinja, ahd. 

winne „Weide". 
FN. Beitwein. Schlettwein. 
Wein III. als Gretränk in einigen Zus., die 

jedoch fast alle zweifelhaft sind, da hier bes. 

das altd. Win stark hereingreift (S. 46). 
FN. Altwein. Gutwein. Kühlwein. Menge- 
wein. Sauerwein. 
Weinbrenner III. Branntweinbrenner (Marb. 

Gewerbe -Verz. „Weinprenner"). 
Weinmann a) I^ s. Win b) III. mhd. winman 

„Weinbauer; Weinschenk" („Weinhändler", 

im ältesten Berliner Stadtbuche von 1397). 
Weinstock III. z. Th. wohl durch Häuser- N. 

vermittelt, wie auch Weintrauh , vgl. Gast- 
hof „zur Traube". 
Weinzierl III. (bair.) „Winzer" (Fröhner 

Karlsruher Namenb. S. 21). 
Weippert, Weirich s. Wig (V.). 
Weis- s. Wis. 
Weiß a) s. Wid und Wig (einst K.) b) III. 

der „Weiße" d. i. Weißhaarige (Hellblonde). 

Vgl. Weißhaar. 

FN. Weiße; Weiß. Niederd. de WiU 
(Kleve); Witte. 
Weißermel III. s. Ermel (= „MüUer"?). 
Weißgerber III. mhd. wi^gerber der „das 

Leder weiß gar bereitet". 
Weit- s. Wid (V., einst. K.). 
Weitz- s. 1) Wid (einst. K.) 2} Wig (einst 

K.). 
Welches s. Walah. 
Welclier s. Walker. 

Weld-, Welt-, Welz- s. Wald (V., ernst K.). 
Well- s. Wil (V., einst K.). 
Wemmer, Wemper s. Wan. 
Wend- s. 1) Wand 2) Winid. 
Wendel- s. Wandal. 
Wendemnth III. Satz-N. „der seinen Simi 

leicht ändert". 
-wender s. Wand UI. 
Wenger s. Wan. 
-wenger s. Wang. 
Wenig s. Wan. 
Wenk- 8. Wan. 
Wenndrich s. Wand I. 
Wentel- s. Wandal. 
-wenter s. Wand III. 
Weuz- s. Wand. 
Wepold s. Wig (V.). 
Weppner III. mhd. waepenaere, weppener 

„Grewaffneter, »Schildknappe". 



Wer- 



Wid 



221 



Wer- 8. War (V., einst. K.). 
Werd- 8. Wird. 

Werder s. a) 1. Wird b) III. Werth. 
Wern- s. Warin (V., einst. K.). 
WeiT- 8. War (einst. K.). 
Werth- s. Wird. 

Werth in. ahd. warid, mhd. wert (von war- 
jan, schützen, wehren), erhöhtes, gegen 
Überschwemmung gesichertes Land in Flüs- 
sen oder zwischen Sümpfen, auch im oder 
am Meere: „Werd, Insel". Schon seit dem 
8. Jh. in einer nicht gelingen Zahl ON. — 
jetzt besonders in den FF. -werth, -wörth, 
-ivorth; -werden, worden. Neuere F. 
- Werder. 

FN. (bes. in Nordw.-D.) 1) aus'm Werth. 
Neuwerth, niederd. Niewerth. Peter- 
werth. Bottewerth. Schönw&i'th. — 
Berenschicerdt (neben Behrenswerth — 
Münster). Hesselschwerth (st. Hessels- 
werth „Eüand des Hezilo" Steub S. 152 
— wie Ermschwerd a. d. Werra aus 
Ermeswert „Insel des Enno" s. Andresen 
Volksetymologie S. 52). So auch wohl 
Kocksehwerdt aus Kockswerth. 
2) Eggenwörth. Kleinedingwörth. 
3)v. Alhvörden. 
Wessel 8. Warin (einst. K.). 
Wesseler III. niederd. = Wechsler. 
WEST I. ahd. westan, mhd. westen. 

FN. (einstämmig): West. 
WESTAR I. Erweiterung des Stammes West 
(Westrat, Wistremar). 
FN. (Westerman): Westermann. 
(Westerih): Westerich. 
Einstämmige Kürzung Westar-: Patr. A. 
Westerling. 
Wester III. althd. westar, mhd. wester „west- 
wärts, im Westen", in mehreren Zus. wie: 
Westermeyer , -millies. 
Westermillies s. Aemilius. 
Westphal III. em „Westfale". Auch West- 

fehling. 
Weit- 8. Wid (ernst. K.). 
Wetter III. in mehreren Zus.: Bösewettei'. 
Brauseivetter. Faulwetter. Kühlwetter. 
Schöfuvetter — wohl mit Bezug auf Cha- 
rakter und vorherrschende Stinmiung, wie 
man von jemand sagt, es sei „bei ihm Gut- 
wetter, Schlechtwetter", er sehe aus „wie 
acht Tage Regenwetter" u. Ähnl. 
Dagegen Kiesetvetter imperat. 



Wetzel s. Warin (einst. K.). 

Wever s. Weber. 

Wex s. Wac. 

Wey- andere Schreibung st. Wei- s. Wig (V., 

einst. K.). 
Wiard- s. Wig (V.). 
Wib- 8. Wig (V., zweist. K.). 
Wich-, Wick- s. Wig (V., einst. K.). 
WID I. zu got. vidus, ahd. widu, witu, mhd. 
wite „Wald" (noch im Engl, wood vom 
angels. vudu) — wenn auch dasEigenschaftsw. 
wit „weit" hereinspielen mag. Seit dem 4. Jh. 
FN. Witbald: Wittbold. 
Widbert: Weitbrecht. 
Witbrannus: Witbrandt. 
Widpurc w.: Wideburg. 
Widttkind: Widekind — Widdekind 

— Wittekind — Wedekind — 
Wehkind. 

Widugang : Wittgang — Wiegang — 

Weigang. 
Witgar: Widiger — Wediger. 
Withard: Witthard — Weidert. 
Withar: Witter — Wieder (Wieder- 

mann) — Wieter — Weder (We- 

dermann). Gen. Wieders — Wie- 

ters. 
Withelm: Widhalm. 
Widolaic: Weidelich — Weitlich — 

Wedlich. 
Widiman: Widmann — Wittmann 

— Wiedemann — Weideinann; 
Weidmann — Weitm^ann — Wede- 
mann. 

Widiomar: Widmer — Wittmar; 
Wittmer — Wedemar. 

(Widimod): Wiedemuth. 

Witirih: Wütrich. 

Widald: Witold; Witholdt — Wiede- 
wald. Gen. Wittholtz — WiethoUz. 
Einstämmige Kürzung Wid-. 

Wido, Wito: WiUe — Wiede — 
Weide — Weithe — Wede — 
Quidde — {Vieth u. Veit durch Ver- 
mittlung des latinis. Vitus). (xen. 
Wiets. Patr. A. Witting — Wie- 
ding — Wieting. 

Vklf. (1): Wittel — Weidel; 
Weidle. a + n)Widulin: Wayde- 
lin; Weidlin. Patr. A. Wittling 

— Wiedling — Weüling. (k) Wi- 
duco: Widdig — Wittcke; Wittge ; 



Widd- 



WiUig — Wieddicke — Watig; 
Weitke — Wedigo (Wedig aU VN, 
noch jetst in d. Familie t. d. üsteü); 
Wedeke — Wettke. Gen. Wütieken 

— Weddigen — Wedigen — Wett- 
ken — Wieljes (ostfries.). Patr. A. | 
Wedeking. (z) Witiza, Wizo: Wietie f 

— WeiUe (Waitumann) — Wif/S 
(Weiß), (z + 1): Weitzel. (i + k): 
WUtxhe. 

WiU- B. Wid (V. , einst. K.). 
Widemarker III. antstöDt in Widemariter 
„der für die Holzmark (witu) la sorgen hat" 
(VUm.)- 
Widmer a) I. s. Wid b] mhd. widemer der 
Bauer, welcher „den Widum (ahd. widiira, 
mtid. wideme) d. i. das Kirchengut bebaut". 
FN. Widmer; Wütnier — auch Wimmer 
(Heinrieb der Wimmer 1294 Baem.). 
Wieb- B. Wig (V., iweist. K.). 
Wiech-, WIeck- s. Wig (V., einat. K.). 
Wied- s. Wid (V., einst. K.). 
Wieg- s. 1) Wid (V.) 2) Wig (V., einst. K.). 
Wiegelmesser 111. deutl. Geräth-N. (S. 44). 
WieMe b. I) Wig (einst. K.) 2) Wü (einat. 

K.). 
Wlehn 8. Win (einst K,). 
Wlek- s. Wig (V., einst. K.). 
Wiel- 1) Wig (V.) 2) Wü (V., einst. K.). 
Wlem- B. Wig (V.). 

Wien- 8. 1) Wig(V.) 2) Win (V., einst. K.). 
Wiener III. achon im 14. Jb. (S. 56 Anm,), 
Wiep-, Wier- s. Wig (V.). 
Wies- a. Wis. 

Wiesand 111. ahd. wiaant, nibd. wisent 
„Bliffelochse", noch im Nibelungenliede er- 
wähnt. 
Wleslutnm IIT. mhd. wiebaum, ein Baum, der 
oben auf den Heuwagen gelegt, zur Bofosti- 
gung dos Heues dient. Auch Hevbaunt. 
Wiese in. ahd. wiaa, mhd. wise. 

FN. Binneteies. Deppentviese. — Wüse- 
meyer. Niederd. von der Wisch. Deipev^ 
wiaek. Feldivisch. Gosewisch. Meyer- 
vHsch (westf.). Jletkicisch. — Wisdi- 
mann. Wischmeyer. 
Ableitung auf -er; 

-mieser (oberd.): Breiimeser. Gmein- 

wieser. Ilohenvneser. 
-Wischer (weetf.): Sudteischer. 
WICBwell III. Satz-N. „wie es welle (woUe)" 
d. i. geh es, wie es woUe (S. 51). 



Wiet- H. Wid (V., einat. K.). 
WIetz- s. Wid (einst. K.), 
WIG I, ahd. wig, wie, mhd. wie „Kampf. 
(Mischt i<ich mit wih Heiligthum und wid 
Wald.) 
FN. Wigibald: Wickbold — Witboid — 
WaypoJd — WepoM. 
Wigherht: Wieprecht; Wispert; 
Wieber — Wipprecht; Wippert — 
Weyprecht ; Weihijrecht ; Wei- 
bert; Weippert — Webert. Gen. 
Wiegberts — Wiebera — Wibet» 
(oatfriea.). 
Wigbrand: Wippem. 
Wighard: Wigard — Wieicert — 
Wiggert — Wkkardt — Wichardt 
Weighardt: Weigardt — Weikert 

— Weiehhardt; Weickart; Wei- 
chert — Wegei-t. Gen. Wiegartz 

— Wickerts — Wiards (oatfriea.) 

— Wierds (Wierdsma). Gen. Flur, 
(oatfriea.) Wiarda; Wyerda; Wey- 
erda; WeeTda. 

Wigheri (im Zusammenfluß mit Wig- 
gar) : Wieger — Wiecker — Wig- 
ger — Wicher — Weiger — Weger 

— Weyer (Wegermann). Gen. 
Wiegers — Wiggers — Wiehere 

— Weichera — Weyers — Wiers 

— Weem. Patr. A. Wigering. 
Patr, Zus. Weyei-ssen — Weerasen 
(beide oatfries.). 

Wichraban: Wygram. 

W^leip: Wiegkb — Wielepp — 

Weylepp. 
Wigland: Wiegland. 
Wigman: Wigmann — ITfeeAMonn 

— Wiemann — Weichmann — 
WeickJiniann — Weimann — Weg- 

Wigmar: Wismar; Wiemer — Weck- 

mar. Gen. Wiemers. 
Wigmuot: Wiegmitnd — Wegeaumd. 
Wiguand: Wienand (Gwinand) — 

Weinand. Gen. Winands — Weg' 

namds. 
Wigirich : Wegerich — Weiridt. 
Wigold: Wiecheü— WeygoU; Wei- 

gelt; Weigt— Weichoid; WeichhM 

— WeijoM. 
(Wigwart): Wegwerth. 



Wig 



Win 



223 



Einstämmige Kürzung Wig-. 
Wigo, Wicco, Wego: Wieck — Wigge 

— Wicke — Wiche — - Weig — 
Weicke — Weiche — Wey — 
Wego; Wege — Wehke. Gen. 
Wieken — Weiks — Weyen, 

Vklf. (1) Wigilo: Wiegel (Wiegel- 
mann) — Wiechel — Weigel; Wei- 
gele (schwäb.) -— Weiche! — Wegel 

— Wiehle. Gen. Wiegels. Patr. 
A. Weüing. (1 -f- n) : Wicklein — 
Weigelin — Wegelein, (z) Wegezo, 
Wizo: Witze; Witz — Weitz 
(Weiß), (z + 1): Wizel; Witz- 
schel. (z + k) : Witzke — Weitzke. 

Zweistämmige Kürzung Wigb-. 
Wibo, Wippo (Stai'k 118, aber auch 
zu Wid und Wil) : Wiche ~ Wippo 
(Münster). Gen. Wichen. 

Vklf. (1) : Wihel - Wippel. Gen. 
Wiehels — Weiheis. (1 + n) Wibe- 
lin: Weihlen. (k): Wiehecke — 
Wippich. Patr. A. Wieheking. 
ParticipiaJe Bildung: Wigand (der 
„Kämpfende") ; Wiegent — Weigand ; 
Weigend — Weiand, Wayant. 
Auslautend (86 mal Forst.) : 
-wig: Hartwig. 
-wich: Hartwich. 
Wig III. got. veihs, ahd. wich, fries. u. alt- 
sächs. wik — entsprechend dem lat. vicus. 
Seit dem 7. Jh. in ON.: -wig^ -wiek^ -weig. 
FN. Brmiswig. Braunschweig. Bardo- 
wicks (Harburg). 

Ableitung auf -er (oberd.): Braun- 
schweiger. 
Wigg- s. Wig (V., einst. K.). 
WIL I. got. vilja, ahd. wiljo, rahd. wille 
„Wille". In PN. seit dem 5. Jh. nach- 
weisbar. 
FN. WiUabald: Wilihald. 

Willaperht: Wilhrecht; Willharth; 

Wilpert — entstellt Wildbret. Gen. 

Wilhertz; Wilhers. Patr. A. Wil- 

herding. 

(WiUibrand): Willehr andt; Wil- 

hrand. 
Williprort: Willehrord. 
WiHafred: Wilfert; Wüfer; Wil- 

fahrt. 
Williger: Williger; Willcher. 
Willigard: Wülgert. 



Willihard: Williard; Willard; Wil- 
lert; Willet. (jen. Wilts (ostfries.). 
Patr. A. Willerding. 
Wiliachar: Willer — Wieler — Weller 

(Wellermann). Gen. Wielers. 

Willahalm 8.: Wilhelm; Wühalm, 

entstellt Wilharm (oft Willermus, 

Guillermus 10. — 11. Jh.) — zsgz. 

Wilm — latinis. und im Anlaut 

gekürzt Heimus. Gen. Wilhelms — 

(lat.) Wilhelmif in eigenthümlicher 

Schreibung Wilhelmj — Willems; 

Wilmes; Wilms (Wilmsmeyer). 

Patr. Zus. Wülemssen — Wilmsen. 

Willicumo: Willkomm. 

Williman: Willmann — Wellmann. 

Gen. Wilmanns. 
Willimar: Willemer; WiUmar. Gen. 

Wilmers. 
Willimot: Willmuth. 
Willirat: Willrath, Wülradt. 
Willierich: Würich. 
Wilitanch: Wildang. 
Einstämmige Kürzimg Wil-. 

Wiüa,Wmo: WilU-- Wiehle— Welle. 
Gen. Willes. Patr. A. Willing — 
Wieling — Welling. 

Vklf.(k): Willeke; Willige; WiU 
lieh; Wilko; Wilcke, Gen. Will- 
kes. (k + n) Willikin: Willeken; 
Wilken. Gen. Willikens; WÜkens. 
Patr. A. Wilkening. (z) Willizo: 
Wiltz; Wiltsch. 
Wll-, Will- 8. Wü. 
W immer s. Widmer. 

WIN I. ahd. wini, mhd. wine „Freund". Seit 
dem 5. Jh. 
FN. Winibald: Weinpt)ld. 
Winipreht : Weinbrecht. 
Winidrud: Wemtraud, Weintraut. 
Winiger: Winniger — Winiker — 

Winker. 
Winigard: Wevngardt. 
Winihart: Wienert — WdnJiart; 
Weinardt; Weittert Gen. Win- 
nertz. 
Winiheri : Weiner, 
Winileih: Weinlig. 
Winiman : Weinmann. 
Winimar: Weinmar. 
Winirich: Wienrich — Weinrich; 
Weinreich. 



224 



Winands 



Wittkop 



Winevold: Winhold — Wienholt — 
Wei/nnoldt; Weinhold. Gen. Wien- 
holtz — Weinhölz. 
Einstämmige Kürzmig Win-, 
Wino, Quino: Wmne — Wiehn — 
Quin — Weine; Wein. Gen. Win- 
nen — Wiens; Wynen — TFetwew. 
Pata*. A. Winning. 

Vklf.(l)Winüo: Weinel; Weindl 
(k) Winicho: Winnich — Winke; 
Winck — Quinke — Wi/necke; 
Wieniff — Weineck; Weinig. Gen. 
Wientjes (ostfries.) — Weinges; 
Weings. (k + n): Winneken — 
Wyneken. (z) Winizo: Wintz — 
Wientz — Wemtz. 
Auslautend (183 mal Forst.) : 
'Win: Gerwin. Bolwin — auch -wien 

geschrieben. 
-wein: Baldewein. Frowein. Traut- 
wein. 
-hein: Deutschbein. Siebein. Widebein. 
Winands s. Wig (V.). 
Wind- s. Winid. 
Winecke s. Win (einst. K.). 
Wingerter III. mhd. wingartaere, wingerter 

„Weingärtner". 
Winhold s. Wiu (V). 

WINID I. zum Volksnamen der „Winden" 
oder Wenden. 
FN. Windogast: Wendegast. 

Winidhari: Winder — Winter. Vklf. 

Wintterlin. 
Winidold: Windhold. Gen. Windholz. 
Winidulf: Windolf. 
Winidisco (adjectivisch) : Windisch 
(Wi/ndischmann) — Wendisch. 
Einstänunige Kürzung Winid-. 

Winde; Wi/ndt — Wende; Wendt. 
Gen. Winden. 
Winilter s. Win (V.). 
Winke s. Win (einst. K.). 
Winkel III. ahd. winkil, dem Ausdr. „Ecke" 
sehr nahe stehend (dasselbe von innen, was 
Ecke von außen angesehen). Jetzt neben 
einfachem Winkel ein paar hundert ON. auf 
'Winkel, worunter am bekanntesten Kräh- 
winkel. 

FN. Bärwinkel; (bair.) Beriovnkl. Hane- 
winkel. Katzicinkel. Kornwinkel, von 
Krähwinkel (schon ahd. Chrawinchil, 
von den Krähen). Kramwinkel. Beh- 



winkel. Bußwinkel. Voswinkel. Schade- 
Winkel. 
Winker s. Win (V.). 
Winkler III. der einen „Winkel" d. i. eine 

Krambude hat, Krämer. 
Winn- s. Win (V., einst. K.). 
Winter 1) Winidhari (s. winid) 2) PN. Wintar, 
der wenigstens bei Neugart, codex diplom. 
Alamanniae im J. 858, wo Wintar u. Sumar 
Brüder sind, mit Sicherheit zu ahd. wintar 
„Winter" gehört (Porst.). 
Wintterlin s. Winter. 
Wintz s. Win (einst. K.). 
Wipp- s. Wig (V., zweist. K.). 
WIRD I. zu got. vairths, ahd. werd „werth". 
FN. Werdher: Werder (Werdennann) — 
Werther. 
Werdmann: Wirthmann — Werth- 

mann. 
Werdold: Werdelmann. 
(Werdwin): Werthwein. 
Einstämmige Kürzung Wird-, 
Werde: Wirth — Werth, Wer dt. 
Gen. Plur. Werda (ostfries.). 

Vklf. (1) Wirdüo): WirteU — 
WürdeU — WürthU. (k)Werdicho: 
Werdich. (z) Werzo: Wirz. 
Wirth a) I. s. Wird b) III. der „Wirt" (Jar 
cob der wirt 1299). 

Zus. Brinkwirth. Dorf wirth, KafMgf- 
wirth (s. Kamp III.) Auch wohl Jungwirth; 
Bosenwirth. 
Wirthmann, Wirz s. Wird. 
WIS I. zu ahd. wisan „weisen", wiso „Fahrer", 



wis „weise* 



FN. (Wisigar): Wisger. 

Visichart: Wiesert — Weishafdi; 

Weisert. 
Wisman: Wiesmann — Wißnumn 

— Weismann, 
Wisamar: Wiesmer — Wismer. 
Einstämmige Kürzung Wie-. 
Wiso: Wiese — Weise. Gen. Wiesen, 
Patr. A. Wiesing. 

Vklf. 0) WisiU: Wiesel — WeM, 
(k) : Wieseke — Wiske — Weitike, 
Wisch-, -wisch s. Wiese. 
Wisgott III. Betheuerungsformel : mhd. wisse 

got, wie wizze krist. 
Wißmann s. Wis. 

Wit-, Witt- s. Wid (V., einst IL), 
Wittkop Iir. niederd. „Wdßkopf« (s. Koirf), 



^•1 



Wittkugel 



Wulf 



225 



Wittkugel III. einer „mit weißer Kapuze" 

(S. 45). 
Witz-, Wizel s. Wid (einst. K.). 
-witz 8. -itz. 

WOD I. zu got. vods wütend, besessen, ahd. 
wuotan, mhd. wüeten „wüten" — mit Be- 
ziehung auf Wuotan (S. 13). 
FN. (Wodger) : Wüdiger. 

( Woderih) : Woderich — Wottrich — 
Wudrich — Wuttrich. 
Einstämmige Kürzung Wod-. 
Woto : Wode — Wothe - Wöde — 
Wuäe — Wuthe; Wuth. 

Vklf. 0) Wodal: Wödel (1 + n): 
WöUlin. (k) Wodicho: Wodicke — 
Wothge — Wottke — Wudicke — 
Wuttke — Wüttig. (z) Wuzo: 
Wutzo. 
W»d- 8. Wod. 

Wohl-, Wohl- 8. Walt (V., einst. K.) — doch 
Wohlfromm s. Wulf. 

Wohlgemuth III. zu den von Eigenschaften 
entlehnten N. (S. 48). Hainr. Wolgemut 
1390; entstellt in Wolke nmuth. 
Wohlschlegel III. entstellt aus Wollschlegel 

= „Wollschläger". 
Wohn- 8. Wun. 

Wölb-, Wölb- 8. 1) Wald (V.) 2) Wulf (V.). 
WOLC I. ahd. wolkan, mhd. wölken „Wolke" 
— in Wolkmar, Wolchanhart u. A. 
FN. Wolchanhart: Wolkenhaar ^ entstellt 
Wolkenhauer (Fick). 
Einstämmige Kürzung: Wolke; Wolck 
— Wölke (auch zu Wald = Waldiko). 
Wold- 8. Wald (V., einst. K.). 
Wöldlcke 8. Wald (einst. K.). 
Woldgrebe III. „Aufseher eines Waldes" s. 

Graf. 
Wolf a) I. 8. Wulf — bes. in Zus. wie Ber- 
wolf\ Hertwolfj Streitwolf. 

b) III. vgl. Petrus dictus Lupus 1390 
Köln. Univers. Matr. — Zus. Weißenwolf 
wohl elliptisch „zum weißen Wolf". 

Als jüdischer N. für Benjamin mit Be- 
ziehung auf den Segen Jacobs 1. Mos. 49, 27. 
Wolf-, Wolf- s. Wulf I. (V., einst. K.). 
Wolfshand, Wolfshelm, Wolfskehl (Philipps 
Wolfskele 15. Jh.), Wolfsklnn III. zum 
Theil in dem uralten, heidnischen Glauben 
des Volkes wurzelnd. 
Wölk-, Wölke s. 1) Wald (einst. K.) 2) Wolc. 
Wolker s. Wulf (V.). 

Heintze, Deutsche Familien -Namen. 



WoU-, WöU- 8. 1) Wald (V., einst. K.) 
2) Wulf (V.). 

WoUensehläger III. mhd. woUensleger der 
„durch Schlagen die Wolle reinigt und ver- 
arbeitet". Auch Wollschlägei\ 

Wolp-, Wölp- 8. 1) Wald (V.) 2) Wulf (V.). 

Wolt-, Wölt- 8. Wald (V., einst. K.). 

Woltemate III. niederd. „wohl zu Maße" (der 
das rechte Maß zu halten weiß). Auch 
Woltemade; Woldeniathe — halbbochd. 
Wöltemas. 

Wolzogen III. „wohlgezogen". 

Wöniger s. Wun. 

Wörn- 8. Warin (V., einst. K.). 

Wortmann s. Ward. 

Woth-, Wott-, Wöttlin s. Wod. 

Wouters s. Wald (V.). 

Wucherer III. ahd. wuocharäri, mhd. wuo- 
cheraere, urspr. ohne ungünstigen Nebenbegriff 
(so noch bei Luther, Ev. Luc. 7, 41 — 42). 

Wud-, Wüdiger s. Wod. 
Wulbrands s. Wulf (V). 
Wulf- 8. Wulf (V., einst. K.). 
WtUf- 8. Wulf (ernst. K.). 

WULF I. got. vulfs, ahd. mhd. wolf, altsächs. 
wulf „Wolf", das dem Wuotan heilige Thier 
(S. 17). Seit dem 4. Jh. (Vulfila der West- 
goten-Bischof) in EN. nachweisbar, über 
alle deutschen Stämme verbreitet. 
FN. Wolfbald: Wolbold. 
Wolbero: Wolleribär, 
Wulfbert: Wolpert — Wölpert. Gen. 
Wolberts; Wolbrigts(o8iineB.), Patr. 
A. Wolperding, 
Wolfbrand: Wullbrand — Wolbrand. 

Gen. Wulbrands — Wolbrands. 
Wolfgang: Wolfgang. 
Wolfker: Wülker — Wolker. 
Wolfgard w. : Wolfgart. 
Vulfhard: Wulffert — Wdffhardt; 
Wolfart (Wohlfahrt); Wolfert; 
Wolfer ^ Wolfert; Wolf er. Gen. 
Wolferts. 
Vulfhar: Wolf er; Wolfermann — 

Wölfer. Gen. Wolfera, 
Wolf hraban : Wolfram ; Wolf gram ; 
Wolfrom; Tf^oZ/ruw — (umgedeutet) 
Wohlfromm. 
Vulfolaicus: Wolf lieh. 
Wulflaib: Wulf Uff -^ Wolleib. 
Vulfrad: Wolfrath, Wölfradt. 

15 



226 



Wülker 



Zamel 



Wolfrun w.: Wolfrun. 
Ulfoard: Wöllwarth. 
Einstämmige Kürzung Wolf-. 

Vulfo: Wulf— Wolff(al8 Vom. z. B. 
Wulff Pudwils 1453 Pomm. Urk.). 
Gen. Wolfes; Wolfen. Patr. A. 
Wülfing — Wölfing. 
Vulfin: Wulffen. 

Vklf.(l) Vulfila: Wolfel - Wölfel. 
Patr. A. Wölßing. (\ + n) Wulfo- 
lenus: TröZ/7m.(k)Vulficho: Wülfke. 
Gen. Wülfken — Wölfken. 
Auslautend, häufiger als jede andere 
Wurzel (377 mal Forst.) : 
-wolf: Hertwolf. 
'Ulf: Kierulff. 
- olf (olph) : Landolph. 
'Uf: Dieruf. 
'Of: Margoff. 

-auf: Gangauf (Gangolf). Bitterauf. 
-lof: Dettlof. Osterloff. 
'lauf: Kolauf und Kudlauf neben Ku- 
dolf , Heidelauf neben Heideloff (Hei- 
dolf). 
-lef: Bertleff. Garleff (bei Klemp. 
Gerloff, Gerleff als derselbe N.). 
Wülker, WuUbrandt s. Wulf (V.;. 
Wullenweber, WttUenweber = Wollenweber 

s. Weber. 
WÜN I. wohl zu ahd. wunna „Wonne". 
FN. Vunniger: Wöniger. 
(Wunnihart): Wöhnert. 
Wunnaheri: Wöhner. 
Einstämmige Kürzung Wun-. 
Wunno: Wunn — Wün/ne. Patr. A. 
Wünning — Wöhning. 
Vklf. (k) : Wunnecke — Wüncke. 
Wunn-, Wttncke, Wttnn- s. Wun. 
Wttrdele s. Wird. 

Wurm 111. got. vaünns, ahd. mhd. wurm 
„Wurm; Schlange, Drache". 
ITN. von Wurmb; Wurm. 
Zus. Goldwurm. Käsewwrm. Lindwurm. 
Maiwu/rm. Bußwurm. 
Wurst in. das deutsche Nationalessen (S. 46). 
FN. Wurst (Hans Wurst 1441). Vklf. 
Würstlin. 
Zus. Blutwurst. Knackwurst. Kraut- 
lourst. Leberwu/rst. 
Wurster 111. mhd. wurstaere „Wurstmacher". 
Würthle s. Wird. 
Wuth-, Wüttig, Wuttrieh, Wutzo s. Wod. 



Wyerda, Wygram s. Wig (V.). 

-wyl 8. Weiler. 

Wyn- 8. Win (einst. K.). 

X. 

Xander II. s. Alexander. 



Y. 

York — in Hinterpommem , etwa eine Meile 
von Bütow, liegt das adehge Gut Groß- 
Gustkow, von früher her unter mehrere 
Familien pommerschen Landadels vertheilt. 
Eine dieser altkassubischen Familien waren 
die Jorken oder Jarken, eines der unzäh- 
ligen armen Adelsgeschlechter des slavischen 
Landes. Schon im Beginne des 17. Jahrb., 
im J. 1607 , findet man Lehnbriefe der Jorken 
zu Groß-Gustkow — ein Beweis, daß der 
nachmals berühmteste Träger des Namens, 
der Feldmarschall York von Wartenburg, 
irrte, wenn er behauptete, von dem hoch- 
berühmten englischen Geschlechte der York 
abzustammen; ein Zweig derselben sollte in 
der Mitte des 17. Jh., etwa 1650, erst nach 
Schweden ausgewandert und von dort nach 
Pommern gekommen sein. 



z. 



Zacharias IL hebr. „Jehova gedenkt" 1) ein 
Prophet des A. T. 2) der Vater Johannes 
des Täufers. 

FN. Zachariae — Zacher. 
Zagel III. ahd. mhd. zagel „Schwanz^ in 
mehrf. Zus. (die z. Th. wohl ON. sind, vgl. 
Hasenzagel). 

FN. Battenzagel — gew. zsgz. -zahl: 
Hasenzahl. Lämmerzahl. MäuseziM. 
Voszal. Weihezahl. 
-zahl s. Zagel. 

Zahn III. doch wohl nach einem irgendwie 
ungewöhnUchen Zahne, vgl. lat. Dento, Den- 
tatus (Pott). 

In mehreren Zusammens.: Berzahn («« 
Eberzahn); Weihezahn (= Wackel-), vgl. 
Scharfzahn 1427 ; — doch nicht hierher ge- 
hörig Maltzan , welches slavisch. ürspr. ist. 
Zaiser, Zaitz s. Zeiz. 
Zamel s. Samuel. 



li 



—fc- 



Zehondor 



Zjbrandts 



227 



Zehender III. „Zehntenerheber" (Appo der 
Zehender 14. Jh.). 
FN. Zehender; Zehntner. 
Zeidler III. ahd. zidaläri, mhd. zidelaere 
„Bienenzüchter", bes. mit Hinsicht auf die 
früher im Großen betriebene Bienenwirtschaft 
im Walde. Die Zeidler bildeten eine Ge- 
nossenschaft mit besonderen Satzungen und 
Kechten. 
Zeis-, Zeiß- s. Zeiz. 

Zeit III. in Zus.: Guttseit (vgl. franz. Bon- 
temps). Liebzeit. Neuenzeit (elliptisch = 
zur neuen Z.). 
ZEIZ I. ahd. zeiz „zart", altnord. teitr „froh" 
(herteitr „kriegesfroh", Beiname Odhins). 
FN. Zeizperc: Zeisberg. 
(Zeizger): Zeisiger. 
Zeizher: Zeißer — Zaiser. 
Einstämmige Kürzung Zeiz-. 

Zeizo: Zaitz (Zeitzmann) — Zeiße; 

Zeyß — Zeise. Patr. A. Zeißing 

— Zeising. 

Zell m. lat. cella, zur Bezeichnung von 

Klöstern angewendet, seit dem 8. Jh. nach- 

weislicli in Manegoldcscolla u. a., einfaches 

Cella schon in demselben Jh. weit verbreitet. 

Jetzt 'Zell. 

FN. Zelle, von Lauberszell. 
Ableit. auf - er (oberd.) : Zeller. Appen- 
zeller. Finkenzeller. Pfaffenzeller. 
Zent^raf III. der einer „Cent d. i. Hundert- 
schaft Vorsitzende Graf". Cuntz Zentgreff 
15. Jh. 

FN. Zintgraf — Zinhgreff. 
Zeyß 8. Zeiz. 
Ziekendrath III. Satz-N. „zücke, ziehe den 

Drat", Spott-N. des Schusters (Vilmar). 
Ziebarth s. Sig (V.). 
Ziel-, Ziehl- s. Zil. 

ZIER I. ahd. ziari, mhd. ziere „zier, schmuck". 
FN. (Zierold): Zierold. 
Einstämmige Kürzung Zier-. 
(Ziero): Ziehr. Gen. Zieren. 
Vklf. (1 + n): Zierlein. 
Zierfuß IE. „mit zieren d. i. zierlichen, schö- 
nen Füßen", vom mhd. Elgenschaftsw. zier. 
ZIL I. ahd. mhd. zil „Ziel", ahd. zilon streben. 
FN. (Zihger): Zieleger — Zilger. 
(Zilheri): Zieler. 
Oiliman: Zillmann. 
(Zilmar): Zillmer. 



Einstämmige Kürzung Zil-. 
Zilo, Zillo: 2^hl. (jen. ZilUs; Zils, 
Patr. A. Zilling. 
Verkleinert (k): Ziehlke. 
Zilias, Zilges s. C}Tiacus. 
Zill- 8. Ziel. 
Zimmermann III. mhd. zimberman. 

FN. Zimmermawn. Gen. Zimmertnanns 
(niederrhein.). Niederd. Timmermann 
(Klemp. Tymmerman). Auch Zimmer- 
ling findet sich in derselben Bed. 
Zinkgreff, Zintgraf s. Zentgraf. 
Zoller III. mhd. zollaere, von zoUen „Zoll 
fordern". 
FN. Zoller — Zöller. 
Zöllner III. ahd. zollanäri, mhd. zolnaere 
(lat. telonarius). 

FN. Zöllner. Niederd. Töllner (Klemp. 
Tohier und Toller). 
Zoons (niederrhein.) holländ. F. = deutschem 

Sohns. 

Zu in vielen FN.; Zufelde. Zutafern (ad 

tabemam); doch gewöhnlich mit Artikel: 

zum, zur (niederd. ten, ter). 

FN. Zumbach; halbniederd. Zumbeck. 

Zumbaum ; halbniederd. Zumbohm. Zum 

Bild (doch wohl Heiligenbild). Zum- 

brink; niederd. Tombrink. Zum Brook 

(Oldenb., = zum Bruch). Zumbühl 

(Baden, = zum Hügel). Zumbusch. 

Zum Felde; Zumfeld (vgl. van dem 

Felde, Gott. UK. im J. 1371). Zum 

Fleth (Fheü). Zum Hagen. Zum Hofe; 

Zumlioff. Zumholz; halbniederd. 2^m- 

holte. 

Zurheide, Zurkaulen (zur Grube). 
Zurmühlen. Zurnieden; zur Nedden. 
Zur Windmühlen (s. über diese und die 
verwandten Bildungen S. 53). 
Zueksehwerdt III. Satz-N. „zücke das 
Schwert". Vgl. Cucksswert (Altmarburg, 
Keichel). 
Zum-, Zur- s. Zu. 
ZOreher III. = Züricher. 
Zwingly III. nach Stalder's Idiotikon aus 
„Zwilling", ahd. zwiniling. Vgl. Petrus 
czwilling 1372. 
Z wimer III. von zwirnen == „zusammen- 
drehen", der Fäden aus Flachs, Hanf oder 
Seide dreht. 
Zybrandts s. Sig (V.). 



Halle a. S. , Buchdrackerei des Waisenhauses. 



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