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Full text of "Schlesiens Vorzeit in Bild und Schrift"

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SCHLESIENS VORZEIT IN BILD 

UND SCHRIFT 

ZEITSCHRIFT DES VEREINS 
FÜR DAS MUSEUM SCHLESISCHER ALTERTÜMER 

HERAUSGEGEBEN VON 
W. GREMPLER UND H. SEÜER 

NEUE FOLGE III. BAND 



JAHRBUCH DES SCHLESISCHEN MUSEUMS FÜR 
KUNSTGEWERBE UND ALTERTÜMER 



111. BAND 



BRESLAU 

KOMMISSIONSVERLAG VON EDUAIU) TKLWnNlil lUKLIN S 12 

1904 



JAHRBUCH 



DES SCHLESISCHEN MUSEUMS FÜR 
KUNSTGEWERBE UND ALTERTÜMER 



III. BAND 



MIT 6 TAFELN UND ZAHLREICHEN ABBILDUNGEN IM TEXT 



HERAUSGEGEBEN VON 
KARL MASNER UND HANS SEGER 




^J(^^^A>x1aA^ 










BRESLAU 

KOMMISSIONSVERLAG VON EDUARD TREWENDT BERLIN S42 

1904 



DRUCK VON GRASS, BARTH ft COMP. (W. FRIEDRICH) BRESLAU 



ÜBERSICHT DES INHALTS 



Abhandlungen: 

Steinzeitliclie Werkzeuge und Waffen in Schlesien von Osi<ar Merlins 
Das Gräberfeld von Marschwitz, Kreis Ohiau von Hans Seger . . 
Die Bronzeciste von Klein-Zöllnig von Wilhelm Orempler .... 
Der Fund von Höckricht, Kreis OhIau von Eduard Krause . . . 
Einige prähistorische Neuerwerbungen von Hans Seger: 

1. Kupfer- und Bronzeäxte von ungarischer Form 

2. Grabfund von Oberhof, Kreis Breslau 

3. Bronzewage aus Dürschwitz 

Schlesische Münzfuiide: 

1. Brakteatenfund vi}n Liegnitz von Ferdinand Friedensburg 

2. Heilerfund von Wiischkovi'itz von Gustav Strieboll 

3. Schatzfund von Klcin-Schlause von Gustav Strieboll 

Romanische Skulpturenresle der Pfarrkirciie in Trebnilz von Conrad 

Buchwald 

Neuerwerbungen des Museums von Karl Masner: 

1 Ein Schnuickfund aus dem Mittelalter 

2. Ein venetianisches Glas des 15. Jaiirhunderts 

Aus dem Breslauer Diözesanmuseum: 

1. Ein Madonnenholzschnitt von Max Scnirau 

2. Beiträge zur Geschichte der Goldschmiede Paul und Fabian Nitsch von 

Joseph Jungnitz 

Das Haus zur Goldenen Krone von Ludwig Burgemeister . . . 

Schlossportal und Grabdenkmäler der Kirche in Mondschütz von 
Conrad Buch wald 

Joli. Christ. Kundmann als Quelle für die Kunstgeschichte des XVIII. Jahr- 
hunderts von Edmund Wilhelm Braun 

Schlesische Miniaturmaler des neunzehnten Jahrhunderts von Erwin 
Hintze 

Ein Wiener Porzellanservice mit Geburt und Triumph des Cupido von 
KarlMasner 



Seite 



1 

27 
40 
46 

31 
54 
57 

59 

ÖO 
62 

65 

72 
84 

88 

89 
93 

100 

109 

117 

158 



Schlesische Altertümer in der Fremde von E. W. Braun, Conrad 

Riicliwald, Josef Epstein, Otto Kümmel und Karl Masner Seite 161 

Bücherbesprechungen : 

1. Kurt Moriz - Eichborn: Das Soll und Haben von Eichborn & Co in 

175 Jahren von Conrad Bnchvvald • it 164 

2. Konstantin von Schweinichen: Zur Oeschichte des Geschlechts derer von 
Schweinichen von Conrad Buch wald n 165 

3. E. Zellner: Das heraldische Ornament in der Baukunst von Karl Schlawe „ 166 

Bericht über das IV. Etatsjahr (1. April 1902 bis 31. März 1Q03): 

Arbeiten in den Satnmiuncren n '"^ 

Vermehrung der Sammlungen » 16y 

Vermehrung der Bibliothek »179 

Ausstellungen » 1'9 

Vorträge ' „181 

Besuch der Sammlungen und der Bibliothek . ' „ 181 

Preisausschreiben „182 

Die Musenms-Deputation und das Bureau » '82 

Bericht über das V. Etatsjahr (1. April 1903 bis 31. März 1904): 

Arbeiten in den Sammlungen „185 

Restanrierungsarbeiten ■ . . . ,,185 

Vermehrung der Sammlungen „ 186 

Vermehrung der Bibliothek „195 

Ausstellungen „196 

Vorträge „198 

Kaiser Friedrich -Stiftungsfonds „ 198 

Herausgabe von Flugschriften „ 200 

Besuch der Sannnlungen niul der Bihlicitliek „ '^OO 

Stiftung von Geldbeträgen „201 

Die Museums-Deputation und das Bureau „ 201 

Verein für das Museum schlesischer Altertümer: 

Tätigkeitsbericht für das Jahr 1902,03 „ 205 

Tätigkeitsbericht für das Jahr 1903/04 „ 208 



ABHANDLUNGEN 



STEINZEITLICHE WERKZEUGE UND WAFFEN 

IN SCHLESIEN 



Bisher sind in Sciilesien noch keine Werkzeuge oder Waffen aus der äheren 
Steinzeit bekannt geworden. Die ältesten stammen aus der jüngeren Steinzeit, in der 
bekanntlich Beile, Äxte und Hacken niciit nur zugehauen, wie in der älteren Periode, 
sondern meistens auch geschliffen wurden. Diese Steingeräte typologisch zu ordnen und 
womöglich ihre Verbreitung und Zeitstellung zu bestimmen, ist die Aufgabe der folgenden 
Arbeit. Sie beschränkt sich auf die im Breslauer Museum vorhandenen oder aus der 
Literatur bekannten Fundstücke. 

Kein Material war für den Haushalt des steinzeitlichen Menschen von so grosser 
Bedeutung wie der Feuerstein. Daher bildeten die Gegenden, in denen der Feuerstein 
häufig vorkommt, namentlich der skandinavische Norden, einen besonders günstigen Boden 
für die Entwickelung der Feuersteinindustrie. Neben den roheren „primitiven" Formen, 
die gemeinsamer Besitz der gesamten neolithischen Kultur waren und durch einfache 
Mittel mit geringer Handfertigkeit für die gewöhnlichsten praktischen Zwecke erzeugt 
wurden, entstanden dort mehr als anderwärts besondere „entwickelte" Typen, an denen 
oft eine ausserordentliche technische Fertigkeit und ein gebildeter Schönheitssinn zum 
Ausdruck kommen. Manche von ihnen sind von den entwickelten Typen aller anderen 
Länder durchaus verschieden, so dass man sie als Eigentümlichkeiten des skandinavischen 
Nordens ansehen muss. Für viele haben sich unter dem reichen Fundmaterial auch die 
aufeinander folgenden Stufen ihres Entwicklungsganges und ihre relative Zeitstellung 
feststellen lassen. Man ist so im Norden zu einer Einteilung der neolithischen Zeit in 
vier Abschnitte gelangt, die wir hier anführen, weil wir im folgenden öfter auf sie 
verweisen.') 

1. Die erste Periode wird durch Steinbeile charakterisiert, die gleich denen der älteren 
Steinzeit mandelförmig, aber geschliffen sind: Periode der spitznackigen Beile. Gräber 
fehlen noch. 

2. Die Periode der kleinen Stuben oder Dolmen. Für die Zeit der ältesten Dolmen gilt 
als Leitstück das dünnnackige Beil, das indessen auch schon am Ende der ersten 
Periode auftritt. 



') Vgl. u. a. die grundlegende Arbeit von A\ontelius, Snr les differents types des haches en silex 
snedoiscs, Congres international, Stockiiolni 1874, Conipte rendn S. 238— 251. Montelius, Les tenips 
prc-liistoriiines en Siitde PI. III VI. - Sophns Müller, Nordische Altertinnsknndc, Strassbnrg 1807 S. 48 f. 
niul 133 f. 



3. Die Periode der Riesenstuben oder Ganggräber, die als charakteristische Beigabe das 
dicknacl<ige Beil führen. 

4. Die jüngste Periode wird durch die Kistengräber und deren gewöhnlichstes Begleitstück, 
den Feuersteindolch, bezeichnet. 

Die drei letzten Abschnitte fasst man zuweilen auch unter dem Namen Periode der 
Steingräber zusammen. 

In anderen Ländern hat sich eine so deutliche Gliederung der neolithischen Zeit 
noch nicht ausführen lassen. Für Schlesien, das zu den an Feuerstein armen Ländern 
gehört, ist es in dieser Beziehung von Wert, dass unter dem vorhandenen Fundmaterial 
manche Berührungen mit den nordischen Kulturresten nachweisbar sind. Besonders 
bedeutsam erscheinen zwei Gräber (Nr. 20 und 28) aus Jordansmühl, Kreis Nimptsch, die 
je eine Kragenflasche') und andere nordische oder nordwestdeutsche Gefässformen 
gemeinsam mit Gefässen schiesischer Bandkeramik enthielten. Das eine war entgegen 
dem sonstigen Brauche mit Steinen umsetzt und lieferte auch bearbeiteten Bernstein.-) 
Diese Grabfunde, die die Bandkeramik von Jordansmühl in unmittelbare Verbindung mit 
der nordischen Dolmenkeramik bringen, bilden für die Bestimmung des Alters vieler 
Werkzeuge und Waffen einen wichtigen Stützpunkt. 

Der folgenden Einteilung der Steingeräte liegt der vermutliche Gebrauchszweck zu 
Grunde. Unterabteilungen bilden die primitiven und die entwickelten Typen in ihren ver- 
schiedenen Arten. Die Steinart geben wir, ausser bei Feuersteingeräten, nur in besonders 
wichtigen Fällen an; im übrigen sei bemerkt, dass nach Untersuchungen von Ferdinand 
Römer^) und Professor Gürich sehr oft Serpentin und Diorit verarbeitet worden sind, 
seltener Syenit, Amphibolit, Hornblendeschiefer, Tonschiefer, Glimmerschiefer, Basalt, 
Quarzit, Granit, Gneis u. a. Gebänderter Feuerstein') kommt in zehn Fällen vor. Auf 
analoge Fundstücke verweise ich im Text durch Anführung nachstehender Werke: 

O. Montelius, Antiquites suedoises, Stockholm 1873; 

Sophus Müller, Ordning af Danmarks Oldsager, Kopenhagen 18Q5; 

J. Mestorf, Die vorgeschichtlichen Altertümer aus Schleswig-Holstein, Hamburg 1885; 

R. Beltz, Steinzeitliche Funde in Meklenburg- Schwerin 18Q7; 

Merkbuch, Altertümer auszugraben und aufzubewahren, 2. Auflage, Berlin 1894. 

') über das Vorkdiniiien uiul Alter der Kragenflasdieii vf^l. Petersen, Arehiv f. Anthropologie 18S4 
Bd. XV S. 150. — Sophus Müller, Nordische Altertumskunde S. 67 und 154. - Kossinna, Zeitschrift für 
Ethnologie 1902 S. 172 Anm. 2. — Hoernes, Mitteilungen d. prähistorischen Commission, Wien 1903 S. 408. 

-) Auf die hier zu Tage getretenen Gefässformen näher einzugehen, liegt ausserhalb unserer Aufgabe 
um so mehr, als Dr. Seger die schiesische neolithische Keramik im Archiv für Anthropologie zum Oegen- 
stande einer Untersucinmg machen wird. Vgl. jedoch Schles. Vorz. Vi! 540 f. 

•■') Vgl. Schles. Vorz. 111 35. 

*) Vgl. Brunner, Die steinzeitliche Keramik in der Mark Brandenburg S. 3S Amn. 3. 



I. Messer und Sägen 

A. Primitive Messerformen. Die häufigsten Fundstücke der Steinzeit sind 
Feuersteinspäne von prismatischer Form, Fig. 1 und 2, die durch schrägen Schlag oder 
Druck auf den Rand eines Feuersteinkernes (Nucieus), Fig. 3, abgesprengt sind. Voll- 
ständige Späne haben in der Nähe der 
Schlagstelle auf der breiten Flachseite eine 
buckelige Erhöhung, den Schlaghügei, und 
sind gewöhnlich, besonders nach der Spitze 
zu, etwas gekrümmt: Fig. 1. Wegen ihrer 
scharfen Schneide spielten sie im Haushalte 
des neolithischen Menschen als Messer eine 
bedeutende Rolle. Zur besseren Handhabung 
wurden sie in einen Stiel eingesetzt. Haupt- 
fundort Ottitz.') Spanmesser haben sich in 
manchen Gegenden bis in die Metallzeit 
hinein erhalten, ja sie scheinen selbst noch 
im Mittelalter vereinzelt im Gebrauch ge- 
wesen zu sein. Verhältnismässig selten 
kommen in Schlesien Messer vor, die an 
einem Ende eine besondere Vorkehrung zur 
Befestigung an einen Stiel zeigen: Fig. 4. 
Typologisch betrachtet sind dies jüngere 
Formen. (S. Müller 144.) Das grösste 
Feuersteinmesser schlesischer Arbeit hat 
eine Länge von 11 cm: Fig. 2. Zwei Feuer- 
steinspäne von aussergewöhnlicher Grösse (L. etwa 21 cm) können nicht als einheimische 
Erzeugnisse angesehen werden: Fig. 1. Wahrscheinlich stammen sie aus einem der 
durcli vorzüglichen Feuerstein ausgezeichneten Länder des Nordens-) Ihr Alter lässt 
sich nicht bestimmen. 

Späne aus Obsidian in Form von Messern und Pfeilspitzen sind in der Nähe 
von Ottitz gemeinsam mit einigen Nuclei und vielen Abfalistücken gefunden und daher 
auch wohl an dem Fundorte selbst angefertigt worden. Sie sind samtschwarz, durch- 
scheinend bis halb durchsichtig und meist sehr zierlich, zeigen sich aber in ihren übrigen 
Eigenschaften den Feuersteinspänen ähnlich. Obsidian kommt in Schlesien nicht vor. 
Nördlich von Schlesien ist er auf dem europäischen Kontinent weder in bearbeitetem, noch 
in rohem Zustande nachweisbar. Im Südosten dagegen gibt es öfter Fundstellen von 




Sackerall Kr. Ohlaii. 



') LIber die leicheii Fuiidstätteii von Feuersteingeräten in der Nähe von Ottitz vgl. ii. a. Stöckel in 
Schles. Vorz. III 477 f. und Voss in Verhandl. d. Berlin. Oes. f. Anthr. 1881 S. 104 f. 

*) Über derartige Feuersteinmesser aus Transkaukasien vgl. Virchow, Verhandl. d. Berlin. Oes. f. Anthr. 
1884 S. 105 f. Abb. Taf. III. 



'^•"M^ i 




Fig. 9. 
Jordansniühl 

Kr. Niiiiptscli. ■'/s 



Fig. 2-8. 
Ottitz Kr. Ratibor. 



Obsidiangeräten, besonders in UiiLi,arii und Orieclienlaiid.') Im Südosten liefen auch die 
nächsten Fundstellen von rohem Obsidian: Eperies und Tokay im nordöstlichen Ungarn, 
und von dort ist das Material der schlesischen Geräte wahrscheinlich auch bezogen.-') Die 
Obsidianfunde aus Ottitz bilden so ein wichtiges Zeugnis für einen Verkehr Schlesiens 
mit dem Südosten. Da Obsidianmanufakte im Süden eine gewöhnliche Begleiterscheinung 
der Kulturgruppe der Bandkeramik bilden, die zum Teil auch in Ottitz auftritt, so können 
wir annehmen, dass Beziehungen Schlesiens zum Südosten während der Periode der Band- 
keramik bestanden haben. 

B. Entwickelte Messerformen. Aus den zweischneidigen Spanmessern haben 
sich die einschneidigen halbmondförmigen Messer entwickelt. Ihr Rücken ist meist 
stumpf und bogenförmig, ihre Schneide geradlinig, konvex oder konkav: Fig. 5, ö inid 7. 
Messer dieser Art, die in Ottitz zahlreich vorgekommen sind, zeigen auf ihrer Oberfläche 
vielfach einen eigentümlichen Schimmer wie von einem lackartigen Überzug, der wohl eine 
Folge der Benutzung ist. Diese Messer erinnern in ihrer Form an die halbmondförmigen 
Sägen und Messer des Nordens, von denen sie jedoch durch die Eleganz der Form und 
die kunstvolle Bearbeitung bei weitem übertroffen werden. (Merkbuch 23. Montelius 71 -74. 
S.Müller 137 140. Mestorf 25 27.) Die nordischen treten oft mit Feuersteindolchen 



III. 108. 



') Vgl. /. B. Wosiiisky, Das prähistorische Schan/wcrk von Longyel, Budapest 1888 S. 42, 55. 
2) Voss, Vcrhandl. d. Berl. Oes. f .Xntlir. ISSI S. 104 f. 



auf lind <,rehören den letzten Abschnitten der neolithischen Zeit an. Zur besseren Hand- 
habung wurden sie mit dem Rücken in eine Rinne eines Holz- oder Hornschaftes 
eingesetzt.') 

C Die Sägen sind wie die Spanmesser gewöhnlich zweischneidig und unter- 
scheiden sich von diesen durch die gezähnte Schneide, die nur selten so regelmässig 
geformt ist wie an Fig. 9. Meist machen die Sägen den Eindruck von Messern, die beim 
Gebrauch schartig geworden sind: Fig. 8. Als Spuren der Benutzung der Säge sind 
Einschnitte anzusehen, die man an manchen Steingeräten z. B. einer grossen Steinaxt aus 
Ottitz findet. Die Schaffung hat jedenfalls dieselbe Form gehabt, wie wir sie für die 
primitiven Messer annehmen müssen. Entwickelte Formen wie die vorher erwähnten 
halbmondförmigen Messer sind in Schlesien nicht beobachtet worden. 

II. Schaber 

Der Schaber besteht aus einem kräftigen Feuersteinspan, der am Ende durch 
Abschlagen oder Abdrücken kleiner muschelförmiger Bruchstücke in der Weise zugestutzt 
ist, dass eine scharfe Kante stehen blieb: Fig. 10 und 11. Solche Geräte waren bei der 
Behandlung der inneren Seite von Tierfellen, beim Glätten von Holz, Hörn u. dgl. wegen 
ihrer widerstandsfähigen Schneide besser verwendbar als die dünnen, spröden Feuer- 
steinspäne. Sie haben oft auch eine breite Form und sind dann aus einer kräftigen 






Fi^. 10 12. Ottil/ Kr. Ratibor. ' , 

Scheibe hergestellt, die von einem Feuersteinkern abgespalten ist: Fig. 12. Diese Formen 
sind brauchbarer als die schmalen Spanschaber und gelten im Norden als die jüngeren. 
(S. Müller 146 148.) Die Schaber treten bisweilen in beträchtlicher Grösse auf. Jeden- 
falls wurden sie mit einer Handhabe versehen; bisweilen ist eine besondere Schäftungs- 
vorrichtung an einem Ende erkennbar. Hauptfundort Ottitz. Entwickelte Formen fehlen. 



') Eine Säge mit dcrarti^jcr Scliäftuiig aus ciiiein Pfahlbau abgebildet von Heierli, Urgeschichte der 
Schweiz S. 118. 



III. Bohrer und Pfeilspitzen 

A. Bohrer. Unter der grossen Zahl von abgespaltenen Feuersteinstücken aus 
Ottitz gibt es sehr viele, die in eine scharfe Spitze auslaufen und daher zum Bohren in 
hartem Material wie Holz, Hörn und Knochen geeignet waren. Selbst einige Steinäxte 
können nur mit Hilfe derartiger Werkzeuge durchbohrt worden sein. Bisweilen sind die 
zufällig abgespalteten Spitzen noch weiter bearbeitet, doch lassen sich ausgeprägte Typen 
unter ihnen nicht erkennen. 









20 



Fi". 13—22. Ottitz Kr. Rafihor. 





22 



B. Primitive Pfeilspitzen Verwandt mit den Bohrern sind die Pfeilspitzen. 
Gewöhnlich sind sie flach. Nach der Form ihres Schaftendes lassen sich drei Typen 
aufstellen: mit geradem oder abgerundetem Schaftende: Fig. 13 und 14, mit Ausschnitt am 
Schaftende: Fig. 15 und 16, und mit Schaftstiel: Fig. 17. Der erste Typus stellt die Urform 
der beiden anderen dar. Oeschäftet wurden sie, indem sie in einen Einschnitt oder eine 
Vertiefung am Ende des Stieles eingesetzt und festgebunden wurden. Häufig in Ottitz. 

C. Entwickelte Pfeilspitzen. Viel seltener sind die zierlichen Pfeilspitzen, die 
an der Schneide, bisweilen aber auch an der ganzen Oberfläche mit grosser Kunstfertigkeit 
bearbeitet sind. Auch unter diesen gibt es in Schlesien nur die drei oben unterschiedenen 
Typen: Fig. 18, Fig. IQ, 20, imd Fig. 21, 22. Hauptfundort Ottitz. Die Pfeilspitzen mit Aus- 
buchtung am Schaftende siiid in Schlesien wie überhauiit in Europa häufiger als die beiden 
anderen Typen. Im Norden stammen die Pfeilspitzen mit breitem geradem oder abge- 
rundetem Schaftende aus der Zeit der spitz- und dünnnackigcn Beile,') während die mit 



I) S. Müller, Nordische Altortiiinskiinde S. 51. 



ausgeschnittenem Schattende der Periode der Riesenstuben angehören.') In Meklenburg 
erhahen sich die ausgeschnittenen bis in die Bronzezeit,-) in Schlesien in einzelnen Fällen 
gleichfalls. Eine Pfeilspitze mit ganz geringer Ausbuchtung am Schaftende, die also eine 
Übergangsform von Typus I zu II bildet, und deren Schneiden zu Zahnreihen ausgearbeitet 
sind, fand sich in Jordansmühl in einem Grabe (Nr. IQ) u. a. mit einem Oefäss der Band- 
keramik. L 3,8 cm. Sie scheint die auf S. 2 gegebene Altersbestimmung der Jordans- 
mühier Bandkeramik zu bestätigen. 

IV. Lanzenspitzen und Dolche 

Zu den Lanzenspitzen und Dolchen ist ebenso wie zu den bisher besprochenen 
Geräten immer nur Feuerstein verarbeitet worden. 

A. Primitive Formen. Kräftige spitze Feuersteinspäne wurden als Lanzenspitzen 
benutzt. Bisweilen haben sie einen langgestreckten Körper von dreieckigem Querschnitt 
mit Schaftstiel: Fig. 23. Gewöhnlicher sind die breiten, blattförmigen Spitzen: Fig. 24. 
Zahlreich in vielen Variationen in Ottitz. 




Fig. 23, 24. 
Ottitz Kr. Ratilior. 




Fig. 25. Ober-WeistriU Fig. 26. Jacobine 
Kr. Sctiweidnitz. '^ Kr. Ohiau. ''s 




Fig. 27. 
Poin. Peterwitz 
Kr. Breslau. ' « 



B. Entwickelte Formen. Sie gehen fast alle auf den Typus Fig. 24 zurück. 
In einen langen Schaft eingesetzt, dienten sie als Wurfspeer oder Lanze im Kriege wie auf 
der Jagd, an einen kurzen Stiel befestigt, wurden sie als Dolch ) und als Schneidewerkzeug 

') Moiiteiius, Les temps preliistoriqiies PI. V. 4. 
-) Beltz, Steinzeitliche Funde in Meklenburg-Schweriu S. 54. 

■') Einen Feuersteindolch mit Holzfassung aus dem Pfahlbau Vinelz siehe bei Heierli, Urgeschichte 
der Schweiz S 132 und Pfahlbauten 1888 Taf. XVII. 



8 

benutzt. Diese vielseitige Verwendbari<eit veranlasste die Steinarbeiter vielfach, sie mit 
besonderer Kunstfertigkeit zu behandeln und ihre Form auszubilden. Von den bekannten 
Typen sind in Schlesien nur einige vertreten und zwar in Exemplaren, die sich meistens 
durch ihre feine technische Behandlung, ihre Grösse und Form als Importstücke kennzeichnen. 
Die grösste Breite im unteren Teil zeigt Fig. 25. Im Museum 2 Exemplare. (S. Müller 151. 
Beltz S. 43.) Eine ähnliche Speerklinge aus Mlietsch, Kr. Nimptsch, hat die grösste 
Breite mehr in der oberen Hälfte. (Beltz S. 45.) Zwischen diesen beiden Typen gibt 
es eine Übergangsform, mit der grössten Breite in der Mitte, die jedoch in Schlesien nicht 
vorkommt. (Montelius 51. Beltz S. 44.) Unter diesen drei Formen, deren Verbreitungs- 
gebiet Nord-, West- und Zentraleuropa bildet, steht typologisch betrachtet die erste der 
Grundform am nächsten, im Norden sind Speerklingen mit abgeschnittenem oder abge- 
rundetem Schaftende gleichaltrig mit den spitz- und dünnnackigen Beilen.') Die beiden 
schlesischen Fundstücke (Fig. 25), die am Schaftende nicht so kurz abgerundet sind wie 
diese nordischen Formen, dürften einer jüngeren Zeit angehören, sie sind aber wohl älter 
als die Speerklinge aus Mlietsch, die in die Zeit der jüngsten Riesenstuben fällt.') 

Das schmälere Schaftende der letzteren Form hat sich zu einem ausgeprägten 
Griff entwickelt an dem Typus, zu dem der Feuersteindolch aus Jacobine, Fig. 26, gehört. 
Der Rand der Schneide ist fein gemuschelt. Der Griff hat einen quadratischen Quer- 
schnitt und ist am unteren Ende ebenso breit wie am oberen. Die vier Kanten des 
Stiels werden durch erhöhte Längsgrate gebildet, die infolge der abwechselnd von rechts 
und links gerichteten feinen muschelförmigen Absprengungen die Form von Zickzack- 
linien angenommen haben. (S. Müller 167. Beltz S. 51. Mestorf 60. Merkbuch II 21.) 
Das Museum für Völkerkunde in Berlin besitzt den Griff eines solchen Dolches, der aus 
Jauer stammt.') Diese Formen kommen in den jüngsten Riesenstuben vor, während sie 
in den primitiveren Riesenstuben und den noch älteren Dolmen fehlen. Der Typus des 
Dolches von Jacobine gehört fast ausschliesslich dem skandinavischen Norden an. Dieses 
Gebiet bildete für die Feuersteindolche ein Zentrum, von dem einzelne Ausstrahlungen 
ausgingen.') Wir werden daher auch die Dolche von Jacobine und Jauer als von dort 
importierte Stücke ansehen müssen. Sie sind Beweisstücke dafür, dass zu der Zeit, als 
die späteren Formen der Riesenstuben gebaut wurden, ein Verkehr zwischen dem Norden 
und Schlesien vorhanden war. 

Typologisch betrachtet lassen sich zwischen die Speerspitzen mit abgerundetem 
Schaftende und die mit entwickelter Schaftzunge, zu denen auch die Form Fig. 26 gehört, 
diejenigen Lanzenspitzen stellen, die am Schaftende einen Ansatz oder eine Einschnürung 
zeigen; auch zeitlich werden sie wohl eine Zwischensteliung einnehmen und in die 
Zeit zwischen den ältesten Dolmen und den jüngsten Riesenstuben fallen. Schlesien 

') S. Müller, Nordische Altertumskiiiule S. 51. 
i) Vgl. S. Müller, Nordiske Fortidsiniiider Md. I S. 176 t'. 
^) Goetze in Bastians Festsciirift Berlin 1896 S. 348. 
■•) S. Müller, Nordiske Forlidsminder Bd. 1 S. 125 180. 



besitzt fünf Lanzenspitzen dieser Art. Eine 10 cm lange Feuersteinspitze aus 
Lobedau, Kr. ürottkau, von älinlicher Form wie Fig. 25, aber mit kurz eingezogenem 
und eingeschnürtem Schaftende fand sich u. a. mit einem Feuersteinbeil, das eine 
Übergangsform von den dünnnackigen zu den dicknackigen Beilen bildet, und mit einem 
durchlocliten Schuhleistenkeil. Hiernach scheint die Speerspitze der Zeit der Bandkeramik 
anzugehören. Eine Feuersteinlanzenspitze mit geradlinigen Schneiden und stumpfem 

Schaftansatz, Fig. 27, stammt von einem Gräberfelde, das Gefässe mit Schnurornament 
und Schnittmustern sowie andere junge Formen geliefert hat.') Dieser Typus der Lanzen- 
spitzen tritt ausserhalb Schlesiens öfter auf, z. B. in Westpreussen-) und Meklenburg. 
(Beltz S. 54.) Nahe steht ihm die Lanzenspitze aus Marschwitz (abgeb. S. 32 Fig. 7), 
die einen Schaftansatz mit sich nähernden Rändern hat, aber in dieselbe Zeit wie Fig. 27 
zu fallen scheint, was aus den übrigen Fundstücken dieses Gräberfeldes hervorgeht. 
Vgl. die folgende Abhandlung von Seger: das Gräberfeld von Marschwitz. 

V. Beile, Hacken und Meissel 

Das Beil steht in Bezug auf seine Form dem Keil am nächsten und wird bisweilen auch 
so genannt, trotz der sehr verschiedenen Art der Verwendung (z.B. von Beltz, S. 12). Die 
übliche Bezeichnung Beil entspricht mehr dem Zweck des Steingerätes, das hauptsächlich 
als Schlaginstrument benutzt und daher auch mit einem Stiel versehen wurde. Von der 
Schweiz und anderen Gegenden, wo viele Steinbeile mit vollständiger Schäftung erhalten 
sind, wissen wir, dass sie entweder unmittelbar in einen Holzstiel oder erst in eine wider- 
standsfähigere Hornfassung und mit dieser in den Schaft eingesetzt wurden. Geformt 
wurden die Feuersteinbeile durch Abspaltungen von den Kanten, wie Fig. 28 erkennen 
lässt. Die Schneide ist hier noch stumpf. In einem weiteren Stadium der Bearbeitung fielen 
die Abspaltungen weniger grob aus. Darauf erfolgte das Glätten auf einem grobkörnigen 
Stein mit einer gleichmässig nach zwei Seiten aufsteigenden Schleiffläche und dann auf 
einem feinen, kleineren Stein mit mehreren Schleifflächen. Unser Museum besitzt 6 grobe 
und 4 feine Schleifsteine. Zur Erzeugung eines grösseren Glanzes wurden vielleicht die 
kleineren schuhleistenförmigen Keile wie Fig. 48 oder auch Miniaturäxte wie Fig. 55 als 
Poliersteine benutzt. 

Was die Form der Beile anbetrifft, so erinnern die meisten an die kantigen Typen, 
die besonders im skandinavischen Norden auftreten; die übrigen entsprechen mehr den 
abgerundeten Formen, die im Süden, Osten und Westen vorherrschen. Da wir in Schlesien 
mit Einflüssen von Norden her rechnen müssen, so haben wir uns bezüglich der kantigen 
Beile im wesentlichen an die nordische Einteilung in spitz-, dünn- und dicknackige Beile 
angelehnt, oligleich die beiden ersteren nur wenig vertreten sind. Die übrigen Formen 
zerlegen wir in rk'ilo von dreieckiger bis trapezförmiger Grundform und in Beile von 

') V«l. Schles. Vorz. VII 239. 

-) Ein ExLMii|ilar aus LictuMiliof im VC'estpreiiss. Prov.-Mus. in Danzig. 



10 

mehr rechteckiger Grundform.') Diese Gh'ederung umfasst die Beile aus Feuerstein wie 
die aus anderen Gesteinen. Die Hacl<en oder Querbeiie, die in ihrer Form mit den 

Beilen eng verwandt sind, unter- 
scheiden sich von diesen nur 
durch die Abflachung der einen 
Breitseite. Sie wurden in der 
Weise geschattet, dass die 
Schneide wie bei unseren Metall- 







Sifc.? 



Fig. 28, Karzen Kr. Niniptsch. 'L, Fig. 29. Pohl. Neul<iich Kr. Cosel. '/o Fig. 30. Cieliiiitz Kr. Pless. ',;. 

hacken senkrecht zum Stiel stand. Sie lassen sich ungezwungen in die obige Gruppierung 
einordnen. Die Meissel sind als Schmalbeiie aufzufassen und daher auch in diese 
Übersicht aufgenommen. 

Typus A. — 1. Beile. Der nordischen spitznackigen Form nahe steht Fig. 29. 
Die beiden gewölbten Breitseiten laufen links und rechts von der Schneide ebenso wie 
an dem Nacken (Bahnende) in eine Kante zusammen. Der Querschnitt ist linsenförmig, 
der Längsschnitt annähernd mandelförmig. Feuersteinbeile ähnlicher Form sind über ganz 
Europa verbreitet und gelten als die ältesten.-) (Montelius 13.) Die gedrungenere Form 
des Beiles Fig. 29 ist vielleicht durch das Material bedingt, das Professor Dr. Milch durch 
Untersuchung eines Dünnschliffes als feinkörnigen Grünschiefer festgestellt hat. 

2. Hacken. Die Verwandtschaft dieses Typus mit den Geräten aus der Zeit des 
geschlagenen Steins tritt noch bestimmter an einigen Hacken des Breslauer Museums her- 
vor: Fig. 30. Wir müssen diese daher auch zu den ältesten neolithischen Fundstücken 
Schlesiens zählen. 



') Finen ähnlichen Unterschied macht Montelius, Die älteren Knlturperioilen im Orient und in Europa, 
Stockholm iy03 S. 21. 

-) Vgl. Montelius, Antiquites suedoises Fig. 11 und Les teinps prehistoriques PI. III 3. 



11 



Typus B. 1. Beile. Aus dem spitznackigen Beil entwickelte sich das dünn- 
nackifije, indem sich die Breitseiten verflachten, Schmalseiten entstanden, der Nacken sich 
verbreiterte und in eine dünne oder scharfe Kante überging: Fig. 31. (S. Müller 56. 
Mestorf 21. Merkbuch I 5, 6.) In Schlesien kommen etwa 6 Beile ähnlicher Form 
vor. Sie scheinen auf Beziehungen zum Norden hinzuweisen, dem die dünnnackigen 
gemuschelten Feuersteinbeile eigentümlich sind. Das Bresiauer Museum besitzt ein Beil 
aus Töpliwoda, Kr. Münsterberg, das wie Fig. 28 aus bräunlichem Feuerstein besteht und 
eine für Schlesien ganz ungewöhnliche Grösse (Länge 18 cm) hat, dabei sehr sorgfältig 
gemuschelt ist, besonders an den Kanten. (S. Müller 55. Mestorf 20.) Es gleicht den 
nordischen dünnnackigen Beilen so sehr, dass wir es als ein altes Importstück ansehen 
müssten, wenn der Fundort außer Zweifel stände.') 






Fnr. 31. Gierswald Kr. Trebnitz. ',, Fig. 32. Wiehle Kr. Brieg. -'., Fig. 33. Streiiien. '. 

Beile mit nur massig verdünntem Schaftende, die also eine Übergangsform zu 
Typus C bilden, kommen öfter vor als die bisherigen Typen. Das Museum besitzt 
ungefähr 20 Exemplare. Eine solche Form hat z. B. ein Beil aus Woischwitz Kr. Breslau 
von einem Oräberfelde, wo Funde der Bandk(?ramik neben vielen anderen aus jüngerer 
Zeit gemacht worden sind. Grösste Stärke in der Mitte 2,2 cm, am Bahnende 1 cm, Länge 
11,5 cm. Eine ähnliche Form hat auch ein Flachbeil aus Kupfer, das in Krehlau Kr. Wohlau 
mit einem Feuersteinbeil und Tongefässen gefunden worden ist Abgeb. Schles. Vorz. 
VI! 346. Stärke in der Mitte 1,2 cm, am Bahnende 0,5 cm. Auch das Feuersteinbeil 
Fig. 32 ist wohl diesen Ühergangsformen zuzuzählen trotz der Schweifung der Schmal- 
seiten, die wahrscheinlich auf einen Einfluss von Kupferbeilen zurückzuführen ist. Stärke 
in der Mitte 2,2 cm, am Bahnende etwa 1 cm. (Dicknackige Beilformen mit Schweifung 
der Schmalseiten bei S. Müller 64, 65. Beltz S. 19.) Eine verwandte, an sich aber 

') Es stammt aus ciiici l'rivatsainniliiML; (v. Falkcnliaiisen), in tiic is durch liiicii Händler gekommen 
sein kann. — Für solclie nordische Importstücke werden 9 verschiedene Fundorte in Deutschland aufgezählt 
von Ooetze, Über neoiithisclien Handel, in Bastians Festschrift, Berlin 1896 S. 347 f. 

2* 



12 





Fig. 35. Brockau 

Kr. Breslau, 'j., 

Mus. Berlin 



ungewöhnliche Form iiat das Kupferbeil Fig. 33, dessen Nacken nicht ganz so stark 
verdünnt ist und das daher dem Typus C näher steht. Die Breitseiten sind gewölbt, die 
Schmalseiten leicht geschweift. Vgl. Schles. Vorz. Vll 346. 

2. Meissei. Hacken von vierkantigem 
Körper und dünnem Nacken kommen in Schle- 
sien nicht vor; einige Meissei können jedoch 
dieser Gruppe als Übergangsformen zu Typus C 
angegliedert werden. Aus einem Grabe in 
Brockau stammen der Feuersteinmeissel Fig. 35') 
und zwei Gefässe der Bandkeramik, die im 
Museum für Völkerkunde in Berlin aufbewahrt 
werden. Die Verdünnung des Meisseis am 
Nacken ist gering, so dass er dem Typus C \ 
nahe steht. Die Schneide ist etwas breiter als 
das Bahnende. — Zu den Übergangsformen 
zählen wir auch den Kupfcrmeissel Fig. 34. 
Mit einem ähnlichen Fundstück bereits ab- 
gebildet in Schles. Vorz. Vll 344. Auffallend ist die Grösse dieser 
Kupfermeissel, die an schlesischen Feuersteinmeissein sonst nicht 
beobachtet worden ist. (Vgl. die Feuersteinmeissel bei S. Müller 
124 126. Beltz S. 40. Mestorf 41 u.a.) 

Die Übergangsformen zwischen dem dünnnackigen und dem dicknackigen Typus dieser 
Beilarten sind wiederholt in den nordischen Dolmen vorgekommen,-) aber auch in den Gang- 
gräbern sind sie gewöhnliche Erscheinungen.-') In Schlesien sahen wir sie in zwei Fällen 
(Lobedau S. und Brockau Fig. 35) im Verein mit Formen der bandkeramischen Kultur. 
Es scheint also auch hier die Parallelität zwischen der nordischen Dolmenkeramik 
und der schlesischen Bandkeramik hervorzutreten. Dass wir auch die Kupfergeräte, die 
die Übergangsform haben, dieser Gruppe zuzählen, lässt sich durch das Vorkommen 
von Kupfer und zinnarmer Bronze in einigen Gräbern von Jordansmühl rechtfertigen.') 
Es ist wohl möglich, dass die Beile mit massig verdünntem Bahnende sich wie in Böhmen, 
wo sie noch mit Formen des Aunjetitzer Typus vorzukommen scheinen, ) auch in Schlesien 
bis in eine jüngere Epoche erhalten haben; doch lässt es sich durch die schlesischen Fund- 
verhältnisse nicht beweisen. 

Typus C. 1. Beile. Zu den Beilen mit dickem abgeflachtem Bahnende und 
ausgeprägten flachen Schmalseiten, die mit den Breitseiten vier Kanten bilden, gehört das 




Fig. 34. Fröinsdorf 
Kr. Münsterberg. i ., 



') Zeichnung von Herrn Dr. Ooetze freuntiliclist zur Verfügung gestellt. 

-) S. Müller, Nordische Altertumskunde S. 57. 

■') Montelius, Temps prehistoriques PI. V 3. 

■*) Vgl. Montelius, Die älteren Kulturperioden im Orient und in Europa, Stockholm IQ()3 S. 26. 

5) I'ic, Cechy predliistoricke 18W Taf. 13 und 76. 



13 



Feuersteinbeil Fig. 36. Die grösste Stärke noch in der Mitte, daher verwandt mit den 
Übergangsformen von Typus B — C. Dicker Körper. Ganz geschh'ffen. (Beltz S. 21. 
Mestorf 24.) — Das Feuersteinbeil Fig. 37 ist ein Vertreter der dünnen, langgestreckten 
Formen. Der mittlere Teil ungefähr von derselben Stärke wie das Bahnende. Wie sonst 
oft trapezförmig und nur an dem Schneidenteil geschliffen. (S. Müller 60. Beltz 17. 
Mestorf 33, 34. Merkbuch I 7.) Die Form eines vierkantigen Stabes hat das Beil 

Fig. 38. Das Bahnende ist vernachlässigt. — Das Beil Fig. 39 mit stärkerer Wölbung 
der Breitseiten und weniger hervortretenden Kanten leitet über zu Typus E. — Beile des 
Typus C sind in Schlesien verhältnismässig häufig. Das Museum besitzt gegen 50 Exem- 
plare, davon etwa 15 aus Feuerstein. Sichere Grabfunde sind nicht bekannt. Da in 
Europa für diese Beile ein anderes Zentrum als der skandinavische Norden nicht bekannt 
ist und ihre Zahl mit der wachsenden Entfernung vom Norden abnimmt,') so müssen 
auch die schlesischen Fundstücke auf diesen Einfluss zurückgeführt und in die Zeit der 
Riesenstuben gesetzt werden. 




rig. 30. Bischwitz 
Kr. Oels. - ;, 







Fig. 39. Lanipersdorf 
Kr. Frankensteiii. -3 



J7. liiuiicichc 
Kr. Breslau. ' .. 



Fig. 38. Koben 
Kr. Steinau. ','.. 



Fig. 40. Brcitenaii 
Kr. Neumarkt. -/a 



2. Hacken. Vierkantiger Körper und 
dickes Baiinende sind bisweilen auch den 
Hacken eigen: Fig. 40. (S. Müller 62.) Die 
Sciineide bildet eine gerade Linie. Die ab- 
geflachte Breitseite ist glätter als die andere. 




Fig. 41. l)iitiiKiniisi1iirf 
Kr. W'aidenbiirg. -' 3 



') S. Müller, Nordiske Fortidsminder Bd. 1 S. 173. In Troja i. B. kommen auf 15 kantige Beile 

155 abgetundete Formen. Vgl. H. SclMiiiilt, Sclilicnianns Trojanische Altertümer, Berlin 1902 S 271 f. 



14 



Die Hacke fand sicli in einem Grabe mit einem einlieni<eligen Gefäss, das Scliiuirverziening 
am Halse truy und jünger ist als die schlesische Bandkeramik. Ansseriialb Schlesiens 
kommen Hacken dieser Art u. a. mit Gelassen des Bernburger Typus und Kugel- 
amphoren vor.') 

3. M eis sei. Das Breslauer Museum besitzt aus Schlesien nur zwei ausgesprochen 
dicknackige Feuersteinmeissel. Eine massige Verjüngung zeigt der Flintmeissel Fig. 41. 
Stärke in der Mitte 1,8, am Bahnende 1 cm. Das Alter dieser Meissel dürfte dem der 
dicknackigen Beile entsprechen. 

Typus D. 1. Beile. Hierzu zählen wir die Beile mit flachrundiichem Körper 
und spitzem oder schmalem Schaftende. Längsschnitt dreieckig bis trapezförmig. Schmal- 
seiten etwas abgeplattet: Fig. 42. Die Schneide ist an diesem Beil wie auch sonst öfters, 
besonders an den Hacken, infolge nachträglichen Zuschleifens ungleichmässig gerichtet. 
(Mestorf 28. Merkbuch 111.) Eine ähnliche Form hat das Choromelanitbeil aus Smyslona 
Kr. Kempen. Abb. in Schles. Vorz. VI 26.-') Geringere Wölbung der Breitseiten und stärker 
ausgeprägte Schmalseiten hat das Feuersteinbeil Fig. 43. S. Müller zählt nordische Beile 
dieser Art zu den spitznackigen, die wegen ihres vierkantigen Körpers jedoch schon zu 
den dünnnackigen überführen. (S. Müller 50.) Die Form ist über den Westen und Osten 
von Europa verbreitet. Dicken, stark abgerundeten Körper hat Fig. 44. Querschnitt 

oval, Nacken stumpfer als beim vorigen. — Das Museum besitzt etwa 8 Beile mit kantigem 
Körper und 4 mit rundem. 






Fig. 42. Liebciiaii 
Kr. Miiiisterberg. ' ^. 



Fig. 41. Zirlaii 
Kr. Scliweidnitz. -/g 



Fig. 44. Ottitz 

Kr. I<:itibor. -/a 




Fij.;. 4'>. Jiiniansimilil 
Kr. Nituntsch. ".. 



Beile von rundlichem Querschnitt bilden eine Form, die in ganz Europa, von Italien bis 
Skandinavien vorkommt. Im Norden siiul sie seltener und gehören dem Anfang der jüngeren 

') Ooetze, Neolitliisclie Studien, Zeitschr. f. Etiieologie IQÜO S. 153, 171 ii. a. 
■■') Vgl. auch Orcmplcr, Vcrliandl. d. Rorün. Oes. f. Atitlir 1889 S. 356 f. 



15 

Steinzeit an; auf sie folgen die Beile mit dünnem und ferner die mit dici<em Nacken. Im 
Süden, wo die Verhältnisse für eine Entwickeiung der Steinindustrie weniger günstig 
waren, haben diese rundlichen Beilformen keine weitere Umgestaltung erfahren, sie bilden 
dort zugleich den letzten Typus.') In Troja z. B. waren sie in der I. (untersten) Schicht 
wie in der II. V. und vereinzelt selbst in der VI. — VII. Schicht enthalten.-) Eine zu- 
verlässige Datierung ist unter solchen Umständen unmöglich, so lange nicht reichere 
Grabfunde vorliegen. Vermutlich gehören die dreieckigen Formen ebenso wie die ihnen 
verwandten Hacken in Schlesien der bandkeramischen Kulturgruppe an. 

2. Hacken. Sehr viel zahlreicher sind die Hacken. Sie bestehen nie aus Feuer- 
stein und treten in vier verschiedenen Formen auf. 

a) Eine Hacke von schlankem Körper, der an die Meisselform erinnert, aber walzen- 
artig abgerundet ist und sich gegen das Schaftende zuspitzt, ist in Jordansmühl, 
Kr. Nimptsch, in einem Grabe (Nr. 27) mit Gefässen der Bandkeramik vorgekommen. 
Die Abflachung der einen Breitseite erstreckt sich nur auf ein Drittel ihrer Länge und 
nicht auf ihre ganze Ausdehnung wie bei allen anderen schlesischen Hacken. (Vgl. 
S. Müller 63, 68 und 22.) Hacken dieser Art haben ein grosses Verbreitungs- 
gebiet. Die im Norden auftretenden verwandten Formen nehmen eine Mittelstellung 
zwischen den dünn- und den dicknackigen Beilen ein.') Eine solche Datierung der 
Jordansmühler meisselartigen Hacke würde der für die schlesische Bandkeramik 
gegebenen Altersbestimmung (S. 2) entsprechen. 

b) Viele Hacken sind flach und haben einen dreieckigen oder trapezförmigen Körper. 
Ihre Schneide bildet, von vorn gesehen, eine gerade Linie: Fig. 45. Das Schaftende 
ist spitz. An den beiden Schmalseiten treten oft ebene Flächen auf, besonders bei 
den Hacken aus geschiefertem Gestein. Die dreieckigen Hacken erinnern sehr an 
die Form des Beils Fig. 43. Im Museum etwa 25 Exemplare in verschiedenen Grössen 
zwischen 3,5 und 33,0 cm. Die meisten Fundstücke stammen aus Ottitz und Jordans- 
mühl und scheinen daher zum Formenkreis der Bandkeramik zu gehören.^) 

c) Andere Hacken unterscheiden sich von den vorigen nur durch die gewölbte 
Schneide, die besonders deutlich hervortritt, wenn die Wölbung der Breitseite auch 
auf die Schmalseiten übergeht: Fig. 46. Die dreieckige Grundform tritt bei diesen 
Hacken seltener auf, meist sind sie trapezförmig wie Fig. 47. Hacken dieser Art sind 
ebenso wie die folgende Gruppe eine charakteristische Begleiterscheinung der Band- 
keramik'') und über Mittel- und Südeuropa verbreitet; nördlicher kommen sie nur 



') S. Müller, Nordiske Fortidsiniiider Bd. 1 S. 173. 
-) Ooetze in Troja und llion S. 321,371 f. und 397. 
■') S. MiilliT, Ordiiiii«^ af Oanniarks Oldsager S. 11. 

*) VkI. KocIiI, Die Handkeramik in der Umgegend von Worms 1903 S. 12 und Taf. la. 
'^) Vgl. Koehl, a. a. O. Ooetze, Oefässformeii urui Ornamente etc. im Flussgebiet der Saale S. 5 
und (i. 



16 





Fig. 46. Joidaiisimilil 
Kr. Nimptsch. -/s 



Fig. 47. Weiclierau 
Kr. Scliweidnitz. -/a 






Fig. 48. Jordansiiiiil 
Kr. Nimptscii. -/a 



Fig. 50. Brustawe 
Kr. Militsch. 'U 



Fig. 51. Ottwitz 

Kr. Strehlen. '/., 




\ 




Fig. 52. Crossen 
Kr. Oriinberg. "o 



Fig. 49. Pohl. Neukircli 
Kr. Cosei. •'/s 



vereinzelt vor und werden dann als 
Handelsartikel angesehen.') Im Mu- 
seum etwa 10 Einzelfunde, besonders 
von Jordansmühl und Ottitz. 
d) Den vorigen Hacken in den wesent- 
lichen Linien verwandt, aber verhält- 
nismässig sehr viel schmäler, länger 
und höher sind die sogenannten Schuhleistenkeiie: Fig. 48 und 49. (Merkbuch I 12.) 
Ihre Länge schwankt zwisciien 6 und 38 cm. Hacken dieser Art werden auch als 
Poliersteine, Ackergeräte u. a. gedeutet; ihre Bestimmung ist jedoch nicht hinreichend 
festgestellt. Auch die Art der Schäftung scheint zweifelhaft zu sein. Oft haben sie atn 
Schaftende ein Schaftloch, das parallel zur Schneide gerichtet ist. Im Museum etwa 
24 Exemplare, davon 12 mit Schaftloch; unter ihnen auch Übergangsformen zu der 

') (joctze, Über iieolitliisciien Handel, Bastians Festschrift IS'iö S. 343. Im Westpreiiss. Prov.-Mus. 
in Danzig befinden sich ö Haci<en dieser Art von verschiedenen Fundorten Westpreussens. 



17 

vorigen flachen Hackenart.') Einige undurchlochte Exemplare stammen aus Ottitz und 
Jordansmühi. 

Typus E. -- Die Beile haben einen Körper von beinahe rechteckiger Grundform, 
dessen Ecken und Kanten abgerundet sind: Fig. 50. Die Schmal- und Breitseiten 
etwas abgeplattet. Im Museum etwa 25 Exemplare. Nie aus Feuerstein. Zu diesem 
Typus gehört auch das Nephritbeil aus dem Kreise Ohiau.-) im allgemeinen zeigen die 
Beile dieses Typus einen wenig ausgeprägten Charakter. Es gibt unter ihnen viele Übergänge 
zu anderen Formen, besonders zu Typus C und D. Es ist daher auch nicht möglich, 
ihre zeitliche Stellung zu bestimmen. Sie scheinen im Norden selten zu sein und im 
Süden in dem älteren Abschnitt der neolithischen Zeit ebenso wie in dem jüngeren vor- 
zukommen. — Die Hacken von oblonger Form wie Fig. 46 haben wir mit Rücksicht auf 
die gewölbte Schneide den gleichartigen Hacken des Typus C zugezählt. 

VI. Äxte 

Die Beile, die mit einer besondern Vorrichtung für die Schäftung versehen sind, 
wollen wir Äxte nennen. 

1. Diese besteht in einer Verjüngung am Bahnende: Fig. 51. Vgl. Schles. Vorz. VII 236. 
Solche Äxte wurden mit dem dünneren Schaftende in ein Loch des Stieles eingeklemmt. 
Sie kommen in ganz Deutschland, wenn auch selten vor.^) (Vgl. S. Müller 70, 71. Mestorf 
84, 87. Beltz S. 74. Merkbuch I 13.) Ihr Alter ist nicht sicher festgestellt. 

2. Einige Äxte haben am Bahnende eine breite Auskerbung oder Rille: Fig. 52. Hier 
sind die Schmalseiten etwas gekehlt. Diese Axt wurde vielleicht mit einer Schmal- 
seite auf das knieförmige Ende eines Schaftes aufgesetzt und festgebunden.^) Andere 
Äxte haben einen rundlichen, zugespitzten Körper. '") Im Museum je 3 Exemplare. 
Äxte mit Rillen am Bahnende sind selten in der nordischen Steinzeit. Vereinzelt, 
aber in etwas abweichender Form treten sie in Meklenburg auf. (Beltz S. 73.) 
Auch ihr Alter ist nicht zuverlässig bestimmt. 

3. Bei weitem die gewöhnlichste und vollkommenste Schäftungsvorrichtung ist das Schaft- 
loch, das jedoch nie an Äxten aus Feuerstein vorkommt. Es steht parallel zur Schneide 
bei den Äxten, senkrecht dazu bei den Hacken. Die Durchbohrung wurde mit einem 
röhrenartigen Stabe ausgeführt, den man mit leichtem Druck auf den Stein aufsetzte 
und nach Art eines Drillbohrers in drehende Bewegung versetzte. Trockener oder 
feuchter Sand diente dabei als Schleifmittel.'') Unvollendete Schaftlöcher, die in der 

') Mehlis, Die sogenannten Schiihleistenkeile der neolithischen Zeit, im Zentralblatt f. Antiir. etc. IWI 
S. 12Q— 133. 

■-) Schoetensack, Verhandl. der Berhn. des. f. .-Xnthr. 1891 S. 596 f. mit Abb. 

») Voss, ebenda 1S95 S. 137. Vgl. auch S. 689 f. 

*) Andere Arten der ScliäftimK s. Olsliausen, ebenda 1S94 S. 330. - Deichmüller, ebenda 1895 S. 136. 

'') Lehniann-Nitsche, ebenda 1895 S. 691. - Wilke, Zeitschr. f. Etheologie 1904 S. 73. 

") Niilieres liber das Bohrverfahren ii. a. bei Keller, Pfahlbauten, 8. Bericht S. 49 f. 

3 



18 

Mitte einen Bohrzapfen haben, sowie selbständige Bolirzapfen lassen dieses Verfahren 
deutlich erkennen. Die sehr viel roheren Schaftlöcher, die mit Hilfe von Feuerstein- 
spitzen ausgegraben sind, kommen nur selten vor. 

Die Steinaxt diente im allgemeinen denselben Zwecken wie unsere moderne Metallaxt 
und die ihr verwandten Geräte. Den verschiedenen Arten ihrer Verwendung entsprechen 
besondere Formen. Wir unterscheiden A. einfache Äxte im engeren Sinne, B. Doppeläxte 
und Doppelhämmer und C. Axthämmer. Im allgemeinen dienten die einfachen, primitiven 
Formen Arbeitszwecken. Die entwickelten und sorgfältig bearbeiteten, die auch bisweilen 
eine stumpfe Schneide und nie Spuren der Abnutzung oder einer Neubearbeitung tragen, 
waren Streitäxte, die im Kampfe geführt wurden oder vielleicht auch als Abzeichen einer 
Würde galten. Sehr kleine Äxte oder solche aus wenig widerstandsfähigem Material, die 
weder im Haushalte noch auf der Jagd oder im Kriege eine praktische Verwendung finden 
konnten, sind als Votiväxte anzusehen. Die Äxte zeichnen sich den übrigen Steingeräten 
gegenüber durch eine grosse Mannigfaltigkeit der Form aus, die besonders unter den 
entwickelten Axthämmern auffällt. Sehr viel mehr als in Schlesien tritt dieser Reichtum 
im skandinavischen Norden hervor. 

A. Die einfache Axt hat einen ausgebildeten Schneidenteil, ein unbearbeitetes oder 
abgerundetes Bahnende und das Schaftloch in der Nähe des letzteren. Bisweilen ist der 
Querschnitt rundlich, meist vierkantig, besonders in der Nähe der Schneide, gewöhnlich 
aber unregelmässig. Bald ist der Körper langgestreckt: Fig. 53, bald gedrungen: Fig. 54, 
bald flach wie an der Hacke: Fig. 56. Die Grösse dieser Geräte schwankt sehr und mit 
ihr die Art der Verwendung. Grosse Äxte dienten wohl auch als Pflugscharen. Andere, 
die ein sehr kleines Schaftloch hatten, wurden vielleicht als Setzkeile benutzt. Das Museum 
besitzt etwa 70 Arbeitsäxte und 9 Hacken mit Schaftloch. Die ersteren sind nur als 
Einzelfunde vorgekommen, die letzteren auch in Gräbern und zwar in Jordansmülil 
(Grab 23) mit Gefässen der schlesischen Bandkeramik und Kupferschmuck und in Sillmenau, 
Kr. Breslau, mit Gefässen des Aunjetitzer Typus, die schon zur Bronzezeit gehören. 
Die Form der einfachen Äxte, aber in sehr sorgfältiger Bearbeitung, selbst am Nacken, 
zeigt Fig. 59. Abgerundete Bahn. (Vgl. Beltz S. 61.) 

Diesem Typus gehören auch einige Miniaturäxte an. Sie wurden allem Anscheine 
nach als Amulette getragen und sollten vielleicht gegen den Zorn des Donnergottes 
schützen, dessen Waffe ja die Axt war.') Zwei stammen aus neolithischen Wohngruben 
bei Kreuzendorf: Fig. 57 und 58. Stärke 0,8 bezw. 0,6 cm. Bei Fig. 57 fällt die Kleinheit des 
Schaftloches, bei Fig. 58 seine Grösse auf. Eine heilige Bedeutung haben wir wohl auch 
der kleinen Axt aus Gnichwitz (Fig. 55) zuzuschreiben. Das Schaftloch verengt sich 
nach der Mitte zu. Die beiden Seitenflächen sind geglättet wie die eines Schleifsteines. 
Aus schwarzem feinkcMiiigem Gestein. 



') S. Müller, Nordische Alteituiiiskunde S. 170 f. 



IQ 




I 

Fig. 53. Oittersbach 
Kr. Wohlan. ' ., 




Fig. 55. Qnichwitz.Kr Breslau. ^, 






Fig. 54. iVlatzwitz 
Kr. Grottkaii. "» 



Flg. 56. Laubnitz 
Kr. Frankenstein, '/a 





Fig. 59. Rudelsdorf Kr. Nimptsch. '/a 



Fig. 57 u. 5S. Kreuzendorf 
Kr. Lcohscliütz. " , 



B. Doppeläxte und Dop|Delliämmer. Entsi^recliend einerErweiterung desZweckes 
haben viele Äxte eine Ausbildung des Bahnendes erfahren. Entwickelte es sich zu einem 
zweiten Schneidenteil, so entstand die Doppelaxt, gestaltete es sich zu einem hammer- 
artigen Nacken mit ebener Fläche am Ende, so bildete sich die Hammeraxt oder der 
Axthammer, wie die geläufigere Bezeichnung lautet. Bisweilen nahm auch die Schneide 
diese Form an, und es entstand der Doppelhammer. Doppeläxte und Doppelhämmer sind 
in Schlesien sehr selten. Eine Doppelaxt mit exzentrischem Schaftloch zeigt Fig. ÖO. 
Vermutlich eine Votivaxt, das Material scheint Ton zu sein.') Doppeläxte mit stark 



') Nach der Ik'stimniung des Kgl. A\ineralogischen Museums „wohl aus Ton, der aus einer Letten- 
kluft statunit; ob gebrannt, ist fraglieh, vielleicht nur getrocknet." — Über Doppeläxte als Votiväxte siehe 
Montelius, Chronologie d. ältest, Bronzezeit S. 19. 



20 



^ 




Fig. 60. Isoldeiiort Kr. Militsch. 




Fig. 61. Jausclnvitz Kr. Liibeii. ','2 




Fig. 62. Tsclieschfii-Haiiinier Kr. Gross- 
Wartenlierg. '/-j 




Fi.'. fi3 Daiiinier Kr. Militsch. '/s 




Fig. 64. Frii.'bL'1-n.'rii Kr. (Breslau. '/.. 




Fig. 65. Eichberg Kr. Biiiizlaii. 'Aj 




Fig. 66. Ziiil<witz Kr. Miinsterberg. '/.j 




Fig. b7. I'.iln. Nciikirch Kr. Cosel. '., 



entwickelten Schneiden treten im Norden niclit selten in Oangorräbcrn auf, auch als Bern- 
steiniierlen. (S. Müller Q3 96, 264. Beltz S. 72. Merkbnch II 7. Mestorf 101.) Auch 
in tier Schweiz und im westlichen Europa kommen sie vor. Sie sind als Nachbildungen 
von doppeischneidio^en Kupferäxten zu betrachten.') Einen Doppelhammer zeigt Fig. 61. 
Seitlich je ein Grat parallel zum Schaftloch. Das Museum besitzt nur zwei Exemplare. 
Auch ausserhalb Schlesiens scheint diese Form sehr selten zu sein. 

C Der Axthammer. 1. Die primitiven Formen haben, wie aus Spuren des 
Gebrauchs hervorgeht, Verwendung als Axt und als Hammer gefunden. Wie bei den 



Vgl. Moiitclius, Cliroiiülogic tl. iiltest. Bronzezeit S. 114. 



21 

vorigen Geräten steht das Schaftloch ungefähr in der Mitte. Der Körper ist oft abgerundet: 
Fig. 62. Wie hier hat der Schneidenteil gewöhnh'ch die Neigung, sich zu verbreitern, 
während sich der Hammerteii verjüngt. Im Museum über 80 Exemplare. Seltener sind 
Axthämmer mit vierkantigem Körper: Fig. 63. Bisweilen auch ohne Grat zwischen Axt- 
und Hammerteil. Im Museum etwa 15 Exemplare. Unter diesen Axthämmern gibt es 
auch Mittelformen wie Fig. 64 mit abgeplatteter Ober- und Unterseite und gewölbten 
Seitenflächen. 

2. Entwickelte Formen weist unter den schlesischen Äxten fast nur der Axthammer 
auf. Sorgfältige Bearbeitung, Schweifungen am Körper, Krümmung der Längsachse, 
besondere Ausbildung der Schneide, des Nackens oder des Mittelstückes zu beiden Seiten 
des Schaftlochs, Ornamente in Form von Graten, Auskehlungen und Rinnen, das sind 
Eigenschaften, die die entwickelten Axthämmer oder Streitäxte, wie wir sie nennen wollen, 
von den primitiven Formen unterscheiden. Typisch tritt in Schlesien nur eine Form auf; 
fast alle übrigen sind Einzelerscheinungen, für die sich jedoch oft ausserhalb Schlesiens 
analoge Fundstücke nachweisen lassen. 

Auf den Axthammer mit viereckigem Querschnitt (Fig. 63) gehen einige Streitäxte 
von einer Form wie Fig. 65 zurück. (Vgl. Merkbuch II 4.) Derselben Urform steht die 
Streitaxt Fig. 66 nahe. Vom Schaftloch zieht sich auf der oberen Seite eine Rinne nach 
der Schneide hin. In der Mitte der Seitenflächen je eine abgerundete Längsleiste. — 
Die Form des vierkantigen Axthammers haben vielfach Kupferäxte. Ein solches schlesisches 
Fundstück mit stark entwickelter Schneide stammt aus Ottwitz, Kr. Strehlen. Abb. in 
Schles. Vorz. VII 351. 

Mannigfacher sind die Formen, die mit dem abgerundeten Axthamnier Fig. 62 
verwandt sind. Wir betrachten zunächst die Stücke ohne besondere Ausbildung des 
Bahnendes. Geschweiften Hammerteil und leicht nach unten gekrümmte Längsachse 
zeigt Fig. 67. Eine verwandte, aber sehr viel schlankere Form hat die Streitaxt Fig. 68.') 
Im Museum noch 2 Exemplare derselben Art. Ausserhalb Schlesiens lassen sich für 
diese Axtform nur ähnliche Beisi^iele finden, typisch scheint sie nirgends aufzutreten. Ihr 
steht ein anderer Typus nahe mit walzenförmigem Körper und buckelartigen Verdickungen 
zu beiden Seiten des Schaftloches. Im Museum nur einige Bruchstücke. Ähnliche Äxte 
in Mecklenburg. (Beltz S. 71.) 

Zu dem Typus der facettierten Äxte können wir vier schlesische Fundstücke zählen. 
Vgl. Fig. 69. Facettierte Axthämmer treten besonders in Thüringen auf und zwar als 
Begleiterscheinungen der Schnurkeramik. Diese sind jedoch sorgfältiger gearbeitet als die 
schlesischen. (Vgl. Merkbuch II 3.) Die Fundstücke ausserhalb Thüringens werden als 
Handelsware angesehen. Die in Böhmen und Ungarn vorkommenden facettierten Äxte 



') Die Axt ist lu'spiociKMi in licr KDirespoiulenz J. Schles. Ges. f. Vaterland. Kultur Bd. 1 S. KW 113; 
die dortigen Abbildnnjjon acbtiu eine falsche Vorstellunti;. 



22 

haben wie die schlesisciien Stücke mehr verwaschene Formen und sind wolil als ein- 
heimisclie Arbeiten zn betrachten.') 

Wir wenden uns den Streitäxten zn, die ein besonders entwickeltes Baiineiuie 
haben. Die Verdickung am Bahnende hat die Form einer dicken Raupe an einer Streitaxt 
aus Alt-Wansen, Kr. Ohlau. Abgeb. Schles. Vorz. VII 533. (Vgl. S. Müller 76. 
Merkbuch 11 9.) Während die obere abgeplattete Seite beinahe eine Ebene bildet, 
zeigt die untere infolge der starken Entwicklung des Schneidenteils und des Bahnendes 
eine sehr grosse Krümmung. Stärke am Schaftloch 3,2 cm, an der Schneide wie an dem 
Bahnende 7,5 cm bei einer Länge von 22,5 cm. Verwandte Typen kommen in Schlesien nicht 
vor. Die Form ist gewöhnlich in den jütischen Bodengräbern, die etwa mit den jüngsten 
Formen der Riesenstuben gleichaltrig sind.-) Die Streitaxt aus Alt-Wansen wäre ebenso 
wie der Feuersteindolch aus Jacobine ein Zeugnis für Beziehungen zwischen dem Norden 
und Schlesien, wenn ihr Fundort unzweifelhaft festgestellt wäre; dies ist nicht der Fall, 
da sie durch einen Händler ins Museum gekommen ist.^) 

Zu einer weit verbreiteten Gruppe gehören die Streitäxte mit kugelförmiger oder 
knopfartiger Verdickung am Bahnende, bogenförmig verbreiterter Schneide und leichter 
Biegung der Längsachse: Fig. 70. Der Querschnitt ist rhombisch. Auf der oberen 
und der unteren Seite ziehen sich vom Schaftloch nach der Schneide und der Bahn Furchen. 
Den Hammerteil einer solchen Axt besitzt das Museum aus Heidersdorf, Kr. Nimptsch. 
Denselben Charakter hat eine Streitaxt aus Protzan, Kr. Frankenstein. Sie hat jedoch einen 
runden Querschnitt. Zu beiden Seiten schwache Längsrücken. (Vgl. Merkbuch II 5.) 
Streitäxte mit knopfähnlicher Bahn kommen in Ungarn in Kupfer vor, in Stein finden sie 
sich in den Österreich-ungarischen Ländern, im nordöstlichen Deutschland und besonders 
in Schweden. Das Museum in Stockholm besitzt nach Montelius, dessen Untersuchungen 
wir hier folgen,^) 60 Äxte dieser Art. Auch in Gothland treten sie auf, während sie in 
Dänemark ganz fehlen. Montelius sieht daher in ihnen ein Zeugnis für den direkten 
Verkehr zwischen Norddeutschland und Schweden zur Zeit der Ganggräber, in der auch 
im Norden das Kupfer bereits bekannt gewesen ist, wie durch das Vorkommen einer 
solchen Kupferaxt in Schonen bezeugt wird. Auf den Einfluss dieser Kupferäxte, die 
aus dem Süden kamen, sind die Steinäxte zurückzuführen, denn ihre Form entspricht viel 
mehr der Natur des Metalls als der des Steines. 

Ein knopfartiges, aber nur sehr wenig hervortretendes Bahnende ist der Streitaxt 
Fig. 72 eigen. Ihre Längsachse ist gerade, die Schweifungen am Körper sind gering. 



I) Vgl. Ooctzc, llher iieolitliisehcii H;iiuit.'I, in Bastians Icstschrift S. 341 34!, iiiul VcrliandL der 
BtTlin. Ges. f Antlir. 1893 S. 141 Fig. 1. 

•') S. Müller, De Jydske Eiil<el<;rave, AarbÖKer f nord. dldkynd. ISQS S. 230. 

•■*) Kossinna, Zeitschrift f. Ethnologie 1902 S. 172 Anni. 2. 

*) Montelius, Chronologie der ältesten Bronzezeit, S. 12 f., 94 und 110. Eine Streitaxt dieser Art 
aus Barlewitzersee besitzt das Westprenss. I'rov.-Mus in Danzig. Eine andere aus Böhmen, abgebildet 
von Pic, Cechy pfedhistoricke 1899 S. 155. 



23 




Fig. 68. Giinschwitz Kr. Ohiaii. 



Fig. 69. Sacraii Kr. Oels. ': 




Fifi 70. Jortlansniiilil Kr. Niniptsch. '-^ 



Fig. 71. Tschirnitz Kr. Jaiier. 




Fig. 72. Töpliwncia Kr. Miinsterberg. ',„ 




Fig. 73. Tluiiiiit/ Kr Niinptsch. '/a 




Fig. 74. Rothscliloss Kr. Niniptsch. »,o 




Fig. 75. Leiinerwiiz Kr Leobschütz. '/ü 




Fig. 76. Jakobsdori 
Kr. Niniptsch "3 




Fig. 77. Tschotschwitz 
Kr. Militsch. • .. 




Fig. 78. Wronin Kr. Cosel. •/« 



24 

Facetten treten besonders deutlicli auf dem Hammerteil hervor, parallel zu ihnen laufen 
zu beiden Seiten des Schaftloches Rinnen.') 

Häufig sind in Schlesien die Äxte mit überhängendem Bahnende. Knopfartig ist 
dieses an der Axt Fig. 71. 

Sehr viel schlanker und gefälliger sind die Streitäxte dieser Art, die einen Schlesien 
eigentümlichen Typus darstellen: Fig. 74. (Rechts das Bahnende.) Von einem üräberfelde 
des Aunjelitzer Typus.-') Charakteristisch für diese Streitäxte ist nicht nur die herab- 
hängende Bahn, sondern auch die abgeplattete obere Seite, die nach unten hängende 
Schneide, eine Krümmung der Längsachse, der die obere Fläche folgt, und eine eigen- 
tümliche Schweifung des Körpers. Oft steht das Schaftloch der Schneide näher als 
dem Bahnende. Das Museum besitzt von der voll entwickelten Form etwa 20 Exemplare. 
Viel grösser ist aber die Zahl der weniger ausgebildeten Äxte, welche Mittelstufen zwischen 
dem einfachen Axthammer wie Fig. 62 und Fig. 64 und dem entwickelten schlesischen 
Typus darstellen. Eine solche Übergangsform ist z. B. Fig. 73. Das Schaftloch ist nach 
vorn gerückt. Manche dieser meist sehr zierlichen Streitäxte sind Prachtstücke. Durch 
glänzende Politur ist eine Axt aus Poln.-Neukirch, Kr. Cosel, ausgezeichnet. Auch Ornamente 
treten auf wie bei Fig. 75. Gruppen paralleler Furchen ziehen sich über die gewölbten 
Seiten z. T. in vertikaler Richtung, z. T. schräg das Schaftloch umfassend, wie etwa eine 
Schnur, mit der die Axt am Stiel befestigt wurde.'') Eine zweite, etwas kleinere Streitaxt 
mit derselben Ornamentation besitzt das Museum aus Heidersdorf, Kr. Nimptsch. 
Vgl. Schles. Vorz. VII 217, Ausserhalb Schlesiens haben sich Streitäxte, die die 
charakteristischen Züge dieses Typus in sich vereinigen, nicht nachweisen lassen, und 
selbst in Schlesien scheint sein Verbreitungsgebiet beschränkt zu sein. Das Zentrum 
befindet sich in der Gegend zwischen dem Zobten und der Oder. Vereinzelt kommen 
Funde auch bis nach Bunzlau und Steinau einerseits und bis Leobschütz und 
Cosel anderseits vor. Bemerkenswert ist es, dass die meisten Streitäxte dieses schlesischen 
Typus aus Serpentin bestehen, und dass gerade dort, wo sie am häufigsten gefunden 
werden, in der Nähe des Zobten, Serpentin vielfach ansteht. Es ist daher anzunehmen, 
dass sich dort auch das Zentrum ihrer Fabrikation befand.') Sie reichen ziemlich sicher 
bis in die älteste Bronzezeit, denn zwei von ihnen (aus Ottwitz und Rothschloss) stammen 
von Begräbnisplätzen des Aunjetitzer Typus.-') Eine dritte aus Sillmenau, Kr. Breslau, 
soll in einem Hockergrabe mit drei Gefässen, worunter das eine zweifellos ebenfalls zum 
Aunjetitzer Typus gehört, gefunden worden sein.") Der Inhalt dieses Grabes befindet 

') Beschrieben und abgebildet von RüsctiinK, Heidnisclie Altertümer Schlesiens 1820 Taf. V 1 a. 
^) Vgl. Seger, Hockergraber bei Rothschloss, Kr. Nimptsch, Schles. Vorz. N. F. II 15f. Fig. 14. 
") Abgebildet und beschrieben von W. (irernpler in den Verhanillnngen d. Berlin, ües. f. Aiithr. 
1880 S. 356f. 

*) Vgl. F. Römer, Über die Steingeräte ans der heiilinschen Zeit Schlesiens, Schles. Vor/. III 35. 

<>) Vgl. Seger, Schles. Vor/.. Vil 236, und N. F. 1115. 

") Nach gefalliger Mitteilung von I'rofessor Jcntsch in (luben. Vgl Schles. Vorz. V 127. 



23 

sich im Museum zu Guben. Zu bemerken ist jedoch, dass auch ein Fundort für Band- 
keramik und ein anderer für Schnurkeramik je eine Streitaxt dieses schlesischen Typus 
als Einzeifund geliefert haben. Einige Male scheinen die entwickelten Streitäxte dieser 
Art zusammen mit den weniger entwickelten Axthämmern vorgekommen zu sein; es fehlt 
jedoch noch an zuverlässigen Beobachtungen, um etwas Bestimmtes über das Verhältnis 
sagen zu können, in dem die verschiedenen Übergangsformen dieses Typus zu einander 
stehen. 

VII. Keulen 

Wie die Beile und Äxte sind auch die Keulen Geräte, die zum Schlagen dienten. 
Allseitig stumpf, sollten sie hauptsächlich durch ihr Gewicht wirken. Einige haben eine 
Schäftungsrille, die anderen ein Schaftloch. Wie sich unter den Äxten die einfachen, 
derben als Arbeitsgeräte, die entwickelten, kunstvoll gearbeiteten als Streitäxte kenn- 
zeichnen Hessen, so können wir auch unter den Keulen die einfachen Arbeitsgeräte von 
den sorgfältig bearbeiteten Streitkolben unterscheiden. 

A. Keulen mit Schäftungsrillen. - 1. Die Arbeitskeulen sind klotzförmig, haben 
meist eine obere und eine untere Schlagfläche, welche Spuren des Gebrauches tragen, und 
werden von einer oder zwei Furchen umzogen, die das Festbinden an einen Stiel ermöglichen: 
Fig. 76. Senkrecht zu der Richtung der Furche steht eine fast ebene Fläche, die auf das 
knieförmige Ende des Stiels aufgesetzt wurde. Die Arbeitskeulen bestehen aus grob- 
körnigem Gestein. Das Breslauer Museum besitzt 6 Keulen dieser Art, davon eine aus 
Leobschütz mit doppelter Rille, sämtlich Einzelfunde. Vier stammen aus den Kreisen 
Nimptsch und Strehlen. Solche Steinschlägel mit Schäftungsvorrichtung sind vielfach in 
Europa beobachtet worden und zwar, wie Much an vielen Fundstücken zeigt,') oft an Orten, 
wo ein bergmännischer Betrieb stattgefunden hat. Es scheint, dass sie dort zum Zer- 
schlagen des Erzes gedient haben, wie z. B. in dem vorgeschichtlichen Kupferbergwerk 
auf dem Mitterberg (Salzburg). Verwandt mit ihnen sind die Äxte mit Schäftungsrille. 
Vgl. S. 17. 

2. Von den entwickelten Keulen mit Schäftungsrille besitzt das Museum nur ein 
Exemplar in Form einer gedrückten Kugel. Die Oberfläche ist geglättet und die Rille um 
den Rand rauh ausgehauen. Sie stammt aus Camöse, Kr. Neumarkt. Im Norden kommen 
Keulen mit Schäftungsrillen öfter, aber nie in Gräbern vor und werden daher in die ältere 
Periode verlegt, für welche die spitz- und dünnnackigen Beile charakteristisch sind.-) 

B. Keulen mit Schaftloch. Sie sind stets sorgfältig bearbeitet und kleiner als die 
vorigen. Sie tragen nie Spuren der Benutzung und sind wohl als Waffen oder Abzeichen der 
Würde anzusehen. Unter den zwölf schlesischen Fundstücken haben fast alle eine besondere 

') Mucli, Die Kupferzeit in Europa, 2. Auflage S. 258 f. - Vgl. auch Verliandl. li. Berlin. Ges. für 
Anthr. \W2 S. 336- 41 und 18^5 S. (iQl. 

') S. Müller, Nordische Altertuniskunde S. 144. 

4 



26 

Form, die bisweilen an Spinnwirtel erinnert. Die Gestalt einer oben und unten abge- 
sciinittenen Kugel iiat der Streitkolben Fig. 77. Einen fünfzackigen Stern bildet Fig 78. 
Eine nierenförmige Keule mit Schaftloch stammt aus Karmine, Kr. Militscli.') Andere Strcit- 
kolben sind flach und rund, oder würfelförmig mit abgerundeten Ecken und Kanten, 
doppelkegelförmig mit abgeschnittenen Spitzen, oder gedrückt kugelförmig mit vertikalen 
Furchen. Eine Keule aus Lobedau, Kr. Grottkau, die unter anderem mit einer schuhleisten- 
förmigen Hacke vorgekommen sein soll (vgl. S. Q), hat die Form eines seitlich platt- 
gedrückten Zylinders mit einem Schaftioch in der Richtung der Längsachse. Auch die 
Streitkoiben mit Schaftloch sind sämtlich Einzelfunde. Trotz der grossen Zahl ihrer Formen 
und ihres ausgedehnten Verbreitungsgebietes, das über Europa hinausgeht,-) haben sich 
nirgends Zentren für einzelne Typen feststellen lassen. Im Norden treten Streitkoiben 
mit Schaftloch nicht selten in Gräbern der späteren neolithisclien Perioden auf.') 

Schlesien hat auf dem Gebiete der Steinindustrie, wie die typologische Zusammen- 
stellung der Werkzeuge und Waffen erkennen lässt, in der eigentlichen Steinzeit keine 
eigenartigen Formen geschaffen. Fremdartige Fundstücke weisen darauf hin, dass es 
wenigstens zweimal von einem Durchgangsverkehr berührt worden ist, der sich in nord- 
westlicher und in südöstlicher Richtung bewegte: zur Zeit der Jordansmühler band- 
keramischen Kultur, welche die nordwestlichen Kragenflaschen als fremde Bestandteile 
aufgenommen hat und daher trotz ihres Auftretens mit Kupfer und zinnarmer Bronze 
auch zeitlich mit der nordischen Dolmenkultur in Verbindung gebracht werden muss, und 
dann später zur Zeit der nordischen Riesenstuben, als Feuersteindolche mit kantigem Griff 
und Streitäxte mit knopfartigem Bahnende Handelsartikel bildeten. Diese beiden Beziehungen 
Schlesiens zum Norden treten dem Anscheine nach auch an anderen Steingeräten hervor, 
die der Form und Zeit nach den nordischen Typen nahe stehen. Auf einen viel älteren 
Verkehr mit dem Norden scheinen dünnnackige Beile hinzuweisen. Ob in der Stein- 
zeit auch ein westlicher Verkehr bestanden hat, kann aus den vorhandenen Steingeräten 
nicht festgestellt werden; nur die facettierten Hämmer kämen hierbei in Frage. Einen 
eigenen Typus hat die schlesische Steinindustrie nur in den zierlichen Streitäxten geschaffen, 
die das Zentrum ihrer Herstellung in der Umgebung des Zobten innerhalb des Verbreitungs- 
gebietes der Aunjetitzer Kultur haben und wahrscheinlich auch gleichzeitig mit ihr auftreten, 
d. h. zu Beginn der Bronzezeit. 

Oskar Mertins 

') Abgeb. von Büschinj;, Heidnische Altertüiiier Schlesiens Taf. V 5. 
-) Vgl. z. B. Ooetze, in Troja nnd Ihon S. 377 und 323. 
•') S. Müller, Nordische Altertumskunde S. 144. 



27 

DAS GRÄBERFELD VON MARSCHWITZ 

KREIS OHLAU 

Line Meile südwestlich von Ohlau, in der Luftlinie 5,5 km vom linken Oderufer 
entfernt, liegt das Dorf Marschwitz, bekannt in der schlesischen Kunstgeschichte durch 
einen kleinen Schnitzaltar mit der Taufe Christi und bemerkenswerten Flügelbildern,') 
und in der Numismatik durch einen bedeutenden Brakteatenfund.-) Im April 1Q03 erhielt 
das Museum durch seinen Pfleger, Herrn Pastor Hein in Mollwitz, die Nachricht, dass 
in einer Herrn Rittmeister a. D. von Eicke auf Marschwitz gehörigen Sandgrube 
gekrümmte Skelette mit Tongefässen gefunden worden seien. Die sofort eingeleiteten 
Verhandlungen führten dazu, dass auf Einladung des Herrn von Eicke am 24. April Herr 
Prof. Dr. Thilenius und der Berichterstatter sich nach Marschwitz begaben, um mit Unter- 
stützung der genannten Herren sowie des Ortsgeistlichen, Herrn Pastors von Strampf, 
eine Ausgrabung vorzunehmen. Es wurden an diesem Tage von den im folgenden 
beschriebenen Funden die beiden slavischen Abfallgruben B und C und die Gräber 1 4 
aufgedeckt. Ein fünftes Grab war schon vorher freigelegt worden. Einige Tage später 
kamen beim Sandschachten die Gräber 6 8 zum Vorschein. Die Herren von Eicke und 
von Strampf sorgten dafür, dass sie in sachgemässer Weise behandelt und die Funde 
aufbewahrt wurden. Am 6. Mai fand eine zweite Ausgrabung statt, bei der diesmal 
ausser dem Breslauer Museum auch das königl. Museum für Völkerkunde in Berlin 
durch Herrn Dr. Hubert Schmidt vertreten war. Hierbei wurden die Gräber Q 22 
und die Abfallgrube A aufgedeckt. Eine Fortsetzung der Ausgrabung verbot sich durch 
die Rücksicht auf die Feldbestellung und konnte auch im Spätherbst, nach der Rüben- 
ernte, wegen ungünstiger Witterung nicht erfolgen. Sie ist für 1Q04 in Aussicht 
genommen. Ob derselben ein grösserer Erfolg beschieden sein wird, erscheint fraglich, 
da die Fundstellen an der Grenze des von uns durchforschten Gebietes schon recht 
spärlich wurden. 

Sämtliche Fundstücke, dazu noch einige von früheren Ausgrabungen herstammende, 
wurden von Herrn von Eicke dem Breslauer Museum freundlichst zur Verfügung gestellt, 
wofür auch an dieser Stelle herzlich gedankt sei. Die Beigaben aus den Gräbern 10, 
12 und 22 wurden dem Berliner Museum überlassen. 

Die Fundstelle ist eine etwa 800 m westlich vom Gutshofe gelegene Sandgrube, 
deren Nordrand genau 177,7 m vom Kilometerstein 3 (bei der Vermessung als Nullpunkt 
bezeichnet) der von Goy (Ohlau) nach Würben führenden Chaussee entfernt ist. Das 



') Jetzt im Schlesischen Miiseuiu für Kunstgewcrlu- iiiul Altertümer Nr. 6178. Vgl. Schles. Vorz. II 271; 
V 217; A. Schult/, Schlesiens Kunstlebcn im 15. IS. Jalnli , iUcslaii 1S72 S. 10; derselbe, Geschichte der 
Breslauer Malerinnung, Breslau 1866 S. 157. 

-) Schles. Vorz. III 243; IV 265; v. Sallets Zeitschrift für Numismatik XIII S. 1 ; Friedensburg, Schlesiens 
Münzgeschichte im Mittelalter II S. 1 1 f. 

4« 



28 




oS<Lhri[f 



Fig. 1. 



25 000 



Messtiscliblatt gibt dort eine Höhenkurve an und in der Tat eriiebt sicli die Stelle etwas 
über die sonst ganz flache Umgebung. Der Boden ist zunächst fetter Humus. Dann 

folgt in 30 cm Tiefe gelber Kies 
und zuletzt gelber Lehm. Nach 
Aussage älterer Arbeiter sind 
hier schon Vorjahren mensch- 
liche Gebeine gefunden worden. 
Wahrscheinlich stammt von 
einem dieser Zufallsfunde der in 
Fig. 2ö abgebildete Henkelkrug, 
der im Schlosse aufbewahrt 
wurde, ohne dass über seine 
Herkunft Näheres bekannt war. 
Die Schachtungsarbeiten des 
Jahres 1903 erstreckten sich auf 
den östlichen Teil der Grube. 
Es mögen dabei im Anfang eine 
Reihe von Gräbern aus Acht- 
losigkeit zerstört worden sein. 
Die von uns aufgedeckten lagen 
in der Nordostecke (auf dem- Kartenausschnitt mit 1 bezeichnet) innerhalb eines Recht- 
ecks von 15 m nordsüdlicher Länge und 10 m westöstlicher Breite, dessen genaue Lage 
sich aus einem dem Fundprotokolle beigefügten Situationsplane ergibt. Es ist an- 
zunehmen, dass die zerstörten Gräber sich westlich davon angeschlossen haben, denn 
auf der Südseite wurden in dem in unserer Gegenwart abgeschachteten 15 m langen 
Streifen keine wahrgenommen. Ob sich das Gräberfeld nach Norden und Osten noch 
weiter ausdehnt, bleibt einer späteren Untersuchung vorbehalten. 

Die Lage und Orientierung der einzelnen Gräber zeigt der umstehende Plan. 
Eine regelmässige Anordnung war nicht zu erkennen. Die Entfernung benachbarter 
Gräber von einander betrug 1,5—4 m. Die Orientierung von Süden nach Norden 
herrschte vor, doch wurde in 6 Fällen eine abweichende Richtung beobachtet. Bei den 
Gräbern 16, IQ, 20 und 21 konnte wegen des Fehlens körperlicher Überreste die Richtung 
nicht mehr festgestellt werden. 

Die Tiefe der Gräber betrug bei den meisten nicht mehr als 50 75, nur in wenigen 
Fällen 130 140 cm. Sie waren in der Regel muldenförmig in den festen Kies gebettet 
und mit loserem, dunkel gemischtem Boden ausgefüllt. Eine Umfriedung durch Stein- 
setzung fand sich nur bei Grab Q. Hier war an den vier Ecken je ein grosser Feld- 
stein hingelegt. Wo sich sonst Steine fanden, waren sie offenbar nur zufällig hineingefallen. 
Durchgehends waren die K(")rper in Hockerlage mit an den Leib empor- 
gezogenen Oberschenkeln und spitzwinklig gebeugten Knien beigesetzt, wobei Gesicht 



29 



und Beine nach derselben Seite gerichtet waren, während der Oberkörper mitunter die 
Rückenlage bewahrt hatte. Mit wenigen Ausnahmen, die bis auf einen Fall durch die 
Bestattung mehrerer Leichen in einem Grabe erklärt werden, blickte das Gesicht <ren 
Sonnenaufgang. Dagegen scheint 
man keinen Wert darauf gelegt zu 
haben, ob das Kopfende nach 
Norden oder nach Süden gerichtet 
war. Auch die Haltung der Arme 
war anscheinend an keine be- 
stimmte Form gebunden. Beigaben 
waren spärlich und fehlten in 
vielen Gräbern ganz. In drei 
Gräbern (14, 17 und 18) fanden 
sich Geräte aus Stein oder Knochen; 
Grab 6 enthielt 5 Ohrringe und 
eine Nadel aus Bronze. Tongefässe 
standen in 13 Gräbern und zwar 
gewöhnlich am Kopfende. 

Auffallend war das wiederholte 
Vorkommen von zwei oder drei 
Leichen in einem Grabe. Eine 
Nachbestattung war dabei nach den 
Fundumständen ausgeschlossen : 
die Gebeine der verschiedenen 
Individuen waren so ineinander 
geschoben, dass sie unbedingt 
gleichzeitig in die Erde gelangt 
sein mussten, ja bei Grab 4 war 
die Lagerung nach dem Urteil des 
Anatomen (Prof. Thilcnius) nur 
dadurch zu erklären, dass man die beiden Körper vor der Beerdigung zusammen- 
gebunden hatte. Im 6. Grabe lagen drei Kinder; zwei mit den Rücken gegen einander 
gekehrt, das dritte mit den Beinen auf den Schultern der beiden anderen. Grab 1 1 barg 
augenscheinlich eine Mutter mit zwei Kindern, die sich an iiire Brust schmiegten. 
Ausserdem war bei diesem Grabe eine Nachbestattung erfolgt (Grab 7). Es liegt nahe, 
angesichts dieser Erscheinung die Anlage des Begräbnisplatzes auf eine Epidemie zurück- 
zuführen, bei der ganze Familien und namentlich die Kinder hinweggerafft wurden, 
denn die Zahl der Kindergräber war verhältnismässig sehr gross. Doch ist die 
gleichzeitige Bestattung mehrerer Leichen in einem Grabe innerhalb dieses Kultur- 
kreises auch sonst öfters beobachtet worden, sodass sie recht wohl auf einem 











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30 



allgemeinen, vielleiclit bloss diircli Bequemlichkeitsrücksichten veranlassten Brauche 
berulien kann.') 

Die Erhaltung der Knochenreste war im allgemeinen nicht gut; von vielen Skeletten 
waren nur einzelne Teile, von manchen Kinderskeletten fast nichts mehr übrig. Inuneriiin 
konnten eine Anzahl leidlich konservierter Schädel und Extremitätenknochen gesanmielt 

werden, die nebst den photographischen Aufnahmen 
einen Anhalt für die körperliche Beschaffenheit der 
Marschwitzer Hocker geben. Darüber wird in einem 
grösseren Zusammenhange später berichtet werden. 

Im einzelnen war der Befund folgender. (Beschreibung 
der Skelette nach Prof. Thilenius. Wo nähere Angaben fehlen, 
war die Bestimmung wegen der mangelhaften Erhaltung 
unsicher.) 

Grab 1. Tiefe 70 cm. Erwachsener von 20— 25 Jahren, 
männlicher Typus. Scheitel S., Gesicht O. Lage auf der rechten 
Seite. Linker Arm am Körper entlang, Hand im Becken. 
Rechter Arm im Ellbogen gebeugt, Hand am Kopfe. Ober- 
schenkel rechtwinklig zur Wirbelsäule, Unterschenkel spitz- 
winklig gebeugt. Rumpflänge 7<J,2, Oberschenkel 43, Unter- 
schenkel 37, ganze L. 159,2, diagonale L. 98 cm. 

20 cm über den Knien, vor dem Becken, stand eine 
gelblich graue, dickwandige Tonschüssel mit zwei breiten, 
etwas abwärts gerichteten, senkrecht durchbohrten leisten- 
artigen Ansätzen unterhalb des Randes, der eine mit 2, der 
andre mit 3 Schnurösen, dazwischen ein schwächerer, nn't 
6 senkrechten Kerben verzierter Vorsprung, dem auf der 
beschädigten Gegenseite wahrscheinlich ein anderer entsprach, 
H. 4,6, Dm. 21 cm: Fig. 14. Grosser Feldstein am 

Fussende. 

Grab 2. Tiefe 130 cm. Kind von 10—12 Jahren. 
Scheitel NO., Gesicht NW., Hände am Kopfe, Beine gebeugt. 

Am Kopfende stand ein rotbrauner kleiner tiecher, der 
durch eine Reihe senkrechter schwacher Einschnitte verziert 
ist, H. 4,3, Dm. 5,5 cm: Fig. 27. 

Grab 3. Tiefe 140 cm. Erwachsener von ÖO -05 Jahren, 

männlicher Typus. Scheitel NO., Gesicht SO. Oberkörper 

auf dem Rücken, Becken auf die linke Schaufel gestützt. Arme vor dem Bauche zusammengelegt, Hände 

über dem Beckeneingang. Beide Oberschenkel rechtwinklig zur Wirbelsäule, linker Unterschenkel fast 

parallel, rechter Unterschenkel spitzwinklig zum Oberschenkel. — Keine Beigaben. 

Grab 4. Tiefe 70 cm. Doppelgrab zweier Erwachsenen. Skelett A Scheitel S., Skelett R Scheitel N. 
Beine bei beiden stark gebeugt, die von A unmittelbar über denen von B. 




Fig. 3. Grab 13 



') Vgl. z.B. Buchholz, Verliandl. d. Berlin. Ges. f. Anthr. 1890 S. 3ö7 f.; Schumann, ebenda S. 478; 
Götze, ebenda 1892 S. 186 f. und besonders Zeitschr. f. Ethnol. 1900 S. 146, 158 u. 174; Zbiör wiadomo^ci 
do antropologii krajowej Tom XV, Krakau 1891 S. 21; Mitteil, d, Wien, antrop. Ges. 1895 S. 46; Pic, 
Starozitnosti Dil I Sv. 1 S. 65/66. 



31 

Zu Seiten der Skelette einige Stückchen gebrannten Lelinies. Am Kopfende von B ein dunkei- 
lirnniier Henkelknig mit scharfeingeschnittenem, aus parallelen und Zickzacklinien gebildetem Hängemuster, 
das sich über den ganzen Bauch bis an den Rand des etwas eingetieften Bodens hinzieht, H. 12.5, Dm. 
6,5 cm : Fig. 25. 

Grab 5, Tiefe 60 -70 cm. Erwachsener. Scheitel S., Gesicht O. Lage auf der rechten Seite. Beine 
stark gebeugt. — Keine Beigaben. 

Grab 6. Tiefe 60—70 cm. Drei Kinder von 8 12 Jahren in Hockerlage, zwei mit dem Rücken 
gegen einander, Scheitel N., das dritte mit den Beinen auf den Schultern der beiden anderen, Scheitel S., 
Gesicht W. 

Am besten erhalten war das mit dem Gesicht nach O. gekehrte. Bei ihm lagen die Hände am 
Munde. Der Unterkiefer war durch Metalloxyd grün gefärbt. An der rechten Schulter lag a) ein 4,5 cm 
langes Bronzenadelfragment ohne Kopf und Spitze. Dicht dabei fanden sich b) 5 zerbrochene offene Ringe 
aus dünnem Bronzedraht mit verjüngten Enden, Dm. 1,5 — 2,2, Dicke 0,2 cm: Fig. II. 

Grab 7 lag ganz flach und direkt über Grab 11. Erwachsener von ca. 50 Jahren, Scheitel S. 
Gesicht O. Alles andere zerstört. 

Am Kopfe stand ein lehmfarbiger, dickwandiger Topf von rauher Außenseite mit 4 horizontal durch- 
bohrten Schnurösen am Halse, H. 9,5, Dm. 8 cm: Fig. 19. 

Grab 8. Tiefe 140 cm. Kind. Scheitel S. Vom Skelett nichts erhalten. 

Neben dem Kopfe stand ein blnmcntopfförmiger hellgrauer Becher mit horizontalem Schrägschnitt- 
muster, II. 6,6, Dm. 9 cm: Fig. 16. Dabei lag ein kleiner glatter bohnenförmiger Kieselstein. 

Grab 9. Tiefe 75, L. 90, Br. 60 cm. Kind, ca. 8 Jahre. Scheitel NNW, Gesicht NOO. Lage auf 
der linken Seite. Rechter Oberarm parallel zur Wirbelsäule, Unterarm quer nach links. Linker Oberarm 
parallel zur Wirbelsäule, Unterarm hart am Oberarm, Hand am Gesicht. Beide Beine spitzwinklig gebeugt, 
Sprunggelenke nahe am Gesäli. 

4 große Feldsteine an den Ecken zu seilen des Kopfes und der Füße: Fig. 5. — Keine Beigaben. 

Grab 10. Tiefe 55 cm. Kind. Scheitel NNW, Gesicht NOO. Lage auf der linken Seite. Beide 
Oberarme schräg nach vorn, Unterarme spitzwinklig aufgebogen, beide Hände am Kopfe. Beide Ober- 
schenkel im Hüftgelenk spitzwinklig bis zur Ellbogenhöhe emporgezogen, Unterschenkel rechts weniger, 
links mehr gegen den Oberschenkel spitzwinklig gebeugt. 

In der Höhe der Brust und des Gesichtes standen zwei braune unverzierte Henkeltöpfe: Fig. 23 
und 24. (Beide Museum Berlin ) 

Grab II. Tiefe CO, L. 97, Br. 77 cm. Ein Erwachsener A, 50 — 55 Jahre, und zwei Kinder B, 
4 5 Jahre, und C, S 10 Jahre. Scheitel bei allen SSW, Gesicht von A nach O, von B und C nach W. 
Oberschenkel bei allen nahezu rechtwinklig zur Wirbelsäule, Unterschenkel parallel zu den Oberschenkeln. 
A lag auf der rechten Seite. Der rechte Arm war ausgestreckt und um das größere Kind B gelegt. Dieses 
lag auf der linken Seite, dem Erwachsenen zugekehrt, die Arme abwärts gerichtet. Zwischen beiden, eben- 
falls auf der linken Seite, lag tias kleinere Kind C: Fig. 4. Keine Beigaben. 

Grab 12. Tiefe 65 cm. Kind von 12 15 Jahren. Scheitel SO, Gesicht NO. Lage auf der 
rechten Seite. Oberkörper und Arme zerstört. Oberschenkel fast rechtwinklig zur Wirbelsäule, Unterschenkel 
spitzwinklig gebeugt, Sprunggelenke am Gesäß. 

Am Knie a) ein zugeschlagenes Flintstück; am Fußende bi ein brauner Henkeltopf, dessen 
Hals mit einem scharf eingeschnittenen, aus einer dreifachen Zickzacklinie und zwei Gruppen von vier- 
zeiligen Horizontalen gebildeten Bandmuster verziert ist: Fig. 12. (Museum Berlin.) 

Grab 13. Tiefe 60 70, L. 102 cm. Erwachsener, 50 55 Jahre. Männlicher Typus. Scheitel N, 
Gesicht O. Rumpf fast in Rückenlage, Unterkörper auf der linken Seite. Oberarme am Körper, rechter 
LInterarm fast rechtwinklig gebeugt, Hand in Brusthöhe. Linker LInterarm im stumpfen Winkel einwärts 
gerichtet. Beine spitzwinklig gebeugt. Scheitel Beckenende 83, Atlas Beckenende 70, Obersehenkel 
41 cm: Fig. 3. 



32 




ronzc. ' 3 Fig 12—14. To 



33 




34 

Diclit nin Sclieitel, etwas tiefer als der Kupf fand sich ein auf der Seite liei;eiider graubrauner Topf 
mit zwei seitlieli durclibolirten Sclinurosen und einem sciialeiifiirnn'uen Deckel, H. 12,7, Dm. 10 cm: Fig. 22; 
Deckel, H. 1,S, Dm. 0,7 cm: Fig. 21. 

Grab 14. Tiefe 75 cm. Erwaclisener, ca. 35 Jahre. Scheitel S, Gesicht O, Lage auf der rechten 
Seite. Linker Oberarm parallel zur Wirbelsäule, Unterarm aufwärts gebeugt, Hand in Halshölie. Rechter 
Arm mit dem Ellbogen unter der linken Hand, Unterann unter der Mitte des rechten Oberarms durch- 
gesteckt, Hand in der Höhe des 0. bis 10. Brustwirbels am Riickeii. Rechter Oberschenkel spitzwinklig, 
linker Oberschenkel stumpfwinklig zur Wirbelsäule, beide Unterschenkel spitzwinklig gebeugt: Fig. 6. 

In der Bauchgegend zwischen Rippen und rechtem Oberschenkel lagen a) eine unfertige Speerspitze 
aus hellgrauem Feuerstein, dicke ungeschärfte Spitze, Schaftende gerade abgeschnitten, L. 7,5, Br. 2,8, 
Dicke 0,Q4 cm: Fig. 8; b) ein abgespaltener, zackiger, an der Längskante mit Retouchen versehener Schaber 
aus hornbraunem Feuerstein, L. 4,7, Br. 3,3 cm. - 15 cm oberhalb des Kopfes stand c) ein schwarzbrauner, 
in Stücke zerfallener und größtenteils zerbröckelter birnförmiger Becher, dessen Hals mit 8 horizontalen 
Doppelreihen von Schmireindriicken verziert war, H. 12, Dm. 10,5 cm: Fig. 15. 

Grab 15. Tiefe öO, L. 110 cm. Erwachsener, 20— 25 Jahre. Scheitel N, Gesicht O, Lage auf der 
linken Seite. Beine stark gebeugt. 

Zwischen den Knochen zerstreut lagen mehrere Stückchen gebrannten Lehmes. Zu beiden Seiten 
des Schädels stand je ein Gefäß: a) am Hinterhaupt ein dunkelbrauner Henkelkrug mit scharf einge- 
schnittenem, dreiviertel des Gefäßkörpers bedeckendem Bandmuster von Horizontalen, Zickzacklinien und 
Winkelstrichen, H. 15, Dm. 7,2 cm: Fig. 20; b) ein graubrainier Topf mit warzenartigem Vorsprnng am 
llalsansatz, H. 13,7, Dm. 9,5 cm: Fig. 18. 

Grab 16. Tiefe 50 cm. Kind, 5 — 6 Jahre. Vom Skelett war nichts erhalten. Beigabe: ein rot- 
braunes Henkelkrüglein, H. 8,6, Dm. 5,8 cm: Fig. 28. 

Grab 17. Tiefe 67 cm. Erwachsener, 40 45 Jahre. Männlicher Typus. Scheitel S, Gesicht O. 
Hals und Brustwirbelsänle in Rückenlage, Lenden und Beckenwirbelsäule sowie der LInterkörper auf der 
rechten Seite. Oberarme am Körper anliegend, Unterarme auf der Brust gekreuzt, sodaß die Hände über 
die Kreuznngsstelle hinausreichten. Rechter Oberschenkel mit dem Knie am rechten Ellbogen, linker Ober- 
schenkel rechtwinklig zur Wirbelsäule, LInterschenkel fest angezogen, Füße handbreit vom Becken. Scheitel 
— Beckenende 93, Atlas— Beckenende 78, diagonale L. 112 cm. 

An der Außenseite des rechten Ellbogens lag a) eine gut gearbeitete Speerspitze aus grauem Feuer- 
stein, L. 8,2, Br. 3,2, Dicke 0,8 cm: Fig. 7; an der Innenseite b) ein annähernd ovales, flaches, stumpf- 
kantiges Stück gelbbraunen Feuersteins mit muscheligem Bruch, L. 5, Br. 3,6, Dicke 1,3 cm. Auf der 
Innenseite des rechten Oberschenkels, kurz über dem Kniegelenk, lag c) eine oblonge, glatt geschliffene Platte 
aus schiefergrauem, im Bruch rötlichem Stein, mit abgerundeten Ecken und zwei Löchern in der Mitte 
der beiden Schmalseiten. Der F^and ist jedoch bei beiden Löchern abgebrochen. Die Bohrung ist von 
beiden Seiten vorgenommen, sodaß die engste Stelle in der Mitte liegt. Die untere Seite der Platte ist 
ganz flach, die obere kaum merklich gewölbt. L. 5,7, Br. 2,5, Dicke 0,5 cm: Fig. 9. 

Grab 18. Tiefe 100, L. 115 cm. Erwachsener, 18-20 Jahre. Mäimlicher Typus. Scheitel S, 
Gesicht O. Rumpf auf dem Rücken, LInterkörper auf der linken Seite. Oberarme längs des Körpers, rechter 
Unterarm stumpfwinklig gebeugt, Hand am Becken; linker Unterarm rechtwinklig gebeugt und über den 
rechten Oberarm gelegt, Hand außerhalb. Beide Oberschenkel rechtwinklig zur Wirbelsäule, Unterschenkel 
spitzwinklig gebeugt. Linke Ferse 35, rechte 20 cm vom Gesäß. Scheitel — Beckenende 92 cm. 

An der Außenseite des rechten Unterarms, dicht unterhalb des Ellbogens a) ein gespaltener halber 
und ein ganzer Eberzahn ohne Spuren von Bearbeitung oder künstlicher Abmitzung. Auf der Brust, recht- 
winklig zur Wirbelsäule, Spitze am Ende des rechten Oberarmknochens b) ein falzbeinarliges, aus einem 
gespaltenen Röhrenknochen hergestelltes Glätte-Instrument mit abgerundeter glatter Spitze, L. 15,8, Br. am 
Griff 4,1 cm: Fig. 10. Am Hinterhaupte anlehnend c) ein hell- bis dunkelbrauner verkehrt konischer Napf 
mit 4 angesetzten horizontalen Vorsprüngen unterhalb des Randes (2 davon abgesprungen), H. 6,2, Dm. 
17 cm: Fig. 13. 



35 

Die Oräber 19 — 21 waren 50 cm tief tiiui enthielten nur dürftige Reste von Kinderscliädeln. 
Keine Beigaben. 

Grab 22. Vom Skelett war nichts erhalten. Als Beigabe fand sich ein grauer Becher mit einem 

stielartigen Vorsprung unterhalb des Randes: Fig. 17. (Museum Berlin.) 

Für die Zeitbestimmung der Gräber ist von der Bestattungsform auszugehen. Der 
Brauch, die Toten unverbrannt, mit stark gebeugten Knieen in die Erde zu betten, ist in 
Schlesien, wie fast überall in Europa, auf die jüngere Stein- und die frühe Bronzezeit 
beschränkt. Innerhalb dieses Zeitraums werden wir also auch die Entstehung des 
Marschwitzer Friedhofes anzusetzen haben. Eine engere Begrenzung kann sich nur auf 
die Beigaben stützen, zu deren Betrachtung wir uns jetzt wenden wollen. 

An Zahl und Bedeutung obenan stehen die Tongefässe. Es sind ihrer im ganzen 
15 erhalten. Sie sind sämtlich aus grobem, mit Grus und Glimmerstückchen durch- 
setztem Ton sorgfältig rund geformt, innen und aussen geglättet und schwach und 
ungleichmässig gebrannt. Die besser gearbeiteten sind aussen mit einem leicht ab- 
springenden Überzug aus fein geschlemmtem Ton versehen. Die Farbe wechselt vom 
hellen Grau bis zum Schwarzbraun; doch herrscht ein rötlicher Ton vor. Die Wand- 
stärke ist sehr verschieden. Bei einigen wächst sie nach dem Boden zu ausserordentlich. 
Der Boden ist flach und nur einmal leicht vertieft. Von Gefässformen sind vertreten: 
a. Töpfe mit eiförmigem Körper, etwas eingezogenem Halse und zwei oder vier Schnur- 
ösen oder einem warzenartigen Vorsprung am Halse (Fig. 18, 19, 22); b. Krüge mit 
einem bandförmigen, am Rande oder etwas unterhalb davon ansetzenden Henkel (V'\(y 12 
20, 23, 24, 25, 28); c. Becher, teils blumentopfförmig(Fig. 16, 27), teils mit Sförmig geschweiftem 
Profil (Fig. 15, 17), einmal mit stielartigem Ansatz (Fig. 17); d. Schüsseln mit leistenartigen, 
teilweise vertikal durchbohrten Ansätzen unterhalb des Randes (Fig. 13, 14). 

Ornamente finden sich an sechs Gefässen. Bei dem Becher (Fig. 15) bestehen sie 
in den Eindrücken einer Schnur, die in dicht aneinander gereihten Doppelzeilen den 
Gefässhals umziehen. Bei den übrigen scheinen sie mit einem spitzen Griffel eingetieft 
zu sein. 

Der kleine Becher Fig. 27 zeigt eine Reihe senkrechter schwacher Einschnitte, der 
grössere Fig. 16 eine aus starken keilförmigen Schrägschnitten gebildete horizontale Sparren- 
bahn und darunter eine Zickzacklinie. Die drei Henkelgefässe (Fig. 12, 20 und 25) sind 
an Hals und Schulter mit einem aus kräftigen, aber nicht sehr regelmässigen Horizontal-, 
Vertikal- und Zickzackfurchen zusammengesetzten Muster verziert, dessen Motiv unver- 
kennbar dem Schmuck des menschlichen Körpers entlehnt ist und das man daher mit 
Hubert Schmidt') als Hals- und Brustschmuckornament bezeichnen kann. Speziell für das 
häufig wiederkehrende Ornamentmuster von Fig. 12 möchte ich der Kürze wegen die 
Bezeichnung Halsbandmuster anwenden. 

Von dem grossen Henkelkruge Fig. 26 ist zwar, wie (S. 28) erwähnt, nicht aus- 
drücklich bezeugt, dass er auf der Stelle des Gräberfeldes gefunden worden ist. Da er 

') Zeitschr. f. Ethnol. 1Q03 S. 452, f. 461, 407. 

5» 



36 

sich aber in Form, Technik und Vcrzicrinii^ duicliaus dvu andern Gefässen dieser Gruppe 
anschliesst und in Paraileifunden genau entsprociieiulc üeL;enstücke liat, so kann er ohne 
Bedenken als zugeiiörig betrachtet werden. 

Die Marsciiwitzer Gefässe geiiören einer keraniisciicn Gruppe an, die in Sciilesien 
durcii eine ziemlicii grosse Zahl von Funden vertreten ist.') Charakteristiscii für sie sind 
namentlich lilunientoijfförniige Beclier teils mit Scin'ägsciniittnuister wie Fig. 16, teils mit 
horizontalen oder spiralig aufsteigenden Schnureindrücken, geschweifte Beclier mit knopf- 
oder griffartigen Ansätzen und Henkeltöpfe von der Form unserer Fig. 12, Henkelkrüge 
mit eingezogenem Halse und etwas ausladendem Rande, teils schlauchförmig wie Fig. 20 
und 25, teils mit stumpfkantig gebrochener Wandung wie Fig. 26, wobei die grösste Aus- 
bauchung etwa in ein Drittel-Höhe des Körpers liegt. 

Von Ornamenten ist das häufigste das Haisbandmuster Fig. 12; es findet sich 
besonders an den geschweiften Bechern luid an den weitmündigen Krügen, und zwar 
sowohl in Schnitt- wie in Schnurtechnik. Daneben trifft man auch öfters breite Zickzack- 
bänder, die guirlandenartig von den Sanmiinien des Halses herabhängen. Diese Merk- 
male reihen die Gruppe in den Formenkreis der steinzeitlichen Schnurkeramik ein. 

Ausserhalb Schlesiens kommen blumentopfförmige Becher der bezeichneten Art 
vereinzelt vor in der Provinz Posen-) und im südwestlichen Westpreussen. ') Zahlreicher 
sind sie in Jütland, wo man sogar drei Typen davon unterscheidet; doch weicht die 
Dekoration ziemlich stark von den schlesischen Exemplaren ab.') Wenn hier wirklich 
irgend welcher Zusammenhang besteht, so muss man erwarten, in dem Zwischengebiete 
Übergangsformen anzutreffen. Bisher ist dies jedoch nicht der Fall, obwohl an der unteren 
Oder, in Pommern und den angrenzenden Teilen der Mark, eine schnurkeramische Gruppe 
existiert, die im übrigen eine augenfällige Ähnlichkeit, ja geradezu dieselben Formen wie 
die schlesische aufweist: Gefässe wie die Marschwitzer Fig. 12, 15, 17 könnten ebenso 
gut bei Prenzlau oder Stettin gefunden worden sein.-') Es liegt auf der Hand, dass die 
beiden Gruppen in engster chronologischer Beziehung zu einander stehen müssen. 

') Z. 15. l'ettTwil/, Kr. Strelilen (Scliles. Vorz. VII 551); Oross-Tschaii.scli, Woiscliwitz, Wilkovvitz, 
Oiiiclnvitz (Vcrhaiidl. li. Berlin. Oes. f. Aritlir. 1SS4 Tat'. Vi Fi<>. 12), Tinz, foliiiscli-Peterwitz (Zcitschr. für 
Ethiiol. I'J02 S. 174 Fii(. 20, 21), Klcin-üamiau, Kleiiiburu und Fiicbeberg, Kr. Breslan; Pnscliwitz (Nachr. 
ülier deutsche Altertnmsf. 1S<W S. Sl f.) imd Brcitcnan (vgl. S. 13 f. zn Fig. 40) Kr. Ncumarkt. 

■-') Virchow, Verhandl, d. IkrI. des, f. Aiithr. 1883 S. 436 Taf. VIII, Fiir 1: schnnrverziortcr Becher 
mit Knopfansatz; das Ornament besteht ans horizontalen F^eilien niid von diesen lierabli:inL;enden schraf- 
fierten Dreiecken. 

^) Nach Kossinna, Die indogermanische Frage, Zeitschr. f. FJhnnl. l')02 S. 173. 

') Aarböger for nordisk oldkyndighed og historie 18QI S. 310 11; vgl. ebenda 1SQ8 S. 249, nnd 
S. Müller, Ordning af Danniarks Oldsager Fig. 22(). Anf die Ähnlichkeit der jütischen Becher hat schon 
Virchow und mit grösserem Nachdruck Kossinna a. a. O. hingewiesen, der sie für seine ethnologischen 
Schlüsse verwerten will. 

■■') Götze, Die Schnurkerainik an tier unteren Oder, Verhandl. d. Berlin. Oes. f. Anthr. 1S92 S. I80f. 
Abbildungen liei Walter, Die steinzeitlichen Gefässe des Stettiner Museums, Lemcke-Festschrift, Stettin 1898; 
Brunner, Die steinzeitliche Keramik in der Mark Brandenburg, Braunscliweig 1898 S. 19 20; vgl. auch Monats- 
blätfer f. I^ommersehe Gesch. u. Alt. 1896 S. 152; Verhandl. d. Berlin. Ges. f. Anthr. 1890 S.368 f.; elu-nda 19t)0 S.268. 



37 

Bezeichnenderweise feiilen in der püinniersciieii üruppe die liohen schlauchförmigen 
oder doppeli<onischen Krüge. Dass wir es dabei mit einem vom Süden her eingeführten 
Typus zu tun haben, leiirt ein Vergleicii mit den gleichaltrigen mährischen und böhmischen 
Funden, wo er ziemlich häufig ist.') Schlesien nimmt eben auch hier, wie so oft in prä- 
historischer Zeit, eine Mittelstellung zwischen dem Süden und dem Norden ein. 

Die Sciiruirkeramik an der unteren Oder hat Götze, im Einklang mit seiner Datierung 
der Schnurkeramik überhaupt, in den älteren Abschnitt der neolithischen Periode gesetzt.-) 
Gegen diese Ansicht spricht in erster Linie die offenbare Verwandtschaft der schlesischen 
Schnurkeramik mit der frühbronzezeitlichen vom Aunjetitzer Typus. Man vergleiche z. B. 
die schlauchförmigen Krüge von Marschwitz Fig. 20, 25 und vom Friebeberge Fig. 31 mit 
denen von Rotschloss (Schies. Vorz. N. F. II 19 Fig. 2 u. 4), oder die durch Fig. 26 und 29 
vertretene Krugform mit der Flasche von Ottwitz Fig. 30 (vgl. Scliles. Vorz. VII 237), und 




Fig. 29. Wilkowitz Kr. Breslau ' 



Fig.ao. Ottwit/ Kr. Strehien '4 Fig.31. Friebcberg Kr. Breslau '/4 



man wird über deren typologischen Zusammenhang niciit im Zweifei sein. Genau dieselbe 
Erscheinung finden wir auch in Böhmen: auch dort vermitteln diese Krugformen den 
Übergang von der neolithischen Schiuirkeramik zum Aunjetitzer Typus.') Dazu kommt, 
dass in Rotschloss selbst ein schnurverzierter Becher gefunden worden ist, bei dessen 
Besprechung (a. a. O. S. 21) ich schon darauf hingewiesen habe, dass er als ein Überrest 
der nächst vorhergegangenen Stilperiode anzusehen sei. Endlich sind die zierlichen Stein- 
äxte vom „schlesischen Typus" (vgl. den vorhergehenden Aufsatz von O. Mertins S. 24 



1) Vgl. /.. B. Cciviiika, Morawa za l'ravckii, Briinii 1902 Tab. XXII Fig. 3, 10, 11 ; Tab. XXIII Fig. S; 
Pic, Starozitnosti zemö Ceske, Prag 1899 Dil I (Cechy pfedhistoricke) Svazek 1 Tab. I Fig. 2, 11 : Tab. X Fig. 7; 
Tab. LXI Fig. 14; Miich, Kinistliistorlschcr Atlas Taf. VIII Fig. 3. 

-) Götze, Zcitsdir. f. Etlinol. 1900 S. 177 iiiui Verhaiidl. S. 268. 

") Pic a. a. O. S. 115, Tab. V ii. XVIll. Vgl. auch Buclitela, Vorgeschichte Böhmens, Beilage zum 
Vcstiiik Sldvaiiskvdi Stam/itnosti III. Prag 1S99 S. lOf. 



4f 



n 



38 

zu Fig. 74 und 75) genieinsame Begleitstücke beider keramischen Gruppen: je ein Exemplar 
fand sicii einerseits in Polniscli-Peterwitz, dessen Tongefässc ganz den Charakter der 
Marsciuvitzer iiaben, andererseits in Ottvvitz und Rotschloss. 

Audi das nicht-keramische Inventar der Marschwitzer Gräber zeigt das Gepräge 
der Übergangszeit. Bezügiicii der Speerspitzen Fig. 1 und 2 verweise ich auf die Aus- 
führungen von O. Mertins (S. Q) über das seiir ähnliche Exemplar von Polnisch-Peterwitz.') 
Das Schieferplättchen Fig. Q dürfte, trotzdem es im Grabe an einer 
anderen Stelle des Körpers gelegen hat, zur Klasse der Armschutz- 
l^latten zu rechnen sein, jener eigentümlichen Art von Geräten, die nach 
Ausweis ethnologischer Parallelen dazu gedient haben, beim Bogen- 
schiessen den linken Vorderarm oder die Hand gegen den Rückschlag 
der Sehne zu schützen.-') Sie sind gewöhnlich der Körperform ent- 
sprechend gewölbt und mit 2, 4 oder 6 Löchern zum Festbinden ver- 
sehen: Fig. 32. Soweit man sie datieren kann, stammen sie aus den 
späteren Stufen der Steinzeit und der ältesten Bronzezeit. Die übrigen 
Stein- imd Knochengeräte geben keinen chronologischen Anhalt. 

Wohl aber ist dies der Fall bei den Metallbeigaben aus Grab 6 
(Fig. 11), so geringfügig sie äusserlich auch erscheinen mögen. Die 
chemische Analyse'') hat nämlich ergeben, dass sie aus Q4,01 " „ Kupfer 
und 6,6 '7,1 Zinn bestehen, also einen relativ hohen Zinnzusatz auf- 
weisen. Die Bedeutung dieser Tatsache wird erst klar, wenn wir sie 
mit den Analysen von Metallsachen aus bandkeramischen Fundstationen 
zusammenhalten. Bei einigen Schmuckstücken des neolithischen Gräber- 
feldes von Jordansmühl Kr. Nimptsch (Schles. 'Vorz. VII 543 Fig. 19-25) war das Ver- 
hältnis des Kupfers zum Zinn 95,7:2,9; - 96,3:3,4; — 96,84:2,69, während bei anderen 
von Zinn „fast nichts mehr nachweisbar" war. Da mm tlie Zunahme des Zinngehalts 
erfahrungsgemäss mit der chronologischen Entwicklung Hand in Hand zu gehen pflegt, 
so spricht die Wahrscheinlichkeit dafür, dass die Marschwitzer Nekropole und die durch 
sie vertretene Kultur jünger ist, als die von Jordansmühl. Wir gelangen also auch von 
dieser Seite zu ilem Schluss, dass sie an den Ausgang der Steinzeit zu setzen ist. 



Arnischiitzplatte 

ausWoiscIiwitz, -/s 

Kr. Breslau 



") Noch näher steht der Maischvvit/er Fifj. 7 eine von Cervinka a. a. O. S. 105 abgeli. Speerspitze 
aus Urcic in Mähren. 

-) P. Reinecke. Corresp.-t51. f. Anthr. 1896 S. S'Jt. (mit Literatnrangaben), iinil 18')7 S. ISf; K. Out- 
nian, ebenda I8Q7 S. 17f.; L.Schneider, ebenda IWi S. 27. 

■') Diese und die folf^enden Analysen sind durch freundliche Venuittlunj^ des Herrn Prof. Dr. Hintze 
itn chemischen Laboratoriniu der Universität unter Leitunj,' von Herrn Privatdozenten Dr. Herz ausgeführt 
worden, dem wir hierfür zu lebhaftem Danke verbunden sind. 



39 

Es ist eine oft beobachtete Tatsache, dass dieselben Plätze zu verschiedenen Zeiten 
als Begräbnis- oder Wohnstätten benutzt worden sind. Man hat dabei nicht immer an 
eine ununterbrochene Besiedlung zu denken, vielmehr liegt es meist so, dass die Gründe, 
die für die Wahl der Örtlichkeit das erste Mal entscheidend gewesen waren: erhöhte Lage, 
Sicherheit vor Überschwemmungen, leichter, durchlässiger Boden u. a. m., sie auch den 
späteren Bewohnern des Landes zu gleichem Zwecke empfahlen. 

Auch der Marschwitzer Sandhügel wies Spuren wiederiiolter Benutzung auf. Zu- 
nächst war schon vor der Ausgrabung vom 24. April am Südrande der Kiesgrube (auf 
dem Kartenausschnitt S. 28 mit II bezeichnet) von den Arbeitern ein Brandgrab zerstört 
worden, das mindestens 4 Oefässe enthalten hatte. Die Reste davon wurden uns auf dem 
Schlosse vorgelegt. Es waren Scherben von glänzend schwarzen Vasen, die z. T. mit 
eingeschnittenen Bandmustern reich verziert waren. Eine grosse weitmündige Urne mit 
(3) kleinen, am Rande ansitzenden Henkeln zeigte ein mäanderartiges Ornament. Die Form 
und Verzierung der Oefässe machten es unzweifelhaft, dass sie der frührömischen 
Periode, also den ersten Jahrhunderten n. Chr. enstammten. Unsere Nachgrabungen 
blieben an dieser Stelle ergebnislos. 

Dagegen gelang es uns, 40 m nördlich davon, 2 m nordöstlich vom 17. Hocker- 
grabe, eine Abfallgrube (A) aufzudecken, deren Inhalt ebenfalls auf die frührömische oder 
Spät-La Tenezeit deutete. Sie war fast kreisrund, von 1 m Durchmesser und 0,7 m Tiefe 
und mit schwarzem Boden, Haustierknochen, dicken Lehmbewurfstücken von Hütten- 
wänden und Scherben grosser rohgeformter Oefässe gefüllt. Charakteristisch für diese 
war besonders die Art des Brandes. Sie waren nämlich z. T. vom Feuer ganz durch- 
glüht und verzogen, eine Eigentümlichkeit, die gerade an den Tonwaren der genannten 
Periode häufig wahrzunehmen ist. (Vgl. Schles. Vorz. N. F. II, 34 Fig. 12.) 

Wieder an einer anderen Stelle (auf dem Kartenausschnitt mit 11! bezeichnet), 
13 — 16 m südlich vom Oräberfelde und ca. 10 m östlich vom römischen Brandgrabe 
lagen in einem Abstände von 3 m zwei andere Abfallgruben, eine grössere (B) von 1,5 m 
Durchmesser und 1,4 m Tiefe und eine kleinere (C) von 1 m Durchmesser und 1 m Tiefe, 
ihr Inhalt glich dem der ersten: fetter, von organischen Substanzen schwarz gefärbter 
Boden, im Feuer geglühte und zersprungene Steine, Tierknochen, z. T. stark verkohlt, 
Wandputz mit Holzabdrücken, drei sorgfältig geglättete Knochenpfriemeii und vor allem 
zahlreiche Scherben, auch ein blumentopfförmiges ganzes Oefäss. Aber diese Irdenware 
war von der dortigen grundverschieden. Sie war auf der Drehscheibe geformt, hart 
gebrannt und z.T. mit Bodenmarken und dem für die slavische Periode charakteristischen 
Wellenornament versehen. Dieser jüngsten, schon zum Mittelalter überführenden Stufe 
der vorgeschichtlichen Zeit gehört auch ein schönes Q2 cm langes eisernes Schwert an, 
das in der Nähe des Outshofes gefunden worden war und von Herrn von Eicke dem 
Museum geschenkt wurde. Eine Abbildung davon enthält der Verwaltungsbericht. 

Hans Seser 



40 

DIE BRONZECISTE VON KLEIN-ZÖLLNIG 

Im NoveiiiluT 1002 wandte sicli Herr Fabrikant Robert Gerlach aus Bernstadt 
wegen der Verwertung einer kimstgewerbliciien Erfindung Rat suchend an das Museum. 
Er äusserte bei dieser Gelegenheit, dass er im Besitz eines alten Kupferkessels aus der 
dortigen Gegend sei und sandte ihn auf Ersuchen ein. Wie erstaunten wir, als sich der 
unverpackt als einfaches Frachtstück zur Bahn gegebene Kessel als eine altitaiische Bronze- 
ciste von ungewöhnlicher Grösse und Schönheit erwies. Natürlich verlor die Direktion 
keinen Augenblick, sich des seltenen Stückes für die prähistorische Sammlung zu ver- 
sichern und nähere Erkundigungen über seine Herktmft einzuziehen. Man erfuhr, dass 
das Gefäss vor längerer Zeit auf der Feldmark Klein-Zöllnig Kreis Oels zusammen mit 
einer Anzahl kleinerer Bronzegegenstände gefunden worden sei. Einige davon konnte 
Herr Gerlach noch herbeischaffen: es waren die weiterhin beschriebenen Pferdegeschirr- 
beschläge (Kat.-Nr. 357 360. 02). Sobald der Stand der Feldbestellung es erlaubte, nahm 
Direktor Dr. Seger im Verein mit Herrn G. Ullrich eine Untersuchung der Fundstelle vor. 
Seinem Bericht ist Folgendes zu entnehmen: 

„Lage. Die Fundstelle liegt 1 km ss.-westl. vom Dorfe, ca. 100 m nördlich der 
Chaussee nach Bernstadt, ca. 30 m östlich des von Kl.-Zöllnig nach Sadewitz führen- 
den Feldweges auf einem flachen sandigen Ackerstück, das dem Bauergutsbesitzer 
Assmann I gehört. 

Fundumstände. Der Bronzefund wurde nach Angabe des Herrn Assmann vor 
ca. 8 Jahren gemacht, und zwar beim Abfahren von Sand. Die Finder waren fremde 
Arbeiter. Das Bronzegefäss stand etwa einen Meter tief frei im Sande. Knochenreste, 
Scherben oder dergl. sollen nicht dabei gewesen sein. Genaueres war nicht zu erfahren, 
da Herr Assmann selbst nicht dabei gewesen und von den Beteiligten niemand mehr 
am Orte war. 

Verbleib der Funde. Die Ciste hat Herr Assmann jahrelang als Papierkorb 
benutzt und schliesslich Herrn Oerlach in Bernstadt geschenkt. Von den Beschlägen des 
Zaumzeugs sollen luindestens 40 grösstenteils rosettenförmige vorhanden gewesen, aber 
bis auf wenig Stücke als wertlos weggeworfen worden sein. Möglicherweise haben auch 
die Arbeiter einiges behalten. 

Untersuchung. Da die Stelle mangels aller besonderen Keiuizeiclien nicht mehr 
genau bezeichnet werden konnte, wurde der Boden im grösseren Umkreise abgedeckt. 
Es zeigte sich, dass er überall neuerdings angeschüttet worden war, was mit i.\(^n Angaben 
Assmanns stimmte, wonach seinerzeit bis zu einer Tiefe von 1 m geschachtet und dann 
die Grube wieder eingeebnet worden sei. Von Fundstücken fand sich keine Spur. Die 
Wahrscheinlichkeit war dafür von vornherein auch äusserst gering, da man die Stelle 
nach der Auffindung der Ciste nach Geld durchwühlt und schwerlich etwas liegen 
gelassen hat. 



41 




Sonstige Funde. Ausser dem Bronzefunde hat man auf dem Nachbaracker, dem 
Gutsbesitzer Hauschild gehörig, vor Jahren eine Steinaxt gefunden, die ein Lehrer aus 
Bernstadt, namens Schipke, er- 
worben imd bei seiner späteren 
Versetzung mitgenommen hat. Von 
demselben Acker stammt auch ein 
Münzfund aus dem 17.Jahrhundert, 
der seinerzeit dem Museum ein- 
geschickt worden ist. Sonst ist in 
der ganzen Gegend nichts von Aiter- 
tumsfunden bekannt geworden. 
Insbesondere hat man wederUrnen 
noch Scherben von solchen bemerkt. 

Bei der Untersuchung hatten 
wir uns der wirksamen Unter- 
stützung des Ortspfarrers Herrn 
Beinhagei zu erfreuen, der sich 
auch freundlichst erboten hat, ein 
wachsames Auge auf etwaige 
künftige Funde zu haben." 

Nach diesem Berichte kann 
man es als ziemlich sicher be- 
trachten, dass wir es mit einem 
Depotfunde zu tun haben, wofür 
übrigens auch die Analogie des 
Lorzendorfer und anderer Funde 
spricht. 

Sehen wir uns nun die Fund- 
stücke etwas genauer an. 

Der Kessel (Fig.la) hat eine 
Höhe von 33,5 cm. Sein Durch- 
messerbeträgt an der Mündung 37, 
am Boden 36,5 cm. Die Wandung 
bestellt aus zwei gleich grossen 
rechteckigen, halbrund gebogenen 
Broiizeblechpiatten, deren Nähte 
durchgesetzt und verglichen und 
durch 13 Nieten sorgfältig mit 

einander verbunden sind. Die Nietstellen sind ;iuf der Innenseite in der Höhe der obersten 
Zone durcii untergelegte, 1,4 cm breite Biechstreifen verstärkt. Die Nietköpfe sind auf der 






Fij;;. la Bronzekessel; Fig. Ib liddcii des Kessels. 



42 

Aiisseiiseite vollkommen jilatt gehämmert; imieii ragen sie als flache Knöpfe hervor. Der 
Mündungsrand ist wulstförmig nmgebörtelt imd durch einen eingelegten Draht verstärkt. 
Die zylindrische Leibung ist durch 6 breite, von innen herausgetriebene stabrunde Rippen 
gegliedert. Die Zvvischenfelder sind durch iiorizontale Reiiien kleiner getriebener Buckel 
verziert, die in der zweiten und vierten Zone ein mäanderartiges Muster bilden. In der 
Mitte der zweiten Zone, quer über den Zusammenstössen, befinden sich zwei horizontale 
Handhaben. Die zierlich geschwungenen Griffe haben runden Querschnitt, ihre Enden 
sind bandförmig abgeplattet und beiderseits mit je drei, aussen kegelförmigen, innen 
flachen Nieten befestigt. 

Der durch Wölbung und Eintiefung kunstvoll versteifte Boden (Fig. Ib) ist in der 
Höhe der untersten Rippe eingelassen und in der Weise mit dem Oefässkörper verbunden, 
dass der Bodenrand nach aussen umgeschlagen und falzartig um die untere Kante des 
Zylinders gelegt ist.') Die Bodenmitte ist in Form eines flachen Buckels mit markiertem 
Nabel nach innen getrieben. Der Raum zwischen dieser Einbuchtung und der rinnen- 
förmigen Peripherie ist durch sehr regelmässige, teils radial, teils konzentrisch geführte 
Hammerschläge gewölbt. 

Der Kessel ist in allen seinen Teilen aufs sorgfältigste und sauberste gearbeitet. 
Seine Erhaltung ist vorzüglich, nur ist von dem Bodenfalz ein ca. 15 cm langer Streifen 
abgebrochen. Die Ratina ist goldig bis dunkelgrün. Im Innern bemerkt man zwischen 
der untersten und der vorletzten Rippe eine intensiv rostbraune Zone, die entweder von 
eisenhaltigem Grundwasser oder, was wahrscheinlicher ist, von Eisensachen herrührt, die 
in dem Gefäss gelegen haben.-) 

Die kleinen Bronzegegenstände sind sämtlich gegossen und durch angebrachte 
Ösen als Riemenbeschläge oder Knöpfe gekennzeichnet. Vier davon haben die Form 
runder Scheiben, aus deren Mitte ein abgestumpft kegelförmiger hohler Buckel hervorragt, 
und von deren Rand vier horizontale Ösenpaare ausgehen. Auf der unteren Seite 
befindet sich eine Vorrichtung zum Durchziehen gekreuzter Lederriemen, bestehend aus 
einem Ringe, der durch vier Stege mit der Scheibe verbunden ist. In der technischen 
Ausführung macht sich ein beträchtlicher Unterschied bemerkbar. Zwei der Zierscheiben 
(Fig. 2) sind sehr regelmässig und gut gearbeitet und in ihrer Art kleine Meisterwerke 
des Bronzegusses. Die beiden anderen dagegen (Fig. 3 und 4) weisen grosse Mängel auf: 
die Scheiben sind dünn und platt, nicht vollkommen rund und ohne den zierlichen Rand 
der erstgenannten. Die Buckel sind niedriger und voll gegossen. Die Ösen sind ungleich 
gestaltet, ein Paar fehlt bei dem einen Exemplare ganz, ohne dass eine Bruchstelle sichtbar 



') Bei den Lorzenclorfer Cisteii ist iinit;ekelnt der Rand lies Zylinders iinigeschlageii iiiul um die 
Bodctikante gelegt. 

-) Vgl. über eine äliiiliclie Crseiieinung an der Cistc von Prinieiitdorf: Viichow, VerJKindl. d. lierlin. 
Ges. f. Antlir. 1874 S. 145. Die dort als möglich angennmineiie llerknnft des Rostes von Eisendiahten, die 
in den Oefässrand eingelegt waren, ist in unserem halle ausgeschlossen, da diese Dnilite hier aus Kupfer 
oder Bronze bestellen. 



43 



wäre. Wir werden nicht fehlgehen, wenn wir diese beiden Stücke für einheimische Nach- 
ahmungen der importierten anderen ansehen. Ausserdem sind noch vorhanden ein 
stangcnförmiger Beschlag von halbrundem Querschnitt, balusterförmig profiliert mit zwei 
rechteckigen Ösen an den Enden der Innenseite (Fig. 5), und 7 schalenförmige kleine 
Knöpfe mit Querbügeln (Fig. 6 und 7) Fast alle Stücke zeigen Spuren von Eisenrost. 
Einer der Knöpfe ist mit einem 3 cm langen rundlichen Eisenfragment zusammen- 
gebacken (Fig. 8) Es ergibt sich daraus, dass die Beschläge zur Zeit ihrer Vergrabung 
noch am Geschirr befestigt waren. Die Leder- und Eisenteile sind aber im Laufe der 
lahrlumderte zugrunde gegangen. 





Qth rfMrt r Q 




3a 







2 3 4 8 

Fig. 2-5. Bronzebeschläge, -'/a. Fig. 6—8. Bronzeknnpfc iiiui Eisenfragnienf. '/, 

Bei der Betrachtung dieser Gegenstände drängt sich von selbst der Vergleich mit 
dem Depotfunde von Lorzendorf Kr. Namslau auf. (Von mir besprochen Schles. Vorz. VII 
195 ff.) Dort waren drei solcher gerippter Cisten und eine Menge verschiedenartigen 
Pferdeschmuckes vereinigt, darunter auch 44 Stück ganz ähnlicher Zierscheiben wie die 
in Klein-Zöllnig vorgekommenen. Und doch besteht zwischen beiden Funden ein wesent- 
licher Unterschied: die Gefässe von Lorzendorf haben als Henkel je zwei bewegliche, am 
Rande befestigte, halbkreisförmige Bügel, zwischen denen der Kessel beim Tragen hin 
und her schwingt, das von Klein-Zöllnig dagegen zwei feste seitliche Handhaben, die ein 
gutes Stück unterhalb des Randes sitzen. Wie ich seinerzeit erwähnt habe (a. a. O. 
S. IQQf.), ist es das Verdienst Marchesettis, auf dieses Unterscheidungsmerkmal hin- 
gewiesen und darauf die Herkunftsbestimmung der gerippten Cisten gegründet zu haben: 
die mit festen Handhaben sind in der Gegend von Bologna zu Hause, die mit beweg- 
lichen Henkeln in Vcnetien.') Zur zweiten Kategorie gehört die grosse Mehrzahl der 

') Reinecke (Altbayer. Monatsschr. 1901 2 S. 131) neigt freilich trotzdem zu der Annahme griechischen 
Ursprungs der Cisten, „wenngleich es schwer zn entscheiden ist, ob sie in Griechenland selbst, resp. in 
ostgriechischen Gebieten, oder etwa in unteritalisch-griechischen Werkstätten oder vielleicht auch in anderen 
Gebieten Italiens unter griechisciicni Einfluss verfertigt wurden". 



44 

nordwärts der Alpen gefundenen,') während von i.kn Cisten mit festen Handliaben ausserlialb 
Italiens im ganzen nur 9 Exemplare vorgekommen sind, die sich auf Frankreich, die 
Schweiz, Österreich, Süddeutschland mui Russisch-Polen verteilen. Dazu tritt jetzt als 
zehntes das von Klein-Zöllnig. 

Die auffallende Tatsache nun, dass wir in Schlesien an zwei nicht weit (ca. 25 km) 
von einander entfernten Stellen italische Bronzegefässe antreffen, die nachweislich ver- 
schiedenen Fabrikationszentren entstammen, legt uns die Frage nahe, ob hier nicht auch 
eine chronologische Differenz mitgesprochen hat, so zwar, dass die seit alters bestehenden 
Handelsbeziehungen mit dem Süden zu einem gewissen Zeitpunkte in neue Bahnen 
gelenkt worden wären. Leider sind wir über die Chronologie der gerippten Cisten trotz 
der grossen Zahl der Funde noch recht mangelhaft unterrichtet. Soviel ich weiss, hat 
nur Reinecke-) den Versuch gemacht, die Zeitstellung der verschiedenen Typen genauer 
festzustellen. Danach treten beide Hauptarten schon in der Stufe der eisernen Hallstatt- 
schwerter d. h. noch vor dem 7. vorchristlichen Jahrhundert auf. Die Form mit beweg- 
lichen Henkeln erhält sich bis ins 5. Jahrhundert so gut wie unverändert, jedoch dürfte 
die Mehrzahl der erhaltenen Exemplare der jüngeren Hallstattstufe, also dem 7. und 
6. Jahrhundert angehören. Die Cisten mit seitlichen Griffen variieren hingegen ziemlich 
stark. Typisch älter sind die „weitgerippten" Gefässe mit eingeschlagenen Ornamenten, 
Kreisen, schräg laufenden Bändern von Punktreihen, Hallstattvögelchen u. s. w. Mit der 
jüngeren Hallstattzeit verschwinden die weitgerippten Gefässe mit jener althallstättischen 
Dekoration; an ihre Stelle treten die grossen enggerippten Cisten, die als Verzierung meist 
nur einfache Punktreihen aufweisen. Aus der Früh-La Tenezeit (erste Hälfte des 5. Jahr- 
Iniiulerts) sind Cisten mit festen Griffen überhaupt nicht mehr nachweisbar. 

Die Richtigkeit dieser Deduktion vorausgesetzt, würde die weitgerippte Ciste von 
Klein-Zöllnig im Vergleich zu den Lorzendorfern als der ältere Typus anzusehen sein, 
und dies um so mehr, als der Lorzendorfer Fund wegen der verzierten Hohlringe') und 
der Ketten') sicher der jüngsten Hallstattperiode angehört. Wenn etwas geeignet ist, jene 
Annahme zu unterstützen, so ist es die Form der runden Buckelscheiben. In dem Zöllniger 
Funde sind sie, wie wir gesehen haben, mit 8 seitlich abstehenden Ösen versehen. 

') Zu den von mir a. a. (). S. 200 aufgezählten 48 Exemplaren von 21 Fundorten tixtLii iincli folgende 
4 hinzu: 1 neuerdings hu Rhein bei Mainz gefundenes (Westd. Zcitschr. 1S98 Taf. V 15); 1 im Museum zu 
Bonn (Reinecke, AUbayer. Monatsschr. 1901/2 S. 130 Anm. 1); 1 von Issersheilingen in Nordthiuingen 
(Reinecke a. a. O.); ] aus Skalitz Bez. Sobeslav (Pamätky Arch. 1904 S. 81 Tab. II 1). Vgl. Marchesetti, 
Scavi nella necropoii di S. Lucia, Bolietino della societä adriatica XV, Tiiest 189! S. 185 ff. ; Moutelius, 
Etti Svcrige funnet fornilaliskt bronzkärl, Svenska fornminnesföreningens tidskrift 11. IUI. 1. Heft Nr. 32 
S. 49 f. u. S. 84 f. 

-) a. a. O. S. 130 f. 

•■') Ornamente wie die auf don I or/eudorliT Ringen finden sich fast genau so auch an Exemplaren 
von ausgesprochenem La Tenecharakter, vgl. /. 15. (Juant/, Neue La leiR-Bron/eu aus Raiu's, Zeitsclu. f. 
thüring. Gesch. 1902 S. 606 Fig. 2. 

*) Vgl K Brunner, Bronzefund von Stauoriun Kr. luovvra/law, Nachr. libei ileutsche Allcitiini'-funile 
I8Q9 S. 83. 



45 

Vermutlich dienten diese zur besseren Befestigung^ am Riemenzeuge. Die Lorzendorfer 
Sclieiben (Fig. 9) laufen statt dessen in 12 14 abgerundete, strahlenförmig angeordnete 
Zacken aus, in denen man vielleicht rudimentäre Reste jener zum Ornament gewordenen 
Ösen zu erblicken hat. Ähnlich verhält es sich mit dem Buckel: bei den Zöilniger 
Exemplaren wächst er organisch aus der sich wölbenden Scheibe heraus. Bei den Lorzen- 
dorfern ist er zum winzigen Knopf zusammengeschrumpft, der an die völlig platte Scheibe 
nur äusserlich angesetzt zu sein scheint. Den Übergang vermitteln die von uns als ein- 
heimische Nachahmungen bezeichneten Stücke von Zöllnig, bei denen die Scheiben platt 
und die Buckel nur halb so hoch wie bei den anderen sind. Typologisch gehören somit 
die Lorzendorfer Zierscheiben einer jüngeren Entwicklungsstufe an. 

Die Analogie des Lorzendorfer Fundes lehrt uns auch, dass diese Zierbeschläge 
als Pferdeschmuck gedient haben, denn dort lagen sie mit einem Paar Pferdegebissen 
und anderen zum Geschirr gehörigen Dingen zusammen. Übrigens hat man in einem 
Grabhügel bei Thalmässing in Mittelfranken ein reich ausgestattetes Reitergrab gefunden, 
in welchem das Pferd unter anderem auch mit denselben tutulusartigen Knöpfen geschmückt 
warwiedievon Kl.-Zöllnig.') Das wiederholte Vorkommen von Pferdeschmuck in Verbindung 
mit Bronzecisten deutet darauf, dass auch diese bei der Pflege des Pferdes zum Füttern 
oder Tränken verwendet wurden. Es sei daran erinnert, dass auf der Bronzesitula von 
Moritzing in Tirol ein Zweigespann dargestellt ist, dem ein Mann einen Metallkessel hin- 
reicht.-) Jedenfalls bildet unser Fund eine neue Bestätigung dafür, dass schon in vor- 
christlicher Zeit eine durch weitreichende Handelsbeziehungen geförderte Kultur und ein 
gewisser Luxus hier zu Lande herrschend waren. 

Zum Schluss will ich nicht unterlassen, Herrn Dr. Seger für seine mir bei dieser 
Arbeit gewährte Unterstützung meinen Dank auszusprechen. 

Willichn Orempler 




Fig. y. Ziersclieibe von Lorzendorf. '/. 



') Mehlis. Archiv f. Antiir. Bd. XV 1884 S. 3{)4f. Taf. VI Fig. 9. Vgl. auch Pie, Sfaroiitnosti 

Dil 1 Sv. 1 Tah. XXVI Fig. ö, XXVIl Fig. 23. 

-) Miich, Kiinsthistor. Atlas Taf. LXVIII Fig. 6. 



46 

DER FUND VON HÖCKRICHT, KREIS OHLAU 

Der Fund von Höckriclit, der nach Stil und Technik der goldenen Schnuickstücke 
der friiiien Merowinger-Zeit angehört, ist leider nicht in allen seinen Teilen auf uns 
gekommen, wie wir aus dem Fundberichte ersehen werden. Die erhaltenen Original- 
stücke befinden sich in der vorgeschichtlichen Abteilung des Königlichen Museums für 
Völkerkunde zu Berlin, aus deren Katalog und Akten Nachstehendes mit Erlaubnis des 
Direktors, Herrn Geheimen Regierungsrat Dr. A. Voss ausgezogen wurde. 

Der Kessel wurde zufällig beim Pflügen zutage gebracht; Grabungen ergaben dann 
die weiteren Fundstücke. Sie wurden von dem Besitzer des Gutes, Herrn von F^eibnitz, 
der damals Major und Führer des 2. Aufgebots des 2. Bataillons (Briegschen) 11. Landwehr- 
Regiments in Namslau war, am 5. März 1831 dem Könige Friedrich Wilhelm III. als 
Geschenk angeboten und von diesem dem Museum vaterländischer Altertümer überwiesen. 

Der im Jahre 1831 von dem damaligen Direktor O. L. v. Ledebur angelegte Katalog 
gibt folgendes an:') 

„II 315 318. Vier dünne Platten von feinem Golde mit getriebener Randverzierung 
und mit 2 Reihen von unächten Steinchen (Carneol, Glasfluss), die ihre Fassung durch 
einen aus der Platte hervorgetriebenen Rand erhalten. Sie haben sämmtlich das Überein- 
stimmcnile, dass der erste Stein dreieckig und mit dem Scheitel links gekehrt ist, dass der 
zweite eine die Spitze links gewandte Blattform hat, der dritte ein Oblongum bildet, der 
vierte einen Rhombus, der fünfte das zuerst vorkommende Dreieck. Zwei der Platten 
haben fünf, die beiden andern vier Steine in jeder Reihe von der Grösse wie abgezeichnet 
ist. Die i'latten sind mit kleinen Löchern durchbohrt gewesen, um sie befestigen zu können. 
- - Zu Höckriclit bei Olilau in Schlesien nebst den folgenden Schmuckgegenständen, so 
wie neben den bronzenen Gefässcn II 324 und 325 beim Pflügen aufgefunden und von 
dem Major v. Reibnitz als Geschenk Ser Majestät dem Könige überreicht und im März 1831 
dem Museum überwiesen." Hierzu ist zu bemerken, dass die Regelmässigkeit und Über- 
einstimmung der verschiedenen Schmuckstücke, wie unsere Abbildungen Fig. 4- 7 zeigen, 
doch nicht so gross ist, sondern im Gegenteil eine ziemliche Unregelmässigkeit sowohl 
auf den einzelnen Stücken, wie beim Vergleich der Stücke unter einander herrscht. 

„11 319. 320. Zwei zerbrochene Schnallen von gehärtetem Eisen oder Stahl mit 
feinem Goldblech, statt der Vergoldung bekleidet. An dem Ringe der Schnalle, deren 
Zünglein dinchbrochen ist, war ein Goldplättchen befestigt, welches den vorhergehenden 
ähnlich, ebenfalls getrieben und mit 2 Reihen Steinchen besetzt ist, so jedoch, dass nur 
3 in jeder Reihe vorkommen, zuerst das Dreieck, dann der Rhombus und zuletzt das 
Oblongum." (unser Stück II 318a.) - Fig. 8— 11. 



') Vgl. V. Ledebur, Das Kötiij,'!. Museum vatcrl. Altertiiiuer im Schlosse Monliijciu /u Beiiiri, Berlin 
1838 S. 46 f. und Taf. IV. 



47 



„II 321. Eine kleine Schnalle von feinem Golde. Das Heftende bildet ein Rechteck, 
dessen obere Seite durch eine auf- und absteigende Spitze von Gold in 4 Dreiecke 
















Wf ■ I.VV* 'J^' 






l_-3/ 




12 











Fig. 1-9: Oold. 



,^^ 



Fig. 10 11 : Eisen vergoldet. 




Fig. 12: Bronze. 



Fig. 13: Bronze. ''4 

getheilt ist, welche mit ähnlichem Glasfluß, wie die vorhergehenden Schmucksachen aus- 
gelegt sind." Ich halte die durchsichtigen Einlagen für Granaten, die freilich ihrer gelb- 
roten Farbe wegen Karneolen sehr ähneln. — Fig. 2. 



48 

„II 322 323. Zwei ziingenförmige kleine Platten von feinem Golde, mit einem 
Rande und in der Mitte diircii eine Schlangenlinie von getriebener Arbeit verziert. T'/s" 
lang ^/V breit." Fig. 1 nnd 3. 

„II 324. Ein glockenförmiges Gefäss, das ohne die beiden, den Öffnungsrand über- 
ragenden Henkel eine Höhe von 1' 5" hat und in der Mündung 1' 1" im Durchmesser 
beträgt. Es besteht aus einer dem Kanonengut ähnlichen Composition von Kupfer und 
Zinn. Die Bestandtheiie sind jedoch ungleichartig gemischt, dass an manchen Steilen das 
Kupfer fast rein, wiewohl schlackenartig abgesondert, an manchen Stellen wieder das Zinn 
vorherrschend erscheint. Das Gefäss ist dem Anschein nach in einer Erdform gegossen 
und so roh geblieben, wie der Guss eben gerieth, ohne demselben durch Polirung oder 
Ciselirung die Unebenheiten zu nehmen. Als Glieder der rauhen Oberfläche des Glocken- 
förmigen Gefässes zeigen sich: die beiden Henkel mit Randlinien, die Andeutung eines 
Frieses durch 3 die Mündung umkreisende, von den Henkeln jedoch unterbrochene Leisten, 
ferner 4 die Glocke in ebensoviel gleiche Felder abtheilende Kreuzrippen an dem untern, 
fast spitz zulaufenden, nur mit einem schmalen Fuss versehenen Theil. Sämmtliche 
Ornamente sind ungleichmäHig ausgebildet, wie es von der rohen Form nicht anders zu 
erwarten war; endlich ein Fuss, auf welchem das Gefäss so schwach ruht, dass ein ganz 
geringer Anstoss dasselbe umfallen lässt." Dem ist noch hinzuzufügen, dass das Gefäss 
nicht nur nicht ciseliert ist, sondern dass sogar die Gussnäte stehen geblieben sind, 
von denen eine in der Abbildung deutlich zu sehen ist. — Fig. 12. 

„II 325. Eine unten abgerundete Metallurne mit kurzem Halse. Die Weite des 
Bauches beträgt 10", die Weite der Mündung Q" und die Höhe 4"." Fig. 13. 

Der Bericht von Ledeburs in den Akten sagt hierzu: 

„Die stark gewölbte Rundung des geschlossenen Theils dieses einer flachen Urne 
nicht unähnlichen Gefässes und die Schwierigkeit, dasselbe auf dieser Rundseite fest- 
zustellen, lässt vermuthen, dass dasselbe blos der Deckel eines andern Gefässes, vielleicht 
einer Graburne gewesen sei. 

„Einen ganz ähnlichen Metalldeckel fand man im Jahre 171Q zu Arendsee in der 
Altmark in einem Grabe (abgebildet in Keissler. antiq. septentrion. Tab. XVII uml in 
Beckmans Beschreibung der Mark Brandenburg I. Th. Tab V). Ebenso fand man 1822 
in einem Grabhügel bei Delbrück im Paderhornschen eine irdene Urne mit einem solchen 
Deckel von sauber durchbrochenem Eisenblech (Zeitschrift Westphalen imd Rheinland 1822 
S. 260). 

„Das hier in Rede stehende Gefäss ist eine Mischung von Kupfer und Zinn, und 
ohnerachtet einer, besonders am Rande noch deutlich hervortretenden Versilberung, ganz 
mit Edelrost (aerugo nobilis) überzogen. An dem hohen Alter des Gefässes, welches 
von dem Zahn der Zeit wahrhaft zernagt worden ist, ist daher nicht zu zweifeln. Es 
setzt sowohl durch die Gleichmässigkeit der Mischung, wie durch die sorgfältigere 
Behandlung eine höhere Stufe der Kunstbildung voraus, wie das erste Gefäss; denn es 



4Q 

ist nicht nur besser gegossen, sondern auch auf der Drechselbank gedreht, wie die kreis- 
förmigen concentrischen Meisseispuren beweisen, welche noch auf der Wölbung des 
Deckels sichtbar sind." 

Zu den Schmucksachen bemerkt v. Ledebur noch: 

„Es ist bemerkenswerth, das man bisher zwar häufig eherne und eiserne Schnallen 
in Gräbern Deutschlands gefunden hat, soviel mir bekannt ist, jedoch nur 2 silberne und 
zwar im Jahre 1774 bei Fluhrstädt im Weimarschen (Meusels Geschiclitsf. II 245); eine 
goldene Schnalle erscheint jedoch hier zum ersten Mal. 

„Jedenfalls werden die besprochenen Altertumsgegenstände eine sehr erwünschte 
Aquisition für das Museum der siavisch-germanischen Antiquitäten sein, jedoch ist eine 
genauere Erkundigung über die Art der Auffindung unerlässlich." 

Diese Erkundigung ist dann später erfolgt, denn der Katalog enthält über die Fund- 
umstände noch die folgenden Bemerkungen: 

„Das Terrain bei Höckricht, wo die Auffindung geschaii, wird also beschrieben: 
In einem ganz ebenen Felde, welches etwa 12 14 Zoll hinunterreichenden Lciini, zur 
Unterlage feinkörnigen Kies enthält, ist eine kleine Erhöhung von etwa 6 bis 8 Fuss, die 
wegen ihrer sehr sanften Abdachung dem Auge fast garnicht bemerkbar und keineswegs 
von der Kunst zusammengebracht, sondern eine natürliche Terrainbildung zu sein scheint. 
Beim Umpflügen des mit Kartoffeln bebauten Feldes stiess die Pflugschaar an einen 
Henkel des Metallgefässes, woran die Spur des Eindrucks noch sichtbar ist. Es ward 
näher untersucht und das Oefäss rings von feinem weissen Sande umgeben gefunden; auch 
in demselben fand man nur Sand und Erde; etwa 2 Fuss westlich davon in gleicher Tiefe 
fand sich das 2. Oefäss (1! 325). Von dem Lager der grossen Urne nach Norden lief 
ein schmaler 12 — 16" breiter, 5—6' langer Streifen von dem feinsten weissen Sande, in 
diesem ein etwa handbreiter und kaum 1" hoher ganz dunkelbrauner Strich, in welchem einige 
Spuren von Knochen, kleinen Stäbchen Holz in verschiedenen Gestaltungen, meist mit 
Silber beschlagen, die aber so vermorscht waren, dass sie an der Luft zerbrachen und 
die verschiedenen von II 315 bis 323 aufgeführten Gegenstände von Gold ohne Ordnung 
durcheinander lagen. Zwischen den Goldplatten war in einigen noch eichenes Holz 
kenntlich. Am Ende dieses Streifens war etwa ein Quadrat von 3 Zoll ganz brauner 
Erde, und damit hörte auch der feine Sand auf, starker Kies trat an seine Stelle, und ohn- 
erachtet ' ^ Morgen bis 3 Ellen tief umgegraben wurde, fand sich doch weiter nichts als 
2 Ton-Urnen, die aber beim Herausnehmen zerbrachen. Eine derselben stand südlich 
von dem hier in Rede stehenden Metallgefäss, war von schwarzer Masse, 7" hoch, 
unten 5", oben 3" weit, hatte kleine Henkel, und einen nach aussen scharf umgebogenen 
Rand. Ungefähr 300 Schritt hiervon, mehr nördlich, war zwischen Urnenscherben eine 
Silbermünze von Kaiser Trajan gefunden. Der Major v. Reibnilz schreibt weiter, dass 
am Ende des langen Sandstreifens, wo die braune Masse zusammengehäuft war, auch 

7 



50 

eine 16 Zoll lautre, von Sfacliem Oolddralit künstlich zuainniengesetzte Kette mit einem 
einfachen Haken befestigt oefunden sei, die noch jetzt dessen Gemahlin als Armband 
trage." ') 

Nach diesem Fiindbericht ist meiner Ansicht nach kein Zweifel, dass wir es hier 
mit einem Skelettgrabe zu tun haben, dessen Leichnam bis auf wenige Knochenreste zu 
braunem Mull zerfallen war. Auch bin ich überzeugt, dass der grosse Kessel mit zu 
dem Grabe gehört hat, und zwar, dass er zu Füssen des Leichnams beigesetzt war. Wir 
finden ja häufig derartige Beigaben in Skelettgräbern der spätrömischen und spätem Zeit. 
Seine im Gegensatz zu dem kleineren Bronze-Oefäss rohe Ausführung und geringe 
Patinierung, die an die Grapen der spätem Zeit erinnern, scheinen dem freilich zu wider- 
sprechen. Derartige anscheinende Anachronismen kommen aber häufiger vor. Die Bei- 
setzung des Kessels in demselben weissen Sande, worin der Leichnam gebettet war, 
sprechen klar für die Gleichzeitigkeit beider. 

Was die von v. Ledebur angezogenen Parallelen zu dem kleineren Bronze-Gefäss 
betrifft, so entstammen die von Keysler angeführten beiden Stücke einer viel älteren Zeit, 
denn es sind reich verzierte, sogenannte „Hängebecken" der nordischen Bronze-Zeit, die 
wir ja jetzt zu Dutzenden kennen. Seitenstücke zu dem grossen Bronzekessel sind aus 
Ungarn mehrere bekannt. Sie werden dort als „skythisch" angesehen und demgemäss in 
die vorchristliche Zeit gesetzt.-) Demgegenüber ist zu betonen, dass in dem Funde von 
Höckricht ein Begräbnis ganz nach merovingischer Sitte vorliegt und dass auch die Fund- 
stücke einschliesslich des grossen Kessels durchaus merovingischen Charakter zeigen.') 

Eduard Krause 




') Bei den Akten des Schles. Museums f. Kunstgew. u. Alt. liefindet sich eine alte, wahrscheinlich 
aus dem Anfang der dreissiger Jahie staiuniende sorgfältig ausgeführte Bleistiftzeichnung der Fuiidstücke 

von Höckriclit, die auch eine Skizze der erwtähnten 
Kette enthält. Fig. 14 a zeigt die ,, wirkliche Dicke 
der Kette"; Fig. 14 b eine etwas vcrgrösserte Dar- 
stellung des Drahtgeflechts; Fig. 14c eine schematische 
^' '^ Umrisszeichniing der ganzen Kette. Hierzu wird lie- 

merkt: „Ganze Länge der Kette in Fuss fünf und »/j Zoll." Ein beigefügter Massstab lässt erkennen, dass 
schlesische Fuss gemeint sind. Es wäre interessant zu wissen, ob diese Kette sich noch im Besitz der 
Familie von Reibnitz erhalten hat. H. S. 

") Hampel, Skythische Denkmäler aus Ungarn, Ftlnuil. Mifteil. aus Ungarn, Budapest 1S')5 S. Ol. 

") Als ['arallelfunde zu den Schmucksachen führe ich an: L. Liiidcnschmit, Handbuch d. deutsch. 
Altertumsk., Braunschweig 18S0 89 Taf. III Fig. 332; Taf. VI Fig. 351 355; Taf. X Fig. 2 u ö; Taf. XX 
Fig. 9, 10 n. 11; Taf. XXI Fig. 1 ; Taf. XXIV Fig. 3. Weitere Beispiele in dem dreihändigen I'rachtwerke 
von M. C. Barriere-Flavy, Les arts industriels des peuples barbares de la (iaule du V. au VIII siede, 
Toulouse u. Paris 1901. 



51 



EINIGE PRÄHISTORISCHE NEUERWERBUNGEN 



1. KUPFER- UND BRONZEAXTE VON UNGARISCHER FORM 

Von einem Breslauer Altwarenhändler erwarb das Museum im Herbst IQOl eine 
bronzene Axt mit niedrigen Rändern (wie Schies. Vorz. VI 2Q7 Fig. 9) und das in Fig. 1 
abgebildete kupferne Querbeil (Kat.-Nr. 1223.01). Nach der Angabe des Verkäufers sollen 
beide Gegenstände an der Strasse von Militsch nach Trebnitz in der Nähe von Oross- 
Zauche von Feldarbeitern gefunden 
worden sein. Eine Anfrage beim Outs- 
vorstande ergab, dass diesem von dem 
Funde nichts bekannt war. Fundort 
und Zusammengehörigkeit der beiden 
Stücke sind sonach zweifelhaft. Ihre 
schlesische Herkunft untediegt jedoch 
keinem Bedenken. 

Das Beil hat eine Länge von 20 
und eine grösste Breite von 5,6 cm. 
Die Dicke beträgt in der Mitte 2,7, kurz 
vor dem Bahnende 1,8 cm, das Gewicht 
1404 gr. Der Querschnitt ist rechteckig. 
Die Flächen sind am Schneidenteile 
etwas gewölbt, die Schneide ist bogen- 
förmig verbreitert, das Bahnende hat die 
Form eines flachen Schmiedehammers. 
Das nach oben zu ein wenig erweiterte 
Schaftloch ist auf der oberen Seite 
mit einer 0,7 cm hohen Dülle umgeben. 
Um diese herum sind in die Oberfläche 
10 unregelmässige Grübchen einge- 
schlagen. Die Oberfläche ist ziemlich 
glatt und mit einer ungleichmässig grünen Patina überzogen. Die Abnutzungsspuren 
sind gering. Die Analyse des Städtischen Untersuchungsamts ergab 99,91",, Kupfer. 

Das Jahr darauf hörte ich bei einer Ausgrabung in Jordansmühl zufällig von einer 
kupfernen Axt, die ein dortiger Arbeiter in der Richtung auf Poppelwitz, also nicht weit 
von dem neolithischen Wohn- und Begräbnisplatze auf dem Bischwitzer Berge, gefunden 
hatte. Es gelang mir, sie ebenfalls für das Museum zu erwerben (Kat.-Nr. 314.02). Sie 
hat grosse Ähnlichkeit mit der vorigen, ist aber weniger gut erhalten. Die Schneide ist 
abgebrochen; sie stand nicht, wie bei der andern, quer, sondern senkrecht zum Schafte. 
Die Dülle um das Schaftloch ist durch einen ganz niedrigen Rand ersetzt, die Grübchen 

7« 




Fior. 1. Gross-Zauche 



Fig. 2. 
Jordansmühl. 



52 



fohlen. Dafür yelit hier von der Mitte des Schaftlochrandes beiderseits eine flache drei- 
eckige Vertiefung aus, deren Ränder mit den Kanten des Schneidenteils parallel laufen. 
Nach dem Baimende dacht sicii die obere Seite ziemlich stark ab, so dass nur eine schmale 
Schlagfläche übrig bleibt. Die Oberfläche ist teils infolge mangelhaften Gusses, teils infolge 
von Verwitterung rauh und ungieichmässig patiniert; ausserdem weist sie mehrfach Spuren 
von neuerlichen Beschädigungen auf. L. (ohne das abgebrochene Stück) 17,5, grösste 
Br. 6, Dicke am Schneidenteil 2,7, am Bahnende 1,3, Weite des Schaftlochs 3,5 cm. Gewicht 
1035 gr. — Eine Analyse hat nicht stattgefunden. Dem Aussehen nach besteht die Axt 
aus reinem Kupfer. Fig. 2. 

Ein drittes Exemplar dieser Art von Hammeräxten ist auf dem 
Galgenberge bei Ottwitz Kr. Strehlen gefunden worden (abgeb. Schles. 
Vorz. VII 351). Ihre noch sehr an Steinäxte erinnernde plumpe Form 
sowie der Umstand, dass sie immer aus reinem Kupfer, niemals aus 
Bronze bestehen, verweisen sie in die jüngere Steinzeit. Ausserhalb 
Schlesiens kennt man sie aus Böhmen,') Mähren-) und vor allem aus 
Ungarn,') wo sie in solcher Zahl und in so 
mannigfachen Abstufungen vorkommen, dass man 
alle anderwärts gefundenen als ungarische import- 
stücke ansehen kann. Ihr Auftreten in Schlesien 
bildet also einen neuen wichtigen Beweis für die 
Beziehungen unserer I^rovinz zu Ungarn während 
der neolithischen Periode. 

Einer beträchtlich jüngeren Zeit gehört die 
in Fig. 3 abgebildete bronzene Streitaxt an, die 
auch wegen ihrer eigentümlichen Fundumstände 
von Interesse ist. Der Stellenbesitzer Arlt in 
Gleinau Kr. Wohlau stiess im Oktober 1899 auf 
seinem in der Richtung auf Dombsen zu gelegenen 
Felde 1 Fuss tief unter der Bodenfläche auf einen 
grossen Steinhaufen. Die Steinmasse betrug etwa 
8 Fuder, obwohl Steine in jener Gegend sonst 
nicht häufig sind. Nach Wegräumung der Steine 
fand er in etwa I m Tiefe auf einem grösseren 
Steine liegend die Bronzeaxt, die später vom 
Museum erworben wurde(Kat.-Nr.63.99). Knochen, 
Urnenscherben oder sonstige Begleitstücke waren 




Fig. 3. Olciiiau 



1) L.Schneidcr.Kiipferlieile aus dem IkvirkeKöniKgrätz.MiHerl.il.k.k.Cefitr.-Comm.XXVIlI 1902 S. 105 f. 
'-') Mucii, Die Kupferzeit in Europa, Jena 1803 S. 41 f. 

•'') V. F'ulszky, Die Kupferzeit in Ungarn, Budapest 1884 S. 57f; Maiupel, Neuere Studien über die 
Kupferzeit, Zeitsclir. f. Ethnol. 1896 S. 67 f. 



53 

nicht dabei. Ein Grabfund ist sonach ausgeschlossen. Aber auch ein zufällig verloren 
gegangener Gegenstand kann es nach Lage der Umstände nicht gewesen sein, vielmehr 
spricht die sorgfältige Bettung der Axt auf einem Steine und der darüber gehäufte Stein- 
hügel dafür, dass ihr ehemaliger Besitzer sie mit einer bestimmten Absicht am Fundorte 
niedergelegt hat. An einen zeitweilig verborgenen Schatz zu denken, geht auch nicht 
an, denn solche Schatzfunde sind immer aus einer mehr oder minder grossen Zahl von 
Stücken zusammengesetzt und es wäre doch seltsam, wenn man hier gerade nur einen 
einzelnen Gegenstand verborgen hätte, und noch dazu eine Waffe, die man in Zeiten 
der Not am wenigsten entbehren konnte. Es bleibt also nur die Annahme übrig, dass 
wir es hier mit einer Weihgabe an die Götter oder an Verstorbene zu tun haben. Es 
liegen bestimmte Nachrichten aus dem Altertum vor, dass diese Art von Opfern 
gebräuchlich war, und eine beträchtliche Zahl von prähistorischen Funden lässt keine 
andere Erklärung zu.') 

Die Gleinauer Axt hat eine Länge von 21,3 und eine Schneidenbreite von 3,2 cm. 
Der Durchmesser der massiven, unten ebenen, oben gewölbten Kopfscheibe beträgt 6,4, 
die Länge der Schafttülle 5,3 cm. Form und Verzierung ergeben sich aus der Abbildung. 
Die Schneide zeigt geringe Abnutzungsspuren, die Patina ist hellgrün und ziemlich rauh. 
Alles in allem ist die Axt das genaue Gegenstück zu der fast hundert Jahre früher 
gefundenen aus Rosenthal Kreis Schweidnitz.-) Nur ist bei dieser die Kopfscheibe nahezu 
flach und in der Mitte mit einem kegelförmigen Buckel versehen. Die Klinge ist stärker 
geschweift und weist niedrige Randleisten auf. Auch die Ornamentierung ist etwas ver- 
schieden. 

Der Rosenthaler Axt sehr nahe steht ein drittes Exemplar unbekannten Fundorts, 
das dem Museum im Jahre 1Q02 von Herrn Gelbgiessermeister Franz Kuppe in Breslau 
geschenkt wurde (Kat.-Nr. 345.02). Die Randleisten an der noch stärker gebogenen Klinge 
sind hier mehr entwickelt und die Kopfscheibe hat eine nach abwärts gerichtete scharfe 
Kante und eine 1,5 cm hohe Spitze. 

Das Verbreitungsgebiet dieser Äxte ist ungefähr dasselbe wie das der kupfernen. 
Auch sie sind in Ungarn zu Hause und von dort wahrscheinlich in die Nachbarländer 
importiert worden. Ein nahe verwandter Typus kommt im Norden vor und wird dort in 
die ältere Bronzezeit (Periode I II von S. Müller, Periode 11 von Montelius) gesetzt.*) 
Dem entspricht die von Reinicke') für die ungarischen Äxte gegebene Zeitbestimmung: 

') V^l. Sopliiis Müller, Nordische Altertumskunde, I S. 430 ff. 

'-■) Abgeb. bei Biischinjj, Die heidnischen Altertümer Schlesiens, Tafel IV, 1; Schles. Vorz. Bd. II 
S. 32, Taf. 1, I; Hampel, A Bronzkor Emlekei Mag>'arhonban, IW. III. Taf. CCLI. Über die Fundumstände 
ist nichts näheres bekannt. 

") S. Müller, Ordning etc. Fig. 153, und Nord. Altertumsk. I S. 281 ; Montelius, Om tidliestämning 
PI. 2 Fig. 21, und Antiqu. sued. Fig. 99 u. 100. 

*) Corresp.-Bl. d, deutschen des. f. Anthr. 1902 S. 20 u. 27; vgl. auch Arch. Ertesitö 1899 S. 241 
(deutsches Referat Wien. Mitteil. 1900 S. 101 f.). 



54 

er zählt sie zu den Typen seiner Periode C des mitteleuropäischen Bronzeaiters, bemerkt 
aber, dass sie niciit ausschliesslich dieser einen Stufe angehören, sondern auch aus älterer 
wie aus jüngerer Zeit nachweisbar sind. 

2. GRABFUND VON OBERHOF, KREIS BRESLAU 

Am 7. Mai 1002 stiess man in einer Kiesgrube zwischen Siebischau imd Oberhof, 
eine Meile südwestlich von Breslau, in 1 '/^ m Tiefe auf ein Skelett. Es lag auf dem 
Rücken mit dem Kopf nach Norden, das Gesicht aufwärts gerichtet, die Arme längs des 
Körpers, ausgestreckt frei im Sande. Arm- und Fussgelenkc waren mit Bronzeringen 
geschmückt, auf der Brust lagen zwei Fibeln aus demselben Metall, in der Hüftgegend 
ein Ring aus Lignit, der vielleicht am Gürtel befestigt gewesen war. Rechts vom Kopfe 
stand ein grosses wohlerhaltenes Tongefäss von schwarzer Farbe. Der Besitzer von 
Oberhof, Herr Rittergutsbesitzer Karl von Wallenberg auf Schmolz, benachrichtigte sogleich 
das Museum, und es wurde von uns eine genaue Untersuchung der Fundstelle vor- 
genommen. Hierbei konnten noch einige Reste des Skelettes gesammelt werden, die auf 
eine weibliche Person im Alter von 20 25 Jahren schliessen lassen. Nach der geringen 
Weite der Gelenkringe muss die Bestattete von zartem Wuchs gewesen sein. Trotzdem 
der Boden im Abstände von 5^6 Metern abgetragen wurde, kamen andere Gräber nicht 
zum Vorschein. Die Funde schenkte Herr von Wallenberg gleich den früher auf seinen 
Gütern gemachten dem Museum (Kat.-Nr. 252—60.02). 

Von den beiden Armringen ist der eine, ein kreisrunder, glatter, geschlossener 
Reif von fast rundem Querschnitt. Dm. 7,2, Stärke 0,7:0,8 cm. Fig. 4. — Der andere ist 
in zwei Teilen hergestellt, einem grösseren von etwa 7i »-^es ganzen Umfangs und einem 
kleineren, der einerseits durch einen Zapfen, anderseits durch ein Scharnier mit dem 
grösseren verbunden ist. Das Scharnier besteht in einem zungenförmigen durchlochten 
Vorsprung, der in einen entsprechenden Schlitz des grösseren Teiles passt und durch 
einen durchgesteckten Stift befestigt werden konnte. Wollte man den Ring öffnen, so 
musste man zunächst den Befestigungsstift aus dem Scharniere ziehen uml dann den 
kleineren Teil herausnehmen. Ein einfaches Aufklappen wurde durch den an seinem 
anderen Ende befindlichen Zapfen, der in ein Loch des grösseren eingriff, verhindert 
Der Ring ist hohl gegossen, so dass die nach innen gekehrte Seite oftVn liegt, und uii- 
verziert. Dm. 7,55, Stärke 1,18 : 1, öS cm. Fig. 5. 

Die beiden Fussringe sind schwach elliptisch und an der Aussenseitc abwechselnd 
mit grösseren und kleineren halbkugiigen Knöpfen oder Knoten verziert. Die Enden 
stossen dicht zusammen. Dm. a) 0,4:8:7, b) 10,1 : 0,2, Stärke a) 1,2: 1,0, b) 1,05: 1,4 cm. 
Fig. 6 und 7. 

Die beiden Fibeln gehören zur Klasse der eingliedrigen Früh-La Tenefibeln. Die 
kleinere hat einen massiven dicken Bügel von rundem Querschnitt, der seiner ganzen 
Länge nach durch Einschnürungen gegliedert ist. Ebenso ist der rückwärts gebogene 



55 



Fuss duixli Verdickungen und Einkerbungen profiliert. Die mit oberer Sehne versehene 
Kopfspirale beschreibt beiderseits drei Windungen. L. 7,6, Br. 2,55, Br. der Kopfspirale 2,65, 




Fi«, n. Ton. "4 



Stärke des Bügels 0,7 cm. Fig. 8. — Die grössere Fibel hat einen bandförmigen Bügel, der 
sich nach beiden Enden zu verjüngt und mit drei quergerippteii Längsrippen verziert ist. 



56 

Der Fuss erweitert sich am Ende zu einer rinoförmigen qiiergerippten Platte, die in ein 
profiliertes Schiussstücl< übergelit. Die Kopfspiraie besciireibt beiderseits vier Windimyen. 
An der Aussenseite des Nadeiliaiters sind in der raiiiien Patina Abdriici<e von Fäden 
sichtbar, die von dem Totengewande herrühren. L 9,5, Br. 2,8, Br. der Kopfspirale 3,3 
Br. des Bügels 1,6 cm. Fig. 9. 

Der Gürtelring ist kreisrund, geschlossen, von rundem Querschnitt und ganz glatt. 
Die Farbe ist kohlschwarz. Er war von den Arbeitern in drei Stücke zerbrochen worden. 
Nach freundlicher Bestimmung durch Prof. Hintze besteht er aus Lignit, einer Art von 
Braunkohle, die häufig in zusammenhängenden Baumstämmen vorkommt und zuweilen 
noch als Holz verarbeitbar ist. Dm. 9,5, Stärke 1,1 cm. Fig. 10. 

Das Tongefäss ist eine sehr regelmässig geformte, weitmündige Vase von grau- 
brauner Masse, deren Oberfläche aussen mit einem feinen, glänzend schwarzen, nur durch 
Verwitterung stellenweise heller gewordenen Überzug versehen ist. Der Halsansatz ist 
durch einen von innen herausgetriebenen kräftigen Wulst markiert, der etwas ausladende 
Rand ist verdickt. Längs des äusseren Bodenrandes ist eine Ringfurche gezogen. Das 
Gefäss ist unzweifelhaft auf der Drehscheibe gearbeitet und somit das älteste Beispiel 
dieser Technik auf schlesischem Boden. H. 21,8, ob. Dm. 19,2, u. Dm. 12,5 cm. Fig. 11. 

Der Grabfund von Oberhof ist ein klassisches Beispiel jener Gruppe von Früh- 
La Tenefunden, die ich in meiner Arbeit über die schlesischen Funde der vorrömischen 
Eisenzeit als böhmisch bezeichnet habe (Schles. Vorz. VI 452f.). Seine Ähnlichkeit mit den 
gleichaltrigen böhmischen erstreckt sich auf alle Einzelheiten: die Orientierung des Grabes, 
die Rückenlage des Toten, seinen reichen Körperschmuck, die Art der Schmucksachen, 
die Gestalt und Technik des Tongefässes.') Von besonderer Bedeutung ist der Lignit- 
ring. Bekanntlich ist Böhmen das Braunkohlenland v-cci s^oyjjv. Die Kohle wird dort 
noch heute vielfach durch Tagebau gewonnen und sie hat sicherlich schon in alter 
Zeit die Aufmerksamkeit der Bewohner auf sich gezogen. So erklärt es sich, dass in 
den dortigen Gräbern Schmucksachen aus Lignit nicht selten sind. Sie kommen jedoch 
nur während der La Teneperiode vor, und zwar immer in besonders reich ausgestatteten 
Gräbern, so dass man in ihnen Abzeichen der Vornehmen vermutet hat.-) Das Tragen 
solcher, aus kohleartigen Stoffen gefertigter Schmucksachen ist eine spezifisch keltische 
Sitte. Im Westen gebrauchte man dazu den Gagat (Pechkohle), der ja in Württemberg 
noch jetzt zu industriellen Zwecken verarbeitet wird.'') Die gallischen Bojer, die im 
4. Jahrh. v. Chr. Böhmen eroberten, schufen sich in dem einheimischen Lignit einen Ersatz 
für das altgewohnte Material. 



') Ausser der in Schles. Vor/. VI 452 aiigefülirteii Literatur vgl. I'ic, Starozitnosti iJil 11, Sv. 1; 
V. Weinzierl, Das La Tenegrabfeld von Langugest, Braunschweig 1899; L. Schneider, Das La Tenegräber- 
feld von Hoienice, Mitt. d. k. k. Centr.-Coniin. XXVIII 1002, S. 116 f.; Cervinka Morava za praveku S. 259- 278. 

2) V, Weinzierl a. a. O. S. 70. 

'■') Ikierli, Urgeschichte der Schweiz S. 48, 295, 371 u. ö. 



57 

Eine derartige Übereinstimmung, die in den früheren Funden noch nicht so deutlich 
zutage trat, kann nicht durch blosse Kuitureinfiüsse, sondern nur durch Gleichheit der Be- 
völi<erung erl<iärt werden. Der Schkiss liegt nahe, dass die gallischen Einwandrer, deren 
Spuren sich im nordöstlichen Böhmen bis an die Ausläufer des Grenzgebirges verfolgen 
lassen, einen Verstoss nach Schlesien unternommen und sich zeitweise zu Herren eines 
freilich nicht sehr ausgedehnten Landesteiles gemacht haben. Dass wir bisher in Schlesien 
bloß vereinzelte Gräber dieser Art gefunden haben, spricht dafür, dass der Aufenthalt der 
Fremdlinge nur von kurzer Dauer gewesen ist. Böhmen wurde von ihnen bekanntlich 
zur Zeit Caesars aufgegeben. 

3. BRONZEWAOE AUS DÜRSCHWITZ 

Bei Erdarbeiten zum Bau der Kleinbahn Jauer-Maitsch fand man im Sommer 1Q02 
in Dürschwitz Kr. Liegnitz am Leisebach eine kleine Schalenwage aus Bronze. Über die 
Fundumstände verlautet nichts. Die Wage kam in den Besitz des Herrn Baumeisters 
Eisner, der sie auf Ersuchen unserem Pfleger, Herrn Rechtsanwalt Kühn in Jauer, für 
das Museum übergab (Kat.-Nr. 344.02). 

Zur Wage gehören zwei kreisrunde flache, innen und aussen vergoldete Schalen aus 
dünnem Bronzeblech, deren Kanten horizontal nach innen gebogen sind. Am äusseren 
Rande sind als Verzierung mit einem Stempel eine Reihe augenartiger Vertiefungen ein- 
geschlagen, ausserdem 4 Löcher zur Aufnahme der Ketten. Jede Schale wird von vier 
Kettchen gehalten, die sich in einem Ringe vereinigen. Dieser hängt an einer stärkeren 
Kette, die an den Enden des Wagebalkens befestigt ist. Die Kettenglieder bestehen aus 
feinem Draht, der in Form zylindrischer Spiralen bei den unteren Ketten dreifach, bei 
den oberen vierfach zusammengerollt ist. Der Wagebalken ist dreiteilig. Die zum Auf- 
klappen eingerichteten Seitenarme sind "rund und mit würfelförmigen Knöpfen sowie an 
den Enden mit schraubenartigen Gewinden verziert. Das Miltelstück mit der Zunge und 
dem Kloben war nicht erhalten, konnte aber nach vollkommen entsprechenden Parallelstückcn 
ergänzt werden. Ausserdem weist noch die eine Schale stärkere Beschädigungen auf. Die 
Vergoldung der Schalen ist ziemlich gut erhalten. Die übrigen Teile zeigen die ursprüng- 
liche Bronzefarbe. Dm. der Schalen 7,3, H. 3, Br. der Seitenarme je 7,1 cm. Fig. 12. 

Teile von gleichartigen Wagen besitzt unser Museum noch von zwei anderen 
Fundorten. Aus der Sammlung des Kgi. evang. Gynniasiums in Glogau stammt ein 
wohlerhaltener und schön patinierter dreiteiliger Wagebalken von 17 cm Länge, der dem 
Dürschwitzer sehr ähnlich ist, nur dass die Seitenarme stärker und an den Enden etwas 
anders geformt sind (Kat.-Nr. 747.91) Fig. 13. Der genaue Fundort steht nicht fest. 
Von einer grösseren Wage rührt ein Wagebalken her, der 1873 in Striegau bei einem Haus- 
bau „neben hellgelben Tongefäßen" gefunden worden ist. Die Konstruktion ist dieselbe 
wie bei den anderen, aber das Mittelstück hat eine Länge von 8,2, die (nicht verzierten) 
Seitenarme von je 13 cm, woraus sich eine Gesamtlänge von 30 cm ergibt. Die Zunge 



58 



lind das eine Endstück sind abgebrochen. Die Patinia ist raiili. (Kat.-Nr. 6665). Abgeb. 
Sciiics. Vorz. 111 32 Taf. 2 Fig. 30. 

BronzewagLMi dieser Art kennt man sclion aus der römischen Kaiserzeit. So ent- 
halten z. B. die riieinischen SammUmgen sowie das Museum für Völkerkunde und das 
Antiquarium in Berlin dreiteilige Wagebalken von römischen Fundstationen, darunter aucii 
solche mit würfelförmigen Verzierungen, wie die unsrigen. Andrerseits sind sie in 
Skandinavien, Norddeutschland imd namentlich in den Ostseeprovinzen ziemlich häufig 
vorgekommen. Manche waren vollständig erhalten und lagen zusammengeklappt mit den 
Gewichten in hübsch verzierten runden Bronzekapseln. Diese nordischen Exemplare nun 
stammen, wie durch Begleitfunde festgestellt ist, grösstenteils aus der Zeit des arabisch- 



nordischen Handels, also etwa aus dem 
Q— 11. Jahrhundert. Sie wurden dazu 
gebraucht, das in Form von ganzen und 
zerbrochenen Münzen, Schmucksachen 
und Barren als Wertmesser dienende Silber 
abzuwiegen. Ihre Übereinstimmung mit 
den römischen erklärt sich daraus, dass 



CTS® 



die Nordländer ihr Oewichtsystem von 
den Römern übernommen und lange Zeit 
unverändert beibehalten haben. Vergl. 
darüber die Abhandlung von Friedrich 
Kruse, Necrolivonica, Leipzig 1869, S. 14 f., 
Beilasje E und Zusätze S. 31 f. 



Hans Seger 





Fifj. 12. Sclialenvvaj>e 
ans Diirschwitz. '!■,. 

Fig. n. Wagebalken 
aus Qlogaii. '/i- 




59 

SCHLESISCHE MÜNZFUNDE 

I. BRAKTEATENFUND VON LIEGNITZ 

Im Frülijalir 1903 wurden bei Orundlegungsarbeiten zwischen den Fundamenten des 
sog. Hedwigsturms am Liegnitzer Schlosse mehrere durch Rost und Grünspan zu Klumpen 
zusammengebackene Brakteaten gefunden. Sie lagen in unglasierten Töpfen von mittel- 
alterlicher Form. Die mit unendlicher Mühe und Geduld vollzogene Reinigung und 
Lösung der überaus gebrechlichen Stücke hat ergeben, dass es sich um folgende Sorten 
handelt: 

1. Schlesischer Adlerpfennig etwa wie Friedensburg, Schlesiens Münzgesch. im Mittel- 
alter Nr. 189fg. 

2. Pommern. Pfennig mit nach rechts schreitendem Greif. 

3. Stargard. Pfennig mit sechsstrahligem Stern, Strahlenrand. 4 Stück. 

4. Pyritz. Pfennig mit achtblättriger Rose. 

5. Pfennig mit Kreuz in einfacher Form. 2 Stück. 

6. Dgl. mit Kreuz, dessen einer Schenkel sich spaltet. 

7. u. 8. Pfennige mit Kronen in zwei Verschiedenheiten 3 und 1 Stück. 
9. Pfennig anscheinend mit 2 einander abgekehrten Vogelköpfen. 

Dazu kommen noch die Bruchstücke von ö unkenntlichen Stücken. 

Numismatisch hat der Fund insofern eine gewisse Bedeutung, als er uns lehrt, dass 
die hier in Gemeinschaft des sicher vor 1290 geprägten Schlesiers auftretenden pommer- 
schen Münzen Nr. 2 bis 4 noch ins 13. Jahrhundert gehören, während man sie sonst 
regelmässig ins 14. verlegt. Ihnen schliessen sich wohl auch Nr. 7 bis 9 als Landsleute 
an, während Nr. 5 und 6 gewöhnlich für Gepräge der Deutschritter gelten, aber vielleicht 
auch pommerisch sind. Wir sehen auch hier wieder, dass der Strahlenrand vereinzelt 
schon recht frühe auftritt und keineswegs das Kennzeichen eines späten Brakteaten ist. 

Grössere Wichtigkeit besitzt der Fund für die Stadtgeschichte von Liegnitz. Bei 
der Eigenart der Brakteaten, die auch abgesehen von dem Gebrauch der dreimaligen Ver- 
schlagung der Münze im Jahre einen längeren Umlauf nicht gestattete, und bei der Sicher- 
heit, mit der wir das Ende der schlesischen Brakteatcnprägung überhaujit in die Zeit nahe 
um 1290 verlegen können, haben wir in dieser Jahreszahl die ziemlich genaue Datierung 
des Fundes und damit des Bauwerkes, in dem die Münzen geborgen waren. Es dient 
zur weiteren Bestätigung dieser Datierung, dass wir aus dieser Zeit sogar ein bestimmtes 
Ereignis nachweisen können, bei welchem pommersches Geld, das sonst in unseren 
Brakteatenfunden nicht auftritt und dessen Auffindung in Schlesien an sich höchst auf- 
fällig ist, in unser Land gekommen sein kann: am 18. Mai 1282 urkundet Philipp, Bischof 
von Fermo, in Militsch über einen Vertrag zwischen Herzog Mestwin von Pommern und 
dem deutschen Orden und crsterer stellt am selben Tage und Orte die Gegenurkunde 
aus (Grünhagen Schles. Regesten Nr. 1710, 1711). 

8* 



60 

Da der Hedwiirstumi selbst aus dem Jahre 1415 stammt, so beweist der Fund, 
dass er auf den Fundamenten eines älteren Bauwerks errichtet worden ist. 

Der Fund wird in der Städtischen Altertümersammlunj^ zu Liegnitz aufbewahrt. 

Ferdinand Friedensbiirg 

II. HELLERFUND VON WILSCHKOWITZ 

In Wilschkowitz Kr. Nimptscii wurde Anfang Oktober 1Q02 auf einem Herrn 
Gutsbesitzer Hermann Brehmer gehörenden Ackerstücke am Rande eines Feldweges beim 
Pflügen aus einer Tiefe von ca. 50 cm unter der Ackerkrume ein Münzenfund zutage 
gefördert, der bis auf wenige Stücke aus schlesischen Helierprägungen des Mittelalters 
bestand und alle bisherigen Funde dieser Art an Stückzahl und Reichtum an verschiedenen 
Sorten ganz erheblich übertrifft. Mindestens 5000 Stücke dieser interessanten kleinen 
Münzen kamen als Inhalt dreier Tongefässe, die beim Herausnehmen leider in Scherben 
gingen, ans Licht. Wenn auch bei der Aufdeckung ein gewisss nicht kleiner Teil davon 
verschleppt wurde, auch mehrere hundert Stück in Privatbesitz gelangten, so ist doch der 
grösste Teil von dem Eigentümer des Grundstücks in dankenswerter Weise unserm 
Museum übereignet und dadurch für die Wissenschaft gerettet worden. Ausserdem 
haben die Herren August Kirschner in Heidersdorf und Dr. Rhode in Puschkowa die 
von ihnen erworbenen Stücke für die Bearbeitung zur Verfügung gestellt, so dass es 
möglich war ein ziemlich vollständiges Gesamtbild des ganzen Schatzes zu bekommen. 

Der folgenden Übersicht ist Friedensburgs bekanntes Werk über Schlesiens Münz- 
geschichte im Mittelalter (Codex diplomaticus Silesiae Bd. 13) und der 1904 hierzu er- 
schienene Ergänzungsband (Cod. dipl. Sil. Bd. 23) zugrunde gelegt. 

1. Breslau, Rempelheller F. 554 621 Stück. 

Von den bekannten Varietäten befinden sicii hierunter ohne Beizeichen 182, 

a, mit Ringel 146, b. mit durchstrichenem Ringel 47, c. mit Stern 118, 
d. mit Mondsichel 14, e. mit Lilie 2, g. mit dem Buchstaben T 99, i. Hs. 
Ringel Rs. T 8, m. Hs. Lilie Rs. Stern 4, ausserdem eine ganz neue Abart 
r. mit dem Buchstaben S unter dem Löwen und einer umgekehrten Mond- 
sichel neben dem Johanneskopf. 

Ob dieses merkwürdige Stück trotz des mit den anderen Sorten über- 
einstimmenden Stempelschnittes Breslauer Ursprungs und nicht vielleicht 
eine Nachprägung ist, wie dies Friedensburg für sein Stück s. mit dem 
Buchstaben B vermutet, bleibt eine offene Frage. 

2. Liegnitz, Peterspfennige F. 588 2277 

Diese Sorte bildet annähernd die Hälfte des ganzen Fundes. Es lassen 
sich darunter zwei Hauptgruppen erkennen. Durch Einschmelzen und 
Wiegen einzelner Stücke hat sich ergeben, dass der Feingehalt zwischen 

3 und 5 Lot und das Gewicht zwischen 0,29 und 0,24 gr schwankt. 



61 

3. Brieg, St. Hedwigshellcr F. 592 37 Stück 

4. -' Heller mit geschachtem Felde F. 595 41 

Diese Heller hatte man früher an den Ausgang des Mittelalters gesetzt. 

Auf Grund unseres Fundes, der davon vier verschiedene Gepräge in fast 
slempelfrischen Exemplaren aufweist, sind sie nunmehr in die Zeit vor 
1450 zu datieren. 

5. Freistadt, Zinnenturmheller F. 638 65 

Auch bei dieser Sorte muss die frühere Vermutung Friedensburgs, wonach 

sie einem Privilegium von 1472 ihre Entstehung verdanken sollten, auf- 
gegeben und die Prägezeit um das Jahr 1430 zurück verlegt werden. Als 
Varianten enthält der Fund 2 Stücke mit 3 Punkten und 2 Stücke mit 
einem Punkt unter dem Buchstaben m. 

6. Glogau, Madonnenheller F. 648 10 

7. F. 649 1 

8. - '- F. 650 279 - 

Zu den besterhaitenen Stücken des ganzen Fundes gehörend weisen 

diese Heller zahlreiche Stempelverschiedenheiten in der Darstellung der 
heiligen Jungfrau auf. 

9. Öls, Heller mit Adler und Spruchband F. 672 351 

Hierbei befinden. sich 26 Stücke der Abart c. mit dem Ringel im Felde. 

10. Wohlau, Heller mit Stierkopf im Dreipass F. 673 1 

11. = - - -- Kreise F. 674 2 - 

12. Namslau, - = Krone F. 686 4 

13. Schweidnitz, Hohlheller mit Eberkopf F. 704 794 -- 

14. Jauer, Heller mit J F. 706 2 • 

15. = J F. 707 3 

16. Münsterberg, Hohlheller mit dem Buchstaben Hl, darüber ein kleiner, 
unkenntlicher Buchstabe F. 725A 20 

Besonderes hiteresse bietet bei diesen Stücken das über dem Art befind- 
liche Beizeichen in Form eines gotischen Minuskelbuchstabens. Vor etwa 
20 Jahren kamen sie zum ersten Male in 2 Exemplaren in einem Oppelner 
Münzfunde vor. (Schles. Vorz. V 23.) Wegen ihres leichteren Gewichtes 
und geringeren Feingehaltes hält Friedensburg sie für Nachahmungen 
seiner Nr. 725. 

17. Neisse, Hohlheller mit Muschel F. 771 2 

18. Heller mit Lilienschild F. 772 82 

Hierunter befinden sich 10 Stücke ohne Ringel im Lilienschilde. 

19. Glatz mit cj zwischen zwei Ringeln F. 782 1 

20. - ebenso, aber ohne Kreuzchen im c} F. 782 A 3 

21. Oppeln, Hohlheller, halbes Kreuz und halber Adler F. 797 112 • 



62 

22. Opiieln, Hohllieller, Adler nacli links selieiui F. 7Q8 114 Stück 

23. Kose!, Adlerschild, Rs. Bockskopf n. I. gewandt F. 815A 2 

Dieses Stück bereichert die bekannten Reihen der schlesischen Heller um 
eine neue Sorte. Leider sind die beiderseitigen Umschriften fast unleserlich, 
doch ist die Zuteilung nach Kosel durch die Darstellung des Ziegenkopfes 
und den schlesischen Adler im Schilde sicher. Der Adlerschild stimmt mit 
dein auf den Hellern von Öls und Neisse vorkommenden auffallend über- 
ein, so dass auf eine gemeinsame Fabrik zu schliessen ist. 

24. Kosel, Heller mit Ä F. 816 7 = 

25. Beuthen. Heller mit B im Dreipass F. 817 5 

26. ^ Bergmann F. 819 5 

27. Ratibor, Heller mit Helm F. 823 6 -- 

28. = = halber Adler und halbes Rad F. 824 1 

29. Troppau, Heller mit Stadtwappen F. 830 3 

30. wie F. 827, aber auf der Rückseite iängsgeteilter Schild, 
wie bei F. 827, worüber querliegend das Stadtwappen, ein mit drei Sparren 
belegter Pfahl F. 831A 2 = 

Auch hiermit haben die schlesischen Hellersorten eine Bereicherung 
erfahren, da ein derartiges Stück bisher nicht bekannt war. Seine Ent- 
stehung glaubt Friedensburg einem Versehen des Stempelschneiders zu- 
schreiben zu müssen. 

31. Tost, Hohlheller mit T F. 835 57 = 

Die Zuteilung des früher unbestimmten Stückes an die Stadt Tost beruht 
auf einer neuerlichen Vermutung Friedensburgs. 

Von nicht nach Schlesien gehörenden Prägungen fanden sich vor: 

32. Frau Stadt, Heller 6 

33. Polen, Denare aus der Zeit Wladislaus II. Jagello (1386 1434) .... 7 = 

34. Anhalt, Hohlpfennig 1 

35. Eine alte französische Marke in Messingbronze. 

Hs. der gekrönte franzc'isische Lilienschild zwischen zwei gestielten Blumen, 

Rs. ein steigender Löwe von 12 kleinen Ringeln umkreist. 

Chronologische Anhaltspunkte für die Vergrabungszeit des Fundes bieten uns die 
Heller von Freistadt F. 638, Glogau F. 650 und Tost F. 835 mit ihrer fast durchweg 
stempelfrischen Erhaltung. Hiernach ist mit grosser Wahrscheinlicheit anzunehmen, dass 
der Fund um die Jahre 1449,50 in die Erde gekommen ist. 

III. SCHATZFUND VON KLEIN-SCHLAUSE 

Im September 1903 erhielt das Museum durch Herrn Redakteur Hartmaim in 
Münsterberg die Nachricht, dass bei Klein-Schlause dortigen Kreises von Feldarbeitern zwei 
Tongefässe mit einem in Leinwand eingewickelten kleinen Silberschatz gefunden worden 



63 

seien. Gleichzeitig übersandte er als Probe einige Münzen und die am Schiuss dieses Auf- 
satzes abgebildete Mantelschliesse. Daraufhin begab sich Herr Direktor Seger an den 
Fundort und erwarb den Fund für das Museum. 

Von den wie gewöhnlich zerbrochenen Gefässen war das eine ein 15 cm hoher 
ziegelroter Krug mit eingezogenem zylindrischem Halse, das andere ein kleiner schwarz- 
brauner Topf mit profiliertem Rande. Die noch gut erhaltenen Leinwandreste zeigen ein 
grobes Gewebe. Den ohne Zweifel wertvollsten Bestandteil des ganzen Fundes bildet 
die als einziges Schmuckstück dazu gehörige silberne Mantelschliesse. Öse und Haken 
tragen als Verzierung zwei 4 cm hohe vergoldete Buckel, deren unvergoldete Köpfe granuliert 
und mit angelöteten Perlstäben und Kugelpyramiden verziert sind. Die Buckel werden 
von je vier zylindrischen mit silbernen Kugeln bekrönten Türmchen eingefasst und sind 
ebenso wie diese auf Scheiben von 2,5 cm Durchmesser aufgenietet, deren Ränder von 
erhabenen Blätterkränzen umgeben sind. Als Mittelstück der Schliesse ist über dem Haken 
eine ganz vergoldete, mit vier Kugeln bekrönte Pyramide aufgelötet. Am Rande der 
Scheiben befinden sich 6 bzw. 7 Löcher zum Annähen der Schliesse an das Gewand. 
Das interessante Schmuckstück ist von tadelloser Erhaltung und offenbar nur kurze Zeit 
im Gebrauch gewesen. Ähnliche, nur viel kleinere Zierpyramiden wie das Mittelstück der 
Schliesse finden sich an einer reich bestickten Parua (Besatz eines priesterlichen Schulter- 
tuches) des Museums aus der Elftausend-Jungfrauenkirche in Breslau. (Kat.-Nr. 7746.) 

Von Münzen enthielt der Fund a. 331 Stück Prager Groschen, darunter 5 Stück von 
Karl IV. (1346 1378), die übrigen aus der Regierungszeit seines Sohnes Wenzeslaus IV. 
(1378 14 IQ); b. 765 Stück schlesische Heller, zu denen sich noch 7 Stück gleichartiger 
Münzen von anderer Herkunft gesellen. 

Die schlesischen Stücke verteilen sich auf folgende Sorten: 

1. Breslau, Böhmischer Löwe im Quadrat. Rs. Adler F. 553 4 Stück 

darunter 1 Stück mit Adlerkopf nach links sehend. 

2. Breslau, Rempelheller F. 554 ig 

Hiervon ohne Beizeichen 6, a. mit Ringel 3, b. mit durchstrichcnem Ringel 3, 

c. mit Stern 5, d. mit Mondsichel 1, g. mit T 1. 

3. Liegnitz, Peterspfennige F. 588 86 

4. Brieg, St. Hedwigsheller F. 5Q2 17 

5. Freistadt, Zinnenturmheller F. 638 10 

ein Stück davon mit drei Punkten o°o unter dem Buchstaben m- 

6. Glogau, Heller mit © umgeben von 4 Ringeln F. 644 30 

7- ' ebenso, aber ohne die Ringel F. 645 34 

8- = wie F. 644, doch Rs. statt der Buchstaben 00 0.00.0. p. 546 . . 2Q 
9. = Madonnenheller F. 648 76 

10. Öls, Heller mit Adler und Spruchband F. 672 84 

in allen bekannten Varietäten a. 45, b. 16, c. 18, d. 5 Stück. 

11. Wohlau, Heller mit Stierkopf F. 674 I5 



64 

12. Schweidnitz, Hohliicller mit Eberkopf F. 704 27 Stück 

13. Münsterberg, Hohlheller mit (H ohne Beizeichen F. 725 65 

14. Olatz, Heller mit § zwischen 2 Ringeln F. 782 27 = 

15. - ebenso, aber ohne das Kreuzchen im cj F. 782 A 38 = 

16. '- wie F. 782, doch (^ zwischen 2 Punkten F. 783 5 = 

17. Teschen, Heller mit T5 zwischen 4 Ringeln F. 807 188 

18. Beuthen, Heller mit B F. 818 5 = 

19. Ratibor, Heller mit Helm, oben 2 Sternchen F. 822 2 = 

20. wie F. 822, aber ohne die Sternchen F. 823 4 

Ausserdem fanden sich noch 5 hellerförmige Stücke, die nach Fraustadt, 

Österreich, Ungarn, Köslin und Kolberg gehören und 2, deren Herkunft noch 
nicht festgestellt werden konnte. 

Neues für die schlesische Münzgeschichte hat dieser Fund nicht gebracht, doch 
ergänzt er den Wilschkowitzer in interessanter Weise, da die unter Nr. 1, 6, 7, 8, 16, 17, 
18, 19 verzeichneten Sorten dort nicht vorkamen. Im übrigen gleicht er diesem in seiner 
Zusammensetzung so sehr, dass er ungefähr aus derselben Zeit, d. h. etwa aus der Mitte 
des 15. Jahrhunderts stammen muss. Allenfalls spricht die geringere Erhaltung der gleich- 
artigen Sorten bei dem Schlauser Funde für eine um einige Jahre spätere Vergrabungszeit. 

Gustav Strieboll 










Sillieriic Mantclscliliesse 
aus Klein-Sclilaiise, 15. Jalirhiiiidert, uatiiil. Grösse 



65 



---.-. ---a*.-,.^- 




ROMANISCHE SKULPTURENRESTE 
DER PFARRKIRCHE IN TREBNITZ 

Am 24. August 1Q03 wurde mit nicht ganz sicherer historischer Begründung das 
TOOjährige Jubiläum der ehemaligen Stiftskirche der Zisterzienserinneii, der jetzigen 
katholischen Pfarrkirche in Trebnitz gefeiert, des ältesten, wenn auch nicht vollkommen in 
ursprünglicher Gestalt erhaltenen, grösseren Baudenkmals Schlesiens.') Im Hinblick auf 
dieses Fest hatte man schon 1Q02 mit einer weitgehenden Säuberung und Instandsetzung 
des Kirchen -Innern und seiner jetzt barocken Ausstattung, aber auch einzelner Teile des 
Äusseren begonnen. Am Tage des Festes waren diese Arbeiten vollendet.-') 

Dabei wurden eine Anzahl romanischer, figürlicher und ornamentaler Skulpturen 
entdeckt, von denen die wichtigsten, wenn es auch bisher nicht gelungen ist für alle 
eine bestimmte Deutung zu finden, hier abgebildet werden, weil derartige Bildwerke ja 
nicht nur in Schlesien zu den grössten Seltenheiten gehören. Vielleicht trägt ihre 
Veröffentlichung dazu bei, die Erklärung ihrer Bedeutung und ihres Zweckes zu fördern 
und weiterhin auf dem Wege der Stilkritik für die Geschichte des Bauwerks, dessen 
Scimiuck sie einst bildeten, allgemeinere Zusammenhänge zu finden und festzustellen. 

Es handelt sich zunächst um fünf figürliche Reliefplatten aus Sandstein. 

Nr. 1 u. 2. Zwei Heilige, in starkem Relief auf fast gleich grossen, oblongen 
glatten f^latten, von denen die eine oben 3 cm vom Rande eine 3 cm breite Rinne und ein 
Dübelloch in der Mitte hat, teilweise sehr beschädigt. Die eine Platte (Abb. S. 60) 109 cm, 
hoch, 57 cm breit und 36 cm stark, zeigt die von vorn gesehene ganze Figur eines jungen, 
bartlosen Mannes mit einem Scheibennimbus hinter dem Kopf mit kurzem Lockenhaar. 
Das reich gefältelte Gewand mit Ärmeln fällt tunikaartig bis zu den Fussknöcheln herab; 
ein bis zu den Hüften reichendes ärmelloses Obergevvand umgibt den Hals in engen 

') Verzeichnis der Kunstdenkmäler Schlesiens II S. 576; Biidenverk schlesischer Kunstdenkmäler 
Taf. 4-8, Tcxthand Sp. lOff. 

'-) Veröffciitlichun^a'n der Provinzialkommission zur Erhaltung und Erforschung der Denkmäler der 
i'rovinz Schlesien III S. 24, IV S. 30 und Zentralblatt der Bauverwaltung 1903 S. 221. 

9 



66 









Falten, die nach unten in breiteren Massen 
herabfallen. Die nackten Füsse stehen auf dem 
Nacken und Rücken einer kleinen zusammen- 
^ekrümmten Figur, von der nur noch erkennbar 
sind die Form des nach vorn gerichteten Kopfes, 
der mit einem faltigen Gewand bedeckte Rumpf 
als Masse ohne Unterscheidung einzelner Glied- 
massen ausser der linken Hand, und zwischen 
dieser und dem Kopf zwei kugelige Gegen- 
stände. Die linke Hand des Heiligen rafft einen 
Oewandzipfel auf, die rechte, mitten auf der 
Brust ruhend, hält ein Schriftband, das sich um 
die linke Seite des Kopfes der Figur herum- 
zieht. Seine Inschrift, aus verzierten römischen 
Kapitalen und Unzialen gemischt: DNE 
(DOMINE) OStENDE scheint sich rechts am 
Kopfe des Heiligen auf der als Untergrund 
dienenden Platte mit dem Worte PATREM 
fortzusetzen, wenn nicht etwa ein unerklärtes 
Zeichen zwischen dem zweiten und dritten Worte 
auf einen anderen, durch die abgebrochenen 
Stellen zerstörten Zusammenhang hinweist. 

Die zweite Platte (Abb. S. 67), 103 cm 
hoch, 37 cm breit, 36 cm stark, gleicht in der 
Gesamterscheinung der zuerst beschriebenen. 
Nur ist hier der Heilige, den Spuren des völlig 
abgebrochenen Kopfes nach zu schliessen ein 
älterer bärtiger Mami. Auch ist das Unter- 
gewand über dem Saum mit einer aus kleinen 
Quadraten zusammengesetzten Borte verziert, 
und das bis über die Ktiiee herabfallende Ober- 
gewand ist togaartig über die Schultern gezogen. 
Beide Hände halten ein quer über die Brust 
sich hinziehendes Schriftband mit den Worten: 
DNS (DOMINVS) MS (MEVS) JOHANNES 
MS (MEVS). Die kleine kauernde Figur, die 
den Füssen als Stütze dient, ist von der Seite 
gesehen, sonst aber, viel mehr beschädigt, noch 
schlechter in Einzelheiten zu erkennen als die 
auf der ersten Platte. 



67 



Beide Figuren zeigten nach der Auffindung 
deutliche Spuren ursprünglicher Bemalung; ein 
Karminrot und ein tiefes Blau treten an der 
Gewandung besonders sichtbar hervor. 

Die Reliefs entsprechen durchaus ana- 
logen Werken romanischer Plastik in Deutsch- 
land, sowohl in der Stellung der Heiligen auf 
den später sich zum Consolenmotiv wandeln- 
den kleinen Figuren,') mit ihren etwas ungefügen 
Gliedmassen, den plumpen ungeschickt auf- 
tretenden Füssen, aber auch in der Monu- 
mentalität ihrer eindrucksicheren Erscheinung. 
Letztere mag nebenbei bemerkt wohl auch 
bewirken, dass die Figuren in den kleinen 
Abbildungen weit grösser aussehen, als sie 
in Wirklichkeit sind. Was aber stellen die 
Bilder vor? Propheten? Apostel? Heilige? 
Bezieht sich das Johannes des inschriftbandes 
bei dem einen auf den Dargestellten? Oder 
bringen die Worte den Anfang eines alten 
Hymnus auf den Heiligen? Haben die Platten 
zu einer grösseren Zahl gleichartiger gehört 
und als Schmuck etwa der Chorschranken 
gedient, wie wir es von erhaltenen Bauwerken 
jener Zeit her kennen? Jedenfalls lässt die 
erwähnte Rinne und das Dübclloch darauf 
schliessen, dass auf den Platten oben noch 
ein Werkstück, eine Einfassung oder Bekrönuiig 
oder etwas ähnliches gesessen hat. 

Nr. 3. Martyrium eines Heiligen, eine 
38 cm hohe, 27 cm breite Platte (Abb. S. 68 
oben) mit fünf Figuren in starkem Relief völlig 
bedeckt. Ein Märtyrer wird von einem Henkers- 
knecht, der vom Teufel hinter ihm ange- 
stachelt wird, an den Haaren nach rückwärts 
gezerrt, wohl um enthauptet, geschunden, ans 
Kreuz geschlagen oder sonst gepeinigt zu 

■) Siehe die Statuen im luilieii Chore des Magde- 
burger Domes, an der goldenen Pforte in Freiberg i/S., 
im Dom zu Münster u. s. w. 





68 

werden. Der Kopf eines zweiten Sciiergen mit seinem Genossen ähnlichen, scharf aus- 
geprägten Gesichtszügen, wie sie die Kunst der Zeit für die Charai<teristil< des Bösen 

h'ebte, füllt den Raum zwischen dem ersten Henkersknecht 
und dem frommen Manne, der die Hände betend gefaltet 
zum Himmel aufblickt. Von dort herab ist ein Bote in 
Gestalt eines Engels geschwebt, der mit der Hand eine 
den Dulder der Gnade Gottes empfehlende Geberde 
macht. Vielleicht schloss sich, wie Adolph Goldschmidt 
vermutet, der die Abbildungen näher zu deuten gleich- 
falls nicht imstande war, ein weiteres Reliefstück rechts 
an, auf dem der Henker und Christus oder die Hand 
Gottes zu sehen waren, auf die der Blick des Märtyrers 
und die Geberde des Engels hinweisen. Zweifellos ist 
das Fragment ein Teil eines längeren Bilderfrieses gewesen, 
zu dem auch die folgende, sehr zerstörte Platte gehört und 
zwar der Reihenfolge nach wahrscheinlich vor die Platte Nr. 3. 
Nr. 4. Legendenszene?, 42 cm hoch und 27,5 cm 
breit, sehr beschädigt (Abb. S. 68 unten). Man erkennt 
zwei einander zugekehrte Gestalten, rechts vielleicht wieder jenen Märtyrer, links einen 
römischen Kriegsmann in einem mit einer Schliesse auf der Brust geschlossenen Mantel. 
Er erhebt die Rechte zu dem Kopfe des ihm gegenüberstehenden Mannes, die Linke hält 
ein Schwert in der Scheide geschultert. 

Offenbar enthielt der Fries, über dessen einstige 
Anbringung Vermutungen aufzustellen müssig wäre, 
Szenen aus der Legende eines Heiligen, und es liegt nahe, 
an den heiligen Bartliolomäus zu denken, dem die 
Trebnitzer Kirche ursprünglich geweiht war.') 

Ob auch die Platte Nr. 5 (Abb. S. 69), 28 cm hoch 
und 20 cm breit, zu jenem Bilderfriese gehört hat, ist 
zweifelhaft. Man erkeimt die Brustbilder dreier Frauen 
im Zeitkostüm, von denen die mittlere ein Buch hält, auf 
dessen Schrift sie mit der rechten Hand deutet. Vielleicht 
ist die Disputation einer Heiligen dargestellt. 

Gefunden wurden die beschriebenen Fragmente 
bei der Ausbesserung des von O. zweiten und dritten 
Strebepfeilers an der nördlichen Aussenseite der Kirche, 
die zur Sicherung der Nebenknotenpunkte des nördlichen 
Seitenschiffs in späterer, aus der bisherigen Literatur nicht festzustellender Zeit, wahrscheinlich 








») Zeitschrift f. Gesch. u. Altert. Schlesiens XXXVI S. 451. 



6Q 




im 18. Jahrhundert errichtet wurden.') Hier waren die Skulpturenreste als willkommenes 
festes Haustein-Baumaterial verwendet am Sockel mit der Bildseite nach innen eingemauert. 
Hieraus erklärt sich, dass manche Teile und auch die 
Bemalung Jahrhunderte lang erhalten geblieben, 
andere wieder schon vor der Einmauerung vom 
Unverständnis der Barockzeit für derartige Kunst- 
schöpfungen zerstört nur als traurige Reste auf uns 
gekommen sind. Sehr wahrscheinlich aber ist, dass 
in den genannten Pfeilern, wie in dem sechsten, 
gleichfalls späteren, jetzt unberührt gebliebenen, wie 
in der Umgebung z. B. im Strassenpflaster ringsum 
noch viele derartige Bruchstücke vorhanden sind. 
Zusammengestellt könnten sie ein Bild des prächtigen plastischen Schmuckes des alten 
Bauwerks geben, dessen architektonischer Bedeutung die an Ort und Stelle erhaltenen 
Reste, das nördliche und das westliche romanische Portal, nur ungenügend entsprechen, 
selbst wenn wir davon absehen, dass letzteres wegen des 1789 erbauten Westturmes in 
seiner ursprünglichen Wirkung kaum noch erkennbar ist. 

Von demselben Fundort stammen auch eine Anzahl ornamental verzierter Werkstücke, 
Kapitellreste, Simse, Kämpferplatten u. a., von denen zwei hier wiedergegeben sind. Die 
Platte (Abb. S. 65) mit stilisiertem Laubwerk gleicht im Muster ungefähr den Kapitellen des 
Nordportals,-) die andere (Abb. S. 71) mit Trauben im Blattwerk gehörte zu einer hier nicht 
abgebildeten Nischenbekrönung oder Portallaibung. 

Drei gleichfalls hier nicht abgebildete Schlusssteine, die im Schuppen des Pfarr- 
gehöftes aufbewahrt wurden, von denen zwei mit Laubwerk, der dritte mit drei Vögeln 
verziert ist, die unten mit den Schnäbeln, seillich mit den ausgebreiteten Flügeln zusammen- 
stossen, waren vielleicht die Enden von Hängezapfen der Krypta, wie eine im „Bilder- 
werk schlesischer Kunstdenkmäler" auf Taf. V, Nr. 8 aus Trebnitz abgebildet ist. 

Nr. 6. Opferung Isaaks. Wohl auch aus der Krypta — der Glöckner sagte „aus 
dem Keller" — stammt das letzte hier zu erwähnende Bruchstück, ein pfeilerartiges, zu 
Dreiviertel reliefiertes Stück Stein von härterer Struktur, als die bisher genannten, 66 cm hoch 
und 33 cm breit (Abb. S. 70). Zur Verdeutlichung der Darstellung, die auf den ersten Blick 
kaum zu enträtseln ist, soll eine nach der photographischen Aufnahme gemachte Zeich- 
nung beitragen, die die wichtigsten Teile durch Schraffierung hervorhebt. Dargestellt ist 
ein Widder mit eigentümlich geflammtem Vliesse, der, den Kopf mit zierlich gelockten 
Stirnhaaren nach dem Rücken gewandt, mit den gewundenen Hdincrn im Gestrüpp 



') Auf dem Onindriss der Kirche im [?ildervverk schlesischer Kiinstdenkmäler Tafel 4 Nr. 5 durch die 
Punktierung als spiilcre Zutat irekeiin/'cicluiet. 

-') Bilderwerk schlesischer Kunstdenkniäler Taf. V, 1 iiiul Alwin Schultz, Zeitschrift f. Gesch. und 
Altert. Schlesiens iX, Taf. VI. 



70 





liängt, das mit seinen sciilinggewäclisarti,u;en Rani<en und Dreiblättern den Pfeiler bis 
auf ein Drittel der Fläche überspinnt. Der Unterteil des Kopfes des Tieres von den 
Augen an, ebenso wie die Vorderbeine, die auf diesem Fragment noch sichtbar sein 
miissten, sind abgebrochen. Über den Widder-Hörnern sieht man ein flatterndes 
Gewand, in dem ein Stück des rechten Unterschenkels einer Gestalt erkennbar ist. Es 
ist ein Stück des Engels, der Abraham von der Opferung Isaaks abzulassen heisst. 
Dass eine Opferung Isaaks, aus Stein gehauen, einst in der Kirche bewahrt wurde, 
wissen wir aber aus einer Stelle im Notizbuche des Abtes Andreas von Leubus.') Dort 
heisst es, dass am 21. Juli 1515 während eines heftigen Gewitters der Blitz ins Trebnitzer 
Kloster schlug und mannigfache Verwüstungen anrichtete, in cIlii Dachreiter über der 
Vierung einschlug, das Triumphkreuz am Eingang des Chores zerstörte, ebenso in diesem 
selbst einen Altaraufbau und den Schrein des Hochaltars. „Quedam denique figura de 
veterj testamento in lapidc subtus chorum excisa abraham videlicet cum ysaac filio suo 
quem immolarj voluit ictu eiusdem fulminis corruit et ad internicionem collapsa cernitur." 



>) Breslauer Staatsarchiv. D. 219 fol. 148, bei A. Schultz, Zeitschrift f. Ocsch. u. Altert. Schlesiens IX 
S. 305 falsch zitiert. 



71 

(Endlich stürzte ein in Stein gehauenes Bild aus dem Alten Testament unterhalb des Chores, 
nämlich Abraham mit seinem Sohn isaak, den er opfern wollte, durch diesen Blitzstrahl 
getroffen um und man sieht es bis zur Vernichtung zerschlagen.) Ein Bruchstück jenes 
damals zerstörten Bildwerkes haben wir in der Abbildung vor uns. Möglicherweise hat 
es den Eingang zur Krypta geziert, so dass der Teil mit Abraham und Isaak einen zweiten 
Pfeiler bildete, oder es war in der Krypta selbst errichtet. 

Entstanden sind alle diese Skulpturen im ersten Drittel des 13. Jahrhunderts, wie 
man aus ihrem Stile, den unzialen Buchstaben der Inschriften auf Platte Nr. 1 und 2, von 
denen gerade das T in dieser Form wieder am Anfang des 13. Jahrhunderts auftaucht, und 
endlich aus dem Kostüm schliessen kann, das freilich nur in der Mütze des einen Henkers- 
knechtes auf Platte Nr. 3 und bei den drei Frauen der Entstehungszeit der Bildwerke 
entspricht. Diese Datierung stimmt überein mit den Nachrichten über die Fertigstellung 
des Baues der Kirche selbst, deren Krypta 1214 vollendet war, in der sich 1219 mehrere 
Bischöfe zur Einweihung des Klosters zusammenfanden und deren Vollendung noch in 
der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts als abgeschlossen zu betrachten ist. Die Erbauer 
waren die Zisterzienser von Leubus. Ob sie Künstler von Leubus einführten, lässt 
sich durch eine Stilvergleichung mit Leubuser Arbeiten nicht feststellen, da in Leubus 
aus romanischer Zeit nur eine im Bilderwerk schlesischor Kunstdenkmäler Taf. 1 
abgebildete kleine Piscina erhalten ist. Nachweislich ist zwischen 1208 und 1234 ein 
Laienbruder, Meister Jacob, am Bau der Trebnitzer Kirche als Werkmeister beschäftigt, 
steht wohl also auch im Zusammenhang mit den romanischen Skulpturen. Ob er 
aus Sachsen oder Bayern stammte, wie Schies. Vorz. I 105 vermutet wird, bleibe 
dahingestellt. 

Jetzt sind alle hier beschriebenen Skulpturen besser gesäubert, als sie es zur Zeit 
der photographischen Aufnahme waren, im nördlichen Nebenraum der Turmhalle unterhalb 
der Holzstiege eingemauert. 

Conrad Biichwald 






i^}ij^Sn 





72 

NEUERWERBUNGEN DES MUSEUMS 

I 

EIN SCHMUCKFUND AUS DEM MITTELALTER 

Arn 28. August 1002 las icli zufallio im „Breslauer Generalanzeiger" Nr. 238 eine 
Korrespondenz aus Oppein, die unter dem Sciilagworte „Verschiedenes" berichtete, dass 
Arbeiter beim Abbruciie eines aus dem 17. Jaiirhundert stammenden Hauses mehrere 
Gefässe gefunden iiätten, „von denen eines mit goldenen Ringen, Ketten und anderen 
Gegenständen, auch Edelsteinen gefüllt war, die einen hohen Wert repräsentieren". Da 
ich am nächsten Tage nicht abkömmlich war, beauftragte ich Herrn Dr. E. Hintze mit der 
Prüfung dieser Nachricht. Sein Bericht veranlasste das Museum, sich die Erwerbung des 
Fundes angelegen sein zu lassen. Die Verhandlungen mit dem Besitzer, dem Schuh- 
machermeister R. Basczyk, waren nicht leicht, da er märchenhafte Vorstellungen von dem 
Werte seines Schatzes, besonders der Steine hatte. Der ganze Fall, dessen Einzelheiten ich 
hier nicht ausführen will, liefert ein typisches Beispiel dafür, wie notwendig eine gesetzliche 
Organisation zur Bergung von Altertumsfunden für die wissenschaftliche Forschung 
geworden ist. Denn bis jetzt bleibt es bei uns dem Zufall überlassen, ob eine wirklich 
berufene, wissenschaftliche Stelle von einem Funde, der von höchster Bedeutung sein 
kann, Kenntnis erhält oder ob er in dem trüben Strome des Antiquitätenhandels ver- 
schwindet. Es besteht für den Finder keine Anzeigepflicht an die Behörde, für diese keine 
Anzeigepfliclit an bestimmte grössere Museen und für die Museen keine Möglichkeit, sich 
bei einem eigensimiigen und niisstrauischen Besitzer auch nur die flüchtige Besichtigung 
oder das genaue Studium geschweige denn die käufliche Erwerbung eines Fundes zu 
erzwingen. 

Den Hergang der Auffindung erzählt der frühere Besitzer folgendermassen. Als der 
Abbruch des Hauses - es ist Nr. 14 der Karlsstrasse - bis zum Keller gediehen war 
und eine Magd Schutt auf einen Wagen lud, rollten ihr plötzlich zwei Töpfchen (siehe 
Abbildung am Schlüsse dieses Aufsatzes) und Schmucksachen entgegen. Herr Basczyk, 
der sofort herbeigerufen wurde, Hess wie er angibt, alles sorgfältig zusammensuchen, 
auch die Bruchstücke. Bei der Auffindung und später, als die einzelnen Stücke von vielen 
Unberufenen in die Hände genommen wurden, ist jedenfalls manches beschädigt worden. So 
erinnert sich Dr. Hintze genau, den Ring Nr. 6 vollständig gesehen zu haben. Beim An- 
kauf bekamen wir viele Fragmente, die bequem an die zugehörigen Stücke angepasst 
werden konnten. Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass einzelne Stücke schon im 
beschädigten Zustande in die Töpfchen eingepackt wurden. So ist von der Fassung 
des Steines Nr. 10 nichts erhalten. 

Der Fund setzt sich zusammen aus Schmuck für Körper und Gewand, zu dem 
auch die Fassung eines Messers zugerechnet sein mag. Das Material ist vergoldetes 



TAFEL I 




Schmuckfund von Oppeln 



73 



Silber, wo in der folgenden Beschreibung nichts anderes erwähnt wird. Die Abbildungen 
bringen sämtliche Gegenstände in natürlicher Grösse. 

I. Ringe. Acht sind erhalten, ursprünglich waren ihrer aber wohl zehn, denn das 
Plättchen Nr. Q und der Stein Nr. 10 rühren wahrscheinlich von Ringen her. Die Ringe 
sind sämtlich untereinander verschieden, und passen mit Ausnahme von Nr. 4 eher auf 
Männer- als auf Frauenfinger. Sieben sind oder waren mit wertlosen Steinen, Perlen oder 
Korallen geschmückt. Auch die Fassung ist kunstlos, primitiv. Die Zusammensetzung 
der einzelnen Teile wird durch die Techniken des Lötens und Nietens bestritten. Die 
Reifen sind gehämmert und abgefeilt. Die Bestimmung der Steine verdanke ich Herrn 
Professor Dr. C. Hintze, Direktor des mineralogischen Instituts an der Universität Breslau. 

Nr. 1 (Fig. 1). Dreikantiger, nicht geschlossener Reif, 
darauf als Platte ein Florentiner Goldgulden aufgelötet. Auf 
der Oberseite die Lilie von Florenz und + FLOR-ENTIA, 
auf der Unterseite Johannes der Täufer, neben seinem Kopfe 
eine kleine Lilie, und S. lOHANNES. B. 




Fig. 1 



Nr. 2 (Fig. 2). Vierkantiger, nicht geschlossener Reif mit 
aufgelöteter rosettenförmiger Platte, die ehemals mit drei 
kleinen Perlchen besetzt war. Man erkennt an einer Stelle 
noch ein kleines Perlmutterrestchen. Die Perlchen waren in 
der üblichen Weise auf Draht aufgespiesst, dessen Enden 
auf der Unterseite der Platte und oben auf der Perle fest- 
gedrückt wurden. 

Nr. 3 (Fig. 3). Dünner, sich verjüngender Reif mit auf- 
gelötetem achteckigem Kasten, in dem, wahrscheinlich auf Kitt 
und Folie, ein Saphir sitzt. 

Nr. 4 (Fig. 4). Dünner Goldreif, unten mit zwei ver- 
schlungenen Händen, oben mit Gabelung, auf der zwei Plätt- 
chcn mit gekerbtem Rande aufgelötet sind. Jedes trägt einen 
aufgenieteten Kasten, in deren einem ein Rubin sitzt, der 
andere enthält nur mehr die weisse Kittmassc, die zur Auf- 
hellung und zum Festhalten des Steines diente. 



Nr. 5 (Fig. 5). Leicht gewölbter Reif mit vertieften 
Rosetten und einem aufgelöteten Krabbenkreuz, das einen 
verloren gegangenen Stein mit otier ohne Kasten hielt. 




Fig 2 




Fig. 3 





Fig. 4 




FiB. 5 



74 




Fit;, fi 






Nr. 6 (Fig. 6). Dieser merkwürdige Ring i<am in zer- 
brochenem Zustande ins Museum und wurde nach Angabe von 
Dr. Hintze, der ihn noch vollständig gesellen iiatte, zusammen- 
gesetzt. Der fragmentierte vieri<antige Reif mit gravierter Kreuz- 
stricheiung gabelt sich, die Enden der Gabelung sind an den 
Kasten angelötet, der zwei übereinanderliegende, grosse viereckige 
Bergkristalle ä jour artig fasst und aus angedrückten, um den 
unteren Rand umgebogenen Wänden besteht. Der obere Stein 
ist tafelförmig mit abgerundeten Kanten, der andere flach pyramidal 
geschliffen; durch das Übereinanderlegen in Verbindung mit dem 
verschiedenen Schliff der beiden wasserhellen, farblosen Steine hat 
man jedenfalls den Effekt der Lichtbrechung bei einem Diamanten 
zu erzielen gesucht. 



Nr. 7 (Fig. 7). Der dicke, vierkantige Reif, den abwechselnd 
kleine Rosetten wie bei Nr. 5 und rhomboidische Sternchen um- 
geben, trägt einen hohen Kasten mit vier aufgelöteten Greifern, in 
dem ein scliwarzblauer verwitterter Glasfluss in Cabochonform 
sitzt. An der Kastenunterseite sind die Speichen eines ausge- 
schnittenen Rades angelötet, das an der Peripherie mit aufgespiess- 
ten Korallen besetzt ist. Das Rad ist an einer Stelle zerrissen. 



Nr. 8 (Fig 8). Der glatte Reif endigt in Tierköpfe, deren 
tektonische Bestimmung gewissermassen die ist, den Kasten mit 
den Rachen festzuhalten. Der Kasten hat die Form eines Vierpasses 
und besteht aus drei Teilen, der Seitenwand, dem Boden mit einem 
vierpassigen Ausschnitte in der Mitte und dem Deckel, auf dem 
ein weiblicher mit einem Schleiertuche bedeckter Kopf in einem 
Relief ausgegraben ist, das sich in der Höhe des umgebenden 
Randes hält. In der Vertiefung zwischen Kojif und Rand sitzen 
reichliche Reste von opakem blauem, auf den Lichtern (Haar und 
Schleier) Spuren von durchsichtigem bernsteingelbem Email (Relief- 
i schmelz, Email ä basse taille). Das Gesicht war vielleicht nicht 
mit Email überzogen, wie öfters bei dieser Gattung. Um das 
Einsinken des Deckels zu verhindern, ist im Innern des Kastens 
eine hohe Aufruhe angebracht, der übrige Raum ist leer (zur Auf- 
nahme von Reliquien?). 



75 



Nr. Q (Fig. Q). I'latte eines Ringes? an beiden Seiten ausgebrochen; 
das gravierte Mitteistück aus Silber ist von einem vergoldeten Rahmen um- 
geben. Die Zugehörigi<eit zu einem Ringe ist nicht ganz sicher, da auf der 
Unterseite sich i<eine Spuren des Reifens finden, er müsste ganz am Rande 
seinen Ansatz gehabt haben wie bei Nr. 8. 

Nr. 10 (Fig. 10). Flach gerundeter grüner Chrysolith (Olivin). 




Fig. 9 



Fig. 10 



II. Bleche zum Aufnähen auf eine Stoffunterlage. Sie sind sämtlich aus der Form 
gepresst, auch die Stücke, die nur einmal vorkommen. 

Nr. 1 1 (Fig. 1 1 auf Taf. I). Mantelschliesse in Vierpassform, als Schliesse bestimmt 
durch eine auf der Rückseite mit langen breiten Enden aufgelötete Öse. Der Rand hat 
vier Löcher zum Aufnähen, ausserdem war er im Scheitel jedes Passes mit einem auf- 
gespiessten Korallenperichen besetzt; das oberste ist noch erhalten. Den Vierpass füllt in 
guter Raumausnützung das Relief einer Mischgestalt. Sie zeigt den bekleideten Ober- 
körper eines Mannes, der in der Linken einen kleinen runden Schild, in der Rechten ein 
Schwert hält, geflügelten Vogelleib, Klauenfüsse und geringelten Löwenschweif. Der 
linke Pass bis zum Schwertknauf ist in alter Zeit nach einer Beschädigung durch einen 
rückwärts aufgelöteten Silberfleck wieder befestigt worden. 

Nr. 12 (Fig. 12 auf Taf. I). Dreieckiges Blech mit dem schlesischen Adler. 

Nr. 13 (Fig. 13 auf Taf. I). Sechs runde Bleche, teilweise fragmentiert und grün 
oxydiert, zwei mit den Rückseiten zusammengebacken. Im Sechspass, der von einem 
geperlten Rande umgeben ist, eine Mischgestalt mit menschlichem (bemützten?) Kopfe auf 
langem Halse und Vogelleib. 

Nr. 14 (Fig. 14 auf Taf. I). Zehnpassige Rosette mit gegen die Mitte gerichteten 
stilisierten Lilien. 

Nr. 15 (Fig. 15 auf Taf. I). Sechsblättrige nach innen gewölbte Rosette. 

Nr. l()(Fig. 16 auf Tat". 1), Sechs Rosetten, nur zwei ganz vollständig erhalten mit 
der zugehörigen Unterlage. Sie bestehen nämlich aus einem oberen durchbrochenen 
Blech und einem unteren, in dem die Befestigungslöcher eingeschlagen sind. Beide Teile 
sind mit einander vernietet und verkittet. 

Nr. 17 (Fig. 17 auf Taf. I). Fünf sternförmige Rosetten, bestehend aus einer unteren 
Scheibe mit den Befestigungslöchern, einem verschränkt darauf liegenden durchbrochenen 
Rahmen und einer kleinen Rosette in der Mitte. 



III. Knöpfe. 

Nr. IS (Fig. IS). Zwei Stücke in Form einer Oranatapfelblüte, die Kugel 
aus zwei Hälften zusammengelötet. 




Fit:- IS 



10" 



76 



Nr. IQ (Fi<4. 19). Sechs Stück in Form einer längliclien durch- 
^o»?Ju hTtm]^'] hoiirten Hülse, die aus zwei vor der Zusainnieiilötuiis^ geriefelten 

M|||§pii4** Hälften besteht. 

Fi«. 19 



Nr. 20 (Fig. 20). Acht Stück, durchliohrt, ans zwei Hälften 
zusammengelötet. 




Fi«. 20 




Fif. ?l 




Fig22 



IV. Bestandteile eines Messers. 

Nr. 21 (Fig. 21). Die obere Zwinge eines Messergriffes mit einem 
dreieckigen Schlitz für das Messer und Nr. 22 (Fig. 22) die untere 
Zwinge. Beide sehr stark oxydiert, Nr. 22 auch fragmentiert, so dass die 
Gravierungen sehr undeutlich geworden sind und für die Richtigkeit 
der nebenstehenden Zeichnungen keine volle Gewähr geleistet werden 
kann. Bei Nr.21 erkennt man einen Vogel mit langem, abwärts geneigtem 
Hals, bei Nr. 22 scheinen sich rechts zwei vogelartige Gestalten mit 
geöffneten Flügeln einander gegenüber zu stehen, während links ein 
Vogel mit geschlossenen Flügeln steht. In der unteren Zwinge ist 
übrigens die Gravierung nach abwärts orientiert. 



Ich halte es für möglich, dass die Entstehungszeit der einzelnen Bestandteile des 
Oppelner Fundes nicht weiter als zwanzig bis fünfundzwanzig Jahre auseinanderliegt. Das 
einzige Bedenken, das dieser Annahme entgegensteht, werde ich später anführen. Sicher 
aber ist, dass die überwiegende Mehrzahl der Schmuckstücke der Zeit um 1300 angehört. 
Das ist dieselbe Zeit, wo die Grabplastik das beste von allem schuf, was sie im Mittel- 
alter in Schlesien gearbeitet hat, und die Prachtgestalten von Fürsten verewigte, deren 
Namen jetzt noch im Volke fortleben. Wir werden uns öfters auf diese Denkmäler 
beziehen müssen. Darin besteht eben der Wert und der Reiz des Oppelner Fundes, dass 
er durch Originale das Bild der äusseren Erscheinung jener Fürsten und ihrer Zeit- 
genossen vervollständigt. So bescheiden diese Originale auch sein mögen, sind sie weit 
und breit im Gebiete des Schmuckes die einzigen, die Schlesien aus jener Zeit aufweisen 
kann, und haben auch anderswo nur vereinzelte Genossen. 

Einen Terminus post quem für ein Stück gibt der Florentiner Goldgulden, der 
dem Ring Nr. 1 als Platte dient. Die Bedeutung der Florenen für die Münzgeschichte 
ist bekannt, bekannt auch, dass sie in vielen Ländern Europas nachgeahmt worden sind. 
Vgl. darüber Daimenberg, „die Goldgulden von Florentiner Gepräge" in der Num. Zeit- 
schrift XII S. 14öff., der auf S. 181 f. die schlesischen Nachahmungen anführt. Die wirk- 
lichen Florentiner sind mit im wesentlichen gleich gebliebenen Gepräge seit 1252 lange 
Zeit geschlagen worden. Später setzte man neben den Kopi des hl. Johannes kleinere 



77 

Abzeichen zur KennzeicIininiL,^ der Eiitstehiingsperiüden, um die betreffenden Münzbeamfen 
zur Rechenschaft ziehen zu können, falls sich einzelne Stücke als gering an Gehalt oder 
Gewicht erweisen sollten. Auf unserem Exemplare ist das Münzzeichen eine Lilie. 
P. Joseph, der in seiner Arbeit über den Bretzenheimer Münzfund (Zeitschrift d. Vereines 
z Erforschung d Rheinischen Geschichte u. Altertümer in Mainz III. Bd. auf S. lQ7ff.)die 
Florentiner Münzabzeichen nach den Angaben in dem alten grundlegenden Werke von 
Orsini chronologisch ordnet, führt unter Nr. 77 zum ersten Halbjahre von 1310 und unter 
Nr. 200 zum gleichen Halbjahre 138Q die Lilie an. Nach gütiger Mitteilung von Herrn 
Geheimrat Friedensburg in Steglitz sind aber die Lilien der beiden so weit auseinander 
liegenden Jahre in dem Werke von Orsini einander gleich, so dass gerade in diesem Falle 
das zur Zeitbestimmung gewählte Mittel versagt. „Oleichwohl," schreibt Friedensburg, „ist 
kein Zweifel, dass unser Stück ins Jahr 1310 gehört. Das beweist der Stil und die 
breiten Formen der Buchstaben; 1389 war beides anders. Die Beamten des Münzkabinetts 
teilten meine Ansicht." Ich möchte nur noch hinzufügen, dass die Abbildung des Florens 
vom Jahre 1389 in den Monnaies en or Suppl. zu einer stilistischen Vergleichung nicht 
ausreicht. Man muss also dem Kenner der Originale das entscheidende Wort lassen. 

Älter als der Florenen-Ring, der erst nach 1310 entstanden sein kann, sind zunächst 
die Bleche Nr. 11—14. Hier leistet vor allem das Schildchen Nr. 12 mit dem schlesischen 
Adler Wegweiserdienste. Lässt schon die strenge Dreiecksform des Schildes an und 
für sich nicht über die erste Hälfte des M.Jahrhunderts heruntergehen, wo allmählich die 
beiden Langseiten eine parallele Führung annehmen, so leitet sie in Verbindung mit der 
heraldischen Bildung des Adlers in die 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts. So wie er hier 
erscheint, ist uns der schlesische Adler eigentlich nur in dieser Zeit bekannt. Der grosse 
Kopf ist in die Höhe gerichtet, der Schnabel geschlossen, die Flügelknochen sind an den 
Ecken schneckenförmig eingerollt, die Schwingen gleich den Fängen nach abwärts 
gerichtet, der Schwanz, aus einem Bündel straffer Federn gebildet, entspringt wie immer 
bei dem schlesischen Adler dieser Epoche (und noch später) aus einem Knopfe (siehe 
Ströhl, Heraldischer Atlas, Text zu Taf. IX). Vergleicht man die Adler auf grösseren 
datierten schlesischen Siegeln und Grabdenkmälern von der Mitte des 13. Jahrhunderts 
an mit dem Adler auf der Oppelner Schliesse, so möchte man diesen typologisch für den 
ältesten erklären. Er ist noch gedrungener, stilisierter als der im übrigen sehr ähnliche 
und ebenso in einen Dreiecksschild komponierte Adler auf einem Siegel des Herzogs 
Heinrichs V. von Breslau aus dem Jahre 1268 (abgeb. bei Pfotenhauer, die Schlesischen 
Siegel von 1250—1300 Taf. II 10). Die Adlerbildungen am Ende des 13. und Anfange 
des 14. Jahrhunderts wie z. B. auf Siegeln des Herzogs Konrad II. von Sagan vom Jahre 
1299 und 1303 (das erstere bei Pfotenhauer a. a. O. Taf. IV. 24, das letztere in der Siegel- 
sammlung des Museunis) und auf dem (jrabsteine Heinrichs iV. von Breslau und Bolkos 1. 
von Schweidnitz sind schon viel entwickelter in der Wiedergabe der kleinen Federn, die auf 
dem Oppelner Bleche ganz ornamental als kleine Kreise behandelt werden. Die heraldische 
Grundform des Adlers mit dem emporgoriclitoten Kopfe, den mächtigen Flügclknochen und 



78 

dem Knopfe über dem Schwänze bleibt nocli über die erste Hälfte des 14. Jabrhunderts 
bestellen, bald aber verrät die Scliildform die spätere Zeit wie z. B. auf dem Grabsteine 
Heinrichs VI. (f 1335) bei Luchs, Schlesische Fürstenbilder Taf. 11 oder das Adlergefieder 
wird haarartig fliessend wie auf dem Grabdenkmale des Herzogs Bolesiaus von Liegnitz 
t 1352 bei Luchs a. a. O. Taf. lö'). 

Liegt auch die Entwicklungsgeschichte des schlesischen Adlers jener Epoche klar 
zutage, so erheischt doch die Vorsicht, nicht jede einzelne Erscheinung nach ihrem 
formengeschichtlichen Aussehen ohne weiteres auf das Jahr zu datieren. Man wird einen 
gewissen Spielraum offen halten müssen. Neben der jüngeren Bildung hat sich hier und 
dort die ältere gewiss noch längere Zeit behauptet. Das Oppelner Adlerschildclien kann 
daher sehr wohl erst am Ende des 13. Jahrhunderts verfertigt worden sein, aber über diese 
Grenze mehr als ein Jahrzehnt hinauszugehen, halte ich schlechterdings für unmöglich. 

in die Zeit um 1300 weist auch eine Reihe von Details auf der Schliesse Nr. 11. Das 
hemdartige, faltig über einen Gürtel herabfallende Gewand mit dem tiefen Ausschnitte, den 
bauschigen Ober- und engen Unterärmeln, mit dem der Oberkörper der Mischgestalt 
bekleidet ist, repräsentiert jene Entwicklungsstufe der antiken Tunika, in der um die Wende 
des Jahrhunderts das Kleid der Frau und das Friedensgewand des Mannes uns allenthalben 
entgegentritt, so in der Biblia I^auperum von St. Florian, in der Welislawschen Bilderbibel, in 
der Manesseschen Liederhandschrift, den Statuen Konrads 111. und des thüringischen Fürsten- 
paares im Dome zu Naumburg bei Bode, Geschichte der deutschen Plastik, S. 55 und 65 und 
um ein Beispiel aus Schlesien anzuführen, den Trauergestalten am Grabmale Heinrichs IV. 
von Breslau. Der Halsausschnitt ist mit einem breiten Besätze garniert, der sich z. B. in den 
Darstellungen der Manesseschen Handschrift sehr oft findet. Die Handschuhe, deren 
Innenseite auf den Stulpen ein rundes Medaillon schmückt, das bei der rechten Hand 
durch ein Versehen des Goldschmiedes neben die Hand gesetzt worden ist, gleichen mit 
den lang herunterhängenden Stulpen denen, die König Konradin auf der Falkenbeize in 

') NiclU berufen kann man sicli für eine spätere Datierunij des Acllerbleches anf die (jrabplatte 
des Herzogs Boleslaiis Altus t '201 (Lntscli, Scliles. Kunstdenkmäler Taf. 221, 4 nnd 1 iiclis, Sciiles. 
Fiirslenbilder Taf. 6) und i^rzenuslaus von Steinau t 1289 (Lutsch, Taf. 221, 5 und Luchs, Taf. 14). Lutscii 
schreibt sie a. a. O. Sp. 327 der Mitte des 14. Jahrhunderts zu. Alle Kriterien der Tracht und Bewaffnung 
weisen aber mit Bestimmtheit auf die Zeit um 1300 hin, in die auch Luchs die beiden Denkmäler versetzt. 
Die zeith'che Verwandtschaft mit dem Denkmale Heinrichs IV. (Lutsch, Taf. 222, Luchs Taf. 10a) und 
Bolkos I. von Scliweidnitz (Lutsch, Taf. 226, 3 und Luchs Taf. 28), für die auch Lutsch den Anfang des 
14. Jahrhunderts annimmt, liegt doch zu nahe. 

Von den schlesischen Städtesieijeln mit Adlern von ähnlicher Strenge wie auf dem Oppelner Bleche 
gehören die meisten nachweislich oder höchst wahrscheinlich noch tiem 13. Jahrhundert oder dem Anfange 
des 14, Jahrhunderts an, siehe von Saurnia, Wappenbuch der scliles. Städte Taf. I 6 Breslau vom Jahre 
1262, VII 79 Münsterberg aus der Zeit von 1282 — 1292, VIII 96 Öls vorhanden in Abdruck von 1310, 
VIII 100 Oppeln dgl. von 1298, IX 118 Sprottau dgl. von 1310. Wenn Taf. V 60 Krossen lu>i der Heraus- 
gabe des Saurmaschen Werkes zum ersten Male nicht früher als in einem Abdrucke von 1380 nachweisbar 
war, Taf. II 20 Creuzburg gar erst in einem Abdrucke von 1449, so beweist das natürlich nichts gegen die 
Datierung der Stempel, die dem 13. Jahrhundert angehören müssen. 



79 

der Manesseschen Handschrift oder die Gräfin Hedwig von Ravensberg (1270 — 1315) 
auf iiirem oft, z. B. bei Schultz, Leben der Minnesänger |- S. 4Q4 abgebildeten Siegel trägt. 
Das Haar ist auf der Stirn glatt abgeschnitten und umrahmt das Gesicht in dichten, aber 
kurzen Locken, eine Nuance der allgemein üblichen Männertracht, wofür es genügt, nur 
ein Beispiel aus Schlesien anzuführen, die Grabfigur Bolkos I. von Schweidnitz f 1301 
aus dem Anfange des 14. Jahrhunderts. Weniger reichen für eine engere Datierung 
die Waffen aus; das lange Schwert mit der aufgebogenen Parierstange, dem länglich 
runden Knauf und der breiten Blutrinne, die fast nie auf den schlesischen Fürsten- 
siegeln des 13. und 14. Jahrhunderts fehlt, lässt einen Spielraum von zwei Jahrhunderten 
offen und der kleine von innen gesehene Rundschild, an dem übrigens die Anbringung 
der Handhabe nicht ohne Interesse sein dürfte, findet sich vereinzelt im ganzen Mittelalter. 

Mit den Blechen Nr. 11 und 12 gehören eng zusammen 13—17 wie ausser der 
Gleichheit der Arbeit und Technik schon die Perlenränder bei Nr. 13 und 14 und 16 17 
beweisen. Es ist auch nicht überflüssig an die Profilierung der Pässe von Nr. 13 und 
die Bildung der Rosetten Nr. 16 zu erinnern, die fast noch die Formenempfindung des 
romanischen Stiles bekunden, aus dessen Motivenschatz auch die Vogelmotive auf den 
Messerzwingen Nr. 21 und 22 herübergenommen sind. Die Randgarnierung mit auf- 
gespiessten Korallenperien verbindet mit der Mantelschliesse Nr. 1 1 den Ring Nr. 7. Denn 
man wird doch nicht damit rechnen können, dass zwei in dieser Weise verzierte Stücke 
sich zufällig aus verschiedenen Zeiten zusammengefunden haben, wenn der an Stückzahl 
so viel reichere Silberfund von Pritzwalk in der Mark Brandenburg, den das Berliner 
Kunstgewerbemuseum aufbewahrt, nur zwei Spangen mit Randbesatz von Korallen zählt. 
An diesen derben und abenteuerlich aussehenden Ring schliesst sich der zierliche Ring 
Nr. 2 an, bei dem kleine Perlmutterperichen auf die Platte aufgespiesst sind und der 
breite Reif gleichfalls vierkantig abgefeilt ist, sowie der Ring Nr. 5, auf dessen Reif dieselben 
vierblättrigen Rosetten ausgegraben sind wie bei Nr. 7. 

Die Knöpfe Nr. 18—20 und die Ringe Nr. 3, 4 und 6 bieten keine Handhaben zu 
einer genaueren Datierung, aber auch keine Veranlassung zur Trennung von den bis jetzt 
besprochenen Bestandteilen des Oppelner Fundes. Das Motiv der ineinander gelegten 
Hände bei Nr. 4 durchzieht die ganze Geschichte des Ringes von der römischen Zeit an 
bis in die Renaissance und das technische Verfahren, die Steine in Kitt einzubetten und 
durch eine Folie aufzuhellen, wie bei Nr. 3 und 4, wird schon in der spätantiken Gold- 
schmiedekunst geübt. Einen sehr altertümlichen, primitiven Eindruck macht auch der 
Ring Nr. 6, für den man Analogien erst wird suchen müssen. Es ist durchaus nicht 
gleichgültig, ob all die Oppelner Ringe gleichzeitig sind oder nicht. Es würde den Wert 
des Fundes bedeutend erhöhen, wenn die Annaiime sich bestätigen Hesse, dass diese 
Ringe einer inui derselben Person gehört haben, zu der mau vornherein deshalb kommt, 
weil keiner dem anderen gleicht. Das gäbe ein sehr lehrreiches Bild von der bunten 
Mannigfaltigkeit eines Scimiuckes, von dem die mittelalterliche Dichtung so oft spricht, 
die gleichzeitigen Kunstwerke aller Art aber so selten eine Voi Stellung geben und von 



80 

dem sicli überall mir vereinzelte Proben erhalten haben. Der Annahme, dass die einzelnen 
Bestandteile des Oppelner Fundes ziemlich gleichzeitig sind und dass seine Zusammen- 
stellung wenige Jahre nach 1310, dem Terminus post quem für den Florenen-Ring Nr. 1, 
ihren Abschluss gefunden hat, setzt freilich der Ring Nr. 8 Schwierigkeiten entgegen. 
Die Erfindung des durchsichtigen Emails auf Reliefgrund aus Silber wird gewöhnlich 
dem italienischen Kunsthandwerk vom Ende des 13. Jahrhunderts zugeschrieben. Neuer- 
dings hat Otto von Falke in den „Deutschen Schmelzarbeiten des Mittelalters" S. 119, 
diesen Anspruch bestritten und die Vermutung ausgesprochen, dass der Übergang vom 
Orubenemail auf Kupfer zum Tiefschnittemail auf Silber auch in Frankreich, unabhängig 
von Italien, erfolgt sein könne. Mag nun der Ring aus Italien oder Frankreich oder dem 
westlichen Deutschland nach Schlesien gekommen sein, so bleibt es jedenfalls zweifelhaft, 
ob man ihn zu den Frühwerken dieser Technik rechnen darf. Für die hohe passige 
Kastenform, in der solche emaillierte Plättchen am Ende des 14. Jahrhunderts und im 
15. Jahrhundert besonders auf dem Fusse von Kelchen vorkommen, vermag ich aus dem 
Anfang des 14. Jahrhunderts kein Beispiel anzuführen und ich weiss auch nicht, ob das 
flatternde Tuch des weiblichen Kopfes mit dem Stile seiner Zeit vereinbar ist. 

Eine Untersuchung über die Entstehungszeit des Oppelner Fundes wäre unvoll- 
ständig, wenn sie sich nicht auch mit der Gebrauchsbestimmung der einzelnen Stücke 
beschäftigen würde. Dabei betritt man allerdings einen sehr unsicheren Boden, aber 
immerhin wird man auch hier die bisherigen Ergebnisse in der Hauptsache bestätigt 
sehen. Zunächst gilt es bei der Frage nach der Bestimmung der Schmuckstücke, die 
sich wie die Ringe nicht von selbst erklären, die gesellschaftliche Sphäre zu fixieren, aus 
der sie herrühren können. 

Dazu bietet wieder das Adlerblech eine Handhabe. Wenn in Oppeln ein Schmuck- 
stück mit dem schlesischen Adler gefunden wird, so muss es aus dem Kreise der 
Wappenherren stammen, der Herzöge von Oppeln, womit freilich noch nicht gesagt ist, 
dass es von einem Herzoge selbst oder einem seiner Familienmitglieder getragen worden 
ist. Das ist zwar wappenrechtlich das nächstliegende, aber es sind auch nicht ohne 
weiteres Personen ausgeschlossen, die im Abhängigkeitsverhältnisse zu den Herzögen 
standen. Schon in den ältesten Zeiten des Wappenwesens trugen die ritterlichen Dienst- 
mannen das Wappen ihres Herren, wofür Hauptmann, Das Wappenrecht, Bonn 18Q6 
S. 237 ff. verschiedene Beispiele aus der mittelalterlichen Dichtung anführt. Vgl. auch 
Schultz, Leben der Minnesinger 11- S. 221, Anmerk. 5. Von diesem zunächst nur in der 
Bewaffnung üblichen Brauche führte nur ein Schritt zur Kennzeichnung von Dienern 
durch die Wappenfarben umi Wappen ihrer Herren auch auf dem Friedenskleide, die 
dann später auf Livreen, Uniformen und Amtskleidern allgemein wurde. Bei der zur 
Entstelumgszeit des Oppelner Fundes schon so fortgeschrittenen sonstigen Ausbildung 
des Wappenrechtes ist es vielleiciit nur ein Zufall, wenn für eine solche Kennzeichnung 
die gleichzeitigen Bildwerke, wie z. B. diejenigen Darstellungen in iler Manesseschen 
Liederhandschrift, wo Dienergefolge vorkommt, keine Beispiele bieten. Unsicher ist die 



81 

Berufung auf die Tumba Heinrichs IV. von Breslau. Die schiesischen Adler, mit welchen 
in der Abbildung bei Lutsch, Schles. Kunstdenkmäler, Taf. 54, 10 die Mantelzierate 
(Tassein) des eine Fürstin stützenden Dienerpaares ausgezeichnet sind, verdanken ihr 
Dasein der wenig glücklichen Restaurierung des Denkmals in den 60er Jahren, die ja 
allerdings vorhandene Spuren berücksichtigt haben kann. Wenn man nun auch von den 
Lebensansprüchen, dem Luxus und Reichtum kleiner Teilfürsten an der äussersten Grenze 
der deutschen Kultur sehr bescheidene Vorstellungen hat, wird man doch eher geneigt 
sein, so armselige und wohlfeile Schmuckstücke wie das Adlerschildchen und die ver- 
wandten Bleche eher dem Hofstaate als der herzoglichen Familie von Oppeln zuzuschreiben, 
wobei die Herstellungsart durch Pressung auf einen gewissen Massenbedarf hindeuten 
würde. Aber eine sichere Entscheidung darüber wird nur dann zu erreichen «ein, wenn 
eine Vermutung über die Verwendung der Bleche Nr. 13, die ich später vorbringen werde 
sich entweder bestätigt oder durch eine andere besser begründete ersetzen lässt. 

Für die Verwendung des Adlerbleches kann man mit zwei Möglichkeiten rechnen. 
Eine dritte wollen wir gleich von vornherein ausschliessen, nämlich die, dass es zum 
Schmuck der ritterlichen Pferdedecke, der covertiure, gedient habe, wie die Schilde mit 
dem schiesischen Adler auf mehreren Siegeln schlesischer Fürsten aus der ersten Hälfte 
des H.Jahrhunderts.') Wenn auch diese Schilde sich im Relief von der Decke abheben, 
also sichtlich nicht als flache Stickerei gedacht sind, wie die schiesischen Adler auf der 
covertiure des Rosses, das Herzog Heinrich IV. als Sieger im Turnier in der Manesse- 
schen Liederhandschrift reitet, so müssen wir sie uns unbedingt viel grösser vorstellen 
als das Oppelner Schildchen. Erst in einer Grösse, die mindestens der des halben Hand- 
schildes entspricht, erfüllen die Wappenschilde auf den Pferdedecken den Zweck, das 
Ross des kämpfenden Ritters kenntlich zu machen. Metall war dafür auch kaum das 
geeignete Material. Und schliesslich, wenn selbst alle Zufälligkeiten bei der Vergrabung 
von Wertsachen in alter Zeit zugegeben werden, müsste man sich doch noch wundern, 
dass das Adlerblech in dem ganzen Funde nur einmal vorkommt, während die Pferde- 
decken eine grosse Anzahl von Schilden trugen. Sicher dagegen ist die Verwendung des 
Adlerschildchens als Fürspan oder als Tasseinhälfte. Fürspan heisst das Schmuckstück, 
das beim männlichen wie beim weiblichen Kostüme jener Zeit auf dem Obergewande 
mitten auf der Brust angebracht war, Tassein die am Rande des über die Schultern ge- 
hängten, vorn offenen Mantels befestigten Zierate, die durch ein Band oder eine Schnur 
mit einander verbunden waren. Fürspan und Tassein haben öfters Schildchenform und 
sind mit dem Wappen des Trägers geschmückt. Für den Fürspan sei als Beispiel der 
Grabstein des Grafen Dieters IV. von Katzcnelinbogen, f 1315, bei Hefener- Alteneck, 
Trachten etc., Taf. 157 angeführt. (Bei der Grabfigur der einen Frau des Grafen von Gleichen, 
t 1264, ebenda Taf. 129 und dem Standbilde einer fürstlichen Witwe im Dom zu Naum- 

') Abfjeh. bei Raiil, Über die Bildnissiegel der schles. Fürsten im 13. und 14. Jahrhundert (Zeitschrift 
f. Gesch. u. Altert. Schlesiens XXVI) Taf. VI! u. VIII. 

II 



82 

bürg bei Bode, Geschiclite d. deutschen Plastik, Abb. zu S. 58 ist oder war das Schildciien 
wohl auch nicht wappenios.) Schildförmijie Tassein tragen mehrere Leidtragende auf der 
Schwertseite der Tuniba Heinrichs IV. von Breslau, fürstliche Personen wie Diener. (Siehe 
oben S. 81.) Grosse Tassein mit dem schiesischen Wappentiere zeigt das Kostüm 
Heinrichs 1., des Gemahles der hl. Hedwig, in der Handschrift des Nikolaus von Lüben 
vom Jahre 1353 bei Luchs, Fürstenbilder Taf. 7 links. 

Als Tasselhälften dienten wohl auch die Rosette Nr. 15, die ganz ähnlich auf dem 
Grabmale Bolkos 1. von Schweidnitz und etwas reicher ausgebildet auf dem Heinrichs iV. 
von Breslau vorkonmit, und die Rosette Nr. 14. Die Schliesse Nr. 11 war jedenfalls auch 
auf einem Mantel aufgenäht, aber auf einem der vorn nicht auseinanderstehenden Form. 
Die kleinen Rosetten Nr. 16 und 17 bildeten den Besatz von Gürteln, die in jener Zeit 
noch ziemlich schmal waren. Beispiele dafür bieten die Tafeln 1, 27, 30, 61 etc. bei 
Kraus, Die Miniaturen der Manesse'schen Liederhandschrift. An und für sich könnte man 
sie sich ja auch als Schmuck von Wehrgehängen denken, für die solche zentrale Muster 
die beliebtesten Motive abgeben - ich verweise wiederum auf die beiden vorhin erwähnten 
Grabdenkmäler aber damit würde man ohne Not die Einheitlichkeit des Oppelner Fundes 
zerreissen, der sonst nur Schmuckstücke für die Friedenstracht enthält. 

Die sechsmal vertretenen Medaillons Nr. 13 weiss ich im Kostüme der Zeit nicht 
mit Sicherheit unterzubringen. Für Gürtel und Wehrgehäng halte ich sie schon zu 
gross. Zu einer Vermutung über ihren Zweck, deren geringe Wahrscheinlichkeit ich 
mir aber durchaus nicht verhehle, führt mich der schlesische Herzogshut, mit dem das 
Haupt Heinrichs IV. auf seinem Grabdenkmale bedeckt ist. Zu beiden Seiten des 
von vorn nach hinten gehenden Bügels setzt sich hier aus Medaillons mit drachen- 
artigen Tieren und einem Mittelstück mit knieenden Engeln je eine grosse Rosette 
zusammen. (Vgl. auch die Beschreibung bei Luchs a. a. O.) Dass sie so eher 
in Stickerei hergestellt war als aus zusammengeschobenen Metallblechen, sei selbst- 
verständlich zugegeben, aber es braucht keines Aufwandes von l'hantasie, um sich eine 
Herzogskrone mit ähnlichem Schmuck aus Metallblechen vorzustellen, wobei auf die 
Ähnlichkeit der Motive - phantastische Tiergestalten im Oppelner Funde und auf dem 
Hute Heinrichs IV.- kein Gewicht gelegt werden soll. Da der Oppelner Fund, wie wir 
früher gesehen haben, unbedingt aus dem Kreise der einheimischen Herzöge herrührt, 
läge somit die Möglichkeit vor, dass uns in den Blechen Nr. 13 Reste eines Herzogshutes 
aus der Zeit Boleslaus !., der 1283 1313 regierte, erhalten sind, und der ganze Schmuck 
müsste dann ihm oder seiner Gemahlin gehört haben, nicht einer Person seines Hof- 
staates. Schade, dass die Frage nach dem ursprünglichen Besitzer ungelöst bleibt und 
besonders, dass man dabei nicht mit Bestimmtheit die „allerhöchsten Herrschaften" nennen 
darf. Der Schmuckfund gäbe dann einen ausserordentlich wertvollen Massstab dafür ab, 
was in jener Zeit und jener Gegend als fürstliche Pracht und fürstlicher Reichtum galt. 

Vollständig klar dagegen ist der Zweck der Knöpfe Nr. 18-20. Ausser verschiedenen 
Stellen in der mittelteralterlichen Literatur, die Moriz Heyne im 3. Bande seiner „Fünf Bücher 



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deutscher Hausalterthümer" S. 331 Anm. 20 anführt, lehren uns zahlreiche Abbildungen in 
der Manesseschen Liederhandschrift (bei Kraus a. a. O. Taf. 10, 14, 16, 26, 2Q, 32 u. 105) 
dass im Männer- wie Frauen-Kostüm es gebräuchlich war, die engen Unterärmel und 
einen Brustschlitz des Obergewandes der Länge nach mit Knöpfen zu schliessen. Bei 
dem nur andeutenden Charakter der Malereien jener Handschrift darf man natürlich nicht, 
weil dort alle Knöpfe rund sind, längliche wie Nr. IQ aus dem Gebrauche der Zeit aus- 
schliessen. Jedenfalls liegt nicht die geringste Nötigung vor, diese Stücke einer späteren 
Zeit zuzuschreiben, etwa der Mitte des 14. Jahrhunderts, von wo an die Verwendung 
von Knöpfen an dem kürzeren, vorn offenen Männerrock noch reichlicher wird. 

Je mannigfaltigere, sich ergänzende Verwendung bei annähernd gleichem tech- 
nischen, materiellen und künstlerischen Niveau des Ganzen die einzelnen Gruppen des 
Oppelner Fundes verraten, desto berechtigter wird die Annahme, dass sie nicht zufällig 
zusammengekommen sind, sondern gewissermassen die mehr oder minder vollständige 
Schmuckausrüstung einer Person darstellen. Ganz gleichaltrig war der Besitz nicht, einzelne 
Stücke, wie sicherlich die Ringe Nr. 1 und 8, sind im Laufe der Jahre hinzugekommen. 
Vielleicht zu einer Zeit, wo die Bleche schon von den Kostümen abgetrennt und zur Seite 
gelegt worden waren. Eine lange Gebrauchsdauer lässt sich ja diesen zerbrechlichen, 
fast nur für den äusseren Schein gearbeiteten Dingen keinesfalls zuerkennen. Vermauert 
oder vergraben wurde der Schmuck wohl noch im 14. Jahrhundert. Die zwei Töpfchen, 
die ihn bargen, sind Erzeugnisse der mittelalterlichen Keramik. Das eine, grössere, aus 
rötlichem, körnigem Ton, 8,5 cm hoch, mit einem oberen Durchmesser von 7,5 cm, ist 
horizontal gerieft und am Rande dreimal gelappt, das kleinere, 7,5 cm hoch, mit frag- 
mentierter enger Mündung, hatte einen Henkel und ist innen gelb glasiert. Das Haus 14 
der Karlsstrasse, der früheren Goslawitzergasse, liegt in der unmittelbarsten Nähe des Ringes 
von Oppeln, der Grund, auf dem es stand, war sicherlich schon seit der Zeit bebaut, wo 
der uralte Ort als Stadt gegründet wurde. Schon im 13. Jahrhundert erhielt Oppeln das 
deutsche Stadtrecht und seit dem Jahre 1273 hatten die Herzöge hier dauernd ihre Residenz. 
(Vgl. idzikowski, Geschichte der Stadt Oppeln S. 54.) Vielleicht war ein einheimischer 
Meister an der Verfertigung des Schmuckes beteiligt, der die Geschichte der schiesischen 
Goldschmiedekunst eröffnet. 




11» 



84 



EIN VENETIANISCHES GLAS DES 15. JAHRHUNDERTS 

Widrige Umstände privater Art haben mich verhindert, meine Untersuchung über 
dieses Glas gründlich durchzuarbeiten und zu Ende zu führen. Um die Druci<iegung 
des laiirbuciies niciit aufzuhalten und die Tafel nicht bis zum nächsten Bande liegen zu 
lassen, begleite ich ihre Veröffentlichung nur mit einigen Bemerkungen, die auf unvoll- 
ständigem Material beruhen. 

Unser Museum hat sich zum Ankaufe dieses Glases, das ihm im Sommer 1902 
angeboten wurde, erst nach längerem Zögern entschlossen, da bei einem in mancher 
Hinsicht so fremdartig anmutenden Stücke Vorsicht geboten war. Angeboten wurde uns 
der Pokal, zusammen mit einem deutschen Willkomm, auf den wir nicht reflektierten, weil 
die Darstellung darauf, eine Jagd, schon in unserem Museum vertreten ist, von dem 
Berliner Antiquitätenhändler Louis Weissner, mit dem wir schon längere Zeit in Ver- 
bindung stehen und der es, nicht direkt, von einer in Berlin ansässigen Kaufmannsfamilie 
erworben hatte. Er legte uns auch eine schriftliche Erklärung der früheren Besitzer vor, 
nach welcher Pokal und Willkomm im Jahre 1828 bei der Erbschaftsteilung nach einem 
Herrn von Rothkirch in Breslau in den Besitz ihrer Familie übergegangen seien. Ein 
Vertrauensmann unseres Museums und ich erhielten bei Besuchen, die wir den früheren 
Besitzern abstatteten, offenen Einblick in die Verkaufsgeschichte und die ergänzende Mit- 
teilung, dass die Erbschaftsteilung einen Heinrich von Rothkirch betreffe, dem „Brisseiwitz 
bei Breslau" gehört habe. Nach Ledebur, Schlesisches Adelslexikon II s. v. von Rothkircli, 
war Pristelwitz bei Trebnitz, das fortwährend mit Brisseiwitz verwechselt wird, um 1770 
und 1856 im Besitze des weitverzweigten Geschlechtes derer von Rothkirch. Wir bekamen 
auch eine Porträtsilhouette dieses Heinrich von Rothkirch vom Ende des 18. Jahrhunderts 
mit alter Namensfertigung auf der Rückseite. Genauere Informationen über die Erbschafts- 
teilung, weiche die Berliner Familie bei älteren, auswärtigen Verwandten einzuholen ver- 
sprach, blieben aus, was man ihr schliesslich nicht übel nehmen konnte, da sie von dem 
ganzen Handel, den sie als übereilt erkannte, nachgerade verstimmt war. Fortgesetzte 
Untersuchung des Glases selbst befestigte inzwischen bei uns die Überzeugung von 
seiner Echtheit. Direktor Brinckmann, dem wir es schickten, fasste sein Gutachten dahin 
zusammen, dass er uns von dem Ankaufe nicht abrate. Von den Fachgenossen, die 
seither das Original in unseren Sammlungen sahen, hat keiner ernsthafte Bedenken darüber 
geäussert oder festgehalten. Den bec|uemen Weg, den Ankauf des Glases abzulehnen, 
hatten wir deshalb nicht gewählt, weil es, seine Echtheit imd seine Herkunft aus 
schlesischem Besitze vorausgesetzt, ein ganz ausserordentlich interessantes Dokument für 
einen wichtigen Abschnitt der Geschichte Schlesiens bildet. 

Das Glas hat die bekannte typische Form der venetianischen Pokale aus der 
2. Hälfte des 15. Jahrhunderts. Die Höhe beträgt 22,5 cm, der Durchmesser der Mündung 



TAFEL 




Venetianisches Glas des XV. Jahrhunderts 



85 

und der des Fusses 14 cm. Die Masse ist mit kleinen Bläschen und Rissen durchsetzt 
wie alle venetianischen Gläser dieser Zeit, im übri<,ren klar, ohne jeden Stich ins Graue 
und Staubige. Der hohe, hohle und gerippte Ständerfuss ist am unteren Rande mit dem 
üblichen Wulste versehen und setzt unter der Cuppa, wie bei allen Exemplaren, die ich 
kenne, mit einem massiven Stück an. Den unteren Rand des Kelches umgibt ein Zacken- 
kranz aus farblosem Glase, der durch unten aufgeschmolzenen Überfang eine abwechselnd 
türkisblaue und blutrote Färbung mit weissen Rändern erhält, den Kelch selbst umrahmen 
Friese aus Gold mit ausgekratzter Zeichnung, auf das farbige Rosetten und Pünktchen 
gesetzt sind, sowie gereihte türkisblaue Zungenmuster (vgl. für die letzteren z. B. 
Collection Spitzer, Tom. III, Verreries P\. IV 16). Den Raum dazwischen füllen die eben so 
sehr aus der Majolikamalerei wie der venetianischen Glasdekoration jener Zeit bekannten 
Schuppen, die abwechselnd aus blutroten, weissen, hellblauen und türkisblauen Kreis- 
segmenten bestehen. In dieses Muster sind zwei grosse Wappenschilder einandergegen- 
über gesetzt. Die Einrahmung der Wappen, die Innenzeichnung des Löwens und die 
Tingierung der Balken des anderen Wappens (Abb. auf S. 87) ist schwarz. In der- 
selben Farbe, die sonst auf dem Glase nicht vorkommt, sind die Schuppen rechts von 
beiden Wappen, wie zur Angabe von Schatten schräg gestrichelt. Die rote Farbe für das 
Feld des Löwenwappens hat der Maler auf der Innenseite des Glases angebracht, wahr- 
scheinlich um zu vermeiden, dass sie mit der weissen Farbe zusammenlaufe, eine technische 
Besonderheit, für die arabische Moscheelampen z. B. im Berliner Kunstgewerbemuseum 
Analogien und deutlichen Ursprungshinweis bieten. Ausserdem zeigt dieses Wappen 
eine Tingierung mit Goldstrichen. Bei dem Balkenwappen unterblieb die Bemalung des 
Feldes. Die Emailfarben, die an dem Glase zur Anwendung kamen, dunkles Blutrot 
(dasselbe wie auf Moscheelampen), türkisblau, hellblau und weiss, liegen sämtlich in dickem 
Relief auf der Oberfläche, durchsetzt mit kleinen Luftbläschen, und leuchten in unberührter 
Frische. Das Gold dagegen zeigt überall starke Spuren der Abnützung. 

Herr Referendar Karl Schlawe, der Berater unseres Museums in heraldischen Fragen, 
hat uns sofort, nachdem wir das Glas erhalten hatten, bestätigt, dass mit den beiden 
Wajjpen nur die der Königreiche Ungarn und Bölimen gemeint sein können. Der Löwe 
zeige ausser der übereinstimmenden Färbung die besonders dem böhmischen Löwen 
eigenen Charakteristika, den Doppelschweif mit dem Knoten und die Krone, und bei 
dem anderen Wapjjen brauche man sich nur den Grund rot vorzustellen, um das so- 
genannte altungarische Wappen vor sich zu haben. Herr Schlawe wies auch mit einigen 
Bedenken auf die geradezu archaische Bildung des böhmischen Löwens hin, die von 
der gleichzeitigen deutschen bedeutend abweiche, gab aber selbst zu, dass dieser kon- 
servative Zug für die italienische Heraldik charakteristisch sei. Darin, dass bei dem 
ungarischen Wappen die Tingierung der roten Balken unterblieb, während die weissen 
zum Überfluss mit Damaszierung versehen sind, wird man nur die bei einem fremden 
Wappen leicht erklärliche Unkenntnis des Malers und alles andere als einen Grund zum 
Verdachte finden. 



86 

Die Wappen von Böhmen und Ungarn vereinigt auf einem venetianischen Glase des 
15. Jahrhundertes, das aus Schlesien stammt - was folgert daraus? Zunächst das eine, 
dass es zu einer Zeit entstanden ist, wo diese beiden Länder politisch zusammengehörten. 
Dafür kommen in der 2. Hälfte des 15. Jahrhundertes mehrere Zeiträume in Betracht. 
Eine faktische Vereinigung bestand in der Regierungszeit des Ladislaus V. Posthumus von 
1453 -1457 und in der Zeit von 1490 — 1516, wo Wladislaw 11. Jagello nach dem Tode 
des Mathias Corvinus auch die ungarische Krone besass. Aber die eine Epoche erscheint 
mir für das Glas zu früh, die andere vielleicht zu spät, jedenfalls aber erklären beide 
nicht den venetianischen Ursprung und die schlesische Herkunft des Pokales. Viel näher 
liegt es, ihn mit der glänzenden Erscheinung eines Mannes in Verbindung zu bringen, 
der in der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts mächtig in die Geschicke Ungarns, Böhmens 
und Schlesiens eingriff und zugleich mit Italien die lebhaftesten künstlerischen Verbindungen 
unterhielt, mit Mathias Corvinus, König von Ungarn. 

Nach dem Tode des Ladislaus Posthumus im Jahre 1457 war Ungarn dem Mathias 
Corvinus, Böhmen und mit ihm Schlesien dem Georg von Podiebrad zugefallen. Ein 
grosser Teil von Schlesien, voran die Stadt Breslau, befand sich in steter, heftigster 
Opposition gegen Georg von Podiebrad, den Czechen und Utraquisten. Die seit dem 
Jahre 1464 zwischen Mathias Corvinus und seinem Schwiegervater, dem König von 
Böhmen bestehenden Misshelligkeiten führten dazu, dass der erstere sich immer mehr in 
die Rolle eines Prätendenten auf die böhmische Krone drängen und am 3. Mai 1469 in 
Olmütz zum König von Böhmen wählen Hess. Im Jahre 1479 wurden die über den Tod 
des Georg von Podiebrad hinaus geführten Kämpfe zwischen den beiden F^arteien durch 
einen Vertrag beendigt, in dem Corvinus alle Nebenländer von Böhmen bekam. Den 
Titel eines Königs von Böhmen behielt er aber bis zu seinem Tode im Jahre 1490. 

Auf dem Pokal ist die höchste, wenn auch nur zum Teil tatsächliche Machtstellung 
des Corvinus auf die kürzeste und prägnanteste Art zum Ausdruck gebracht. Wo sich 
dazu Gelegenheit gibt, bedient sich Corvinus gern eines ausführlichen Wappens, in dem 
neben den Wappen der Nebenländer auch das seiner Familie, der Rabe mit dem Ring im 
Schnabel, nicht fehlt. Aber immer ist das böhmische und ungarische Wappen die Haupt- 
sache, wie z. B. auf dem Siegel der Urkunde, in der im Jahre 1469 die Breslauer von 
dem neuen Herrn sich ihre Privilegien bestätigen Hessen (Stadtbibliothek, Priv. 142, das 
Siegel kommt auch sonst noch öfters vor). Hier ist ein grösserer Schild mit den Balken 
von Ungarn und dem böhmischen Löwen umgeben von sechs kleineren Schildern mit 
den Wappen der Nebenländer und dem Familienwappen. Im gegebenen Falle, aus 
bestimmten künstlerischen Rücksichten wie z. B. bei unserem Glase, wo dem Maler die 
Zweiteilung wie bei den coppe nuziali nahe lag, konnten selbstverständlich die Neben- 
wappen ohne Schaden fortfallen. So begnügen sich die Breslaucr Heller aus der 
Regierungszeit des Corvinus mit der Vereinigung der beiden Hauptwappen in einem 
Schilde auf der Aversseite (der Revers trägt den Johanniskopf) und eine Ausgabe, die 
Friedensburg im Supplement zur Schles. Münzgeschichte im Mittelalter (Codex Diplomaticus 




87 

Silesiae XXIII 563 A) abbildet, verzichtet sogar auf die Initialen 
des königlichen Namens, die bei den übrigen das Wappen um- 
geben. Jedenfalls darf man meines Erachtens die Vorliebe des 
Mathias Corvinus für die Anbringung seines Familienwappens 
nicht zu einem Gesetze erheben, das Gegenstände, wo es fehlt, ihm 
abspricht, mag auch sonst die grösste Wahrscheinlichkeit für ihn 
als Auftraggeber sprechen. Unser Pokal hat sich, wie früher 
bemerkt, im Anfange des 19. Jahrhunderts im Besitze einer alten 
schlesischen Familie befunden. Wenn diese Angabe wahr ist, 
woran zu zweifeln kein Grund vorliegt, bildete er ein Erbstück dieser Familie und es liegt 
die Annahme nahe, dass er von Mathias Corvinus einem Schlesier als Dank für geleistete 
treue Dienste geschenkt worden ist. Schlesien war an den Kämpfen um die böhmische 
Krone mit am meisten beteiligt, hier bedeutete die Vereinigung der beiden Wappen ein 
politisches Bekenntnis. Der Nachfolger des Corvinus, Wladislaw II , hat sich um Schlesien 
wenig gekümmert. 

So weil ich die uns erhaltenen venetianischen Gläser des 15. Jahrhunderts kenne, 
ist unseres das einzige mit nicht italienischen Wappen, wo der ganze Dekor von einer 
und derselben Hand herrührt. Hier sitzt auch das Wappen organisch in der gesamten 
Verzierung, während man den nicht seltenen deutschen Wappen auf frühen venetianischen 
Gläsern sofort ansieht, dass sie nachträglich aufgemalt sind. Im übrigen steht die flotte, 
breite und etwas derbe Behandlung der Malerei, besonders der Wappen und der Schuppen 
im Kontraste zu der so sorgfältigen Miniaturmalerei, die wir sonst bei den venetianischen 
Gläsern jener Zeit gewöhnt sind. Wahrscheinlich hat der biedere Meister bei der Export- 
ware sich die Arbeit leichter gemacht, namentlich wenn er davon einen grösseren festen 
zu liefern hatte. Das erscheint mir wahrscheinlicher, als die Hypothese, dass das Glas 
aus der Werkstatt eines venetianischen Glaskünstlers herrührt, der von Mathias in sein 
F^eich berufen wurde. Dafür liefern die wenigen gleichartigen und gleichzeitigen Gläser 
aus Ungarn, bei denen man dann eine Verwandtschaft mit unserem Pokale voraussetzen 
müsste, keinerlei Anhaltspimkte. Eines im Rathause von Bartfeld, von dem mir durch 
die Freundlichkeit des Herrn Direktor von Radisics eine Photographie vorliegt, weicht in 
nichts von dem venetianischen Typus ab und trägt in Bemalung, die von anderer Hand 
zu sein scheint als die Schuppenmusterung, das Wappen von Bartfeld. Ein ähnliches 
Glas soll sich im Museum von Kaschau befinden. Auch den in Somogyvär gefundenen 
Pokal aus dem Besitze des Grafen Emerich Szechenyi (abgeb. in den „Historischen Denk- 
mälern Ungarns auf der Milleniums-Landesausstellung" II Taf. XLI) wird niemand als ein- 
heimische Arbeit nach fremdem Vorbilde in Anspruch nehmen. 

Karl Masner 



88 

AUS DEM BRESLAUER DIÖZESANMUSEUM 

I 

EIN MADONNENHOLZSCHNITT 

Oclioii mehrfach haben sicli in Bänden der Breslaiier Bibliotheken interessante Unica 
des Formschnittes gefunden.') Wohl das künstlerisch wertvollste Blatt dieser Art aber 
freuen wir uns, dank der gütigen Genehmigung Sr. Eminenz des Herrn Kardinal Kopp, in 
nebenstehendem Lichtdrucke veröffentlichen zu können. Es ist ein Madonnenholzschnitt, 
eingeklebt in die Innenseite des vorderen Deckels eines Kodex der Diözesanbibiiothek 
(Signatur II 51 Fol.), dessen hinterer Deckel ein mit Lackbraun, Grün und Gelb bemaltes 
Exemplar des grossen Schrotblattes mit dem Kaivarienberg (Schreiber 2333) enthält. Das 
Original des Holzschnittes, 379 x 253 mm gross, ist in auffallend reicher und harmonischer 
Farbenwahl bemalt: das Stirnband grün mit roter Agraffe, der Mantel grün mit rotem 
Futter; das in rot und gelb gehaltene brokatene Leibchen lässt ein zurückgeschlagenes 
Hemd sichtbar werden, unter dem noch ein ganz dünnes Flortuch, von einer grossen 
Agraffe zusammengehalten, angedeutet scheint. Der die linke Schulter bedeckende Mantel 
ist violett mit breitem Saum (rot, von gelben Perlen eingefasst, mit grünen Steinen besetzt). 
Aus demselben Brokatstoff, wie das Leibchen, sind die engschliessenden Ärmel der 
Madonna, die unter den Beinchen des nackten Kindes sichtbar werden. 

Dieser bisher unbekannte Holzschnitt findet sowohl hinsichtlich der stattlichen 
Grösse wie der schönen und sorgfältigen Zeichnung wenig Analoga unter den in der 
Literatur verzeichneten xylographischen Madonnenbildern. Am nächsten kommt ihm in 
der ganzen Anordnung das Blatt der Pariser Nationalbibliothek mit dem Ave regina celorum 
als Randumschrift;-) doch wirkt diese Darstellung nur wie eine flüchtige und grobe Nach- 
bildung unseres künstlerisch weit höher stehenden Holzschnittes oder ihres gemeinsamen 
Urbildes. Denn dem Stil nach dürfte das Pariser Blatt früher zu datieren sein, als das 
hier veröffentlichte, dessen grosse, freie Auffassung und zum Teil schon ganz malerische 
Behandlung, z. B. in dem florartigen Brusttuch, es geraten erscheinen lässt, seine Ent- 
stehung nicht vor die letzten Jahrzehnte des XV. Jahrhunderts anzusetzen. 

Der Kodex selbst, dessen Einband unser Holzschnitt ziert, bietet einen gewissen 
Anhalt für die gegebene Datierung. Der Augenschein lehrt nämlich, dass das Blatt — und 
ebenso der nur wenig grössere Schrotschnitt — nicht nachträglich eingeklebt, sondern 



') Vgl. W. L. Schreiber, Manuel de l'amateiir de la Kraviire siir bois 1 Nr. 373. 422. 838 (Atlas 
Tf. 20). III Nr. 2207 S. Andere Blätter haben sich neuerdings in der Kgl. und Universitätsbibliothek 
gefunden. 

-) H. Bouchot, Les deux cents Incunables xylographiques du Departement des Estampes n. 63 
Atlas pl. 32. Vgl. Schreiber n. 1044. Schreiber datiert das FJIatt um 1450- 70, l5ouchot erklärt es für 
flandrisch und setzt es um 1400—1410. Auf die von Bouchot angeregten weittragenden Streitfragen über 
die älteste Geschichte des Holzschnittes einzugehen dürfte hier nicht der Ort sein. 



TAFEL III 




Madonna mit Kind. Farbiger Holzschnitt des 13. Jahrhunderts 



8g 

von vornherein als innerer Deckelbezug des derben Schweinslederbandes verwendet 
worden ist, dessen Beschlagmuster ganz ähnlich auch an anderen Kodices der ehemaligen 
Dombibliothek wiederkehrt. Der Band enthält die 1478 zu Nürnberg von Andreas 
Frisner und Johannes Sensenschmid gedruckte Ausgabe der Glossa magistralis des 
Petrus Lombardus zum Psalter Davids (Hain 10203). Eine handschriftliche Eintragung 
unter der Vorrede lautet: Iste liber est ecclie wrat.' donat. per Dom. Valentin. Oeyerswald 
cum libro tractatuum et epistolarum beati Hieronymi praesentatus mihi per dum Hieron. 
Kyrstein M (?) C manu propria. Eine darüber stehende Notiz von späterer Hand: Hunc 
librum ab impio milite Oeorgius Schwartz 18 grossis redemit 1Ö32 gibt davon Kunde, 
wie der Band, als eines der wenigen erhaltenen Besitzstücke der alten Dombibliothek, 
aus der Zerstörung und Verschleuderung derselben durch die sächsischen und schwedi- 
schen Truppen im genannten Jahre gerettet worden ist. Valentin Geyerswald war, wie 
ich einer freundlichen Mitteilung des Herrn Geistl. Rats Dr. Jungnitz entnehme, 1472 Rektor 
der Kreuzschule, später Vikar an der Kreuzkirche zu Breslau und wird noch 14Q1 als 
Testamentsvollstrecker des Pfarrers Nikolaus Breczel in Neumarkt genannt. Die Jahre 
1478 und 1491 ergeben sich also vorläufig als Zeitgrenzen für die Entstehung des Bandes, 
von der die des Holzschnittes nicht allzuweit abliegen dürfte. 

Max Semrau 

II 

BEITRÄGE ZUR GESCHICHTE DER GOLDSCHMIEDE PAUL UND 

FABIAN NITSCH 

Als Ergänzung zu den Nachrichten, welche diese Zeitschrift (VII 66, 140, 482 
N. F. 1 108; II 128) über das Leben und die Arbeiten der Goldschmiede Paul und Fabian 
Nitsch (Nitsche) gebracht hat, werden einige kleine Notizen willkommen sein, die das 
Breslauer Diözesanarchiv bietet, sowie die Abbildung und Beschreibung eines Kelches, den 
das Diözesanmuscum besitzt. 

Vorausgeschickt sei der Hinweis auf den bei Pol (Jahrbücher der Stadt Breslau, 
IV, 65) zum Pfingstmontag 1571 erwähnten Schwertfeger und Schützenkönig Fabian Nitsche 
und die Vermutung, dass er der Vater des Paul Nitsch sei, der dann seinem Sohne den 
Namen des Grossvaters gab. 

Vater und Sohn erhalten ein gutes Zeugnis in dem Geleits- und Empfehlungsbriefe, 
den Bischof Andreas von Jerin am 16. Juli 15Q6 dem jungen Fabian Nitsch für die beab- 
sichtigte Studienreise ausstellte. Der Bischof nennt darin den Vater einen sehr geschickten 
Goldschmied, der durch verschiedene Werke, besonders aber durch die Herstellung des 
Silberaltars in der Kathedrale glänzende Beweise seiner Kunstfertigkeit gegeben und sich 
in hohem Grade die Anerkennung seiner Zunftgenossen erworben habe. Von dem Sohne 
sagt er, dass er die Goldschmiedekunst beim Vater gelernt und sehr gute Fortschritte 



QO 

gemacht habe, nun aber den heissen Wiinscli hege, andere Länder und vor allem Italien, 
wo die Edelmetallkunst blühe, kennen zu lernen, um sich in fremden Werkstätten zu ver- 
vollkommnen und als Meister heimzukehren. Der Bischof zweifelte nicht, dass er durch 
seine Kunst und sein Verhalten sich selbst empfehlen würde, kam aber gern seinen Bitten 
nach und empfahl ihn angelegentlichst allen, deren Hilfe er auf seiner Wanderschaft in 
Anspruch nehmen würde, bescheinigte insbesondere, dass seine Heimat Schlesien pestfrei 
sei, um die Schwierigkeiten zu beseitigen, die ihm der Verdacht, Träger ansteckender 
Krankheiten zu sein, bereiten könnte. Die von Kurt Moriz-Eichborn in dieser Zeitschrift 
(N. F. I 108) beschriebenen Kunstwerke beweisen, wie erfolgreich Fabian Nitscli seine 
Studienreise für seine Weiterbildung benützt hat. 

Zu den Werken, die sein Vater geschaffen hat, darf das silberne Glückchen auf 
dem Sitzungstische des Domkapitels gerechnet werden. Zwar trägt es kein Beschau- und 
Merkzeichen, aber Form und Charakter des eingravierten Wappens erinnern sofort an den 
Wappenschild, der an dem bald zu besprechenden, mit dem Meisterzeichen des Paul Witsch 
versehenen Kelche angebracht ist. Die Glocke selbst ist 7 cm hoch, der Griff läuft in 
ein zierliches 5 cm hohes Figürchen des hl. Johannes Baptista aus. Auf dem Mantel 
befindet sich das Wappen des ersten Besitzers Johann v. Sitsch, der während Jerins 
Episkopat Dompropst und von 1600 bis 1608 Bischof von Breslau war. Die Vereinigung 
seines Familienschildes mit dem Bistumswappen und die darüber stehenden Buchstaben 
l(oannes) E(piscopus) W(ratislaviensis) deuten an, dass die Herstellung des Olöckchens 
in seine bischöfliche Zeit fällt. Nach seinem Tode schenkten es die Erben dem Dom- 
kapitel mit dem Wunsche, dass es zum beständigen Andenken an den Bischof bei den 
Kapitelssitzungen gebraucht werde. Als 1632 beim Herannahen der feindlichen Truppen 
der Syndikus die wertvollsten Sachen aus dem Kapitelssaale, soweit es in der Eile ge- 
schehen konnte, in Sicherheit brachte, war auch das Glöckchen unter den geretteten Gegen- 
ständen. Es dient bis zur Gegenwart seinem ursprünglichen Zwecke. 

Der bereits erwähnte und auf S. Ql abgebildete Kelch gehörte der Schlosskapelle 
in Johannisberg, bis Se. Eminenz Fürstbischof Kardinal Kopp ihn dem Diözesanmuseum 
überwies. Der silberne, im Feuer vergoldete, 21 cm hohe Kelch zeigt noch das spät- 
mitteralterliche gotische Gepräge mit Anklängen an die Renaissance. Dem ganzen Aufbau 
liegt der Fünfpass zugrunde, eine seltene Erscheinung bei mittelalterlichen Kelchen, die 
meist aus dem Sechseck konstruiert sind. Der Fuss bildet eine fünfbläitrige Rose mit 
vorspringenden Ecken in den Blattwinkeln und zeigt zu Unterst einen profilierten Rand, 
darüber einen senkrecht aufsteigenden flachen Sockel, aus dem der steil geschwungene 
fünfkantige Schaft emporwächst, bis eine scharf vortretende Platte ihn gegen den Ständer 
abschliesst. Die Ornamente des Fusses sind dem architektonisclieu Masswerke nach- 
gebildet. Der flach nach oben gew<')lbte Rand trägt den Vierblattfries; die einzelnen Blätter 
des Vierblatts sind jedoch mit dem f^unzen nur vertieft herausgeholt, als sollten sie noch 
emailliert werden, und nur der Mittelpunkt des Vierblatts ist ganz durchgeschlagen. Der 
vertikale Absatz ist quadratisch, an den Kanten in achteckartig gebrochene Felder geteilt, 



Q1 



in denen sich auf mattem, ye|nmz- 
tem Grunde über Eci< gestellte 
glänzende Quadrate befinden. Die 
gegen den Ständer zusammenlaufen- 
den Wände sind mit arcliitektoni- 
scliem Masswerke nach Art der 
Fisciiblasenniuster reich und ausser- 
ordentlich geschickt verziert. Die 
Art der Behandlung, das tiefe Her- 
ausholen und die dabei erzielte volle, 
abgerundete Linienführungdes nach- 
geahmten architektonischen Mass- 
werks ist ebenso wirksam wie 
charakteristisch und lässt erkennen, 
dass der Künstler die Form und das 
Material beherrschte. 

Die Seitenflächen des fünf- 
eckigen, scharfkantigen Ständers, der 
durch den Knauf in einen obern 
und untern Teil geschieden ist, bil- 
den zehn Rechtecke, die durch zwei 
sich kreuzende Diagonalstäbe ge- 
teilt werden. Die hierdurch in jedem 
Felde entstehenden vier Dreiecke 
sind vollständig durchbrochen, wo- 
durch infolge der entstandenen Tie- 
fen eine äusserst ansprechende 
Wirkung erzielt wird. Der als platt- 
gedrückte Kugel hergestellte Knauf ist auf seiner obern und untern Fläche mit einem 
Fünfblatt versehen, dessen einzelne Blätter, gleich jenen des Fusses, mit verschiedenen 
architektonischen Masswerkbildungen ausgefüllt sind. Die Blätter sind durch fünf starke 
Einkerbungen oben und unten geteilt. Aus den Einkerbungen ragen in der Mitte des 
Knaufes fünf quadratische, über Eck gestellte Zapfen; die Aussenflächen derselben tragen 
statt der sonst üblichen Buchstaben gegossene geflügelte Engelsköpfe. 

Die eiförmige Kuppa ruht in einer reich ornamentierten, teilweise durchbrochenen 
korbartigen Umhüllung, deren ornamentale und technische Behandlung sich augenfällig 
von der des Ständers, Knaufes und Fusses unterscheidet, wenngleich das Bestreben un- 
verkennbar ist, den dort gegebenen Dekorationsmotiven sich möglichst anzupassen. 
Die Fünfteilung ist auch hier beibehalten. Von den Seiten des Ständers steigen, der 
Eiform der Kuppa folgend, paarweise flache, schmale, lanzettartige Blätter auf, die mit 




92 

flachgehaltenem Masswerke ausgefüllt sind. Darüber sind fünf girlandenartige Bogen- 
bänder an ein mit Sternfiguren gefülltes Horizontalband angehängt. Hieran ist als oberer 
Abschluss ein stehender flacher Blätterkranz von unbestimmter Form mit einer profilierten 
Wellenlinie angeschlossen. Der freigebliebene Raum ist mit architektonischem Masswerke, 
kleinen Ziselierungen und Punktierungen ausgefüllt. 

Wenn man die Ornamente der Kuppa mit denen des Ständers, Knaufes und Fusses 
vergleicht, so springt nicht allein die verschiedene Formgebung gleichartiger Ornamente, 
sondern vor allem ihre verschiedene technische Behandlung in die Augen und es drängt 
sich die Vermutung auf, dass an dem Schmucke der Kuppa eine andere Hand tätig war. 
Der Schmuck der Kuppa erscheint als etwas später Hinzugekommenes, als ein Versuch, 
Renaissanceformen mit den vorhandenen gotischen zu verbinden und in Einklang zu 
bringen. Hier ist alles Masswerk laubsägeartig flach gehalten, nicht von innen heraus 
gearbeitet, wie dies bei den Ornamenten der übrigen Teile des Kelches zutage tritt, die 
in vollen, markigen Zügen direkt auf das architektonische spätgotische Vorbild hinweisen. 
Man möchte deshalb geneigt sein, nur die Kuppaverzierung, die Engelsköpfc am 
Knaufe, sowie die an den Fuss angehefteten Renaissanceschilde mit den Bistumslilien und 
dem Wappen des Bischofs v. Jerin der Zeit des Bischofs und der Werkstätte des Meisters 
Nitsch zuzuweisen und anzunehmen, dass ein vorhandener, vielleicht schadhafter älterer 
Kelch in Jerins Auftrage von Nitsch umgearbeitet und in seine gegenwärtige Form gebracht 
worden sei, wenn nicht das Meister- und Beschauzeichen auf der Oberseite und das 
Feingehaltszeichen auf der Unterseite des Fusses den ganzen Kelch als ein Werk des 
Breslauer Goldschmieds Paul Nitsch bezeugte. 

Joseph Jungnitz 



SSSSSS2S2SSSSS2SSSSSS2SSSSSSSS2SS 



DAS HAUS ZUR GOLDENEN KRONE 



93 







Die Ooldeiie Krone nacli einer alten Zeichnung 

Ueoeniiber dem neuzeitlichen Aufschwiino; der Verkehrsverhältnisse und des 
Handels, niclit zuletzt aber gegenüber der kapitalistischen Ausnutzung von Boden- und 
Häuserbesitz haben die Brcslauer Bürgerhäuser aus der Renaissance- und Barockzeit 
ihre Daseinsberechtigung zu verteidigen. Namentlich am Ring, der auch heute noch nicht 
nur der Mittelpunkt sondern auch das Herz der Stadt ist, wird ein üebäude nach dem 
anderen durch moderne Geschäftshäuser ersetzt. Die alten Ringgebäude 7, 13, 22, 4Q, 50 
sind bereits in den letzten Jahren beseitigt, auch Nr. 31. ein jüngeres Haus, ist niedergelegt 



94 



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, Ka'ds'erAn 










worden. Nr. 12, 19, 30, 38, 39 sollen binnen kurzem nachfolgen. Wohl der schmerzlicliste 
Verlust aber ist die „Goldene Krone", Nr. 29, deren Niederiegung zu Anfang 1904 erfolgt 
ist. Es war die älteste geschlossene Bürgerhausanlage der Stadt, die trotz iiirer Lage am 
verkehrsreichsten Punkte, an der Kreuzung der Schweidnitzer- und Ohiauerstrasse, im 
wesentlichen unverseiirt auf unsere Tage gekommen war. 

Das Gebäude bestand, wie eine Betrachtung des oben stehenden Schnittes zeigt 
und die Seitenfassade (Abb. auf S. 93) bestätigt, eigentlich aus vier Häusern, die bei dem grossen 
Um- und Neubau des Bauwerks in der Zeit der Renaissance zusammengeschweisst 
wurden. So erklärt sich auch die mit der sonstigen Grundstücksteilung des alten Breslau 
im Widerspruch stehende Grösse des Gebäudes längs der Ohiauerstrasse. Den Haupt- 
bestand bildete das eigentliche Eckhaus, das sich vier Stockwerke hoch und zwar am 
Ring mit sechs Fenstern, an der Ohiauerstrasse mit drei Fenstcrachsen entwickelte. Daran 
schloss sich ein dreiachsiger Bauteil, der bei gleicher Höhe fünf Stockwerke aufwies. 
Die Ausbildung der kleinen Fenster mit den sich durchdringenden gotischen Rund- 
stäben beweist, dass dieser Bauteil, der sich nur unorganisch dem vorigen Gebäude an- 
fügte, bei Errichtung des Eckhauses bereits vorhanden war und unverändert beibehalten 
worden ist. Darauf folgte wieder ein Oebäudestück von drei besonders breiten Achsen, 
das in den Stockwerkshöhen und der Ausbildung der Fenster mit dem Hauptflügel über- 
einstimmte und mit diesem gleichzeitig errichtet gewesen sein mag. Nur das oberste 
Stockwerk zeigte abweichende sehr kleine Fenster. Das vierte und letzte Stück des 
Gebäudes hatte zwei Achsen Front bei fünf Stockwerken, die wiederum mit keinem der 
andern Bauteile ganz übereinstimmten. 

Die Fenster hatten zuletzt ein recht breites und gedrücktes Verhältnis. Denn dem 
gesteigerten Lichtbedürfnis neuerer Zeit zuliebe hatte man die früher vorhandenen senk- 
rechten f^fostenpaare entfernt, die jedes Fenster in drei schmale Öffnungen teilten. Die 
Ansätze der Pfosten waren aber mehrl'acii stehen geblieben. Mit Ausnahme der erwähnten 
gotischen Fenster des zweiten Bauteils zeigten alle Fenster die typische unten verkröpfte 
Fascie, darüber lagerte sich eine Verdachung, welche aus einer kräftigen Sima unti darunter 



95 



liegendem Kyma mit derbem 
Eierstab bestand. An einem 
Fenster der Siidfront soll 
sich nach Lutsch die Jahres- 
zahl 1521 und darunter eine 
erliaben gezeichnete Haus- 
marke befunden haben. 
Weiterhin sollen Steinmetz- 
zeichen vorhanden gewesen 
sein, aus deren Überein- 
stimmung mit einem gleichen 
Zeichen am Türsturz des 
Kapiteihauses auf einen ge- 
meinsamen Werkmeister bei- 
der Bauten geschlossen wur- 
de. Keines dieser Zeichen 
koimte beim Abbruche trotz 
eifrigen Suchens von den 
Rüstungen aus gefunden 
werden. Mag sein, dass sie 
inzwischen mit Farbe zu- 
gedeckt oder durch Um- 
bauten beseitigt waren. Dass 
jedücii die Goldene Krone 
zeitlich und stilistisch dem 
Kapitelhausturm nahesteht, 
bleibt trotzdem zweifellos. 
Das Eckgebäude hatte, 
um die Höhenentwicklung 
einzuschränken, ein Zwillingsdach mit dazwischen liegender Rinne erhalten, eine Dach- 
lösung, die gerade der Renaissance eigen ist und sich beispielsweise in Giatz mehrfach 
findet. Ringsum zog sich unter Ausschluss eines ausladenden Hauptgesimses ein 
Zinnenkranz, der aus kleinen durch Viertel- und Halbkreise gebildeten Giebelchen bestand. 
Auf der Ringseite waren drei, nach der Ohlauerstrasse neun solcher Giebelgebilde und 
ausserdem an den Ecken je ein halber Giebel entwickelt. Das Zinnenmotiv, das früher 
mehrfach in Breslau nachzuweisen war, ist für die ersten Jahrzehnte schlesischer 
Renaissance bezeichnend. Als Überbleibsel aus der Gotik tritt es in Patschkau, Ottmachau, 
Ziegenhals, auf der Bolkoburg, dem Kynast, der Kynsburg und an zahlreichen anderen 
Stellen auf. In allen diesen Fällen aber handelt es sich um Wehrzinnen. Die Hinüber- 
nahme dieses Motivs auf ein Bürgerhaus musste diesem den Charakter wehrhaften 




Hof der Goldenen Krone 



96 

Trotzes verleihen. Wen aber sollte der Zinnenkranz nicht an italienische Kastelle, an den 
Do<^enpalast in Venedig und an Schöpfungen wie die des Maurers Giovanni Battista di 
Quadro aus Lugano am Rathaus in Posen erinnern? Hier spiegelt sich italienischer Einfluss. 
Denn das charakteristische Motiv deutscher Kunst ist der hohe Giebel, der in Breslau bei 
den Bauten der gotischen Zeit die Regel bildete, der gegen Ende des sechzehnten Jahr- 
hunderts auch vi'ieder alleinherrschend wird und selbst in der Barockzeit imter mühseliger 
Anpassung der Pilasterarchitektur an dieses konstruktive Gerüst beibehalten wird. 

Das reichste Stück der Ringfassade ist das Hauptportal. Im Hinblick auf die ein- 
gehende Behandlung und Würdigung, welche diesem Architekturstück bereits von 
R. Becker in „Alt-Breslau" zuteil geworden ist, kann hier auf eine Besprechung desselben 
verzichtet werden. Nur sei historisch feststellend erwähnt, dass die Füllungsfläche (Tym- 
panon) zwischen dem wagerechten Architrav und dem Segmentbogen nicht aus Sandstein, 
wie früher angenommen wurde, sondern aus verputztem Ziegelmauerwerk bestand. Dafür 
wurde beim Abbruch der Beweis erbracht. Diese Putzfläclie kann also schwerlich eine 
Jahreszahl getragen haben, die Schultz gelesen haben will. Auch von einem Täfelchen mit der 
Jahreszahl 1528, das Lübke gesehen haben will, war beim Abbruch keine Spur nachzuweisen. 

Die Raumentwicklung des Gebäudes war sehr einfach. Das Eckgebäude am Ring 
hatte eine Tiefe von zwei Zimmern ohne Zwischenflur. Etwa in der Mitte des Erd- 
geschosses, durch das Hauptportal erschlossen, lag die für alle älteren Bürgerhäuser 
kennzeichnende reiche Halle mit stuckierter Gewölbedecke. Das hintere Portal der Ein- 
gangshalle stammte mit dem Ringtor aus gleicher Zeit. Es war rundbogig und von 
einer schlicht ornamentierten Archivolte umrahmt. Von der Halle aus entwickelte sich die 
Treppe nach dem Obergeschoss. Sie hatte im Erdgeschoss ein einfaches Steingeländer mit 
einem reicheren, durch einen Pinienzapfen gekrönten Antrittspfosten, dessen Seiten Rclief- 
köpfe zierten. 

Im ersten Obergeschosse, wo offenbar die vornehmsten Räume des Hauses lagen, 
brachte der Abbruch die Reste einer monumentalen Innenausbildung zutage. In den 
später zu rechteckigen Querschnitten ummauerten Fensterpfeilern kamen drei kräftige 
Sandsteinvollsäulen zum Vorschein. Dieselben haben Sockel und obere Abschlüsse, die 
als Mittelding zwischen Kapitell und Konsole gelten können. Eins dieser Kapitellgebilde 
ist aus dem korinthischen, zwei sind aus dem jonischen KajMtelltypus entwickelt. 

Der Flügel längs der Ohiauerstrasse hatte nur eine Zimmertiefe und war, wie oben 
ausgeführt, ein unorganisches Baugefüge, das eigentlich aus drei Häusern bestand. Ein 
verbindender Flur längs der Zimmerreihe fehlte. Statt dessen wurden bei dem Um- und 
Neubau der Renaissancezeit in drei Stockwerken übereinander Steingalerien angefügt, die 
erst eine Zusammenfassung der langen Gebäudeflucht und eine Vermittelung zwischen 
den verschiedenen Stockwerkshöhen ermöglichten. Die Galerien waren mit flach 
gequaderten Segmentbogen auf kräftigen Kragsteinen ungemein malerisch ausgebildet. 
Solche offene Galerien waren früher, als man gegen klimatische Einflüsse allgehärteter war 
recht häufig; sie sind in Resten allerdings später mit Holz und Glas zugebaut in 



97 




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Portal der Goldenen Krone 



98 

mehreren Rinj^iiöfen noch nachweisbar. Zu verweisen ist auch auf den Sciiiosshof in 
Öls, den ganz ähnliche vorgekragte Galerien umsäumen. Mit dem Strassenflügel gleich- 
laufend zog sich längs der Nordgrenze des Hofes schliesslich noch ein schmaler Bauteil 
von einer Zimmertiefe, der an der Ostgrenze durch einen ebenerdig mit offenem, mächtigen 
Bogen unterwöibten Verbindungsbau mit den vorderen Räumen zusammenhing. Die 
Umrahmungen der Hoffenster waren überwiegend mit abwechselnd quadratischen und 
länglich rechteckigen Spiegelquadern gegliedert. Einige Öffnungen zeigten noch spät- 
gotische Gewände mit sich durchdringenden Stäben und vorgekragten Eckkonsolen. 
Erwähnung verdienen auch die eigenartigen nach oben trichterartig erweiterten Schorn- 
steinköpfe. 

Eine kleine Abbildung von Nikolaus Häuhlein in Schöbeis Germanus Wratislaviae 
decor macht es wahrscheinlich, dass die Fassade ehedem mit Laubgehängen und figür- 
lichen Darstellungen geschmückt war, entweder in Malerei oder in dem damals in aus- 
gedehntestem Umfange üblichen Kratzputz. 

Über die oder den Meister der Goldenen Krone ist nur soviel zu sagen, dass 

das Portal Beziehungen zu Görlitz und Obersachsen wahrscheinlich macht. Ob eine 

.Beteiligung der damals in Breslau zahlreich auftretenden, wegen ihrer schnellen Arbeit 

beliebten „wälschen" Maurer in Frage kommt, muss dahingestellt bleiben. Im übrigen 

kann auf die von anderer Seite aufgestellten Vermutungen Bezug genommen werden. 

Etwas mehr ist über die früheren Besitzer des Hauses zu ermitteln gelungen. 
1471 wird an der Ecke, die das Gebäude einnimmt, ein wälsches Weinhaus erwähnt. 
1487 wird das Gebäude als Merten Steinkellers Haus bezeichnet. Ein Jahrhundert später, 
1564, findet sich im Karrngeldregister unter Nr. 414 das Haus als Eigentum des Johann 
von Holtz aufgeführt. Das Nebenhaus Nr. 30, das sogenannte alte Rathaus, gehörte 
damals dessen Sohn Melchior von Holtz. Es fragt sich, seit wann Hans von Holtz die 
Goldene Krone besass. 

An der Ohiauerstrasse bei der zweiten Fensterreihe von Osten aus befand sich 
eine bisher nicht gewürdigte runde Steintafel mit einem Wappen. Letzteres bestand aus 
einem gestürzten, gesichteten Mond, darüber zwei Sterne. Blazeks Wappenbucli des ab- 
gestorbenen Adels der l'rovinz Schlesien bestätigt dieses Wappen als dasjem'ge der 
Familie von Holtz und teilt noch folgendes mit. Die genannte Familie stammt aus 
Cöln a. Rhein, wo Christoph von Holtz als erstes Glied bekannt ist. Dessen Sohn Johann, 
geboren 1493 zu Cöln, wanderte nach Breslau aus. Er war dort zweimal verheiratet. 
Zuerst mit Katharina, geborenen Zahner, dann mit Katharina von Heiland aus dem Hause 
Schliesa. Er hatte aus beiden Ehen 16 Söhne und 13 Töchter, aus denen schliesslich 
drei Geschlechtslinien hervorgingen. Bis Ende des sechzehnten Jahrhunderts findet sich 
die Familie nur erwähnt. 

1521 habe ich Jhan von Holt/ /um ersten Male in den Signaturbiichern gefunden. 
Er tritt als Bürge für einen Harbierer aus Memmingen auf und war damals schon Bres- 
lauer Bürger. Nachher kommt er noch oft in imwichtigcn Reclitsurkinulen vor. 1557 



QQ 



bekundet aber Jakob Zahner, dass „ihm der Erbar Johann von Holtz, sein lieber Schwager, 
all seinen Anteil, so er als ein Miterbe auf dem Hause nächst Jobst Engelmanns und 
Christian Schlittens in der Olischen Gasse gehabt, vollkomlich voll zu Dank entrichtet 
und bezahlt habe". Johann von Holtz hat also durch seine erste Frau ein Haus an der 
Ohiauerstrasse anteilig geerbt und die Miterben ausgezahlt. Aus der Bezeichnung der 
Besitzer der angrenzenden Häuser ergibt sich weiter, dass dieses Haus an der „Olischen 
Gasse" mit der Goldenen Krone oder einem Teile derselben identisch ist. Holtz hat also 
in diese Besitzung hineingeheiratet. Zweifellos ist er derjenige, der an Stelle des alten 
gotischen Hauses den Renaissancebau der Goldenen Krone errichtete und das Erbe 
seiner Frau mit seinem zugebrachten Vermögen in glänzenden Zustand versetzte. Die 
früher vorhandene „prachtvolle grosse Marmorinschrift mit der Jahreszahl 1544: Quaevis 
terra patria" findet durch den zugewanderten und in Breslau heimisch gewordenen Cölner 
eine sinnvolle Erklärung und Bestätigung. Übrigens war Johann von Holtz offenbar recht 
wohlhabend. Denn er kaufte am 2. November 1547 noch das Kretschmerhaus zum 
Goldenen Stern in der Schweidnitzerstrasse, das heutige Bitterbierhaus Nr. 53. Er starb 
am 19. März 155Q. 

Wieder ein Jahrhundert später, 1671, steht das Haus im Besitze des Benjamin 
Hell von Hellenfeld, eines Nachkommen einer Bunzlauer Familie. Er war 1625 geboren, 
trat in kaiserliche Dienste, wurde mit dem Prädikat von Hellenfeld 1660 geadelt und starb 
als kaiserlicher Rat ohne Nachkommenschaft in Breslau. In dem Karrngeldregister von 
1748 wird weiterhin als Besitzer der Goldenen Krone der Graf Carl Samuel von Colonna 
und Felss aufgeführt. Die Namen all dieser Besitzer beweisen, dass das durch seine 
Grösse, Schönheit und günstige Lage ausgezeichnete Gebäude von jeher den Rang eines 
bevorzugten Patrizierhauses behauptete. Bemerkenswert ist noch, dass die schlesische 
Provinzial-Ressource 1801 in diesem Gebäude gegründet wurde. 

Wieviel Erinnerungen sind erloschen, seitdem diese Zierde Breslaus, die neben dem 
Rathaus das Gepräge des Ringes bestimmte, dahingesunken ist! Doch nicht ganz wird 
das Haus für Breslau verloren gehen. Eine grössere Anzahl wichtiger Architckturstücke, 
darunter auch das Portal, ist beim Abbruch gerettet worden und soll beim Neubau des 
Königlichen Staatsarchivs in der Tiergartenstrasse wieder verwendet werden, in der 
Wucht seines Aufbaues und im Schmucke der Zinnen und Einzelgliederungen wird dieser 
Neubau das Andenken an die Goldene Krone späteren Zeiten bewahren. 

Ludwig Blirgemeister 



SSSSSSSSSSSSSSSSS2S2SSSSSSSSSSSSS 



100 

SCHLOSSPORTAL UND GRABDENKMÄLER DER 
KIRCHE IN MONDSCHÜTZ 

Auf Anregung des Herrn Kammerherrn Diepold von Köckritz bringen wir auf den 
folgenden Seiten als Ergänzung zu dem „Büderwerk schlesisclier Kunstdenkmälcr" Ab- 
bildungen des Schlossportals und einiger Grabdenkmäler der Kirche in Moiidschiitz. 

Herr von Köckritz, der sich für die Vergangenheit dieses seit 1780 seiner Familie 
gehörigen schlesischen Herrensitzes lebhaft interessiert, hat neben den arcliivalischen 
Arbeiten für eine Darstellung der Geschichte seines Geschlechtes') auch alle erreichbaren 
Nachrichten über Mondschütz, sein Schloss und seine Kirche gesammelt und zusammen- 
gestellt. Aus diesen für den engeren Kreis der Familie bestimmten schriftlichen Auf- 
zeichnungen entnehme ich mit gütiger Erlaubnis ihres Verfassers zunächst einige historische-) 
Daten von allgemeinem Interesse. 

Der Ort Mondschütz wird mit dem slavischen Namen Moyancziczy (=- mein Sitz) 
in einer Urkunde des Klosters Leubus vom Jahre 1202 das erste Mal erwähnt. Wie der 
Name anzeigt, ist also Mondschütz von jeher Rittersitz gewesen, während alle anderen 
umliegenden Ortschaften dem Kloster gehörten. Im Jahre 1308 wird Merbot de Hugewitz 
(Haugwitz) als Besitzer von Moyentzitz in einem Erblehnsbriefe genannt, aus dem hervor- 
geht, dass schon seine Eltern das Out besassen. Es blieb im Besitz dieser Familie, bis 
es Siegmund von Haugwitz anno 1466 an Melchior II, von Stosch verkaufte. Der vorletzte 
dieses Geschlechts, Melchior Friedrich von Stosch, der 1727 kinderlos starb — er ist der 
Verfasser der Stoschschen Genealogie,') die erst nach seinem Tode gedruckt wurde ^ 
hinterliess das Gut Mondschütz seiner Witwe, da der einzige überlebende seiner zwölf 
Geschwister, Leopold Christian, der 1734 starb, nicht die Mittel besass, es zu übernehmen. 
Die Witwe Melchior Friedrichs, Maria Catharina, geb. von Schweinitz, verkaufte 1747 
Mondschütz an einen Herrn von Kottwitz auf Kontopp. Von diesem kam es 1780 durch 
Kauf an den Oberforstmeister von Schlesien, Otto Siegismund von Köckritz, den Gross- 
vater des jetzigen Besitzers. 

Fast dreihundert Jahre also war Mondschütz der Herrensitz eines und desselben 
alten Geschlechts, derer von Stosch, und seine Mitglieder haben an seinem Schloss und 
dem nahe gelegenen Kirchlein, ihren Wohnungen im Leben und nach dem Tode, gebaut. 

In den rauhen Zeiten des Mittelalters war das Schloss nicht nur die Wohnung des 
Grundherrn, es war zugleich auch die feste Burg, in der man sich gegen allzeit zu 
erwartende räuberische und kriegerische Angriffe verteidigen musstc. Vorwiegend 



') Diepold von Köckritz, Geschichte des Geschlechts von Köckritz, Breslau 1895. 

-) Über vorgeschichtliche Funde in Mondschütz und seiner Umgebuiifi; siehe z. B. Schles. Vorz. 11, 113, 
IV, 99, 134, V, 218, 226, VI, 69, 467, Vil, 233. N. F. I. 174. 

') Genealogia des hochgräflich Freyherrlich und Hoch-Adelichen Geschlechts derer von Stosch, 
Breslau-Leipzig 1736. 



TAFEL IV 




Portal des Sclilosscs in Mondscliiitz 



101 

praktische Gesichtspunkte haben seine Anlage und seine Bauformen bestimmt. Mit dem 
Anbruch der „neuen Zeit", mit der in ihr erwachenden Daseinsfreude und der zu Glanz 
und Pracht hinneigenden, sorglosen Lebensführung der Vornehmen, hat sich auch der 
Sinn für die künstlerische Ausbildung und Ausschmückung des Schlossbaues eingestellt. 

Von der ursprünglichen Schlossanlage sind nur wenige Reste übrig, so Fundamente 
eines 1624 abgetragenen Streit-Turmes unweit des Eingangs in das jetzige Schloss. Er 
stand innerhalb eines noch vorhandenen 60— 80' breiten und 8 — 11' tiefen Wallgrabens, 
um den sich, wie durch Augenzeugen festgestellt ist, früher noch ein zweiter Graben 
hinzog. Auch steht gegenwärtig noch ausserhalb des Wallgrabens, dem Schloss gegen- 
über ein alter Wachtturm, wohl zum Schutze der Einfahrt, der gleichfalls mit zu den alten 
Befestigungswerken gehörte. 

In der aus Dichtung und Wahrheit gewobenen Stoschschen Familienchronik wird 
erzählt, dass der ersterwähnte Turm schon bei dem Tartareneinfall im Jahre 1241 seine 
Dienste geleistet, und dass bei seinem Abbruch in einem vermauerten, engen Gewölbe 
Gebeine und eine vom Rost überzogene Mannesrüstung und Waffen gefunden wurden. 
Sie wurden in der Rüstkammer aufbewahrt, bis diese im schwedischen Kriege geplündert 
wurde. Auch die „tartarischen" Waffen, die bei einer urkundlich beglaubigten Räumung 
des Schlossgrabens im Jahre 16Q1 zutage kamen, sind nicht mehr vorhanden. 

Vom Schlossbau der Renaissancezeit, der sich an der Stelle der ersten Anlage erhob, 
ist gleichfalls nur noch wenig erhalten. Der Bauherr war Friedrich von Stosch (1579 bis 
1633). Er begann 1616 mit der Errichtung des Gebäudes, doch ging der Maurermeister 
aus Liegnitz, Balthasar Reymann, dem er den Bau übertragen, nicht gewissenhaft zu 
Werke. In demselben Jahre nämlich noch fiel ein ganzer Giebel und im folgenden der 
halbe Teil des Hauses wieder ein „samt allem Holtzwerk / Gesperren und übrigen / wodurch 
alles ineinander zerschmettert /zerschlagen und die Gewölbe zerstossend verderbet worden".') 
Hierauf vollführte Antonj Fodige,-) „Maurer in Sommerfeldt", im Jahre 1620 den Bau, der 
im ganzen 24 000 Rtlr. gekostet haben soll. 

Von diesem Schlosse ist ein Bild'') und das reich verzierte Eingangsportal aus 
Sandstein, wenn auch unvollständig und neu bemalt, erhalten. Eine hölzerne Brücke mit zwei 
hohen Pappeln als Wächtern am Ende führte über den Wallgraben zum Schlosse, das 
an der Front mit drei, an der Seite mit zwei hohen Renaissancegiebeln geziert war. Beim 
letzten Umbau des Schlosses im Jahre 1824, dem alle alten Kunstformen bis auf die mit 
einem Tonnengewölbe und Stichkappen verzierte Halle und das mit einer einfachen Stuck- 
decke überwölbte Herrenzimmer') im Erdgeschoss zum Opfer fielen, wurden diese Giebel 



') Oenealogia .... derer von Stosch S. 116. 

") Schles. Vorz. IV, 104 irrtümlich Joh. Foditze genannt. Dort ist 1624 (?) als Erbauungszeit des 
Schlosses und auf S. 340 der Köckritzschcii Familiengeschichte Melchior von Stosch (?) als Erbauer angegeben. 

") Im Besitz des Herrn von Köckritz. Abgeb. in der Köckritzschen Familiengeschichte nach S. 340. 
Für die Architektur aliein kommt noch in Betracht die Darstellung auf dem allegorisch-heraldischen Blatte : 
der „Stammvater" der Stoschschen Genealogie, pag. 4. 

*) Abgeb. Familiengeschichte S. 374. 



102 

abgebrochen und diircli ein Doppeldach ersetzt.') Das Portal, das an Stelle eines jetzt 
rechts davon befindlichen Fensters sass, wurde herausgenommen und genau in die Mitte der 
Fassade gesetzt. Zwei dazu gehörige Reiieffiguren in dreiviertel Lebensgrösse, die Massig- 
keit und die Gerechtigkeit, die wohl ursprünglich das Portal rechts und links flankierten, 
wie z. B. die Kriegerfiguren an dem sehr ähnlichen Portal in Jauer, Liegnitzerstrasse 3,-) 
wurden an zwei Treppenwangen auf der Rückseite des Schlosses eingemauert. (Abb. 
S. 108.) Das Portal in seiner jetzigen Form mit der Tür und dem Oberlichtgitter aus 
unserer Zeit ist auf Taf. iV abgebildet und im „Verzeichnis der Kunstdenkmäler der Provinz 
Schlesien" II, 622 beschrieben. In der Bekrönung ist das Wappen des Friedrich von 
Stosch und die seiner beiden Ehefrauen, Helena, geb. von Kreckwitz, und Sabina, geb. 
von Glaubitz, angebracht. Unter den Tieren auf den Ranken, die spiralförmig die Säulcn- 
schäfte überziehen, einer Eule mit zwei kleinen Vögeln, einer Hirschkuh, einem Stier, 
Löwen, Hasen, Fuchs, Schwein, befindet sich ein Kranich, der in dem einen erhobenen 
Stelzfuss eine Kugel hält, und ein Dudelsack spielender Bär. Beiden Darstellungen 
begegnet man gerade in Schlesien häufig. Für den schlesischen Ursprung des Schloss- 
Portals zeugt auch die eine von zwei Inschriften in den Nischen hinter den Säulen. Die 
eine über den schon genannten Baumeister des Schlosses lautet: „Nach zweyfeltigem einfal 
dises Hauses so ein Maurer zu lignitz vorwarloset Hat dieses Haus wider von Newen 
fundiret und aufgebaut Antonj Fodige bürger und Maurer in Sommerfeld!." Die zweite 
auf der anderen Seite nennt den Bildhauer des Portals: „Johan: Poll bürger und Bilthaur 
in Gros gloge Afio Chr 1620." 

Über den heimischen Bildhauer Pohl, wie er wohl hiess, haben Nachforschungen 
im Staatsarchiv in Breslau und in den Archivbeständen in Gross-Glogau nichts ergeben. 
Auch sonst wird er nirgends genannt. Zeugnisse der mit einer überreichen Fülle von 
Motiven spielenden Verzierungskunst der niederländisch-deutschen Spät-Renaissance, wie 
dieses Portal eines ist, finden sich vielfach in Schlesien und zu hunderten in deutschen 
Landen. Bei dem Mangel an Eigenart dürfte es deshalb schwer fallen den Künstler noch 
an anderen Arbeiten aus stilistischen Gründen nachzuweisen. Nur ein Portal in der 
Vaterstadt des Künstlers, früher Markt 26, jetzt am Gynmasium eingemauert, kann man 
ihm mit einiger Sicherheit zuschreiben.') 

Von den Grabdenkmälern des Mondschützer Gotteshauses ist das prächtigste, für 
das trauliche schlichte Dorfkirchlein fast zu prächtige, das des Laslaw (Ladislaus II) von 
Stosch (t 1587) und seiner Ehefrau Helena, geb. von Berge (f 161Q). Es befindet sich 
links vom Altar an der Rückwand des Chorraumes und war früher unten durch ein jetzt 
in der Sakristei befindliches Gitter vom Jahre (15)Q1 geschützt. (Abb. S. 104.) Das „Ver- 
zeichnis der Kunstdenkmäler der l'rovinz Schlesien" II, 621 Nr. 5 bringt eine Beschreibung 

') Abj;eb. hamilienfieschiclitc S. 37h. 
-') liildeiwcrk schlcsischcr Kuiistciciikmäler. Taf. 110, 3. 

'■') Bilderwerk Taf. 109, 3. Das sehr zerstörte Portal in Gr.-Osteii, von dem ich wälncnd des Druckes 
dieses Aufsatzes eine Photographie bekam, scheint gleichfalls von Pohl herzurühren. 



103 



davon. Das, worauf diese nicht eingeht, soll hier nachgeholt werden. Mit freundlicher 
Unterstützung des Herrn Referendar Schlawe erfolgt zunächst eine Deutung der auf dem 
Denkmal angebrachten Wappen. Es sind folgende, wobei die äusserliche Scheidung 
zwischen den Wappen des Mannes und seiner Frau durch die vertikale, die innere Scheidung 
zwischen väterlichen und mütterlichen Wappen bei beiden Wappengruppen durch die 
punktierte horizontale Linie und die genealogische Rangordnung durch die den Namen 
in Klammern beigesetzten Zahlen angedeutet werden: 
V. Stosch (1) 



V. Niebelschütz (3) 
V. Kreckwitz (7)*') 
V. Glaubitz (5)*') 



V. Berge (1) 
V. Salza (3) 
V. Knobeisdorf (5) 
V. Glaubitz (7) 



V. Glaubitz (2) 
V. Loben (4) 
V. Rothenburg (8)*') 
V. Knobeisdorf (6)*') 



V. Berge (2) 
V. Braun (4) 
V. Glaubitz (6) 
V. Glaubitz (8) 



Die Reihenfolge der Wappen weicht von der sonst üblichen, 
1 1 



2 
3 

4 
5 
6 
7 

8 



2 
3 

4 
5 
6 
7 

S 



in ganz Deutschland verbreiteten also wesentlich ab. Der in genealogischen Fragen 
weniger Bewanderte kann dadurch leicht zu Irrtümern verleitet werden, die nur an der Hand 
einer zuverlässigen Genealogie vermieden werden können, wie wir sie in der der Familie 
von Stosch besitzen. Die richtige Ahnenreihe ergibt sich demnach hier beim Manne und 
bei der Frau erst, wcmi man die Wappen nach den in Klammern beigesetzten Zahlen ordnet.-) 
Laslaw und Helena von Stosch, die übrigens der Kirche 1603 einen schönen noch 
heute in Gebrauch befindlichen Kelch sowie Mittel zum Ankauf der jetzigen grossen 
Glocke stiftete, hatten, wie auch aus den Figuren am Friese des Denkmals zu den Seiten 



') Die hinten mit * bezeicliiietcii Wappen sind hei einer Restanrieruni; des Denkmals im Jahre 1S72 
falseli angebracht worden, was bei dem einen I'aare durcii die auf dem Denkmal selbst daneben gesetzten 
Zahlen 2, 1 angedeutet wird. Die richtige Reihenfolge ist, wie auf dem Denkmal der Kinder Laslaws: 
V. Olanbitz, v. Kreekwit/ mid v. Knobelsdorf, v. Rothenburg. 

-) Über heraldische Ahnenprolien auf (irabsteinen vergl. /. H. Hildebrandt, Grabsteine und Epitaphien 
adliger Personen in und bei den Kirchen der Altmark 1 H. S. 6 f. und Waltz, die Grabdenkmäler von 
St. Peter in Salzburg 2. T. S. 101. 



104 




Dciiknial des Laslaw und iIit Helena von Stoscli in der Kirclie von Moiul=cliiit/ 



105 




Denkmäler derer von Stoscli in der Kirche von Mondschütz 



u 



106 

einer Darstellung der Auferstehung ersichtlich ist, acht Kinder, drei Knaben und fünf 
Mädchen.') Von ihnen waren, wie die beigefügten Kreuze anzeigen, sechs schon zur Zeit 
der Errichtung des Denkmals gestorben, alle im frühesten Kindesalter. Fünfen von ihnen, 
Christoph, Magdalena, Lasla, Martha, Hedwig hat der Vater ein Jahr vor seinem Tode 
1586 ein gemeinsames Denkmal mit ihren Ideal-Portraitfiguren an der Südwand der Kirche 
errichten lassen. (Abb. S. 105.)-) 

Der einzige überlebende Sohn des Paares, Friedrich von Stosch, der als Knabe auf 
dem Denkmal der Eltern dargestellt ist, war, wie wir wissen, der Erbauer des Schlosses. 
Ihm und seiner ersten Frau Helena, geb. von Kreckwitz (f 1616) ist gleichfalls ein grosser 
Figuren-Grabstein in der Kirche links an der Abschlusswand des Langhauses zum Chore 
hin errichtet worden. (Abb. S. 105.)-') in zwei Nischen mit Muschel Wölbungen neben- 
einander stehen die Verstorbenen in Lebensgrösse. Auf dem Gebälk über den Nischen 
zieht sich je ein Bibelspruch hin. Als Bekrönung halten zwei kniende Engel ein Rund- 
Medaillon mit einer Auferstehung der Toten in Relief. Unter den Nischen knien vor je 
einem Vorhange sechs Söhne^) und drei Töchter des Paares zu den Seiten der von einem 
geflügelten Engelskopf überragten inschrifttafel. Rechts und links von den Nischen aber 
sind wieder untereinander die Ahnenwappen angeordnet. Sie setzen sich wie vorher aus 
denen des Vaters und der Mutter zusammen, wobei bei dem Manne die letzte, bei seinen 
Eltern auf ihrem Grabstein angegebene Ahnengeneration wegfällt. Das vorhin angewendete 
und erklärte Schema ergibt demnach folgendes: 



V. Stosch (1) 
V. Glaubitz (3) 
V. Niebelschütz (5) 
V. Loben (7) 



V. Berge (2) 

V. Berge (4) 

V. Saiza (6) 

V. Braun (8) 



V. Kreckwitz (1) 

V. Berge (3) 

V. Rothkirch (5) 

V. SaIza (7) 



V. Zobeltitz (2) 
V. Knobeisdorf (4) 
V. Zauditz (6) 
V. Damin ? (8) 



Wer der Künstler dieses letzten Grabsteins war, dem das ältere Epitaph des Laslaw 
offenbar als Vorbild gedient hat, wissen wir nicht, da das Werk keine Bezeichnung trägt 
und keine Nachrichten über seine Anfertigung vorliegen. 

Wohl aber finden sich auf den beiden anderen in den Formen nahe verwandten 
Denkmälern bisher unerklärte Künstlersignaturen. 



') So am Denkmal. In der Genealogie S. 113 wird anstatt des fünften M.-idcliens ein toti^eborner 
Knabe erwähnt. 

^) Beschreibung im Verz. d. Kunstd. d. Prov. Sciilesien 11. 621. Nr. 3. 

") Beschreibung a. a. O. Nr. 9. Das Denl<uial ist gleich dem des Laslaw von einem Proviuzmaler 
1872 restauriert worden. 

') In der Genealogie S. 113 f. sind nur 5 Knaben angegeben; siehe dort die Namen der Kinder. 



107 

Auf dem ältesten, dem Kinderdenkmal, stehen die Buchstaben B. G. O. und C. B. B L, 
auf dem des Lasiaw das auf der Abbildung deutlich erkennbare Monogramm C. B. mit 
einem Kreuz dazwischen, an dessen kommaförmig gestaltetem Längsbalken links ein kleines C 
sitzt. Dasselbe Monogramm nun hat sich gefunden an einem grossen, reich gestalteten 
Epitaph für Hans von Schweinitz (f 1589) und seine Frau Magdalena geb. von Stosch 
(t 15Q5) in der ev. Pfarrkirche in Seifersdorf, Kr. Liegnitz,') nach seiner vor kurzem erfolgten 
Säuberung. Dort ist es erklärt durch die Beischrift CAS. BE-RGER BILDHVER IN LIG. 
Nun weiss man, dass die Kanzel der Peter-Paulkirche in Liegnitz ein Werk eines Caspar 
Berger ist.-) Man kennt den Vertrag mit dem Künstler über die Herstellung, und die 
Kanzel selbst ist zweimal bezeichnet mit C. B. 1588 und mit CASPAR BERGER 
WERCKTMEISTER 1588. 

Der Liegnitzer Bildhauer Caspar Berger ist also der Künstler des Denkmals für 
Lasiaw von Stosch und seine Gemahlin in Mondschütz. 

Von ihm rührt ferner her ein Epitaph der kath. Pfarrkirche in Beuthen a, O., das 
sich auch erst nach der Restaurierung in letzter Zeit als sein Werk herausgestellt hat.^) 
Sicher zuzuschreiben ist ihm meiner Meinung nach auch das mächtige Epitaph für 
Hieronymus Langner (f 1580) und seine beiden Frauen Brigitta (f 1553) und Hedwig 
(tl5Ql) in der Peter-Paulkirche in Liegnitz.^) Vielleicht verbirgtauch hier die den reichen 
Wandaufbau vollständig bedeckende Tünche seine Künstlersignatur. Ebenso ist Caspar 
Berger das dem Liegnitzer und Seifersdorfer ganz ähnlich gestaltete Epitaph für Conrad 
von Hoberg (f 15Q4) und seine Frau Margarete, geb. von Brauchitsch (f 15Q4) in der 
kath. Pfarrkirche in Rohnstock'^) zuzuweisen. Das auch hier fehlende Monogramm oder 
eine entsprechende Bezeichnung wird durch ein anderes untrügliches, äusserliches 
Erkennungszeichen der Arbeiten Bergers ersetzt, einen doppelköpfigen Adler, der in der 
Reliefverzierung einer als Ornament verwandten Girlande mit Fruchtbüscheln, manchmal 
auch mit Engelsflügelköpfen abwechselt. Da nun aber auch das Kinderdenkmal in 
Mondschütz, wie schon gesagt, mit dem des Lasiaw ebendaselbst die grösste Verwandt- 
schaft zeigt, ist es wohl nicht zu kühn die Buchstaben C. B. B L. auf dem Denkmal als 
Abkürzungen von „Caspar Berger, Bildhauer, Liegnitz" zu deuten, wobei die vorher 
stehenden Buchstaben B. B. G. allerdings unverständlich bleiben. 



') Verzeichnis der Kunstdcnkmäier der Provinz Schlesien III, 280, wo irrtümiicii C C als Mono- 
{,'ranini antregeben ist, was durch die Notiz in den Veröffentlicliungen zur Erhaltung und Erforschung der 
Denkmäler der Provinz Schlesien II, S. 18 berichtigt ist. Für Übersendung einer Photographie des Epitaphs 
und Unterstützung bei seiner Besichtigung bin icli Herrn Pastor Melz in Seifersdorf zu grossem Danke 
verpflichtet. 

-') Schles. Vorz. II, 145. Verzeichnis d. Kunstd. d. Prov. Schles. III. 220. Abb. Bilderwerk Taf. 115 
Nr. 3 Text S. 60. 

•■') Abb. im Bilderwerk Taf. US Nr. 3 Text S. 1Q9. Veröffendichungen der Prov.-Komm. f. Erh. 
und Erf. d Denkni. d. Prov. Schles. II, 11. 

*) Abb. im Bilderwerk Taf. 114, Nr. 3. 

■•) Abb. im Bilderwerk Taf. 116, Nr. 1. 

14» 



108 

Laslaw, der in Liei^nitz ein Hans besass, wo er auch starb, hat den Künstler 
vermutlich dort kennen gelernt, und die Beziehungen zwischen den Werken in Mondschiitz 
und Seifersdorf sind durch die Familie von Stosch erklärt, die zu der Arbeit in Beuthen a./O. 
unweit Oross-Glogaus vielleicht durch den Glogauer Bildhauer F^ohl, den Künstler des 
Mondschützer Portals. Aus der Verwandscliaft der Kanzeln der Breslauer Magdalenen- 
kirche und der Liegnitzer Peter-F^aulkirche aber ist zu schliessen, dass Berger ein Schüler 
des Breslauer Stadtbaumeisters Friedrich Gross war, des Schöpfers der erstgenannten 
Kanzel. 

Im übrigen muss eine Würdigung des Liegnitzer Bildhauers Caspar Berger, dessen 
hier zum erstenmal im Zusammenhang nachgewiesenen sieben umfangreichen Arbeiten 
sich bei weiteren Nachforschungen gewiss noch andere anreihen lassen werden, einer 
besonderen Studie vorbehalten bleiben. Es ist einer der sehr wenigen Bildhauer des 
16. Jahrhunderts in Schlesien, die wir mit Namen kennen. Über sein Leben war bisher 
nichts zu erfahren. 

Conrad Buchwald 





109 

JOH. CHRIST. KUNDMANN ALS QUELLE FÜR DIE 
KUNSTGESCHICHTE DES XVIII. JAHRHUNDERTS 

Der Breslauer Arzt und Polyhistor Kundmann hat neben den seinen Namen tragenden 
Werken auch die eine Reihe von Jahren erschienene Sammlung von Natur- und Medizin- 
geschichten redigiert. Sein reges Interesse, seine grosse Belesenheit und die umfassende 
Korrespondenz, die er führte, haben ihn aufmerksamen Blickes die Kultur seiner Zeit 
beobachten lassen. Die Geschichte der Medizin kennt seine Verdienste, die Prähistoriker 
und Archäologen verdanken ihm manche wertvolle Notiz, ebenso die Numismatiker und 
Bibliographen. 

Aber auch die neuere Kunstgeschichte hat Grund, seiner dankbar zu gedenken. 
Bereits im Verwaltungsbericht des Vereins für das Museum schlesischer Altertümer 1896 
S. 111 hat Seger die auf Bottengruber und Preussler bezüglichen Stellen aus Kundmanns 
Promtuarium etc. 1726, sowie aus seinen „Rariora Naturae et Artis" 1736 exzerpiert, die sich 
noch durch einige andere Stellen erweitern lassen. Pazaurek hat in seinem Aufsatz über 
Bottengruber (Schles.Vorz.N. F. II 133) ebenfalls Kundmann benutzt. Bei einem systematischen 
Durchsehen der Kundmannschen Werke fand ich noch eine Reihe von wertvollen Nach- 
richten, die ich hier wiedergeben will. 

Über das Porzellan von St. Cloud Tschirnhaus und Köhler in Dresden — 

Wiener Porzellan 
Schon 1717 exzerpiert Kundmann ausführlich den klassischen Bericht des Pater 
d'Entrecolles aus dem Journal des Savants 1716, der ja in allen möglichen Werken zitiert 
wird. (Sammlung von Natur- und Medizingeschichten 1717 S. 242 ff.) Im Jahrgang 1723 
derselben Zeitschrift S. 428 ff. kommt er noch einmal kurz auf das chinesische Porzellan 
zurück, und fährt dann fort: 

„Nirjjjends, so viel als mir wissend, ist das Ost-Indische Porcellaiii in Europa liesser naclij,'ealinit 
worden, als wie zn St. Clou, nahe bei l'aris noch bis dato «^eschieliet; die üefälie sind sehr dünne, 
durchsiclitijj; und klingend, schon weiH, mit licht iiiul dunkelblau nett bernahlet, und so iiarte, dass es wie 
das Orientalische Feuer schläffct und (jlas schneidet; ausser dass es auch dem Entzweysprin<;en unter- 
worffen seyu soll. Nach der Zeit hat der berühmte Herr von Tscliirnhausen in Dressden, dem damaligen 
llerrn Haron Hölticher eine Methode eröffnet, wie man auch allila kcinnte dem Sinesischen gleichendes 
Porcellaiii machen; welches dieser auch ans einer geschwemmten aschfarbigten Land Erde, wie selbige 
unliingst von einem guten Freund erhalten, zu Staude gebracht, nur dass die üefässe weilier oder milchigter 
fallen, auch etwas undurchsichtiger seyn; doch sollen sie in der Härte selbst das veritable übertreffen, weil 
dieses in dem Brenn-Ofen daselbst geschmoltzen, welches deiu Dressdnischen nicht begegnet. So ist auch 
die Fafon von letzterem viel besser, die Auszierung, vornelnnh'cli nn't Oold viel höher, und die erhabenen 
Figuren viel sonderbarer, nur dass das Belegen mit Qold-Blätgen mehr Parade macht, als Daner hat; da 
hingegen auf dem Orientalischen, worauf nur gemahlen Oold gestrichen, beständiger bleibet. Im Anfang ist 
auch dieses ganz weiss, wie in alten Zeiten das Sinesisehe, ehe sie die Farbe erfunden, gelassen worden, 
welches aber nun seit 5. oder ö. Jahren von Herrn Köhlern blau gemalilet wird, nicht aber mit Indigo, 
wie von dem Indianischen im Anfang allegiertc Autors melden (weil es unmöglich, dass der Safft von 



110 

einem Vegetabili das starke Feuer aushalten, und noch dazu eine blaue Farbe geben könne), sondern mit 
der feinesten Smalta; wie also auch P. d'Entrecolle in oben gegebenen Nachrichten eines harten Steines 
gedacht, woraus das schönste Blaue in Sina durch das Rösten ietzo zur Porcellain-Mahlerey gcbraclit wird, 
welches unfehlbar nichts anderes als ein Kobolt-haltendes Ertz seyn muss. Noch ist von dem Dressdnischen 
Porcellain zu melden, dass ietzo die Erde von dem groben Sande nicht so accurat, wie im Anfang, 
geschwemmt wird, welche Sand-Körngen denn dem Porcellain glashaffte oder helldnrchsiclitigte Fleckgen 
geben, die viel zum Zerspringen desselben contribuiren. In Wien soll nun ietzo auch schöner dergleichen 
Porcellain aus einer Erde von Debreczin in Ober-Ungarn verfertigt werden, der, wenn er dem Dressdner 
nicht vorzuziehen, doch gewiss gleichzuachten ist. Aller dieser kan in Sonderheit in Dressden als auch 
allhier künstlich übermahlet, und die Farben eingebrennet werden, darauf in Bresslau erstlich Herr Preussler 
nur grau in grau oder schwarze Oemählde gemacht, ietzo aber verrichtet dieses Herr Pottengruber mit 
allen bunten Farben, und zwar in solcher Perfection, als es sonst niemals allhier geschehen worden. 

Delfter Fayencen 

In Delfft machet man zwar auch allerhand Qefässe, schon von langen Zeiten her, die dem äußer- 
lichen Ansehen nach dem veritablen Porcellain ziemlich gleich sehen, es kommt aber eigentlicht dabey nur 
auf die Glasur an, denn inwendig ist und bleibet es Thon, hat auch weder Klang noch Durchsichtigkeit. 

Fayencen von Berlin — aus Mähren — aus Breslau 

Deme auch ähnlich siebet derselbe, so häuffig in Berlin verfertiget, und weit und breit verführet 
wird. Bey einigen Jahren hat man auch angefangen zur Jahrmarckts-Zeit in unsere Stät vieles weisse mit 
bunten Blumen und Thieren bemahltes Qefässe aus Mähren meistentheils von Skalitz und Wischkau 
oder Wischa, an der Hungarischen Orentze liegende, zu bringen, so ehemals das Brüder-Gefässe ge- 
heissen, weil eine gewisse schwärmerische Sekte, so alles untereinander gemein haben gewollt, es daselbst 
erstlich verfertigt. Und von Creutzenach (wie oben Mense Augusto in diesen Sammlungen erwähnet), 
wurde gemeldet, wie allda sich in dem Flecken Bockenheim eine Porcellain-Erde gefunden, die dasige 
Herrschafft an Entrepreneurs, um eine Manufactur anzulegen, offeriret. Wie denn auch selbst von unserer 
Stadt an dem sogenannten Lehmtamme unlängst ein Meister solche Gefässe verfertigte, so denen 
Delfftischen oder Berlinischen wenig nachgeben, aber dies Porcellain-Brennerey ist zu keinem Stande 
konnnen; dabey noch eine Person war, die so lange Tabacks-Pfeiffen verfertigte, die zwar sehr hart und 
glatt waren aber von unserem Thon röthligt brenneten. 

Copenhagener Fayencen 

Dieses voran zu setzen hat Gelegenheit gegeben, da diesen Monat von Copenhagen Nachricht einlieff, 
wie man allda auch eine Porcellain-Fabrique aufgerichtet, darinnen mit gutem Succes gearbeitet würde: 
Welcherley von gemeldetem, vorhergehendem selbiger gleich komme, werde folgends bekanndt machen, 
zumal da Hoffnung habe, diesen, wie auch umständliche Nachricht von allen, zu erhalten." 

Seine Ausführungen beweisen, dass er wirklich gut unterrichtet war. Die Angalie, 

dass Köhler in Meissen seit 5—6 Jahren l<ol-)altb!aue Malereien ausfüiuc, deckt sich insofern 

mit den Meissner Akten, als Köhler nach Beding S. 118 im Jahre 1720 derartige Proben 

vorlegte. 

Melhorn in Meissen 

Im Jahrgang 1720 der Sammlung von Natur- und Medizingeschichten teilt Kund- 
mann mit, 

„dass der Königl. Poln. und Chur-Sächsische Inspector über die Schleift- unil Polier-Mühle, I lerr 
Joh. Georg Mehlhorn, eine neue blaue Farbe erfunden, womit das Dressdnische Porcellain, gleich dem 
indianischen, beständig zu mahlen sey. Welches allerdings, da nunmehro, der Dressdner Porcellain sich 
genugsam an Festigkeit und Feine legitimiret, eine ruhmwürdige Glasur-Invention für unser Teutschland, 
und besonders für Sachsen ist, um, wenn alles recht succedirte, den schädlicheti Verschwendungen vor den 



111 

Indianischen Porcellain eine Halte zu maclien. Diese Invention accompagniret eine andere von Glasur, 
wovon wir auf diesen Monat von Leipzig durch einen verständigen Freund in Folgendem avertiret worden: 
Hier ist ein Qold-Scheider, Namens Stolle, sonst ein curiöser und inventiöser Mann, der hat durch die Scheidung 
und Abtreibung des Bleyes mit dem Silber oder Gold auf der Capelle ein gelb Bley-Olas erfunden, welches 
vortreffliche Farben spielet, womit er denn kleine zöpfferne Täffelchen wie Holländische Fließgen überziehet: 
und deren zeigt er 12. und macht den Leuten, so ohn wegen seiner berühmten Glasur besuchen, weiß, er 
ziehe diese Farben aus der Lufft, und giebet vor, dieses könne er nur im Jan. jenes nur im Febr. ein 
anderes im Martio, und so durch alle Monate hindurch, machen: welches aber nach Redomontaden 
schmeckt." 

Nun, diese Nachricht über Mehlhorn deckt sich wiederum genau mit den Meissner 

Akten, und zwar mit dem bei Berling S. 33 erwähnten Kommissionsbericht vom 5. März 1720. 

Kundmann seinerseits hatte die Nachricht einer Mitteilung des Herrn Sikui „in des Leipz. 

Jahres-Buchs Contin IIL p. 823" entnommen. 

Wiener Porzellan 
Sehr wertvoll sind die im Bericht von 1723 enthaltenen Mitteilungen über das Wiener 
Porzellan, da uns urkundliche Nachrichten über die Frühzeit der Wiener Manufaktur fast 
vollkommen fehlen. Ausführlicher berichtet Kundmann noch einmal von Fayence und 
Porzellan in den laut Vorrede 1736 redigierten Rariora Naturae et Artis S. 635 642. 
Er spricht dort von Masse, Versuchen der Wiener Manufaktur, nennt den Namen des 
„Fabrikanten und Verlegers" Claudius Innocentius Du Pacquier imd exzerpiert den Lotterie- 
zettel der Wienerischen Porcellainlotterie von 1734, von der wir nur auf diese Weise 
Kenntnis erhalten haben und den ich bereits in meinem Katalog der Alt-Wiener Porzeilan- 
ausstellung im Kaiser Franz Josef- Museum in Troppau erwähnt habe (S. X) und hier 
noch einmal wiedergebe. 

„Die vornehmsten Gewinnste von gantzen Tafel-Servicen, betragen ein Gewinnst, 1000. 800. und 
700. Floren, so mit allerhand Figuren, nach dem Leben in allen Farben gemahlet, darzwischen mit ein- 
gebrennter vieler Gold- und Silber-Auszierung; Ja sogar sind darunter eingebrennte Gemähide, als ein 
Crucifix mit den Figuren Mariae, Johannis und Magdalenae, so vor 200. Floren aufgesetzet worden, auch 
ein Kühl-Kessel von dem Wertli, tlieils Service, sind auch gantz mit Golde bemahlet, theils sind grosse 
Aufsätze, Töpffe mit erhabenen Feldern mit Blumen, auch nach Mosaischer Art bemahlet; Ein Crucifix zum 
Aufsetzen von nnttlerer Grösse 150. Floren, zwey Leuchter mit 4. Armen 100. Flor, eine auf einem Polster 
sitzende Indianische Figur, welche mit dem Kopff wackelt. 50 Floren etc." 

Porzellanfabrik von Montpellier 

In demselben Bericht von 1736 steht eine sehr interessante Notiz über „die vor 

mehr als hundert Jahren errichtete Porzellain-Fabrik zu Montpellier." 

Die Gefässc sind sehr dünne, durchsichtig und klingend, schön weiß mit licht- und dunkel-blau 
nett bemahlet, und so harte, dass es wie das Orientalische Feuer schlaget, und Glass schneidet; ausser 
dass es auch dem Entzvvcyspringeii unterworfen seyn soll, und zwar soll eine gemeine Person die Erde 
hierzu von Chantilly entdecket haben, so ebener Massen denen Herren bey der Königl. Akademie besser, 
als der Sächsische (wie daher fast in allen Nachrichten gemeldet worden) oder der Dressdnischen gefallen: 
(vid. Commerc. Lit. Medic. I. Theil pag. 306). Ja sie haben es danut so weit gebracht, dass vor einigen 
Jahren man den Dauphin in Frankreich von dergleichen Porcellain eine ganze kleine Carosse nnt S Pferden 
bespannet und denen königlichen Printzessinnen die nettesten Puppen und Sänfften davon, und andere 
Galanterien prnesentircn können. Der Bericht daher in dem H.imbnrgischen unparteyischen Correspondenten 



112 

An. 1732 Nuin. 174 lautete vom 16. Oktohr. von Foiitaiiibleaii, wie auch in anderen Journalen also: Der 
Herr Olivier Aufseher über die vor luelir als hundert Jahren errichtete Porcellain-Fabrique zu Montpellier 
überreichte neulich unterschiedliche künstliche Stücke au lliro Majestät den Köniy;, und deren K<inii;liche Familie. 
Unter andern empfieng der König ein kleines Schloss 3 Fnss breit, ein Service, bestehend aus einer Art 
von Körben, von ordentlicher Grösse, aber neuer Mahlwerke, Früchte darimien aufzusetzen. Für den 
Dauphin und Duc D'Aiijou waren zwey mit 8 Pferden bespannte Kutschen, deren Oeschirr von blauer 
Seyde mit kleinen Spangen von Metall war: Dabey befand sich ein Kutscher und Postillion nebst zwei 
Bedienten hinten auf den Kutschen, welche mit Fenstern versehen waren, und inwendig eine Printzessin 
beherbergten: Ferner überreichte er zwei Sänffteu, jede mit zwey Trägern, eine Wind-Mühle, eine Compauie 
Reuter, mit ihren Führern, Trompeter, u. s. w. Eine Companie Fuss-Volk mit der Fahne, u. s. w. Einen 
Reit-Knecht des Königs mit einem Schul-Pferde, einen Courrier, der dem Könige einen Brief brachte. Die 
Priutzessinnen empfingen 3 Trage-Sessel mit ihren Trägern, und vielen andern artigen Kleinigkeiten. Dem 
Könige gefiel diese Arbeit ungemein wohl, er gab dahero dem Herrn Olivier Erlaubniss nach Versailles zu 
gehen, und solche der jungen Herrschafft einzuliefern. 

Davon die Regenspurger Nachrichten An. 1732 (im 45. Stück pag. 715) noch umständlicher handeln. 
It. der schlesische Nonvellen-Courrier. (An. 1732. Num. 173.)" 

Olivier, der Begründer der bedeutenden Fabrik zu Montpellier, wird 1717 zuerst 
genannt. 1729 erhielt die Fabrik den Titel einer „manufacture royale". (Jacquemart, La 
ceraniiqiie S. 4Q6 f.) 

Fayencen von Prag, Zerbst, Hamburg, Rudolstadt, Braunschweig, 

Arnstadt, Erfurt 
Weiterhin berichtet er in diesem Articulus 35 von 1736 (37), nachdem er von den 
Berliner, Delfter und Breslauer Fayencen gesprochen: 

„Und von Creutzenach (wie Mense Augustus in unseren Sammlungen erwähnet,) wurde gemeldet, wie 
allda sich in dem Flecken Bockenheim eine Porcellain-Erde gefunden, die dasige Herrschafft an Enlrepreneurs, 
um eine Manufaktur anzulegen, offeriret. Wie denn auch selbst vor unserer Stadt, an dem sogenannten 
Ixhni-Taniuie unlängst ein Meister solche Qefässe verfertiget, so denen Delfftischen oder Berlinischen 
wenig nachgegeben, aber diese Porcellain-Breunerey ist zu keinem Stande konien; dabey noch eine Person 
war, so lange Tabacks-Pfeiffen verfertigte, die zwar sehr hart und glatt waren, aber von unserm Thon 
röthligt brenneten: Aller dergleichen Qefässe, so man zu Prag, Zerbst, Hamburg, Rudolstadt, Brauiischweig, 
Arnstadt, Erfurth etc. ehemals, und noch, verfertiget, zu geschweigen. Nur noch zu gedenken, dass man 
angefangen durchsichtigen Porcellaiu nachzumachen, zu Dressden An. 1706, zu St Clou Au. 1709, zu Copen- 
hagen An. 1723, zu Wien An. 1725, und so in noch mehreren Orten. 

Von Au. 1728 aber lautete der Bericht in denen Miscell. Medic. p. 048. von Paris den 30. Martii, 
also; Ein allliier in der Vorstadt St. Antoine wohnender Künstler verfertigte eine Art von Porcellaiu, welches 
das Japanische, sowol an Firnüss als Farben, Vergoldung und der weißen Farbe der Erilen, deren er sich 
darzu bedienet, so genau imitiret, dass sich die besten Könner fast betrügen. Auch meldete der Holsteinische 
Correspondent An. 1730. den lOJaiuiarii Num. 9. dass zu Copenliagen in der Porcellain-Fabriciue, 10 vor- 
treffliche Kachel-Oefen von Porcellaiu verfertiget, inid nach Friedensburg gebracht worden, alKvo man selbige 
in denen Königlichen Oemächern aufgesetzet." 

Die meisten dieser von Kundmann vorhin erwähnten Fayencenfabriken, von denen wir 
bis jetzt beinahe keine Erzeugnisse nachweisen können, finden wir, allerdings ohne weitere 
Angaben, auch in anderen Quellen erwähnt, und somit imterstützen sich diese Nachrichten. 
Hamburg hat Brinckmann als Erzeugungsstätte von Fayencen seit der Mitte des 17. Jahrh. 
vermutet, in Rudolstadt wird 1720 und 1725 eine Fayencefabrik erriciitet (Stieda, Die 
Anfänge der F'orzellanfabrikation auf dem Thüringerwalde S. 12) imd der zu Kassel später 



113 

als Modellmeister 1766 angestellte Joh. Og. Pahland hatte vorher in Rudolstadt gearbeitet 
(Drach, Hessenland 1891, S. 12Q). Die Braunschweiger Fabrik wurde 1707 begründet, die 
Meissener Akten enthalten auch manches über ihre Frühzeit (Engelhardt, Böttcher 583). 
Arnstadt wird 1721 schon urkundlich erwähnt (Stieda S. 11) und bestand noch 1775, denn 
in diesem Jahre signierte dort der bekannte keramische Vagant Fliegel, der in Bayreuth 
und Mosbach resp. Frankenthal gewesen, einen Krug mit Blaumalerei (St. Georg mit dem 
Drachen) in der ehemaligen Reynoldscollection (Chaffers, Keramic gallery I S 9Q Fig. 165). 
Erfurt endlich wird als Fayencefabrik im Jahre 1716 auch in den Nürnberger Ratsverlässen 
erwähnt. 

Was die bereits in Kundmanns Bericht von 1723 erwähnte Berliner Fabrik betrifft, 
so kannten wir deren Existenz schon aus den Meissner Akten (Engelhardt 582); Brinckmann 
hat im Jahresbericht des Hamburger Museums 18Q6 S. 22 archivalische Nachrichten aus 
dem Berliner Staatsarchiv gegeben und Erzeugnisse der Manufaktur bestimmt und Stieda 
endlich hat in den Keramischen Monatsheften 1903 S. 90 ff. weitere Mitteilungen gemacht. 
Über die von Kundmann erwähnten Fabriken zu Prag, Breslau (wenigstens in dieser frühen 
Zeit) und Zerbst wissen wir noch nichts weiteres. 

Diese gleichzeitigen Zeitschriften wie die „Sammlung etc." und auch die im 
XVIII. Jahrhundert so zahlreichen Reiseberichte enthalten oft eine Reihe von wertvollen 
Notizen. Der bekannte Keyssler, dessen neueste Reisen durch Deutschland etc. die von 
Sponsel in seinem Kändlerwerk angezogene Beschreibung der projektierten Porzellan- 
dekoration des japanischen Palais enthält, berichtet z. B. 1730 aus Bamberg über „Bareufh": 

Bayreuther Fayencen 
„In St. Qeorgenstadt ist eine Fabrik von braunem und weissem Porzellan, welches häufig in die 
benachbarten Provinzen verkauft wird. Insbesondere hat man daselbst eine Erfindung, d. Silber u. Gold 
in das braune Porzellan so wohl einzubrennen, dass es beständig darinnen bleibt, und bezahlet man die 
Garnitur von einem halben Dutzend Tassen u. Schalen, bey welch sich eine kleine Tlieekanne, ein Spül- 
napf, eine Zuckertasse und eine Theebüchse befindet, mit 20 Thalern." 

Diese kleine Notiz erweist die Richtigkeit von Brinckmanns Ansicht (Das Ham- 
burgische Museum S. 491) von der Bayreuther Herkunft „der nicht in Meissen oder 
Plane angefertigten „rothen und braunen Porzellane" mit eingebrannter Vergoldung oder 
Versilberung". Leider sind gerade von dieser bedeutenden Fayencefabrik, die auch Porzellan- 
versuche gemacht hat, fast keine urkundlichen Nachrichten vorhanden. Bayreuther Fayencen 
sind z. B. auch, wie ich an anderem Orte ausführlicher darlegen will, die durch ein starkes 
Emailgrün und eigenartige dekorative Chinoiserien sich auszeichnenden Stücke, die man 
früher in Rehweiler lokalisieren wollte. Verschiedene gleichartige Teller eines derartigen 
Services in den Museen zu Sevres, Wien, Homburg und Reichenberg trugen die Marken 
B luul L. Sie bezeichnen m. E. die Fabrik Bayreuth und den Maler Löwenfinck, der nach 
seiner Flucht aus Meissen 1736 nach Bayreuth zog und von da 1740 nach Fulda. Einige 
dieser Fayencen im Germanischen Museum tragen ausserdem das Ansbach -Bayreuther 
Wappen. In Fulda tauchen auch die koloristisch und dekorativ eigenartigen Chinoiserien 
auf, allerdings ohne das hervortretende Grün. 

IS 



114 

Und so finden wir beim Durchblättern der vielen Bände Kundmannscher Schriften 
eine Reihe von Bemerkungen, die mitunter recht wertvolle Aufschlüsse geben. 

Kundmanns Interesse war ein allseitiges und nichts entging ihm. Er hatte viele 
und aufmerksame Korrespondenten, die ihm stets das Neueste berichteten, ausserdem las 
er die meisten Gazetten, immer exzerpierend und kommentierend. 

König Wau-Wau 

Sponsel zitiert in seinem Kändlerwerk S. 30 eine Liste der zum Schmucke des 
Japanischen Palais bestimmten Tierfiguren, darunter sind 12 Könige von Waiwou. Der 
Lieferschein der Manufaktur (Sponsel a. a. O. S. 56) nennt diese exotischen Vögel „Könige 
von Wawa"; Kundmann gibt uns auch hierüber Aufschluss. In der Sammlung von Natur- 
uiid Med.-Gesch. 1722 II S. 172 meldet er, dass in Hamburg beim französischen Wachs- 
Tuchmacher Joachim Brasche ein neuer indianischer Vogel sei, der König Wau-Wauen. 
Auch etymologisch ist diese Nachricht interessant, sie gibt uns Aufschluss über die Her- 
kunft des Kinderschreckes „Wauwau". 

Über die Sammlungen des Joh. Georg. Pauli, der sich eine Reihe von Jahren in 
seinem Hause den Miniatur-Maler Bottengruber hielt, berichtet Kundmann ausführlich 
in seinen „Scholae in Nummis etc." 1741 S. 422—24. Ich mache Bilderforscher auf die 
ziemlich genauen Bilderbeschreibungen daselbst aufmerksam, desgl. auf die Beschreibung 
des Bilder- und Naturalienkabinetts des Ernst Benjamin von Löwenstedt (a. a. O. S. 407—8 
und Promtuarium S. 54 68). Aus letzterer Sammlung erwähne ich nur zwei Stücke: 
„Eine Landschafft, wo ein Strohm zwischen Bergen flüsset, nebst vielen Dörffern, Schiffen 
und mehr als hundert menschlicher Figuren, von Sachtleben, welches Stück König Carl I. 
von Engelland besessen so von Cromweln hoch verkaufft worden" und „Ein Wein-Römer, 
da durch das Fenster die Häuser scheinen, künstlich gemahlet, auch aus König Carls I. 
von Engelland Gallerie, eben von Cromweln verkauftet." 

Gläser - Terra sigillata — Gliederpuppen 
Über Gläser finden wir manche Angaben, so über Kunckel (Rariora S. 317 und 
651 ff.) mit dem er befreundet war, und der im Anfang des XVlIl. Jahrhunderts in Breslau weilte. 
In der Sammlung etc. 1725 I S. 107, spricht er von dem seligen Matth. Pauli aus Dresden, der 
ein scharfes Ätzwasser erfand, womit er mannigfaltige Figuren, rare Wappen und Land- 
schaften ins Glas hat etzen können." Über die bekannte Terra Sigilata und ihre an- 
geblich heilkräftige Wirkung, die zuletzt Solon in seiner 18Q8 erschienenen Broschüren- 
folge „Pottery Worship The falten idols", behandelt hat, findet man bei Kundmami viele 
Nachrichten. (Rariora S. 243ff.) Und der Auktionskatalog seiner Sammlungen, der im 
Jahre 1753 bei Korn in Breslau erschien, zählt auf S. 224 ff. IQl Sigelerden aus seinem 
Besitze auf, u. a. „Ein nackender Mann und Weib, aus Sigelerde von Striegau". Ferner 
gibt Kundmann gewissenhafte Berichte über die Funde von spät mittelalterlichen Töpfer- 
waren 1720 in Liegnitz (Rariora S. 327 mit Abb.) und 1726 in Jauer (ebenda S. 334 ff. 
mit Abb.). In den Rariora S. 689 spricht er in einem Aufsatz „von Ästimation und Nutzen 



115 



der Kupffer-Stiche über Le Bion und seine Farbenstiche. Ebenda S. 366 erwähnt er aus 
seinem Besitz „Ein Glieder-Mann und Glieder-Weib, bronziret, da alle Gelencke bewe-sam 
und damit alle Posituren eines lebenden Menschen können nachgemachet werden" "oer 
Aukfonskatalügvon 1753 S. 470 spricht noch einmal von diesen, sie sind „zwo bresslauer 
Ellen lang, aus vergoldetem Holze geschnitzt." Ich erwähne diese Gliederficxuren weil 
vor kurzem Dornhöffer in der Festschrift für Wickhoff über derartige Figuren gehandelt hat. 

Deutsche Bronze des XVII. Jahrhunderts - Mumienfälschungen 
Recht amüsant ist der Bericht über den Fund einer Bronzestatuette, die einen Isis- 
pnester darstellen sollte, und die man in Schlesien gemacht hatte. Verschiedene grund-eiehrte 
Manner, darunter Qronovius, schrieben lange Aufsätze über diesen Fund und die merk- 
würdige Tatsache, dass die alten Schlesier die ägyptische Gottheit anbeteten etc. Kundmann 
referiert sachlich über all diese Gelehrsamkeit und setzt dann trocken hinzu, der grosse 
Gronovms habe wohl noch nie einen deutschen Bergmann mit seinem „Arschleder- 
gesehen, denn ein solcher sei diese Messingfigur, und stamme aus einer Leuchterkrone 
Em andermal berichtet er von einem Juden in Aiexandrien, welcher mit „Mumien gehandelt 
gantze Schichten solcher Todten-Cörper in seinem Magazin gehabt habe, welche an aller- 
hand Kranckheiten, ja auch wohl selbst an der Pest verstorben. Diese habe er mit alten 
verlegenen und wurmstichigen Specereyen, nebst Myrrhen, Ross-Aloe, und gemeinem Pech 
ausstopffet und also im Ofen schieben und trocknen lassen, hernach selbe wieder an 
d. Kaufleute verhandelt; und habe sich der Jude selbst darüber moquieret, dass d Christen 

172ril'532r '''^'''" "" '"'''"" """'' "■ """''^"' ^"^' "'""•" '^'""'""^ 
Nachahmungen chinesischer Stoffe in Mailand - Aufzugtisch 
Unterm 3. Oktober 1725 lässt er sich aus Mailand berichten, dass zu%iorenz Meuci 
das Geheimnis erfunden habe, „Zeuge zu machen, welche denen Chinesischer <.|eich voll- 
kommen sind". (Sammlung 1725 II 480.) In der gleichen Zeitschrift 1721 I S Q9f 
bcric^itet er „von der neuen Dressdenischen Tafel so gedeckt und mit Speisen besetzt in 
das Königliche Zimmer, aufgezogen, und nach Abspeisung wieder herabgelassen, an deren 
Statut aber eine andere substituiret wird", eine Erfindung des Königl. Hof- Modellmeisters 
Andreas Gärtner. Bekanntlich liess sich Friedrich der Grosse im Potsdamer Schloss 
ebenfalls einen solchen Speisetisch einrichten. Zum Schlüsse lasse ich hier noch 3 Notizen 
aus Kundmanns Werken folgen, sowie 5 andere, die sich auf die Geschichte der Keramik 
.mXyill. Jahrhundert beziehen, und den, neu eröffneten historischen Bildersaal Nürnberg 
1744 ff. entnommen sind. " 

r,„-i.. )'""'''■"'••"'." Sammlungen. „Unter vielen Uhren war allda (nämlich bei dem Grafen Geore 
a us.oph . Proskan m Breslau, eine goldene Repetir-Uhr n,i, Carniol und Diamanten ver e , vo^ 
A o„,o M.lloeg den jüngeren in NVien verfertige., welche die Stunden, halhe. viertel, und hbe Werte 
S unden geze.ge , und wenn man es haben wollen, geschlagen ; über dieses den Monats-Tag, wie auch Zune n^e 

ssig's rütr :\ 7'7' •■"' ,"' '^^^^-^ ''' '^'^"^•^" ^^-■■"^- ^■•^'" ^'^sser als eine n^i 
massige ba.k-Uhr, und ob diese gleich so vieles gezeiget, ist doch nur ein Rad mehr, als in denen 

15* 



116 

ordinairen Uhren, darinnen gewesen: wovor der Künstler 100 Oulden empfangen, da er diese bey Hofe 
in Wien aufs Spiel gesetzet; diese hat der Hr. Graf gewonnen, da ihm wenige Stunden vorher seine 
goldne Repetir-Uhr gestohlen worden." (Aus: Kundmann, Scholae in Nummis S. 40S.) 

Lacc-Fabriquen. „Aus dem Holsteinischen schrieb man den 16. Nov. Welcher Gestalt ein in 
Coppenhagen angelangter Knpffer-Stecher Erlaubnili gesuchet hätte, eine gewisse Lacc-Fabrique aufzurichten. 
Dergleichen ist auch schon An. 1721. in der Graffschafft Rödelheim bey Franckfurt angeleget worden, allwo 
von aufrichtiger, schöner Japanischer und Chinesischer Lace-Arbeit Holtz, Eisen, Kupffer, inui Meßing, 
steinerne Gefässe oder Geschirre u. d. g. so schön, dauerhafft, und im Wetter beständig gefertig-t, luid mit 
einem klaren Überzug vergoldet oder versölbert werden, daß man dergleichen so schön, auch so wohlfeil, 
niemals gehabt; wie damals von Franckfurt geschrieben wurde." (Aus: Sammlung von Natur- und Medicin- 
Geschichten. An. 1724 S. 551.) 

Graul hat vor kurzem m „Kunst nud Künstler" über die Lackfabrik des Stobswasser 

in Braunschweig berichtet. Im Schloss des deutschen Kronprinzen zu Öls befindet sich 

übrigens eine Lackstanduhr, laut hischrift auf dem Zifferblatt in Kopenhagen angefertigt. 

(Lutsch 11 554.) 

Gefälscht Silber. „Von I^aris hieß es: Weil die Regierung vernehmen müssen, daß gewisse 
Leute, so aber bis dato noch unbekandt seyn, eine gewisse nicht gar zu feine Materie in die Silberstangen 
gebracht, wodurch deni Commercio grosser Nachtheil entstehen kan, wie aus der Probe, so d. 5. 11. und 
20. Febr. zu Lion gemacht worden, zu ersehen: So hat der König an alle Goldarbeiter und andre der- 
gleichen Künstler einen Befehl ergehen lassen, daß keine dergleichen Materie weder von Gold noch von 
Silber ohne Probe mehr verarbeitet werden solle, und zwar bey Strafe der Confiscation 3000. Pf. an baarem 
Gelde, und der schärffsten Verfolgung nach den Rechten. Von einem in Paris neu-gemachten Metall, so 
dem Silber gleichen soll, ist bereits Mens. Jan. 1719. Class. V. Art. 7. Meldung geschehen." (Aus: Sammlung 
von Natur- und Mediciu-Geschichten, an. 1723 S. 567.) 

I'orzellan. 1737: ,,ln gedachtem Brüssel erfand ein Künstler, Namens de Wansoul eine ganz 
neue Art von Porcellan, welches er aus einer gewissen gemeinen Erde zubereitete. Indem er sich ein 
Privilegium über dergleichen Porcellan-Manufactur ausbat, überreichte er dem Premier-Minister, Grafen 
von Harrach, eine Probe von seiner Arbeit. Es war dieses Porcellan von solcher Dauer im Feuer, daß 
man Bley darinnen schmelzen konnte; wenn man es in Feuer glüend gemacht hatte, und that es wiederum 
in kalt Wasser, so bekam es seine vorige Farbe wieder. Es war dasselbe zwar sehr fein, aber nicht so 
weis, als das Indianische und Meißnische, worzu es sich aber der Künstler noch zu bringen getraute." 
(Aus: Des neu-eröffneten Historischen Bilder-Saals X.Teil S. 629/30. Nürnberg 1744.) 

1744. „Mit der Porcellain-Fabrick zu Stafford geht es, wie von London am 17. Novembr. berichtet 
worden, glücklich von statten, so, daß man nicht zweifelt, man werde in kurzen Jahren mehr denn 15 000 
Menschen darinnen gebrauchen können. Das Porcellain, welches da gemachet wird, kommt dem Chinesischen 
in allem gleich. Diese Unternehmung soll dem Aldermann Arnold und den Seinigen, da er dieselbe zutn 
Nutzen seines Vatterlandes mit grossen Kosten angefangen hat, sehr vortheilhaftig seyn. (Aus: Des neu- 
eröffneten Historischen Bilder-Saals XI. Teil S. 525 ) 

1745 ,,uud zu Neapolis hat man Porcellain zu machen erfimden, wovon der König dem Pabst die 
erste Probe überschicket." (Aus: Des neu-eröffneten Historischeu Bilder-Saals XI. Teil S. 425.) 

1748. „In Frankreich hat sich ein Kiinsfler angegeben, welcher das Drcsdnische Porccilan m'cht 
nur nachmachen sondern gar übertreffen will." (Aus: Des neu-eniffneten Historischen Bilder-Saals 
XI. Teil S. 852.) 

Tropiiati Edmund Willichn Braun 



117 

SCHLESISCHE MINIATURMALER 
DES NEUNZEHNTEN JAHRHUNDERTS 

bJis vor kurzem war die Gescliichte der schlesischen Miniaturmalerei ein unbe- 
schriebenes Blatt. Da lenkte die Erwerbung einiger Arbeiten des Miniaturmalers Amand 
Zausig die Aufmerksamkeit des Breslauer Kunstgewerbemuseums auf dieses liebenswürdige 
Kunstgebiet. Das einzige Mittel, einen Einblick in die historische Entwicklung der 
heimischen Miniaturmalerei zu gewinnen, fand die Museumsdirektion in der Veranstaltung 
einer Ausstellung von Miniaturmalereien aus schlesischem Besitze oder schlesischer 
Herkunft. Rasch entschlossen wurden die Vorbereitungen für die Aussteilung getroffen, 
die im Herbste vorigen Jahres mit einem Schlage ein wider Erwarten helles Licht in das 
Dunkel der Geschichte der schlesischen Miniaturmalerei warf.') Die hervorragendsten 
Schätze der mittelalterlichen liluminierkunst wurden in möglichster Vollständigkeit vereinigt 
und lieferten den Beweis von einer zuvor ungeahnten Blüte der romanischen und gotischen 
Buchmalerei in Schlesien. Die Kollektion künstlerisch ausgestatteter Stammbücher gewährte 
eine Menge willkommener Aufschlüsse über die Entwicklung und Bedeutung der schle- 
sischen Stammbuchmalerei des sechzehnten bis neunzehnten Jahrhunderts. Andreas Hempel 
(t 1627), Jacob Dietrich Kolbe (f 1727) und Johann Georg Wagner (tätig c. 1730 — 50) 
wurden als höchst beachtenswerte Breslauer Stammbuch-Illuminatoren entdeckt. Nirgends 
aber trat der wissenschaftliche Erfolg der Ausstellung deutlicher zutage als in der Abteilung 
der Portraitminiaturen. Schlecht steht es allerdings noch um die Erforschung der ,en 
miniature' gemalten Barock- und Rokoko-Bildnisse. Wir kennen wohl eine Anzahl Arbeiten, 
doch sie irren namenlos umher, wir wissen selten, wen sie darstellen, geschweige, wer 
sie verfertigte, und können oftmals nur mit Bedingtheit der angeblich schlesischen Herkunft 
Glauben schenken. Die Künstler pflegten ihre kleinen Bildchen nicht zu bezeichnen und 
die mündliche Tradition der Nachkommenschaft versagt naturgemäss für alles, was über 
das Ende des achtzehnten Jahrhunderts zurückreicht. So bleibt auch für die Folgezeit 
die Hoffnung gering, dass wir noch viel Nennenswertes über die Geschichte der älteren 
schlesischen Bildnisminiatur erfahren werden. 

Nach den Kriegen Friedrichs des Grossen steht die schlesische Kunst allenthalben 
unter dem Zeichen eines sichtlichen Niederganges. Jeder der Geld hatte, kannte andere 
Ausgaben als die Unterstützung schöngeistiger Bestrebungen. Daher fanden auch die 
Miniaturmaler in Breslau nicht den Boden, wie ihn Dresden und Wien boten. Ihre Zahl 
wird somit in der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts nicht sehr gross gewesen 
sein. Erwähnenswert in diesem Zusammenhange ist auch die Bemerkung in einer 



') Vgl. Katalof; der Miniatiiren-Aiisstelliing im Schlesisclicn Mtisciim für Kunstgewerbe und Alter- 
tümer zu IJrcslau, 8. Oktolicr bis S. November 1903. Erwin Hintze, Miniaturen-Ausstellung im Schlesischen 
Museum für Kunstgewerbe uiul Altertümer zu Breslau in der „Kunstchronik" vom 31. Dezember 1903, 
N. F. XV Nr. 10 Spalte 161^170. 



118 

handschriftlich erhaltenen Lebensbeschreibung des Maiers Gottlob Siegesmund Knoefvell, in 
der es heisst, dass bis etwa 1780 das Miniaturportrait in Schlesien noch nicht sonderlich in 
Mode war. Den Bedarf an kleinen Familienbildnissen scheint beim Adel hauptsächlich 
der Maler Friedrich Wilhelm Senewaldt gedeckt zu haben, der nachweislich hin und 
wieder -- vielleicht auch viele Jahre hindurch — zur Erledigung seiner Aufträge in 
Schlesien weilte, in Naglers Künstler- Lexikon heisst es von ihm: „Senewald, F. W., 
Bildnissmaler, arbeitete in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Berlin. Er malte 
viele Portraite hoher Personen, sowohl in Oel, als in Miniatur. Blühte um 1785." Seine 
Bildchen trifft man des öfteren in schlesischem Besitze. Sie sind, obwohl alle namenlos, 
leicht an ihrer eigenartigen Malweise kenntlich. Meist sind sie sehr farbenarm in grauen 
Tönen ausgeführt; nur bisweilen bringt eine rotgefärbte Lippe, eine rosa Wange, ein 
farbig behandeltes Kleid oder eine bunte Blume etwas Abwechslung in das graue Einerlei. 
In ihrer anspruchslosen Eintönigkeit machen die Werkchen fast immer den Eindruck einer 
improvisierten Augenblicksskizze, die mit grosser Sicherheit hingemalt ist. Die Tracht 
entspricht derjenigen der letzten dreissig Jahre des achtzehnten Jahrhunderts. In der 
Regel bevorzugt der Künstler die Profilansicht unter kräftiger Betonung der Augen- und 
Nasenpartie. Die bei weitem reichhaltigste Sammlung von Arbeiten Senewaldts bewahrt 
die Reichsgräflich von Hochbergsche Majoratsbibliothek zu Fürstenstein in einem Album, 
das 317 Portraitminiaturen enthält und aus dem Nachlasse des Künstlers von den Grafen 
Hochberg erworben wurde. Bis auf zwei Arbeiten sind alle von Senewaldts Hand. 
Zahlreiche Schlesier begegnen uns hier; unter den übrigen Bildnissen verdient in erster 
Linie ein Portrait des Philosophen Kant Beachtung, das durch P. v. Lind in den Kant- 
studien, Berlin 1899, veröffentlicht wurde. Wie Herr Bibliothekar Endemann aus Fürsten- 
stein freundlichst berichtete, soll sich zufolge einer Mitteilung Sr. Durchlaucht des Fürsten 
von Pless in der Majoratsbibliothek früher noch ein zweiter Band mit Senewaldtschen 
Portraits befunden haben, der aber in den vierziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts 
entwendet worden ist. Überhaupt scheint Senewaldt zu den Grafen Hochberg in engeren 
Beziehungen gestanden zu haben, denn ausser jenen 315 Portraits befindet sich in der 
Bibliothek zu Fürstenstein noch ein grosses Album mit 159 in Wasserfarben ausgeführten 
Landschaften. Vielleicht malte der Künstler die Aquarelle, die sämtlich deutsche (schlesische) 
und österreichische Gegenden wiedergeben, als Reisebegleiter eines Grafen Hochberg. 
Einzelne Blätter sind bezeichnet „Wilhelm Senewaldt", „W. Senewaldt" oder „F.W. Senewaldt", 
zahlreiche dagegen „F. W. S.", und, wie aus beigefügten Jahreszahlen hervorgeht, fällt 
ihre Entstehungszeit zwischen 1784—1800. Auch Graf Hocliberg auf Rohiistock zählt 
unter seinen Bildern mehrere Arbeiten Senewaldts. Se. Exzellenz Graf von Maltzan auf 
Schloss Militsch besitzt eine Elfenbeindose, in deren Deckel das Bildnis der Gräfin 
von Hoym, der Gemahlin des dirigierenden Ministers von Schlesien, eingelassen ist, das 
zweifellos auf Senewaldt zurückgeht. Staatsanwalt Reinecke in Breslau lieh zur Ausstellung 
zwei Familienbildnisse, die Senewaldt um 1790 in Sagan, wo er vielleicht am Hofe des 
Herzogs beschäftigt war, malte. Ferner erwarb das Breslauer Kunstgewerbemuseum 



119 




kürzlich in Schlesien ein weibliches Bildnis (Gräfin Stol- 
berg y) von desselben Künstlers Hand (Fig. 1). Endlich 
versichert Hofantiquar Max Altmann in Breslau, dass 
er im Laufe der Jahre oftmals Arbeiten Senewaldts aus 
altschlesischem Besitze angekauft habe, und dass sich 
bei weiterer Umschau die Zahl der Beispiele für Sene- 
waldts fruchtbares Schaffen in Schlesien leicht ver- 
grössern liesse. 

Seit 1 785 können wir einen einheimischen Miniatur- 
portraitisten nachweisen, dessen Tätigkeit sich aus- 
schliesslich auf unsere Provinz beschränkte. Er konnte 
sich so lange dem forschenden Auge entziehen, da fast 
alle seine Arbeiten, abgesehen von einigen Kupferstichen, 
unbezeichnet sind. Es ist Gottfried August Thilo, Fig. l. F.W. Senewaldt, Weibliches Bildnis 
der mehr denn sechzig Jahre seine Kunst in Breslau übte. Das biographische Material (Ur- 
kunden, Briefe und anderweitige Aufzeichnungen) wurde dem Schreiber dieser Zeilen durch 
die Nachkommen des Künstlers, insbesondere durch Herrn Kreisbaumeister Thilo und Fräulein 
Marie Thilo in Breslau freundlichst übermittelt. Thilo wurde am 7. März 1766 als Sohn 
eines kleinen Kaufmannes zu Löwen in Schlesien geboren. Da er frühzeitig durch auto- 
didaktische Leistungen seine Begabung an den Tag legte, gaben ihn die Eltern etwa um 
das Jahr 1782 zu dem Breslauer Portrait- und Historienmaler Braband, der als Schüler 
Pesnes erst in Berlin lebte, später in Breslau eine Rolle spielte und von dem ein Altar- 
werk in der Minoritenkirche zu Cosel O.-S. — darstellend die heilige Hedwig, Maria 
Magdalena und Anna — hängt. Lehrer und Schüler verband bald ein inniges Freund- 
schaftsverhältnis, das erst durch den Tod Brabands (f Q.Januar 1790 in Breslau) gelöst 
wurde. Als Thilo bei seinem Lehrer eine gediegene Vorbildung erhalten hatte, ging er 
etliche Jahre an die Berliner Akademie und sah sich dann noch einige Zeit in Italien um. 
Ende der achtziger Jahre kehrte er nach Breslau zurück. Rasch stieg sein Ruhm und 
auszeichnende Anerkennungen Messen nicht lange auf sich warten. In dem jugendlichen 
Alter von fünfundzwanzig Jahren wurde Thilo am 18. Juni 17Q1 zum ausserordentlichen 
Mitgliede der Königlichen Akademie der Künste in Berlin ernannt. 

Es entstand in der Folgezeit eine Reihe von Altarbildern für schlesische Kirchen 
— eine heilige Hedwig (Kopie, 1797), ein heiliges Abendmahl (1800), eine Himmelfahrt 
Mariae (1803), eine Taufe Christi (1804), sieben heilige Familien (1805, 1807, 1810, 1811, 
1812, 1817, 1818), drei Grablegungen Christi (1806, 1810, 1818), ein Christuskopf (1812), 
drei Johannesköpfe (1812, 1813, 1817), ein Elias in der Wüste (1816) u. s. w. — zum Teil 
typische Beispiele für die etwas kraftlose Helldunkelmalerei des achtzehnten Jahrhunderts. 
Dabei nahm es sich Thilo durchaus nicht übel, gelegentlich Kompositionen anderer Meister 
zu benutzen oder zu kopieren. Zum Beispiel besitzt Fräulein Marie Thilo in Breslau eine 
Abendmahlsszene, die sich bis in alle Einzelheiten an den Stich von Thouvenin nach einem 



120 

Ölgemälde von Benjamin West anlehnt. Auch Bilder mythologischen Inhalts und Land- 
schaften lassen sich nachweisen. Des öfteren versuchte sich Thilo als Kupferstecher; so 
stach er die Portraits des Ministers Grafen von hoym (1799), Jean Pauls (179Q), des 
Regisseurs Scholz (1799), Kants (1799), Napoleons als Konsul (1800), Herders (1800), der 
Gräfin von Hoym (1800), des Kammerkalkulators Zimmermann (1801), des General- 
Chirurgus Hörn (1801), des Fürsten zu Hohenlohe-Bartenstein, Fürstbischofs von Breslau 
(1802), des Professors Fülleborn (1803), des Dr. Faust (1804), Gutenbergs (1804), des 
Seniors zu St. Elisabeth Johann Friedrich August Hagen (1812) u. s. w. Die ebengenannten 
Stiche sind alle in Punktiermanier ausgeführt und überschreiten nur um ein Geringes die 
für Miniaturen übliche Grösse. Thilos eigentliches Feld war die Bildnismalerei. Sein 
bekanntestes, ausnahmsweise signiertes Portrait ist das des Ministers Grafen von Hoym 
(von 1803) in der Aula Leopoldina der Breslauer Universität'). Das Breslauer Kunstgewerbe- 
museum besitzt von seiner Hand zwei charaktervolle grosse Portraits, das des Kaufmannes 
Georg Benjamin Wincke (Kopie vom Mai 1815; Inv. Nr. 93 : 87) und das des Kommerzienrates 
Direktor Sigismund Leberecht Schlegel, das Thilo im September 1809 für dreissig Taler malte 
(Inv. Nr. 92 : 87). Die meisten Tafelbildnisse sind in kleinerem Massstabe gehalten und zwar 
als Brustbilder in halber oder gar in viertel Lebensgrösse. Uns interessieren hier nur die 
Miniaturmalereien, die einen nicht geringen Raum in Thilos Lebenswerk einnehmen. Ein 
Verzeichnis, in das der Künstler mit genauen Daten-, Personen- und Preisangaben seine 
sämtlichen Erzeugnisse vom 12. November 1795 bis zum 31. Dezember 1818 eintrug, hat 
uns die Namen aller derer bewahrt, die ihm während dreiundzwanzig Jahren gesessen 
haben. Das Büchlein befindet sich zurzeit bei Kreisbaumeister Thilo in Breslau. Da die 
Erfahrung lehrt, dass derartige Schriftstücke, die sich in privater Hand befinden, schnell 
für alle Zeiten verloren gehen, soll im folgenden ein Abdruck die Namen aller derer 
festlegen, die sich bei Thilo zwischen 1795 — 1818 haben malen lassen. Das Verzeichnis 
hat bereits bei Anfertigung der vorliegenden Arbeit manch brauchbaren Dienst geleistet, 
und kann gewiss auch bei künftigen Nachprüfungen, ob diese oder jene Miniatur 
von Thilo gefertigt ist, von Nutzen sein, sobald noch andere Umstände, wie Malweise, 
Auffassung u. s. w. für die Autorschaft des Künstlers sprechen. Mit der Orthographie 
stand Thilo nicht immer auf dem besten Fusse. Die Namen und Standesangaben 
derselben Personen erscheinen bald so, bald so geschrieben. An einigen Stellen wurden 
von mir offenbare Fehler beseitigt, in anderen Fällen musste wegen der schwierigen 
Nachprüfung über die Rechtschreibung der Eigennamen von einer eventuellen Verbesserung 
Abstand genommen werden. Bei den männlichen Personen wurde im Abdrucke vor dem 
Namen die Angabe „Herr" weggelassen. Endlich sei noch bemerkt, dass die in der 
Tabelle unter der Rubrik „Technik" gewählten Abkürzungen folgendermassen zu lesen sind: 
m = Miniatur, o = Ölbild, — Ausführung und Technik unbekannt. Wurde der Name 
mit einem Sternchen versehen, tlann ist das betreffende Bild bereits ermittelt. 

') Richard Förster, Der Bau der Universität Breslau uiul die Bilder der Aula Ledpoldiiia (Zeitschrift 
f. Gesch. u. AlleH. Schlesiens Bd. XXXIV S. 178). 



121 



Datum 



f2 



Dezbr 



1796 
Januar 



Februar 



März 



April 



1795 Kaufmann Kirsehstein 

Novbr. Baron von Sauerrua 

j Kaiifniatui Gack 

Kaufmann Dering 

Baron von Vogf 

Frl. Neuwertz 

Kind des Geheinirats Reisel . . . 
Kammer-Sekretär Hahn .... 
Minister Graf von Hoyni, Kopie . 

Geheimrat Reisel 

Minister Graf von Hoym, Kopie 
König Friedrich Wilhelm II., Kopie 
Kaufmann Kriischke, viermal . . 

Frl. Hoyer 

König Friedrich Wilhelm II., Kron- 
prinz Friedrich Wilhelm; Land- 
jägermeister von Wedel 

Minister Graf von Hoym, Land- 
jägermeister von Wedel, Kopie 
Frau von Lüttwitz, Kopie .... 
Frau von Reicheil, zweimal . 

Frl. von Reicheil 

von Eisenhart 

Landjägernleister von Wedel, Kopie 
Frl. Drescher 

König Friedrich Wilhelm IL, lebens- 

gross 

Haushofmeister Miehlheim . 

von Berge 

Frau Bach 

Baronne von Eriach .... 
Frau Hennig, Kopie .... 

Kriischke, Kopie . . 
Frl. von Reicheil, Kopie . 
Mai Frau Gräfin von Dyhrn 

Gräfin von Fialkowski . , 
Graf von der Goltz, Profil . 

von Berge 

Graf von Tenczin 

Frau Gräfin von Wengerski 
Regierungsrat Schulteis 
Jum' Baronin von Eriach . . 

Professor Bach J5 

Frl. Reimann 

von Wegern jg 

Juli Leutnant Streit 1 18 

Komtesse von Haugwitz .... 24 

Kaufmann Maeson 18 

I Fri. von Strachwitz 24 

Frau Registratur Hennig .... 9 
Kammer-Sekretär Liebich .... 6 



18 m 

21 = 
10 I = 
10 . 
21 
24 
12 o 

6 m 

22 o 
15 m 

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I 

3 

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Datum 



Name 



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12 

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15 

18 
15 
18 m 



100 o 

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15 

18 I- 
39 m 

9 
15 



Septbr. 



Oktbr. 



Novbr. 



Dezbr. 



1797 
Januar 



Februar 



1796 I Kaufmann Scholtz 

Juli i' Kaufmann Fürst 

August Leutnant von Richter 

Rendant Haamann 

Major von Kotulinski, Kopie . . . 
Herr und Frau Direktor Brede . . 

Direktor Brede 

Kaufmann Scholtz 

Fri. Qalimi 

Frau von Siebert 

Major von Heugel 
Frau Kanzleidirektor Prätorius 
Kanzleidirektor Prätorius 
Kanzlei-Inspektor Schmidt . . . . 

Fri. Scholtz 

Hofrat Lengnick 

Kinder der Frau Gräfin von Raeder 
Hauptmann von Glasenap 

Frl. Amalia Sandmann 

= Lehmann 

Oberstleutnant von Puttkammer 

Schweitzer 

von Haxthausen 

Leutnant Koch 

Fri. Phole (Pöble?) 

Kalkulator Grienich 

Kaufmann Kopisch 

Frau von Brüssel 

Kaufmann Hellwig 

Referendar Frandorff 

Registrator Hennig 

Kriegsrat Hornig 

von Prittwitz 

Fri. von Prittwitz 

Kriegsrat Hornig 

Frau Kalkulator Grienich. Ring- 

niiniatur 

Frl. von Beyer 

Kaufmann Gelschefski 

Dr. Zierzow 

Forst-Kommissarius Fielitz 

Frl. Eichholtz 

Zwei Kinder des Grafen Maltzan, 

auf einem Stück* 

Kind des Hauptmanns von Lüttwitz 
Leutnant von Koschembahr . . 
Kind des Kaufmanns Schiller . . 
Minister Graf von Hoym. Kopie . 
Frau Baronin von Sauerma, Ring- 
miniatur 

Frau Baronin von Sauerma . . 



12 o 
18 — 
21 m 



18 


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21 
18 
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18 



März 



April 
Juni 



18 




21 




IS 




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18 




18 




18 


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18 





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6 




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12 


— 


15 


— 



IS m 
12 — 



122 



Datum I Name 

i 

1797 Katifniaiin Wt-ntzel* 

Juni Graf von Sclilegenberg 

Kaufmann Hilliger 

Juli Frau Kaufmann Hilliger, zweimal . 
Herr und Frau Kaufmann Liebich, 

Kopie 

Rat Schramm 

von Machui* .... . . . 

Leutnant von Lossow 

August Leutnant Koch 

\ Oberst von Sauitz 

von Sanitz, der Sohn 

Kammerrat Hoyoll 

Hofrat Pincenelli 

Kaufmann Fürst 

Frau Kaufmaim Fürst 

Baronin von Stillfried . . . 
Kriegsrat Frandorff, Kopie . . . 

Septbr. Oraf von Frankenberg 

Kaufmann Salici 

Kommerzienrat Möllendorff, Kopie 

Justizrat Küntzel 

Regiments-Chirurgus Scholtz . . . 

von Prittwitz 

Landjägermeister von Wedel, Ring- 
miniatur 

Amtsrat Kester 

Dr. Laube 

Qeheimrat Gottner, Kopie . . . 

Oktbr. Frl. von Mitzschefal, Ringniiniatur . 

Herr und Frau Geheimrat Gautier, 

Ringminiatur, auf einem Stück . 

Geheimrat Gautier, zweimal . . . 

Tahronius 

Minister Graf von Hoym, Kopie . 

j Frau Tahronius 

Fr.Geh.-R.Qautier, zweimal, Kopieen 
Novbr. Geheimrat Gautier, Kopie .... 

Kaufmann Leuckart 

von Riedel, Kopie 

Leutnant von Stümer 

Frau Direktor Oautier, Kopie . . 

Frau Tahronius, Kopie 

Dezbr. Justizrat von Randow 

Leutnant von Wernicke . . . . 

Goldarbeiter Toulock 

Prinz August von llohenlohe . . 

Frl. Wiesner 

= von Podewils, Ringniiniatur 

I - von Beyer 

Frau von Haxthausen 



Li 

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18 




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18 




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18 




18 




18 




15 




18 




18 




6 


— 


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30 




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24 





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m 


15 




15 




18 




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15 




18 




18 


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15 


: 


18 


- 


18 




24 




18 




18 





Datum 



Name 



1798 Minister Graf von Hoym, Kopie 15 

Januar ! Frau Tahronius, Kopie 15 

Kaufmann Loewi 15 

Leutnant von Scharowetz .... 18 

Frl. von Beyer 18 o 

Frau Geheimrat von Beyer ... 18 m 

Frl. von Kochschützki (Kochtitzki?) IS 

Frau von Kochschützki( Kochtitzki?i 18 

Baron von Lyncker 18 

Februar von Keltsch 18 

Kaufmann Kuh 30 

Frau Salinger 18 

Zwei Kinder des Herrn Salinger . 36 

März Frau Oberstleutnant von Ronsdorff 18 

Frl. von Ronsdorff 18 

von Korckwitz 18 

Frau Hofrat Lengnick, Ringminia- 
tur, Kopie 12 

Frau Schiffke 12 

Frl. Pincionelli, Ringniiniatur ... 24 

Frl. von Prittwitz 24 

April von Prittwitz, Kopie ... 18 

Mollen Q 

Geheimrat von Beyer 18 

Baldowski 18 

Schorstaet 12 

Minch aus Pommern 18 

Mai I Roland aus Russland 18 

Frau Roland 18 

Kalckstein 18 

Rittmeister von Samoghyi .... 18 

Frau von Keltsch 18 

von Montbach 18 

Juni Landrat von Wrochem 18 m 

Kaufmann Roelke 18 

Hauptmann von Lange 24 

König Friedrich Wilhelm 1 1 L, Königin 

Luise von Preussen, Kopieen . 25 

Wiesner .... 18 

Komtesse Schlaberndorf, zweimal . 24 

Frl. von Görtz 18 

Juli Meltzer 15 = 

Hoffiskal Laube 18 - 

von Koschcnüiahr 18 » 

Frl. von I?ehr, zweimal i 30 o 

von Koschembalir, zweimal . . . 30 : » 

Baron von Stillfried 18 m 

Kanonikus Schmidt 10 = 

Leutnant von Dolfs 18 • 

August Kaufmaim Weniger senior ... 10 • 

Referendar Ertel 18 « 



123 



Datum I 

1 

17Q8 I 
August 

Sepfbr. 



\fi 



Oktbr. 



Novbr, 



Dezbr. 



1 70Q 

Januar 



Februar 



Registrator Ruppan Ig 

Baron von Lyncker senior .... 18 
Ihre Maj. König und Königin von 

Preussen, Kopieen 21 

Frau von Röhl jg 

Kaufmann Dold 16 

Ihre Maj. König und Königin von 

Preussen, Kopieen n 

von Woyrsch ig 

Frl. Mondenschein 5 

Leutnant von Pfeil ig 

Kaufmann Schweitzer 22 

König Friedrich Wilhelm III., zwei- 
mal, Kopieen ■ ... 12 

Graf von Starnitzki 22 

Frau Bergmeister Mauer .... 20 

von Langenau senior ig j 

von Langenau junior ig 

Oberstleutnant von Rudorff ... lg 

Propst Oottwald, Kopie .... 15 

Kaufmann Focke 15 

Kind des Kaufm. Andretzki, zweimal 30 

Generalleutnant v. Forcade, Kopie ' 15 

Frau Kanimerrat Hoyoll . . ' ]g 

Frl. Kiodoch ]2 

König Friedrich Wilhelm III., Kopie , 8 

Frau Herst I 15 

Senator Geyer jg 



von Posadowski 
Bauinspektor Schoski 
! Frl. von Debschitz 
Geiicralfiskal Berger 
Kaufmann Websky 

Kaufmann Lange | ]g 

Subsenior Zastrann i ig 

Frl. Wald .' I ]g 

Frau Schiller jg 

Kaufmann Websky, Kopie . . . . 12 ! o 
Komtesse von Wengerski . . . . | ig 

Kalkulator Reimann lg ! m 

Frau Herst jg 

von L'nruh, Kopie 
(^uarticrmeister Werdermann . 

von Ziegler 

Graf von Schack 

Jiisti/rat Hoferichtcr .... 
Minister von Danckeimami 
Graf von Schack senior, Kopie 

Frau Elisohn 

Gebauer 

Kaufmann Franck 



8 o 



Datum 



N a 



_L 



1799 
Februa 



März 



April 



Mai 



Juni 



Juli 
August 



Septbr. 



Oktbr. 



Kaufmann Wedel, zweimal, Kopieen 

Bau-Inspektor Geisler 

Steuer-Kontrolleur Hotfmann 

Scheffler von Schmolz 

Geheimrat von Osten, Kopie . . 

Kind des Kaufmanns Roelke 

Kupferstecher Johann Carl Richter. 

von Czettritz, Kopie 

Graf von Dyhrn 

Frau von Prittwitz, Ringminiatur, 
zweimal 

König Friedrich Wilhelm III., Kopie 

Registrator Ruppan, Kopie . 

Geheimrat von Osten, Profil, Kopie 

Haensel junior 

Hofrat Prassert, Ringminiatur . 

Frl. Kaickstein, Ringniiniatur 

Minister Graf von Hoym 

I Hofmeister Poillon 

! König Friedrich Wilhelm III. und 
die Königin Luise 

Kaufmann Scade 

Minister Graf von Hoym 

Hofmeister Poillon, Kopie 

Kaufmann Scade 

' Graf von Schack junior 
I Kaufmann Neustätter 
[ König Friedrich Wilhelm III. . 
Königin Luise von Preussen* . 

Graf von Zedlitz 

Kind des Kaufmanns Fürst 

Frau Hellwig, Kopie 

Kaufmann Tiehls 

König Friedrich Wilhelm III., Kopie | 
Königin Luise von Preussen, Kopie / 
Registrator Ruppan, Kopie . . 

Kaufmann Behr 

FM. von Richthoff (Richtliofen) . 
Kind des Chirurgus Jaeckel . 

von Sacken 

Regiments-Quartiermeister Jaeger 
König Friedrich Wilhelm III., Kopie 
Frau Kammer- Konduktor Oebauer, 

Ringminiatur 

Kaufmann Kordenuiff aus Russland 
Kind des Forstinspektors Mirenski 
Kaufmann Bielewski aus Russland 
Kaufmann Clapoini aus Rirssland 
Frau Hauptmann von Pliimicke, 

Ringnu'niatur 

Kaufmann Bielewski, Kopie . . . 



12 

18 
18 
18 



IS 




9 


= 


15 





18 


m 


3ti 




6 


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6 


m 


9 


— 


18 


m 


24 




24 




10 


— 


15 


m 


20 





20 


m 


10 





10 




18 


m 


18 


— 


18 


m 


18 




18 




22 




18 





18 


m 



18 
30 



6 


- 


IS 


m 


18 




18 





18 


m 


15 




11 




IS 


m 


21 




IS 





30 


ni 


30 


• 


24 


, 


10 


, 



124 



Datum 



Name 



1799 I Graf von Schack senior, Kopie . . 

Oi<tbr. Graf von Sclilaberndorff auf Seppau 

Graf von Sclilaberndorff, Kopie . 

Kriegsrat Graf von Schack senior . 

Kriegsrat Graf von Schack senior, 

Kopie 

Novbr. ; Major von Könitz 

Kaufmann George aus Rawitsch . 

Kaufmami George senior, Kopie . 

j Kriegsrat Graf von Schack senior, 

Kopie 

j Diakonus Hagen 

i von Schimonski 

Rittmeister v. Heydebrantl, dreimal, 

Kopieen 

Dezbr. i Kaufmann Wentzel junior .... 

Kaufmann Günther 

Leutnant von Triebel 

Oberst von Lentcken 

Frl. von Scheliha 

Kaufmann Weissenbrunn . . . 
Frl. Kracker (Ringminiatur?) . . . 

Kaufmann Fischer 

ISOO Kaufmami Michaelis 

Januar Kind des Kassierers Krüger . . . 

Frau Weiss 

j Graf von Strachwitz 

I Prokonsul Henig 

1 Goldarbeiter Jaeckel 

Minister von Massow, Kopie . . 

Februar Kaufmann Zedier 

j von Buehnow 

Schauspieler Czechtitzky .... 

Faktor Barth 

Baron von Gallen 

März Landrat von Larisch 

Minister von Münchow 

Minister von Schlaberndorff . . . 
Minister Graf von Hoym . . . . 

Graf von Dyhrn junior 

I Frl. von Lipinski 

Kaufmann Kleinwächter junior . . 
April König Friedrich Wilhelm III., Kopie 
Frau Rat Radicke, Ringminiatur 

Kanzelist Richter 

von Johnston 

Scheffler 

Kaufmann Rudolf 

Mai König Friedrich Wilhelm III., Knie- 
stück 

Frau Minister Gräfin von Hoym . 



i_ I a 



5 m 

8 = 

5 

8 



54 
8 
2 

8 

24 

8 

8 
24 



50 o 

18 I m 



Datum I N a m e 

1800 von Busch, Kopie 

Mai Minister Graf von Hoym, Kopie 

Gutsbesitzer Woy 

Kaufmann Brückner 

Justiz-Kommissarius Heymann . . 

Kaufmann Clapoini aus Russland . 
Juni Stadtdirektor Brim 

Frau Kaick 

Minister Graf von Hoym, Kopie 

Frau Weiss, Kopie 

von Johnston senior 

König Friedrich Wilhelm II. . . . 

Pastor Hanser 

Juli I Frau Pastor Häuser, Kopie . . . 

Kaufmann Meyersohn 

Hofapotheker Schlencker .... 

Kaufmann Kraft 

König Friedrich Wilhelm III , Knie- 
stück 

August Frau Syndikus Barcliwitz . . . . [ 

Kaufmann Kraft, Kopie .... 

König Friedrich Wilhelm 111., Knie- i 
stück 

Syndikus Mewius | 

Septbr. Rittmeister von Arnim 

Kind des Pastors Hauser ... 

Kammer-Kalkulator Zinimermami . 

Landschaftssyndikus Täuber . . . ! 

Platzmajor Hornesser 

Major von Saint-Paul . 

Kaufmann Golikoff aus Russland . 

Kaufmann Wedtschinkow aus Rnssl. 

Frau Major von Saint-Paul ... 

König Friedrich Wilhelm III., Kopie 

Frl. Rudolf 

Baron von Sehweiuitz 

Oktbr. Graf von Dohna 

von Schimonski junior 

König Friedrich Wilhelm III. . . \ 

Königin Luise von Preussen . . / 

Kaufmann Pohl 

Oberpostdirektor Scheffler .... 
Novbr. Frl. Scheffler 

Fabrik-Inspektor Nacke .... 

Oberamtmami John 

Kaufmann Otto 

Kaufmann Fischer aus Gotfesberg . 
Dezbr. Frau Kammerrat Hoyoll .... 

Kaufmann Fritsch, Ringminiatur 

Oberamtmann John, Kopie . . . 

Dr. Jäckel, Ringminiatur .... 



m 
o 



5 

5 

21 





8 
25 



5 

8 

5; 

8 

2 

75 

5 

8 

8 



8 

5 

S 
30 
30 

8 



5 

2 

8 

8 

20 

18 
9 
9 

18 
18 
18 
18 
18 
9 
18 



125 




I 



1801 Leutnant von Cetrowsky .... 
Januar Zwei Kinder des Oeheinirats von 

Pilsach 

Februar Baron von Stössel 

I Holz-Inspektor Seiffert 

König Friedrich Wilhelm III., Kopie 

März Frl. Websky 

Kaninier-Konduktor Oebauer, Ring- 

niiniatiir 

Kalkulator Zimmermann .... 

Rektor Manso 

April j Leutnant von Lieres 

' Qeneralchirurgus Hörn 

Steuereinnehmer Ciehrow .... 

Landrat von Skrbenski, Kopie . . 

Mai Frau Hauptmann von Liptow, Kopie 

Juni = Hauptmann von Liptow, Kopie 

Qeneralchirurgus Hörn, Kopie . . 

Major von Schaetzel 

Kaufmann Döring 

Juli Steuer-Einnehmer Anderssohn . . 

Kaufmann Rausch 

von Oladiss 

Kaufmann Weniger 

August Bergrat Bernhardi . . .... 

Kammer-Kalkulator Opitz junior 
Minister Graf von Hoym, Kopie 

Septbr. Frl. von Keltsch 

Frau Major von Schaetzel .... 
Leutnant von Röhl, Ringminiatur . 

Kaufmami Schenck 

Oktbr. Frl. von Steinvenz 

Kaufmann Schenck, Kopie . . . 

Frl. Hauck 

Chirurgus Grosser 

Chirurgus Titze 

Kreis-(^hirurgus Wiegmann, Kopie 
Kaufmann Schmiege senior, Kopie 

Novbr. ' Fri. Loebel 

Kuratus Burgund ^ 

Herr u. Frau Schmidt . . . . / 
Kassierer Krüger 
Kind des Kaufmanns Schiebel . 
Kaufmann Schmiege senior, Kopie 
Dezbr. Hütten-Schreiber Merttni . . . 

Koffetier Dieckluit 

Oberbergfaktor Dillthei .... 
Kind des Herrn Weniger . . . 
Proviant-Kontrolleur Zinsser . . 
Kaufmann Scade, Kopie . . . 
Minister Graf von Hoym, Kopie 



m 



18 m 

36 - 

18 m 

15 « 

5 o 

18 m 

18 

18 o 
18' « 
18 m 
15 o 
15 m 
15 = 
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15 
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10 

6 

6 

12 [- 
20 o 

9 m 



10 m 

20 . 
20 
16 
6 

10 . 

10 ! -. 

15 . 

18 — 

8 — 



1802 Kaufmann Siemon 

Januar Frau Pitschke .... . . 

Herr und Frau Kiessling . . . 

Kuratus Schmidt 

Bauinspektor Knorr 

Pastor Johann Oottlieb Kusche* 
Frau Pastor Anna Rosina Kusche 

Februar Hauptmann von Stahr . . . 
Kind des Kaufmanns Michaelis 
Hauptmann von Stahr, Kopie 
Graf von Henckel . . 



•}| 



März 
April 

Mai 
Juni 

Juli 



August 



Septbr. 



Graf von Henckel, Kop 

von Lüttwitz . . . 

Frau Dr. Menzel . . 

Kaufmann Marcus 

Major von Amstetter 

Major von Amstetter, Kopie 

Kuratus Schmidt, Kopie 

von Koschnitzki aus Süd-Preussen 

Ratniann Kessel 

Frau Ober-Konsistorialrat Janus 
Kind des Gutsbesitzers Schwarzer 
Baron von Richthoff (Richthofen) 
Kind des Herrn von Riediger 
Frau Fürstin von Sollikowski 
KaufmaiHi Landeck . . 

Prinz von Sollikowski . . 
Baron von Richthoff, Kopie 
Frau Fürstin von Sollikowski 
Leutnant Schubert 
Frl. Früliboes, Ringminiatur 

Pastor Busch 

Major von Amstetter, Kopie 

Tischler Klog 

Frau von Koschnitzki . . 
Frau Gräfin von l'ackowski ( 
Komtesse von Miauska . 
Kaufmann Willers junior 
Fürstbischof von Hohenlohe, Kopie 
Kaufmann Willers junior, Kopie 
Justizkommissarius Busch . 
Frau Krackau, Ringminiatur 

von Maltitz 

Major von Rosen .... 
Dr. Hanckow .... 
Leutnant von Tchirsky . . 
Frl. von Lipinski .... 
Pastor Busch, Kopie . . . 

Frl. Bernhardi 

Kaufmann Roestel . . . 
Frl. von Richthoff, Ringminiatur 



12 o 

12 m 

20 o 

3 . 

-|(m) 

10 m 
15 o 

6 m 
18, . 
10 ^ 
15! ' 
10 I o 

9 m 
15 - 

9 o 

3 : 

18 m 

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15 m 
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30 o 
12 m 
15 o 
15 m 

18| . 
15 . 
18 

18 • 
18 i . 
18 - 
10 o 
10 m 
18. • 
181 • 



126 



I 



Datum 

1S02 
Septbr. 

Oktbr. 



Novbr. 



Dezbr. 



1803 
Januar 
Februar 



März 



April 



Mai 



Juni 



Juli 
August 



N a ni e 

Leutnant von Proinschitzky . . . 
Oberst von Rosenschantz .... 

Leutnant von Johnston' 

Frl. Martini 

von Axieben 

Kind des Hauptmanns v. Podewils 

Kämmerer Christiani 

Pastor Thilo senior 

Baron von Sauerma 

Pastor George 

Salz-Kontrolleur Orunwald . . . 

Frl. Marcus 

Frau Hauptmann von Honoris . 

Graf von Strachwitz 

Kaufmann Weiss 

Frau von Schickfnss, Kopie . . . 
Frau Gräfin von Qaschin, Kopie . 
Herrmann Deckart 

Baron von Richthoff 

General von Satmoretsky, Kopie . 
Kind des Inspektors Pitschke, Ring- 
miniatur 

Professor Fülleborn* 

Oberamtsrat Schreiner 

Justizrat Neugebauer 

Graf von Mettich 

Oberamtsrat v. Phonica ( = Ponickau?) 

Kaufmann Rauher 

Leutnant von Satmoretsky .... 

Leutnant Wurms 

Frl. Daemel 

Frau von Kosclmitzki 

Kaufmann Kuh senior, Ringminiatur 
Kauuuer-Sekretär Hennig, Profil . 
Kaufmann Heymann, Ringmiuiatur 
FrauKammer-SekretärHennig, F^rofil 

Frl. von Corswiusky 

Leutnant Held 

Graf von Conicka (?) 

Graf von Conicka (?) 

Rendant Gilling* 

Leutnant von Rabenau 

Frau von Müller ans Russlaud . . 

Kaufmann Wolff 

Frl. von Sauermann 

BarDu von Sauermann 

Frau Baronin von Saucrmann . . 
Minister Graf von Hoym*. . . . 
Leutnant von Heydebrand senior . 
Frl. von Salisch 



m 






16 

18 
18 
10 
18 
18 
9 
9 
18 

10 
9 

15 
18 
15 
15 
9 



18 
10 

15 

18 
18 
18 
18 
15 
12 
12 
15 
30 
30 

5 — 
30 m 

5 — 
16 m 
18 - 
24 . 
12 o 
15 m 
10 
15 
15 
18 
18 
18 
40 I o 
16j 
16' m 



Datum 

1803 
August 

Septbr. 



Oktbr, 



Novbr. 



Dezbr. 



1804 
Januar 

Februar 



März 



April 



Mai 



N a m e 73 
H 

Leutnant von Heydebrand d. Mittlere 17 

Rittmeister von Lnsi 15 o 

Leutnant von Heydebrand junior . 17 

Frl. von Salisch junior 16 

Frau von Wolff 18 m 

Kaufmann Fischer 15 

von Mitzschefal 15 1 o 

Geheinirat von Mitzschefal, Kopie. 12 

Kind der Frau von Pistoris . . . 20 m 

Landrat von Pistoris, Profil, Kopie 15 

Frau Rittmeister von Lusi .... 18 

Graf von Myneleschky 18 

Frl. Jäschke, Ringminiatur .... 18 

Frau Rittmeister von Lusi .... 18 o 

Apotheker Wolff 9 m 

Kaufmann Pietsch, Kopie .... 18 

Frau Siemon 12 

Leutnant von Tenskow 18 m 

Kraft aus Süd-Preussen .... 15 

Amtmann Kaposta 15 

Frau Klose 6 

Baron von Wilczek li 

Kaufmann Teichmauu 15 « 

Frl. von Rabenau, Ringminiatur. .18 

Graf von Maltzan junior .... 18 = 

Dr. Klose 18 > ■ 

Frau von Wolff ...... 15 o 

Frl. von Hogar 18 m 

Frau Rgts. -Quartiermeister Ruprecht , 18 — 

= Baronin von Wilczek . . . 18 ni 
Rgts.-Quartiermeister Ruprecht, 

Kopie 16 — 

Kaufmann Albrecht 15 m 

Kamnierherr von Wolicki .... 24 

von Rothkirch, RingminiattU' . . 24 « 

Kaufmann Hancke 18 ; -- 

Exz. Graf von Maltzan, lebensgross 130 o 

Kammerherr von Wolicki, Kopie . 12 m 
Frau Hauptntauu von Roehl, Ring- 

uu'niatur 18 = 

Frau Kaufmann Rociko, Riugnun. 18 < 

Frl. Strauch 18 = 

Kaufmann Schmidt 18 | = 

Frau von Schickfnss ' 24 , - 

Exz. Graf von Maltzan 16 » 

Oberanits-Refereiular von Steiubcck 18 j -- 

Kaufmann Maeson ium'or . . 18 1 = 

Leutnant von Knapp .... 18 < 

Geh. Registrator Pauli 15 - 

Frl. von Garnier 18 = 

Kaufmann Kriselte, Kopie .... 18 o 



127 



Datum Name 



1804 von Strachwitz 18 

Mai Frl. Lange 15 

Kandidat Böbel 15 

Juni Frau Pastor Hentschel 18 

j Frau Assessor Thiele 15 

j Frau von Prittwitz 18 

I Exz. Graf von Hoym 60 

Juli König Friedrich Wilhehn III., Knie- 
stück 80 

Frl. von Bedau 18 

= von Schimetzky 18 

August Schlosser Riebe 18 

Exz. Graf von Hoym, Kopie ... 15 

Leutnant Engelbrecht 15 

Maler Felix Husse 6 

Amtmann Becker 18 

Minister Graf von Hoym, Kopie . 15 

Septbr. ' Frl. Treidler 20 

Leutnant von Busse 18 

Kriegsrat Schröder 12 

Minister Graf von Hoym, Kopie 15 

Gutsbesitzer Kepke 18 

Leutnant von Fischer 18 

Oktbr. Baron von Larisch 18 

Baron von Larisch, Kopie ... 12 

Novbr. Kammerrat Hoyoll, zweimal ... 30 

Frau Baronin von Troschke ... 18 

Stallmeister Hüllner 18 

Dezbr. Frau Gräfin von Hoverdeii, Kopie 18 

Minister von der Schulenburg, Kopie 6 

: Frau Gräfin von Hoverden, Kopie 18 

1805 Graf von Fernemont 18 

Januar Komtesse Fernemont 18 

Frau Derck 12 

Graf von Strachwitz 18 

Graf von Strachwitz, Kopie ... 12 
Februar König Friedrich Wilhelm III., Knio- 

stück 30 

März Herr und Frau Amtmann Gehr . 18 

Graf von Myneleschky, Kopie . . 18 

April (Jberbergfaktor Zocliow, Profil . . 8 

Frau Gräfin von Hoverden, Kopie 18 

Exz. Graf von Hoym, Kopie ... 6 

Mai I Ooldarbeiter Weinbrich . . 9 

Juni Frl. von Orsorowsky 18 

Destillateur Borrmarui Q 

Frau Destillateur Borrniann ... 9 

Pastor Opitz 12 

j Frau Pastor Opitz . . . . . . 12 

Kind des Pastors Opitz .... 12 

Goldarbeiter Wagner 15 



m 



Datum 

1 

1805 ' 
Juni 

Juli 

August 



Septbr. 



Oktbr. 



Novbr. 



Dezbr. 



1806 
Januar 

Februar 



März 



Name 



von Thielemann .... . . 

Frau von Thielemann 

von Thielemann, lebensgross 

Senior Busch 

Apotheker Kirchstein 

von Debschitz . 

Gräfin von der Marck 

Kind der Gräfin von der Marck . 

Schauspieler Kuttner 

Leutnant von Poser 

Gutsbesitzer Wegalla, Kopie . . . 

Kind der Frau von Richthofen . . 

Geh. Kanzelist Binner 

Kanzelist Kindler 

Frau Baldowsky 

Kaufmann Suschke 

Frau Senior Zastrow 

Frl. Wallenstein 

f^egts.-Quartierineister Kistniacher . 

Frau Gräfin von Szemberg, Profil, 
Kopie 

König Friedrich Wilhelm III., Brust- 
bild 

Leutnant von AIcuer ( Alkier?) . . 

Graf von Pfeil, Kopie 

Kind des Oberamtsrats Gerhard 

Zeisig 

Gutsbesitzer Hilldebrand .... 

Wiesner 

Graf von Schinafsky, lebensgross 

von Bienelsky, lebensgross . . . 

Frau Hauptmann von Jacobi . . . 

Instrumentenmacher Knöpfel . . . 

Fürstbischof von Hohenlohe, Kopie* 

Gutsbesitzer Zerbony 

Steuereinnehmer Giese 

Frl. Zimmermann 

Leutnant von Mollicoff aus Russland 

Hauptmann v. Kossniakoff aus Riissl. 

Leutnant von liuigaltscheff ausRussl. 

Kind d. Oberamtsrats Gerhard, Profil 

Oberstleutn. von Frohloff aus Russl. 

Major von Afanasiew aus Russland 

Fri. von Rabenow (Rabenau?) . . 

Gutsbesitzer Schmidt 

Fri. von Karschnitzka 

Kaufmann Winckler 

Frau Kalkulator Böttner, Kopie . . 

Herr und Frau Kretschmer . . . 

Frau Fürstin von Lichtenstein, Kopie 

Leutnant von Strampf 



15 

15 

60 

18 

12 

18 

24 

24 

18 

18 

12 

18 

18 m 

18 

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15 

24 

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60 
60 
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10 


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24 


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24 




15 


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128 



Datum 

1806 
April 



Name 



Mai 



Juni 



Juli 



August 
Septbr. 



Oktbr. 



Novbr. 

1807 
Februar^ 
April I 

Mai 



Juni 



Bauinspektor Krug ..... 
Major von Qrusinshoff aus Russland 

Hauptmann Halin 

Frau von Mandel 

Graf V. Sandretzky auf Manze, Kopie 

Leutnant von Posse 

Leutnant von Posse, Kopie . . . 

Leutnant von Hüner 

Kriegsrat Hornig, Kopie .... 
Kaufmatni Zainnierscha aus Russland 
Kaufmann Bellafsky aus Russland . 

Frl. Oerson 

Kaufmann Websky senior, Kopie . 

Amtmann Höger 

Fürstbischof von Hobenlobe, Kopie 

Frl. Reisel 

Leutnant von Erichsen 

Frl. Reimann ... 

Frau Hauptmann von Glasenap, 

Kopie 

von Frankenberg 

Kaufmann Lampe 

Landrat von Ivernois 

Frl. von Helmrich 

-- Schopler, Ringminiatur . . . 
Kinder des Herrn Kretsclimer . . 
Fürstbischof von Hohenlohe, Kopie 
Kammerpräsident von Bismarck 

Prälat von Wostrovi'sky 

Prälat von Wostrowsky, Kopie . . 
Kind des Pastors Thilo junior . . 
Kammer-Sekretär Deckart .... 
Kammer- Präs.vonBismarck, Kopie 
Direktor Baron von Glaubitz . . . 

Direktor Schiller 

Frau Kammer-Präsident v. Bismarck 

Direktor Scholtz 

Frau von Thieleniann 

Kaufmann Koschny 

Oberamtmann Teller, Kopie . . . 

Kind des Leutnants von Poplofsky 
Ritt?neister von Cot|uerelle . . 

Rittmeister von Coquerelle, Kopie 
Kind des Rittmeisters von Coquerelle, 

Kopie 

Frau Rittmeister v.Coi|uerelle, Kopie 
Prinz Hieronymus Napoleon . . 

Stadt-Vogt Generale 

Frau Apotheker Gräulich .... 
Goldarbeiter King .... . . 



Datum 





1« 


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Name 


15 






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^ 



15 

12 m 
12 

12 
12 

50 I — 
16 m 



1807 
Juli 



August 



Septbr. 



Oktbr. 



Novbr. 



Dezbr. 



1S08 
J.Tiiuar 
Februar 



März 



April 



100 
73 

Ringminiaturen \ 73 



Prinz HieronymusNapoleon, zweimal 
Kaiser Napoleon, zweimal, Kopieen 
Kaiser Napoleon 
Prinz Hieronymus 

Oberst von Depouthon 

Geh. Sekretär Camnins 

Sekretär Louis 

Bäcker Lenz 

Hauptmann Bredon 

Hauptmann Boujut 

Frl. Werner 

Leutnant Picard 

Graf von Maltzan 

Leutnant Lautier 

Rittmeister Lautier 

Frau F^ittmeister Lautier .... 

Kind des Herrn Beyer 

Sekretär Habig 

Destillateur Georg 

Oberforstinspektor Merensky . . . 

Frau Geheimrat Reisel 

Frau Assessor Thiel 

Generalleutnant von Wrede . . . 

Frau Geheimrat Reisel 

Leutnant von Momb, zweimal . . 

Frl. von Canitz 

= von Sonimerkorn 

Kaufmann Lange 

Oberst de la Pointe 

Frau Baldowsky 

General-Inspektor Laimbert . . . 

Frau Raidi 

Frau Rauh, Kopie 

Kaufmann Stephanowitsch . . . 

Kaufmann Tscherwitz 

Oberforstmeister v. Köckritz, Kopie 

Frl. Schröder 

Leutnant von Stegmaiui . . . . 

Destillateur Borrmann 

General-Kassierer Veverelle . . . 
Kaufmann Stephanowitsch, Kopie . 

Frau Beyer 

Borrmann . . 

Frau Gräfin von Strachwitz . . . 

Postsekretär Böhm 

Frau Klug 

Friedrich der Grosse, Ringminiatur* 

Frl. Schlipalius 

Knoepfell 

Frau Gräfin von Strachwitz . 
Baron von Printz 



30 

30 

18 

15 

14 

14 

18 

17 

18 

18 

15 

15 

18 

14 

25 

18 

18 

12 

30 

18 

24 

18 

18 

18 

25 

18 

33 

18 

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30 

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10 
18 
12 

9 
18 
18 



129 



Datum I Name i « 

j U-_ 

1808 ! Frau Gräfin von Scherschewsky . 17 

April Hauptmann Marion, v. 64. Regt. . 24 

von Kölichen 28 

Frl. Werner 20 

Mai Oraf von Strachwitz 24 

I von Axieben 20 

Juni I Frau von Kessel 24 

Leutnant von Kalckreutli .... 24 

Dr. Korff - 

Hauptmann Plame 25 

Adjutant- Major Wieree, zweimal . 40 

Juli Hauptmann von Davust .... 18 

Frl. Schröder 27 

Hauptmann von Darracq .... 25 

Hauptmann von Merlin .... 25 

August Hauptmann von Harismundi ... 25 

Hauptmann von Bureau .... 25 

Frau Gräfin von Scherschewsky . 30 

Hauptmann von Daran 25 

Frl. Schmidt, zweimal 40 

Septbr. Frau Baronin von Troschke ... 24 

Hauptmann von Tugnot .... 25 
Landschaftsdirektor v. Schimonski, 

Kopie 20 

Apotheker Paritius 25 

Leutnant Graf von Strachwitz, Kopie 25 

Leutnant von Buni i 25 

Amtmann Naerlich 20 

Oberamtmann Brettschneider . . 18 

Oberstleutnant von Schimonski . . 20 

Oktbr. Frl. von Stillfried, zweimal ... 45 

; Buchhalter Krusch 40 

Novbr. Oberst von Guiow i Ouionneau?) . 25 

j Frl. Herinir 22 

j Kaufmann Jaehnscli junior ... 30 

Kaufmann Jaeschke 27 

Dezbr. Frau Seewald, Ringniiniatur ... 40 

Rgts. -Quartiermeister Kistenniacher 27 

1809 Kind des Herrn Seewald .... 27 
Januar Frau von Poslofsky, Kopie ... 20 

Rittmeister von Ohien 27 

Februar Direktor Scholtz, zweimal, Kopieen 57 

! Frl. von Sommerkorn 27 

König Friedrich Wilhelm III., Kopie 24 

März Frau Springer 15 

j Direktor Scholtz, Kopie 30 

Direktor Scholtz 24 

April Direktor Scholtz, Kopie 45 

I Kind des Herrn Georg 30 

Kommcrzienrat Kopisch .... 25 

Mai Frau Kommcrzienrat Kopisch . . 25 



Datum Name 

1809 I Kaufmann Kracker 

Mai Klass senior und Familie .... 

von Osten 

Dr. Wieniann 

Frl. von Schickfuss 

Juni Frau Lange, zweimal, Kopieen . . 

Kommerzienrat Kopisch .... 

Frau Pastor Kephalides .... 

Kaufmann Schreiber 

Kommerzienrat Kopisch, Kopie . . 
Juli Frau Kuh 

Kaufmann Gottlieb Schreiber . . 

Frl. Schmidt 

August Kaufmann Werdermann .... 

Kaufmann Gottlieb Schreiber, Kopie 

Kaufmann Schreiber senior, Kopie 

von Wessel 

Direktor Schlegel 

Kaufmann Kriigel 

Septbr. Königin Luise von Preussen, Kopie 

Direktor Schlegel' 

Kaufmann Lange 

Oktbr. Kaufmann Gottlieb Schreiber . . 

Kommissionsrat Schreiber . 

Frau Kriegsrat von Oppeln 

Dr. Gerhard, Kopie 
Novbr. Frau Oberanitmann Bartsch, Ring- 
miniatur 

Kommerzienrat Kopisch, Kopie . 

Frau Oberamtmann Bartsch 

Kunstdrechsler Seeling 

Kaufmann Lange, Kopie 

Oberanitmann Lucas 
Dezbr. Oberanitmann Bartsch 

Kaufmann Fritsch senior 

Kaufmann Fritsch senior, Kopie 
1810 
Januar Baron von Haugwitz, Kopie ... 18 
Februar Frl. Schmidt 18 

Kaufmann Katzer, Kopie .... 12 o 
März Kaufmann Grund 20 m 

Frl. Knocpfel 19 

Gutsbesitzer Heinrich, Profil . . 15 

April Medizinalrat Rupricht 20 o 

Mai Frl. von Crammer 18 m 

Medizinalrat Rupricht 18 • 

Medizinalrat Rupricht 1 18 o 

Kaufmann Sciller | 30 . • 

Frau Seiller 30 ' - 

Juni Apotheker Alberti 15 m 

Kaufmann Schreiber junior . . . [ 24 ! — 



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17 



130 



Datum 



Name 



H 



Datum 



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1810 ' Metiiziiialrat Rupridit 

Juni Frl. Oeneralick 

Larulscliaftsdirektor von Schimonski 

Juli Kaulmann Keitli 

Frau von Wedel 

Kluge 

Schönflug 

August Frl. Assmann 

Mediziualrat Rupricht 

1 Kaufmann Müllendorf senior, Kopie 

Baron von Lüttwitz 

Septbr. Kaufmann Petz 

Frl. Lessing 

= von Adelstein 

Leutnant von Oörtz 

Oktbr. Kind des Buchhalters Ertel . . . 
Medizinalrat Rupricht . . 

Klose 

Novbr. Rektor Scheibel, Kopie 

Dezbr. Frl. Koppen 

Professor Mandel 

Kind des Kaufmanns Weiss . . . 
Kind des Kaufmanns Müller . . . 

1811 Apotheker Olearius 

Januar Kaufmann Abrahamschick . . . 

Frau Gr.äfin von Sedhiitzki, Kopie . 
Professor Mandel, Kopie . . . . 

Frl. Antonette 

Februar Kind des Ooldarbeiters Günther . 
Medizinalrat Rupricht, Kopie . . 

Frau Hofraf Müller 

Kind des Kaufmanns Müller, Kopie 
März Frau Gräfin von Sedlnitzki . . . 

April - Müller 

Hofmeister Klein 

Kind des Inspektors Gabricke . . 

Mai Frl. Spangenberg, Kopie . . . . 

Kaufmann Müller senior . . . . 

Jinii Frnn Müller senior 

Müller, in Pastell 

Kaufmann Spangenberg . . , . 

Frau Spangenberg 

Giesche 

Frl. Koppen 

Juli , Frau Baronin von Richthofcn . . 

' Thun 

August ' Frl. Schumann 

Frau Baronin von Riclithoff . , . 

von Mikuscli 

Septbr. Leutnant von Dresky 

Kind des Kaufmanns Heinrich . . 



m 



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IS 
12 
18 
18 
18 
18 
15 
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15 
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21 
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24 



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1811 
Septbr. 
Oktbr. 



Novbr. 



Dezbr. 

1812 
Januar 



Februar! 



März 
April 
Mai 

Juni 

Jnli 

August 

Septbr. 

Oktbr. 

Novbr. 
Dezbr. 



Koffetier Haseloff 

Papier-Fabrikant Dehnet .... 

Kaufmann Günzel 

Komtesse Sophie von Burghauss . 
Kaufmann Oünzcl, Kopie .... 

Kaufmann Kny 

Kassierer Nitschke 

Frau Kassierer Nitschke .... 

Frau Kny 

Kaufmann Sclioltz 

Frau Clauss 

Kommerzienrat Schiller 

Kommerzienrat Schlegel, Kopie . . 

Frau Feistel 

Frau Feistel, Kopie 

Kind d. Oberlandesger.-Rats Müller 
Kommerzienrat Schiller, Kopie . 

Frau Olearius 

Gutsbesitzer Hess 

Schlippaliiis 

Gutsbesitzer Hess 

Frau Olearius 

Eisner 

Gutsbesitzer Clauss 

Kaufmann Pohl, Kopie 

von Heydebrand 

Direktor Kunlze, zweimal .... 

Leutnant von Vaerst 

Feldjäger Gräulich . . ... 

Frl. Froboess 

Kaufmami Pohl, Kopie 

Frau Steter, Kopie 

von Stegniann, Kopie . . 

Kaufmann Ruffer 

Schander 

Oberbürgermeister Müller .... 
Frau Pastor George, Kopie . . . 

Kaufmann Flint, Kopie 

Kaufmann Pohl, Kopie 

Kaufmann Flint, Kopie 

Frau Schander 

Pastor Werner, Kopie 

Kijui des Kaufmanns Krischke . . 

Kaufmann Weiss 

Apotheker Seybold 

Graf von Sedlnitzki, Kopie . . . 
Frau von Sprockow . .... 

Kaufmami von Wallcnberg . . . 

Frl. Unverricht 

Gutsbesitzer Seidel 

Kaufmann von Wallcnberg, Kopie 



15 
18 
15 
18 
6 
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15 
15 
15 
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15 
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18 
12 
18 
12 
23 
18 
18 
12 



131 



Datum 1 



1813 

Januar 

Februar 

März 



April 



Mai 



Juni 



Juli 



August 



Septbr. 



Oktbr. 



Novbr. 



Justizrat Ludwig 

Professor Thilo 

Oberbürg-ermeister Müller . . . 

Hahn, (iardejäger 

Frau von Wallenberg .... 

Wigina, Oardejäger 

von Wallenberg, Gardejäger . . 

Dietrich, Gardejäger 

Generalleutnant von Scharnhorst 

Frau Baroin'n von Liitzow . . . 

Kanimerrat Peucker . . . 

Major von Liitzow 

Kittmeister von Loen .... 
Leutnant Baron von Schaper . . 

Kaufniaini Boden 

von Wallenberg, Kopie .... 
Dietrich, Gardejäger, Kopie . . 

Kämmerer Grüner 

Kind des Kaufmanns Hoffmanu 

Frl. Feustel 

= Reinhard 

Feustel 

von Loewenstern, Oardejäger . 
Hasse, bei den Freihusaren . . 
Frau General von Wiersbitzki 
Leutnant (Christian Daub . . . 
Frau Kämmerer (irüiier, Kopie . 
Kaufmann Schlarbaum .... 



10 

12 
18 
15 
23 
15 
18 
18 
24 
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12 
15 
12 
12 
9 
10 
16 
15 



Leutnant von Sauhr | 16 



Graf von Krockow 

von Wallenberg, Gardejäger . 

Frau Hoffmann 

Leutnant von Seydiin . . . , 
Kind des Inspektors Peschel . . 
Aktuarius Kiesewerter . . . . 
Oberst von Stemmetz . . . . 
Leutnant von Zimmermann . . 

Kaufmann Mehring 

Frl. Kessel 

Schiller 

Frau Olearius 

Kommerzienrat von Wallenberg 
Kommissarius Kiesevverter 
Hauptmann von Werder . . 



10 


— 


16 


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18 


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15 





30 


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12 


111 



IS 



1S14 
Januar 



Februar 



Leutnant von Hess 19 

Kaufmann Weigel senior . . 
Frl. von Wertlermaim .... 
Kaufmami Weigel, Kopie . . 

Caffiege 

Frl. Schuster 



21 
18 
15 

15: 

15 

Frau Starckloff 15 



Datum Name 

1813 FrL von Helmrich 

Novbr. I Frau Weigel, Kopie 

Hauptmann von Boemoloff (?) . . 
Dezbr. Frau Brusclike, zweimal, Kopieen . 

Kaufmann Franz Wentzel, Kopie . 

Kaufmann Grund, Kopie . . . . 

Leutnant Henckel, von der Bürger- 
garde 

Berger, Gardejäger 

Frl. Tielsch 

Oberstleutnant Arnold von Schutter 

Berger, Gardejäger 

Kind des Kendanten Giesse . 
OberstleutnarU von Schutter, Kopie 
Hauptmann von Held, Kopie . . 

Baron von Teichmann 

von Tenipellioff 

Frl. Schiller 

Major von Mollicoff 

Brocksch 

März Landschaftsdirektor von Strachwitz 

j Frau Wagner 

I Komniandant, Major v. Jaeschalinsky 
König Friedrich Wilhelm III. . . 

Kaiser Alexander 1 

Landschaftsdirektor von Strachwitz 
April Gräfin von Scherschewsky . . . 

Kaufmann Bottstein 

Kaufmann Schlarbaum, Kopie . . 

Landschaftsdirektor von Strachwitz 

Mai ! Leutnant Sadebeck, Kopie .... 

I Herr und Frau Kaufmann Friesner, 

I Kopie 

Kaufmann Hnmann, Kopie . . . 

Frl. Lippert 

Ooldarbeiter Günther 

Oberst von Kaickreuth 

Kaufmann Kaehler, Kopie .... 

Frau Kaehler. Kopie 

j Hnmann, Kopie 

Schneider 

Leutnant von Budohinowitz . . . 
Juli Konig Friedrich Wilhelm III. . . 

August Graf von Wengerski • 

Septbr. Kaufmann Daniel Kuh 

Frau Weiss 

Frl. Beneke 

König Friedrich Wilhelm III. . . 
Oktbr. Frl. Grossmann, Ringminiatur . . 
I 



15 
16 
15 

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18 

12 

16 
18 

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Juni 



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15 


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18 


m 


30 





IS 




15 


m 


30 




24 


m 



132 



Datum 

1S14 
Oktbr. 



Novbr. 



Dezbr. 



1815 
Januar 



Februar 



März 



April 



Mai 



Juni 



Juli 
August 



Frau Hofrat Bacli .... 

Apotheker Seybold 
Frau Qriifin von Pinto . . 
Ooldarbeiter Knorr . . . 
König Friedrich Wilhelm III 
Fürst Blücher, zweimal . . 
Frl. von Thümen .... 
= von Teichmaiiu . . . 
Leutnant Oaddum . . 

Frau Selbstherr junior . . 
Kaufmaiui Steiner .... 
König Friedrich Wilhelm 111. 
Nicolai, Gardejäger . . . 
Schauspieler Kettel . . . 
Frl. von Woikowski . . . 
Leutnant von Amstetter 
Frl. von Woikowski . . . 
Goldarbeiter Günther . . 
Ooldarbeiter Meyer . . . 
Kaufmann George, Kopie . 
Kriegsrat Krebert, Kopie . 
Frau Goldarbeiter Günther 

Kaufmann George 
Goldarbeiter Meyer . 
Rentmeister Ruthard . . . 
Frau Kalkulator Dobermann 

Frl. Oehl 

Kaufmann Werner . . . 
Gräfin von Bialinsky . . . 
Oberlandschafts-Sekretär Mager 
Frau Prof. Maeiulel, Kopie 

Präsident von Danckelman 
Leutnant von Amstetter, Kopie 
Kind des Fabrikanten Rüdiger 
Baron von Wilczek , . . 
Kaufmann Scheuer Elieson 
Kanfmaim Wincke, Kopie* 
Kaufmann Scheuer FJieson 
Kaufmann (iün/el, Kopie 
Kaufmann Lange senior 
Kaufmann Hemici . . 
Frau Henrici 
Kaufmann Seydel . . . 
Kaufmann Seydel . . . 

Frl. Schniit 

Willmami .... 
Frau Pastor Hermes . . 

Frl. David 

Kind des Reg.-Sekretärs Ebel 



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12 
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18 
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15 
20 
18 
18 
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15 

18 
24 
16 
16 
18 
18 
18 
18 
15 
18 
18 



Datum Name 

1815 Pastor Minor in Qottesberg . . . 
August Frau Inspektor Corff, Kopie . . . 

Pastor Minor, Kopie 

Frau von Oaffron, Kopie .... 

Septbr. Gräfin von Poninski 

Frau F.rtel 

Fünf Kinder des Herrn Somnie 
Frau von Gaffron, Kopie .... 
Oktbr. Regierungsrat Heinen, zweimal . . 
Kind des Kaufmanns Minor . . . 
Hauptmann von Rebenstock . . . 

Novbr. Landschaftsdirektor von Strachwitz 

Frl. von Zedlitz 

Kind des Diakonus Geiser . . . 

Frau Bartsch 

Dezbr. Reg.-Sekretär Vette 

Kaufmann Koppel, Kopie .... 

Frl. Willmann 

Oberbürgermeister Baron v.Kospoth 

1816 , Kämmerer Starck 

Januar j Fürstin von Scliwa . . . i?), Kopie 
Februar Frau Reg.-Rat Nökiichen .... 

Kaufniann Caspar! 

Kämmerer Starck, Kopie .... 

Kriminalrat Meister 

März Frau von Kleist, zweimal . . . . 
Reg.-Rat Nökiichen, Kopie 
Baron von Rosenschantz . . . . 

Reg.-Rat Nöldichen 

Frau Somme 

Reg.-Rat Nöldichen, Kopie . . . 

April Frl. Krügelstein 

Kaufmann Steiner junior . . . . 

Ooldarbeiter Seeberg, Kopie . . . 

Kind des Herrn Gorg 

Mai Graf von Maltzan auf Lissa . . . 

Frau von Aschenbach 

Leutnant von Gräften, Kopie . . 

Kaufmann Lewy 

von AiMock, Kopie 

Hauptmann von Wolfersdorff . . 

Leutnant von Einbeck 

Juni i Oberamtmami Oeldner 

Kaufmann Lange jum'or . . . . 

Frau Kommer/ienrat Oelsner 

Frl. von Aulock 

Juli Kaufmann v. Michalowsky, zweimal 

Kind des Herrn Günther . . . . 

Leutnant von Fliegel 



24 

18 

15 

18 

24 

15 

60 

18 

36 

10 

15 

18 

18 

15 

12 

15 

15 

18 

18 

15 

40 

18 

30 

15 

16 

36 

18 

18 

18 

12 

18 

19 

18 

12 

30 

18 

18 

15 

18 

18 

18 

15 

15 

18 

20 

18 

36 

15 

18 



o 
m 



o 
m 



133 



Datum I 

1816 I 
August 
Septbr. 



Oktbr. 

Novbr. 
Dezbr. 



1817 
Januar 

Februar 
März 



April 



Mai 



Juni 



Name 

Kaufmann Henschel .... 

Tlianim senior 

Hauptmann von Brandenstein 
Baronin von Trosclii<c . . 
Apotheker Schinemann . . . 
KaufniauTi Thamni .... 
Apotheker Schinemann, Kopie 
Leutnant von Oaffron . . . 

Frl. Etlern 

Lehrer Mentzel 

Frau Mentzel 

Kind des Lehrers Mentzel 

Sekretär Rosinsky 

Frl. Kirsch 



MI 



Juli 



AufjusI 



König Friedrich Wilhelm 

Fürst Blücher 

Oberst von Siegroth, Kopie . . 

Graf von Lipsky 

Kaufmann Kuh 

Kind des Rittmeisters von Sellin . 
Frau Gräfin von Dyhrn . . . 

Frl. Nierdel 

-- von Aulock . . . . 
von Tchirsky 

Mathieu 

Baron von Wilczek 

Frl. Thilo 

Fürst zu Hohenlohe-Ingelfingen 
Oberst von Thümen, Kopie . . . 

Frau von Forcade 

Leutnant Baron von Fischer . . . 

Kaufmann Lübbert 

Apotheker Hielscher 

Kind des Buchhalters Menzel . . 
Apotheker Hielscher, Kopie . . . 

Hofrat Duncker, Kopie 

Frau Thamm 

Justiz-Kommissaritis von Steinbeck 

Frau Lübbert 

Baron von Seidlitz 

Frau Lübbert 

Kaufmann Lübbert senior .... 
Oberproviantmeister Grüner . . . 
Frau Oberproviantmcister Grüner . 

Medizinalrat Breunersdorff . . . 

Frau Trevvendt . 

von Llechtrit/ 

Medizinahat Breunersdorff . . . 



20 
20 
18 
21 
18 
18 
18 
18 
18 
18 



m 



181 o 



m 



18 

18 

10 

18 

18 

15 

18 

18 

18 

12 

12 

18 

12 

21 m 

18 

18 

18 

18 

18 

18 



Datum Name 

1817 Medizinalrat Breunersdorff . . 
Septbr. Frau Kämmerer Starck .... 

Dr. Martin Luther 

Dr. Martin Luther, fünfmal . . 
Oktbr. Frau Tralles, Kopie 

Buchbinder Trewendt .... 
Novbr. Leutnant von Hafeland 

Frau Tralles, Kopie 

Fürst von Carolath, Kopie . . . 
Dezbr. Leutnant von Kessel 

Leutnant von Schweinitz . . . . 

König Friedrich Wilhelm ilL, lebens- 
gross 

1818 Frl. Biebrach 

Januar Student Wölfel 

Februar von Thielau, Kopie 

Oberförster Loesser 

Oberbergrat Bernhardi, Kopie . . 
Frau Hauptmann von Knappe . . 

Graf von Solms, Kopie 

Frau Gräfin von Solms, Kopie . . 
von Rosenschantz, Kopie . . . . 

März Frl. Hennig 

Frau Oberbergrat Bernhardi . . . 

Senior Gerhard 

Kind des Kaufmanns Ertel . . . 

April Frl. Mog 

Frau Senior Gerhard 

Mai Graf von Sedlnitzki, Kopie . . . 

Juni Frl. Freytag 

Juli Neumann 

Kaufmann Krug, Kopie 

August Frl. Ziegler 

Septbr. Pfarrer Materne 

Frl. Brühwein 

Justizrat Schwarzer 

Oktbr. Frau Heintzel, zweimal 

Alexander 

Stadtkoch Schaum 

Frl. Riedel 

Novbr. Frau Gräfin von Bethusy .... 

Adolf Seydel 

Frau Splittgerber 

Hauptmann von Erhard .... 

Dezbr. ' Frau Milde 

Kiiul des Inspektors Menzel . . . 
Kind des Sekretärs Brüer . 
Leutnant Krause . . 



\Z 

15 
30 
1136 
18 m 
12 o 
18 
18 
18 
18 
18 

100 
18 
15 
18 
21 
18 
18 m 
18 o 



m 



18 


= 


28 


-- 


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18 


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15 

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18 

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15 m 
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36! o 
15 

16 . 
18 . 
IS 

IS 

IS m 
IS . 
18 o 
12 - 
24 - 
IS m 



134 

Gegen 770 Miniatiirbildnisse sind in dem Abdrucke genannt; doch ihre Zahl würde 
gewiss nocii etwas höher ausgefallen sein, wenn Thilo immer die nähere BezeiclnuniL;, 
ob das Bildnis in Öl oder in Miniatur ausgeführt wurde, hinzugefügt hätte. Rechnet 
man ausserdem noch die Arbeiten hinzu, die vor 1795 und nach 1818 entstanden, dann 
muss man die Summe der von Thilo gemalten Miniaturen auf etwa 1200 schätzen. 
Ein flüchtiger Blick auf die beigefügten Preise sagt, dass Thilo durchschnittlich 18 24 Taler 
für ein Miniaturbildnis erhielt, also für damalige Verhältnisse eine ganz ansehnliche 
Bezahlung. Nur näher stehenden Freunden lieferte der Künstler schon für 6-12 Taler 
ihr Konterfei, während reich Begüterte oder Ausländer 24 30 Taler imd mehr anlegen 
mussten. 

Als Thilo seine Tätigkeit in Breslau begann, stand die Kunst und die Mode unter 
dem Zeichen Ludwigs XVI. von Frankreich. Diesem Louis XVI.-Geschmacke huldigen auch 
die frühesten Miniaturen des Meisters. Freudig leuchtend ist das Kolorit. In vollen 
Tönen steht ein keckes Rot neben einem kräftigen Grün und ein sattes Blau neben einem 
ungebrochenen Karmin. Elegant, fein und üppig ist die Kleidung. Ein zufriedenes 
Lächeln und der Ausdruck behäbigen Wohllebens liegt in den Gesichtern. Das sonnige 
Glück des 18. Jahrhunderts strahlt uns aus diesen reizenden Bildchen entgegen (Fig. 5,7, 9). 
Da plötzlich öffnete die französische Revolution aller Welt die Augen. Dieser Wandel 
des Lebens brachte in Thilos Portraitauffassung binnen kurzem einen völligen Umschwung. 
Die lachende Farbenfreude ändert sich Mitte der neunziger Jahre in eine ernste Skala: 
ein mattes Blau, Grau, Braun, Rosa und Violett treten an die Stelle des strahlenden 
Farbenjubels. Auch die Menschen sind andere geworden. Statt sorgloser Fröhlichkeit 
und behaglichen Geniessens spricht aus ihren Gesichtern mehr des Lebens ernstes Führen 
(Fig. 2, 4, 10). Als schliesslich nach glücklicher Abwendung der napoleonischen Fremd- 
herrschaft bessere Tage nahten, gedachte Thilo bisweilen wieder der alten Farben- 
schönheit. Doch sie trägt ein anderes Gesicht. War sie ehedem etwas Selbstverständ- 
liches, natürlich Gegebenes, erscheint sie jetzt erzwungen. Für die Bilder, die um 
1814 -20 entstanden sind, ist oftmals der Eindruck einer gewollten Buntheit unabweisbar. 
Besonders die Helden der Befreiungskriege liebte Thilo in dieser Manier zu malen; so 
besitzt das Kunstgewerbemuseum ein meisterlich ausgeführtes Bildnis Friedrich Wilhelms 111. 
aus jener Zeit, das dem Museum von dem Kreisbaumeister Thilo als Geschenk überwiesen 
wurde (Fig. 8). Der unermüdliche Fleiss, den die zahlreichen Aufträge erforderten, zog 
allmählich eine starke Schädigung des Augenlichtes bei Thilo nach sich. Unter dem 
hindernden Einflüsse einer geminderten Sehkraft entstanden in der vierten und letzten 
Schaffensperiode noch Werke, die an den dunkelrotbraunen Tönen in den Schattenpartieen 
der Gesichter keinitlich sind. Auch haben viele i'ortraits jener Zeit etwas Gealtertes und 
Düsteres, ein Zug, der wohl hauptsächlich auf die getrübte Stinnnung des Meisters 
zurückzuführen ist. Figur 3 gibt ein kleines Portrait Friedrichs des Grossen wieder, das« 
die ebengenannten Mängel aufweist. Zu der Augenschwäche gesellte sich um 1835 noch 
ein Nervenleiden, das den Künstler in der Folgezeit sehr in seiner Arbeit hinderte und 



135 





FiR. 3 
Friedrich der Grosse 



Fig. 2 
Johann Joseph Wentzel 




Fig. 4 
Königin Luise von Preussen 




Flg. S 
Friedricli Wllliehii 



Fig. lü 
Pastor Kusche 



Miniaturen von üottfried Anyiist Tliilo 



136 

zeitweise zu völliger Rulie verurteilte. Thilo starb liochbetagt am 1. März 1855 in Breslau, 
nachdem er in den letzten Jahren kaum noch etwas von Bedeutung geschaffen iiatte. 

Die Abbildungen 2 10 geben einige Proben von Thilos Miniaturen wieder. Wenn 
man die Werke sieht, kann man die Beliebtheit des Künstlers wohl verstehen. Alle 
sind mit technischer Vollendung gemalt. Schlicht, ohne Phrase, ohne F'ose sind die 
Portraits aufgefasst. Thilo malte die Menschen, wie er sie sah, und er sah gut. Das 
meisterliche Bildnis Johann Joseph Wenlzels, des Begründers der Firma Wentzel am 
Breslauer Ringe, das Thilo im Juni 1797 um 18 Taler malte, wird stets zu den besten 
Leistungen der schlesischen Miniaturmalerei zählen (Fig. 2). Nicht minder anziehend in 
seiner anspruchslosen Natürlichkeit ist das Bildnis des gemütlichen Pastors Johann Gottlieb 
Kusche (Fig. 10). Und endlich sein Selbstbildnis, das der Künstler in älteren Jahren 
zweimal malte (Fig. 6). Wie sicher beobachtend schaut sein Auge in die Welt hinaus. 
Wieviel Geist und Witz liegt in den durch Alter und Sorge gefurchten Zügen. Wieviel 
Milde und Güte verrät das Antlitz des wegen seiner Bescheidenheit und Herzlichkeit all- 
gemein beliebt gewesenen Mannes. Das, was Thilos künstlerische Eigenart ausmacht, 
wird am besten klar werden, wenn wir seine Arbeiten denen seines Zeitgenossen 
Schmeidler gegenüberstellen. 

Carl Gottlob Schmeidler wurde am 8. Dezember 1772 zu Nimptsch in Schlesien 
als Sohn armer Eltern geboren.') Seine erste Jugendbildung erhielt er bei dem damaligen 
Nimptscher Rektor und Nachmittagsprediger, späteren Pastor Polile zu Glatz, der den 
talentvollen Knaben ausser an den öffentlichen Schulstunden an dem Privatunterrichte 
seiner Pensionäre unentgeltlich teilnehmen liess. Später kam Schmeidler auf das Elisabeth- 
Gymnasium in Breslau; hier bestand er im Jahre 1792 das Abiturientenexamen. Nachdem 
Wunsche seiner frommen Mutter sollte er Theologie studieren. Doch da die nötigen Geldmittel 
fehlten, versuchte er sein Glück in der Malerkunst, zu der er von jeher Liebe und Neigung 
hatte. In Breslau machte er seine ersten künstlerischen Studien. Wer sein Lehrer war, 
liess sich nicht mehr ermitteln. Vielleicht war es Thilo. Jedenfalls hat er zu ihm in 
näheren Beziehungen gestanden. Durch Austuschen von Städteansichten und durch 
andere kleine Aufträge, die ihm spärlich zuteil wurden, erwarb sich Schmeidler seinen 
Lebensunterhalt und sparte sich die nötige Barschaft zu einem zweimaligen Studien- 
aufenthalte an der Dresdner Akademie. Nachdem die üblichen Kurse im Zeichnen 
nach der Antike und dem lebenden Modell durchgemacht waren, wandte sich Schmeidler 
endgültig der Miniaturmalerei zu. Nach Vollendung der Dresdner Studien liess er sich 
in Breslau als Miniaturmaler nieder. Sein Glück machte er in den Kriegsjahren von 
1806—1815. Zahlreiche preussische, österreichische, russische und französische Offiziere 
der durchziehenden Heere fanden Geschmack an seinen liebenswürdigen Arbeiten. Besonderer 



») Vgl. Neuer Nekrolog der Deutschen, 1S40, Bd. XVI, 2 S. 776. - Schlesische Provinzialblätter, 1838, 
Bd. CVIII S. 159—161 unter „verspätet". Ausserdem stellte Geh. Sanitätsrat Dr. Schmeidler in Breslau, ein 
Enkel des Künstlers, das ihm bekannte biographische Material über seinen Qrossvater in liebenswürdigster 
Weise zur Verfügung. 



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137 



Stolzerfüllteden Künst- 
ler, dass sich unter an- 
deren auch General 
Bennigsen und seine 
Gemahlin von ihm ma- 
len Hessen, was eigent- 
lich wunderlich er- 
scheint, wenn wir wei- 
ter hören, dass selbst 
Mitglieder der preussi- 
schen Königsfamilie 
ihn mit Aufträgen be- 
ehrt haben ; so berief ihn 
Friedrich Wilhelm III. 
während des Breslauer 
Aufenthaltes im Jahre 
1813, seine Kinder zu 
malen. Als nach Be- 
endigung der Befrei- 
ungskriege wieder Frie- 
de ins Land gezogen 
war, weilte Schmeidler 
häufig als ein will- 
kommener Gast unter 
den angesehensten Fa- 
milien desschlesischen 
Adels. Fürst zu Hohen- 
lohe-Öhringen, Herzog 
von Ujest auf Slawent- 
zitz, Graf von Maltzan 
auf Militsch, Kgl. Kammerherr von Köckritz auf Mondschütz, General von Mutius in 
Landeck, Frau Baronin von Richthofen in Breslau, Frau von Wrochem in Potsdam 
um nur die Namen derjenigen zu nennen, deren Schätze eine Zierde der Ausstellung 
bildeten besitzen unter ihren Ahnonbildern treffliche Miniaturen von Schmeidlers Hand. 
Technisch sind die Arbeiten von auffallender Weichheit. Sie erscheinen wie in 
Pastellmanier ausgeführt. Alles ist auf Adagio gestimmt. Mild leuchtet der blasse Gesichts- 
ton durch die puderzarte Farbschicht aus dem mattgelben Elfenbein hervor. Etwas aus- 
gesprochen Vornehmes, Distinguiertes liegt in den Bildchen. Der künstlerische Charakter 
entspricht sichtlich dem damaligen Geschmack und erinnert vielfach an den antikisieren- 
den Schönheitstypus jener Zeit. Im Bilde sollte es nur schöne Frauen und jugendfrische 

18 




Fig. 11. C. Q. Schmeidler, Fiau Marie Goppert 



138 




Fig. 12. C. G. SdiiiK-itiler, 
Selbstbildnis 



Männer geben. Audi Schmeidler huldigt stets dieser Neigung 
zu idealisieren. Sein Streben sehen wir weniger auf die 
Prägung einer Individualität als auf die Offenbarung einer sym- 
pathischen Anmut und Schönheit gerichtet. Alle seine Menschen 
erscheinen als die Mitglieder einer einzigen grossen Familie. 
Die Hohenlolies, die Maltzans, die Seherr-Tlioss, die Köckritz, 
die Mutius, die Richthofens muten uns als die Kinder derselben 
Eltern an. Alle die reizenden Frauen haben etwas gewinnend 
Liebenswürdiges (Fig. 11, 13). Alle die stolzen Vaterlands- 
Verteidiger haben etwas ritterlich Kühnes. Wie unendlich reiz- 
voll spricht uns durch seine vornehme Feinheit das Familien- 
bildnis der Frau Friederike von Köckritz mit ihren Kindern an 
(vgl. die Heliogravüre Tafel V). Den Mangel der uns heute 
etwas bunt und unharmonisch erscheinenden Farbengebung 
übersehen wir gern und erfreuen uns an der Summe von jugendlichem Liebreize und herz- 
licher Mutterliebe, die der Künstler in das Bildchen gelegt hat. Wie selbstbewusst als im 
Kampfe fürs Vaterland gestählte Edelmänner schauen Carl Graf von Maltzan und Ludwig 
von Köckritz in die Welt hinaus (Fig. 15). Nur einen hat Schmeidler völlig schlicht und 
anspruchslos gemalt: sich selbst (Fig. 12). Leutselig, freundlich, bescheiden und uneigen- 
nützig, wie der Künstler im Leben war, gibt ihn sein kleines Selbstbildnis wieder. Interessant 
ist ein Vergleich der Schmeidlerschen Arbeiten mit denen seines Zeitgenossen Thilo. Beide 
Künstler sind die bedeutendsten und begehrtesten Breslauer Miniaturmaler der Empirezeit. 
Beiden haben oftmals dieselben Persönlichkeiten gesessen; und doch lassen sich ihre 
Arbeiten leicht auseinanderhalten. Ganz abgesehen von äusserlichen Unterschieden, die 
auf der Farbenwahl und der technischen Behandlung beruhen, liegt der massgebende 
Unterschied in der geistigen Auffassung der Portraits: Schmeidler adelt alle seine Menschen, 
Thilo macht sie bürgerlich. So kommt es denn, dass die gelungensten Portraits von 
Schmeidler adligen Kreisen angehören, während Thilos 
beste Bildnisse Mitglieder des schlesischen Bürgertums 
wiedergeben. 

In späteren Jahren, etwa seit 1825 versuchte sich 
Schmeidler auch in der Landschaftsmalerei, die er früher 
nur gelegentlich geübt hatte. So gross er bisweilen die 
Leinwand gewählt hat, erscheint er uns doch auch vor 
der freien Natur als der Miniaturmaler. An dem unschein- 
barsten Gegenstande, der in weiter Ferne liegt, zeigt er 
die gleiche Freude, wie an den Partieen des Vordergrundes, 
die im Sinne Claude Lorrains in der Regel durch hohe 

F^aumgruppen kulissenartig umschlossen sind. Alles ist p ,o r^ r> c , „ 

Flg. 13. C. O. Schiiicidlcr, 

ihm gleich wert, auf dem Bilde wiedergegelien zu werden. Prinzossin /u Hdlu-iildlu-liim-lfingen 




139 



üic Motive seiner landschaftlichen Gemälde führen 
uns fast ausnahmslos in die Grafschaft Glatz, die 
Heuscheiier und das schlesische Hochgebirge. Hier 
lernen wir das Landeck der dreissiger Jahre kennen, 
dort liegt Agnetendorf anmutig im Talkessel, oder 
wir sind an die Ufer des Bober versetzt. Bisweilen 
hat es dem Künstler eine malerische Ansicht von 
Alt-Breslau angetan. Zum Beispiel besitzt Geh. 
Baurat a. D. Dato in Kassel ein Bildciien mit der 
Sandinsel und der alten Dombrücke in Breslau 
von der Holteihöhe aus gesehen. Die Farben- 
gebung der Schmeidierschen Landsciiaften ist meist 
etwas konventionell. Ein ausgesprochenes Blau- 
vioiett beherrscht den Gesamtton, aus dem in 
bunter Mannigfaltigkeit allerlei Farben hervorreten. 
Mit dem Ansehen des Künstlers wuchs das 
des Bürgers von Breslau. Durch seine Heirat mit 
Henriette Eleonore Müller im Jahre 
1805 wurde Schmeidler Grund- und 
Hausbesitzer, Mitinhaber des Hauses 
Ring 43 und des sogenannten Volks- 
gartens auf der Michaelisstrasse. 
Sein anspruchsloser Sinn, der Ruf sei- 
ner Uneigennützigkeif, sein leutseliges, 
freundliches Wesen, die Verbindun- 
gen, die er durch seinen Schwieger- 
vater, den Kaufmann und Stadtrat 
Müller, gewann, Hessen ihn bald den 
öffentlichen Verhältnissen der Stadt 
näher treten. Im Jahre 1817 wurde 
er Mitglied der Stadtverordneten- 
Versammlung. Von IS2S bis 1831 
war er ihr Vorsteher, nachdem er 
schon zwischen 1817 bis 1823 und 
1826 bis 1827 den Posten des Stell- 
vertreters imiegehabt hatte. Achtzehn 
Jahre hat er sein Amt zum Gemein- 
wohle der Stadt mit eigener Aufopfe- 
rung verwaltet. Im Jahre 1832 wurde 
er noch zum Landtagsabgeordneten 




Fii,'- H. C. G. Schmeidler, 
Jugendlicher Johannes 




Fig. 15. C. Q. Schmeidler, 
Carl Graf von Maltzan 



IS- 



140 




Fig. 16. Josepli kaabe ? 
Bildnis eines Lentnants 



für Breslau gewählt. Die Wärme der Nachrufe, die ihm 
nach seinem am 2. September 1838 erfoloten Tode von 
allen Seiten zuteil wurden, beweist die allgemeine Be- 
liebtheit, deren sich Schmeidler als Künstler und Bürger 
erfreute. 

Neben Thilo und Schmeidler soll ein Bildnismaler 
Raabe oder Raebe zu denjenigen Künstlern gezählt 
haben, deren Arbeiten 1806 von den vornehmsten preussi- 
schen Offizieren und 1807 von den französischen Gene- 
ralen in Breslau besonders gesucht und bezahlt wurden. 
Doch trotz der Ausstellung Hess sich bis jetzt nichts 
Sicheres über den Künstler ermitteln. Vielleicht ist er 
identisch mit Joseph Raabe, der, 1780 zu Deutsch- 
Wartenberg in Schlesien geboren, erst in Breslau, später 
als Grossherzoglicher Hofmaler in Darmstadt und als 
Lehrer der Zeichenkunst an der Akademie in Bonn tätig war, dann in Glogau lebte und 
im Sommer 1829 als Nachfolger Bachs für das Lehrfach des freien Handzeichnens an die 
Kgl. Kunst-, Bau- und Handwerksschule in Breslau berufen wurde, wo er bis zum 
10. Januar 1849 tätig blieb.') Raabe beteiligte sich seit 1819 ziemlich regelmässig an den 
Breslauer Kunstausstellungen, doch finden wir nirgends in den Katalogen ein Miniatiu- 
Portrait von seiner Hand erwähnt. Dass er die Miniaturmalerei übte, erfahren wir nur 
aus dem Ausstellungskataloge von 1822, wo von ihm eine Miniaturkopie nach dem Kölner 
Dombilde verzeichnet ist. Ob dennoch auf Raabe eine Gruppe vorzüglicher Miniatur- 
bildnisse zurückgeht, die allem Anscheine nach schlesischen Ursprungs ist, und die in der 
Sammlung des Breslauer Kunstgewerbemuseums durch das Bildnis eines Leutnants (Fig. 16) 
vertreten wird, lässt sich, da vorläufig jegliche Anhaltspunkte fehlen, nicht beweisen. 

Besser sind wir wieder über Joseph Schall unterrichtet. Allerdings die Literatur 
seiner Zeit kennt ihn fast gar nicht oder nur als geschickten Zeichner, weil er weniger 
berufsmässig, sondern mehr aus Liebhaberei die Miniaturmalerei übte. Die biographischen 
Daten wurden mir gütigst durch zwei Nachkommen des Künstlers, durch Herrn Major a. D. 
Schall in Reichenbach (f 1903) und Herrn Direktor Th. Schall in Berlin mitgeteilt. Joseph 
Friedrich August Schall, am 3. März 1785 in Glatz geboren, hat sich im wesentlichen 
durch autodidaktische Studien herangebildet. Wie mancher schlesische Künstler jener 
Zeit, so bemühte sich auch Schall frühzeitig um eine Anstellung als Zeichenlehrer, um 
sich neben seiner rein künstlerischen Tätigkeit ein festes Einkommen zu sichern. Im 
Jahre 1808 wurde er als Zeichenlehrer am Breslauer Kgl. Friedrichs-Gymnasium, 1810 als 
Lehrer für den Unterricht im Situationszeichnen an der ehemaligen Kgl. Kriegsschule und 



' Vgl. Füsslis und Müllers Kiinstlerlexica. Meusels Archiv II, 4, 50. 
der Königl. Kunst- nnd Kunstgewerbeschule zu Breslau, Breslau 1892 S. 51, 95. 



Kühn, Die Entwicklung 



141 




Oraf Hiihenthal-Dcilka 



Fig. 23 
Oräfin Hohenthal 



142 

1811 am KathülisclR'ii Mattliias-üymiiasiiim angestellt. Später übernahm er noch am fürst- 
bischüflichen Waisenhause auf dem Dom und am Lehrerseminar in der Neustadt den 
Zeichenunterricht. Zur besseren Veranschaulichung seiner Lehrmethode verfertigte er in 
Kupferstich, den er eigens dazu lernte, eine Folge von zwölf Vorlegeblättern, die 1827 in 
einer zweiten Ausgabe noch um sechs Blätter vermehrt wurden. Die Tafeln wurden 
damals vielfach benutzt, fanden den Beifall der vorgesetzten Behörden, wurden anderen 
Gymnasien in der Provinz empfohlen und auch im Auslande verwendet. Als Lehrer 
stand Schall in hohem Ansehen, und in Anerkennung seiner Bemühungen um die Hebung 
und Förderung des Zeichenunterrichtes wurde ihm 1837 vom Könige der Professortitel 
verliehen. Als Schall 1856 wegen hohen Alters von seiner Lehrtätigkeit zurücktrat, schrieb 
er zu seinen Vorlagen, um ihnen einen zweckmässigen Gebrauch zu sichern, einen „voll- 
ständigen Leitfaden zum ersten allgemeinen Elementar-Unterriclit im freien Handzeichnen" 
(Breslau, Trewendt und Oranier, 1856; zweite Auflage 1862). Wenige Jahre vor seinem 
Tode — Schall starb in Breslau am 19. Oktober 1867 — betätigte er sich noch einmal 
schriftstellerisch. Als Besitzer einer ansehnlichen Kupferstich - Sammlung, die gegen 
QOO Blätter umfasste, hatte sich Schall eingehend mit den technischen Fragen der 
Reinigung und Erhaltung von Stichen befasst. So wurde er denn vielfach von Sammlern 
als Restaurator in Anspruch genommen. Um seine im Laufe von vielen Jahrzehnten 
gemachten Erfahrungen nicht alle mit ins Grab zu nehmen, schrieb er 1863 eine „ausführ- 
liche Anleitung zur Restauration vergelbter, fleckiger und beschädigter Kupferstiche u. s. w., 
nebst einer kurzen Beschreibung der verschiedenen Arten des Kupferstichs, sowie des 
Holzschnittes und der Lithographie" (Leipzig, Rudolph Weigel, 1863). 

In seinen zeichnerischen Leistungen reicht Schall nicht viel über das Niveau eines 
tüchtigen Zeichenlehrers hinaus. Das, womit er sich unter den schlesischen Künstlern 
einen bleibenden Ruf begründet hat, und das, womit er noch heute unser ungeteiltes 
Interesse auf sich lenkt, sind lediglich seine Miniaturen. Schon in früher Jugend soll er 
sich durch gelungene Versuche in der Miniaturmalerei hervorgetan haben. Ein Selbstbildnis 
vom Jahre 1802, das der Künstler als ein Siebzehnjähriger malte, zeugt von der Begabung 
des Verfertigers (Fig. 19). Zwei kleine Bildchen Friedrich Wilhelms II. und des Generals 
von Tauentzien im Kunstgewerbenmuseum gehören in dieselbe Zeit um 1804. Durch 
einen Aufenthalt in Dresden von 1807 1808 wurde Schall mit Werken der französischen 
Miniaturisten Augustin und Isabey bekannt. Wahrscheinlich wird Schall auch als Schüler 
bei einem der zahlreichen Miniaturenkünstler, die damals in Dresden lebten, gearbeitet 
haben. Aus der Dresdner Zeit stammen drei Miniaturen und eine Silberstiflzeichnung im 
Breslauer Kunstgewerbemuseum: ein Selbsti^ortrait, ein Bildnis Napoleons I. als Konsul 
nach Isabey und Kopieen nach der Vestalin und der Sibylle von Angelica Kauffmaiui. 
Vergleicht man die frühesten Arbeiten mit den wenig älteren der Dresdner Zeit, so ist die 
künstlerische Entwicklung ileutlicli sichtbar. Während die ersten, autodidaktisch hingemalten 
F3ildchen etwas zaghaft Tastendes, provinziell [befangenes hatten, sieht man tlen Dresdner 
Erzeugnissen, besonders dem sauber ausgeführten Selbstiiortrait, das vor kurzem als 



143 

Geschenk des grossherzoglich badischen Konservators Direktor Th. Schall in das Museum 
gelangte, den klärenden Einfluss einer delikaten, vornehm eleganten Hofminiaturkunst an 
(Fig. 17). Bereits um das Jahr 1812 hatte Schall als Miniaturzeichner und Maier einen 
wohlklingenden Namen. Unter seinen minutiösen Federzeichnungen finden sich bisweilen 
Arbeiten, die sich in ihrem äusseren Aussehen kaum von Kupferstichen unterscheiden lassen. 
Der Gegenstand der Miniaturen ist mannigfacher Art. Portraits wechseln mit religiösen 
und mythologischen Genreszenen. Bald sind es eigene Kompositionen, bald Kopien nach 
anderen Meistern. So enthält die grosse Sammlung von Albert Jaffe in Hamburg ein 
feines Bildchen, Venus und Amor darstellend, das auf das Vorbild eines Künstlers des 
18. Jahrhunderts zurückgeht. Eine treffliche Probe von Schalls Fertigkeit in der Bildnis- 
malerei liefert mit seiner delikaten Farbenbehandlung das etwa 1815 entstandene Portrait der 
Fürstin Luise zu Hohenlohe-Ingelfingen, Prinzessin von Württemberg, im Besitze Sr. Durch- 
laucht des Herzogs von Ujest auf Slawentzitz und das Bildnis der Frau von Frankenberg- 
Ludwigsdorf, geb. von Köckritz, bei Frau von Wrochem in Potsdam (Fig. 20 und 18). 
Doch als sich Schall nach der Rückkehr aus Dresden im Laufe der Jahre wieder in der 
spiessbürgerlichen Umgebung des provinziellen Philisteriums eingenistet und ausserdem 
die bürgerliche Kultur des Biedermeiertums festen Boden gefasst hatte, nahm er in seinen 
Arbeiten einen derberen Charakter an. Der Farbe mangelt trotz aller Feinheit der tech- 
nischen Ausführung hier und da die alte Klarheit, Leuchtkraft und Frische. Besonders 
die männliche Hautfarbe zeigt bisweilen einen etwas bräunlich -branstigen Ton. Ein 
Beispiel für diese spätere Zeit gibt uns das kleine Medaillonportrait des Hauptmanns 
Friedrich Weigand, das in der Gesichtsfarbe das branstige Rotbraun enthält und in der 
ganzen Auffassung etwas bürgerlich derb wirkt (Fig. 21). 

Mehr als eine Spielerei und Geduldsprobe denn als eine künstlerische Leistung 
mutet uns heute eine Folge von gezeichneten Landschaftspanoramen an, die Schall während 
der Sommerferien zwischen 1822-1834 in der Grafschaft Glatz mit Feder und Bleistift 
skizzierte. Jede Bergspitze, jede Bodenerhebung, jedes Haus ist auf das genaueste in 
Form und Lage wiedergegeben, und bei bewaldeten Bergzügen erblicken wir bei naher 
Betrachtung jeden Nadel- oder Laubbaum mit gesonderter Umrisslinic gezeichnet. Zehn 
der in einfacher Kontur gehaltenen Zeichnungen wurden später in Oktavgrösse lithogra- 
phisch unter dem Titel vervielfältigt: „Aussichten über den grössten und schönsten Teil 
der Grafschaft Glatz" (Breslau, Trewendt und Granier, 1856). Aussichten vom spitzen 
Berge bei Wölfeisgrund, vom Heidelberge, von den Seitendorfer Bergen und eine Ansicht 
des Eulengebirges vom Steinberge bei Nieder-Langenau sind vor der Natur mit pein- 
lichster Sorgfalt aufgenommen. 

Der Kreis der schlesischen Miniaturmaler der Empirezeit würde unvollständig bleiben, 
wenn wir nicht noch der beiden Prinzessinnen Sophie und Emilie zu Hohenlohe- 
Ingelfingen gedächten, die als vornehme Dilettantinnen fern von dem Treiben der Alltags- 
welt ihre Kunst übten. Ihre Arbeiten wurden durch die Miniaturen -Ausstellung zum 
ersten Male weiteren Kreisen bekannt. Wie entzückend, wie einfach, wie vornehm malte 



144 




Fig. 24. Sophie, Prinzessin zu Holienlolie-lngelfingen, 
Kinderbildnis 



Prinzessin Sophie das 
Kinderbildnis mit Auyuste 
und Adolf zu Hohenlohe- 
Ingelfingen. Wie frisch 
und mimter treibt das 
Pärchen in lauschiger 
Landschaft sein Spiel, 
damit beschäftigt, eine 
Vase mit Blumengirlanden 
zu umkränzen. Wie har- 
monisch und dezent ste- 
hen die Farben, das 
Weiss der Kleidchen, das 
Schwarz der Vase und 
das lichte Blaugrün der 
Landschaft zu einander 
(Fig. 24). Oder wie na- 
türlich, ungezwungen und 
unbeirrt durch akade- 
mische Kompositionsge- 
setze wirkt das Gruppenbildnis mit Adelheid, Emilie und Auguste zu Hohenlohe-Ingelfingen, 
das Prinzessin Emilie um 1805 malte. Diese reizenden Bildchen sind von so hoher 
Vollendung, dass vor ihnen der Gedanke an Dilettantentum niemand in den Sinn kommen 
wird. Den Adel ihrer eigenen Abstammung haben die beiden IVinzessinnen in ihre liebens- 
würdigen Arbeiten übertragen, in denen sie ausschliesslich Familienmitglieder für die Ahnen- 
galerien ihrer Angehörigen verewigten. 

Ganz anders ist die Welt und Kultur, die sich in den um zwei bis drei Jahr- 
zehnte jüngeren Arbeiten Zausigs spiegelt, der in seinen Miniaturbildnissen als der 
sachlich strenge Interpret des schlesischen Biedermeiers erscheint. Über die Lebensdaten 
des Künstlers Hess sich nur sehr wenig mit einiger Sicherheit ermitteln. Die Literatur 
schweigt über Zausig vollständig; die angeführten Daten wurden lediglich durch alte 
Ausstellungs-Kataloge und signierte Arbeiten Zausigs gewonnen. Amand G. Zausig wurde 
wahrscheinlich um 1800 in Preussisch oder Österreichisch Schlesien geboren Seine ersten 
künstlerischen Studien machte er in Breslau bei Schall, König und Siegert. Unter An- 
wendung verschiedener Techniken übte er sich gleichzeitig im Portraitieren und Land- 
schaftern, im Malen von Genreszenen und Stillleben. Die Kataloge der Breslauer Kunst- 
ausstellungen von 1822 24 verzeichnen ein Portrait Ifflands, Blumenstückc, einen Amor 
und eine Landschaft in Wasserfarben, zwei Landschaften in Ölfarben und drei Miniaturen: 
ein Selbstbildnis, einen schlafenden Amor mit einem Satyr (Kopie nach König) und Maria 
mit dem Jesuskinde im Temi:)el (Kopie nach Jos. Bergler in l^rag). 1824 ging Zausig nach 



TAFEL VI 




I grnfW^" '^i*- 




Fig. 




F.g. 



Fig. 3 



Miniaturen von Amand Zausig 



145 




Dresden, lernte die trefflichen Miniaturen 
der dortigen Galerie und einiger Privat- 
sammler kennen und trat zu den dort 
ansässigen Miniaturmalern in nähere 
Beziehungen, in Dresden bildete sich 
Zausig zum eigentlichen Miniaturmaler 
heran. Zwei von seinen hier gemalten 
Miniaturen, ein Portrait Napoleons i. 
nach Jean Baptiste Jacques Augustin 
und eine Halbfigur des Heilandes nach 
Carlo Dolci stellte er 1828 in Breslau aus. 
Obwohl ihm Italien wenig oder 
nichts mehr sagen konnte, zahlte Zausig 
doch jener krankhaften Sehnsucht nach 
dem Süden, die fast allen Künstlern der 
Zeit eigen war, seinen Tribut. Er ging 
im Herbst 1827 nach Rom und malte 
Campagna - Landschaften , Panoramen 
und Ansichten der ewigen Stadt, alles 
Dinge, die er bereits aus den Studien- 
mappen seines Breslauer Lehrers Siegert 
kennen gelernt hatte. Im Jahre 182Q 

kehrte Zausig nach der Heimat zurück und verlegte sich vorzugsweise auf das Miniatur- 
portrait. Nach Art eines Wandermalers zog er umher und malte auf herrschaftlichen 
Gütern Familien- und Ahnenbilder. Sechs solcher Portraits, die zwischen 1837 und 1839 
in der Nähe von Breslau auf dem Gute Bischwitz, das damals eine Familie Majunke be- 
wirtschaftete, entstanden sind, bewahrt jetzt das Breslauer Kunstgewerbemuseum (vgl. die 
Lichtdrucktafel VI). Es sind hervorragende Leistungen, die eine hohe Meisterschaft Zausigs 
als Miniaturportraitisl offenbaren. Mit subtilster Feinheit sind sie ausgeführt. Jedes 
Härchen, jede Augenwimper, jedes stoffliche Detail der Kleidung, jedes Schmuckstück, 
jede steinbesetzte Brosche, Busennadel und Uhrkette, alles sieht man bei näherer Be- 
trachtung bis aufs kleinste wiedergegeben, während für den Fernblick alles einheitlich 
klar wirkt und sich die einzelnen Farben harmonisch dem bräunlichen Blaugrau des 
Hintergrundes einordnen. Und doch liegt in Zausigs Werken ein gewisses Etwas, ein 
gewisser Mangel an Eleganz, der sie leicht als Arbeiten eines Provinzialkünstlers der 
Biedermeierzeit von Wiener, Dresdner oder gar französischen Miniaturen unterscheiden 
lässt. Vollkommen Herr der Technik konnte Zausig das Wesen seiner Menschen 
wiedergeben, wie es ihnen eigentümlich war und wie er es selbst durch sein geistiges 
Auge sah. In diesem feinen provinziellen und zeitgenössischen Beigeschmäcke liegt ein 
grosser Teil des künstlerischen Wertes von Zausigs Portraits, indem sie wohl etwas 

19 



Fig. 25. Amatul Zaiisig, Weibliches Bikinis 



146 

trocken, aber natürlich und charaktervoll anmuten iintl nichts anderes sein wollen, als sie 
in Wahrheit sein können. Kaum ein zweiter schlesischer Bildnismaler hat es in gleich 
hohem Masse verstanden, den Charakter des vornehmen schlesischen Biedermeiers im 
Bilde so treu und lebenswahr wiederzugeben, wie es Zausig gelungen ist. 

Aquarellierte oder mit Bleistift gezeichnete Landschaftstudien, die sich noch häufig 
in schlesischem [Privatbesitze befinden,' beweisen, mit welcher Virtuosität Zausig seine 
Fertigkeit als Miniaturportraitist auf das Gebiet der Landschaft übertrug. In sauberster 
Ausführung zeichnete er auf Papier, Pergament oder Elfenbein weite Landschaftspanoramen 
mit Bergen, Hügelketten, Waldungen, Dörfern, Wiesen und Feldern. Wie bei den Portraits 
ist auch hier alles bis in die Einzelheiten wiedergegeben; dabei ist der Oesamteindruck 
geschlossen, einheitlich, harmonisch. Die Blätter wirken nicht wie kuriose Spielereien, 
sie enthalten oftmals eine Grosszügigkeit und Naturwahrheit, durch die sich Zausig bis- 
weilen sichtlich über die übliche Landschaftsauffassung seiner schlesischen Zeitgenossen 
erhebt. Doch das Glück scheint ihm nie besonders hold gewesen zu sein. Von seinen 
Zeitgenossen war er wenig beachtet, nirgends finden wir seiner gedacht, nur in Wien 
soll er einmal für die Arbeiten, die heute das Breslauer Kunstgewerbemuseum besitzt, 
eine Auszeichnung erhalten haben. Als die Photographie die Miniaturmalerei immer mehr 
verdrängte, war Zausig schliesslich gezwungen, sich nach anderer Beschäftigung umzu- 
sehen. Er musste von der Höhe seines Künstlertums herabsteigen, um handwerksmässig 
als Überdekorateur von Porzellangegenständen für Bäder-Andenken sein Brot zu verdienen. 
Einsam und verlassen soll ihn das tragische Schicksal schiesslich in einem Armenhause 
haben sterben lassen. Wann und wo ist niciit mit Sicherheit bekannt. Seine letzten 
datierten Arbeiten fallen etwa in das Jahr 1846, um dieselbe Zeit wird er auch zum letzten 
Male in den Akten des Breslauer Künstler-Vereins genannt. Auf einem signierten Aquarell 
Zausigs vom 14. April 1843 (Bes. Dr. Erwin Hintze) trug später der Architekturmaler 
A. Wöifl den Vermerk ein: „Breslau den 22. 8. 62 abends ^j.J Uhr." Es ist niciit aus- 
geschlossen, dass es das Todesdatum Zausigs bedeutet. 

Steht es oft schon dürftig genug um zuverlässige Nachrichten über die Breslauer 
Miniaturmaler jener Zeit, so fehlen uns über die Künstler, die in den Provinzialstädten 
arbeiteten, fast jegliche Anhaltspunkte. Nur Ferdinand Völck, Baron Karl von Rahden 
und Thomas sind uns durch die Ausstellung näher getreten. Von Ferdinand Völck 
wissen wir, dass er 1772 als Sohn des Malers Joh. Georg Bartholomaeus Völck zu Würzburg 
geboren wurde, dass er erst bei seinem Vater, dann auf der Dresdner Akademie studierte, 
am Anfang des neunzehnten Jahrhunderts nach Ratibor übersiedelte und dort bis zu 
seinem Tode im Jahre 1829 als Biidnismaler tätig war.') Ein männliches Bildnis mit der 
Bezeichnung „F. Völck pinxit" gelangte kürzlich als Geschenk des Herrn Joseph Epstein 
aus Berlin in das Museum (Fig. 26). Es beweist zur genüge, dass wir es mit einem 
Künstler zu tun haben, dessen sich Schlesien nicht zu schämen braucht. Ausdruck und 



») Müllers Künstlerlexikon, Bd. 111 S. 805. — Füsslis Allgcni. Künstlerlexikon S. 4017. 



147 




Fig. 26, Ferdinand Völck, 
Männliches Bildnis 



Leben liegt in den Zügen des ältlichen Mannes. 
Sauber und fein ist die technische Behandlung und in 
angenehmem Wohlklange stehen die reinen Farben, 
das lichte Elfenbein des blutleeren Antlitzes, das tiefe 
Blau des Rockes, das milde Weiss des Jabots und das 
Graubraun des Hintergrundes zu einander. 

Baron Karl von Rahden, am Ende des aciit- 
zehnten Jahrhunderts in Schlesien geboren, erlernte in 
Breslau die Miniaturmalerei und lebte später in be- 
scheidener Zurückgezogenheit von seinem kleinen Ver- 
mögen in Strehlen, wo er um das Jahr 1857 gestorben 
ist. Er beteiligte sich zwischen 1824 1835 hin und 
wieder mit Miniaturen und anderen kleinen Malereien 
an den Breslauer Kunstausstellungen, in seiner äusse- 
ren Erscheinung war er ein echter Vertreter der Bieder- 
meierzeit. Gemütlich und freundlich gab er sich im per- 
sönlichen Verkehr und wenig Gedankentiefe lag in seinen philiströsen Lebensanschauungen. 
Diejenigen, die ihn noch selbst kennen gelernt haben, wissen viel lustige Dinge von seiner 
krankhaften Ordnungsliebe und Pedanterie zu erzählen. Allerlei Basteleien füllten bei 
Herrn von Rahden den grössten Teil des Tages aus. Auch seine Arbeiten verleugnen 
nicht die freundliche Gemütlichkeit ihres Urhebers. Die Bildnisse sind von sorgfältiger 
Ausführung, doch wenig genial. Kleinlich und trocken zeigen sie nicht viel persön- 
lichen Stil. Auf einige Zeichenfehler kommt es auch nicht an. Alte freundliche Frauen 
und Männer liessen sich gern bei dem liebenswürdigen Herrn Baron in Strehlen malen. 
Ein Glück ist, dass von Rahden die meisten seiner Werkchen sorgfältig mit vollem Namen 
versah, sonst würde man heute beim besten Willen nicht mehr imstande sein, Arbeiten 
Karl von Rahdens bei ihrer unpersönlichen Art allein auf dem Wege der Stilvergleichung 
ausfindig zu machen. 

Von dem Goldarbeiter und Miniaturmaler Thomas, der in der ersten Hälfte des 
neunzehnten Jaiirhunderts in Schweidnitz lebte, besitzt das Kunstgewerbemuseum ein 
Bildnis des Schweidnitzer Ratsherrn Johann Ehrenfried Hiller aus dem Jahre 1841. Mit 
seiner pedantischen Korrektheit in Ausdruck und Technik spiegelt es das gewissenhafte 
Schaffen eines Mannes wieder, der seine künstlerischen Anregungen und Anschauungen 
allein aus der Gedankenwelt und dem Gesichtskreise der Provinzialstadt zu schöpfen 
gewohnt war. Ein besonderer Reiz des Bildchens liegt in der geistigen Einheit, die den 
Maler und den Dargestellten harmonisch mit einander verband: hier der Ratsherr in seiner 
ungezwungenen aber doch würdig ernsten Haltung, ein schlichter Kleinstädter, für den 
es ein gar bedeutungsvoller Augenblick war, als er sich im Bilde für seine Nachkommen 
verewigen Hess, dort der Maler, der als ein Kind der gleichen geistigen Atmosphäre 
sachlich solide mit grösster Peinlichkeit und gewissenhaftem Ernste seine Aufgabe erledigte. 

19' 



148 

Von einijjen schlesisclien Miniaturmalern haben wir vorläufig nur durch die Kataloge 
der Breslauer Kunstausstellungen Kunde, und wir müssen es dem glücklichen Zufall über- 
lassen, ob in Zukunft weitere Nachforschungen etwas von ihren Werken ans Licht fördern 
werden. Bei einigen Namen wird es sich gewiss nur um Dilettanten handeln, deren Ver- 
gessensein für die Geschichte keinen Verlust bedeutet; in anderen Fällen geht aus den 
Katalogen deutlich hervor, dass sich die betreffenden Künstler nur gelegentlich als Miniatur- 
maler betätigten. Frau von Maubeuge, geborene von Oilgenheim, stellte 1822 ein 
Miniaturgemälde aus. Studiosus Heer, ein Schüler des Malers König, gab 1823 den „Kopf 
eines Alten" und 1825 einen „Amor, den Bogen spannend" en miniature zur Ausstellung. 
Bildnismaler Karl Schwindt aus Breslau lieferte an Miniaturen im Jahre 1823 einen „Schutz- 
engel, weicher einem Knaben die heilige Schrift auslegt" (Kopie nach Roselli), einen weib- 
lichen Kopf in italienischer Tracht, 1827 eine „Kleopatra" und ein „weibliches Bildnis in 
altem Kostüm". Von Karl Friedrich Trautmann - geboren den 1. April 1804 in Breslau, 
1826 Schüler der Berliner Akademie, dann wieder in Breslau und später in Waidenburg 
ansässig, wo er am 2. Januar 1875 starb — finden wir in dem Kataloge von 1823 zwei 
Miniaturen verzeichnet. Ernst Wiedemann aus Breslau, erst Schüler des Hofrates Bach, 
dann der Dresdner Akademie, stellte 1824 ein Miniaturbildnis aus, während er 1823 und 
1826 mit Kopien nach alten Meistern an die Öffentlichkeit trat. Von Maler Jahn werden 
1825 und 1835 Miniaturbildnisse Goethes (1825 für 6 Taler) genannt. Frau Trautmann 
lieferte 1825 eine „Hebe" in Miniatur. Anonym stellte im Jahre 1827 eine Frau von . . . 
sechs Miniaturen aus, einen Engel, eine Madonna nach einem grösseren Ölgemälde, Heloise 
nach einem Kupferstich und drei Bildnisse nach der Natur gemalt „von der sprechendsten 
Ähnlichkeit". Der Portrait- und Genremaler Rudolph Lange— erst Schüler des Malers 
König in Breslau, seit 182Q in Berlin, dann nach Vollendung der Studienzeit in seiner 
Heimatstadt Gross-Glogau tätig — beteiligte sich 1829 mit einer Madonna (Miniaturkopie 
nach einem Gemälde von Altomonte, das sich im Besitze der Stadt Breslau befindet), 
1831 und 1835 mit Miniaturbildnissen an den Breslauer Kunstausstellungen. Rittmeister 
von Erichsen in Gnadenfrei malte 182Q sein kleines Söhnchen Oskar Raphael in Miniatur. 
Maler F. Fahl in Liegnitz schickte 1829 ausser zwei Ölbildern ein Miniaturbildnis nach 
Breslau. Karl Axmann aus Breslau, der sich lange Zeit in Schlesien eines gewissen Rufes 
als geschickter Kopist alter Gemälde erfreute, gab im Jahre 1835 drei Miniaturportraits 
zur Ausstellung. Weiter tauchte 1835 und 1837 ein Leutnant von Elstcrmaun in Fkeslau 
mit drei Bildnissen en miniature auf. 

Am Anfang des neunzehnten Jahrhunderts war die Miniaturmalerei derart in Mode, 
dass auch mancher Künstler, dem von Haus aus die kleine Feinmalerei ferner lag, hierin 
seinen Mann zu stellen suchte. Der Porlraitmaler Franz Friedrich Keil geboren den 
2. Juli 1813 zu Liebau i. Schles., gestorben den 17. Januar 1875 in Breslau fand in seiner 
Jugend Vergnügen daran. Freunde und Anverwandte in kleinen Bildchen als Silhouette 
oder in bunten Wasserfarben zu portraitieren. Von dem Kupferstecher und Pastellmaler 
Wilhelm Henschel —geboren 1781, gestorben den 27. Juni 1865 in Breslau enthielt 



149 




Fig. 27. Amalie Pfitzner, 
Weibliches Bildnis 



die Ausstellung zwei Arbeiten: das Bildnis des Nicias August 
Wiliielm Grafen v. Burghauss auf Laasan, gemalt 1803, und 
das der Sängerin Catalani aus der Privatsammlung Dr. 
Heimann in Breslau. Auch von Fräulein Amalie Pfitzner 
— geboren in Breslau um 1808 als Tochter des Königl. 
Ober-Akzise- und Zollrates Samuel Gottlieh Pfitzner, ge- 
storben in Breslau um 1843 sind einige Miniaturen nach- 
weisbar. Die Künstlerin war etwa von 1822 - 1824 Schülerin 
des Breslauer Portraitmalers Rother, hielt sich Studien halber 
kurze Zeit in Dresden auf und beschickte die Ausstellungen 
hauptsächlich mit Kopieen nach älteren Meistern. Das Bres- 
lauer Kunstgewerbemuseum besitzt ein weibliches Miniatur- 
bildnis, das nach alter Familientradition als eine Arbeit der 
Künstlerin gilt (Fig. 27). Endlich befassten sich Carl 
Herrmann (geboren 1791 in Oppeln, gestorben 1845 in Breslau) Adalbert Longinus 
Höcker d. ä. (geboren 1761 in Albendorf, gestorben 1841), Eduard Höcker d. j., Philipp 
Hoyoll u. s. w. gelegentlich mit der Miniaturmalerei. Ernster ist Johann Heinrich 
Christoph König zu nehmen. In schlesischem Besitze trifft man öfters Miniaturbildnisse 
von preussischen Herrschern und verdienten Offizieren der Friederizianischen und Napoleo- 
nischen Kriege, die sich durch ihre technisch eigenartige Ausführung leicht als Arbeiten 
ein und desselben Künstlers dokumentieren. 
Die Ausstellung enthielt sieben solcher Bei- 
spiele. Eines davon, ein Bildnis Friedrichs 
des Grossen im Besitze von Major a. D. von 
Görtz in Breslau, trug deutlich lesbar die 
Bezeichnung „König". Damit wurde endlich 
auch auf diese Seite der vielumfassenden 
Tätigkeit des Künstlers ein aufklärendes Licht 
geworfen. König ist zwar von Geburt kein 
Schlesier, doch fünfundsechzig Jahre seines 
Lebens verbrachte er in Breslau; somit kön- 
nen wir ihn mit vollem Rechte als einen der 
Unsrigen in Anspruch nehmen. Er wurde 
am 11. November 1777 in Braunschweig ge- 
boren. In der bekannten Dosenfabrik von 
Stobwasser erhielt er seine erste handwerk- 
liche Ausbildung. Durch einige Miniatur- 
bildnisse, die er dort selbständig auf Dosen- 
deckel malte, legte er seine Begabung an 

^ X c . .•■ ,. . , fig.28. J. H. Chr. König, 

den Tag. Fortan höheren Zielen nachstrebend, Friedrich Wilhelm II. 




150 



begab er sich zu weiteren Studien nacii Berlin. Von liier siedelte er etwa um das Jahr 
1803 endgültig nach Breslau über, wo er als ein fast Neunzigjähriger am 27. Oktober 
1867 starb. Durciiblättert man die Kataloge der hiesigen Kunstausstellungen von 1818 
bis 1867, dann staunt man über die Vielseitigkeit Königs. Als Zeichner, Maier, Litho- 
graph, Radierer, Konservator, Restaurator und Lehrer hat er sein Talent bewiesen. Fast 
alle jungen schlesischen Künstler jener Zeit, die zum Teil später in der Fremde berühmt 
geworden sind, haben bei ihm gelernt. Sein Einfluss, den er auf die künstlerischen 
Bestrebungen unserer Provinz ausübte, muss nach allem, was wir darüber wissen, ein 
ganz bedeutender gewesen sein. Er war vor dem Auftreten von Ernst Resch, also rinid 
von 1805—1840 die Sibylle, bei der sich Breslauer und Schlesier in allen Angelegenheiten 
der bildenden Kunst Rat einholten. Näher auf die Bedeutung Königs als Praktiker und 
Theoretiker einzugehen, ist an dieser Stelle nicht der Platz, das wäre die Aufgabe einer 
selbständigen Biographie. Hier nur einige Worte über seine Miniaturen. Ihre genaue 
Entstehungszeit ist schwer zu fixieren, ihr Inhalt wendet sich fast ausschliesslich der 
Vergangenheit zu. Die Helden der Friederizianischen Zeit spielen in ihnen die erste 
Rolle. Obenan steht naturgemäss das Bildnis Friedrichs des Grossen, das der Künstler 
in allen nur erdenklichen Variationen gemalt hat. Neben ihm erscheinen Friedrich 
Wilhelm 1., II., 111., Offiziere, Minister und Staatsmänner, die den Hohenzollern im acht- 
zehnten Jahrhundert bei dem Ausbau des preussischen Königtums ihre Dienste geleistet 
haben. Die Technik ist stets dieselbe. In einer ausgesprochenen Punktiermanier sind die 
Farben aneinander gereiht. Die Hände und Gesichtszüge sind meist von markanter 
Zeichnung. Die Augen haben etwas Stechendes, das sich bei flüchtiger gemalten Bildchen 
bisweilen zu einer unerfreulichen Wirkung steigert (Fig. 28). 

Viel näher als dem Tafelbildmaler liegt naturgemäss für den Porzellandekorateur 
die Versuchung, gelegentlich einmal auf das Gebiet des Miniaturmalers überzugreifen. So 

sah man auf der Ausstellung mehrere Arbeiten von 
Christian Friedrich Knoefvell, der 1751 in Rawitsch 
als jüngster Sohn des Malers Karl Siegismund Knoefvell 
geboren wurde und 1827 als Email- und f^orzellanmaler 
in Waidenburg starb. Unter einigen Portraits und Oenre- 
szenen, in bunten Lackfarben auf Elfenbein und Por- 
zellan gemalt, fiel besonders das lebensvolle Bildnis 
des Breslauer Stück- und Kanonengiessers Georg Ben- 
jamin Krieger (1764 1834) auf, das rückseitig die Be- 
zeichnung „C. F. Knoefvelle 1797" trägt (Fig. 29). Als 
l'orzellanmaler begegnet uns Knoefvell häufiger. Tassen 
und Teller mit Malereien verschiedenartigsten Inhalts aus 
der Empirezeit tragen seine Signatur. Auf der Breslauer 
p. 29 c F K f II Kunstgewerbe-Ausstellung von 1878 befand sich ein 

Georg Fienjaniin Krieger von Ktioefvell 1799 gemaltes Kaffeeservice aus Porzellan 




151 

Zum Schliiss wollen wir noch des Zeichners und Lithographen Louis Ferdinand 
Koska gedenken, obwohl sein Schaffen streng genommen nicht mehr in den Rahmen 
des vorliegenden Aufsatzes gehört. Nicht als Maler sondern als Miniaturzeichner hat 
sich Koska einen Namen gemacht. Am 26. Oktober 1808 in Brieg als Sohn eines Schuh- 
machers geboren, besuchte er erst die Volksschule und von 1823 26 das Gymnasium. 
Dann trat er bei dem Breslauer Maler und Lithographen Grüson in die Lehre. Später 
arbeitete er einige Zeit bei J. H. Chr. König. Im September 1845 erhielt er auf Verwenden 
des Historienmalers Rosenfelder die Stelle eines Zeichenlehrers an dem Realgymnasium 
zum heiligen Geist und wirkte daselbst bis zu seinem Tode am 25. Mai 1862.') Grund- 
legend für Koskas ganzes späteres Schaffen blieben die Lehrjahre bei J. D. Grüson. Mit 
Hilfe des Verständnisses, das er sich hier für die lithographische Reproduktionstechnik 
erwarb, war er imstande, alle die Bücher-Illustrationen mit sicherer Hand zu entwerfen, 
die er später für den Verlag von Eduard Trewendt lieferte. Ausgaben von Steins 
„Prairieblume", von Hoffmanns „Waldläufer" und „Ansiedler von Van-Diemens-Land", 
von Merx' „Schloss und Hütte," von Strachwitz' „Lieder eines Erwachenden" und vor 
allem des Sudeten- und des Schlesischen Albums, die in den vierziger und fünfziger 
Jahren des neunzehnten Jahrhunderts bei Trewendt in Breslau erschienen, verdanken 
hauptsächlich dem Zeichner Koska ihren bildlichen Schmuck.-) Ausserdem erhielt viel- 
fach von ihm der Breslauer Graveur und Kupferstecher Carl Hintze Entwürfe und Vor- 
lagen für seine Metallarbeiten, Siegel und Wappenstempel. Endlich nahm der Glasmaler 
Seiler in Breslau Koskas künstlerische Beihilfe öfters in Anspruch und liess von ihm 
Kartons zu Glasgemälden anfertigen. Während unsere neuzeitigen Maler und Zeichner 
zumeist mit ein paar genialen Strichen ihre Skizzen hinwerfen, liebte es Koska, seine Ent- 
würfe, mochten sie nun für minutiöse Vignetten und Stempel oder für grosse Glasgemälde 
bestimmt sein, in den kleinsten Dimensionen auf das Papier zu bringen. Er besass hierin 
eine solche Geschicklichkeit und Sicherheit, dass es ihm nicht mehr Mühe und Aufwand 
kostete als einem anderen geübten Künstler der flüchtige Entwurf in grösserem Massstabe. 
So galt Koska seiner Zeit unstreitig als der geschickteste Feder- und Bleistiftzeichner Schlesiens. 
Bei ihm gibt es kein tastendes Suchen. Mit grösster Sicherheit sitzt jeder Strich und jeder 
Punkt an seinem Fleck, so dass auch das feinste und kleinste Bildchen in klarer Deutlichkeit 
und Reinheit zu uns spricht. Wenn man seine nur wenige Millimeter grossen Blättchen 
betrachtet, bedarf es oft sehr genauen Hinsehens, um die winzigen Federzeichnungen 
von Kupferstichen und anderen mechanischen Reproduktionen zu unterscheiden. Der 



') Vgl. Chronologisches Verzeichnis der Direktoren und Lehrer des Realg)mnasiunis zum heiligen 
Geist von Prof. Ludwig Stieff, Breslau 189g S. 16. 

') Sudeten-Album. 48 Ansichten der schlesischen Bäder und ihrer Umgebungen von F. Koska. 
1846—1862. — Schlesisches Album. 49 Blatt nach der Natur aufgenommen von F. Koska. 1854—1862. — 
ulius Hoffmann, Der Waldläufer. Mit 12 Bildern von F. Koska. 1853; 9. Auflage 1878. - M. Graf Strach- 
Jwitz, Lieder eines Erwachenden. Mit Holzschnitten nach Zeichnungen von F. Koska. 1854. — Julius Hoff- 
mann, Der Einsiedler von Van-Diemens-Land. Mit 4 Bildern von F. Koska. 1855. — E. Mer.x, Schloss und 
Hütte. Mit 4 Bildern von F. Koska. 1850. Wilhelm Stein, Prairieblume unter den Indianern. 1855. 



152 

Endbestimmuno- der Entwürfe entspiecliend, behandelt ihr hiiialt die mannigfachsten Themata. 
Hier sind es Portraits der Biedermeier- iiiui Krinolinenzeit von trefflichster Prägung des 
Charakters und der hidividualität des Dargestellten, dort sind es Genrebildchen und Szenen 
aus der biblischen Oeschiclite, hier wieder Tierstudien, schlesischc Landschaften, dort schliess- 
lich ornamentale Vignetten und Randleisten. Allerdings, so sehr wir auch die zeichnerische 
Virtuosität Koskas bewundern müssen, können wir uns dem Eindrucke nicht verschliessen, 
dass bisweilen die selbstschöpfcrische Erfindungsgabe hinter der technischen Handfertig- 
keit zurückbleibt. Die nach ticm Leben gezeichnctt'ii I^ortraits werden in ihrer künst- 
lerischen Vollendung jeden Wechsel des Geschmackes überdauern. Doch in den religiösen 
Kompositionen treten oftmals deutliche An- und Entlehnungen zutage und in dem Stil 
der Ornamentik teilt Koska mit vielen seiner Zeitgenossen die Vorliebe für unfreie 
Reminiszenzen an die Zeit der Gotik und der Renaissance. Ein höheres Verständnis für 
di^n Rl-\i der Farbe hat Koska nie erlangt. Als Schüler eines Lithographen sah er die 
Welt durch das Auge des Graphikers und vertiefte sich nur in ihre zeichnerischen Be- 
standteile. Als Maler ist Koska bunt, hart und unharmonisch. Die Farben wirken wie 
mit dem Pinsel gezeichnet. Er selbst dünkte sich auch nie ein Maler, nur die mangelnde 
Einsicht der Nebenmenschen zwang ihn, bisweilen auf ein Gebiet überzugreifen, das ihm 
nicht lag und nicht sonderlich zusagte. 

Die vorliegende Abhandlung bedeutet einen ersten Versuch und kein Ende. Wohl 
Hess die Miniaturen -Ausstellung im vergangenen Herbste eine stattliche Reihe von be- 
deutenden Künstlern der schlesischen Heimat wieder vor unseren Augen auferstehen, von 
deren Dasein man vorher kaum noch eine Ahnung hatte, doch die Erfahrung lehrt, wo 
die Forschung einmal ihren ersten Spatenstich mit Erfolg getan hat, da gräbt sie langsam, 
aber sicher im Laufe der Jahre weiter und holt immer neue ungeahnte Funde aus den 
schlummernden Tiefen der Vergessenheit herauf. So wird sich gewiss auch der Kreis 
der schlesischen Miniaturmaler mit der Zeit noch vergrössern und ihr Bild sich festigen. 
Es werden sich an diesen ersten Anfang Ergänzungen, Vermehrungen und Berichtigungen 
anreihen, bis die Geschichte der schlesischen Miniaturmalerei endlich so klar und greifbar 
vor uns steht, wie sie es verdient. 

Zum Schluss lassen wir ein Verzeichnis der Arbeiten obiger Miniaturmaler folgen, 
die durch die Ausstellung bekannt geworden sind. 

Friedrich Wilhelm Senewaldt 

AlhiMii mit 315 Portiaitniiiiiaturcii ; gemalt /wischen 1784 1802. (Reichsj^raflicli v<iii 1 lochbeigsclie Majorats- 
bibliothek zu Fiirstenstein.) 

Album mit 159 LatKlschaftcu in Wasserfarben; jjemalt zwischen 1784 1800. Teilweise mit dem Namen, 
häufig mit dem Monogramm des Künstlers versehen. (Keichsgräflich von Hochbergsche Majorats- 
bibliothek zu Fürstenstein.) 

Gräfin von Hoym, geb. Gräfin von Dyhrn, Gemahlin des Staatsnn'nistcrs Grafen von Hoym. In dem 
Deckel einer Elfenbeindose. (Exzellenz Andreas Graf von Maltzan auf Schloss Militsch.) 

Gräfin Stolberg(?) Vgl. Fig. 1. (Schlesisches Museum für Kunstgewerbe und Altertümer, Breslau; luv. 
Nr. 1 : 04.) 



153 

Georg Sigistimiid Neu iiiaiui; geb. 1733, Kcst. 1796 in Dittersbach bei Sagan. Um 1790. 'Staatsanwalt 

Rudolph Reinecke, Breslau.) 
Barbara Helene Neumann, geb. Lehmann; geb. 1740 in Wichelsdorf bei Sprottau, gest. 1824. Gemahlin 

des Vorigen. (Staatsanwalt Rudolph Reinecke, Breslau.; 

Gottfried August Thilo 

Bildnis eines Offiziers. Ringminiatur; um 1785. (Schlesisches Museum für Kunstgewerbe und Altertümer, 

Breslau; Inv. Nr. 204:03.) 
Männliches Bildnis. Ringminiatur; um 17S9. (Schlesisches Museum für Kunstgewerbe und Altertümer, 

Breslau; Inv. Nr. 175:03.) 
General von Tauentzien; um 1790. Fig. 9. (Schlesisches Museum für Kunstgewerbe und Altertümer, 

Breslau; luv. Nr. 201 : 03.j 
Friedrich Wilhelm II. von I'rcussen; um 1790. Fig. 5. (Schlesisches Museum für Kunstgewerbe und 

Altertümer, Breslau; luv. Nr. 202:03.) 
Männliches Bildnis; um 1790, Fig. 7. iSchlesisches Museum für Kunstgewerbe und Altertümer, Breslau; 

Inv. Nr. 203 : 03.) 
Männliches Bildnis; um 1790. (Kreisbaumeister Thilo, Breslau.) 
Mäimliches Bikinis; Kopie, Ölfarbe auf Metall; um 1790. (Familie Thilo, Breslau.) 
Frau Solbrig; um 1793. (Schlesisches Museum für Kunstgewerbe und Altertümer, Breslau; Geschenk des 

Fräulein Marie Thilo, Breslau; Inv. Nr. 218 : 03.) 
Mortimer Graf von Maltzan und Gräfin FauTii Maltzan, spätere Prinzessin Biron von Curland; 

gemalt im März 1797 für 30 Taler. (Exzellenz Andreas Graf von Maltzan auf Schloss Militsch., 
Joli:iun Joseph Wentzel, Kaufmann, Begründer der Firma Moritz Wentzel am Ring in Breslau; geb. 1758, 

gest. 1831. Gemalt im Juni 1797 für 18 Taler. Fig. 2. (Frau Moritz Wentzel, Breslau). 
Königin Luise von Preussen; von 1799. Fig. 4. (Familie Thilo, Breslau.; 
Carl Frau/ Joliaiin von Machui auf Ocklitz und Grüben in Schlesien; geb. 1765. Gemalt im Juli 1797 

für 18 Taler. (Rentier Arthur von Machui, Breslau. 1 
Johann Gotllieb Kusche, Pastor; gemalt im Januar 1802. Fig. 10. iFräulein Marie Thilo, Breslau.) 
Frau Anna Rosina Kusche, Gemahlin des Vorigen; gemalt im Januar 1802. (Fräulein Marie Thilo, 

Breslau.; 
Johann Friedrich Wilhelm Oilling, Magazin-Rendant und Kriegskommissar zu Breslau; geb. 1759, 

gest. 1837. Gemalt im Juni 1803 für 15 Taler. (Königl. Landmesser M. Hellmich, Ologau.) 
Bildnis eines Mädchens; um 1802, unvollendet. (Schlesisches Museum für Kunstgewerbe und Altertümer, 

Breslau; Inv. Nr. 205:03.; 
Fülleborn, Professor am Elisabeth-Gymnasium in Breslau; gemalt im Februar 1803. (Schlesisches Museum 

für Kunstgewerbe und Altertümer, Breslau; Inv. Nr. 7359.) 
Frau Thilo, geb. Schander, die Gattin des Künstlers; um 1803. (Familie Thilo, Breslau.) 
Joseph Fürst zu Hohenlohe-Bartenstein, Fürstbischof von Breslau. Gemalt im Dezember 1805 für 

12 Taler; Kopie. (Domregistrator Appaly, Breslau.' 
Johann Friedrich August Hagen, Senior zu St. Elisabet. Von Thilo auf seinen Kupferstich vom 

Jahre 1812 en miniature eigenhändig gemalt. (Dr. Erwin Hinlze, Breslau.) 
Friedrich der Grosse. Ringminiatur; gemalt im März 1808 für 18 Taler. i Frau Moritz Wentzel, Breslau.) 
Friedrich Wilhelm III.; um 1814. Fig. 8. iSchlesisches Museum für Kunstgewerbe und Altertümer 

Breslau; Geschenk des Herrn Kreisbaumeisters Thilo, Breslau; Inv. Nr. 221 : 03.) 
Friedrich Wilhelm III. Ringminiatur; um 1814. (Dr. Erwin Hintze, Breslau.) 
Alexander I. Kaiser von Russland; um 1814. (Familie Thilo, Breslau.) 
Französischer General in Uniform; um 1814. iSchlesisches Museum für Kunstgewerbe und Altertümer, 

Breslau; Inv. Nr. 239:03.) 
Genrebild: ein verstorbenes Kind des Künstlers wird von Engeln gen Himmel gebracht; um 1320. (.Kreis- 

bauiueister Thilo, Breslau.) 



154 

Selbstbildnis des Künstlers (Öl auf Leinwand. i; um 1835. Fig. 6. (Schlesisches Museum für Kunst- 
gewerbe und Altertümer, Breslau; Geschenk des Herrn Kaufmami Isidor Mamlok, Breslau; luv. 
Nr. 194 : 03.) 

Selbstbildnis des Künstlers \0\ auf Leinwand); Wiederholung des Vorigen. (Kreisbaunieister Thilo, 
Breslau.) 

Friedrich der Grosse; um 1840. Fig. 3. (Familie Thilo, Breslau.) 

Friedrich Wilhelm III.; um 1840. (Konsul Siegmund Friedmann, Breslau.) 

Fürst von Blücher; um 1840. (Konsul Siegmund Friedmann, Breslau.) 

Carl Gottlob Schmeidler 

Selbstbildnis des Künstlers; um 1805. Fig. 12. (Frau Pastor Elise Schmeidler, Charlottenburg- Berlin.) 
Rosine Henriette Eleonore Schuieidler, geb. Müller, die Gattin des Künstlers, i Leutnant Schmeidler, 

Danzig.) 
Mäimliches Bildnis. Jugendarbeit. (Leutnant Schmeidler, Danzig.) 
Prinzessin zu Hohenlohe-lngelfingen; von 1805. Fig. 13. (Schlesisches Museum für Kunstgewerbe und 

Altertümer, Breslau; Inv. Nr. 240 : 03.) 
Emilie Prinzessin zu Hohenlohe-lngelfingen; von 1805. Bez.: Schmeidler. (Fürst zu Hnhenlohe- 

Oehringen, Herzog von Ujest auf Slawentzitz.) 
Adele Prinzessin zu Hohenlohe-lngelfingen; von 1805. Bez.: Schmeidler. (Fürst zu Hohenlohe- 

Oehringen, Herzog von Ujest auf Slawentzitz.) 
Adele Fürstin zu Hohenlohe-Kirchberg, geb. Hohenlohe. (Frau Wanda von Dallwitz, Berlin.) 
Gräfin Erbach, geb. Prinzessin Hohenlohe. (Frau Wanda von Dallwitz, Berlin.) 
Carl Graf von Maltzan in der Uniform des Schlesischen Kürassier-Regiments Nr. 1; um 1815. Bez.: 

Schmeidler. Fig. 15. (Exzellenz Andreas Graf von Maltzan auf Schloss Militsch.) 
Mortimer Graf von Maltzan. Bez.: Schmeidler. (Exzellenz Andreas Graf von Maltzan auf Schloss Militsch.) 
Auguste Gräfin von Maltzan, geh. Gräfin von der Goltz, aus dem Hause Clausdorf; geb. 1798, 

gest. 1837. Bez.: Schmeidler p. (Exzellenz Andreas Graf von Maltzan auf Schloss Militsch.) 
Ludwig von Köckritz, Herr auf Mondschütz, in der Uniform des Brandenbnrgischen Husaren-Regiments 

Nr. 3. Um 1815. Bez.: Schmeidler. (Fräulein von Köckritz auf Mondschütz bei Wohlan.) 
Friederike von Köckritz, geb. von Rothkirch-Panthen, mit ihren drei ältesten Kindern Cuno, Therese 

und Natalie. Bez.: Schmeidler pinx 1821. Vgl. die Heliogravüre Taf. V. (Fräulein von Köckritz auf 

Mondschütz bei Wohlan.) 
Freiherr von Köckritz auf Sürchen. (Frau C. von Wrochem, geb. von Ktickritz, Potsdam.) 
Frau von Köckritz, geb. von Rothkirch, Gemahlin des Vorigen. Bez.: Schmeidler. (Frau C. von Wrochem, 

geb. von Köckritz, Potsdam.) 
Louis von Mutius, Kommandierender General iles VI. Armeekorps. Bez.: Schmeidler. (.General von Mutius, 

Landeck. I 
Frau von Mutius, geb. von Röder, Gemahlin des Vorigen. Bez.: Schmeidler. (General von Mutius, Landeck.) 
Freiherr von Seherr-Thoss. Bez.: Schmeidler. (Frau Baronin von Richthofen, Breslau.) 
Freifrau von Seherr-Thoss, geb. Moriz-Eichborn, Gemahlin des Vorigen. Bez.: Schmeidler. i'Frnu Baronin 

von Richthofen, Breslau. j 
Bildnis eines Polen. Bez.: Schmeidler. (Geh. Sanitätsrat Dr. Schmeidler, Breslau.) 
Bildnis einer polnischen Gräfin. Bez.: Schmeidler. (Schlesisches Museum für Kunstgewerbe nnil Altertümer, 

Breslau; Inv. Nr. 169:03.) 
Frau Marie Göppert, geb. Hemer f 1830; erste Gemahlin des Geheimrats Prof. Göppert in Breslau. Bez.: 

Schmeidler. Fig. 11. (Fräulein Emmy Göppert, Breslau.) 
Frau Marie Göppert, Wiederholung des vorigen Bildes in ovalem Format. Bez.: Schmeidler. lOeh. 

Justizrat Luhe, Breslau.) 
Männliches Bildnis. Bez.: Schmeidler. (Leutnant Schmeidler, Danzig.) 
Carl Werner, Schwager des ehemaligen Polizeipräsidenten von Breslau, Heinke. Bez.: Schmeidler. Frau 

Wanda von Dallwitz, Berlin. ; 



155 

Dame in blauem Kleide. (Frau Professor Schotte, Berlin.) 
Damenbildnis. Geh. Sanitätsrat Dr. Schmeidler, Breslau.: 
Damenbildnis, unvollendet. .Fräulein Katharina Selige, Brandenburg a. Havel.) 
Damenbildnis, unvollendet. (Rechtsanwalt Schmeidler, Liegnitz.; 
Männliches Bildnis, unvollendet. (Rechtsanwalt Schmeidler. Liegnitz.i 
Jugendlicher Johanneskopf. Fig. 14. (Fräulein Katharina Selige, Brandenburg a Havel ) 
Sandmsel m,t der alten Dombrücke in Breslau, von der Holteihöhe gesehen. (Geh. Baurat a. D. Dato, Cassel.) 
Wallfahrtskapelle bei Wartha in Schlesien; Ölbild. Bez.: Schmeidler. Leutnant Schmeidler, Danzig , 
Agnetendorf im Riesengebirge; Ölbild von 1838. Bez.: Schmeidler. (Fräulein Katharina Seligo, Branden- 
bürg a. Havel. I 

Landschaftsstudien aus dem schlesischen Gebirge, Zeichnungen von 1820-1838. .Geh Sanitätsrat 
Dr Schmeidler, Breslau; Dr. Erwin Hintze, Breslau; Frau Pastor Weiss, Bremen; Fräulein Clara 
Schmeidler, Schmiedeberg i. Riesengeb.) 

Joseph Raabe (?) 

Bikinis eines Leutnants. Fig. 16. (Sehlesisches Museum für Kunstgewerbe und Altertümer, Breslau; Geschenk 

der Frau Geh. Oberfinanzrat von Gellhorn, Liegnitz; Inv. Nr. 744 : 93., 
Bildnis eines Offiziers. (Hofantiquar Max Altmann, Breslau.) 

Joseph Friedrich August Schall 

Selbstbildnis des Künstlers im Alter von siebzehn Jahren; von 1802. Fig. 19. (Sehlesisches Museum 
für Kunstgewerbe und Altertümer, Breslau; Geschenk des Herrn Major a. D. Schall, Reichenbach- 
Inv. Nr. 62 : 83.j 

Friedrich Wilhelm IL; um 1804. (Sehlesisches Museum für Kunstgewerbe und Altertümer Breslau- 
Inv. Nr. 132:81.1 

General von Tauentzicn; um 1804. (Sehlesisches Museum für Kunstgewerbe und Altertümer, Breslau- 
Geschenk des Herrn Major a. D. Schall, Reichenbach; Inv. Nr. 60:83.) 

Selbstbildnis des Künstlers im Alter von 22 Jahren; von 1807. Fig. 17. .Sehlesisches Museum für 
Kunstgewerbe und Altertümer, Breslau; Geschenk des Orossherz. badischen Konser%-ators Herrn 
Direktor Th. Schall, Baden-Baden; Inv. Nr. 85:03.) 

Vestalin; Kopie nach Angelica Kanffmann von 1807. .Sehlesisches Museum für Kunstgewerbe und 
Altertumer, Breslau; Geschenk des Herrn Major a. D. Schall, Reichenbach; Inv. Nr. 59-83) 

Sibylle; Silberstiftzeichnung. Kopie nach Angelica Kauffmann von 1807. .Sehlesisches Museum für Kunst- 
gewerbe und Altertümer, Breslau; Geschenk des Herrn Major a. D. Schall, Reichenbach- Inv 
Nr. 58 : 83.) 

Napoleon 1. als Konsul. Kopie nach Isabey von 18Ü8. Bez.: Schall. (Sehlesisches Museum für Kunst- 

gewerbe und Altertümer, Breslau; Geschenk des Herrn Maj<,r a. D. Schall, Reichenbach- Inv 

Nr. 57:83.) 
Venus und Amor. (Sammlung Albert Jaffe, Hamburg.! 
Luise, Fürstin zu Hohen lohe-Oehringen, geb. Prinzessin von Württemberg. Bez.: J. Schall pinx 

Flg. 20. (Fürst zu Hohenlohe-Oehringen, Herzog von Ujest auf Slawentzifz. i 
Ecce homo, Miniaturtuschzeichnung; um 1815. (Direktor Th. Schall, Baden-Baden.i 
Herzog und Herzogin von Württemberg. Zwei Originalpausen zu Miniaturen; um 1815 Direktor 

Th. Schall, Baden-Baden.) 

Frau von Frankenberg-Ludwigsdorf. geb. von Köckritz. Schwester des Freiherrn von Köckritz auf Sürchen- 
um 1823. Flg. 18. (Frau C. von Wrochem, geb. von Kockrit/. Potsdam 

Graf Hohen. hal-DöIkan. Silberstiftzeichnung; um 1825. Fig. 22. (Hans Ulrich Graf von Schaffgotsch 
auf Koppitz.; 

Gräfin Hohenthal, geb. von Krosigk. Silberstiftzeichnung; um 1825. Fig. 23. vHans Ulrich Graf von 

Schaffgotsch auf Koppitz.) 
Männliches Bildnis; um 1830. Bez.: Schall pinxit. (Konsul Siegmund Friedmann, Breslau.) 



20* 



156 

Haiiptniann Weigatul ; um 1835. Fig. 21. (Schiesisches Museum für Kunstgewerbe iiiui Altertiiiiicr, l?reslaii ; 

Cieschciik des Herrn Major a. D. Schall, Reichenbacli; Inv. Nr. 61 :83.) 
Landschaften, meist aus der Grafschaft (ilatz, in Miniatur-Federzeichnung; 1822 — 1834. (Scliiesisches 

Museum für Kunstgewerbe und Altertümer, Breslau; luv. Nr. 3202 a, b; Kaufmann Leo Seelig, Breslau.) 

Sophie, Prinzessin zu Hoheniohe-lngelfingen 

I'rinzessin Auguste und Prinz Adolph zu Hoheniohe-lngelfingen eine Vase bekränzend; uiu 1800. 

Fig. 24. (Fürst zu Holienlohe-Oehringen, Herzog von Ujest auf Slawentzitz.) 
August, Erbprinz zu Hohenlohe-Oehringeu; von 1807. (Fürst zu Hohenlohe-Oehringen, Herzog 

von Ujest auf Slawentzitz.) 

Emilie, Prinzessin zu Hoheniohe-lngelfingen 

Adelheid, Auguste, Emilie, Prinzessinnen zu Holienlohe - I ngelfingen; um 1805. Bez.: Enu'lie pinx. 
(Fürst zu Hohenlohe-Oehringen, Herzog von Ujest auf Slawentzitz.) 

Amand G. Zausig 

Männliches Bildnis; imi 1830. (Schlesisches Museum für Kunstgewerbe und Altertümer, Breslau; 

Inv. Nr. 222:03.) 
Kammergerichts-Assessor Dr. Majunke auf Bischwitz bei Breslau; von 1839. Bez.: A.Z. Taf. VI, Fig. 1. 

(Schlesisches Museum für Kunstgewerbe und Altertümer, Breslau; Inv. Nr. 225 : 02.) 
Herr Majunke auf I3ischwitz bei Breslau, Bruder des Vorigen; von 183Q. Bez.: Zausig. Taf. VI, Fig. 2. 

(Schlesisches Museum für Kunstgewerbe und Altertümer, Breslau; Inv. Nr. 226 : 02.) 
Frau Horsetzka, geb. Majunke, Schwester der beiden Vorigen; von 1839. Bez.: A. O. Z. Taf. VI, Fig. 3. 

(Schlesisches Museum für Kunstgewerbe luul Altertümer, Breslau; Inv. Nr. 227 : 02.) 
Fräulein Horsetzka. Bez.: Zausig 39. (Schlesisches Museum für Kunstgewerbe und Altertiimer, Breslau; 

Inv. Nr. 228:02.1 
Damenbildnis; um 1840. Fig. 25. (Schlesisches Museum für Kunstgewerbe und Altertümer, Breslau; 

Inv. Nr. 229:02.) 
Dainenbildnis; um 1840. Bez.: A. Zausig. (Schlesisches Museum für Kunstgewerbe und Altertümer, 

Breslau; Inv. Nr. 230 : 02.) 
Damenbildnis. (Fräulein von Montbach, Breslau.) 
Assessor Forche. (Fräulein von Montbach, Breslau.) 

Männliches Bildnis; um 1840. Schlecht erhalten. (Frau Oberförster Thiele, Breslau.) 
Weibliches Bildnis; um 1840. Schlecht erhalten. (Frau Oberförster Thiele, Breslau.) 
Weibliches Bildnis; um 1840. (Frau Oberförster Thiele, Breslau. i 

Kaufmann Friedrich August Krause; um 1840. (Buchhändler Gustav Peuckert, Breslau.) 
Landschaft, aquarellierte Miniaturzeichnung. Bez.: 16. Octob. 41. (Dr. Erwin Hintze, Breslau.) 
Ansichten von Rom, 13 Zeichnungen. Bez.: Zausig, Rom 4. October 4. November 1827. (Schlesisches 

Museum für Kunstgewerbe und Altertümer, Breslau; Geschenk des Herrn Kaufmann Leo Seelig, 

Breslau; Inv. Nr. 3201 a-n.) 

Ferdinand Völck 
Märuiliches Bildnis. Bez.: F. Völck pinxit. Fig. 26. iSchlcsisches Museum fiii Kunstgewerbe und Alter- 
tümer, Breslau; Geschenk des Herrn Joseph Epstein, Berlin; Inv. Nr. 217:03.) 
Christian Fliegner, Landschaftskassen-Rendant in Ratibor, gest. 1836. Bez.: Völck. (Hütteiuiispektor a. D. 

Adolf Fliegner, Breslau.) 
Karoline Fliegner, Gemahlin des Vorigen. (Hütteninspektor a. D. Adolf Fliegner, Breslau.) 

Baron Karl von Rahden 

Damenbildnis. Bez.: v. Rahden 1824. (Leutnant Emmerich von Beöczy auf Klein -Schmograu, Kr. Wohlau.) 
Bildnis einer alten Frau. Bez.: v. Rahden. (Konsul Siegmund Friedmann, Breslau. i 

Portraitzeichnungen und Studien, meist bezeichnet. (Frau Apotheker Spisky, Breslau; Frau Anitsgerichtsrat 
Adamczyk, Breslau.) 



157 

Dameiibiklnis. Aiiiiarcll. Bez.; v. Raluieii 1828. (Schiesisches Museum für Kunstgewerbe und Altertümer, 
Breslau; Inv. Nr. 102 : 04.) 

Thomas 

Johann Eh reiifricd Hiilcr, Ratsherr in Schweidiiitz, <,'eb. 1782, gest. 1851. Oemalt am 15. November 1841. 
(Schiesisches Museum für Kunstgewerbe und Altertümer, Breslau; Inv. Nr. 223 : 03.) 

Franz Friedrich Keil 

Johann Oottlieb Keil, Goldarbeitcr in Schweidnitz, Orossvater des Künstlers. Brustbild in Silhouette; 
um 1828. (Dr. Erwin Hintze, Breslau.) 

Johann Friedrich Keil, geb. 1781, gest. 1838, üoldarbeiter in Schweidnitz, Vater des Künstlers. Brust- 
bild in Silhouette; um 1828. (Dr. Erwin Hintze, Breslau.) 

Männliches Bildnis. (Dr. Erwin Hintze, Breslau.) 

Wilhelm Henschel 

Nicias August Wilhelm Graf Burghauss auf Laasan; geb. 14. März 1750. Von 1803. i.Oraf Pückler- 

Burghauss auf Ober-Weisstritz.) 
Sängerin Catalani. (Dr. jnr. Paul Heiniann, [Breslau.) 

Amalie Pfitzner 

Weibliches Bildnis. Fig. 27. (Schiesisches Museum für Kunstgewerbe und Altertümer, Breslau; Inv. Nr.220 : 03.) 
Weibliches Bildnis; Wiederholung des Vorigen. (Althändler Joseph Stephan, Breslau.) 
Männliches Bildnis. (Althändler Joseph Stephan, Breslau.) 

Johann Heinrich Christoph König 

Friedrich Wilhelm I. Um 1810. (Fürst zu Hoheiilohe-Oehringen, Herzog von Ujest auf Slawentzitz.) 
Friedrich der Grosse. (Fürst zu Hohenlohe-Oehringen, Herzog von Ujest auf Slawentzitz.) 
Friedrich der Grosse. Bez.: König. (Major a. D. von Oörtz, Breslau.) 

Friedrich der Grosse. (Schiesisches Museum für Kunstgewerbe und Altertümer, Breslau; Inv, Nr. 241 : 03.) 
Friedrich Wilhelm II. Fig. 28. (Fürst zu Hohenlohe-Oehringen, Herzog von Ujest auf Slawentzitz.) 
Friedrich Wilhelm II. (Sammlung Max Pringsheim, zurzeit im Schlesischen Museum für Kunstgewerbe 

und Altertümer, Breslau.) 
Bildnis eines preussischen Offiziers. (Schiesisches Museum für Kunstgewerbe und Altertümer, Breslau; 

Inv. Nr. 200:03.) 

Christian Friedrich Knoefvell 

Georg Benjamin Krieger, Stück- und Kanonengiesser in Breslau, geb. den 13. Sept. 1764, gest. den 
2. Nov. 1834. Rückseitig bezeichnet: C. F. Knoefvelle 1797. Fig. 29. (Hauptmann a. D. Krieger, 
Beschine Kreis Wohlan.) 

Kiinigin Luise. Bez.: Knoefvell 1800. (Hauptmann a. D. Krieger, Beschine Kreis Wohlau.) 

Mämiliches Bildnis. Rückseitig bez.: Knoefvell 1803. (Schiesisches Museum für Kunstgewerbe und Alter- 
tümer, Breslau; Geschenk des Herrn Joseph Epstein, Berlin; Inv. Nr. 216:03.) 

Mythologische Darstellung, zweimal dasselbe Motiv. (Hauptmann a. D. Krieger, Beschine bei Wohlan.» 

Genreszene, dlauptmami a. D. Krieger, Beschine bei Wohlau.) 

Louis Ferdinand Koska 

Mimatur- Federzeichnungen verschiedenartigen Inhalts von 1845 1860. (Professor Dr. Carl Hintze, Breslau.) 
MiMi:itnr-Portraitzeichnungen von 1830 1860. Frau Koska, Breslau; Dr. Erwin Hintze, Breslau.) 
Zeichnungen zu dem im Verlage von Eduard Trewendt in Breslau erschienenen Sudeten-Album. (.Ernst 
Trewendt, Berlin.) 

Erwin Hintze 



158 

EIN WIENER PORZELLANSERVICE MIT GEBURT 
UND TRIUMPH DES CUPIDO 

Das Sclilesische Museum für Kunstgewerbe und Altertümer besitzt seit dem Jahre 
18Q9 ein Wiener Frühstücksservice, von dem sich, ein seltener Fall in der alten Porzellan- 
malerei, der Name des Malers und die Quelle, aus der er die Bilder entnahm, bestimmen 
lässt. Auf vier Kannen, einer Zuckerdose, einer Teebüchse, einer Spülkumme und zwcilf 
Tassen, von denen die meisten die Scharffeuermarke des Jahres 1801 tragen, sind aus 
grünem Fond im ganzen sechsundzwanzig Felder ausgespart, in denen auf schwarz- 
braunem Hintergrund die Geburt und der Triumph Cupidos in bunten Farben dargestellt 
sind. Wie der dunkelbraune Ton sichtlich an den schwarzen Hintergrund pompejanischer 
Bilder erinnern soll, ist auch das äussere Gewand der Darstellungen von dorther beeinflusst. 
Den Gegenstand möchte man zunächst nur als eine Sammlung von Taten und Schelmen- 
streichen des lieben losen Knäbchens Amor ansehen. Es verbirgt sich aber darin eine 
geordnete Folge, eine ganze Dichtung in Bildern. 

Die Bilderserie, die so echt wienerisch „herzig und lieb" anmutet, ist auf fremdem 
Boden entstanden. In der Sammlerzeitschrift „The Connoisseur" 1901 wird auf S. 202 
ungenügend klein ein Berliner Service mit den gleichen Szenen abgebildet, das aus dem 
Besitze der Landgräfin Elisabeth von Hessen-Homburg, Tochter Georgs III. von England, 
stammen soll. Eben dieser I^rinzessin würden auch die Zeichnungen und Malereien des 
Services zugeschrieben. In den „Selections from the letters and correspondence of Sir 
James Bland Burgess" erwähne dieser, dass er durch einige Zeichnungen der Prinzessin 
Elisabeth zu einem Gedicht „Triumph of Love" angeregt worden sei, von welchem er 
seiner Schwester schreibt: „The idea is so entirely original that 1 am confidcnt nothing 
like it is to be found in any language." In einem Nachtrage auf S. 278 desselben Bandes 
berichtet ein „very old collector of engravings", dass er eine ganze Anzahl von Stichen 
besitze, nach denen die Bilder des Berliner Services gemalt seien. Nach seiner Meinung 
sei dieses im Jahre 1822 für die Countess of Blessington verfertigt worden. Mit dieser 
Datierung schiesst der alte Kupferstichsammler arg neben das Ziel. Weder er noch der 
Verfasser der ersten Notiz wissen, dass es eine vollständige Publikation der ganzen Bilder- 
serie gibt; mich hat auf deren Existenz Frau von Kulmiz auf Saarau aufmerksam gemacht, 
die auch die grosse Güte hatte, mir das im Besitze einer Verwandten befindliche Exemplar 
davon zur Einsicht zu verschaffen. Es ist ein Kupferstichwerk in Gross-Oktav mit dem 
Titel: To the Queen This Book Representing The Birth and Triumph of Cupid in 

Her Majesty's Collection, from I'apers cut by Lady Dashwood Is dedicated 

by . . . . P. W. Tomkins, Historical Engraver to Her Majesty. London, Published as 
the Act Directs. Jan. 17. 17Q5 by Tomkins, 49 New Bond Street. Unter den Arbeiten 
des Peter William Tomkins, der 1763 bis ungefähr 1836 lebte, wird dieses Werk bei Nagler, 
Künstlerlexikon als Nr. 53 mit dem Zusätze nach Zeichnungen der Prinzessin Elisabeth'' 



159 



fTJZ f 'f '"".'"^^I''"- '™ ""ahn,. Woher Nagicr die Anlorschaf, der Prinzessin 
Eh heth kenn, we,ss ,eh nich,, rieh.ig is, aber seine Angabe Jedenialis, da sie du eh d 
No. z m Conno,ssenr au, S. 202 bestätig, wird. Wahrseheinlioh nenn, die spätere Auflage 
de >ubl,ka„„„ von, Jahre ,798, die Nagier vorlag, ausdrücklich die PrinzessTn EBsaS 

Lady Dashwood hüll,. Lad, Dashwood ist sicher ein Pseudonym, man ntOssr so I 

TZTmtZ nT^T T:"; * "" ''"'' "™ -"»-wurde „„d ersf : 
7. Apnl 1S18 den Landgrafen FnedncI, VI. vo,n Hessen-Homburg heiratete in ersier Ehe 
.u der Ze,t, als das Kupferstichwerk herausgegeben wurde, 1 einen, Lo Da hwo d 
vermahlt war oder dass sie den Titel einer Lady Dashwood führte. Das kg, S,aa sarhIv 
,n Ha,,n„ver ,ei„ ,nir aber auf eine Anfrage freundlichst mit, dass sichni ht ha 
ernnlteln lassen, „as diese Annah.ne s,ü,ze„ kOunte, und dass auch die neuel Dar 
Stellung von dem Leben der ,>rinzessin Elisabeth in dem Werke von V. Fi.zger d The 
oyal dukes and princesses of the family o, George 1,1, London 1882, nichls vo er 
früheren Ehe Oder jenem Ti,e, wisse. Zudem nennen die Modeberich e aus LonJon n 
.Journal des Luxus und der Moden«, dessen Jahrgänge aus der Zei, von zirka ,7,3 80 

D e ::;,n; ;™d d'"p'>'' '"""°' '"" "-^'»''-"^ ^-Werkes der fürst« 
UilCanhn zu hnden, die Prinzessin Elisabch nur mit diesem Namen 

''"' *'" Kupferstidiwerk des P W. Tomkins nach Zeichnungen der i'rinzessin 

El, abeth, wahrscheinlich einer Auflage, in der wohl auch schon die französischen B dl 

crklarunge,, vorkommen, die sämiliche Shicke des Wiener Services au, der Un,e se^ 

gen, smd au, dieses s.,n„,iche Dars,clh,ngen gCreu bis in die kleinsien DCails üb r! 

tragen c^,c kleineren auf die Obertassen, die grösseren au, die anderen Bestandteile Es 

Formate für di stucke im, zwei Bildern, die Kannen e,c., ha, leiiweise auch schon die 

Vo läge. Da aber für die Übertragung manche Verschiebungen in der Anordnun.. statt- 

" e„ muss ten und das mir vorliegende Exemplar der Vorlage sicherlich von A,Z, „ 

mos ver e,e, ist, was sehr leicht geschehen konnte, da die Blä„er nicht paginiert Ld 

IS es nich, ,eich,, den Gedankengang der für ihre Zei, so charaklerisüsche, SichlunJin' 

si ,:'':tir r'- "" '"'"'"- " '»Igendermassen: Cupidos Oebur, d.h. ^.an 

^e , Ihn n Wol en sitzen er schreite, allein - er findet den Bogen - er prüft den 
Hl er traun, von der Welt er such, sie er betritt sie - er finde, ein Herz 
seu, Sc luss verfehl, es er will eine Sehne an seinem Bogen befestigen - er glältet 
seine P eile - er zerbrich, in Unaeh,san,keit seine Waffen er weint über ihren ^ 
-- Tauben bringen ihm neue Dank dafür er komm, an den Felsen der SchwieriHeit 
wo Hm, unerreichbar oben ein Herz lieg. er kehr, um in Verzwei,l„ng - or nndei 
den Anker der Hoffnung mit dessen Hilfe kommt er heran an den Felsen der 

e,ne„, Altäre dar er veretnigt sie (siehe Ab,,. S. 160) - Vorbereitung zum Triumph - 
Tr,umph er „ihr, die Ta,il«.|, i,i ,,..„ Tempel seiner Mutter zurück - er kehrt heim 



160 

in den Tempel der Venus, nachdem er seine Mission auf Erden erfüllt und seine Waffen 
an einer Säule vor dem Tempel aufgehängt hat. 

Der Maler des Wiener Services heisst Sebastian Fiala. Gerade als ich zum Studium 
der Wiener Porzellan-Ausstellung in Wien weilte, brachte der Stiefsohn Fialas Herr Anton 
Putz, k. k. Beamter des Ruhestandes, dem Ausstellungsleiter Regierungsrat Folnesics 
verschiedene Erbstücke zur Ansicht, darunter ein zersprungenes Probeplättchen mit Dar- 
stellung aus dem Amorservice in einem ornamental bemalten gleichzeitigen Papprähmchen,auf 
dem der Name Sebastian Fiala steht. Herr Putz, der die Freundlichkeit hatte, dieses Plättchen 
unserem Museum zu überlassen, erzählte als Familientradition, dass sein Stiefvater ein 
Amorservice gemalt habe. Fialas Namen kommt im Kataloge der Wiener Porzellan-Aus- 
stellung unter Nr. 2269 noch einmal auf einer Anbieteplatte des Jahres 1817 vor. Einzel- 
darstellungen aus dem Service brachte diese Ausstellung unter Nr. 10Q6 und 1080 und 
die Troppauer Ausstellung des Jahres 1Q03 unter Nr. 360. Unter den Entwürfen aus der 
Wiener Porzellanfabrik, welche jetzt das k. k. Österreichische Museum aufbewahrt, findet 
sich auch ein farbiges Blatt mit einem Bilde des Services auf gelbem Grund. Man hat 
wahrscheinlich viel experimentiert, ehe man den antikisierenden dunkelbraunen Ton des 
Hintergrundes wählte, der wie die grüne Farbe des Fonds verhältnismässig selten in der 
Palette der Sorgenthalschen Periode vorkommt. 

Karl Masner 







161 

SCHLESISCHE ALTERTÜMER IN DER FREMDE 

Dresden, Kunstgewerbemuseum 

Teller, Kännchen und Zuckerdose aus Meissener Porzellan, gemalt von Karl Ferdinand 
von Wolfsburg iri Breslau 1748, s. Schles. Vorz. N. F. II 174. Das bisher unbekannte 
Wappen dieses Services hat sich als das der erloschenen schlesischen Familie 
Benada herausgestellt. Es findet sich auch aufgemalt auf einer Lade der Breslauer 
Herings- und Säizerinnung von 1588 im Breslauer Kunstgewerbemuseum (Kat.- 
Nr. 4914). Dort steht Johann Georg Benada darüber; die Wappen der anderen 
Breslauer Niederlags -Ältesten ringsum stammen aus den 30er oder 40er Jahren 
des 18. Jahrhunderts. Um dieselbe Zeit hat aber nach der „Schlesischen Instanzien- 
notiz" auch ein Johann Gottlieb Benada, gleichfalls Grosskaufmann und Gutsbesitzer, 
in Breslau gelebt. Beide waren vielleicht Söhne des von Blazek (Der abgestorbene 
Adel der Provinz Schlesien II, 5.7) erwähnten Johann Christian Benada, der 1706 
in den böhmischen Ritterstand erhoben wurde. Einer von beiden war also wahr- 
scheinlich einst Besitzer jener Stücke, die vermutlich zu einem grösseren Service 
gehört haben. 

Conrad Buchwald 

Moskau, Staatsmuseum 

Tischservice aus Silber: a) 12 Schüsseln, z. T. mit vergoldeten Rändern; in der Mitte 
Kranz, darin ein Wappen mit 3 Kreuzen, umstellt von den Buchstaben K B H; 
b) Saizfass auf vergoldeten Kugelfüssen; c) 4 vierkantige Fläschchen mit Schraub- 
deckeln. Breslauer Beschauzeichen W und (bei c) Johanneskopf, Meisterzeichen 
GH (Gottfried Hoyner ca. 1685—1709). 

Nautilus, aus Silber, in Gestalt eines Strausses, Beschauzeichen: W, Meisterzeichen: JH 
(Jochen Hiller, Meister von 1573 1613). 

Nautilus, aus Silber, Beschauzeichen: W, Meisterzeichen: Ligiert HS, in einem Herz 
(Hans Strich, Meister seit ca. 1585). 

Josef Epstein 

(nach gefälliger Mitteilung von Graf Schwerin -Walsleben in Berlin) 

St. Petersburg, Kaiserliche Eremitage 

Krug von Wallrosszahn, in Silber montiert mit figürlichem Henkel, Beschauzeichen: 

Johanneskopf, Meisterzeichen: CM (Christian Menzel). 
Becher, Silbervergoldet, mit sogen. Diamantbuckeln und Inschrift, Beschauzeichen: W, 

Meislerzeichen: FS (Friedrich Schönau). Datiert 1616. 

Josef Epstein 

(nach gefälliger Mitteilung des Herrn Oberkonservators Baron Lieven in St. Petersburg) 



162 




Becher aus Schloss Rosenborg in Kopenhagen 



Kopenhagen, 

Schloss 

Rosenborg 

Becher aus Serpen- 
tin, montiert in ver- 
goldetem Silber. Um- 
laufend zwei Friese 
mit Dralitemail. Den 
Becher tragen drei 
kleine Figürchen, von 
denen jedes einen 
Schild mit dem schle- 
sischen Adler hält. 
Wappen und Email 
beweisen den schlesi- 
schen Ursprung die- 
ser schönen Gold- 
schmiedearbeit vom 
Ende des 15. Jahr- 
hunderts. Wir bilden 
sie ohne i\c\} bedeu- 
tend jüngeren Deckel 
ab, auf dessen Unter- 
seite sich das herzog- 
lich mecklenburgische 
Wappen befindet. Da- 
nach dürfte der Becher 
durch Sophie von 
Mecklenburg, die mit 
König Friedrich II. 
(1559 1588) vermählt 
war, nach Dänemark 
gekommen sein. Im 
Jahre 1867 wurde er 
von der alten Kunst- 
kammer nach Rosen- 
borg übertragen. Er 
steht dort in lIlu] 
sogen. Turmgemach 
oder Kabinett lier 



163 



Königin. Für die photoRraphische Aufnahme sind wir Herrn Direktor Mollerup zu 
besonderem Danke verpflichtet. 

Karl Masner 

Kopenhagen, Sammlung Frohne 

Becher aus Silber, nach oben sich erweiternd mit Fuss und gebuckeltem Deckel 
Gravierte Barockornamente. Breslauer Beschauzeichen, Jahresbuchstabe C und ICK 
(Joh. Caspar Keyl). Anfang des 18. Jahrh. 

Löffel mit einfachem Griff. Breslauer Beschauzeichen W und Meisterzeichen Gl 
(Georg Janncr). 16. Jahrh. 

E. W. Braun 
Wien, k. k. Museum für Kunst und Industrie 
Krug aus Fayence mit geflammter violetter Glasur, in Zinn montiert. Auf dem Bauche in 
Relief, aus Formen aufgedrückt Christus am Kreuze zwischen Maria und Johannes 
(darüber Schriftband: iVSTVS EX FIDE VIVIT) und Engel, welche das Brieger 
Wappen halten. Das Wappen ohne die Engel wiederholt sich auf dem Halse 
16. 17. Jahrh. Durch diesen Krug werden Fayencen mit ähnlicher Glasur und 
Rehefauflage, wie z. B. ein in Breslau auf dem Neumarkt beim Umbau des 
Hauses Nr. 9 gefundener Krug unseres Museums (Inv.-Nr. 197. 85) als schlesisch 
erwiesen. 

Karl Masner 

Wörlitz (Anhalt), Gotisches Haus 

Ein Paar Radschloss-Pistolen. L 54 und 57 cm, Laufl. 33,8 und 34,7 cm, Kai. 13,8 
und 13 mm. Lauf: glatt, blank, vorn rund, hinten achtkantig; gestauchte Mündun- 
gehauene Blattverzierung. Schloss: vollständige Raddecke, Druckknopf (für de"n 
Pfannenschieber), Hebelsicherung mit Feder, Gürteihaken. Schaft: ganz mit Hirsch- 
hornranken eingelegt, platte Afterkugel, runder Abzugsbügel, 3 Hirschhornröhrchen 
und -Nase, die bei dem einen Exemplar fehlt, neuerer Ladestock, Gürtelhaken 
Marke: Herz mit senkrechtem Pfeil zwischen S H. An der Afterkugel Wappen 
von Liegnitz-Brieg. Darüber G. M. G. W. W. F., darunter G. H Z L V B 
d. h. Georg Herzog Zu Liegnitz Vnd Brieg. Von den drei Herzögen dieses' 
Namens kann nach Stil und Technik nur Georg 11. von Brieg (1547-1586) in 
Frage kommen. Volle Sicherheit gibt die obere Inschrift, die den Wahlspruch 
dieses Fürsten: Mir Genüget Was Gott Füget, andeutet (vgl. die Medaille bei 
Friedensburg und Seger Nr. 1376). Der Verfertiger hat versehentlich ein zweites 
W statt des G hingesetzt und dies nachträglich durch ein darüber gesetztes G 
korrigiert. 

Otto Kümmel 



164 

BÜCHERBESPRECHUNGEN 

KURT MORIZ-EICHBORN: DAS SOLL UND HABEN VON EICHBORN (^ Co 
IN 175 JAHREN. EIN SCHLESiSCHER BEITRAG ZUR VATERLÄNDISCHEN WIRT- 
SCHAFTSGESCHICHTE. BRESLAU, W. G. KORN. 1903. 4". 371 S. 7 T. 

Gesclirieben ist dieses iiinerlicii wie äiisserlicii <i,leich vorneiime Weri< für ein 
Gescliäffsjiibiiäum, die 175 jährige Wiederkehr des Gründungstages der Breslauer Firma 
Eichborn u. Co., die den 150jährigen Geburtstag nicht gefeiert hatte. Zugleich erschien 
es als eine Festgabe zum hundertjährigen Jubiläum der „Schlesischen Gesellschaft für 
vaterländische Kultur", der Rudolf von Gottschall, ein geborner Breslauer, am Eingang des 
Buches einen schwungvollen Dichter-Gruss gewidmet hat. Diese beiden äusseren Ver- 
anlassungen haben für den Verfasser, das jüngste Glied des Hauses, die Art der Ver- 
arbeitung des aus mühsamen Quellenstudien geschöpften Stoffes bestimmt. Die pietät- 
volle, aber streng wahrhaftige Darstellung der Geschichte der Firma und des Lebens 
ihrer Inhaber ist verknüpft mit einer anschaulichen Schilderung des heimischen Wirtschafts- 
lebens im allgemeinen, der Entwicklung des Handels- und Gewerbfleisses der Provinz 
Schlesien und ihrer Hauptstadt in beinahe zwei Jahrhunderten. Die abwechslungs- und 
personenreiche Geschichte des alten, an den verschiedensten Epochen der neueren 
Handels- und Gewerbegeschichte beteiligten Kaufmannsgeschlechts, seine den mannig- 
fachsten Zweigen des Warenhandels und der Industrie zugewandte Tätigkeit drängte ja 
auf eine derartige Auffassung der Aufgabe hin. Dadurch ist aber der Interessentenkreis 
für das Buch auch ein viel grösserer geworden, als er bei Familiengeschichten und 
Jubiläumsschriften gewöhnlichen Schlages zu sein pflegt. Das Werk, das im Titel mit 
Stolz, aber ohne Überhebung an Gustav Freytags klassischen Roman anklingt, hat ein 
Anrecht auf eine eingehende Würdigung der geleisteten wissenschaftlichen Arbeit. Sie 
muss in erster Reihe rein historischen Zeitschriften überlassen bleiben. Doch schien 
wenigstens ein kurzer Hinweis auch an dieser Stelle angebracht. Ist es doch von nicht 
zu unterschätzendem Werte für die Kultur eines Landes, wenn es auch im Gross- 
kaufmannsstande auf ununterbrochene Ahnenreihen tätiger und kundiger Männer blicken 
kann, wie sie uns in diesem Buche z. T. auch in Bildern vorgeführt werden, von Johami 
Ludwig Eichborn an, dem Spross einer seit dem 16. Jahrhundert zu Landau in der Pfalz 
ansässigen Familie, der 1728 in Breslau sich niederliess, bis zu den heutigen Leitern des 
Geschäfts, die seine guten Traditionen zu wahren bemüht sind und die sich sagen, „in 
dem Neuerwerben unseres Erbes, um es zu besitzen, liegt unsere schönste Kraft uiul 
höchste l'flicht zugleich". Und schliesslich wird auch ein Geschichtsschreiber schlesischer 
Kunst und schlesischen Kunsthandwerks früherer Zeiten nicht blind vorübergehen dürfen 
an den Wandlungen des Wirtschaftslebens Breslaus und des Schlesierlandes, wie sie sich 
hier in den Schicksalen eines alten Handelshauses wiederspiegeln. 

Conrad Bucliwald 



165 

CONSTANTIN VON SCH WEINICHEN: ZUR GESCHICHTE DES GESCHLECHTS 
DERER VON SCHWEINICHEN. BRESLAU, W. O. KORN. 1904. 4". 230 S. 24 T. 
UND 1 KARTE. 

Das mit grosser Sorgfalt und Freigebigkeit reich ausgestattete Buch trägt Material 
zu einer Familiengeschichte zusammen, zur Geschichte eines uralten schlesischen Adels- 
geschlechtes, dessen bekanntester Spross der derbe und lustige Ritter Hans von Schweinichen 
ist. Vier Beiträge sind vereint: Ursprung des Geschlechts, die Burg Schweinhaus, die 
älteste Geschichte des Geschlechts, Regesten. Weitere Veröffentlichungen werden in 
Aussicht gestellt. Die Regesten, vom Archivar Dr. Konrad Wutke bearbeitet, bringen für 
das Geschlecht wichtige Urkunden und Urkundenauszüge aus vier Jahrhunderten, von 
1108 bis 1500. Eine von Dr. Otfried Schwarzer zusammengestellte Karte zeigt über- 
sichtlich den Besitz der Familie in Schlesien und seinen Nachbargebieten, soweit er heute 
von vor 15U0 bis ins 19. Jahrhundert nachzuweisen ist. So entsteht ein historisch treues, 
zeitliches und räumliches Bild der Entwicklung des Geschlechts, ein Bild, das freilich nur 
einer, der die vielen lockeren Glieder zur Kette zu verbinden imstande ist, mit Be- 
friedigung und Gewinn betrachten wird. Aber es ist damit doch in einer nach mancher 
F^ichtung hin anregenden und deshalb sehr dankenswerten Weise der sichere Baugrund 
geschaffen, auf dem sich einmal eine Darstellung des Lebensganges und Wirkens, der 
politischen und kulturellen Bedeutung des in Schlesien seit beinahe 800 Jahren ansässigen 
Geschlechts im f^ahmen der Geschicke der Heimat aufbauen lassen wird „den Vor- 

fahren zu Dank und Ehre, den Nachkommen zu Nutz und Lehre." 

Denn zerfallen und den Händen der Enkel entglitten wie die Stammburg derer 
von Schweinichen ist auch ihre Familicnüberlieferung. Ihre Trümmer umspinnt üppiges 
Gerank der Sage. Vom tapferen Recken Biwoy erzählt sie, der waffenlos ein gewaltiges 
Wildschwein und damit auch das Herz der Prinzessin Kascha, der Schwester der märchen- 
haften Böhmenkönigin Libussa bezwang und so zum Stammvater des Geschlechts wurde, 
das ein Schwein im Schilde führt und nach ihm genannt wird. Aber nicht nur die 
Wurzel des Stammbaumes, auch seine Zweige und Ableger sind noch nicht gänzlich 
freigelegt. Hier bleibt der Forschung noch Arbeit. Ziemlich vollständig dagegen ist 
jetzt schon ein Kapitel der Familiengeschichte, das über die Stammburg Schweinhaus im 
Kreise Bolkenhain. Als Burg Svini war sie 1108 schon vorhanden. Bis 1713 blieb sie 
im Besitze des Geschlechts. Abgesehen von einem älteren Kern stammt der heutige Bau 
aus dem 17. Jahrhundert. Nur noch in Resten ist er erhalten, denn nach seiner Verwüstung 
durch die Russen im Jahre 1760 war das nicht länger bewohnte Schloss dem Verfall 
preisgegeben. Dieser machte im 19. Jahrhundert so erschreckende Fortschritte, dass der 
Staat sich ins Mittel legte, wenigstens den ältesten Teil der Burg durch ein Notdach vor 
völliger Vernichtung zu bewahren. Hoch ist deshalb das Verdienst des Verfassers des 
Buches einzuschätzen, dass er mit grcisstem Fleiss alles gesammelt hat, was er über den 
bis in die Anfänge der schlesischen Geschichte hineinreichenden Bau in Bild und Wort 
verstreut überliefert fand und dass er in zahlreichen vortrefflichen Abbildung-en Lage und 



166 

Umgebung der Burg, den landschaftlichen und künstlerischen Eindruck des Schlosses und 
seiner einzelnen Teile, sowie das Äussere und Innere der noch aus dem 13. Jahrhundert 
stammenden Schlosskirche für die Zukunft erhalten hat. 

Wie der Historiker und Geograph, der Genealoge und Heraldiker, wird auch der 
Kunsthistoriker infolgedessen das Buch mit Nutzen zur Hand nelimen, das die Kenntnis 
der Vergangenheit unseres Landes nach so vielen Seiten hin liereicliert. 

Conrad Biichwald 

E. ZELLNER: DAS HERALDISCHE ORNAMENT IN DER BAUKUNST. BERLIN 
1903. VERLAG VON WILHELM ERNST UND SOHN. 8". 104 S. 115 Abb. 

Der Verfasser, der sich schon im Jahre 1898 in der Zeitschrift Herold (29. Jahr- 
gang Seite 105 ff.) mit der Heraldik am Rathause zu Breslau beschäftigt hat, wählt aucii 
in diesem Büchlein einen Teil der zahlreichen, zur Veranschaulichung seiner Lehren 
dienenden Abbildungen aus den Iieraldischen Denkmälern Schlesiens, insbesondere des, 
Breslauer Rathauses. Wir finden hier u. a. vom Breslauer Rathause abgebildet und be- 
sprochen die heraldische Verzierung des Südosterkers, die Wappenskulpturen von den 
Fenstern der Südseite, die bekannte Türbogenfüilung über dem östlichen Eingange mit 
der heraldisch so interessanten Darstellung des böhmischen Löwen als Schildwächters, 
eine der Türen aus dem Inneren, deren Eisenblechbeschlag abwechselnd den böhmischen 
Löwen, den schlesischen Adler und die Büste Johannes des Evangelisten zeigt, ferner 
einen der Affen aus dem Zimmer des Oberbürgermeisters mit dem um den Hals gehängten 
Evangelistenschilde und schliesslich von Gegenständen ausserhalb des Rathauses zwei 
Adlerschilde von den Grabdenkmälern Herzog Heinrichs IV. von Breslau und Johanns 
von Münsterberg -Öls. Auch sonst wird im Texte Schlesiens, insbesondere Breslaus, 
noch mehrfach gedacht. 

Ist so das Schriftchen für uns schon aus lokalpatriotischen Gründen interessant, so 
kann insbesondere den Kunstgewerbetreibenden seine Lektüre nicht warm genug empfohlen 
werden, weil es für sie manchen in der Praxis beherzigenswerten Fingerzeig gibt. In 
dieser Hinsicht sei nur kurz auf die Abschnitte über die Konstruktion der Schilde, die 
Verwendung der Mauerkrone, das Entwerfen von Städte-, Bürger- und Korporations- 
(Zunft-, Studentenverbindungs-) Wappen, die ornamentale Behandlung des Reichsadlers 
u. a. m. hingewiesen, die sämtlich Fragen berühren, denen man im Kunsthandwerk auf 
Schritt und Tritt begegnet und die nicht immer mit der nötigen Sachkenntnis gelöst werden. 

Unzutreffend ist die — aus dem eingangs angeführten Aufsatze übernommene — 
Bemerkung (S. 58), dass das gegenwärtige Wappen der Stadt Breslau von Kaiser 
Ferdinand 1. von Österreich (!-- statt: König Ferdinand I. von Böhmen) verliehen und 
von Kaiser Karl V. bestätigt worden sei; die richtige Darstellung hätte aus Roehls Schrift 
über die Siegel und Wappen der Stadt Breslau entnommen werden können. 

Karl Schlawe 



BERICHT ÜBER DAS IV. ETATSJAHR 

(1. April 1902 31. März 1903) 



16Q 

ARBEITEN IN DEN SAMMLUNGEN 

Im Etatsjahre 1Q02/03 wurde der Raum XXII im II. Stockwerke für die Textilsammlung des 
Museums eingerichtet. Bis daiiin war ilie Sauimluntf dort nur provisorisch untergebracht und dem 
Publikum nicht zuKänt;lich {gewesen. Bei grösseren Ausstelhingeii, wie der I. und II. Ausstellung 
sclilesischen Kunstgewerbes wurde der Raum einbezogen, und die Sehränke niussten ins Depot wandern. 
Um diesem Zustande, bei dem die Sammlungen litten und immer wieder in Unordnung kamen, ein 
Ende zu machen, wurde der Raum endgültig für die Textilien und Bucheinbände eingerichtet. Wir 
begnügten uns dabei mit den alten Schränken, die nur einheitlich gestrichen wurden und liessen eine 
grössere Anzahl von Wechselrahmen herstellen. Um die ausgestellten Stoffe in der Zeit, wo das Museum 
geschlossen ist, vor dem Tageslichte zu schützen, wurde eine Verdunkelungsanlage eingerichtet. Solche 
Anlagen werden allmählich in allen Räumen mit lichtempfindlichem Inhalte eingeführt, da die vorhandenen 
Vorhänge viel zu wenig Schutz bieten. 

VERMEHRUNO DER SAMMLUNGEN 

1. URGESCHICHTLICHE SAMMLUNG 

Von wichtigeren Geschenken seien hervorgehoben: eine fünfhenklige neolithische Amphora aus 
Strachau, Kr. Nimptsch, von Herrn Dr. Postler in Rankau; eine neolithische Kragenflasche aus Badewitz, 
Kr. Leobschütz, von Herrn Seniinarlehrer Hoffmann in Oberglogau; eine schön verzierte Streitaxt aus 
Bronze von Herrn Qelbgiessermeister Franz Kuppe in Breslau (vgl. S. 53); eine tönerne Qussform zu 
zwei I'feilspitzen und mehrere Gefässe von einem Oräberfelde der älteren Hallstattzeit bei Sulau, Kr. 
Militsch, vom Museumsverein; eine grössere Anzahl seltener Hallstattgefässe, Bronzen und Steinwerk- 
zeuge aus Peterkaschütz, Kr. Militsch, vom Museumsverein; eine Kollektion von meist reich verzierten 
Oefässen, Klappern, Bronze-Schnuicksachen und Eisengeräten der jüngeren Hallstattzeit aus Lahse, Kr. 
Wohlau, vom Herrn Hauptlehrer Quabius daselbst; ein Grabfund der älteren La Tenezeit aus Oberhof, 
Kr. Breslau, von Herrn Rittergutsbesitzer Karl von Wallcnberg auf Schmolz (vgl. S. 54); ein römischer 
Bronzekessel aus Pohlwitz, Kr. Liegnitz, von Herrn Rechtsanwalt Kühn in Jauer; eine Bronzewage nnt 
vergoldeten Schalen aus Dürschwitz, Kr. Liegnitz, von Herrn Baumeister Elsner in Jauer (vgl. S. 57). 

Ausserdem erhielt die Sammlung Geschenke von Schwester Bertha in Jordansmühl und von 
den Herren Kaufmann Franz Beerel in Breslau; Windmüller Berger in Weigwitz; Dr. med. et phil. 
Buschan in Stettin; Lehrer Christen in Mönchmotschelnitz; Fabrikbesitzer Frey in Sfeinau; Stellen- 
besitzer August Gerlich in Malkwitz; Rittmeister a. D. von Goldfuss auf Gross-Tinz, Kr. Nimptsch; 
Geh. Rat Prof. Dr. Grempler in Breslau; Waldfried Gürich in Breslau; Seminarist Hanak inSleinau; 
Landmesser Hellmich in Glogau; Fabrikbesitzer Hoffmeister in Ologau; Postschaffner Kade in 
Breslau; August Kirchner in Heidersdorf; Hauptlehrer Kirschke in Lessendorf; Kammerherr 
V. Köckritz auf Mondschütz; Ortsvorsteher Labitzki in Weigwitz; Bezirksbevollmächtigter Langenlian 
in Liegnitz; Kreisbaumeister Lau in Ratibor; Pastor Siegfried Müller in Zülzendorf; Rentamtssekretär 
Neugebauer in Klein-Öls; prakt. Arzt Dr. Postler in Rankau; Schippke in Zobten; Direktor 
Scholtz in Tiriz, Kr. Breslau; Rittergutsbesitzer Steuer auf Malkwitz; Prof. Dr. Thilenius in Breslau; 
Partikulier LMlrich in Steinau, ferner von der Königl. [Regierung in Breslau, vom Magistrat der 
Stadt Zobten und von der Stadt. Gartendirektion in Breslau. 

Durch Kauf erworben wurden: 44 Steinwerkzeuge von verschiedenen schlesischen Fundorten; eine 
kupferne Axt aus Jordansmühl (vgl. S. 51); II grosse Bronzenadeln aus Jordansmühl; 2 Bronze-Hohlkelte, 
zu einem schon früher erworbenen Depotfunde gehörig, aus Protsch, Kr. Militsch; eine Auswahl von Ton- 
gefässen und Bronzen der Hallstattzeit aus Wohlau; ein reicher Gralifund der Hallstattzeit aus Breitenau, 
Kr. Neumarkt und die S. 40 ff. besprochene Bronzeciste von Klein-Zöllnig. 

22 



170 

Der grösste Zuwachs wurde durcli die vnm Museumsverein uuternoiunieuen Ausgrabungen 
gewonnen. Inventarisiert und aufgestellt wurden unter anderem: 119 vollständige Grabfunde aus Gross- 
Tsclianscli, Kr. Breslau; 45 aus Heidersdorf, Kr. Niniptsch; 25 aus Nährscliütz, Kr. Steinau; 13 aus Carlsruh, 
Kr. Steinau; 7 aus Adatiunvitz, Kr. Gross-Strehlitz; 5 aus Rayschen, Kr. Wohlan; 2 aus Prittag, Kr. Oriin- 
berg diese alle der Hallstattzeit angehörig — ; ferner 3 Grabfunde der römischen Zeit aus Katholisch 
Hammer, Kr. Militsch und 3 Grabfunde der slavischen Zeit aus Malkwitz, Kr. Breslau. 

Im ganzen betrug die Vermehrung 1615 Nummern. 

Ein typisches Skelettgrab aus der Zeit der slavischen Reihengräber wurde nnt Hilfe von Herrn 
Prof. Dr. Thilenius aufgestellt. 

2. MÜNZKABINETT 

L)ie schlesische Sammlung wurde um 6 Goldmünzen, 14 Silbermünzen und 47 Medaillen vermehrt; 
von den iVledaillen waren 24 ans Silber und 23 aus unedlen Metallen. Von grösseren Seltenheiten sind 
hervorzuheben: 

Oberlehnsherr. Ferdinand I. Taler o. J. (1540). Dieses Stück wurde bisher nach Krain gelegt. 
Die Übereinstinnnung mit dem Halbtaler o. J. (Friedensburg u. Seger Nr. 14), dessen Legende nn't dem 
Titel von Schlesien endet, beweist aber, tlass auch der ganze nach Schlesien gehört und dass das Wappen- 
schildchen luiter dem Adler m'cht den kraiiiischen, sondern den schlesisclien Adler darstellt. — Ferdinand II. 
Taler lö25. Brustbild, ähnlich wie auf dem Taler von 1624. Ihiediert. - Karl VI. 10 facher Dukat 1730. - 
Münsterberg-Öls. Karl I. 3 facher Diikat 1527. Vermählung Josephs I. nnt Wilhelmine Amalie 
von Brannschweig. 16<50. Silberne Medaille von Joh. Reinhard Engelhard, Stempelschneider in Breslau. 
Friedensburg u. Seger Nr. 4158. — Schlacht bei Torgau 1760. Silberne Medaille von Daniel Loos. 
Friedensburg u. Seger Nr. 4431. 

Ausserdem wurde der grösste Teil (4615 Stück) des Wilschkowitzer Hellerfundes erworben fast 
durchweg Schlesier, darunter viele neue oder im Stempel abweichende Stücke. Vgl. S. 50 f. 

Geschenke erhielt das Kabinett von den Herren Oberrossarzt Bens in Breslau; Arnold und 
Ernst Borsig in Berlin; Geh. Rat Friedensburg in Steglitz; Tierarzt Ibscher in Guhrau; Dr. Kopisch 
in Weizenrodau; Kaufmann Georg Krause in Hirschberg; Obermeister Kuppe in Breslau; Julius 
Neumann in Breslau; vom Magistrat zu Breslau und vom Evangel. Gemeindekirchenrat in 
Schweidnitz. 

Für die nicht-schlesische Sannnlung stiftete Herr Bankdirektor Fromberg in Breslau ein Gold- 
stück zu 10 Talern des Königs Georg IV. von Hannover 1828. Die Universität überwies eine F5ronze- 
medaille auf die Technische Hochschule in Berlin von 1S09. 

3. KULTURGESCHICHTLICHE SAMMLUNG 

L)ie hübsche Sitte, die Häuser nach einem über dem Haiistor angebrachten Wahrzeichen zu 
benennen, hat sich in Breslau länger als anderwärts erhalten. Jetzt freilich, wo die alten Häuser der 
inneren Stadt nn't erschreckender Raschheit modernen Neubauten weichen müssen, verschwindet sie innner 
mehr. Eine Reihe solcher Hanszeichen hat im Museum ein Asyl gefiMulen. Eines der ältesten ist das in 
diesem Jahre hinzugekommene kupferne Schilil lies Hauses zum Kienast, Albrechtsstrasse 30. Es zeigt auf 
einem vergoldeten Ast die Jahreszahl MDLXVII und darunter die Inschrift: „Das Haus stet in Gottes 
Hanut /IHM Kiuast ist es genainit." Vielleicht war auch ein aus dem Hause Albrechtsstrasse 14 stammender, 
fast lebensgrosser Bär aus Sandstein, der auf den Hinterkeulen sitzend Dndelsack spielt, ein Hanszeichen. 
(Abb. S. 182.) Die Grösse der Auffassung und der an die Tierplastik des Rathauses erinnernde inwüchsige 
Humor verweisen das Werk an die Wende des Mittelalters. Die Wratislaviensien-Sannnhmg wurde 
ausserdem durch Geschenke der Herren Oskar Feuerstein und Julius Neumann in Breslau vermehrt. 

Von Znnftaltertümern überwies die Stadt Trebnitz ein messingenes Schild des Gemeinde- 
zechmeisters von 1600; Flerr Biirstenmachermeister Liebich schenkte ein Paar lederne bemalte Sarg- 
schikier der Breslauer Bürsten- uiul Siebmacherinnung vi>u 1633. Gekauft wurden ein Paar Sargschilder 



171 



der Neisser Schützengilde von 1697, die in farbiger Stickerei auf blauem Samtgrunde den hl Eusfachius 
und den hl. Martm zeigen, und ein eiserner Siegelstempel der Bäckerzeche in Juliusburg von 1678. 

Depositariseh übergeben wurde der Innungsbesitz der Bürstenmacher-Gesellen, derHandschuhmachcr- 
Oeselien, der Handschuhmacher-Meister und der Kupferschmiede-Geselien-Brüderschaft in Breslau Er 
besteht aus zahlreichen zinnernen Trinkgeräten, Tabakstellern, kupfernen Zahlbrettern und Sparbüchsen 
Zechladen, S.egelstempeln u. dgl., die z. T. bis ins 16. Jahrhundert zurückreichen. Das ansehnlichste Stück 
.st em grosser zinnerner Willkomm der „Kupferknaben" von 1746, der mit 25 silbernen Schildchen und 
5 Medaillen behängt ist. 

Die trachtengeschichtliche Sammlung erhielt Geschenke von Frau Regierungsrat Baumeister 
.n Obernigk (gesticktes Wickelband); Herrn Julius Härtel in Breslau (Öllampe um 1800)- Gastwirt 
Jansch in Breslau (Toilette-Besteck); Fräulein Jenny Kleinert in Breslau (Sonnenschirm um 18O0)- Frau 
Auguste Koch in Breslau (gestickter Glückwunsch von 1788); Frau Nehrich in Freiburc- (seidener Muff 
um 1750); Frau Partikuliere Nimbs in Breslau (4 gestickte Täschchen und Einsteekkamm um 1830)- Herr 
Optiker Sitte m Breslau (Holzfigürchen eines schlesischen Bauern); Fräulein Weise in Breslau (2 Einsteck- 
kamme, Haarhalter, Elle), und von den Hinterbliebenen des Herrn Fabrikbesitzers S. Kauffmann in 
Breslau (Emsteckkamm und Nadeletuis). - Von schlesischen Bauernaltertümern wurde ein hübsch 
bemaltes Kleiderspind von 1801 aus Wüslewaltersdorf erworben. Herr Regierungsreferendar Dr Lobe in 
Breslau schenkte eni Paar Schranktüren mit Blumenmalerei von 1796 aus Ober-Berbisdorf Kr Schönau 
Herr Amtsgerichtsrat Freund in Breslau einen sogen. Löser aus Knochen, wie solche von den Fuhrleuten 
zum Auflösen des Riemenzeuges der Pferde benutzt wurden. 

Unter den neu erworbenen Musikinstrumenten ist das Hauptstück ein doppelchöriges 
Klavichord aus dem Anfang des IS. Jahrhunderts, dessen Untertasten mit Schildkrot belegt und durch 
Bronzeenilagen fein verziert sind, und dessen Mahagonikasten innen mit Elfenbein-Intarsien und bunter 
Blumenmalerei geschmückt ist. Das zierliche Instrument stammt aus dem Nachlass des lanc^jährigen 
Direktors der Breslauer Singakademie, Prof. Schaffen - Eine Gitarre in Form einer antiken Lvra wie 
sie in der Empirezeit beliebt war, trägt die Bezeichnung: J. O. Thielemann. Akademischer Künstler 
Berlin 180., Nr. 2. Ferner wurden noch eine Terz -Gitarre und eine Anzahl Blasinstrumente aus der 
ersten Haltte des 19. Jahrhunderts angekauft. Ein Alt-Cornet mit der Bezeichnung: „3.e Abthl Köniel 
6t Artl. Brgd. 1849." schenkte Fräulein Hanke in Breslau. " 

Die Sammlung wissenschaftlicher Geräte und Instrumente wurde um ein wertvolles Stück 
bereichert, das Herr Regierungsrat Seh ii Itz-Evler in Breslau im Namen der Erben des am 21 März 1901 
verstorbenen Hauptmanns Thebesius überwies. Es ist dies eine Hausapotheke in Form eines zwei- 
türigen Kabinetts, dessen 17 Schubladen ganz mit Arzneimitteln und Drogerien angefüllt sind. Bei jedem 
Mittel hegt noch das alte Etikett. Die Türen sind mit allerlei Getier und Pflanzen bunt bemalt die 
Schuhladen mit zierlichen Bronzegriffen versehen. Die alte schlesische Familie Thebesius zählte im 
18. Jahrhundert unter ihren Mitgliedern drei Ärzte. Von einem derselben, und zwar wahrscheinlich von 
dem Kreisphysikus Adam Christian Thebesius in Hirschberg, geb. 1636, gest. 1732, stammt die Apotheke 
- Ausserdem erhielt die Sammlung Geschenke von Herrn J ulius Lehnert in Breslau (Vergrössenings- 
glas) und Herrn Anton Tholl in Breslau (Hornbrille). 

In die Waffensammlung gelangten als Geschenk des Herrn Oberleutnants Moeller in Brieg zwei 
wertvolle mittelalterliche Schwerter, die in Landsberg Kr. Rosenberg gefunden worden waren Das eine ist 
zweischneidig und hat querovalcn scheibenförmigen Knauf, Griff zu anderthalb Faust, flach vierkantiVe an 
den Enden zusammengerollte Parierstangen und breite, nach der Spitze stark verjüngte, mit kurzer, fiacher 
Blu nnne versehene Klinge, deren Spitze abgebrochen ist. Das andre ist ein einschneidiges, sehr langes 
Hiebschwert, ebenfalls zu anderthalb Faust. Es hat einen hohen, vierkantigen, nach der Schneidenseite zu 
oben schnabelf.irmig verbreiterten Knauf, der beiderseits mit zwei eingeschlagenen, vergoldeten Rosetten 
verziert ist Griffzunge mit parallelen Kanten und 8 Nietlöchern, in deren unterstem eine weit vorstehende 
Stellschraube steckt. Die kurze Parierstange ist wiegemesserförmig geschweift und an den abwärts geschwun- 
genen Enden durch eingeschlagene Vertiefungen rosettenartig verziert. Die gleichmässig breite Klinge hat 
längs des Rückens eine Blutrinne. Der untere Teil ist abgebrochen. Dieser merkwürdige Schwerttypus der 



22» 



172 

in unserer Sammlung schon niuhrfachvertreten ist, dürfte polnisciien Ursprungs und auf orientalisciien Einfiuss 
zuriickzufüliren sein. Wofern er gleiclialterig mit dem anderen Schwerte ist, gehört er der zweiten Hälfte des 

14. oder dem Anfange des 15. Jahrhunderts an. — Ein in Lankau Kr. Namslau gefundenes Sciiwert des 

15. Jahrhunderts wurde von Herrn Freiherrn von Stosch, ein im Rhein gefundenes derselben Zeit von 
Herrn Gell. Rat Orempier gesclienkt. — Kleinere Gegenstände, Kriegsandenken u. dgl. sclienkten Frau 
Regierungsrat Hauuieister in Obernigk und die Herren Redakteur Jose wicz, Disponent Konig, f'rof. 
Dr. IVlarkgraf und Martin iVlaschler in Breslau; Gutsbesitzer Mierisch in Beschine, ['artikulier Ullrich 
in Steinau imd die Königl. Staatsanwaltschaft in Kreuzbnrg. 

4. DIE SAMMLUNG DES ALTEN KUNSTGEWERBES 

Im 4. Etatsjahre standen im Vordergrunde der Neuerwerbungen einige hervorragende Breslauer 
Ooldschmiedearbeiten des 16. bis 18. Jahrhunderts. Die Weinkannen des Hans Volgnadt und der beiden 
Heine, Vater und Sohn, stehen in der Qualität wenig hinter den Nürnberger und Augsburger Arbeiten 
dieser Art zurück. Die Tauf-Schüssel und Kanne des Ferd. Chr. Krebs zeigt an einem grösseren Stücke den 
Charakter der Breslauer Ooldschmiedearbeiten in der Zeit des späteren Rokoko Wenn noch eine Reihe von 
Jahren so fruchtbar an Erwerbungen Breslauer Goldschmiedearbeiten sein wird, wird diese jetzt schon sehr 
reiche Abteilung eine Spezialität unserer Sammlungen bilden. Schon jetzt sind wenige Museen in der Lage, 
die an ihrem Orte heimische alte Goldschmiedekunst so reich luid vollständig zu illustrieren, wie das 
Breslauer Kunstgewerbemuseum. — Weiter war das Augenmerk der Direktion auf den Ausbau der Glas- 
sammlung gerichtet. Bei einer sorgfältigen Revision und Neuaufstellung der gravierten Gläser waren alle 
nicht schlesischen Arbeiten zu einer Gruppe vereinigt worden, wobei sich herausstellte, dass die böhmischen. 
Nürnberger, sächsischen und Potsdamer Gläser weder der Zahl noch der Bedeutung nach zu einer genügenden 
Vertretung von wichtigen Gattungen, die der schlesischen Glasindustrie viele Anregung geboten hatten, 
ausreichten. Nun ist diese empfindliche Lücke durch eine Reihe bemerkenswerter Stücke ausgefüllt. Auch 
von der venetianischen Glaskunst des 15. Jahrhunderts, die bisher vollständig fehlte, geben jetzt zwei kost- 
bare Pokale eine Vorstellung. 

Architekturteile: 

Wappen, Sandstein. Als Wappenhalter ein bekleideter Maiui und eine nackte Frau in einem spätgotischen 
Gewölbebau. Das Wappen konnte bisher trotz aller Bemühungen noch nicht bestiuunt werden. 
In dem geteilten Schilde oben eine aus der Teilung wachsende nackte Frau mit aufgelösten Haaren 
und Kopfbinde, in der Linken eine Hirschstange haltend, unten geschacht in 4 Reihen zu 6 Plätzen. 
Auf dem ungekrönten Helm dieselbe wachsende Frau wiederholt. Datiert 1524. Aus dem Hause 
Ring Nr. 35 (Hotel Rautenkranz) in Liegnitz. 

Fenstersohlbank, Sandstein. 15. Jahrh. Aus dem ehemaligen Dominikanerkloster in Breslau. (Geschenk 
des Frauen b i I d u n g s v e r eins.) 

Möbel und Holzschnitzereien: 

Kleiderschrank, Eichenholz, zweitürig, die beiden vorderen Karüen abgeschrägt. Auf der Vorderseite 

Intarsien und aufgelegte Flachschnitzerei. 18. Jahrh. Aus Tecklinow bei Strenze, Posen. 

Christus mit der Weltkugel, Eichenholz, naturfarben, unbemalt. 17. Jahrhundert. Aus der Vinccnz- 

kirche in Breslau. 

Antike Keramik: 

Deckelbüchse, hcllgelblicher Ton, mit zwei umlaufenden Tierfriesen in schwarzer und tiefvioletter Benuilung 

mit ausgekratzter Innenzeichnung. Korinthischer Stil. 6. Jahrh. v. Chr. Aus Griechenland. 

Kanne, überzogen mit schwarzem, metallisch glänzendem Firnis. 4. '3. Jahrh. Unteritalisch. 

Aryballos mit roten Figuren, vorn ein tanzender Satyr. Uuteritalisch. 

Aryballos, ähnlich dem vorigen, nu't roten Figuren, vorn eine Frau am AUare opfernd. Ihiteritalisch. 

Majolika: 

Schüssel auf niedrigem Fuss. Im Ftnid eine Landschaft mit mythologischer Darstellung. (Thetis und Peleus?) 
Gemalt in lebhaften, gelben, blauen und grünen Farben mit Rubinlüster. 16. Jahrh. Urbino. 



173 

Schüssel mit gewölbtem Boden. Fond und Rand bemalt mit kleisterblauem Blatt- und Rankenwerk auf 

hellblaugrauem Orunde. 16. Jahrh. Venedig. 
Teller, flach, bemalt mit Schäferszene in hellgelben und blauen Farben. 17. Jahrh. Castelli 

Steinzeug: 

Krügel, braun mit plastisch aufgelegtem schwarzbraunem Rankenwerk. 17. Jahrh. 

Kuffe mit Zinndeckel und ZInnmontierung. Glasur glänzend rotbraun mit marmorierten Medaillons. 

Datiert 1717. Schlesien? 
Kerbschnittkrug mit Zinndeckel und gelben Reliefdarsteihmgen. 18. Jahrh. Sachsen. 

Fayence: 

Ofenkachel mit musizierenden Engeln in bunt glasiertem Relief. Signiert; Oesens 1561. Köln. 

Ofenkachel, Eckstück mit zwei Köpfen in buntglasiertem Relief. 16. Jahrh. Deutschland. 

Dose in Form eines Korbes, auf dessen Deckel plastische Fische liegen. Signiert in rot P. 17. Jahrh. Delft. 

Butterdose in Form eines länglichen Kürbis, der auf einem Blatt liegt, rosenrot bemalt. Signiert P. 6. 
18. Jahrh. Proskau. 

Snppenscliöpfer in Rokokoformen, weiss glasiert. Signiert P. 18. Jahrh. Proskau. 

Mädchen in langem gelbem Kleide, einen Apfel haltend, auf dem Haupte ein Blätterkranz. Wohl der 
Herbst aus einer Folge der vier Jahreszeiten. Signiert P. 18. Jahrh. Proskau. 

Bergleute, musizierend, zwei Stück, ein Trommler und ein Flötenbläser, bunt bemalt. Signiert P. 
18. Jahrh. Proskau. 

Wanderer auf der Rast, bunt bemalt. Signiert 4. . P. 18. Jahrh. Proskau. 

Menage, Körbchen mit zwei Flaschen für Essig und Ol. Eingepresste Marke „Proskau". Um 18(X). 

Teller bedruckt mit landschaftlicher Darstellung. Signiert O. 18. Jahrh. Olinitz. (Geschenk des Herrn 
Dr. Erwin Hintze.) 

Die Fruchtbarkeit. Farbig bemalte Figur. Signiert O. 18. Jahrh. Olinitz. (Geschenk des Herrn Hof- 
antiquar Max Altmann.) 

Krug mit Zinndeckel und Zinnschuh. Glasur aussen blaugrün inid rotbraun geflamntt, innen gelb. Auf 
dem Deckel eingraviert SSQA 1736. Wahrscheinlich Schlesien. 

Weihwassergefäss von einem in der volkstümlichen Keramik Schlesiens häufigen Typus, violett und 
grün marmoriert. Auf der Rückwand die Madonna mit dem Kinde in Halbfigur, bunt bemalt. 
Auf dem Grunde drei gekreuzte Fische. Datiert 1768. 

Wannengefässe mit Henkeln, zwei Stück. Farbig marmorierte Glasur und flacher Reliefdekor im Stile 
Ludwigs XVI. Nach Angabe des Verkäufers von einem gewissen Hoffmann in einer Töpferei 
auf der Neugasse in Seidenberg gefertigt und in der Familie Hoffmann vererbt. 18. Jahrh. Schlesien. 

Scherben funde von verschiedenen einheimischen und auswärtigen keramischen Fabriken der letzten Jahr- 
hunderte gesammelt als Anschwemmungen der Oder im Garten des Hauses Neue Junkernstrasse 33. 
(Geschenk des Herrn Direktor Professor Hermann Kühn.) 

Krug, von interessanter Bildung, mit grüner Glasur, leider fragmentiert ~ grosse, aus einer Form gepresste, 
unglasierte Applique unbestimtnter Verwendung in Form des aus der schlesischen Keramik wohl 
bekannten Putto, der bei einem Stundenglase lagert (vgl. Schles. Vorz. N. F. I 122 ff.) — Fries- 
kachel, unglasiert, mit Reliefdarstellung zweier nackter einander gegenüber kriechenden Kinder. Um 
ihre Nacken ist ein Tuch gebunden, an dem eins das andere zu sich heranzuziehen sucht, ein, 
wie Direktor Braun mitteilt, auch in Japan übliches Kinderspiel — Zwanzig Brennklötzchen. 
Sämtliche Stücke stammen von einem Funde, der bei Fimdamentierungsarbeiten am Schlosse Rot- 
schloss, Kr. Nimptsch, gemacht wurde und von einer dort im 16. jahrh. betriebenen Töpferei 
herrührt. (Geschenk des Herrn Oberamtmann Rohde auf Rothschloss.) 

Kanne in Urnenform, mit kräftig brauner, teilweise weisser und grüner Glasur. Ende des 18. Jahrh. 
Englisch? 



174 

Porzellan: 

Berlin: Tasse, becherförmig, mit schöner Vergoldimg. Vorn im Rehef das Bildnis Luthers (Geschenk 
des Fräulein Minna Joachimsthai). - Tasse, becherförmig, Henkel in Form einer Schlange. 
Grund hellbraun, aussen bemalt mit landschaftlichen Darstellungen von Landeck, innen vergoldet. 
Um 1825. Vier Putten als mythologische Figuren, weiss glasiert. 

Ludwigsburg: Deckelterrine auf vier Löwenfiissen. Bemalt blau, eisenrot und gold in Imari-Muster- 
linitation. Als Deckelknopf ein weisses gelagertes Pferd. - Bacchantin auf Felssockel sitzend, 
nach vorn gebeugt, in der Linken eine Urne, darüber in der Rechten eine Traube haltend. Vor 
ihr lagert ein Tiger. Bunt bemalt. 

Meissen: Kaffeekanne und Milchkännchen, weiss glasiert, mit fein gezackter vergoldeter Silber- 
fassung, die den Liegnitzer Beschaustempel und das Meisterzeichen H B (in Ligatur) trägt. Um 
1725. Das Museum besitzt bereits zwei Bunzlauer Kannen in ähnlicher Liegnitzer Montierung. — 
Fischer neben einem Baumstamm stehend, an den eine Reuse angelehnt ist. Bunt bemalt. 
Nach einem niederländischen Motiv. Friilizeit. - Eierwärmer in Form eines sitzenden Hahnes, 
weiss glasiert. Marcolini-Zeit. 

Ny mphenburg: Schäferszene, weiss glasiert. Wiederholung der Gruppe bei Hirtli, Deutscli- 
Tanagra Nr. 223. 

Wedgwood: Bhnnentopf von konischer Form. Innen weiss, aussen blau, schachbrettartig gemustert mit 
senkrecht aufsteigenden weissen Lorbeergirlanden und grünen Blättclien in Hochrelief. Dazu ein 
Untersatz mit weissem Lorbeerkranz in Hochrelief. Eingepresst Wedgwood. Um 1785. Aus 
Sammlung Rathbone in London. 

Glas: 

Fläschchen, goldgelb, sackförmig, am Mnndiuigsrand zwei Henkel, die sich als wellenförmiges Band 
über das Gefäss fortsetzen. Antik. Rlieim'sch. 

Pokal mit Emailmalerei und Vergoldung. 15. Jalirh. Venedig. Vgl. S. 84, aligeb. Taf. 11. 

Deckelpokal der typisch venetianischen Form des 15. Jahrh. Auf hohem geripptem Fusse, die Kuppa 
nach oben ausladend, unten durch einen gekniffenen und vergoldeten Rand abgeschlossen, 
geteilt durch starke, nach unten verlaufende Rippen, die leicht vergoldet und von Emailpünktchen 
umgeben sind; oben und unten ein Fries von Emailpünktchen. Wertvoll ist dieser Pokal dadurch, 
dass er noch den hochgewölbten tmd gerippten Deckel besitzt. 15. Jahrh. Venedig. Aus Sammlung 
Thewalt in Köln. 

Schale auf lüedrigem Fusse mit einem Radialsystem von weissen band- und netzartigen Petinetlinien 

16. Jahrh. Venedig. 

Pokal auf hohem Balusterfnss, an der Unterseite mit Radialrippen; in diesem, sowie in drei Ringen, die 
um den Mantel laufen, und im Nodus weisse Fäden. Wahrscheinlich eine Kölner Nachahmung 
eines venetianischen Musters. 17. Jahrh. 

Deckelpokal auf einem hohen, ans gerippten Kugeln imd flachen Scheiben aufgebautem Ständer. Die 
im Verhältnis dazu kleine eiförmige Kuppa ausserordentlich fein graviert mit der Darstellung 
einer Bauernhochzeit im Freien. Auf dem Deckel ein Reif von eingravierten Nelken, Rosen, 
Sternblümchen und lanzettförmigen Blättern. 17. Jahrh. Nürnberg, 

Deckelpokal der gleichen Form mit ausgezeichnet gravierter Darstellung einer Hetzjagd auf Rehe. 

17. Jahrh. Nürnberg. 

Deckelpokal nu't konischer Kuppa auf dickknaufigem Fialuster. Mit dem Wappen und Monogramm des 

Markgrafen Georg Wilhelm von Brandenburg -Bayreut (1712 26). 18. Jahrh. Unbestimmte 

deutsche Fabrik. 
Deckelpokal, graviert mit Trophäen, Darstellung eines Schiessplatzes und Inschrift ,,Vivat die ober Wicksche 

Schützencompagnie." (Oberwyek ist eiTie Vorstadt von Stettin.) Auf dem Fusse Wapi)en des 

Breslauer Geschlechtes Fürst von Kupferberg. Um 1730. Zeehlin. 
Deckelpokal, graviert in Tiefschnitt mit Bacchuszug. Prachtstück der Potsdamer Glashütte. 



175 

Deckelpokal, auf Kelclitiiantel untl Deckel klar polierte Ranken in matt geschliffenem Grunde und ein 
Oval mit Blumen, Sonne und Händepaar, das ein Herz mit einer 3 hält, umgeben von der Umschrift 
„frei im Hertzen, aufrichtii; im Oemiith". 18. Jahrh. Potsdam. 

Deckelpokal, graviert mit dem Doppelporträt König Friedrich Wilhelms I. und seiner Gemahlin in einem 
Medaillon, umschlossen von einer Kette kleiner Kugelschliffmedaillons nnt den Initialen ihrer Kinder 
Um 1730. Potsdam. 

Deckelpokal mit Vergoldung und gravierter figürlicher Darstellung, Inschrift „Toujours ä vous" und Wappen 
der märkischen Familie von Sydovv. 18. Jahrh. Potsdam. 

Pokal, graviert nnt zarten Zvi'eigen, die einen brennenden Altar mit dem Doppeladler nmschliessen. 
Darüber steht das Auge Gottes und die Inschrift ,,Gott und dem Kayser bitt ich dar, mein hertz 
auf diesem danckaltar". 1. Hälfte des 18. Jahrh. Böhmisch? 

Deckelpokal, dickwandig und trichterförmig. Graviert mit grossen naturalistischen Tulpen, Insekten und 
einer Schnecke. 17. Jahrh. Böhmisch. 

Becherglas, dickwandig, graviert mit der Darstellung der Schöpfung. Anfang d. IS. Jahrh. Schlesien. 

Deckelpokal mit kulturhistorisch interessanter Darstellung einer Beinamputation und der auf die ärztliche 
Kunst bezüglichen Inschrift: „Gott segne unsern Fleis zu guttem Ruhm und Preis". Datiert 1727. 
Schlesien. 

Deckelpokal, zylindrisch, graviert mit den Emblemen der Zinngiesser auf der einen Seite, auf der andern 
ein mächtiger Blunienstrauss in Vase. Datiert 1602. Eigenartiges Glas. Von der Zinngiesser- 
Innung in Schweidnitz. 

Deckelpokal für eine Bäcker-Innung. Graviert mit zwei Löwen, die eine Bretzel halten. Auf. des 
18. Jahrh. Schlesien. 

Becherglas auf Sockelfuss, graviert mit den Halbfiguren der zwölf Apostel. 18. Jahrh. Schlesien. 

Deckelpokal mit vierpassförmiger Kuppa auf starkem, facettiertem Fuss. Fein graviert mit Laub- und 
Bandelwerk und bildlichen Darstellungen. Der Deckel als Dose mit Schraubverschluss gebildet. 
Um 1730. Schlesien. 

Deckelpokal mit vierpassförmiger Kuppa auf schlankem Fuss. Fein graviert mit Laub- und Bandelwerk. 
Um 1730. Schlesien. 

Deckelpokal auf Balusterfuss, mit interessanter Kombination von liefschniit in 7wei verschiedenen 
Höhen, Wappen der schlesischen Familie von Bcuchel, grossen Blumen und Laub- und Bandel- 
werk. LJm 1730. (Geschenk des Herrn Handelsrichters Max Wiskott.) 

Becherglas, achtkantig. Graviert nut Laub- und Bandelwerk, dem Wappen der Familie von Reibnitz 
und der Inschrift „Die ohrientalische Schwägerschafft". 18. Jahrh. Schlesien. 

Dcckelpokal auf niedrigem Fuss, Kuppa innen rund, aussen vierzehnkantig geschliffen. Reich graviert 
mit Laub- und Bandelwerk und Inschrift. 18. Jahrh. Schlesien. 

Nan tilusbecher, reich graviert mit Jagd- uml Hirtenszene. 18. Jahrh. Schlesien. 

Fläschchen, graviert nnt dem Wappen der Familie Kaiser. 18. Jahrh. Schlesien. 

Deckelpokal, graviert mit der Inschrift „Aucun temps ne le change". 18. Jahrh. Schlesien. 

Deckelpokal, graviert mit einer Ansicht des Klosters Grüssau. 18. Jahrh. Schlesien. 

Pokal aus der Bäcker-Innung in Jauer. Graviert mit einer Ansicht von Jauer und der Inschrift: „Die 
Becker trincken gern und haben gern getrunken. Was muss die Ursag sein, die Hitz und Feier- 
stunden." Datiert 1703. Schlesien. 

Deckelpokal in der üblichen Form der schlesischen Rokokogläser. Die konisch sich nach oben 
erweiternde Kuppa wächst aus einem Palmettenkelch heraus. Ein kurzer zylindrischer Stiel ver- 
bindet den facettierten Nodus und die Fussplatte. Rand der Kuppa, oberer Teil des Deckel- 
knaufes und ein ausgebogter Kreis auf dem Deckel vergoldet. Die Kuppa reich graviert mit 
chinesischen Akrobatenszenen in Rokoko-Kartuschen. Um 1700. Schlesien. 

Becherglas aus der Bäcker-Innung in Friedeberg a. Qu. Graviert mit Rankenwerk und Spruch. Datiert 
1774. Schlesien. 



176 

Vexirbeclier auf hohem Fuss, der Deckel hängt mit dem Oefässkörper zusammen, im Boden ein Loch, 

das durch eine lose Glasperle geschlossen wird. 17.— 18. Jalirh. 
Vexirbeclier mit Saughenkel und Kamm von gekniffenem Glas auf dem Hcnkelbügel. 17.-18. Jalirh. 

(Geschenk des Herrn Geheinirats Dr. Orempler.) 
Becherglas mit farbiger Emailmalerei. Schnhmacherwerkzeuge und die Inschrift: „Wier galten erlichen 

Schuhmacher haben gahr einen schweren öden, Gott zu dienen zum essen zum trunken zur 

arbeith sein wier gebohren". Bezeichnet 1713 E F. 
Deckelbecher aus Milchglas mit bemallem und vergoldetem Tiefschnittornament. 18. Jahrh. (Geschenk 

des Herrn Hofantiquars iWax Altmann.) 
Deckelpokal mit der Silhouette des Petrus Abbas Grussoviensis in einem Goldmedaillon. Um 17')0. 

Schlesien. 
Pokal aus dicker goldbrauner Masse. Mit der Darstellung der Parzen und diesbezüglicher Inschrift. Um 

1820. Schlesien. (Geschenk der Frau Geheinirat Toni Weisser.) 
Becherglas, gelb mit blauem Überfang. 19. Jalirh. Schlesien. 
Kuffe von bauchiger Form. In einem Oval die Inschrift: „Hoch lebe die Gesellschaft". 19. Jahrh. 

Schlesien. 
Freundschaftsglas mit Inschrift. 19. Jahrh. Schlesien. 
Pokal, dickwandig auf niedrigem Fuss. Graviert mit den sieben Bitten des Vater unser. Um 1830. 

Schlesien. 
Scheibe, farbig bemalt mit der Darstellung der Charitas. Datiert 1675. Schlesien. 
Scheibe, bemalt mit bunter Blunienranke. 17. Jahrh. Schlesien. 
Scheibe, rund mit Bleifassung. Bemalt mit einem Kruzifixus in undurchsichtigem Email und der 

Inschrift „O Mensch alles böses tlnie meiden, betrachte wohl Christy Leiden". Christoff Hille, 

Anno 1703. 
Scheibe, Gegenstück zur vorigen. Mit der Darstellung der Verkündigung. Christoff Hille, Anno 1703. 

Goldschmiedearbeiten : 

Schmuckfund von Oppeln. Vgl. S. 72 ff. und Tafel 1. 

Löffel aus Silber mit ovaler Laffe und Masken an dem Ende des Stieles. 16. Jahrh. Stammt aus Trebnitz. 

Deckelkanne aus Silber mit Vergoldung. Arabeskenranken, in denen Vögel mit geöffneten Flügeln 
sitzen. Breslauer Beschau- und Meisterzeichen A H (ineinandergestellt) Augustin Heine. Ende 
des 16. Jahrhunderts. Aus einer süddeutschen Privatsammlung. 

Aus den für das Schlesische Künstlerlexikon angefertigten archivalischen Auszügen hat 
sich feststellen lassen, dass es drei Breslauer Goldschmiede des Namens Augustin Heine gab: 
Qrossvater, Vater und Sohn. Der Augustin Heine II (-Heyne-Hain-Hayne-Hene), von dem 
vorstehend beschriebene Kanne herrührt, wurde im Jahre 1543 geboren als Sohn des Gold- 
schmieds Augustin Heine I,') der im Jahre 1542 Bürger und Meister in Breslau geworden 
war.^) Heine II heiratete als Goldschmiedegeselle Katharina, die Tochter des verstorbenen 
Zuckermachers Hans Kollniann am 3. Dezember 1571.^) Am 22. Februar 1572 wurde er 
Breslauer Bürger und etwas später Meister bei der Goldschmiedezeclie.^) Er starb am 8. No- 
vember 1601 im Alter von 58 Jahren als gewesener Goldschmied inid Altester der Gold- 
schmiedezeche.''') Sein Sohn Augustin Heine 111 heiratet am 5. November 1602 Margarethe, die 
Tochter des Balthasar Thieme, Kirchschaffers bei St. Maria Magalena (Traiibiich von Maria 
Magdalena), nachdem er vorher in demselben Jahre Bürger und Meister in Breslau geworden 
war. Er wohnte auf der Oderstrasse und starb daselbst an Auszehrung am 5. Oktober 1631. 
(Siehe auch Schles. Vorz. Vll 485.) 

') Totenbuch von Maria Magdalena, Traubuch von Maria Magdalena. 

=) Bürgerrolle vom 25. Februar 1542. Stadtarchiv lls. H. 40. 5. fol. 72b. 

") Traubucli von Maria Magdalena. 

■•) Bürgerrolle vom 22. Februar 1572. Stadtarchiv lls H. 40. 5. fol. 160b. 

■■') Totenbuch von Maria Magdalena. 



177 

Weinkanne aus Silber mit Vergoldung. Diese ans der Pfarrkirciie von Haynau stammende schöne Kanne 
gehört dem in Sciilesien beliebten Typus der facettierten Kannen an, über welchen in dieser 
Zeitschrift N. F. II S. 108 gehandelt wurde. Dort ist sie auf S. 110 unter Nr. 1 erwähnt. Auf 
den sechs Facetten sind die Bildnisse beliebter Helden der mittelalterlichen Ikonographie graviert: 
Josue Dux, David Rex, Machabus (sie!), Hector Trojanus, Artus Rex und Carolus Magnus. 
Datiert 1619. Mit dem Breslauer Beschau- und Meisterzeichen A Fl (nicht ligiert) = Augustin 
Heine, Sohn des Heine II, von dem die vorhergehende Kanne herrührt. 

Weinkanne aus Silber mit Vergoldung. Drei ovale Medaillons mit Pfau, Strauss und Hahn in 
Arabeskenvverk. Mit dem Breslauer Beschau- und dem Meisterzeichen H V (ligiert) — - Hans 
Voignadt, der um 1Ö05 in Breslau Bürger und Meister wurde und 1634 starb. Nach Schles. Vorz. 
VII 484 gehörte Hans Voignadt zu den angesehendsten Breslauer Goldschmieden und beschäftigte 
elf Gesellen, darunter sechs aus Augsburg und Nürnberg. Aus Sammlung Thewalt in Köln. 

Taufschüssel und Kanne aus Silber, in reichen Rokokoformen. Mit dem Breslauer Beschau- und 
Meisterzeichen FCK ~ Ferdinand Christian Krebs, der am 5. Mai 1769 Breslauer Bürger und 
in demselben Jahre Meister wurde. Wahrscheinlich sein Meisterstück. 

Leuchter aus Silber, in Rokokoformen. Mit dem Breslauer Beschau- und Meisterzeichen AP ^; Augustin 
Peisker (f^eitzker), der am 31. Oktober 1732 Bürger und in dem gleichen Jahre Meister wurde. 

Halskette mit Anhänger aus Dukatengold. Die Kette besteht aus siebzehn ovalen Buckelschildchen, 
der Anhänger aus einer zweihenkeligen Vase mit Blumen. Bauernschmuck. Ende des 18. Jahrh. 
Schlesien. 

Einsteckkamm aus Silber mit einem grünen und vier roten Glassteinen. Bauernschmuck. Anfang des 
19. Jahrh. Schlesien. 

Kupfer, Bronze, Zinn: 

Salzkuffe aus Kupfer mit Girlanden von Blumen und Früchten, Schild mit G. v. S. und Krone in Treib- 
arbeit. 18. Jahrh. 

Wandleuchter aus Messing, dreiarinig; zwei Stück. Aus der evang. Kirche zu Ohiau. Um ISOO. (Ge- 
schenk des Herrn Hofantiquars Max Altmaun.) 

Ampel aus Messing, mit durchbrochenem Pflanzennuister und drei plastischen Figuren als Ketfenhalter. 
Signiert Georg Heller 1675. Aus Waidenburg. 

Schüssel ans Zinn mit Blumen- und Blattdekor in sog. Flächelarbeit. Hirschberger Beschauzeichen. 
Datiert 1684. 

Kännchen aus Zinn, birnförniig mit scliwanenhalsförniigem Ausguss und bastumvvundenem Henkel. Am 
Körper Blumendekor in Flächelarbeit. Mit dem Breslauer Beschau- und Meisterzeichen J.A. S. = 
Johann Albertus Schnitze, der 1735 Bürger und Meister in Breslau wurde. 

Deckelterrine und Untersatzteller aus Zinn; vvellenförnng gerippt, auf dem Deckel ein Adler mit gehobenen 
Flügeln. Von schönster einfacher Rokokoform. Mit dem Liegnitzer Beschau- und Meisterzeichen 
B. P. Um 1750. 

Teller aus Zimi mit dem Zunftwappen des Müllergewerkes. M\[ dem Reichenbacher Beschau- und dem 
Meisterzeichen C. G. K. I^atiert 1786. 

Textiles: 

Teppich, sog. Derbent. Kaukasus. (Geschenk des Herrn Geheimrats Dr. Grenipler.) 

Spitzen, genäht, sog. Dresdener Spitze. Drei Stück. (Geschenk des Herrn Geheimrats Dr. Grenipler.) 

Mustertücher, zwei Stück, mit farbigen Kreuzstichstickercien. 18. Jahrh. Schlesien. (Geschenk des 
Fräulein Schmidt.) 

Brautschleier aus Dünnstoff, bestickt mit Blumen in weisser Seide. Um 1800. (Geschenk des Fräulein 
Emmy von Boeh m.) 

Shwal aus Seidentüll nnt Blumen uiul Blättern. Datiert 1832. (Geschenk der Frau Anitsgerichtsrat 
Koessler.) 

Kopftuch aus grober Leinwand mit roter Wollstickerei. 19. Jahrh. Balkanländer. (Geschenk des Herrn 
Geheimrats Dr. GroinpkM) 

23 



178 

Frauengürtel mit einem Täschchen aus schwarzem Tuch, benäht mit Goldfäden. U). Jahrh. Balkanländer. 
(Geschenk des Herrn Qeheimrats Dr. Crem pl er.) 

Bucheinbände: 
Einband aus braunem Rindleder nnt reichem Laub- und Bandelwerk in Goldpressung. 1686. Rom. 
Einband aus rötlichem Schafleder mit reicher Goldpressiuig. 1732. Rom. 
Einband aus rötlichem Rindleder mit reicher Goldpressung. 1737. Rom. 
Einband aus rötlichem Rindleder mit reicher Ooldpressung und dem Kcinigl. Wappen. Um 1700. Paris. 

China und Japan: 

Schwertstichblätter, Sammlung von 8 Stücken. 16.— 19. Jahrh. 

Räuchergefäss aus Bronze in Form einer Hirschkuh mit dem Gotte des Reichtums, 10. Jahrh. (Geschenk 
der Hinterbliebenen des Herrn Salomon Kauffmann.) 

Miniaturen : 
Silhouette auf Goldgrund mit dem Bildniss des Heinrich von Rothkirch. Um 1800. Schlesien. Vgl. S. 84. 
Portraitminiaturen von Amand. G. Zausig. 6 Stück. Vgl. S. 144 ff. und Taf. VI. Fig. 1 -3. 

5. DIE SAMMLUNG DES MODERNEN KUNSTGEWERBES 

Goldschmiedekunst: 

Deckelpokal aus Silber, vergoldet; der Fuss in Form eines Baumstammes, das Astwerk hält das Gefäss. 
Entworfen von Siegfrid Härtel, ausgeführt von Tillmann Schnn'tz. IQOl. Breslau. 

Medaillen und Plaketten: 

Qu SS- Plaketten aus Bronze, 2 Stück, mit Darstellungen von Hunden; von Victor Peter in Paris. 

Medaille aus Bronze, zur Eriinierung an die Hundertjahrfeier der König!. Technischen Hochschule. Ent- 
worfen von August Vogel, ausgeführt von Otto Oertel. 1890. Berlin. (Geschenk des Herrn 
Ministers der geistlichen u. s. w. Angelegenheiten.) 

Medaille aus Bronze, auf die „Internationale Ausstellung für Feuerschutz und Feuerrettungswesen." Ent- 
worfen von dem Bildhauer Jeremias Christensen, ausgeführt von Otto Oertel. 1002. Berlin. 
(Geschenk des Herrn Ministers für geistliche u. s. w. Angelegenheiten.) 

Plakette aus Bronze, auf Borsigwerk, mit drei Profilportraits von Arnold, Ernst und Konrad Borsig. Von 
Bruno Kruse. 1902. (Geschenk der Dargestellten.) 

Plakette aus Bronze, auf die Beteiligung von Österreich an der Pariser Weltausstellung 1900. Von 
Stephan Schwartz in Wien. 

Plakette aus Bronze, zur Erinnerung an die Hundertjahrfeier des Ungarischen National-Museums. 1902. 
Budapest. (Geschenk des Ungarischen National-Museums, Budapest.) 

Keramik: 

Ente, die Federn fettend, aus Porzellan. Manufactur Bing und Gröndahl in Kopenhagen. 

Junger Hund, sitzend, aus Porzellan. Königl. Manufaktur in Kopenhagen. 

Vase aus Porzellan, mit eisblumenarfiger blauer Kristallglasur. Manufaktiu' Rörstrand. 1902. 

Kindermaske aus Steinzeug, grau glasiert. Müller 8< Comp, Ivry Port. 19()2. 

Eule aus Steinzeug. Mendez da Costa, Holland. 1902. 

Figur aus Steinzeug, mit lebhaft metallisierender Glasur, entworfen von (iiuil in Beriin, ausgeführi von 

Kurt Randhahn in Bunzlau. 1901. 
Vasen aus Steinzeug, von der keramischen Fachschule ii; Teplitz. 2 Stück. 1902. 

Textiles: 

Fussteppich mit Krähcnbeerenmuster. Det norske Billedvaeveri in Kristiania. 1902. 
Vorhang mit Chrysauthennunmuster. Det norske Billedvaeveri in Christiauia. 1902. 
Stoffmuster mit Kreisen und Spirallinien, nach einem Entwurf von Joseph Olbridi. 
Stoffmuster nn't Mohnranken. Englisch, nuidern. 

Für die Vermehrung der Sammlungen wurden rund 22 000 Mark (davon 300 Mark für die 
urgeschichtliche) ausgegeben. 



179 



VERMEHRUNO DER BIBLIOTHEK 



Von wichtigeren Bücher- Ankäufen sind zu erwähnen: Turin 1902 — Bau- und Kunst- 
denkmäier Thuerfngens — van der Keilen, Michel le Blon — Lützow, Die vervielfältigende Kunst 
der Gegenwart I — III — Oeffroy, Les Industries artistiques, Paris 1900 — Molinier, Le mobilier royal 
frangais — Poliak, Klassisch-antike Ooldschmiedearbeiten — Straub und Keller, Hortus Deliciarum. 

Für die Studienblättersam mhing wurden erworben: eine Anzahl Rauchbilder von Erich Erler, 
eine Sammlung von Pflanzenabdrücken, mittelst Ölfarbe und Bürste hergestellt von dem schlesischen Land- 
schaftsmaler Adolf Dressler (1833—1881), Exlibris von Hirzel-Berlin und Reifferscheid-München, 
ein Plakatentwurf von M. Berger, ein Bild der Universität und eins von der Weissgerberohle von 
H. Völkerling, eine Reihe von Zeichnungen schlesischer Kunstdenkmäler von Theodor Blätterbauer- 
Liegnitz, ein ornamentaler Entwurf ,, Wellenpferde" von Gerhard Munthe-Lysaker. 

Ausgegeben wurden für die Bibliothek: 4952,37 Mark. 

Geschenke gingen ein von: Altertumsverein, Weisse Gebr. Bauer — Beltz, Schwerin — 
Kaufmann Julius Brann — Buchgewerbe-Museum, Leipzig — Dr. Buchvvald Ingenieur Cervinka, 
(Ung.) Hradisch — Diözesan-Museum, Breslau — Direktor Dorr, Elbing - Erich Erler — Paul 
Ettinger, Moskau — Prof. Freudenthal — Gewerbe-Museum, Bremen — Geh. Rat Prof. 
Dr. Orempler - Konsul Guttmann, Berlin — Hamburgisches Museum für Kunst und Gewerbe 

— Handwerkskammer, Breslau ~ Dr. Heierli, Zürich - Herzogl. Museum, Braunschweig — 
M. Hey mann, München — Hauptmann Höhne, Berlin ~ P. Jansen — Geistlicher Rat Dr. Jungnitz 

— S. Kauffmann -Königliche Museen, Berlin Kunstdruckerei Künstlerbund, Karlsruhe — 
Kunstgewerbe-Museum, Berlin Kunstgewerbe-Museum, Frankfurt a. M. — Kunstgewerbe- 
Museum, Leipzig ~ Kunstgewerbe-Verein — Direktor Leisching, Brunn — Direktor Professor 
Dr. Masner — A. Mieck, Prenzlau - Bürgermeister Muehl Museums-Verein — National- 
Museum, Budapest — Rechtsanwalt Weisser — Frau Geh. Rat Weisser — Provinzial-Ausschuss 
der Provinz Schlesien — Römisch-Germanisches Central-Museum, Mainz — Referendar Schlawe 

— Direktor Schlie, Schwerin — Inspektor Schlutius, Schariey O/S. — Direktor Dr. Seger — Museum 
Skansen, Stockholm Statistisches Amt, Breslau - Steglitzer Werkstatt, Steglitz— Verein für 
Geschichte und Altertum Schlesiens - Pastor Wackernagel — Wallace-Collection, London 

— E. Wasmuth, Berlin Frau Gertrud Weikert Referendar Wcntzel, Kupp - Buchhändler 
Wohlfarth — Zeitschrift für Bücherfreunde. 

AUSSTELLUNOEN 

L/as Jahr war reich an grösseren und kleineren Ausstellungen. Die bedeutendste darunter war die 
Seh I es i sehe Kunst- und Kunstgewerbe- Ausstellung in Liegnitz, welche das Museum in Verbindung 
nut dem Kunstverein in Liegnitz, dem Lokalverein Breslau der allgemeinen deutschen Kunstgenossenschaft und 
dem Kunstgewerbeverein in der Zeit vom 30. September bis 1. Wovember veranstaltete. Diese Ausstellung 
sollte die erste in einer Reihe ähnlicher Veranstaltungen sein, welche den Zweck verfolgen, die Provinz mit 
der schlesischen Kunst und dem schlesischen Kunstgewerbe unserer Tage bekannt zu machen. Denn leider 
gravitiert die Provinz in Dingen der Kunst viel zu wenig nach ihrer Hauptstadt. Liegnitz war für einen 
ersten Versuch schon deshalb ein geeigneter Boden, weil es in dem ehemaligen Bethause der freireligiösen 
Gemeinde ein eigenes Ausstelhingsgebäude besitzt. Sehr zu statten kam es uns auch, dass wir an dem 
dortigen Kunstverein eine Stütze hatten. Wamentlich die Herren Stadtverordneter Wunder und Bankier Seile 
haben sich in höchst dankenswerter Weise um das Zustandekommen der Ausstellung verdient gemacht und 
uns unverdrosscTi geholfen. Wärmster Dank gebührt auch dem Herrn Regierungspräsidenten von Liegnitz 
von Seherr-Thoss und Herrn Oberbürgermeister Oertel für das wohlwollende Interesse, das sie dem Unter- 
nehmen durch Befürwortung von Subventionen bei der kgl. Regierung und der Stadt Liegnitz entgegen- 
brachten. Weitere Geldunterstützungen wurden von der Liegnitzer Handwerkskammer und dem Kunst- 
gewerbeverein für Breslau und die Provinz Schlesien bewilligt. Der Magistrat der Stadt Breslau gestattete der 

23* 



180 

Muscumsdirektion, einen Teil des Etats für Aiisstelhiiigeii und Dienstreisen für die Liegnitzer Veranstaltung 
zu verwenden. Durch diese Subventionen, bei denen auch ein erhebhcher Znschuss des Liefjnitzer Kiuist- 
vereins nicht vergessen sein möge, wurde das Unternehmen, das anfänglich ein Wagnis schien, auf eine 
sichere Basis gestellt imd vor allem die Möglichkeit geschaffen, das nüchterne und frostige ehemalige Bet- 
haus in einen branchbaren und behaglichen Ausstellungsraum umzuwandeln, wobei uns Herr Malermeister 
Rumsch, der Vorsitzende des Kunstgewerbevereins, mit Rat und Tat zur Seite stand. Als Hängekommission 
waren die Herren Professor Werner - Schwarzburg, Maler Spiro und Maler Späth tätig. Die Ans- 
stelhmgsarbeiten an Ort und Stelle besorgte Direktorialassistent Dr. Buchwald. Der künstlerische Erfolg 
der Liegnitzer Ausstellung wurde dadurch gesichert, dass die meisten schlesischcn Künstler, Maler und 
Bildhauer, auch solche, die nicht mehr in der Heimat tätig sind, unserer Einladung Folge leisteten. Die 
Vereinigung von Kunst und Kunstgewerbe bot ein vortreffliches Ensemble, wie wir es in Breslau selbst, 
wo beide getrennt ausstellen müssen, noch nicht zu Gesicht bekommen haben. Zu besonderer Freude 
gereichte es uns auch, dass wir bei dieser Gelegenheit bisher noch unbekannte, tüchtige kunstgewerbliche 
Kräfte aus dem Regierungsbezirke Liegnitz kennen lernten. Der Besuch der Ausstellung, zu dem in allen 
grösseren Städten der Provinz ein künstlerisches Plakat nach Entwurf von Professor Wislicenus einlud, 
übertraf alle Erwartungen und lohnte die geleisteten Mühen und Opfer. 

In den Monaten November inid Dezember beherbergte das Museum eine Anzahl von Ausstellungen. 
In den Räumen des II. Stockwerkes war eine Ausstellung nordischen Kunstgewerbes untergebracht, 
die wir zum Teil von dem Kaiser Wilhelm-Museum in Krefeld übernommen hatten. Däneiuark, Norwegen 
und Finnland waren durch umfangreiche Kollektionen von Porzellanen, Fayencen, Webereien, Metallarbeiten, 
Bucheinbänden, einige Möbel und durch die genialen Entwürfe von Munthe vertreten. Lebhaftes Interesse 
beim Publikum und ilen Kunstgewerbetreibenden erweckten zwei anstossende Interieurs, welche die unter 
Leitung des Regiernngsbaumeisters Pölzig stehende Fachklasse für Architektur an der hiesigen kgl. Kiinst- 
und Kunstgewerbeschule ausstellte. Den Lichthof füllte eine Bildhauerausstellung, die das Museum 
veranstaltete, um ein Bild von dem Gesamtschaffen der sieben Künstler zu geben, die von der kgl. Regierung 
zu Konkurrenzentwürfen für eine monumentale Anlage auf dem Königsplatze (Bismarckbrunnen) aufgefordert 
worden waren. Die Modelle für diesen Wettbewerb, aus dem unser Landsiuann Ernst Seger als Sieger 
hervorging, standen zu derselben Zeit im Museum der bildenden Künste. Zur Ausstellung in unserem 
Museum steuerten die beteiligten Künstler Behrens, Bräuer, Freese, Qeyger, Haverkamp, Hösel und Seger 
ausgeführte Arbeiten, Modelle und Photographien bei. Aus der Liildhauerausstellung ist für Breslau ein 
bleibender Gewinn erwachsen. Auf Anregung des Stadtrats Milch traten kunstfreundliche Mitbürger 
zusammen, um den originellen und liebenswürdigen Bärenbrunnen von E. M. Geyger für die Stadt zu 
erwerben. Er steht seit einiger Zeit an der Südseite des Rathauses. 

Ausserdem wurden ausgestellt: 
Bucheinbände aus der Buchbindereifachschule von Paul Adam in Düsseldorf 
Gussstahlplaketten durch J. Littaner in München 
Entwürfe für Decken- und Wanddekorationen aus deiu Preisausschreiben der Firma Aug. Engelhardt 

u. Haebrich in Elberfeld 
Konkurrenz-Entwürle für ein Plakat des Vereins zur Hebung des Fremdenverkehrs in Breslau 
Konkurrenz-Entwürle für einen Becher der Zwinger-Schützen-Brüderschaft 
Modelle für ein Gustav Freytag-Denkmal in Breslau von Bildhauer Ernst Seger in Berlin 
Reliefbild Kaiser Wilhelms I. für den Oswitzer Kaiser Wilhelm-Turm von Bildhauer Kiesewa Her 

in Breslau 
Entwürfe für ein Speiseservice aus dem Preisausschreiben des Museums 
Diplom, ausgeführt von Graveur Scheu in Breslau 
Moderne Erzeugnisse der Meissener Por/ellanniannfaklur, ausgestellt von der Firma Moritz Wentzel 

in Breslau 
Reliefintarsien von Tischlermeister Kim bei in Breslau 

Moderne Möbel und Portierenstoffe durch die I irrna Leipziger u. KTissler in Breslau 
Schmucksachen und Stickereien von Anna Steuer in Stuttgart 



181 

Kissen luui Fenstcrvorsctzer von Frau Rechtsanwalt lue in Breslau 

Bleiverglasiiiifjeii von Karl Bichan in Breslau 

Radierungen der Radierschule des Herrn Professor Morgenstern der Königl. Kunstschule in Breslau 

Stickereien von Margarete Trautwein in Breslau 

Entwürfe von Julius Nitsche in Breslau und Stickereien, ausgeführt nach solchen Entwürfen im 

Atelier der Frau Rosenberg in lireslaii 
Tapeten von der Firma Nicolai n. Schweitzer in Breslau 
Reformkleider von Margarete Trautwein und Ina IMüdiic mann in Breslau 



VORTRAGE 

(). Januar IWi: I^irektorial-Assistent Dr. Brüning, Berlin: Die Schmiedekunst 

Direktorial-Assistciit Dr. Lner, Berlin: Technik der Bronzeplastik 

Walter Elkan, Berlin: Japanische Metallarbeitcn 

Direktor Leisching, Brunn: Die Entwicklung des Schmuckes in alter und neuer Zeit 

Oeheimrat Professor Dr. Förster: Die Künstler der [Renaissance und die philostratischen 

(leuiälde 

Oeheimrat Dr. Treu, Dresden: Constantin Meunier 

Hans E. V. Berlepsch-Valcndas, Maria Aich bei München: Die Turiner Weltausstellung 



13. 




20. 




3. 


Febrnai 


10. 




17, 




3. 


März 



BESUCH DER SAMMLUNGEN UND DER 
BIBLIOTHEK 

A. BESUCH DER SAMMLUNGEN 



Monat 



Anzahl der 
Besuchstage 



Orösste Besucher- 
zahl an einem Tage 



Ceringsle 
Besucherzahl 



Gesamtzahl 
der Besucher 



April 1902 


26 


623 


52 


5 164 


Mai 


26 


1863 


64 


7 469 


Juni 


25 


503 


57 


4 597 


Juli 


27 


585 


70 


5 600 


August 


27 


730 


62 


5 380 


September 


25 


956 


63 


5 207 


Oktobei 


27 


801 


67 


6 483 


November 


25 


1 571 


70 


8 933 


Dezember 


25 


637 


62 


5 836 


Januar 1003 


26 


690 


39 


3 786 


Februar 


24 


684 


86 


4 887 


März 


26 


624 


(VJ 


5-231 




30Q 




zusammen 


68 373 



Die grösste Besucherzahl mit 1863 Personen hatte das Museum am 19. Mai, dem zweiten Pfingst- 
feiertage, die geringste am 20. Januar mit 39 Personen zu verzeichnen. 

Korporative Besuche: 

28. Mai Städtische Mädchenschule Nr. 50 2. Juni Bürgerverein Schweidnitz — 23. Juli der Zeichen- 
kursus der Lehrer Schlesiens - 24. August der Verein der Oartenkünstler — 2. September die Primaner 
von Strehlen - 7. Oktober der Oörresverein - 4. 9. 11. und 15. Dezember der Huniboldtverein. 



182 



B. BESUCH DER BIBLIOTHEK 



im April 


. 426 


Juli . . . 


272 


Oktober . 


511 


Januar . 


402 


iVlai . . 


. 355 


August 


263 


November 


427 


Februar 


461 


Juni. . 


. 219 


September 


329 


Dezember 


325 


März 


367 



zusammen 4357 Personen 



PREISAUSSCHREIBEN 

Aus Mitteln, welche der Zentral -Gevverbeverein zur Verfügung stellte, wurden Entwürfe für ein 
bürgerliches Speiseservice aus Porzellan ausgeschrieben. Die Heteiligung an dieser Konkurrenz, die 
auf Schlesien beschränkt war, gestaltete sich sehr lebhaft. Den 1. Preis von 2ü0 Mk. erhielt Hugo Scheinert, 
den 2. Preis von 100 Mk. Erich Erler, den 3. Preis von 50 Mk. Paul Hampel, sämtlich in Breslau. Mit Freuden 
dürfen wir feststellen, dass diese Künstler durch das Preisausschreiben veranlasst wurden, sich nicht bloss 
vorübergehend mit Entwürfen für Porzcllanservice zu beschäftigen. Die Fabrik von Ohme in Niedersalzbrunn 
hat seither schon zahlreiche von ihnen entworfene Service ausgeführt. 



DIE MUSEUMS- DEPUTATION UND DAS BUREAU 

L)ie Verwaltungs- Deputation des Museums hatte in diesem Jahre einen schweren Verlust zu 
beklagen. Am 2. August 1902 starb der Direktor der Königl. Kunst- und Kunstgewerbescliule Professor 
Hermann Kühn. Sein Beruf hatte ihn in innigste Fühlung mit dem früheren Museum schlesischer 
Altertümer, dann nnt unserem Museum gebracht. Unsere Beziehungen waren herzlich und freimdschaftlich. 
Jedes Unternehmen des Museums fand bei Direktor Kühn Unterstützung und Förderung. Es soll ihm 
unvergessen bleiben, dass er die Notwendigkeit eines vertrauensvollen Zusammenwirkens von Kunstschule 
und Museum anerkannte. 

An Stelle des Rechtsanwalts Wehlau , der im Jahre vorher gestorben war, wurde Stadtverordneter 
Kaufmann Frieden thal, an Stelle des Direktors Kühn der Geh. Kommerzienrat Philipp Moriz-Eich born 
in die Museums-Deputation gewählt. 

Direktorial -Assistent Dr. Fritz Wolff schied am 30. September aus dem Museum aus, um an 
das Buchgewerbemuseum in Leipzig überzugehen. An seine Stelle rückte Volontär Dr. Erwin Hintzc vor. 




Bär aus Sandstein (S. 170) 



BERICHT ÜBER DAS V. ETATSJAHR 

(I. April 1003 31. März 1904) 



185 

ARBEITEN IN DEN SAMMLUNGEN 

Im Berichtsjahre konnte das Museum darangehen, für die Louis XVI-, Empire- und Biedermeiermöbel, 
die es im Laufe der letzten Jahre erworben hatte, im Saale XXI, anschliessend an die stil-historische 
Ordnung im I. Stockwerke zwei Interieurs einzurichten. Der Louis XVI-Raum macht noch einen etwas 
unfertigen Eindruck, lun so geschlossener repräsentiert sich dagegen das Zimmer mit den meistens aus 
Schlesien stammenden Empire- und Biedermeiermöbeln. In diesem Räume ist auch die Abteilung der 
Miniatur-Porträts, die ja zum grössten Teil der Empire- und Biedermeierzeit angehört, und das gleichzeitige 
Berliner und das Wiener Porzellan in alten Servanten untergebracht. Die Kunst des Orients (Persien, Japan 
und China), die früher den Saal XXI eingenommen hatte, musste nach Saal XI wandern und teilt ihn nun 
mit der Antike. Der Platzmangel, der sich immer fühlbarer macht, nötigt leider zu fortwährenden Ver- 
schiebungen in den Sammlungen, unter denen die Übersichtlichkeit leidet. Diese ewigen, oft tief- 
eingreifenden Veränderungen, zu denen uns die Entwicklung des Museums, vor allem die Erschliessung 
neuer Abteilungen, nötigt, sind auch der Grund, warum die Direktion den berechtigten Wunsch des 
Publikums nach einem gedruckten Führer durch die Museumssammlungen noch nicht erfüllen konnte. 
Wir möchten nicht den Ärger der Besucher durch Darbietung eines Führers erregen, der im Momente 
des Erscheinens schon veraltet sein müsste. 

Verschiedene Säle und Korridore unseres Museumsgebäudes haben im Berichtsjahre einen schönen 
Schmuck durch Bilder aus altem städtischen Besitze erhalten. Als die Stadt sich entschloss, den im 
Museum der bildenden Künste nicht ausgestellten, sondern im Depot liegenden Teil ihrer grossen Bilder- 
sammlung dadurch nutzbar zu machen, dass er zur Ausschmückung städtischer Amtsräume verwendet 
werden solle, wurde dem Museum gestattet, vorher die ihm für seine Zwecke geeigneten Bilder aus- 
zuwählen. Wir wählten vor allem die Portraitgalerie, die der Breslauer Humanist Thomas Rhcdiger im 
16. Jahrhundert angelegt hatte, dann Portraits von Schlesien! und für Schlesien wichtiger Personen, 
weiter kostümgeschichtlich oder für die Waffenkunde bemerkenswerte Bilder. Die Rhedigersche Portrait- 
galerie wurde als umlaufender Wandfries im Ooldschmiedesaale aufgehängt, im selben Räume, in dem 
schon eine andere, von Rhediger zusammengebrachte Portraitsammlung ausgestellt ist, die Suite der 
Wachsbossierungen von berühmten Persönlichkeiten des französischen Hofes. Im Olassaale erinnern 
die Portraits Karls VI., Friedrichs des Grossen, des Ratspräsidenten von Haunold, des ,\\inisters 
Schlabrendorff etc. an die Geschichte Schlesiens in der Zeit, wo seine Glasindustrie blühte. Das sind 
Anfänge, um die Sammlungen lebendig zu machen, um den Zusammenhang von Dingen und Menschen 
einer bestimmten Zeit recht deutlich zu zeigen, und ein weiterer Schritt zur Ausgestaltung unseres Museums 
zu einem Landesmuseum für Schlesien. Hätten wir die entsprechenden Räume, so könnte unser Museum 
jetzt schon für einzelne Epochen geschlossene Kulturbilder als Hintergrund für die kunstgewerblichen 
Sammlungen aus Schlesien geben. 

RESTAURIERUNGSARBEITEN 

Im Jahre 1879 hatte das Museum schlesischer Altertümer von der Barbarakirche den sog. Barliara- 
altar vom Jahre 1447 als Depositum übernommen. Schon damals befand sich dieses Hauptwerk der 
schlesischen Tafelmalerei des 15. Jahrhunderts in einem wenig erfreulichen Zustande, der im Laufe der 
Zeit sich rasch verschlimmerte. So ging mitten durch das Haupthild und die Figur der hl. Barbara 
ein grosser Riss. Im Jahre 1902 erklärte ein Sachverständigen-Gutachten, dass es höchste Zeit zur Rettung 
des Altares sei. Da die Stadt die Restaurierungskosten im Betrage von 2500 Mark nur dann bezahlen 
konnte und wollte, wenn der Altar in ihr Eigentum überginge, wurde dieser von der Barbara-Gemeinde mit 
Genehmigung tier kirchlichen und staatlichen Behörden um einen massigen Preis an die Stadt abgetreten. 
Die Wiederherstelluugsarbeiten wurden Professor Hauser in Berlin übertragen, der sie im Jahre 1903 
beendigte, Wemi es auch nicht möglich war, alle Veränderungen, welche die Zeit in den Farben her\'or- 
gerufen hat, wieder rückgängig zu machen, so prangt doch das Werk jetzt wieder in herrlicher Schönheit 
und ist aus einem Schmerzenskinde des Museums eine seiner grössten Zierden geworden. 

24 



186 

VERMEHRUNG DER SAMMLUNGEN 

1. URGESCHICHTLICHE SAMMLUNG 

A,wei wertvolle Depotfunde der jüngeren Bronzezeit wurden dem Museum in diesem Jaiire 
zugewendet. Der eine, aus Rohow, Kreis Ratibor, ist schon vor 25Jaliren gemacht und nach einem Bericht 
des Oberstleutnants a. D. Stöckel von A, Voss in den Berliner Verhandlungen (1881 S. 106, Taf. III) 
besprochen worden. Er besteht aus 7 glatten und 5 verzierten Handgelenkringen, 28 torquierten Oberarm- 
ringen, einer gehenkelten Schale und der verzierten Achsenkapsel eines Wagenrades alles aus Bronze. 
Der Besitzer des Fundes, Fürst Karl Max von Lichnowsky, hat die Güte gehabt, diesen Fund erst 
depositarisch, dann bei Gelegenheit eines Besuches im Museuni endgültig zu überweisen. Der andere 
Bronzeschat/ wurde im Februar 1904 in Karmine, Kr. Militsch zutage gefördert. In einem Tongefässe 
lagen 12 Hohlkelte, Q Sicheln, 9 Handgelenkringe, 5 Oberarmringe, eine dreigliedrige Pferdezaumkette, 
2 Seitenstangen von einem Pferdegebiss, eine lange Röhre von einem Pferdeschnuick, eine Gewandnadel, 
eine Brillenfibel und 5 Stück Rohbronze. Was dem Funde noch ein erhöhtes Interesse verleiht, ist die 
Tatsache, dass auf derselben Feldmark früher schon zwei ähnliche grosse Depotfunde und ein ausgedehntes 
Gräberfeld entdeckt worden sind. Gleich den früheren Funden wurde auch der neue von dem Grund- 
eigentümer, Herrn von Sa lisch auf Postel in hochherziger Weise dem Museum zum Geschenk gemacht. 

Geschenke gingen ausserdem ein von den Herren Rittergutsbesitzer von Diebitsch auf Cunzen- 
dorf, Kr. Sprottau: Grabfund der Hallstattzeit aus Cunzendorf; Güterdirektor Greulich in Kreike: Grabfunde 
der Bronzezeit aus Weigwitz, Kr. Breslau; Pastor Heyse in Paschkerwitz: Wohnstättenfunde, frühmittel- 
alterlich, aus Zedlitz, Kr. Trebnitz; Lehrer Heil mann in Neuhatnmer, Kr. Lüben: grosse Steinaxt aus 
Kotzenau; Inspektor Henker in Koiskau, Kr. Liegnitz; Steinaxt aus Koiskau; Kantor Hoffbauer in 
Klein-Leubusch: Grabfund der römischen Kaiserzeit aus Malkwitz, Kr. Breslau; Freistellenbesitzer Jarras 
in Grünhübel, Kr. Breslau: 3 grosse in einem Grabe gefundene Urnen mit den verbrannten Gebeinen von 
mindestens b Individuen, Bronzezeit ?, aus Grünhübel; Pastor Jedzek in Striegau; frühmittelalterliche 
Scherben mit ankerförmiger Bodenmarke aus Striegau; August Kirchner in Heidersdorf: Wohnstätten- 
funde, frühmittelalterlich, aus Wilschkowitz, Kr. Nimptsch, Skelettreste aus Reihengräbern, Heidersdorf, 
Kr. Nimptsch; Kaufmann Fritz Kluge in Breslau: Steinaxt aus Breslau; Amtsvorsteher Koch in Quaritz: 
Steinaxt aus Quaritz; Postagent Laeder in Peisterwitz: Funde vom Ritscheberg; Dr. Postler in Rankau; 
neolithische Scherben aus Strachau, Kr. Nimptsch und Grabfund der Bronzezeit aus Michelsdorf, Kreis 
Schweidnitz; Förster Ratsch in Dürrhartau, Kr. Nimptsch: Steinaxt aus Dürrhartau; Gymnasialdirektor 
Dr. Reinhardt in Wohlan: eiserner Halsring der Hallstattzeit aus Wohlan; Direktor Scholtz in Tinz, 
Kr. Breslau: Funde aus Reihengräbern auf dem Kreuzberge bei Tinz; Karl Scholz in Hundsfeld: Steinaxt 
aus Hundsfeld; Lehrer Stenzel in Zantkau, Kr. Trebnitz: Grabfund der Hallstattzeit aus Zantkau; 
Scholtiseibesitzer Walter in Seifersdorf, Kr. Liegnitz: 3 Grabfunde der Hallstattzeit aus Seifersdorf; 
Dr. phil. Will in Guben: Grabfund der Hallstattzcit mit 6 Bronze-Pfeilspitzen, tönerne Votivaxt, Skelett aus 
einem Reihengrabfeld, Hünern, Kr. Trebnitz (vgl. Niederlaus. Mitteil. Bd. VII); ferner von der Garten- 
direktion in Breslau: Grabfunde der Hallstattzeit von der Schwedenschanze bei Breslau; vom K. K. Natur- 
historischen Hofniuseum in Wien: Nachbildungen von. zwei Fundstücken aus Österr.-Schlcsien. 

Durch Kauf (teilweise als Geschenk des Museumsvereins) wurden n. a. erworben: 20 Steinäxte 
von verschiedeneu Fundorten, eine Feuerstein-Speerspitze aus Mlietsch, Kr. Nimptsch; eine Sannnlung meist 
neolithischer Fundstücke aus Kreuzendorf, Kr. Leobschütz; ein 38 cm langes sehr schönes Bronzemesser 
aus Cantersdorf, Kr. Brieg; endlich eine Auswahl von Nachbildungen typischer Stein- und Knochengeräte 
aus den verschiedenen Perioden der älteren Steinzeit in Frankreich. 

Von den durch Ausgrabungen des Museunis Vereins gewonnenen Funden wurden nach 
erfolgter Konservierung und Restaurierung folgende inventarisiert und aufgestellt: 

Steinzeit. Jordansmühl, Kr. Nimptsch: 30 Skelettgräber, 18 Wohngruben, viele Finzelfunde; 
Marschwitz, Kr. Ohiau: 22 Skelettgräber (vgl. S. 27 ff.). 



187 



Bronzezeit. Domslau, Kr. Breslau: Skelettgrab; 
Weigwitz, Kr. Breslau: 3 Brandgräber; Jordansmülil, Kreis 
Nimpfsch, Niedenführsches Feld 4, Schichkesches Feld 
2 Brandgräber; Petersdorf, Kr. Nimptsch: 4 Brandgräber. 

Hallstattzeit. Jordansmühl, Kreis Nimptsch, 
Niedenführsches Feld 2, Klosesches Feld 8 Gräber; 
Oiirrhartau, Kr. Nimptsch: 3 Gräber; Karmine, Kreis 
Militsch: 163 Gräber; Kathol. Hammer, Kf- Militsch: 
2 Gräber; Olieschwitz, Kr. Militsch: 16 Gräber; Ougel- 
witz, Kr. Militsch: 6 Gräber; Steffitz, Kr. Militsch: 

4 Gräber; Beschine, Kr. Wohlau: 38 Gräber; Gross- 
Osten, Kr. Guhrau: 3 Gräber, Einzelfunde; Ransen, 
Kr. Steinau: 3 Gräber; Beichau, Kr. Glogau: 12 Gräber; 
Kreidelwitz, Kr. Giogau: 3 Gräber; Kuttlau, Kreis Glogau: 
12 Gräber; Neukirch, Kr. Liegnitz: 1 Grab. 

Vorrömische Eisenzeit. Samitz, Kr. Glogau: 

5 Brandgräber; Wittgendorf, Kr Sprottau: 2 Brandgräber. 

Römische Zeit. Marschwitz, Kr. Ohlau: Braiid- 
grab lutd Wohngrube (vgl. S. 39); Dankwilz, Kr. Nimptsch : 
Wohnstättenfunde; Krehlau, Kr. Wohlau: Wohnstätten- 
funde; Lerchenberg, Kr. Glogau: 4 Brandgräber und 
Einzelfunde. 

Slavische Zeit. Rudelsdorf, Kreis Nimptsch: 
20 Skelettgräber; Marschwitz, Kr. Ohlau: 2 Wohngruben 
(vgl. S. 39). 

Im ganzen betrug der Zuwachs der urgeschicht- 
lichen Sammlung 1585 Nummern. 

An wissenschaftlicher Bedeutung obenan stehen 
unter diesen Funden die des steinzeitlichen Wohn- und 
Begräbnisplatzes von Jordansmühl. Ein besonders reich 
ausgestattetes Skelettgrab wurde von Herrn Prof. Dr. 
Thilenius mit ebensoviel Mühe wie Geschick in der 
ursprünglichen Lage wiederhergestellt und bildet nunmehr 
eine der grössten Merkwürdigkeiten der prähistorischen 
Sammlung. Vgl. die nebenstehende Abbildung. 

Als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter war bei den 
Inventarisierungsarbeiten zeitweilig Herr stud. rer. nat. 
Szimanski tätig. 

Eine beträchtliche Anzahl von Fundstücken wurde 
Berlin abgegeben. 




Steinzeitliches Grab aus Jordansmühl 
an das Konigl. Museum für Völkerkunde in 



2. MÜNZKABINETT 

üer Zuwachs der schlesischen Sammlung betmg 3 Goldmünzen, 14 Silbermünzen, 1 Messing- 
marke, 21 silberne und 11 andere Medaillen. Bemerkenswert sind: 

Fürstentum Neisse. Balthasar von Promnitz. Dukat 1546. Friedensburg u. Seger Nr. 2533. 
Jägerndorf. Georg Friedrich. Taler 1577. Friedensburg u. Seger Nr. 3256. 
Ampringen, Joh. Caspar v. ' j Sterbetaler 1684. Friedensburg u. Seger Nr. 3661. 
Kauerliase, Matthes, Stempelschneider in Breslau. Talerförmige Medaille von 1623 mit 

inibekanntem Wappen. Vgl. Friedensburg u. Seger Nr. 3742/43. 
Friede zu Hamburg 1762. Silberne Medaille von Georgi. Friedensburg u. Seger Nr. 4443. 

24» 



188 

Ausserdem wiircie der Münzfiind von Klei n- Seh lause erworben, dessen Heselireibnng in 
diesem Bande S. 62 f. entlialten ist. 

Für die aiisser-sehlesische Sammlung stiftete Frau Jenny Sclilesinger in Oieiwitz eine Kollektion 
deutscher Reichsmünzen in Gold und Silber sowie einen Doppelgulden auf die silberne Hochzeit des 
österreichischen Kaiserpaares von 1902. 

Geschenke erhielt das Kabinett ferner von Herrn Kaufmann Dehmel in Neusalz; Frau Jenny 
Schlesinger in Qleiwitz; von der Handelskammer in Ureslau; vom Evang. Oenieinde-Kirchenrat 
in Leobschütz, und von der Schles. Aktiengesellschaft für Bergbau und Zinkhütten betrieb 
in Lipine. 

Besonders erfreulich ist es, dass in dieseiu Jahre wieder einmal zwei schlesische Medaillen von 
künstlerischem Wert erschienen sind. Es sind dies die von der Breslauer Handelskammer ihrem bisherigen 
Präsidenten Herrn Geh. Kommerzienrat Leo iVlolinari, und die von den Mitgliedern des Breslauer 
Magistrats Herrn Oberbürgermeister Dr. Georg Bender und seiner Gemahlin zur silbernen Hochzeit 
dargebrachten Medaillen. Beide sind nach Modellen von Bildhauer Ernst Seger in Ouss hergestellt. 
Die Bender-Medaille ist auf S. 202 und 210 abgebildet. 



3. KULTURGESCHICHTLICHE SAMMLUNG 

L)ie bedeutendste Erwerbung dieses Jahres ist das im Jahre 1734 begonnene Stammbuch des 
Breslauer Warenmaklers David Jänisch. Es ist aus einem holländischen Antiquariat, in das es mit 
der Bibliothek eines englischen Bücherfreundes gekommen war, für den Preis von 3000 Mark seiner Heimat 
zurückgewonnen worden. Dieser hohe Preis wird durch den einzigartigen ortsgeschichtlichen und künst- 
lerischen Wert des Buches gerechtfertigt. Sein einstiger Besitzer hat den guten Einfall gehabt, sich von 
jedem seiner Freunde ein von Künstlerhand ausgeführtes Pergamentbildchen stiften zu lassen, dessen Gegen- 
stand entweder eine allegorische Darstellung oder eine Breslauer Ansicht oder eine das Tun und Treiben 
seiner Zeit und seines Kreises veranscliaulicliende Oenreszene war. Die auf diese Weise entstandenen 
35 noch völlig farbenfrischen Miniaturen — 4 kamen erst später hinzu — sind eine wahre Fundgrube für 
die Kulturgeschichte unserer Stadt. Sie lehren uns ausserdem einen liebenswürdigen, bisher beinahe un- 
bekannten Breslauer Maler kennen, denn es hat sich feststellen lassen, dass sie sämtlich von einem Johann 
George Wagner herrühren, der bei seinen Zeitgenossen gemeiniglich „der Maler in den sieben Kurfürsten" 
hiess. Eine vorläufige Besprechung des Stannubuchs brachte die Schlesische Zeitung vom 6. Septciuber 
und 7. Oktober 1903 (Nr. 625 und 703). 

Einen grossen Umfang nahmen die Erwerbungen von schlesischen Bauerntrachten ein. Das Museum 
besass bereits eine ansehnliche Sammlung jener kleidsamen, aus buntfarbigen Seiden- und Brokatstoffen ge- 
fertigten, mit Bändern und Spitzen besetzten Hauben, die von den schlesischen Bäuerinnen bis vor einem 
Menschenalter allgemein getragen wurden. Sie weisen eine ausserordentliche Mannigfaltigkeit in Farbe, 
Schnitt und Muster auf, was sich daraus erklärt, dass sie nicht bloss nach Alter, Stand und Gelegenheit 
bestimmte Abweichungen zeigen mussten, sondern auch fast in jedem Dorfe verschieden waren. Eine in 
diesem Jahre angekaufte Sammlung von 30 Hauben, die Herr Georg Krause in Hirschberg aus den 
Kreisen Schönau, Löwenberg und Hirschberg zusammengebracht hatte, zeichnet sich durch aussergewöhuliche 
Schmuckheit und Altertümlichkeit, vor allem aber durch genaue Herkunftbestimmung der einzelnen Exemplare 
aus. Dazu kam noch eine grosse Sammlung von einzelnen Bändern und Tressen und mehrere seidene 
biuit gemusterte Brusttücher. 

Von Bauernhausrat wurden drei durch Trefflichkeit der Benialung und gute Erhaltung hervor- 
ragende Kleiderschränke erworben, einer aus Flachenseiffen, Kr. Löwenberg, von 1714, zwei aus Tannhausen, 
Kr. Waidenburg, von 1779 und 1819; ferner eine Truhe aus Wüstegiersdorf, Kr. Waidenburg und verschiedene 
Kleinigkeiten. Endlich konnte ein längst gehegter Wunsch erfüllt werden: die Erlangung einer vollständigen 
Bauernstube mit Täfelung und Decke. In Schlesien zählen solche Zimmereinrichtungen jetzt schon 
zu den grössten Seltenheiten und es ist vorauszusehen, dass in wenigen Jahren überhaupt keine mehr zu 



189 



fiiulcM sein werden. Als sich daher Gelegenheit bot, in Krunnnhübel im Riesengebirge 
ein Eck/imnier dieser Art zu erwerben, zögerte die Direktion nicht, zuzugreifen obwohl 
bei den jetzigen Raumverhältnissen des Museums keine Möglichkeit war, es in absehbarer 
Zeit aufzustellen. Das Krummhübler Zimmer stammt aus der 2. Hälfte des IS Jahrhunderts 
Die Wände sind mit Holz verkleidet und ebenso wie die Schiebeläden der Fenster mul 
die Vorderseiten der ringsiinilaiifenden Bänke mit Landschaften im f<okokogeschmack 
bemalt, iiemalung zeigen auch die eingebauten Schränke und Bordbretter sowie die 
Balkendecke. Doch hat die ständiue Benutzung des Raumes die Farben vielfach ver- 
wischt, so dass eine Restaurierung unabweisbar ist. 

Für die InstrumentensammUing wurden zwei interessante Uhren angekauft 
Die eine ist eine grosse zylindrische Reiseuhr vom Ende des 16. Jahrhunderts mit ring- 
förmigem Zifferblatt aus Zinn und Gehäuse aus vergoldetem Messing. Dieses ist aui 
allen Seiten durch Gravierung und sternförmige Durchbrechungen aufs reichste verziert 
Auf der Seitenfläche sind Medaillons mit allegorischen Figuren, Masken u dgl auf dei 
Unterseite ist ein Brautpaar in spanischer Tracht dargestellt. Im Innern findet sich die 
Meistermarke: G.G.W. Dazu gehört ein hölzernes, mit braunem Leder überzogenes 
und mit zieriichen Messingbeschlägen versehenes Futteral. Der Orossvater der Vor- 
besitzerin, ein Landwirt im Schweidnitzer Kreise, hat diese Uhr im Sitzkasten einer 
Kalesche gefunden, die er einst bei der Versteigerung eines adeligen Besitzes erstanden 
hatte. - Die andre ist eine sogen. Stock- oder Rolluhr, die ohne aufgezogen zu werden 
nur durch ihr eigenes Gewicht getrieben wurde, indem man sie mit vertikal bleibendem 
Zeiger von einer schiefen Ebene herabrollen liess. Diese künstliche Art von Uhren war 
besonders um die Mitte des 17. Jahrhunderts beliebt.'. Unser Exemplar ist aus ver- 
goldetem Messing mit silbernem Zifferblatt und feiner Gravierung geschmückt Als 
Verfertiger nennt sich „Andreas Kraus Schweidnitz 156." 

Unter den Zugängen der Waffensammlung ist das Hauptstück ein bis auf 
die fehlende Spitze vorzüglich erhaltenes Schwert, das vor Jahren in Marschwitz, Kreis 
Ohlau gefunden und bei Gelegenheit der dortigen Ausgrabung (vgl. S. 39) von Herrn 
Rittmeister a. D. von Eicke dem Museum geschenkt worden ist. Der pilzförmige 
Knauf von oblongem Querschnitt, der kurze Griff, der zum Umspannen des Knaufes 
notigt, die kur.c, dicke l'arierstange, die breite, wenig verjüngte Klinge mit der auffallend 
breiten Blutrinne, alle diese Merkmale verweisen das Schwert noch ins 11. Jahrhundert 
Es ist das älteste mittelalteriiche Schwert, das nnsre Sammlung bisher besitzt Ferner 
wurden erworben ein Jagdbesteck mit verziertem Lederfutteral von 1753; ein Steinschloss- 
Karabmer bez. „Christian r^.isch in Breslau"; ein Paar französische Steinschloss-I'istolen 
aus napoleonischer Zeit; ein preussischer Tschako aus den Befreinngskrieaen (Geschenk 
von Frauleiii Auguste Altmann in Breslau); ein Satz von 32 Zinnsoldaten die als 
treue Nachbildungen verschiedener preussischer Truppengattungen aus der Zeit von 
1816 26 iimformgeschichtlichen Wert haben (Geschenk von Frau Pufke und Herrn 
Referendar Schlawe in Breslau). 

Als Geschenkgeber für die kulturgeschichtliche Abteilung sind ausserdem zu 
nennen: die Herren Kaiseri. Staatsrat Exz. von Essen, Adolf Freyhan Dr Erwin 
Hintze, Dr Kern, Lehrer Noch. Julius Neumann, Dr.Seger, Referendar Schlawe 
und Frau Geh. Medizinalrat Wolff in Breslau; Kaufmann Eberle in Strehlen ■ Mühlen- 
besitzer Kuhni in Ulleisdo,., Kreis Striegau; Dr. Meutzel in Durango (Colorado)- 
Dr. Albert Schottky in Neis.se (t); der Magistrat zu Breslau mul der Verein für 
das Museum sclilesischer Altertümer. 




V 



Schwert 
aus Marschwitz 



■) liii historischen Museum der Stadt Olmütz befindet sich eine solche Uhr von 164S in de 
Kon.gl. Mathematisch-physikalischen Sammlung zu Dresden eine von 1665. 



100 

4. DIE SAMMLUNG DES ALTEN KUNSTGEWERBES 

0)'Steniatisch wurden in diesem Jahre besonders schlesische Miniaturporträts gesammelt, wozu die 
Ausstellung von Miniaturmalereien aus schlesischem Besitze oder schlesischer Herkunft manche Gelegenheit 
bot. Fortgesetzt wurde auch die Erwerbung schlesischer Zinnarbeiten, mit der im Jahre vorher begonnen worden 
war. Es zeigt sich dabei, dass im 16. — 18. Jahrhundert sehr viele Städte Schlesiens blühende Zinuindustrien 
hatten. Eine weitere Gruppe, deren Komplettierung wir uns angelegen sein Hessen, ist die der Empire- 
und Biedermeiermöbel, bei denen wir uns auch vorwiegend auf die einheimischen Nuancen beschränkten. 
Zu den Breslauer Goldschmiedearbeiten kamen wieder einige bemerkenswerte Stücke hinzu. 

Archifekturteile: 

Wap]5en der Hell von Hellenfeldt, wahrscheinlich des Benjamin Hell (geb. 10. I?. 1625), der am 17. Januar 1660 
mit dem Prädikate „von Hellenfeldt" in den Adelsstand erhoben wurde und als Kaiserl. Rat am 
14. Mai 1697 in Breslau starb. Aus Sandstein. Gefunden zwischen der Hüben- und Lelimgruben- 
strasse in Breslau. (Geschenk der Vorkosthändlerin Frau Ho ff mann.) 

Malerei: 

Der Barbara-Altar vom Jahre 1447. Siehe S. 185. 

Bilder aus altem städtischen Besitze, darunter die Porträtgalerie des Thomas Rhediger. Siehe S. 185. 
(Überwiesen vom Magistrat.) 

Möbel und Holzschnitzereien: 

Kleiderschrank, Nussbauniholz, sog. Danziger. Zweitürig, stark profiliert. Ausgezeichnetes Stück 

17. Jahrh. Norddeutschland. 
Schrank aus Eichenholz, zweitürig, innen mit Schubladen, aussen eingelegt. Um 1730. Stammt aus Jauer. 
Kommode, schachbrettartig eingelegt in Zedernholz, auf hohen Beinen, mit zwei Schubladen. Rokokostil. 

Schlesien. 
Toilettentisch aus Mahagoniholz in Form eines Schreibsekretärs. Stil Ludwigs XVI. Schlesien. 
Kommode, Mahagoniholz mit reichen Bronzebeschlägen und grauer Marmorplatte. Die oberste der vier 

Schubladen ragt hervor und wird von zwei Säulen getragen. Anfang des 19. Jahrh. Deutschland. 
Klapptischchen mit runder Platte, Mahagoniholz mit Fadeneinlagen aus weissem Ahorn. Anfang des 

19. Jahrh. Schlesien. 
Nähtisch, Mahagoniholz mit Intarsien und Fadeneinlagen aus weissem Ahorn. Der Fuss in Form einer 

Lyra. Um 1825. Breslau. 
Ausziehtisch, rund, Mahagoniholz mit Fadeneinlagen aus weissem Ahorn. Um 1830. Schlesien. (Geschenk 

des Musen ms- Vereins.) 

Lehnstuhl, helles, künstlich dunkel gefärbtes Holz. In geschwungenen Formen der Biedermeierzeit. 

Schlesien. 

Antike Keramik: 

Grabf igü rchen, sog. Ushabti, aus gebranntem Ton, zum Teil glasiert. 48. Stück. Die Figürchen wurden 

als Beigaben in Mumiengräbern gefimden. XIX.— XXIII. Dynastie. Ägypten. (Geschenk des 

Herrn Geheimrats Dr. Orempler.) 
Deinos, halbkugelförmig, aussen und innen mit schwarzem Lack überzogen, am Halse und oben am 

Rande Streifen mit Tierdarstellungen und Ruderschiffen in Schwarzmalerei auf rotem Grunde. 

6. Jahrh. v. Chr. Attisch. 

Steinzeug: 
Krug mit Zinndeckel, von hoher bauchiger Form mit kurzem Halse und wal/enfonnigcr Ausgussdille. 

Glasur bräunlich grau, bemalt mit Blume uiul Vogelpaar in dunkelblauer Kobaltglasur, Zinndeckel 

datiert 1769. Nassau. (Geschenk des Museums-Vereins.) 

Fayence: 

Ofen, weiss glasiert, auf den einzelnen Kacheln und Gesimsteilen in Relief blau getönte Rokoko-Kartuschen. 
Lim 1750. Stammt aus einer Wassermühle zu Hartenbcrg im Riesengebirge, in der einige Zimmer 



191 

als Absteigequartier für die Grafen von Schaffgotsch eingerichtet waren; darauf deutet u. a. das 

als Ofenaufsatz dienende Lamm als Wappentier der Schaffgotsch. (Geschenk Sr. Exzellenz des 

Herrn Staatsrats von Essen.) 
Deckelvase mit farbigem, plastisch aufgelegtem Blumen- und Blätterschmuck und fünf Gruppen Rokoko- 

Chinoiserien in Malerei. Signiert P. 18. Jahrh. Proskau. 
Dose in Form eines sitzenden Rebhuhns. Bunt bemalt. Signiert P. 18. Jahrh. Proskau. 
Dose in Form eines Rebhuhns auf einer Blattschüssel mit plastischem Blumendekor. Bunt bemalt. Signiert 

D. P. 18. Jahrh. Proskau. 
Terrine in Form einer Ente auf einem Teller mit plastischem Blumen- und Fruchtschmuck. Bunt bemalt. 

Signiert D. P. Um 1775. Proskau. (Geschenk des Herrn Max Pringsheim.) 
Frühling und Herbst. Bunt bemalte grosse Figuren. Signiert P. 18. Jahrh. Proskau. 
Sog. Fingervase aus hellgelber Steinzeugmasse. Signiert „Proskau". Um 1800. (Geschenk des Herrn 

Stadtrats P. Oiesel.) 
Salzgefäss in Form einer sitzenden weiblichen Figur, die ihre Schürze als Napf ausgebreitet hält. Bunt 

bemalt. 18. Jahrh. Nicht signiert, jedoch, ebenso wie das folgende Stück mit ziemlicher Sicherheit 

der Fabrik von Holitsch zuzuweisen. 
Dose in Form einer sitzenden Bauersfrau, die ein Wickelkind im Arme hält. Bunt bemalt. 18. Jahrh. 

Holitsch. (Geschenk des Herrn Dr. jur. Paul Heimann.) 

Deckeldose in Form eines Mopses, der auf einem Kissen ruht. Bunt bemalt. Signiert G. F. (Glinitzer 

Fabrik), bisher unbekannte Marke in blau unter Glasur. 18. Jahrh. Glinitz. 
Krügel mit blauen Streublumen auf weissglasiertem Grunde. 18. Jahrh. (Geschenk des Herrn C. Sperling.) 

Schüssel mit Gartenlandschaft und Pfau in Blaumalerei auf weissglasiertem Grunde. 18. Jahrh. (Geschenk 
des Herrn C. Sperling.) 

Porzellan: 

Überdekorateure: Teller mit quadratischem Bilde im Spiegel, darstellend Bacchische Szene in eisen- 
rotem (^amaieu. Am Rande bunte Blumen. Chinesisches Porzellan. Rückseitig signiert: Wratis: 
to 1728 Mens. Marti A. Bottengruber f. Gehört zu der Folge, von der unser Museum bereits drei 
Teller besitzt. Vgl. Schles. Vorz. N. F. II. S. 143 f. — Tasse und Untertasse, ein Paar. Chinesisches 
Porzellan mit Marke, farbig bemalt mit Bandelwerk, Früchten und kleinen Veduten, wahrscheinlich 
von Bottengruber. Teller, im Spiegel grosses Bild, darstellend den Zug der Oalatea, in Gold- 
umrahmung mit kalligraphischen Schnörkeln, am Rande vier bunte Blumen. Meissener Porzellan. 
Unbekannter Maler. Um 1730. — Spülnapf und zwei Tassen mit Untertassen, Meissener 
Por/ellan mit bunter Malerei, auf dem Spülnapf Neptun, auf den Tassen Qenreszenen. Um 1730. — 
Tabakspfeifenköpfchen, bemalt mit Laub- und Bandelwerk und einer Landschaft mit drei 
Putten, Um 1730. 

Berlin: Jäger in Rokokotracht, farbig bemalt. Signiert W = Wilhelm Caspar Wegeli. Um 1753. — Deckel 
terrinc und Untersatz mit vergoldeten Reliefs an den Rändern. Je zwei Felder der Terrine, des 
Deckels und Tellers tragen Eisenrotmalereien mythologischen Inhalts. Prachtstück. Um 1765. — 
Pfeifenkopf mit langem Kopf und dünnem Halse, farbig bemalt mit einem (unbestimmten) 
Wappen. Um 1820. (Geschenk des Herrn Dr. Erwin Hintze.) — Tasse und Untertasse 
mit zwei Ansichten von Reichenbach in Schlesien. Datiert 30. September 182S. (Geschenk des 
Herrn Regierungsrats Wagner.) 

Frankenthal: Putto, wenig bemalt, nackt, sitzt in schwebender Haltung auf einem Sockel in Rokoko- 
formen. Um 1770. 

Fulda: Kaffeeservice bestehend aus 6 Tassen mit Untertassen, zwei Kännchen, einer Butterdose und 
einer Zuckerschale. Farbig bemalt mit grossen Blumen. 18. Jahrh. (Depositum Sr. Eminenz des 
Herrn Kardinals Fürstbischofs Dr. Kopp.) 



1Q2 

Wien: Zuckerdose mit niiideiii Henl<el, niif drei Löwenfüssen, mit einer Meerlandscliaft und (irientalisclien 
Figuren in Scinvarzlotmalerei. Um 1730. — Tasse mit Untertasse, Tasse zylindrisch nnt 
eckigem Henkel. Bemalt in Sepia mit Putten, die Untertasse mitVenus, die Amor seiner Waffen 
beraubt. Der Grund rosa violett. Um 1800. 

Glas: 

Flasche mit zwei Henkeln, sehr schön in Form und Irisierung. Antik. 

Fläschchen mit einem Henkel, azurblau. Der Henkel und je ein schmales Band am Boden und Halse 

aus opaker, elfenbeinweisser Glasmasse. Römisch. Gefunden in Köln. 
Willkomm, zylindrisch. In farbiger Emailmalerei ein von heraldischen Löwen gehaltener Schild mit dem 

Wappen der Kürschner-Zunft und Inschrift. Datiert 1678. Stammt von der Kiirschner-Iminng zu 

Reichenbach in Schlesien. 
Spinn wirtel aus gelbgrünem Glase mit Punkten und Sternchen in farbiger Emailmalerei. Datiert 1687. 

Gefunden in Heidersdorf, Kr. Nimptsch. (Geschenk des Herrn Direktors Dr. Seger.) 
Spinn wirtel aus grünlichem Glase, bemalt mit Punkten, Sternchen mid Kreisen in farbiger Emailmalerei. 

17. Jahrh. Gefunden im Kreise Militsch. (Geschenk des Museums-Vereins.) 

Gläser, 2 Stück, auf gedrehtem Stiel. Mit Landschaften in Schwarzlotmalerei, sog. Schapernianier. Um 1700, 

(Vermächtnis des Herrn Dr. Albert Schoftky, Neisse.) 
Spülnapf und Becher aus Rubinglas. 18. Jahrh. (Geschenk des Herrn Dr. phil. Kern.) 
Deckelpokal mit reichem Blattwerk und dem Wappen des Kaspar von Soder und seiner Gemahlin Rosalia 

von Banowski in Zwischenvergoldung. Um 1740. Schlesien. 
Becherglas, in Zwischenglastechnik, am Mantel ein bisher noch nicht bestinnntes geistliches Wappen. 

oben am Rande die Inschrift „Reverendissimo D. D. Johanni Bapt: II. Abb.: Patri gratiosissimo — 

'A. Filio indig. Ferdinande Karl." Innen am Boden Johannes der Täufer. Am Mantel vom 

Wappenmedailion ausgehend Girlanden in Diamantritzung. Signiert: Mildner fec a Guttenbrunn 17QQ. 
Deckelpokal, graviert mit Darstellung einer Jagdszene und Inschrift. Die Form des Schaftes weist auf 

Sachsen hin. Lim 1750. 
Becherglas, dickwandig, graviert in Tiefschnitt mit Weinkeller-Szene, Blumen, Früchten und Inschrift. 

Um 1700. Schlesien. 
Deckelpokal, graviert mit dem Breslauer Stadtwappen und Laub- und Bandelwerk. Um 1725. Schlesien. 
Deckelpokal, mit sehr fein gravierter Darstellung einer Reitschule nach dem Stiche von Rugendas. Das 

Museum besitzt bereits einen niedrigen Deckelpokal mit dieser Darstellung. Die Zeichmmg des 

Ornamentes weist beide derselben Fabrik zu. Um 1740. Schlesien. 
Pokal mit vielkantigem Kelch, graviert mit einer Ansicht der Schlacht bei Soor am 30. September 1745. 

Schlesien. (Geschenk des Herrn Dr. phil. Kern.) 
F'okal, graviert mit Ansichten von Breslau, Landeshut, Hirschberg, Warmbrunn, Schneekoppe und Kynast. 

18. Jahrh. Schlesien. (Geschenk des Herrn Dr. phil. Kern.) 

Deckelpokal mit Ansichten der Landecker Bäder und Wappen des Abtes Constantinus von LIeimichau. 

1777. Schlesien. 
Deckelpokal in der üblichen Form der schlesischen Rokokogläser, graviert mit einem jungen Paare. 

Um 1760. Schlesien. 
Pokal in der üblichen Form der schlesischen Rokokogläser, graviert mit vier allegorischen Figuren, 

darstellend die goldene, silberne, eherne und eiserne Zeil, reichem Rokailleornament und einem 

kleinen Wappen. Um 1760. Schlesien. (Geschenk des Museums-Vereins.) 
Deckelpokal, graviert mit Kriegstrophäen, Kartuschenwerk, dem Medaillonbildnis Friedrichs d. Grossen und 

der Inschrift: ,,Es lebe durch des Himmels gnade ein Kiinig, der uns schützen kau so schlägt 

Er mit der Wach-Parade | noch allzeit 80000 Mann." Bezüglich auf die Schlacht bei Rossbach 

am 5. November 1757. Schlesien. 
Pokal, graviert mit einem Phantasie- Wappen, einem Herz, Blumen und Inschrift. Ende des 18. Jahrh. 

Schlesien. (Geschenk des Herrn Dr. phil. Kern.) 
Becherglas mit Fuss, dickwandig, graviert in Tiefschnitt mit einer Jagdszene. Um 1830. Schlesien 



193 

F5ecli erglas mit annagelbeni Dekor und Gravierung. Um 1830. Schlesien. 

Beclierglas, aussen weiss überfangen und reihenweise kreis- und sternförmig ausgeschiiffen. Um 1840. 

Reinerz (?). 

Goldschmiedearbeiten : 
Deckelkanne aus Silber mit Vergoldung, tonnenförnn'g, vertikal in acht Buckel geteilt, auf die vier 

figürliche Darstellungen und vier Wappen graviert sind. Aus den Wappen ergiebt sich, dass die 

Kanne zur Vermählung des Freiherrn Johannes Friedrich von Nimptsch mit der Gräfin Maria 

von Hoberg auf Fürstenstein und Rohnstock im Jahre 1648 verfertigt worden ist. Breslauer Beschau- 

und Mcisterzeiclien H H (in Ligatur) Hans Hartig. 
Straussenei in sehr feiner vergoldeter Silberfassung. Mit Breslauer Beschau- und Meisterzeichen des 

Caspar Pfister. Ende des 16. Jahrh. (Depositum der St. Dorotheen-Kirche, Breslau.) 
Becher aus Silber, graviert n)it derben Blumen. Mit dem Breslauer Beschau- und Meisterzeichen 

H J oder J H. Ende des 17. Jahrh. 
Deckelkaiine aus Silber. Der zylindrische Mantel graviert mit den Brustbildern der 12 Apostel in Rund- 

ntedaillons zwischen Laub- und Baudelwerk. Auf dem Deckel die Brustbilder der vier Evangelisten 

in gleicher Ausführung und ein Wappenschild mit den Initialen A M. Mit dem Breslauer 

Beschau- und Meisterzeichen J C K — Johann Caspar Keyl, der am 27. August 1732 Brcslauer 

Bürger und um dieselbe Zeit Meister wurde. 
Decke Ipokal aus Silber, auf der Mantelfläche des Gefässes und dem Deckel Band und Muschelornament 

in Treibarbeit. Mit dem Breslauer Beschau- und Meisterzeichen C F Caspar Francke, der im 

Jahre 1711 Bürger und Meister in Breslau wurde. 
Qewürzdose aus Silber mit Blumen, Früchten und Ranken in Treibarbeit. Das Beschauzeichen zeigt drei 

Türme, der Meisterstenipel B P. Erste Hälfte des 18. Jahrh. (Geschenk des Fräulein Simmel.) 
Löffelchen aus Silber mit Vergoldung. Laffe eiförmig, teilweise durchlöchert, rückseitig Flecht- und 

Blattwerk, Stiel in Blattwerk ausgehend. In einem Lederetui. 18. Jahrh. 
Kaffeelöffel aus Silber, 2 Stück. Um 1805. 

Kaffeelöffel aus Silber, auf dem Stiel in Relief der Siegeswagen vom Brandenburger Tor mit der Jahres- 
zahl 1814, Berlin. Meisterstempel J F S. 
Mantelschliesse aus Silber mit Vergoldung. Gefunden in Klein Sehlause bei Münsterberg in Schlesien. 

15. Jahrh. Vgl. S. 62 ff. 
Fingerring aus Dukatengold, in Renaissanceform. Der Ring stammt aus der Gruft des Baltzer von Stiebitz 

(t im März 1624) in Wültschkau bei Maltsch in Schlesien. Um 1600. 
Trauring aus Dukatengold, glatt. Gefunden in Wültschkau bei Maltsch in Schlesien. 17. Jahrh. 
Kreuz, als Halsschmuck zu tragen, mit elf Rauten in Silberfassung. Anfang des IQ. Jahrh. 
Ohrringe, ein Paar, aus rötlich vergoldetem Silber, besetzt mit je 6 Rauten. Anfang des 19. Jahrh. 
Siegelring aus Gold double mit grossem Rauchquarz, auf dem ein Wappenschild mit den Buchstaben A. S. 

und Krone eingraviert ist. Um 1850. (Vermächtnis des Herrn Dr. A. Schottky, Neisse.) 

Kupfer, Bronze, Zinn: 

Schöpflöffel, Bron/e, nn't halbkugelförmigem Schöpfer und hakenförmig gebogenem Griff, der in einen 

Entenkopf ausläuft. Antik, griechisch. 
Henkel, 4 Stück mit Masken und l'almetten - Griff in Form eines Eberkopfes — Möbelbeschiag mit 

Schwanenkopf, sämtlich aus Bronze. Antik. 
Mörser, Bronze, imt Inschrift: Bin gössen in Lignitz. Anno 1703. 

Uhrständer, Bronze, zur Aufnahme einer Taschenuhr mit jungem Paar in Rokoko-Tracht, l'm 1750. Schlesien. 
Möbelbescliläge, Bronze, 2 Stück gepresste Reliefs mit klassischen Darstellungen. Lhii 1800. (Geschenk 

des Musen ms- Vereins.) 
Teller, Zinn, mit bildlichen Darstellungen in Relief. Regensburger Beschauzeicheii und Jahreszahl 1564. 
Deckelkanne, Ziim, zylindrisch, graviert mit der Darstellung des Kalvarienberges. Mit dem Jauer'schen 

Beschau- und Meisterzeichen C R. 16. Jahrh. Gefunden in Kauffung, Kr. Schönau. (Geschenk 

des Herrn Major a. D. von Bergmann auf Kauffung.) 

25 



194 

Oeckelkaiine, Zinn, mit neunkantig facettiertem Körper, graviert mit biblischen Szenen. Interessantes 
Beispiel für das Nachleben der facettierten f>otischen Kannen. Am Deckel graviert H. K. 1623. 
Mit dem Olatzer Beschau- und Meisterzeichen B D. 

Teller, Zinn, mit reicher Gravierung. Mit dem Oiatzer Beschau- und Meisterzeichen G H. Um 1650. 

Deckeikanne, Zinn, mit zylindrischem Körper. Meisterzeichen D R K. 17. Jahrh. Schlesien (?). 

Willkomm, Zinn, behangen mit silbernen Gedenkschildchen. Mit dem Strehlener Beschauzeichen. Datiert 
1707. Stammt von der Strehlener Zinnuerer- Innung. 

Eisen : 

Vorlegestechschloss. 10. Jalnli. (Geschenk des Herrn Wirkl. Geh. Kriegsrats Lampe.) 

Miniaturen: 

Friedrich der Grosse, Jugendbildnis. (Geschenk des Herrn Oberinspektors a.D. Birnbaum.) 
Porträts, 10 Stück, gemalt von Gottfried August Thilo in Breslau. Vgl. S. 110 ff. u. 153 f. (Je eins 

davon Geschenk des Herrn Kreisbaumeisters Thilo, des Fräulein Marie Thilo und des Herrn 

Kaufmann Isidor Mamlok.) 
Porträts, zwei Stück, gemalt von Karl Gottlob Sclnneidler in Breslau. Vgl. S. 13b ff. u. 154. 
Joseph Friedrich August Schall, Selbstbildnis. Vgl. S. 140 ff. abgeb. S. 141 Fig. 17. (Geschenk des 

Herrn Direktors Th. Schall, Berlin.) 
Porträt eines jungen Mannes gemalt von A. Zausig in Breslau. Vgl. S. 144 ff. u. 156. 
Porträt eines Offiziers gemalt von Joh. Heinr. Christoph König in Breslau. Vgl. S. 149 f. ti. 157. 
Porträt eines jungen Mannes gemalt von Christian Friedrich Knoefvell in Breslau 1803. Vgl. S. 150 u. 157. 

(Geschenk des Herrn Josef Epstein in Berlin.) 
I'orträt eines älteren Mannes gemalt von Ferdinand Völck in Ratibor. Vgl. S. 146 f. Fig. 26. (Geschenk 

des Herrn Josef Epstein in Berlin.) 
I'orträt einer Dame gemalt von Amalie Pfitzner in Breslau. Vgl. S. 149 Fig. 27. 
Porträt des Johann Ehrenfried Hiller gemalt von Thomas in Sclnveidnitz 1S41. Vgl. S. 147 ti. 157. 
Porträt des Dr. Mattliäi aus Öls. Um 1820. Schlesien. 
Porträt eines jungen Mannes. Signiert Radeniacher p. 1S31. 
Porträt einer Dame in der Tracht der Biedermeierzeit. Signiert Hart... 1834. (Geschenk des Herrn 

Oberinspektors a. D. Birnbaum.) 
Albrecht Weber, Professor für Sanskrit in Berlin, als Stiulent. Silhouette von 1843. (Geschenk des Herrn 

Oberinspektors a. D. Birnbaum.) 
Josef Fürst zu Hohenlohe-Bartenstein, Fürstbischof von Breslau. Relief in Wachs. Um 1800. 

Textiles: 

Spitzen in Filetarbeit. 19. Jahrh. (Geschenk der Frau Dr. Härtung.) 

Brokatstoff, grüner Damast mit goldenem und silbernem Blatt- und Blütenwerk. 18. Jahrh. 

Seidenstoff, karminrot mit palmettenartig angeordnetem Blumenmuster von goldgelber Farbe. Spät- 

Empire. 
Gedeck, bestehend aus Tischtuch und 12 Servietten in Leinendamastweberei. 1737. Danzig (?). (Geschenk 

des Herrn Dr. phil. Kern.) 
I5rustlatz, Goldfadenweberei mit aufgenähten gestickten Blumen. Angeblich von 1683. Aus deni Besitze 

einer Bäuerin in Langheinersdorf. 
fJranttücher, 2 Stück, mit Blumen in Gold und farbiger Seidenfadenstickerei. Ans dem Besitze einer 

Bäuerin in Langheinersdorf. 
Stickerei auf gelber Seide, grosse lose Blumen, Blumenstauden und Früchte in Nadelmalerei. Teil eines 

I^)ckes. Anfang des 18. Jahrh. Schlesien. 
Brusttuch, Tüll mit Blumen und Blattwerk in reicher Goldstickerei. 18. Jahrh. Schlesien. 
Decke, Gaze, hellgrün und rosa gestreift. Anfang des 19. Jahrh. Schlesien. 
Brusttuch, Leinwand mit Silberstickerei. Um 1830. Schlesien. 



195 

Bucheinbände: 

Einband aus rotbraunem Leder mit reicher Pressung in Gold unil Blau. 16. Jahrh. Türkei. 

5. DIE SAMMLUNG DES MODERNEN KUNSTGEWERBES 

Goldschmiedekunst: 

Anhänger aus Silber mit blauen und f^'riinen Olassteinen. Entworfen von Richard Schöder, ausgeführt 
von Tillmann Schmitz in Breslau. 1903. (Überwiesen vom Magistrat.) 

Heilige Caecilie, Figur aus Bronze, in antikem Gewände mit weitfallenden Ärmeln, in der erhobenen 
Rechten eine antike Lampe. Von Ignatius Taschner. (Geschenk des Herrn Melchior Bloch in 
Breslau.) 

Medaillen: 

Medaille, Silber, auf die Deutsche Städteausstellung in Dresden 1903. Von Paul Sturm in Dresden. 

Medaille, Silber, Mariage. Signiert O. Roty 1S95. Paris. 

Plakette, Silber, Prisons de Fresnes-Ies-Rungis. Signiert O. Roty. Paris. 

Plakette, Silber, Salut au Soleil. Signiert G. Dupre. Paris. 

F'lakette, Silber, La peinture. Von Charpentier in Paris. 

Plakette, Silber, auf den IX. Geologen- Kongress in Wien 1903. Von Tautenhayn in Wien. (Geschenk 

des Herrn Dr. Erwin Hintze.) 
Plakette, f^ronze, mit weiblichem Idealkopf. Entworfen und modelliert von Ernst Moritz Oeyger in 

Cliarlottenburg, gegossen von Liard in Paris. Signiert E.M.G. 1894. 

Keramik: 

Krüge, Steinzeug, 3 Stück, innen weiss, aussen braun, mit farbiger Einlage glasiert. Kgl. keramische 

Fachschule, Bunzlau 1902. 
Vase, Sleinzeug, innen weiss, aussen braun glasiert, am Hals mit dunkelblauer, teilweise auskristallisierter 

Überlaufglasur. Kgl. keramische Fachschule, Bunzlau 1903. (Geschenk der Handelskammer 

Breslau.) 

Textiles: 

Kissen, blau, mit Stickerei. Entworfen von Prof. Max Wislicenus, ausgeführt von Frau Else Wislicenus 
in Breslau. 1902. 

Bucheinbände: 
Einband aus rotbraunem Leder uut Wellenlinien in Handvergoldung. Anker Kyster, Kopenhagen 1902. 
Einband, grau Maroquin ecrase mit Handvorgoldung. Paul Kersfen, Breslau. 
Einband aus dunkelgrünem Leder nut Handvergoldung. Paul Kersten, Breslau. 

Für die Vermehrung der Sammlungen wurden rund 16300 Mark ausgegeben. 

VERMEHRUNO DER BIBLIOTHEK 

Wichtigere Bücher- Ankäufe im Berichtsjahre waren: Migeon, E.xposition des arts musulmans 
— Konody, The art of Walter Crane - Jacobi, Japanische Schwertzierarten — Lambert und Stahl, 
Architektur von 1750 — 1850 - Falke und Frauberger, Deutsche Schnielzarbeiten des Mittelalters. 

Die Studienblättersam mlung wurde vermehrt durch eine Reihe japanischer Holzschnitte 
von Masanobu, Harunobu, Koriusai, Bunclio, Toyokuni, Shunsen, eine Radierung von Probst, „Die 
Mauritiuskirche in Breslau", Exlibris von H irzel-I5erlin, Holzschnitte von E. M. Geyger-Berlin, eine 
Sammlung von kunstgewerblichen Entwürfen, besonders für Töpfereien, von Fritz Erler-München, Auf- 
nahmen schlesischer Kiuistdenkniäler von Theodor Blätterbauer-Liegnitz, zwei Künstler-Photographien 
von Karl Weiss- Dresden und Mathilde Weil-F^hiladelphia. 

Die Ausgaben für die Biblothek betrugen: 4316,55 Mk. 

25» 



196 

Geschenke gingen ein von: Dr. Alter, Lcubiis - Direktor Angst, Zürich — Dr. E, Bahrf cldt, 
Berlin M. L. Becker, BerHn — Kaufmann Julius Brann - Breitkopf und Haertel, Leipzig — 

Dr. Buch wald, — Dr. R. Forrer, Strassburg ^ Stadt Frankfurt a/JVl. — Fr. Oeiierallcutnant vonOeissler, 
Leopoldshain — Photograph H. Qoetz — Geh. Rat Prof. Dr. Greinpler — Frau llainauer, Berlin — 
Dr. Heierli, Zürich — Prof Dr. Hiller von Gaertringen, Berlin — Dr. Hintze — Otto Hupp, 
Schlcisshcini — Geistlicher Rat Dr. )ungnitz Kaiser Franz Josef-.Museuui, Troppau Kaiser 

Wilhel ui-Museuiu, Krefeld Königlicher Kaiunierherr von Köckritz, Mondsclültz Komitee der 

Photographischen Ausstellung, Mainz — Dr. KHz, Steiiu'tz in Mähren Ku nstgewerbe-Museuiu, 

Berlin Kunstgewerbe-Museum, Flensburg — Kunstgewerbe-Verein in Breslau — Dr. Lustig - 
Prof. Marchesetti, Triest — Direktor Prof. Dr. Masner -- Meisenbach, Riffartli u. Comp., Berlin — 
Prof. Dr. Mertins — Stadtrat Milch — Prof. Montelius, Stockholm Geh. Konuuerzieurat Moriz- 
Eichborn — Museum in Budweis — Museum in Mainz Mnseums-Verein Bauinspektor 

Nathansohii — H. Ohme, Nieder-Salzbnuin — Fürst Putjatiue, Petersburg - Redaktion der 
Schlesischen Zeitung — Redaktion der Zeitschrift für Bücherfreunde — Röniisch-Oer- 
manisches Zentral-Mu seuni, Mainz — Dr. Schmeltz, Berlin ~- Prof. Dr. W. Schulte, Glatz — 
Major a. D. von Seh wein ichen, Pawelwitz — K. L. Seelig — Direktor Dr. Seger — C. Sperling — 
Stadtbibliotliek, Breslau — Fabrikbesitzer Thamm, Petersdorf — Prof. Dr. Thilenius — Verein für 
Geschichte der bildenden Künste — Verein für Geschichte und Altertum Schlesiens — 
Verein zur Hebung des Fremdenverkehrs, Breslau — Verlag der Glasindustrie, Berlin — 
R. Voigtländer, Leipzig — Woerls Verlag, Leipzig — Buchhändler Wohlfnrth. 

Fortlaufende Zuwendungen für die Bibliothek machten der Verein für das Museum Schlesischer 
Altertümer unil der Kunstgewerbeverein für Breslau und die Provinz Schlesien. 



AUSSTELLUNGEN 

Das Berichtsjahr brachte uns drei grössere Ausstellungen. 

1. Die Internationale Ausstellung für künstlerische Bildnisphotographie im Monate Juni. 
Das Museum übernahm diese Ausstellung, die einen höchst interessanten, wenn auch nicht vollständigen 
Überblick über den Stand der künstlerischen Porträt-Photographie in Deutschland, Österreich, England und 
Amerika gewährte, früher getroffenen Vereinbarungen gemäss von der Wiesbadener Gesellschaft für 
bildende Kunst. Wir schufen dazu eine eigene Abteiliuig von künstlerischen Porträt- Photographieen 
aus Breslau und Schlesien, welche folgende Firmen und Amateure beschickten: Ed. van Delden (Inh. 
Heinrich Götz) -- Ediu. Gritschker — Marie Müller Hugo Pringsheim - Ernst Schatz — 
Hugo Scheinert — E. Walsleben (Inh. H. Scliweyda), sämtlich in Breslau, und Ma,\ Glauer, Oppeln 
und Paul Kunze, Schweidnitz. 

2. Die Ausstellung von Miniaturmalereien aus schlesiscliem Besitze oder schlesischer 
Herkunft in der Zeit vom 8. Oktober bis 8. November. Die Erwerbung einiger ausgezeichneter 
Miniaturporträts des Breslauer Malers Amand Zausig (siehe S. 144 ff.) hatte die Aufmerksamkeit des Museums 
darauf gelenkt, dass wie so manche Gebiete der Kunstübung in Schlesien auch das der Miniaturmalerei 
wissenschaftlich noch vollständig unerforscht sei. Kaum dass man die Namen eim'ger Miniaturmaler der 
Biedermeierzeit kannte. Durch iliese Gleichgültigkeit der Forschung ist natürlich die Uuterschiitznng der 
alten einheimischen Produktion beim Publikum genährt worden. Das geeignetste Mittel, das allgemeine 
Interesse auf die liebenswürdige Kunstübung der Miniaturmalerei überhaupt und ihre Schöpfungen in 
Schlesien zu richten und zugleich Material für ihre Geschichte in unserer Provinz zu samrueln, schien die 
Veranstaltung einer Ausstellung. Der über Erwarten reiche wissenschaftliche Erfolg des LInternehmens — 
als erste Ausbeute bringt diese Zeitschrift den Aufsatz von Hintze über die Breslaner Miniaturmaler des 
19. Jahrhunderts und der Anklang, den es in der Öffentlichkeit fand, ernuitigen uns, solche retrospektive 
Ausstellungen auch für die Zukunft ins Auge zu fassen. Für das Jahr |i)()5 ist eine grosse schlesische 
Goldschmiedekunst-Ausstellung geplant. Die Miniaturen-Ausstellung, die in drei Sälen des II. Stockwerkes 



197 




Aus der Miniaturen- Aiisstelliiii<j 



unterf,'ebraclit war, umfasste a. Mittelalterliche liucliillustrationen, b. Porträt- Miniaturen, c. Oenre- und 
LaMclscliafts-Miniatureu, d. Staninüiiiclier luid Wappenbriefe. Grosser Wert wurde auf gefälli>;es Arrangement 
der Ausstellung gelegt, um bei der Masse des gleichartigen Materials keine Monotonie aufkommen zu lassen. 
Der Mittelsaal war mit alten Möbeln als ein Empire-Raum eingerichtet, in dem die Porträt -Miniaturen in 
Kästen an der Wand hingen oder in Schränken aufgestellt waren. Mit her/^lichsteni Danke müssen wir 
anerkennen, dass uns die Veranstaltung der schönen Ausstellung nur durch das freundliche Entgegenkommen 
zahlreicher öffentlicher Sammlungen und Privatbesitzer ermöglicht wurde. Ihre Namen nennt der ausführliche, 
von dem Direktorial -Assistenten Dr. Hintze verfasste Katalog. 

3. Die III. Ausstellung schlesischen Kunsthandwerkes, die am 1. December eröffnet wurde 
und bis O.Januar 1904 dauerte. Diese regelmässig alle zwei Jahre wiederkehrenden Ausstellungen bürgern 
sich immer mehr und mehr in der Gunst unseres Publikums ein. Besonderes Interesse verliehen der dies- 
jährigen die Interieurs, die auf Grund des Preis- Ausschreibens des Kaiser- Friedrichs- Fonds (siehe S. 198) 
für ein bürgeriiches Wohn- und Empfangszimmer zur Ausstellung zugelassen worden waren. Der Vorstoss 
des Preisausschreibens gegen die „gute Stube", an der unsere bürgerlichen Kreise noch immer zähe fest- 
halten, fand lebhaftes Für inid Wider, das sich auch in der Tagespresse äusserte. Neues brachte die .'Vus- 
stcllung besonders auch auf dem Gebiete der Porzellanfabrikation mit der reichhaltigen Kollektion der Firma 
Ohme in Niedersalzbrunn, die sich energisch imd mit Glück fortschrittlichen Bestrebungen zuwendet, und in 
einer uMifangreichen Sammlung von künstlerischen Bucheinbänden. Den Lichthof nahm eine Sonderausstellung 



198 

von Arbeiten des Professor Ignatins Tnsclmer ein, der im Sommer des Jalires 1003 von A\ünclien 
an die hiesige Kunst- und Kunstgewerbescliule als Lehrer berufen worden ist. Sehr erfreulich waren diesmal 
die Verkaufsresultate; auch drei der ausgestellten Zimmereinrichtungen (von Paul Ernst, Martin Kimbel und 
Rudolf Milde in Festenberg) wurden verkauft. Die Ausstellung war auch in den Abendstunden von 6—9 Uhr 
dem aligemeinen Besuche zugänglich. 

Ausserdem kamen noch zur Ausstellung 1903,04: 

Plakat- Entwürfe von Edler und Krische in Hannover 

Architektonische Entwürfe von Architekt Baschant, Lehrer an der kgl. Baugewerkschule zu Breslau 

Japanische Färberschablonen durcii Albert Kobliiisky in Breslau 

Originalfederzeichnungen von Hans Schulze in Berlin 

Kommode mit Schiebeführungen von Tischlermeister Wcitzer in Breslau 

Grabkreuz von Bildhauer Schwarzbach, Lehrer der kgl. Kunst- und Kimstgewerbeschule in Breslau 

Kunststickereien von Frl. Friedländer und Frl. Fliegner in Breslau 

Wandteppiche nach Scherrebeeker Art von Maler Ernst Vollbehr in München 

Arbeiten der Malschule des Herrn Lothar von Kunowski in München 

Bleiverglasungen von Olasermeister Ehrbeck in Breslau 

Kleister- Marmorpapiere und Bucheinbände von H. Och mann in Leipzig 

Reformkleider- Wettbewerb des Vereins für Verbesserung der Franenkleidung in Breslau 

Skulpturen von Bildhauer Koschel in Breslau 

Wäscheausstattimg von J. Loewy in Breslau 

Orup]3e der Concordia von Bildhauer Jos. Baumeister in Breslau. 

VORTRÄGE 

L Einzel vortrage 
19. Januar 1904: Dr. ing, Muthesius, Berlin: Das englische Haus 
26. = Lothar von Kunowski, München: F^hythnuis in Kunst und Natur 

2. Februar = Direktor Dr. Oraul, Leipzig: Die Entwicklung des Biedermeierstiles 

8. = Oeheimrat Dr. Förster: Delphi 

23. = - Direktor Dr. Volbehr, Magdeburg: Deutsche Hauskunst 

II. Vortragszyklen 

A. Zyklus des Direktorial-Assistenten Dr. Conrad Bnchwald: ,,Der Bucheinband, seine Technik inid 
Oeschichte." 5 Vorträge am 27. Februar und 1., 5,, 8. und 12. März. 

Dieser Zyklus war verbunden mit der praktischen Vorführimg des Eiiibindens und für alle 
Bücherliebhaber, sowie hauptsächlich für Künstler bestimmt, die sich nnt Entwürfen für Bucheinbände 
beschäftigen. Die Teilnehmerzahl war auf 30 Personen beschränkt. Einschreibegebülu 1 Mk. 

B. Zyklus des Referendars Karl Schlawe: ,,Die Grundzüge der Heraldik, mit besonderer Berücksichtigung 
der Heraldik im Kunstgewerbe." 3 Vorträge am 15., 19. und 22. März. Teilnehmeranzahl unbeschränkt. 
Einschreibegebühr 1 Mk. 

KAISER FRIEDRICH-STIFTUNGSFONDS 

ZUR FÖRDERUNO DES SCHLESISCHEN KUNSTGEWERBES 

N\ii der von Herrn Oberbürgermeister Dr. Fiender angeregten Gründung dieses Fonds haben das 
Komitee für Errichtung eines Kaiser Friedrich-Denkmals in Breslau, an dessen Spitze Seine Durchlaucht der 
Herzog von Rafibor stand, und die Stadt Breslau ein ausserordentlich wichtiges und dankenswertes Mittel 
zur Förderung des Kimstgewerbes in Schlesien und der praktischen Aufgaben des Museums geschaffen. 



IQQ 

Das Museiini ist iniii in die glückliche Lage gesetzt, systematisch auf die verschiedenen Zweige des Kunst- 
gewerbes unserer Provinz einzuwirken und die in ihnen tätigen Kräfte zu unterstützen. Die vom Magistrat 
festgesetzten Bestimmungen für die Stiftung lauten folgendermassen: 

§ 1. 

Der Kaiser Friedrich-Stiftungsfonds zur Förderung des Schlesischen Kunstgewerbes ist gebildet aus 

einem Kapital von 38 180,53 Mark, den das Komitee für Errichtung eines Kaiser Friedrich-Denkmals in 

Breslau am 9. August 1902 der Stadt überwiesen hat, als Rest der nach Deckung der Denkmalskosten 

verfügbar gebliebenen Sammelgelder von im ganzen rund 199 000 Mark und aus einem von der Stadt 

28. März 
Breslau laut Oenieindebescliluss vom . ... 1902 hinzugefügten Kapital von 40000 Mark. 

Nach den mit dem gcnaimten Komitee getroffenen Vereinbarimgen und nach dem oben erwähnten 
(iemelndebeschlusse ist die Verwaltung des Fonds nut der des Schlesischen Museums für Kunstgewerbe 
und Altertümer verbunden und nach den folgenden Vorschriften zu führen. 

§ 2. 
Die Stiftung hat den Zweck, praktisch arbeitende schlesische Kunsthandwerker und für das Kunst- 
liandwerk tätige Künstler in ihrem Berufe zu fördern. 

§ 3. 

Der Stiftungsfonds wird, wie das genannte Museum, Eigentum der Stadt Breslau und ist also vom 
Magistrat der Stadt Breslau zu verwalten und rechtlich zu vertreten. Über Verwendungen aus dem Stiftungs- 
fonds beschliesst auf Antrag des Museumsdirektors die für das genannte Museum bestellte Verwaltungs- 
deputation. 

§ 4. 

Die Kapitalien der Stiftung sind vom Magistrat, gesondert von anderen städtischen Fonds, nach den 
für die Verwaltung der städtischen Stiftungen geltenden Grundsätzen zu verwalten. Einnahmen und Aus- 
gaben des Stiftungsfonds sind im Etat und in der Rechnung des genannten Museums nachzuweisen. 
Kapitalien siiuf mündelsicher anzulegen. Für den Stiftungszweck dürfen nur die Zinsen des Stiftungsfonds 
verausgabt werden. Überschüsse einer Jahresverwaltung können kapitalisiert werden. 

§ 5. 
Änderungen dieser Bestimmungen bedürfen der Genehmigung des Provinzialausschusses und des 
Oberpräsidenten von Schlesien und, falls der Zweck der Stiftung geändert werden soll, der landesherrlichen 
Genehmigung. 

Aus Mitteln dieses Fonds, der im Etatsjahre 190304 in Wirksamkeit trat, erliess die Direktion zu- 
nächst ein Preisausschreiben für ein bürgerliches Wohnzimmer, das zugleich als Empfangs- 
zimmer dient. Das Preisausschreiben ging von der Wahrnehnumg aus, dass vielfach immer noch falsche 
Anschauungen über die Aufgaben der Interieurkunst herrschen. Man glaubt, dass das Mobiliar möglichst 
reich geschmückt sein müsse, wodurch jene Marktware gross gezogen wird, bei der unsolide und empfindungs- 
lose Arbeit die vom Publikum geforderte Billigkeit ermöglichen müssen. Es sollte deshalb dem Publikum 
einmal eindringlich gezeigt werden, dass es auch zu dem Preise, den der Mittelstand bei der Anschaffung 
von Einrichtungen anlegt, gute, geschmackvolle und gesunde Möbel bekommen kann. Auch sollte das 
Preisausschreiben dazu beitragen, dass sich in den Kreisen des Mittelstandes an Stelle des sehr oft fiber- 
flüssigen Salons der Typus des Wohnzimmers einbürgert, das zugleich als Empfangsraum dient. Der 
Verkaufspreis für sämtliche Möbel war nnt 1500 Mark festgesetzt. Berechtigt zur Beteiligung am Wett- 
bewerbe waren alle in Breslau oder in der Provinz Schlesien ansässigen Möbelfabrikanten, Tischler und 
entwertende Künstler. Auf Grund der von ihnen vorgelegten Entwürfe wurden folgende Firmen zum Wett- 
bewerbe zugelassen: Paul Ernst, Gustav Gunimig, Heinrich Hauswalt, Franz Holsteiner, Martin Kimbel, 
Julius Koblinsky u. Co., Josef Schmid, sämtlich in Breslau, und Rudolf Milde in Festenberg. Die Jur)-, 
welche über die Zulassung zu entscheiden und die Preise zu verteilen hatte, bestand aus den Herren Stadtrat 
Milch um\ Geheimen Baurat Plüddemann, den Direktoren Masner und Seger, Direktor der Kgl. Kunst- und 
KiMistgL-wcrbeschule Pölzig, Direktor der Handwerkerschule Heyer, Dekorationsmaler Rumsch und Architekt 



200 

Henry. Den I. Preis im Betrage von 1000 Mark erliielt Franz Hoisteiner, den II. Preis von 600 Mark die 
Firma Hanswalt (Inli. Jäger), den III. Preis von 400 Mark Martin Kinibcl. Sämtliche Einrichtungen waren 
in die 111. Ausstellung schlesischen Kunstliandwerkes eingereiht. 

Aus Mitteln desselben Fonds wurden ferner von der Direktion einfache künstlerische Buch- 
einbände nach Kiinstlerentwürfen schlesischen Buchbindern, die sich zur Ausführung bereit erklärt hatten, 
und zwar den Firmen Gleisberg, Louis Krause (Inhaber Butzbach), Weinert, Wiistricli imd Kersten in 
Breslau uuil Kiiothe in Görlitz in Auftrag gegeben. Diese Bucheinbände sollen ständig im Museum aus- 
gestellt bleiben, als eine fortwähreiui zu vermehrende Mustersammlung für das Publikum, nach der es sich 
bei den betreffenden Lieferanten Bestellungen ausführen lassen kann. Die Aktion hat den Erfolg gehabt, 
dass eine Anzahl von entwerfenden Künstlern mul Künstlerinnen sich nn't ilem praktischen Studium der 
verschiedenen Techniken des künstlerischen Bucheiubantles befasste und dann zum Teil sehr hübsche und 
gut brauchbare Vorlagen lieferte, während wir anfänglich mit einer Flut überaus reicher, aber unausführbarer 
Entwürfe überschwemmt wurden. 

HERAUSGABE VON FLUGSCHRIFTEN 

Degonnen wurde nnt der Herausgabe von Flugschriften, die allgemeine Fragen des Kunstlebens 
mit besonderer Berücksichtigung der Verhältnisse in unserer Provinz behandeln sollen. Als Heft I erschien 
im Verlage von Trewendt und Qranier in Breslau ,, Häusliche Kunstpflege" von Professor Dr. Masner. 



BESUCH DER SAMMLUNGEN UND DER 
BIBLIOTHEK 

A. BESUCH DER SAMMLUNGEN 



Monat 


Anzahl der 


Orösste Besucher- 


Geringste 


Gesamtzahl 


BesuclistaijL- 


zahl an einem Tage 


Besucherzahl 


der Besucher 


April 1903 


25 


1 523 


55 


4 755 


Mai 


25 


411 


57 


3 449 


Juni 


26 


748 


65 


6 898 


Juli 


27 


4Q6 


45 


4 057 


August 


26 


524 


63 


4 173 


September 


26 


613 


62 


4111 


Oktober 


26 


781 


68 


6 206 


November 


26 


907 


32 


5 761 


Dezember 


30 


2 298 


159 


14 683 


Januar 1004 


27 


794 


51 


4 774 


Februar 


24 


678 


47 


3 655 


März 


27 


1 762 


43 


6^84 




315 




zusammen 


69 006 



Die grösste Besucherzahl hatte das Museum am 13. Dezember mit 2298, die kleinste am 26. Nt)veniber 
mit 32 Personen. 

Korporative Besuche: 

26. Mai eine Klasse der Kathariuenschiile No. 27 - 4. August eine Schule aus Löwenberg - 1., 2., 3., 
4., 5., 7 u. 8. November der llumboldtverein - 6. November der Knustgeweibeverein — 9. November der 
Museumsverein — 10. November die Vereinigung schlesischer Bücherfreunde 3. März eine Klasse Schule 
Nr. 25 ~ 22. März zwei Klassen der Katharinenscliule Nr. 27. 



201 



B. BESUCH DER BIBLIOTHEK 



im April . 


. 380 


Juli . . . 


119 


Oktober . 


436 


Januar . , 


. 318 


Mni . . 


. 307 


August 


217 


November 


365 


Februar 


. 386 


Juni , . 


. 236 


September 


371 


Dezember 


293 


März . 


. 428 



zusammen 3856 Personen 

Die Bibliothek war vom I. Juni bis 15. September in den Abendstunden, vom 13. bis 27. Juli 
wegen Ausbesserungsarbeiten im Lesesaal vollständig geschlossen. 



STIFTUNO VON OELDBETRÄOEN 

Auch in diesem Jahre sind dem JVluseum namhafte Geldbeträge zur Vermehrung der Sammlung 
zugeflossen. Es stifteten Seine Durchlaucht der Herzog von Ujest den Betrag von 3000 Mk., Fräulein 
Marie von Kram sta, Muhrau, 3000 Mk., Herr Eugen Kulm iz, Saarau, 2000 Mk., Graf Tiele-Winck 1er, 
Moschen, 1000 Mk., Frau Eva von Loebbecke, Brieg, 300 Mk,, Frau Jenny Schlesinger, Gleiwitz, 
20 Mk, (Jahresbeitrag), Ungenannt 15 Mk, Diese Beträge haben erst im folgenden Etatsjahre Verwendung 
gefunden. Den hochherzigen Spendern sei auch an dieser Stelle der wärmste Dank des Museums aus- 
gesprochen. 



DIE MUSEUMS-DEPUTATiON UND DAS BUREAU 

Am 8, Juni 1903 starb Buchdruckereibesitzer Eugen Lilienfeld, der erst seit dem Jahre 1899 der 
Museums-Deputation angehörte. Der bescheidene und stille, aber kenntnisreiche und erfahrene .Wann hat 
der Direktion oft durch klugen Rat genützt. An seine Stelle wurde Stadtverordneter Kret seh m er gewählt. 

Im Berichtsjahre wurde von der Stadtverordneten - Versammlung eine Erweiterung der Museums- 
Deputation gonehnugt. Es war schon lange ein Wunsch der Direktion, dass Kunstfreunde, Künstler und 
Sammler durch Wahl in die Museums -Deputation zu unmittelbarstem Interesse und zur Mitarbeiterschaft 
an der Tätigkeit des Museums herangezogen werden könnten. Die bisherige Art der Zusammensetzung 
der Deputation bot dazu wenig Möglichkeit. Gemäss dem Beschlüsse der Stadtverordneten-Versammlung 
wurde in § 4 der Verwaltungsordnung des Museums nach Nr. 9 folgender Zusatz eingeschaltet: 

„(Demnach bilden die Deputation:)" 

10. Die von der Museums-Deputation gewählten Mitglieder, deren Höchstzahl auf 3 begrenzt wird. 
Die Zuwahl erfolgt für einen Zeitraum von drei Jahren, nach dessen Ablauf Wiederwahl zulässig ist. 
Durch übereinstimmenden Beschluss der städtischen Behörden ist die Ausschliessung der zugewählten 
Mitglieder aus der Museums-Deputation auch während der Amtsdauer zulässig." 

Auf Grund dieser neuen Bestimmung wurden von der Deputation der Direktor der Kgl. Kunst- und 
Kunstgewerbeschule Hans Pölzig und der Rentier Max Pringsheim kooptiert. Herr Pringsheim hat 
leider nur an einer einzigen Sitzung der Deputation teilgenommen. Am 30, Januar 1904 wurde er im 
kräftigsten Maimesalter durch einen frühzeitigen Tod hinweggerafft. Das Museum verliert an ihm einen 
wirklichen Gönner, Selbst ein Sammler grösseren Stiles und feiner Kunstkenner, hatte er lebhaftes Interesse 
an dem Wachsen unserer Sammlungen. Sie verdanken ihm manche unmittelbare und mittelbare Bereicherung. 
Mit seinem Enthusiasmus für die Kunst wäre er bei längerer Lebensdauer uns noch viel mehr geworden, 
als er schon war. 



26 




Medaille 

zur silbernen Hochzeit des Oberbürgermeisters Dr. Bender 

von Ernst Seger 

(Siehe Seite 188) 



VEREIN FÜR DAS MUSEUM SCHLESISCHER 



ALTERTÜMER 



205 

TÄTIGKEITSBERICHT FÜR DAS JAHR 1902/3 

Die ordentliche Generalversammlung tagte am 28. April 1902. Nach Erstattung des Verwaltungs- 
berichtes wurde dem Vorstande Entlastung erteilt, der neue Etat genehmigt und der bisherige Vorstand 
durch Zuruf wiedergewählt. 

An die Generalversaninilung schloss sich eine wissenschaftliche Sitzung an, in der von den Herren 
Dr. Postler aus Rankau, Dr. Rhode aus Puschkowa und Dr. Seger neue vorgeschichtliche Funde vor- 
gelegt und besprochen wurden. 

Der Sommerausflug des Vereins fand am 22. Juni nach dem Zobten statt. Es beteiligten sich daran 
über 60 Herren und Damen. Man begann mit einem Besuch der Pfarrkirche in Strehlitz, die durch ihre kürzlich 
entdeckten und durch Maler Oetken wieder hergestellten gotischen Wandmalereien ein hohes Interesse bietet. 
Ihre Erläuterung übernahmen die Herren Prof. Dr. Sem rau und Pfarrer Prof. Pe seh ke. Zu Wagen begab 
man sich hierauf über Qualkau bis an den Fuss des Zobtens bei Gorkau, wo unter Führung von Herrn 
Dr. Lustig die von ihm seit längerer Zeit eingehend untersuchten Wohngruben (Mardellen) betrachtet 
und die verschiedenen Möglichkeiten ihrer Erklärung erörtert wurden. Dann ging es nach Schloss Gorkau, 
zu dessen Besichtigung mit den Resten des ehemaligen Klosterbaues der Besitzer, Herr von Kulmiz, 
freiuidlichst eingeladen hatte. In Bittners Gasthaus in Rosalienthal wurde das Mittagsmahl eingenommen. 
Gegen 3 Uhr brach man zur Wanderung durch das Finkenthal auf, wo wieder von Herrn Dr. Lustig 
aufgedeckte vorgeschichtliche Wohnplätze zur Betrachtung lockten, und stieg über Kellerbrunn zur Stein- 
gruppe der „Jungfrau mit dem Fisch" und des Bären empor. Direktor Dr. Seger erläuterte hier den 
Stand der Streitfrage über Ursprung und Bedeutung dieser und anderer Steinfiguren auf dem Zobten. Auf 
dem Gipfel des Berges wurden die neuerdings blossgelegten Grundmauern der einstigen Burg mit Interesse 
besichtigt. Den Beschluss des genussreichen Tages machte ein gemeinsames Abendbrot im Gasthaus zur 
Sonne in Zobten. 

Einen zweiten Ausflug veranstaltete der Verein am 12. Oktober zum Besuch der Liegnitzer Kunst- 
und Ktuistgewerbe-Ausstellung. Bei dieser Gelegenheit wurde auch die Fürstengruft unter Führung des 
Herrtl Kgl. Baurat Pfeiffer besichtigt, unter dessen Leitung der ehrwürdige Bau in seinem alten Glänze 
erstanden ist. Auch dieser Ausflug nahm unter reger Beteiligung der Breslauer und auswärtigen Mitglieder 
einen allseitig befriedigenden Verlauf, wofür insbesondere den Liegnitzer Herren Dank geschuldet wird. 

Bei der Hauptversammlung der Gesellschaft für Anthropologie und Urgeschichte der Oberlausitz in 
Oöriitz und Bautzen (19. bis 21. Mai) war der Verein durch den Vorsitzenden und zwei Vorstandsnu'fglieder 
vertreten. Dem Germanischen Nationalnuiseum in Nürnberg überbrachte zu seiner fünfzigjährigen Jubel- 
feier (14. bis 16. Juni) Herr Geh. Rat Dr. Grempler eine Glückwunschadresse. Derselbe nahm auch an der 
Versammlung der Deutschen anthropologischen Gesellschaft in Dortmund (5. bis S. August) und der sich 
anschliessenden wissenschaftlichen Exkursion nach Holland teil. 

Der befreundeten Gesellschaft für Heimatkunde der Provinz Brandenburg in Berlin 
wurde zu ihrem zehnjährigen Bestehen ein Glückwunschschreiben übersandt. 

Am 27. Oktober beging Herr Geh. Rat Grempler sein SOjähriges Doktorjubiläum. Die Feier 
gestaltete sich zu einer erhebenden Ovation für den Jubilar. Von den zahlreichen Ehrungen, die ihm aus 
diesem Anlass zu teil wurden, sei nur die Verieihung des Titels eines königl. Professors her\'orgehoben. 
Der Vorstand ernannte ihn zu seinem Ehrenpräsidenten und überreichte ihm als Festgabe ein gedrucktes 
Verzeichnis seiner prähistorischen Schriften, das die stattliche Zahl von 32 Nuniinern aufweist. Ein vom 
Verein veranstaltetes Festessen in der Weinhandlung von Chr. Hansen legte durch die den Saal vollständig 
ausfüllende Menge der Gäste, unter denen die wissenschaftlichen Kreise unserer Stadt fast vollzählig ver- 
treten waren, durch die geistvollen Ansprachen vieler hervorragender Männer und die ausgezeichnete 
Stimmung aller Beteiligten von neuem Zeugnis für die Verehrung ab, deren sich unser Herr Vorsitzender 
bei alt imd jung erfreut. 

Dieselbe Feier beging am 19. März 1903 Herr Geheimer Komnierzienrat Dr. Egniont Websky. 
Der durch sein gemeinnütziges Wirken in weiten Kreisen unseres Vaterlandes bekannte Jubilar hat sich 
auch um den Verein und das Museum hohe Verdienste erworben. Unter schwierigen Verhältnissen übernahm 



206 

er 1S95 das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden nnd behielt dieses, bis die wesentlich aus seiner 
Initiative heraus erfolgte Neugriindung des Museums glücklich gelungen war. In seiner Eigenschaft als 
Vorsitzender des Schlesischen Zentralgewerbevereins sorgte er dafür, dass ein von diesem gesammelter 
Fonds von 100000 Mark der jungen Schöpfung als Morgengabe gewidmet wurde. Von seinen zahlreichen 
Geschenken sei nur der wertvollen, aus drei Perioden stannnenden Polnisch-Peterwitzer Funde gedacht. 
Zu seinem Doktorjuhiläum wurden ihm durch eine Deputation die OUickwünsche des Vereines dargebracht. 
Während des Wintersemesters wurden acht Sitzungen abgehalten. Es sprachen: 

am 10. November 1. Dr. Seger über Bernsteinfunde in schlesischen Gräbern, 2. Herr O. Strieboll 
über den Hellerfund von Wilschkowitz; 

am 24. November 1. Dr. Lustig über die Zobtenbnrg, 2. Dr. E. Hintze über die Wandmalereien 
in der Kirche zu Mollwitz; 

am 8. F)czember Prof. Dr. Masner über neue Erwerbungen des Museums; 

am 12. Januar Prof. Dr. Thilenius über die Ornamentik primitiver Völker; 

am 26. Januar Prof. Dr. Mertins über steinzeitliche Werkzeuge und Waffe?) in Schlesien; 

am 2. März Landbauinspektor imd Provinzial-Konscrvator Dr. Bürgern ei ster 1. über die 
„Goldene Krone" am Ringe in Breslau, 2. über die Hochbergische Kapelle bei der Vincenz- 
kirche in Breslau ; 

am 16. März Bibliothekar Dr. Buchwald über das Bilderwerk Schlesischer Kunstdenkmäler; 

am 30. März Dr. Seger über den Schutz vorgeschichtlicher Denkmäler. 
Bei dem von der Museumsdirektion veranstalteten Vortragscyklus hatte der Verein wieder auf eine 
Anzahl Plätze abonniert, die er seinen Mitgliedern unentgeltlich zur Verfügung stellte. 

Unter den vom Verein veranstalteten Ausgrabungen nimmt die Untersuchung des neolithischen 
Wohn- und Begräbnisplatzes an der Grenze von Jordansmühl nnd Wilschkowitz nach Umfang und 
Bedeutung die erste Stelle ein. Ein ausführlicher Bericht darüber wird an anderer Stelle erfolgen. Hier sei 
nur nochmals allen, die sich um das Gelingen des Werkes verdient gemacht haben, insbesondere den 
Herren G. LI 11 rieh, Prof. Thilenius, Dr. Postler nnd A. Kirchner der wärmste Dank ausgesprochen. 
Ferner fanden L'ntersuchungen von Fundstellen statt am 20. April nnd 14. Mai in Weigwitz 
Kr. Breslau (Leitung Dr. Seger); am 26. und 27. April in Gorkau am Zobten (Dr. Lustig, Dr. Seger); am 
11. Mai in Oberhof Kr. Breslau (Geh. Rat Grempler, Dr. Seger und Prof. Thilenius); am 29. Mai in 
Malkwitz Kr. Breslau (Dr. Seger, l'rof. Thilenius); vom 0. bis 14. Mai und vom 2. bis S. Juni in 
Beschine Kr. Wohlan (G. LJIlrich); ani 2. Jum' in Jordansmühl Kr. Nimptsch (Dr. Seger); vom April 
bis Mai in Gnrschen-Schlichtingsheim, Seitsch und Gross-Osten Kr. Guhrau, Kuttlau Kr. Glogati 
(M. Hellmich); vom Mai bis Juni auf dem Zobtenberge (Dr. Lustig); vom 28. bis 30. Juli in Grünberg 
und Kuttlau (M. Helhnich); vom August bis September in Jordansmühl (Urnenfriedliof), Dürrhartau, 
Dankwitz und Kanigen Kr. Nimptsch, in Nieder-Gimmel, Krehlau und Rayschen Kr. Wohlan 
(G. Ullrich); vom Oktober bis November in Prittag Kr. Grünberg (M. Hellmich); am 18. Januar in Grün- 
hübel Kr. Breslau (Dr. Seger); am 26. Februar in Jacobsdorf Kr. Schweidnitz (Dr. Seger). 

Ausgrabungsberichte, z. T. unter Beifügung wertvoller Fundslücke, wurden eingesandt von den 
Herren Lehrer em. Fiedler in ILaynau, Kgl. Oberförster Glaesemer in Riemberg, Kammerrat Hase 
in Trachenberg. Kgl. Landmesser Hellmich in Ologau, Seminarlehrer Hoffmann in Oberglogau, Fabrik- 
besitzer A. Hoffmeister in Glogau, August Kirchner in Heidersdorf, Dr. Georg Köhler in Grünberg, 
r^echtsanwalt Kühn in Jauer, Postagent Laeder in Peisteruitz, Lehrer em. Lüdicke in Sirnsdorf, 
Dr. Postler in Rankau, Direktor Dr. Rhode in Puschkowa, Dr. Stolper in Schweidnitz, Forstsekretär 
Tautz in Klodnitz OS., G. Ullrich in Steinau, Dr. pliil. Will in Simsdorf, von der Slädtischeu Pronicnatlen- 
Deputation in Breslau und von der Köm'gl. Oberförstcrei in Zobten. 

Die Konservierung und Bearbeitung des anthropologischen Materials ans schlesischen Gräbern wurde 
durch Professor I^r. Thilenius rüstig gefördert. Mit der photographischen Aufnahme der schlesischen 
Funde wurde fortgefahren. Auch wurden mehrfach Aufnahmen von Burgwällen und von mittelalterlichen 
Kunstwerken in der Provinz veranstaltet. Endlich wurden aus Vereinsnüttcln eine Anzahl vorgeschichtlicher 
Funde und eine vollständige Folge der Bonner Jahrbücher und der Materiaux |iour l'histoire primitive et 
naturelle de l'homme käuflich erworben. 



207 

Von der Zeitschrift des Vereins, zugleich Jahrbuch des Schlesischen Museums für Kunstgewerbe 
und Altertümer, erschien ,n, September der zweite Band der Neuen Folge. Für das wachsende Ansehen 
dessen sich unsere Zeitschrift in wissenschafthchen Kreisen erfreut zeuirt die Tats.cL dT 
Anzahl auswärtiger Bibhotheken deren Abonnenten geworde.rrd ' '" ""' ^°""' 

Schriftenaustausch wurde eingeleitet mit dem Grossherzoghcher, Museum in Schwerin und der 
Munchener Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte 

Emen schmerzlichen Verlust erfuhr der Verein durch den am 2. August erfolgten Tod seines lan^ 
jahngen Vorstandsmitgliedes, Prof. Hermann Kühn, Direktors der Königl. Kunst- un^ KuLtgew b s hu'e 
lu Breslau. Der Verstorbene war durch sein feinfühliges Urteil in allen künstlerischen un ktSnel sc .en 
Fragen uiu durch seine hervorragende Kennerschaft auf dem Gebiete der Textilkunst sowohl ^ f le „ 
w, der jetzigen Verwaltung des Museums ein hochgeschätzter Berater. Dem Vorstande war er ei te" 
Mitarbeiter und hebenswürdiger Kollege. 

Am 5. September starb Rudolph Virchow, Ehrenmitglied des Vereins, einer der Führer und 
Hauptbegrunder der deutschen Urgeschich.sforschung. Den ostdeutschen Verhäl.n ssen hat er s ets se n 
besonderes Interesse zugewandt und in früheren Jahren oft in Schlesien und Posen Ausgrabung , vor 
genommen Einer er wichtigsten Urnei.friedhöfe vom schlesischen Typus, der von Zabofo o i' u te 
semer persönlichen Leitung erschlossen worden. ^aoorowo, ist unter 

^'"^O.Oktoberstarbin Rudelsdorf Kr.Nimpfsch,derPflegerdesVereins,GasthofsbesAug Schneider 
Er war ein begeisterter Freund der Altertumskunde und ein verständnisvoller und geschict^r Sam,li dem das 
Museum manchen wichtigen Fund verdankt. Die von ihm hinteriassene Sammh.:. prähistori r AlterU m 
gedachte er dem Museum zu überweisen, ein Wunsch, der von den Erben hoffentlich beachtet ve^ntr 

Von Mitgliedern wurden uns ausserdem durch den Tod entrissen: Herr Kaufn,ann Robert Ehr h 
Prof. A. von Arnim, Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Richard Förster Goistl R.f h «ooert tlirlich, 

i «-*"- h™.*,, HCl»,, „i ..s,e,a.Djirr.„s s.r~crr.":;,it- 

Zam.c.k,, Fra„ M.m Ka«ffma„„. Re,la„ratt,„ H„m. Q.„,sle„ OberslleMn.nf . n ^ V ' 

Uen Vorstand haben in diesem Etatsjahre gebildet- 
Herr I>rof Dr. med. et phil. Grempler, Geheimer Sanitätsrat, Vorsitzender- 
„ I rof. Dr. Roehl, Direktor der Viktoriaschule, stellvertretender Vorsitzender- 
>, Gustav Strieboll, Kaufmann, Schatzmeister; 
„ Dr. Seger, Mnseunisdirektor, Sekretär; 

„ Prof. Kühn, Direktor der Königl. Kunst- und Kunstgewerbeschuie- 
„ Prof. Dr. Mertins, Oberiehrer; 
„ Muehl, Stadtrat; 

„ V. Kocki.tz, Rittmeister«. D. und Kgl. Kammerherr. Majoratsbes. auf Mondschütz Kr Wohlan 



208 

TÄTIGKEITSBERICHT FÜR DAS JAHR 1903/4 

Am 30. März 1903 fand die ordentliche üeneralversammlung statt, in der die Tagesordninig 
satzungsgemäss erledigt wurde. Im Anschliiss daran sprach Direktor Dr. Seger über den Schutz der 
vorgeschichtlichen Denkmäler und Herr Dr. Postler ans Kankau über einen ürnenfnnd ans Michelsdorf 
Kr. Schweidnitz. 

Die Wanderversammiung wurde am 2S. Jnni in Brieg abgehalten und nahm, begiinstigl von dem 
traditionellen Wettergliick des Vereins, einen höchst erfreulichen Verlauf. Die zahlreichen Teilnehmer wurden 
am Bahnhof von den Herren Bürgermeister Riba, Stadtrat Schmidt und Kgl. Baurat Lamy sowie von 
den dortigen JVtitgliedern empfangen und durch die Piastenstrasse nach dem an der Promenade gelegenen 
Hohenzollerncafe geleitet, wo unter den Klängen eines Militär-Konzertes das Frühstück eingenommen wurde. 
Dann ging es über die schöne Promenade nach dem Ringe, wo das Rathaus imd die alten Bürgerhäuser 
besichtigt wurden, und liierauf zur evang. Pfarrkirche St. Nikolai, die in ihrer stattlichen Architektur und 
ihrem reichen Inhalt an Kunstdenkmälern mit den Breslauer Kirchen wetteifert. Einen Extragenuss bereitete 
hier den Besuchern Herr Kantor Hielscher durch einen meisterhaften Orgelvortrag. Den Schluss des 
Rundganges bildete die Besichtigung des Piastenschlosses, von dessen einstiger Herrlichkeit freilich nur das 
Portal noch eine Vorstellung gibt, und der angrenzenden Hedwigskapelle mit der leider auch sehr verwahr- 
losten Fnrstengruft. 

Um 1 Uhr begann in der Aula des Gynniasiums unter grosser Beteiligung der gebildeten Kreise 
Briegs die wissenschaftliche Sitzung. Nach einer Ansprache des Vorsitzenden, Geh. Rats Dr. Orempler 
hielt Dr. Seger einen Vortrag über Altertumsfunde aus der Gegend von Brieg und Prof. Dr. Semrau 
über die Kunstdenkmäler der Stadt Brieg. Um 2'/.j Uhr fand in der Loge ein gemeinsames Essen zu etwa 
100 Gedecken statt. Nach Tisch folgte ein Teil der Gäste der freundlichen Einladung des Kgl. Garten- 
direktors Haupt zum Besuch seiner eine Sehenswürdigkeit ersten Ranges bildenden Treibhäuser, während 
andere der Ruder-Regatta auf der Oder zusahen. Schliesslich fanden sich alle wieder im Hohenzollerncafe 
zusammen, von wo aus die Heimreise angetreten wurde. 

Zu Pfingsten (30. Mai bis 1. Juni) veranstaltete die befreundete Wiener Anthropologische Gesellschaft 
einen Ausflug nach Troppau, der mit einer Besichtigung der prähistorischen Fundstellen in Kreuzendorf und 
des Burgberges bei Jägerndorf verbunden war. Der Einladung zur Teilnahme leisteten als Vertreter unseres 
Vereins Dr. Seger und Prof. Dr. Thilenius Folge. — Die beiden Genannten unterstützten auch den Vor- 
sitzenden Geh. Rat Dr. Grempler bei der Vertretung des Vereins auf der Versammlung der Deutschen 
anthropologischen Gesellschaft in Worms (10.— 13. August). Der Berichterstatter nahm hierbei Gelegenheit, 
für den gesetzlichen Schutz der vorgeschichtlichen Denkmäler einzutreten. Erfreulicherweise steht eine baldige 
Regelung dieser wichtigen Frage bevor. 

Der Schlesischen Gesellschaft für vaterländische Kultur wurde zu ihrer Säkularfeier am 17. Dezember 
eine Adresse überreicht. Aus Anlass dieser Feier hatten wir die Freude, unser korrespondierendes Mitglied 
Herrn Prof. Dr. Oskar Montelius aus Stockhohn, der die Glückwünsche der Königl. Akademie für schöne 
Wissenschaften, Geschichte und Altertümer überbrachte, auch unter uns zu begrüssen, wenn auch mit Rück- 
sicht auf das überreiche Programm von einer ihm zu Ehren geplanten besonderen Veranstaltung Abstand 
genommen werden mnsste. — Der archäologischen Sektion des Museums des Königreichs Böhmen in Prag 
wurde zu ihrem sechzigjährigen Jubiläum am 23. Jamiar ein Gratulationsschreiben übersandt. 
Im Winterhalbjahr fanden 5 Sitzungen statt. Vortrüge hielten: 

am 9. November Dr. Erwin Hintze über die Miniaturenausstellung des Museums (mit Licht- 
bildern); 
23. November 

1. Prof. Dr. Merlins über typische Funde aus der älteren Steinzeit in Frankreich (mit 
Lichtbildern); 

2. Dr. Seger über den Sonneuwagen von rrundhi>lm (mit Lichtbildern); 

3. Dr. G. 1 ustig über die Bedeutung der vorgeschichtlichen Gruben am /obtcnberge; 



20Q 

7. Dezember Prof. Dr. Tliilenius über die ältesten Reste des Menschen und die Frage der 
Menscliwerdiing (mit Liciitbildern); 

20. Februar Privatdozent Dr. R. Leonliard über Paphlagonische Felsendenkmäler (mit Licht- 

bildern); 

21. März Prof. Dr. Markgraf über die topographische Entwicklung Breslaus. 

Zur Ausführung eines gross angelegten Planes, der Herausgabe eines Schlesischen Künstler- 
lexikons mit Einschluss aller Arten von Kunsthandwerkern, wurden die ersten Schritte getan. Das 
Bedürfnis eines solchen Werkes liegt für jeden, der sich mit der schlesischen Kunstgeschichte beschäftigt 
hat, auf der Hand. Die Leitung des L'nternehniens übernahm die Direktion des Schlesischen Museums für 
Kunstgewerbe und Allertünicr. Begonnen wurde damit, aus den Bürgerverzeichnissen des Breslauer 
Stadtarchivs und den älteren Kirchenbüchern die einschlägigen Personalnotizen auszuziehen. Diese 
archivalische Arbeit wurde Herrn Dr. Hey er übertragen. 

Von grösseren wissenschaftlichen Unternehmungen ist die genaue kartographische Aufnahme und 
Vermessung der vielbesprochenen Dreigräben in Niederschlesien hervorzuheben. Es ist dies die einzige, 
in ihrem Zusammenhange noch wohl erkennbare Grenzbefestigung, die sich aus dem frühen Mittelalter 
erhalten hat. So viel darüber auch geschrieben worden ist, so fehlte es doch bisher an einer wissen- 
schaftlichen Ansprüchen genügenden Darstellung. Herr Kgl. Landmesser M. Hellmich in Ologau hat sich 
dieser mühseligen Aufgabe unter grossen persönlichen Opfern unterzogen und die Arbeit im Laufe des Ver- 
waltungsjalires grösstenteils zum Abschluss gebracht. Ebenso hat Herr Hellmich im Auftrage des Vereins 
mit der Aufnahme der niederschlesischen Burgwälle begonnen, eine Arbeit, die nach imd nach auch auf die 
übrigen Teile Schlesiens ausgedehnt werden soll und die Grundlage für ein Verzeichnis der durch Gesetz 
zu schützenden vor- und frühgeschichtlichen Denkmäler bilden wird. 

Mit der Untersuchung der stein- und hronzezeitlichen Dorfanlage auf dem Bischwitzer Berge bei 
Jordansmühl wurde nach der Kübenernte im November fortgefahren. Doch setzte das anhaltend schlechte 
Wetter den Arbeiten bald ein Ziel, so dass ihre Weiterführung auf den Spätsommer des folgenden Jahres 
verschoben werden musste. 

Die Untersuchung der sogenannten Trichtergruben (Mardellen) am Zobtenberge wurde von 
Dr. O. Lustig mit deni Nachweis abgeschlossen, dass sie ihre Entstehung dem Aufsuchen von flachen 
Steinen zur Mühlsteinfabrikation verdanken. Die Entstehungszeit ist nach den Scherbenfunden ins 11.— 12. 
Jahrhundert zu setzen. Das auch für ausserschlesische Verhältnisse wichtige Ergebnis seiner Arbeit ist 
von Dr. Lustig im Globus (Bd. LXXXV Nr. 6 S. 85- 89) veröffentlicht worden. 

Es fanden ferner im Auftrage des Vereins Ausgrabungen und Untersuchungen von Fundstellen statt 
am I.April und den folgenden Tagen auf dem Lerchenberger Scliiessplatz bei Ologau: römische Brand- 
gräber und Gräberfeld der Hallstattzeit (Leitung M. Hellmich, Hauptmann Schirmer und Dr. Seger); am 
24. April und am 6. Mai in Marschwitz Kr. Ohlau (vgl. S. 27 ff.); am 4. Mai in Domslau Kr. Breslau: 
Skelettgrab der frühen Bronzezeit (Dr. Seger); am 18.— 23. Mai in Tarxdorf Kr. Steinau: Vorgeschichtliche 
Eisenschmelzstätte (O. Ullrich, Dr. Seger); am 20 AAai in Weigwitz Kr. Breslau: Brandgräber der jüngeren 
Bronzezeit (Dr. Seger); am 30. Mai in Ottitz Kr. Ratibor: neolithische W'ohngruben (Dr. Seger und Professor 
Tliilenius); am 5. Juni am Ritscheberg Kr. Brieg: mittelalterliche Wohnanlagen (Laeder); am 12.— 15. Juni 
und am 18.— 10. Oktober in Kudelsdorf Kr. Nimptsch: slavische Reihengräber (A. Kirchner, Dr. Seger, 
G. Ullrich); am 25. 27. Juni und am 23. März in Tauer Kr. Steinau: Gräberfeld der Hallstattzeit (G. Ullrich); 
am 4. Juli in Fricdewalde Kr. Grottkau: Skelettgräber, wahrscheinlich recent (Prof. Thilenius); am 5. Juli 
in Lossen Kr. Brieg: alte Wallanlage (Dr. Seger); am 0,- II. Juli in Gursclien Kr. Fraustadt: La Tcne- 
gräber (M. Hellinicli, G. Ullrich); am 5.- 8. August in Kreidelwitz Kr. Glogau: Gräberfeld der Hallstattzeit 
(G.Ullrich); im August in Cunzendorf Kr. Sprottau: Gräberfeld der Hallstattzeit und (an andrer Stelle) 
Steinkistengräber (M. Hellmich); in Wittgendorf Kr. Sprottau: Gräberfeld mit Gesichtsurnen (A\. Hellmich); 
am 6. 13. September in Hennersdorf Kr. Namslau: Gräberfeld der Früh-La Tenezeit (G. L'llrich); am 
22.— 23. September in Klein Zöllnig Kr. Öls: Depotfund der Hallstattzeit (Dr. Seger, G.Ullrich); am 28.— 29. 
September in Samitz Kr. Glogau: Gräberfeld mit Gesichtsurnen (Dr. Seger, M. Hellmich, G. Ullrich); im 
Oktober in Polnisch Kessel und Prittag Kr. Grünberg: Gräberfelder der Hallstattzeit (\\. Hellmich) 
und in Wilschkowit/ Kr. Nimptsch: slavische Wohnstätte (A. Kirchner); im November in Jordansmühl 



210 

Kr. Niniptsch: Gräberfeld der Bronzezeit, in Dankwitz Kr. Niniptscii; rüinisclie Wolinstiitten und slavische 
Reihengräber, und in Johnsdorf Kr. Nimptsch: neoh'thische Wohnstättc (O. Uilricii); im Febriiar und März 
in Carlsruh, Oelschcn und Zecheivvitz Kr. Steinau: Fundstellen der Rronze- und Hallstatlzeit (O. Ullrich). 

Ausserdem übersandten Ausurabungsbericlite die Herren Dr. Alter in Leubus; Lehrer Gebhardt 
in Cantersdorf b. Löwen; Lehrer Kiok in Sponsberg b. Schebitz; August Kirchner in Heidersdorf; Kreis- 
baumeister Lau in Ratibor, Landmesser Mahraun in Breslau; Rittergutsbesitzer von Saliscli auf Postel; 
G. Ullrich in Steinau und die Städtische Promenadenverwaltung in Breslau. 

Zwei unserer tätigsten Mitarbeiter wurden uns leider durch den Tod entrissen. Am 23. Juh starb in 
Ober-Salzbrunn der Lehrer em. Oswald Fiedler aus Haynan. Er hat sich namentlich zu Anfang der 
neunziger Jahre durch Erschliessung der reichen Fundstätten in der Umgebung von Haynau und die uneigen- 
nützige Ablieferung aller Funde an das Museum Anspruch auf unsere Dankbarkeit erworben. Am 
13. Oktober starb zu Oppeln im 71. Lebensjahre der Kgl. Rechnungsrat und Hauptmann a. D. Wilhelm 
Klose, ein eifriger Forscher und Sammler, der sich auch schriftstellerisch auf den verschiedensten Gebieten 
der Altertumskunde betätigt hat. Seine sehr wertvolle Sammlung vorgeschichtlicher Funde hatte er uns in 
der Hauptsache schon zu seinen Lebzeiten zugewendet. (Vgl. Schles. Vorz. VII 475.) Was davon noch vor- 
handen war, wurde von den Erben, einem Wunsche des Verstorbenen entsprechend, ebenfalls unserem 
Museum überwiesen. 

Von Mitgliedern verstarben ausserdem Oberstabsarzt Dr. Kiesewalter, Buclidruckereibesitzer 
Lilienfeld, Prof. Dr. Ludwig Halm, Major a. D. Lothar von Rosenberg-Lipinsky, Bürgermeister 
Jänicke, Geh. Sanitätsrat Dr. Caro, Kaufmann Otto Schiedewitz imd Rentier Max Pringsheim, 
sämtlich in Breslau, Hauptmaiui a. D. von Wiese in Glatz, Rittmeister a. D. von Schickfuss auf Baum- 
garten, Fabrikbesitzer W. Garve in Nensalz a./O. und llofphotograph Völkel in Landeck. 

Die Veränderungen im Mitgliederbestande waren folgende: Zu Beginn des Verwaltnngsjahres 
zählte der Verein S48 ordentliche Mitglieder. Davon schieden 42 aus, während 39 neu eintraten, so dass 
am Schluss des Jahres 845 vorhanden waren. 

Ein Verzeichnis der Mitglieder ist diesem Berichte beigefügt. 

in der Zusammensetzung des Vorstandes traten keine Veränderungen ein 




Rückseite der Medaille auf S. 202 



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